Presseaussendung zu Pogrom in Ukraine

Mai 9th, 2018  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Kiew: Pogrom gegen Roma (Videostill: censor.net.ua)Die Stiftung Denkmal für die ermor­de­ten Juden Eu­ro­pas und der Zentral­rat Deut­scher Sinti und Roma ver­urtei­len den anti­ziganis­ti­schen Pogrom in der Ukraine und for­dern Si­cher­heit für die dor­tige Roma-Min­der­heit

Die Stiftung Denkmal für die ermorde­ten Juden Europas und der Zentral­rat Deutscher Sinti und Roma for­dern die ukrainische Regie­rung auf, um­ge­hend die rassisti­schen, gewalt­samen Über­griffe auf Roma mit al­len Mitteln des Rechts­staates auf­zu­klären und zu ahn­den sowie die Sicher­heit der ukrai­ni­schen Roma-Min­der­heit zu ge­währ­leis­ten.

Am 21. April 2018 verübten Neonazis nahe der ukraini­schen Haupt­stadt gewalt­sa­me, pogrom­artige Übergriffe ge­gen Roma, die seit Jahr­hun­der­ten Bürger die­ses Staates sind (wir berichteten). Die Neonazis ver­trie­ben 15 Fa­mi­lien mit ihren Kindern und be­war­fen sie mit Steinen. Der Be­sitz der Men­schen wurde ver­brannt (Video). Die Leitung der lokalen Polizei stritt den Vor­fall zu­nächst ab, ob­wohl die in der Ukraine be­kann­te rechts­extreme Grup­pe »S14« im Internet mit ihrer men­schen­ver­achten­den Tat prahl­te. Dass die Polizei sich jetzt doch ent­schloss, den An­griff gegen die Min­der­heit zu unter­suchen, un­ter­streicht den Ernst der Lage.

Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, er­in­nert in diesem Zu­sam­men­hang: »In der Ukraine wur­den zehn­tau­sende Roma wäh­rend der national­sozia­lis­ti­schen Be­satzung der Sow­jet­union im Holocaust er­mor­det. Dieser un­fass­bare Vorfall macht deut­lich wie tief der Anti­ziganis­mus im­mer noch in der Ukraine und in Europa ver­wur­zelt ist.«

Stiftungsdirektor Uwe Neumärker beton­te: »Das 2012 ein­ge­weih­te Denkmal für die im Natio­nal­sozialis­mus er­mor­de­ten Sinti und Roma Europas ist nicht nur Aus­druck der be­son­deren Ver­ant­wor­tung Deutsch­lands, es ver­pflichtet uns Deutsche zu­gleich, jeg­li­cher Gewalt gegen Sinti und Roma auch in der Gegen­wart ent­schie­den zu be­geg­nen.«

Vor diesem Hintergrund erwarten der Zentral­rat Deut­­scher Sinti und Roma und die Stif­tung Denkmal für die ermor­deten Juden eine schnel­le Ver­urteilung der Täter und die Be­kämpfung jeder Form des Anti­ziganis­mus in der Ukraine.

Uwe Neumärker,
Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas

Romani Rose,
Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma

(Pressemitteilung, 9.4.2018)

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