Rassismus & Menschenrechte

Urteil in Ungarn: Entschädigung für Romakinder

Mai 13th, 2020  |  Published in Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Romaschüler (Foto: Pester Lloyd)Schuliche Segregtion: Ungarisches Höchst­gericht spricht dis­kri­mi­nier­ten Roma-Kin­dern Ent­schä­di­gung zu

Das ungarische Oberste Gericht hat den Familien von 60 Roma-Kindern eine finan­zielle Entschädigung zu­ge­spro­chen. Die Kinder waren in der Schule (Anm.: in der Ge­meinde Gyöngyöspata) jah­re­lang getrennt von den anderen unter­richtet worden und durften nicht am Schwimm­unterricht und an Aus­flügen teil­nehmen. Getrenn­ter Unterricht auf­grund von Herkunft ist in Ungarn illegal. Das Ge­richt bestätigte damit das Urteil der Vor­instanz, das Minister­prä­si­dent Orbán als „un­gerecht“ be­zeich­net hatte. Die Klage gegen die Grund­schule und die kom­munalen Behörden hatte eine Kinder­rechts­organisa­tion (Anm.: Chance for Children Foundation) im Namen der betrof­fenen Familien ge­führt. Ihnen steht nun eine Entschädigung von um­ge­rech­net knapp 300.000 Euro zu.

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Gedenkstätten: 107 Schändungen seit 2013

Mai 6th, 2020  |  Published in Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte

Befreiungsfeier in Mauthausen 2019 (Foto: MKÖ)Gedenkstättenschändungen: Mauthausen-Komitee kri­ti­siert Tot­schwei­gen. Mernyi for­dert Trans­pa­renz und Ak­tions­plan

Gestern vor 75 Jahren wurde das KZ Mauthausen befreit. Für die Häft­linge war dieser Ort die Hölle. Noch immer kämpfen die Über­lebenden für ein „Niemals wieder“. Umso schockier­ter ist das Mauthau­sen-Ko­mitee Österreich (MKÖ) über die hohe Zahl an Schändungen von Ge­denk­stätten für NS-Opfer. Wie National­rats­abgeord­ne­te Sabine Schatz durch eine Parlamenta­ri­sche Anfrage an das Innen­ministe­rium heraus­gefunden hat, sind 107 Fälle allein seit 2013 akten­kundig [Anm. d. dROMa-Red.: Stichtag 3. Febru­ar 2020; spä­tere Vor­fälle wie dieser sind nicht in­klu­diert]! 22 dieser Fälle waren Schän­dun­gen der KZ-Gedenkstätte Mauthausen. (→An­frage­beant­wor­tung / PDF, 958 KB)

Die Öffentlichkeit hat nur von ganz wenigen dieser Straftaten er­fah­ren, zu­letzt im Jän­ner von der Beschmierung des nie­der­ländi­schen Denkmals in Maut­hau­sen mit fünf Ha­ken­kreuzen.

„Es ist völlig unverständlich, dass das Innenministerium, die Sicherheits­behörden und die ver­ant­wort­li­chen Politiker die aller­meis­ten Gedenk­stätten­schändungen bis­her tot­geschwiegen haben“, kriti­siert MKÖ-Vor­sitzender Willi Mernyi. „Wenn gerade an einem Ort, Read the rest of this entry »

Zentralrat: Gewalt besser dokumentieren

Mai 5th, 2020  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Deutschland: Romafeindliche Straftaten werden in der Kriminalitätsstatistik seit kurzem eigens erfasstIm vergangenen Jahr wurden in Deutschland 78 anti­ziga­nis­tisch mo­ti­vier­te Straf­taten re­gist­riert. Zentral­rat: Anti­­zi­­ga­­nis­­ti­sche Straf­taten müs­­sen bes­ser do­ku­men­tiert und ver­folgt wer­den

Die Hemmschwelle, Sinti und Roma in Deutschland an­zu­greifen, zu verletzen oder gar zu töten ist weiter­hin sehr niedrig, wie die aktuellen Zahlen der Bundes­regierung zu anti­ziganisti­schen Straftaten 2019 be­legen. Seit drei Jahren wird Antiziganismus als ei­gen­stän­di­ge Kategorie in der Statistik Politisch motivierte Kriminalität (PMK)“ er­fasst (Fall­zahlen: 2017: 53; 2018: 68; 2019: 78) und die Fallzahlen zei­gen eine stete Zunahme. Im letz­ten Jahr wurden auch zahl­reiche Fälle von Köperverletzungen und zwei versuchte Tötungen do­ku­men­tiert.

Angesichts der geringen Anzahl dokumentierter Fälle anti­ziganis­tisch mo­tivier­ter Kriminalität ist von einer hohen Dunkelziffer aus­zu­gehen. Nur ein Bruchteil der Straftaten wird von Be­trof­fe­nen zur Anzeige gebracht oder von Straf­verfolgungs­behörden als anti­ziganistisch moti­viert an­ge­sehen. Betrof­fene haben oft kein Vertrauen in die Polizei, befürch­ten Nachteile für sich selbst oder An­ge­hö­rige und stellen nur selten eine Anzeige. Zu­dem ver­hindert oft fehlendes Wissen über die Wir­kungs­mechanis­men von Anti­ziganismus, dass Polizei­behörden Ermittlung bei an­ti­ziganis­tisch moti­vier­ten Straftaten auf­nehmen.

Rechte Gewalt gegen Sinti und Roma

Im Jahr 2019 haben Polizeibehörden mindestens zwei Fälle, bei de­nen eine Tötungs­absicht vor­lag, als anti­ziganis­tisch moti­viert re­gistriert. In beiden Fällen wurden die Opfer im Zuge des Angriffes rassistisch beleidigt und he­rab­gewür­digt. In einem Fall wurde im letz­ten Jahr eine lang­jähri­ge Freiheitsstrafe ver­hängt und die anti­ziganis­tische Motivation der Tat vom Gericht ge­würdigt. Aber nicht im­mer sind Angriffe auf Sinti und Roma von laut ge­äußer­ten antiziganis­ti­schen Beleidigungen be­glei­tet und werden dann oft nicht als Hasskriminalität an­erkannt. 2018 schoss etwa ein Mann in Berlin-Fried­richs­hain auf das sieben­jährige Nachbarskind einer Roma-Familie. Amaro Foro do­ku­men­tier­te denn Fall in seinem Projekt DOSTA als anti­ziganisti­schen Vorfall. In der offi­ziel­len PMK-Statistik tauch­te dieser Angriff al­ler­dings nicht auf.

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Rassistischer SAT1-Beitrag bleibt ohne Folgen

Mai 2nd, 2020  |  Published in Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Selten fand der Zentralrat so drastische Worte. Und in der Tat duchziehen Bilder wie dieses (etwa bei 04.00) die Sendung. Roma werden mit Unrat, Ungeziefer und Verbrechen verknüpft, Ratten fungieren Leitmotiv die Reportage. (Bild: Screenshot aus der Sendung/Sat1)Deutschland: Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) stellt Be­schwerde­ver­fahren ge­gen SAT.1 ein

Die Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK) der Medien­anstalten ver­sagt bei der Prüfung der Zentral­rats-Be­schwer­de. Der Zentralrat Deut­scher Sinti und Roma hatte Programm­beschwerde ein­gelegt ge­gen die SPIEGEL-TV-Pro­duk­ti­on „Roma: Ein Volk zwischen Armut und Angeberei“, die in der Reihe „Akte 20.19“ am 7. Au­gust 2019 von SAT1 aus­gestrahlt wor­den war. Eine Viel­zahl von Sinti und Roma hatten sich telefo­nisch an den Zentral­rat ge­wandt und ihre Be­stür­zung über diese mas­siv diffamierende Sendung ge­äußert. Die Einstellung des Be­schwer­de­ver­fahrens ge­gen SAT1 durch die LMK Rhein­land-Pfalz kommt über­ra­schend und ist in der Sache voll­kommen un­ver­ständ­lich.

Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma: „Die Prüf­gremien der Medien­anstalten le­giti­mieren mit dieser Ent­scheidung eine stig­matisie­rende und rassistische Do­kumen­tation. Diese hat wieder­holt Ratten ge­zeigt oder im Kom­mentar ein­gespro­chen und so einen systema­tischen Zusammen­hang zwi­schen Ratten und der Minderheit her­stellt, der die Minderheit wieder als eine Gefahr für Hygiene und Ge­sundheit in der Gesell­schaft er­scheinen lässt. Die Stigmati­sierung von Sinti und Roma in Sendun­gen wie dieser schafft die Atmos­phäre für einen zu­nehmend gewalt­bereiten Antiziganismus, der wiederum zu An­schlägen wie denen in München 2016 oder in Hanau im Febru­ar 2020 führt.“

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hatte die Kritik an dem Film­beitrag voll­um­fänglich ge­teilt und erklärt „gerade das ent­setzliche die ‚Dokumentation‘ be­stim­mende Bild von Ratten … er­innert auf ver­heerende Weise an Zeiten, in denen die visuelle Ver­bindung zwischen Mensch und Ratten Teil staat­lich organi­sier­ter Hetze war“.

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Rumänien: Polizeichef misshandelt Roma

April 28th, 2020  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Polizeigewalt in Bolintin (Foto: RAN)Polizeigewalt gegen Roma im südrumänischen Bolintin

RAN, 25.4.2020: In sozialen Medien wurde kürzlich ein Video (→auf Face­book an­se­hen) ge­teilt, das zeigt, wie ein Polizist auf einen am Boden lie­gen­den ge­fessel­ten Mann ein­prügelt und eintritt. Da­neben lie­gen meh­rere wei­tere Ver­haf­tete und Polizisten ste­hen herum und unter­nehmen nichts ge­gen ihren gewalt­täti­gen Kol­legen. Die Polizeig­ewalt er­eignete sich am 18. April. Die Ge­werk­schaft der Polizei hat be­stätigt, dass es sich bei dem Täter um den Polizei­chef von Bolintin-Vale (Giurgiu, Süd­ru­mä­ni­en) han­delt.

Die Verhafteten sollen auf der Straße mit Musik und Alkohol ge­feiert und in Streit mit der Polizei ge­raten sein. Sie haben dafür eine Geld­strafe be­kom­men. Der gewalt­tätige Polizist wur­de an­schei­nend sus­pendiert und ein Ver­fahren ge­gen ihn ein­geleitet.

Menschenrechts-Organisationen der Roma haben den rumänischen Prä­siden­ten auf­gefordert, Innenminister Marcel Vela und seinen Ka­bi­netts­chef Traian Berbeceanu zu ent­lassen, die kürz­lich äu­ßerten, dass die Polizei „Gewalt mit Gewalt be­gegnen sollte“. Eine sol­che Äußerung würde die Polizei zu Gewalt gegen ihre eige­nen Bürger er­mutigen. Es war nicht der erste Fall von Polizei­gewalt gegen Roma in der letz­ten Zeit. Zudem wird die rumä­ni­sche Polizei be­schuldigt, den Aus­nahme­zustand im Zu­sam­men­hang mit der Corona-Pan­de­mie zu miss­brauchen, um un­an­gemes­sen hohe Geld­strafen für gering­fügige Verstöße ge­gen die Ausgangs­sperre zu kas­sieren.

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„Wir sind da, wir gehören dazu“

April 27th, 2020  |  Published in Film & Theater, Interview, Rassismus & Menschenrechte

Filmstill Hessen: Film zur Alltagsdiskriminierung

Der Landesverband der deutschen Sinti und Roma in Hessen hat einen Film zur All­tags­dis­kri­mi­nie­rung er­stel­len las­sen. Für den Film wur­den An­ge­hö­ri­ge der Minderheit im Alter zwi­schen 12 und 50 Jah­ren in Hessen zu ihren Er­fah­run­gen mit Ausgrenzung und Antiziganismus in­ter­viewt. Der Lan­des­ver­band wird den Film für seine Bil­dungs- und Auf­klä­rungs­arbeit u. a. an Schulen in der Zu­kunft nut­zen. Hier kann der Film be­trach­tet wer­den: →zum Video (17:43 min)

(Text und Video: sinti-roma-hessen.de)

Corona: Stigmatisierung und humanitäre Krise

April 22nd, 2020  |  Published in Interview, Politik, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Herbert Heuss, Wissenschaftlicher Leiter des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma (Foto: minderheitensekretariat.de)Drohende humanitäre Krise durch Corona-Maß­nah­men – Ge­spräch zur Si­tu­a­ti­on von Roma in Süd­ost- und Mit­tel­eu­ro­pa mit Herbert Heuß

Radio Corax (Halle), Sendung vom 31.3.2020
13:22 min, 16 MB, Anhören (mp3)

Stigmatisierung von Sinti und Roma ist ein Problem das in ganz Europa prä­sent ist. In der ak­tu­el­len Coro­na-Pan­demie wird das wieder be­son­ders deutlich. Minder­heiten sind jetzt ein leich­tes Ziel für Schuld­zu­weisun­gen und Angriffe durch Rechte und andere Men­schen­feinde. Davon sind auch Sinti und Roma in Europa betroffen. So wur­den in Bulgarien in drei Städten gan­ze Stadtviertel ab­ge­rie­gelt. Be­gründet wird das mit der an­geb­lichen Miss­achtung von Aus­gangs­be­schrän­kungen. Gleich­zeitig bedrohen die Maß­nahmen gegen Corona die wirt­schaft­li­che Existenz vieler Roma in Bul­garien. Maß­nahmen gegen eine dro­hende huma­nitäre Krise gibt es da­gegen nicht. Über die Stigmati­sie­rung von Sinti und Roma in Zeiten von Corona spra­chen wir mit Herbert Heuß. Read the rest of this entry »

Nicht ins Spital vorgelassen: Romni stirbt

April 19th, 2020  |  Published in Frauenrechte, Rassismus & Menschenrechte

Skopje: ohne ausreichende medizinische VersorgungCorona-Krise: Roma-Frau und ihr Baby starben in Nord­ma­ze­do­nien in den Wehen. Mehr­mals wur­de ihr Be­hand­lung ver­wei­gert, sie ver­starb schließ­lich an einer Sep­sis. ERRC spricht von Ver­dacht auf Fahr­läs­sig­keit und insti­tu­tio­nel­lem Ras­sis­mus.

ERRC/RAN, 6.4.2020: Eine 37-jährige Roma-Frau und ihr ungeborenes Baby sind in Skopje, Nord­maze­donien, ge­storben, nach­dem sie als Notfall ins Kranken­haus trans­por­tiert wor­den waren. Die Mutter erlitt Kompli­ka­tio­nen, die zum Tod ihres Babys in der Ge­bär­mutter führ­ten, wäh­rend sie stunden­lang außer­halb des Kranken­hauses auf die Be­hand­lung war­tete. Sie starb am 31. März an einer Sepsis.

Drei Tage zuvor war ihre Fruchtblase geplatzt, und die Frau war­tete darauf, zur Geburt in der Frauen­klinik in Ohrid auf­genom­men zu werden. Die Frau stammte aus sehr armen Ver­hält­nissen und lebte unter men­schen­unwür­di­gen Be­din­gun­gen mit ihrem Mann und zwei kleinen Kindern. Sie war nicht in der Lage, die Kosten für Reisen und häufige Arzt­besuche zu tragen. Sie be­suchte die Frauen­klinik in Ohrid erst­mals am 26. März, nach­dem die Fruchtblase ge­platzt war. Sie wurde unter­sucht und darüber in­for­miert, dass sie noch nicht ent­bindungs­bereit sei. Am 29. März kam sie wieder in die Klinik und klagte über starke, ab­nor­male Schmerzen, hatte Blutungen und An­zei­chen einer Infektion. Der­selbe Arzt teilte ihr mit, dass sie für die Ent­bin­dung noch nicht bereit sei, und schickte sie nach Hause. Am nächs­ten Tag wieder­holte sich dies mit einem ande­ren Arzt, ob­wohl sie ihn um einen Kaiser­schnitt bat. Am 31. März kam sie mor­gens in der Klinik an und bat um sofor­tige Be­handlung, da sie die Schmer­zen nicht mehr er­tragen könne. Ein Arzt, den sie zuvor nicht ge­sehen hatte, war im Dienst und sagte ihr, dass ihr Baby in einem schlech­ten Zu­stand sei und nicht rich­tig atmen könne. Um 10 Uhr kam ein Kranken­wagen, der sie ins Kranken­haus von Skopje brachte, da ihre Kompli­ka­tio­nen in der Klinik in Ohrid zu schwie­rig zu be­handeln seien.

Ärzte fanden sie außerhalb des Krankenhauses allein vor, was be­deu­tet, dass der Fahrer des Rettungs­wagens sie nicht ins Krankenhaus ge­bracht hat, son­dern sie vor der Tür ab­ge­setzt hat. Da sie hohes Fieber hatte, nahm das medi­zini­sche Personal eine Probe, um sie auf Covid-19 zu testen, und man ließ sie auf die Behandlung war­ten, bis die Test­ergeb­nisse zurück­ge­kom­men waren. Read the rest of this entry »

Amnesty: Tschechien diskriminiert Roma

April 16th, 2020  |  Published in Dokumente & Berichte, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

Amnesty International: Neuer Menschenrechtsbericht kritisiert Roma-Benachteiligung in TschechienAmnesty International kriti­siert Tsche­chi­en we­gen Dis­kri­mi­nie­rung von Roma

In Tschechien werden Roma weiterhin diskri­mi­niert, und das vor al­lem auf dem Wohnungs­markt und in der Bildung. Die­sen Schluss zieht Am­nesty Inter­national im neues­ten Bericht zum Stand der Menschen­rechte in Europa (→Download). Dem­nach kom­men in den Bil­dungs-Son­der­program­men (Anm.: den frü­he­ren Sonderschulen) fast 29 Pro­zent der Kinder aus der Roma-Min­derheit. In den regulä­ren Schulen läge ihr Anteil aber nur bei vier Pro­zent, hieß es. Amnesty Inter­national äu­ßert sich in dem neues­ten Bericht aber auch be­sorgt über die Pläne, den Zugang zu Miet­zuschüssen zu er­schwe­ren. Read the rest of this entry »

Zentralrat: „Rassismus tötet“

April 14th, 2020  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Stellungnahme Stellungnahme des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma zum Inter­na­tio­na­len Roma-Tag

Eine Mutter und ihr ungeborenes Kind sterben in Nordmazedonien wegen Ver­wei­ge­rung me­di­zi­ni­scher Ver­sor­gung

In der vergangenen Woche starben in Nordmazedoniens Haupt­stadt Skopje eine junge Frau und ihr un­gebore­nes Kind, nach­dem ihnen mehr­fach medizini­sche Versorgung ver­weigert wurde. Das European Roma Rights Center in Budapest ver­folgt diesen Fall von insti­tu­tio­nel­lem Rassismus und war­tet auf das Er­geb­nis der Unter­suchun­gen durch das dor­ti­ge Ge­sund­heits­minis­te­rium, bevor rechtli­che Schritte ein­geleitet wer­den können.

Für den Zentralrat Deutscher Sinti und Roma bestätigt dieser traurige Fall erneut, dass sich der struktu­rel­le Antiziganismus, diese spe­zifische, gegen Roma ge­rich­tete Form des Rassismus, in Europa ge­rade auch unter den kriti­schen Bedin­gun­gen der Corona-Krise ver­schärft.

Anlässlich des Internationalen Roma-Tages am 8. April erneuert der Zentralrat Deut­scher Sinti und Roma seinen Appell an die natio­nalen Regierun­gen und die euro­päischen Institu­tionen, jetzt die beson­ders prekäre Situa­tion von Roma in den Ländern Mittel- und Süd­ost­europas an­zu­erkennen und um­gehend zielgerichtete Maßnahmen zu er­greifen. Der Zentral­rat be­grüßt hier beson­ders die Erklärung der EU-Kom­mis­sarin für Gleichstellung, Helena Dalli, die eine „Verfolgung und Be­strafung von rassisti­schen Äußerun­gen in der Öf­fent­lich­keit“ forderte, „die zu Gewalt gegen Roma in Zeiten der Krise füh­ren können“.

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40. Jahrestag des Hungerstreiks in Dachau

April 10th, 2020  |  Published in Geschichte & Gedenken, Politik, Rassismus & Menschenrechte

Von links oben: Pepi Schopper, Brala Ernst, Wallani Georg; unten Romani Rose, Jakob Bamberger (Foto: © Zentralrat Deutscher Sinti und Roma)Am Karfreitag 1980, dem 4. April, traten zwölf Sinti, un­ter ihnen die Über­le­ben­den des Holocaust Jakob Bamberger, Hans Braun, Ranco Brandtner und Franz Wirbel, in der Evan­ge­li­schen Ver­söhnungs­kirche auf dem Ge­lände der KZ-Ge­denk­stätte Dachau in den Hunger­streik. Zentrale For­derungen waren die An­erken­nung des NS-Völ­ker­mords an den Sinti und Roma durch die Bundes­re­gierung, die sofortige Be­endigung der polizei­li­chen Sonder­erfassung von Sinti und Roma sowie die Heraus­gabe der NS-Akten aus dem ehe­ma­li­gen Reichs­sicher­heits­haupt­amt, die im Bayeri­schen Landes­kriminal­amt wei­ter­hin ver­wendet wor­den wa­ren. Der Protest löste eine breite inter­natio­nale Solidaritäts­welle aus und mar­kierte einen Wendepunkt in der öf­fentli­chen Wahr­neh­mung der Min­derheit.

„Die Anerkennung des Völkermords an den Sinti und Roma am 17. März 1982 durch Bundes­kanzler Helmut Schmidt stell­te die Er­füllung einer zentra­len Forderung des Hunger­streiks dar. Diese völker­recht­li­che Anerkennung be­deutete einen Neu­beginn im Ver­hältnis der Bundes­regie­rung zu den deutschen Sinti und Roma“, er­klärt Romani Rose.

Die polizeiliche Sondererfassung in der Bundesrepublik er­folg­te durch bayeri­sche Kri­minal­polizisten in der „Landfahrerzentrale“, die bis in die 1970er Jahre Namen, Finger­abdrücke und per­sön­li­che Daten von Sinti und Roma aus dem ge­sam­ten Bundes­gebiet in Akten er­fasste. Diese Erfassung setz­te direkt die NS-Er­fassung fort, und zwar auf der Grund­lage der NS-Akten und mit dem Personal aus dem ehe­mali­gen RSHA, die im Bayerischen LKA wie­der ver­beamtet wor­den waren – und die regel­mäßig in Ent­schädigungs­anträgen von Sinti und Roma als Gutachter fun­gierten. Read the rest of this entry »

Zum Roma-Tag: „Roma-Armee“ im Stream

April 8th, 2020  |  Published in Film & Theater, Internet & Blogothek, Kunst & Fotografie, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

8. April 2020: 16–18 Uhr WE AIR HERE! im Live-Stream
18 Uhr ROMA-ARMEE im Gorki-Stream (24h online, engl. UT)

Heute ist Internationaler Roma-Tag. Seit vielen Jahren wird der 8. April als Aktions- und Fest­tag der Roma be­gangen. Die aktuel­le Corona­krise hat zahl­reichen Ver­anstal­tun­gen und Para­den, Auf- und Vor­führun­gen einen dicken Strich durch die Rech­nung ge­macht. Die 2. Roma-Bien­nale und das Berli­ner Gorki-Theater öf­fnen nun aber ihre On­line-Bühne via Stream für das Spe­zial­pro­gramm „We air here!“ und das Ro­ma-Stück „Roma-Armee“.

Entstanden ist das Stück nach einer Idee der Wiener Schauspielerin­nen und Universal­künstlerin­nen Sandra und Simonida Selimović. Das Ma­gazin Theater­kom­pass.de schreibt dazu: „Im gemein­sa­men Recher­che­pro­zess haben Gorki-Haus­regisseu­rin Yael Ronen und das Ensemble aus per­sön­li­chen Erfah­rungen, histori­schen Kon­tami­natio­nen und aktuel­len Vor­fällen dieses Theaterstück ent­wickelt.“ „Roma-Ar­mee“ bil­det den Ab­schluss der nach den Ver­anstaltungs­absagen aus dem Hut ge­zauber­ten On­line-Programm­reihe „We air here!“. Read the rest of this entry »

Corona: große Gefahr für Roma

April 6th, 2020  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte

Corona: Gefahr für Roma (Bild: Iximus/Pixabay)Roma und Sinti stellen die größ­te eth­ni­sche Min­der­heit Euro­pas dar. Die An­ge­hö­ri­gen der Min­der­heit sind der­zeit mas­siv be­droht. Europa muss jetzt hin­se­hen und helfen.

Aussendung des Landesverbands deutscher Sinti und Roma in Hessen, 31.3.2020:

In Bulgarien wurden in den vergangenen Tagen mehre­re Stadtviertel, in denen Men­schen mit Roma-Hin­ter­grund leben, von staat­licher Seite abgeriegelt. Dabei wird auch mit dem Gerücht ope­riert, An­gehö­rige der Roma hät­ten das Corona-Virus nach Bulgarien ein­ge­schleppt. Die betrof­fenen Men­schen werden grund­rechts­widrig von jeder medizini­schen Ver­sorgung aus­ge­schlos­sen, die Versor­gung mit Lebens­mitteln und allen ande­ren Gütern des täg­lichen Bedarfs ab­geschnit­ten. Damit wird eine katastro­phale humani­täre Notlage vom bulga­ri­schen Staat unter Ver­wendung rassisti­scher Begrün­dun­gen herbei­geführt.

In vielen weiteren osteuropäischen Ländern, vor allem in Ungarn, in der Slowakei und in Rumänien sowie auf dem Balkan, ist die Lage für Men­schen mit Roma-Hin­ter­grund be­reits jetzt äu­ßerst pre­kär. In Serbien le­ben min­destens 70 Pro­zent der Roma in so­genann­ten Roma-Sied­lungen und sind dort mit schreck­li­cher Armut kon­fron­tiert, häufig ohne Kanalisation und Wasser­anschluss. Einen ge­ringen Lebens­unter­halt finden die dort leben­den Men­schen im in­for­mellen Sektor, in der Saison­arbeit und dem Sammeln von Wert­stoffen. Da es keine soziale Ab­sicherung gibt, sind die Men­schen nun völlig mittellos. Gleich­zeitig sehen sich die zu­stän­di­gen Institu­tionen nicht in der Ver­antwortung, die Men­schen zu unter­stützen. Letzte Woche haben An­gehörige der Roma auch in meh­reren albanischen Städten pro­testiert, da sie nichts mehr zu essen haben.

In Nordmazedonien sind neun Roma-Musiker aus einer Grup­pe von 200 Men­schen an der Grenze an­gehal­ten und unter Quarantäne ge­stellt worden. Sie sind die ers­ten Perso­nen, die bei ihrer Rück­kehr ins Land in Quaran­täne mussten, und die einzi­gen, die fest­gehalten wurden, ob­wohl sie keine Symp­tome des Co­vid-19-Vi­rus zeigten.

„An diesen Vorgängen zeigt sich, wie erschreckend aktuell der jahrhun­derte­alte Antiziganismus noch immer ist“, sagt Adam Strauß, Vor­sitzen­der des Landes­ver­bandes [der Sinti und Roma in Hessen]. Read the rest of this entry »

Westbalkan/Türkei: Corona trifft Roma

April 4th, 2020  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte

Die Corona-Krise gefährdet vulnerable Bevölkerungsgruppen wie die Roma besonders (Foto: Piro4d/Pixabay)Roma auf dem Westbalkan und in der Türkei sind durch die COVID-19-Pan­de­mie ernst­haft be­droht

Ein gemeinsames Statement vom 31.3.2020 des Zentralrats Deut­scher Sinti und Roma mit dem Euro­päi­schen Roma-Grass­wurzel-Netz­werk (ERGO Network, Belgien), Roma Active Albania (Albanien), Otaharin (Bosnien und Herze­gowina), Voice of Roma, Ashkali and Egyptians (Kosovo), Advancing Together (Ko­so­vo), Phiren Amenca (Montenegro), RROMA (Nordmazedonien), Romalitico/Ro­ma­versitas (Nord­maze­do­nien), Forum Roma Serbia (Serbien), Association of Coordinators for Roma Issues (Serbien), Zero Discrimination Association (Türkei).

  • Roma auf dem Westbalkan und in der Türkei sind durch die COVID-19-Pan­demie ernst­haft be­droht.
  • Ein erhöhtes Armutsrisiko, Hungersnöte und rassistische Gewalt stel­len eine ernst­hafte Gefahr für Roma aber auch für die Gesell­schaft ins­ge­samt dar.
  • Wir rufen die Regierungen der betroffenen Länder, die Europäi­sche Union und die ein­zel­nen Mit­glieds­staaten auf die Situa­tion der Roma um­gehend und nach­hal­tig zu ver­bessern.

Die Auswirkungen und Risiken der COVID-19-Pan­de­mie auf Roma

Risiken durch Armut und Arbeits­losig­keit

Viele Roma sind aufgrund früherer prekärer Arbeitsbedingungen sowie fehlender Einkommen und Ressourcen, auf die sie sich in dieser Krisensituation verlassen können, einem extremen Armutsrisiko ausgesetzt. Die große Mehrheit war auf prekäre Selbständigkeit, unregelmäßige tägliche Arbeit, das Sammeln von wiederverwertbaren Materialien oder auf andere Einkommensquellen angewiesen, die nun aufgrund von Krisenmaßnahmen nicht mehr zur Verfügung stehen. Betriebsstilllegungen und Einschränkungen der Bewegungsfreiheit verschlechtern die Situation weiter. Die Menschen waren und sind nicht in der Lage Vorräte anzulegen und haben oft keine Möglichkeiten Vorräte zu Hause zu lagern. Read the rest of this entry »

Corona: Abschottung von Roma in Bulgarien

März 27th, 2020  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte

In Nowa Sagora, Kasanlak und Sliwen werden die Roma-Viertel streng kontrolliert. COVID-19-Fälle gab es bisher in keiner der drei Städte. Hier: Checkpoint für Roma im Viertel Stolipinovo [Foto: Screenshot, TV Kanal 3 via Euractiv],Bulgarien: Anti-Coronavirus-Maß­nah­men für Roma „gren­zen an Kriegsrecht“

Krassen Nikolow/Euractiv:  Bei der Umsetzung von stri­kten Maß­nah­men gegen COVID-19 schei­nen die bul­ga­ri­schen Be­hör­den be­son­de­res Au­gen­merk auf die Ro­ma-Min­der­heit im Land zu rich­ten. An­geb­lich sei­en viele Roma mit bul­ga­ri­schen Päs­sen in den ver­gan­ge­nen Ta­gen aus West­eu­ro­pa zu­rück­ge­kehrt. Es sei denk­bar, dass sie sich im Wes­ten mit dem Co­ro­na­virus in­fi­ziert hät­ten, so die Be­fürch­tung.

In einigen Teilen Bulgariens gelten für zehn­tausende Roma bereits Maß­nahmen, die an Kriegsrecht er­nnern. Auf Seiten der Behör­den herrscht Angst, die An­gehö­rigen der Minder­heit könnten die scharfen Rege­lungen und Aus­gangs­ein­schrän­kungen der Regierung igno­rieren. Für ganze Stadtviertel in Nowa Sagora, Kasanlak und Sliwen, in denen ins­gesamt mehr als 50.000 Roma leben, wurden Sonder­maß­nahmen ver­hängt. In diesen drei Städten haben die Stadt­verwaltun­gen ein spe­zielles Kontroll­system an den Ausgängen der Roma-Viertel ein­geführt, um die Ein­heimi­schen daran zu hindern, ihre Wohn­gebiete in großen Gruppen zu ver­lassen. Die aktuel­len Anti-Co­rona­vi­rus-Stra­te­gie in Bulgarien ver­bietet es, dass mehr als zwei Erwach­sene an einem Ort im Freien ge­mein­sam unter­wegs sind.

Bisher ist in den drei besagten Städten kein einziger COVID-19-Fall gemel­det wor­den. Aller­dings ist bis­her auch unklar, wie viele Men­schen – wenn über­haupt – ge­testet wurden.

Die politische Kraft, die den Ruf nach strengeren Maßnahmen für die Roma-Ge­mein­schaf­ten am lautes­ten erhebt, ist die natio­nalisti­sche Partei VMRO, ein Junior-Ko­alitions­partner der konser­vativen GERB (EVP-Mit­glied­schaft auf EU-Ebene) von Minister­präsi­dent Bojko Borissow. Die VMRO stellt zwei Ab­geord­nete im Europäi­schen Parlament. Die­se ge­hören der EKR-Fraktion an. Die rechte Partei hatte zuvor gefor­dert, dass die Roma-Vier­tel im ganzen Land komplett isoliert und un­ter Quarantäne ge­stellt werden sollten, weil es „an Disziplin von Seiten ihrer Bewoh­ner“ mangelt. Doch schon bevor die VMRO diese For­derun­gen stellte, war in Nowa Sagora ein Checkpoint-Sys­tem für das Ro­ma-Viertel „Schesti“, in dem fast 10.000 Men­schen leben, sowie eine Ausgangs­sperre für Minder­jährige ver­hängt worden.

Die zweifellos bestehenden zahlreichen Probleme im Viertel dürften indes nicht nur auf die „man­gelnde Disziplin“ seiner Ein­woh­nerInnen zurück­zu­führen sein, son­dern bei­spiels­weise auch auf die man­gelnde Wasser­versorgung und Kanalisation.

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Rassismus in der Corona-Krise

März 26th, 2020  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Rassismus in Zeiten des Corona (Bild: Amnesty)Zentralrat Deutscher Sinti und Roma warnt vor Ras­sis­mus in der Co­ro­na-Krise

Rechtsextreme und nationalistische Politiker in einer Vielzahl von Ländern Mittel­ost- und Süd­ost­europas wol­len die gegen­wär­tige Krise, die durch den neu­en Coro­na-Virus ent­stan­den ist, nutzen, um ihre ras­sisti­schen Posi­tio­nen jetzt als Regie­rungs­han­deln zu legi­timieren und um­zu­setzen.

In Bulgarien forderten Politiker der extremen Rechten die Regie­rung auf, als „nationale Maß­nahme“ Kontroll­stellen an allen von Roma be­wohnten Stadt­vierten ein­zu­richten. In der Folge haben natio­nale und loka­le Behörden be­reits meh­rere Roma-Stadt­viertel ab­geriegelt. Damit wer­den Roma grund­rechts­widrig von jeder medizinischen Ver­sorgung aus­geschlos­sen, die Versorgung mit Lebens­mitteln und allen ande­ren Gütern des täg­lichen Bedarfs wird ab­geschnitten. Damit be­reiten die staat­lichen Institu­tio­nen be­wusst eine humanitäre Notlage vor. Der Rassis­mus gegen Roma, der in diesen Län­dern massiv und gewalt­bereit seit Jahren existiert, be­kommt durch dieses staatliche Handeln eine neue Qualität. Da­mit ist wie­der die Gefahr von neuen Pogromen ge­gen Roma ge­geben.

Die Krise, die der Corona-Virus international ausgelöst hat, trifft alle Men­schen un­ab­hängig von ihrer Herkunft. An­stelle von Stigma­ti­sie­rung und Aus­grenzung müs­sen die ver­ant­wortli­chen Regierun­gen die beson­ders be­drohte Situa­tion von Roma in den Län­dern Mittel- und Südost­europas an­erkennen und um­gehend ziel­gerichtete Maß­nahmen er­greifen. Infolge des be­stehen­den struk­turel­len Rassismus in vielen Regionen ha­ben große Teile der Roma-Be­völke­run­gen keinen Zugang zu Trinkwasser und leben oft­mals in desolaten Wohn­verhält­nis­sen. Read the rest of this entry »

Mehrheit der Schweizer akzeptiert Fahrende

März 25th, 2020  |  Published in Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Fahrende in Nyon (Foto: SF)Eine Mehrheit der Schweizer Be­völ­ke­rung steht der fah­ren­den Le­bens­weise so­wie den Jeni­schen, Sinti und Roma po­si­tiv ge­gen­über. Dies zeigt eine von der Fach­stelle für Ras­sis­mus­be­kämp­fung (FRB) und dem Bun­des­amt für Sta­tis­tik (BFS) durch­ge­führ­te re­prä­sen­ta­ti­ve Um­fra­ge. Die Um­frage macht auch deut­lich, dass we­nig Wis­sen über die Min­der­hei­ten und ihre Le­bens­wei­sen vor­han­den ist.

→BERICHT: Fachstelle für Rassismusbekämpfung/Eidgenössisches Departement des Innern (Hg.), «Auch Menschen mit fahrender Lebensweise brauchen eine Wohnmöglichkeit». Analyse zur Umfrage «Diversität: Ver­schie­dene Lebens­weisen in der Schweiz», Text von Basil Weingartner, Bern 2020, 18 S. (pdf)

Erstmals liegen detaillierte Ergebnisse zur gesell­schaft­li­chen Akzeptanz der fahren­den Lebens­weise in der Schweiz vor. Zwei Drittel (67 Pro­zent) der Bevöl­kerung sehen die fahrende Lebens­weise als Teil der Schweizer Vielfalt. 56 Pro­zent findet, dass die Schweiz mehr für sie tun sollte, etwa gegen den Mangel an Halteplätzen für fah­rende Grup­pen. Jenische und Sinti sind heute in der Schweiz ak­zeptiert. 63 Pro­zent der Bevöl­kerung be­trach­ten die Kultur dieser Minder­heiten als kultu­rel­le Bereiche­rung für das Land. Aller­dings hatte kaum je­mand Kontakt zu den Minder­heiten. In allen drei Sprach­regio­nen geben rund 10 Pro­zent an, bereits ein­mal bewusst Kontakt zu den beiden Minder­heiten ge­habt zu haben.

Für die repräsentative Umfrage des BFS wurden 3.000 Perso­nen im Alter von 15 bis 88 Jah­ren befragt. Zu­sätzlich er­möglicht ein Bericht der FRB eine Ein­schätzung der erho­benen statis­ti­schen Daten. Dazu sind die Rück­meldungen der im Vorfeld der Erhe­bung durch­geführten aus­führ­lichen Ge­sprächen heran­gezogen und die Ein­schätzungen von Ver­tre­terin­nen und Ver­tretern der Minder­heiten ein­be­zogen worden.

Alle zwei Jahre führen die FRB und das BFS die Umfrage «Zusammen­leben in der Schweiz» durch. Bei dieser werden Per­sonen zu ihren Ein­stellungen zu ver­schie­denen For­men von Rassismus und Frem­den­feind­lich­keit be­fragt. Read the rest of this entry »

Riem Spielhaus über Roma in Schulbüchern

März 24th, 2020  |  Published in Interview, Jugend & Bildung, Literatur & Bücher, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

In alten Schulbüchern fallen rassistische und stereotype Darstellungen leichter auf - aber auch heutige Schulbücher reproduzieren sie. (Quelle: flickr.com/Nina Stössinger via rdl.de)Darstellung von Roma in Schulbüchern: Die größte euro­pä­i­sche Min­der­heit ist im Schul­un­ter­richt eine Un­be­kannte

Radio Dreyeckland, Morgenradio, 23.3.2020
→Anhören, 8.05 Min. (mp3)

Rassistisches Denken ist sehr oft mit Stereotypen ver­knüpft. Erste Stereo­type lernen wir be­reits in der Schule, in unse­ren Schul­büchern. Riem Spielhaus ist Pro­fes­so­rin für Islam­wissen­schaft an der Univer­si­tät Göttingen. Au­ßer­dem leitet sie die Abtei­lung „Wissen im Um­bruch“ des „Ge­org-Eckert-Insti­tuts für in­ter­na­tio­na­le Schul­buch­forschung“ (Link). Sie hat sich an­geschaut, wie Roma in euro­päi­schen Schulbüchern dar­ge­stellt werden. Sie sind die größ­te euro­päische Minder­heit; rund 10 bis 12 Millio­nen leben nach Schätzun­gen des Europa­rats in Europa. In Schul­büchern kom­men sie trotz­dem kaum vor. Die Geschichts-, Politik- und Sozial­kun­de­bücher in 21 euro­päi­schen Ländern er­wäh­nen Roma nur rund 800 Mal. Demo­graphi­sche Daten und ihre Ver­folgung zu Zeiten des National­sozia­lis­mus stünden dann im Vor­der­grund. Als Einzel­personen mit Namen und indivi­duel­lem Lebens­verlauf ler­nen Schü­ler/in­nen sie hin­gegen kaum ken­nen, sagte Riem Spielhaus im Inter­view mit Isabel.

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Die Masche der Bild-Zeitung

März 15th, 2020  |  Published in Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte

„Die Masche der Roma“? Wann die „Bild“-Medien Roma und Romnja er­wäh­nen

Eine Frau hat mehreren Rentnern Lügengeschichten er­zählt und ihre Opfer dabei um viel Geld ge­bracht: Mal be­haup­tete sie, dass sie ein Ver­mögen auf einem Schweizer Konto lie­gen hätte, an das sie aber nur ran­käme, wenn man ihr Geld für Notar und Anwalt leiht; mal sagte sie, dass sie Proble­me bei der Rück­zah­lung eines Darlehens hätte. Die Männer gaben ihr teil­weise sechs­stel­lige Summen, die sie nie wieder­beka­men — ins­ge­samt 1,5 Millio­nen Euro soll sich die Frau auf diese Weise er­gaunert haben. Ver­gan­gene Woche wurde sie zu sechs Jah­ren und neun Mo­na­ten Haft ver­urteilt. Bild.de und die Frankfurt-Aus­ga­be der „Bild“-Zeitung be­rich­te­ten über den Pro­zess:

zwischenueberschriftroma01
(Zur Unkenntlichmachung: Verpixelung links und Augen­bal­ken rechts durch „Bild“, der Rest durch BILD­Blog.de.)

Der Autor schildert in seinem Text auch das Vorgehen der Frau und schreibt als Ein­lei­tung in „Bild“:

DIE MASCHE DER ROMA:

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Pujsto tschijipe le gondolipeskere thanestar

März 7th, 2020  |  Published in Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte

Geschändet: Umgestürztes Sinti-Mahnmal in Salzburg-Leopoldskron (Foto: Radiofabrik)Na prindscharde tetertscha ando ar le kur­­kestar o tik­no gon­­do­­li­­pes­­kero than „Niemals Vergessen“ an­de Leopolds­­kron-Moos (Salzburg) pha­re pujste tschite. Ada pal­gon­do­linel upro ande tscha­pime dschene le „Zigeuner-“ vaj. „Anhaltelager“istar le naci­jo­nal­so­cijalis­ten­dar ando pasche pasch­lo Max­glan. O Sinti taj Roma dschi 1945 ando lo­geri mur­darde ule.

O gondolipeskero than la Salzburger Radiofabrikatar 2010 ando keripe jek EU-ake­re pro­jek­tistar usi doku­men­tacija la logeris­kera histori­jatar ando foro Salzburg ker­do ulo. Jeke dsche­nesko suboton upre pelo o pujsto tschi­jipe le gondo­li­pes­kere tha­nestar. Pala­lal dikipe dsche­nendar i bavlal artscha­pim ol, hot o pujsto tschipe odotar al. I skulptura andar srasta igen pharo hi. O kascht pasche sasto. O pujsto tschi­jipe le gondo­lipekere tha­nestar uso haren­gere aun­sesim ulo. Odola gejng na prin­dscharde teter­tscha ermit­linen. Te poli­tischi aunasta­ripe sina, ada dschi­jakan na prin­dschardo hi.

Hitleriskeri reschiserkija Riefenstahl

O aguno logeri le nacijonalsocijalistendar ande Maxglan te la Hitler reschi­ser­kijatar Leni Riefenstahl te kerel hi. Oj ando haburi bari­kani filmis­keri kerasch­kija andi Germa­nija sina. Lakere filmiske „Tiefland“, savi oj ando 1940 dschi 1942 dranin­tscha taj erscht 1954 telal demokra­tischi situa­cija andi bun­dakeri re­publika ki­setin­tscha, lija oj ando „Dritten Reich“ schta­tisktscha andar i flogos­keri grupn le Romen­dar taj Sinti­jendar. Odola ale te andar o logeri Maxglan an­dar Salzburg. Read the rest of this entry »