Zentralrat: Ukraine muss handeln

Juli 17th, 2018  |  Published in Rassismus & Menschenrechte  |  1 Comment

Pogrom in Lemberg (Foto: liveuamap .com)Zentralrat Deutscher Sinti und Roma im Ge­spräch mit der ukrai­ni­schen Bot­schaft: Die Aus­einan­der­set­zung mit Dis­kri­mi­nie­rung und Anti­zi­ga­nis­mus ist wich­­ti­­ge Auf­­gabe der ukrai­ni­schen Re­gie­rung

Am 13. Juli 2018 traf der Vorsitzende des Zentral­rats Deut­scher Sinti und Roma, Romani Rose, mit der Ge­sandten-Bot­schafts­rätin der ukrai­ni­schen Bot­schaft Iryna Tybinka zu­sam­men. Der Schwer­punkt des Tref­fens war die Si­tua­tion über die Pogro­me an Roma in der Ukraine (mehr hier, hie, hier und hier) und den Mor­den an Roma in jüngs­ter Zeit in Lwiw und Berehove (West­ukrai­ne) sowie die Hand­lun­gen der ukrai­ni­schen Be­hör­den in die­sem Zu­sam­men­hang bzw. Er­geb­nis­se von be­gon­ne­nen Er­mitt­lun­gen.

Das Gespräch fand auf Vermittlung des Botschafters der Ukraine in der Bun­des­re­publik Deutschland, Dr. Andrii Melnyk, und des Staats­ministers im Aus­wär­ti­gen Amt, Michael Roth, statt, mit dem Romani Rose in der Vor­woche we­gen der Bedro­hung für Roma in ganz Europa durch den zu­neh­mend gewalt­berei­ten Ant­iziganis­mus sprach.

Bei einem Überfall auf Roma-Unterkünfte in Lwiw hatten rechts­extreme Täter den 24-jäh­ri­gen David Popp mit 15 Messer­stichen er­mordet (wir berichteten). Wei­tere vier Per­sonen wur­den bei die­sem Angriff schwer ver­letzt, darun­ter ein 10-jäh­ri­ges Kind und seine Mutter, die ver­suchte, ihr Kind vor den Messer­stichen zu schützen. Die­ser Überfall war das fünf­te Pogrom inner­halb von zwei Mo­naten, bei dem rechts­extreme Grup­pen Roma-Un­ter­künfte zer­störten und zum Teil ab­brann­ten. Ver­ant­wort­lich sind rechts­extre­mis­ti­sche und natio­na­lis­ti­sche Or­ga­ni­sa­tio­nen, die sich of­fen zu ihren Taten be­ken­nen und diese im Internet do­ku­men­tie­ren. Unter ande­ren be­kann­te sich aus­drück­lich die natio­nalis­ti­sche Or­gani­sa­tion C14 zu die­sen Straf­taten.

Botschaftsrätin Iryna Tybinka erklärte, dass die Regie­rung und das Volk der Ukraine auf das Schärfs­te alle For­men der Ras­sen­diskri­mi­nie­rung ver­urtei­len und keine ihre Er­schei­nungs­for­men tolerie­ren. Nach An­ga­ben von Polizei und Staats­anwalt­schaft der Ukraine seien 14 Tat­ver­däch­tige fest­gestellt wor­den, von de­nen acht Ver­däch­tige am sel­ben Tag fest­ge­nom­men wor­den seien. Für die sieben min­der­jähri­gen Tat­ver­däch­tigen und den mut­maßli­chen 20-jäh­ri­gen Organi­sa­tor des Angriffs habe das Gericht Unter­suchungs­haft an­ge­ord­net.

Bei dem Gespräch hat Frau Tybinka unter­stri­chen, dass die Ukraine heute mit unter­schied­li­chen Heraus­for­derun­gen kon­fron­tiert ist. Die Be­wäl­ti­gung der Dis­krimi­nie­rung von Roma, die Be­sei­ti­gung des zugrunde­lie­gen­den Anti­ziganis­mus und der daraus fol­gen­den Ge­walt weg­en der ethni­schen Zu­ge­hörig­keit sei eine außer­ordent­li­ch wich­tige und drin­gen­de Auf­gabe des Ukrai­ni­schen Staa­tes.

Romani Rose bat die ukrainische Ge­sandte-Bot­schafts­rätin, die ukrai­ni­sche Regie­rung über die große Be­sorg­nis in der Bun­des­republik Deut­schland zu in­for­mie­ren. Die Ukraine hat das Rah­men­über­ein­kom­men des Europa­rates zum Schutz natio­na­ler Min­der­heiten eben­so rati­fi­ziert wie die Charta zum Schutz von Min­der­heiten­sprachen. Der Ukrai­ne kommt in der Re­gion eine große Be­deu­tung zu für den Auf­bau von demo­kra­ti­schen Struk­tu­ren, Institu­tio­nen und Wer­ten. Hierzu ge­hö­ren ins­beson­dere der Schutz und die För­de­rung von Min­der­heiten.

Die Gesandte-Botschaftsrätin Iryna Tybinka schlug dem Vor­sitzen­den des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Ro­ma­ni Rose vor, ge­mein­sam kon­kre­te Pro­jekte in der Ukraine zu ent­wickeln, die der Integra­tion der Roma in die ukrai­ni­sche Ge­sell­schaft vor al­lem im Be­reich der fach­li­chen Bil­dung und dauer­haf­ten Nieder­las­sung bei­tra­gen können. Ro­mani Rose unter­strich sei­ner­seits, dass die Aus­einan­der­setzung mit dem Anti­ziganis­mus Prio­ri­tät haben müs­se, um damit die der weit­rei­chen­den Be­nach­tei­li­gung von Roma zu­grunde­lie­gen­den Ur­sachen be­kämpfen zu kön­nen. So­lan­ge nationalis­ti­sche Or­gani­sa­tio­nen oder Poli­tiker wie der italie­ni­sche Außen­minis­ter Matteo Salvini die Aus­gren­zung von Roma auf­grund ihrer Ab­stam­mung pro­pagie­ren oder selbst Pogro­me ge­gen Roma organi­sie­ren können, seien Program­me, die al­lein auf die soziale Si­tua­tion ab­he­ben zum Schei­tern ver­ur­teilt. Der italieni­sche Innen­minister will Roma ohne Staats­bürger­schaft aus­weisen und sag­te, Roma mit italieni­schem Pass müs­se man „un­glückli­cher­weise be­halten“.

(Pressemitteilung des Zentralrats)

Responses

  1. dROMa-Blog | Weblog zu Roma-Themen | Roma-NGOs verklagen ukrainische Polizei says:

    August 30th, 2018 at 11:56 (#)

    [...] auch: „Systematische Verfolgung“ in der Ukraine, 24.7.2018 Zentralrat: Ukraine muss handeln, 17.7.2018 Ukraine: Ein Toter bei bereits 5. Pogrom, 25.6.2018 Ukraine: Erneuter Angriff auf Roma, [...]