Ukraine: Ein Toter bei bereits 5. Pogrom

Juni 25th, 2018  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Das verwüstete Lager in Lwiw (Foto: Ukrainische Polizei) In der Nähe von Lwiw (Lemberg) in der Westukraine wurde am Samstagabend, 23. Juni, bei einem rechtsextremen Angriff auf ein Roma-Camp ein 24-jähriger Rom getötet (hierhier und hier), vier weitere Camp­bewoh­ner wur­den ver­letzt. Laut An­gaben der Polizei waren die ver­mumm­ten An­grei­fer mit Base­ball­schlä­gern und Messern be­waff­net. Drei Per­so­nen, unter ihnen ein zehn­jähri­ges Kind, wur­den bei den Messer­attacken ver­letzt und in Kranken­häuser ge­bracht. Eine 30-jäh­rige Romni wur­de ver­letzt, als sie ihr Kind vor den An­grei­fern schützen woll­te. Für keinen der Ver­letzten be­steht Lebens­gefahr, zwei von ihnen konn­ten das Kran­ken­haus bereits wieder ver­las­sen. Sieben Per­so­nen, groß­teils 16- und 17-Jäh­rige aus der Ge­gend, wur­den fest­genom­men. Der mut­maß­li­che Or­gani­sator des Angriffs, ein 20-jäh­ri­ger Mann, wurde eben­falls fest­ge­nom­men. Der Bürger­meis­ter von Lwiw sicher­te den Roma in einer Stellung­nah­me Polizei­schutz zu. Den Ver­hafte­ten droht laut Polizei eine An­klage wegen vor­sätz­li­chen Mordes mit Grup­pen­orga­ni­sa­tion.

Es ist dies seit Ende April 2018 bereits der 5. Pogrom gegen die Roma-Be­völ­ke­rung in der Ukraine (wir be­rich­te­ten hier, hier und hier):

  • In der Nacht zum 21. April 2018 überfielen Mitglieder der rechts­extre­men Or­gani­sa­tion „C14“ („S14“) ein Roma-Camp im Park Lysaja Gora bei Kiew (mehr hier und hier). Der Besitz der Men­schen wurde zer­stört und meh­re­re Zelte nie­der­ge­brannt. In einem Internet-Video ist zu sehen, wie mas­kier­te Männer die Roma – un­ter ihnen vie­le Kinder – mit Steinen und Reizgas jagen. Die Polizei stritt den Vor­fall zu­nächst ab und wei­gerte sich Ermitt­lun­gen auf­zu­nehmen.
  • In der Nacht vom 9. auf den 10. Mai 2018 brann­ten etwa 30 mas­kierte Männer die Unter­künfte einer Roma-Sied­lung in der Region Lwiw (Lemberg) nieder und ver­prü­gel­ten die Be­woh­ner (mehr hier und hier). Die Polizei er­mit­telte ledig­lich we­gen „gro­ben Unfugs“.
  • Am 22. Mai 2018 überfielen 20 Neonazis mit Schuss­waf­fen einen Roma-Ta­bor mit sie­ben Er­wach­se­nen und rund 30 Kin­dern im west­ukraini­schen Ternopil. Bei den An­grei­fern han­delte es sich zum Teil um Ju­gend­li­che (mehr hier).
  • Am 7. Juni 2018 überfielen rund zwei Dutzend Mit­glie­der der para­militä­ri­schen „Nationalna Druzyna“, die von Ve­ter­anen der Azov-Miliz ge­bil­det wurde, mit Sturm­hau­ben, Äxten und Vor­schlag­hämmern ein Ro­ma-Camp im Kiewer Holo­siwskyi-Park. Der Pogrom wurde live auf Facebook über­tra­gen, ohne dass die Polizei ein­schritt. Aber­mals sprach die Polizei nur von „gro­bem Unfug“ (mehr hier und hier).

(Roman Urbaner/dROMa)

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