Archive for September, 2019

„Das bereitet den Boden für Antiziganismus“

September 30th, 2019  |  Published in Interview, Medien & Presse, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

junge WeltDiskriminierung ja, Volksverhetzung nein: Münch­ner Ur­teil zu NPD-Pla­kat sorgt für Em­pörung. Ge­spräch mit Herbert Heuß

Interview: Kristian Stemmler
Aus: junge Welt, Ausgabe vom 21.09.2019, S. 8

Am 19. September wies das Münchner Verwaltungsgericht eine Klage des Zentral­rats Deut­scher Sin­ti und Ro­ma ge­gen die Stadt Ingolstadt ab. Worum ging es dabei?
Seit Jahren plakatiert die NPD bei Bundes- wie bei Landtags­wahlen den Spruch »Geld für die Oma statt für Sinti und Roma«. Da­hin­ter steht die Aus­gren­zung von Sinti und Roma, de­nen nicht zu­ste­hen soll, was anderen Deutschen zu­steht. Im­mer wie­der wur­den wir vom Zentralrat kon­tak­tiert, weil in den Städten und Ge­mein­den diese Plakate aus­hin­gen – mit der Folge, dass Schul­kinder von ihren Klas­sen­kame­ra­den damit kon­fron­tiert wur­den. Diese Form von all­täg­li­cher Dis­krimi­nie­rung ist in keiner Weise ak­zep­tabel, ver­stößt gegen gel­ten­des Recht und be­rei­tet den Boden für gewalt­berei­ten Anti­ziga­nis­mus. Das Münchner Gericht urteilte nun aber, dass der Tat­bestand der Volks­ver­hetzung nicht ge­geben sei.

Ein Gutachten der Würzburger Völkerrechtlerin Stefanie Schmahl im Auf­trag des Bun­des­justiz­ministe­ri­ums hatte schon 2015 er­geben, dass der­artige »fremden­feind­liche Wahl­plakate« die öf­fent­liche Sicher­heit und Ord­nung ge­fähr­den und ab­ge­hängt wer­den müssen. Wie ar­gu­men­tierte die Juristin?
Ihr entscheidendes Argument ist, dass die Gerichte nur auf Volksverhet­zung ab­he­ben, aber alle ande­ren rechtlichen Gründe voll­stän­dig igno­rie­ren. Es gibt eine Reihe inter­natio­naler Ab­kom­men, die in Deutschland im Rang eines Bundes­gesetzes ste­hen. Ein Bei­spiel ist das »Inter­natio­nale Über­ein­kommen zur Be­seiti­gung jeder Form von Rassen­dis­krimi­nie­rung« der Ver­einten Nationen, auf das man sich für ein Vor­gehen gegen rassis­tische Wahl­werbung be­rufen kann. Diese men­schen­recht­lichen Über­ein­kom­men wurden von den Gerichten, auch jetzt wieder vom Münch­ner Ver­waltungs­gericht, aber nicht heran­ge­zogen – obwohl sich der Zentralrat be­reits in seiner Klage­schrift aus­drück­lich und um­fang­reich auf das Gutachten be­zogen hatte. Read the rest of this entry »

Radio Corax: Gedenkarbeit in Heidelberg

September 27th, 2019  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Radio & TV, Veranstaltungen & Ausstellungen

Die ständige Ausstellung am Dokumentationszentrum in Heidelberg besteht seit Márz 1997 (Foto: Dokumentationszentrum/Lossen)Gedenkarbeit am Dokumentationszentrum der Sinti und Roma

Radio Corax | Sendung vom 11.9.2019
8:21 min | 11 MB | →Anhören (mp3)

Seit 1997 gibt es in Heidelberg eine große Aus­stel­lung, die den Völkermord an den Sinti und Roma im Natio­nal­sozia­lis­mus the­ma­ti­siert. Das Ge­den­ken daran ist heu­te nicht weni­ger rele­vant, gerade an­ge­sichts wach­sen­der Frem­den­feind­lich­keit. Über die Arbeit des Do­ku­men­ta­tions­zentrums und die Aus­stellung be­rich­ten André Raatzsch (Lei­tung des Re­fe­rats) und Jan Kreutz.

→Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma: www.sintiundroma.de

(www.freie-radios.net)

Facts & Figures (242)

September 25th, 2019  |  Published in Facts & Figures

Im Jahr 2014 existier­ten in der Slo­wa­kei in 14 Kom­mu­nen spe­zi­el­le Mau­ern und Zäu­ne, um die Ro­ma-Sied­lun­gen von der Mehr­heits­be­völ­ke­rung zu tren­nen.

(Quelle)

Sinti in der Frühen Neuzeit

September 23rd, 2019  |  Published in Geschichte & Gedenken, Interview, Radio & TV, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft

Ausstellung in Heidelberg (Foto: Dokumentationszentrum)Radio Corax | Sendung vom 11.9.2019
12:44 min | 18 MB | →Anhören (mp3)

„Sinti in der Frühen Neuzeit – Akzeptanz, Dissens und Kooperation“, so heißt eine Ausstellung, die die sechs­hun­dert­jäh­rige Prä­senz der Sinti in Deutschland be­leuch­tet. Lange Zeit wur­den selbst in der Fach­literatur vor allem Stereo­type über diese Periode tra­diert, nicht aber ein Wissen über die viel­fäl­ti­gen Lebens­reali­tä­ten der Sinti. Genau davon zu er­zählen macht sich die Sonder­aus­stel­lung in Heidelberg zur Auf­gabe. Eine Füh­rung durch die Aus­stel­lung mit Jan Kreutz und André Raatzsch, die am Doku­men­ta­tions- und Kultur­zentrum der deut­schen Sinti und Roma tä­tig sind.

Sonderausstellung: Sinti in der Frühen Neuzeit
9. Juli 2019 bis 18. November 2019
Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma
Bremeneckgasse 2, 69117 Heidelberg (mehr hier)

(Text: www.freie-radios.net)

Salzburger Urteil gegen Obdachlose

September 21st, 2019  |  Published in Radio & TV, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht, Religion

ORF OrientierungORF-Religionsmagazin „Orientierung“
So., 22.9.2019, um 10.30 Uhr in ORF 2

Der Salzburger Pfarrer Dürlinger stellt sich schützend vor die Notreisenden (Foto: C. Buergler) Urteil gegen Obdachlose: Salzburger Pfarrer fordert Hilfe statt Strafe

Aufregung gab es vergangene Woche in der Festspiel­stadt Salzburg: Das dor­tige Lan­des­ver­wal­tungs­gericht hat in einem viel­beach­te­ten Ent­scheid die Ver­urteilung einer Grup­pe obdach­loser Roma be­stä­tigt. Ihr Ver­gehen: Sie hat­ten sich in einer kalten Regen­nacht im No­vem­ber aus Zweigen und Plastik­folien not­dürftig einen Regen­schutz gebaut – ein Ver­stoß ge­gen das ge­setz­lich ver­ankerte Campier­verbot, so das erst­instanz­li­che Urteil. Doch die „Platt­form für Menschen­rechte“ in Salz­burg be­ein­spruch­te ge­mein­sam mit den Obdachlosen das Vor­ge­hen des Ma­gistrats. So wurde jetzt in zwei­ter Instanz zu­min­dest eine Redu­zie­rung der Geld­strafen von 200 auf 100 Euro er­reicht. Selbst diese Sum­me ist für die Ob­dach­losen, die zu­meist vom Betteln rund um die Alt­stadt le­ben, exis­tenz­be­dro­hend. Was be­deu­tet nun das Urteil für das so­ziale Klima in der Stadt? Ein „Orien­tie­rung“-Team hat sich bei den Roma, bei Men­schen­recht­lern, bei Sozial­arbei­tern, in der Not­schlaf­stelle der Caritas, und bei Bür­ge­rin­nen und Bür­gern auf der Stra­ße um­ge­hört. Die Lage, so geht aus den Be­ob­ach­tun­gen her­vor, ist seit Jah­ren viel weni­ger dra­ma­tisch, als dies bei ober­fläch­li­cher Be­trach­tung scheint. Und die ver­urtei­lten zah­lungs­un­fä­hi­gen Roma wer­den nicht ins Ge­fäng­nis müs­sen: Auf Initia­tive von Pfarrer Alois Dürlinger, Ko­ordi­na­tor für die kirch­li­chen Armuts­pro­jekte für die Stadt, wurde eine Spenden­aktion ge­startet. Die Strafen wur­den in­zwi­schen be­zahlt. Be­richt: Peter Beringer.

(ORF-Programmaussendung)

Heidelberg zeigt wieder „RomaRising“

September 20th, 2019  |  Published in Kunst & Fotografie, Veranstaltungen & Ausstellungen

RomaRising: Porträt von Karel Holomek (Foto: Chad W. Wyatt)Chad Evans Wyatt ist kommerzieller Fotograf aus Washington D. C. Für einen Foto­auf­trag reis­te er 2001 nach Tschechien und war scho­ckiert über die Art und Wei­se, wie dort Roma in den Medien dar­ge­stellt wer­den. Wyatt, der in den USA als Sohn eines Afro­ameri­ka­ners zur Zeit der er­star­ken­den Bür­ger­rechts­bewe­gung auf­wuchs, woll­te diesen rassisti­schen, stereo­typen Bildern etwas ent­gegen­stel­len und star­tete das Foto­pro­jekt »Roma­Ri­sing«. Die Ausstellung (Anm: die bereits zu Jahresbeginn im Heidelberger Forum für Kunst gezeigt wurde) umfasst 22 ausgewählte Porträt­foto­gra­fien von Sinti und Roma aus Chad Wyatts »Roma­Ri­sing«-Archiv und ist bis zum 25.10.2019 zu se­hen.

Die feierliche Eröffnung am 20.9.2019 findet im Beisein von Chad Wyatt und im Rah­men der »Lan­gen Nacht der Volks­hoch­schulen« im Foyer der VHS Hei­del­berg statt. Read the rest of this entry »

Ehrung für Rosa Gitta Martl

September 19th, 2019  |  Published in Ehrungen & Nachrufe

Rosa Gitta Martl Deutschland: Verleihung des Kultur- und Ehrenpreises der Sinti und Roma in Ulm – Preise für Rosa Gitta Martl, Petra Pau und Andre­as Hoff­mann-Rich­ter

Der „Kultur- und Ehrenpreis der Sinti und Roma“ wird dieses Jahr am 20.9.2019 im Foyer des Rat­hauses Ulm um 11 Uhr im Rah­men des Rom­no-Po­wer-Fes­ti­vals ver­ge­ben. Gruß­wort u.a. des Ober­bürvger­meis­ters der Stadt Ulm, Gunter Czisch. Die Preis­träger 2019 sind:

  • Rosa Gitta Martl │ Für ihr kultu­rel­les En­gage­ment und lite­rari­sches Werk

Laudatio: Ilona Lagrene, Autorin, Bürgerrechtlerin, frühere Lan­des­vor­sitzen­de des Ver­bands Deut­scher Sinti und Roma, Landes­ver­band Ba­den-Württem­berg e.V.

Gitta Martl war Mitbegründerin und langjährige Geschäftsführerin des Vereins Ketani, der im Jahr 1998 ge­grün­det wurde und die Interes­sen der in Öster­reich le­ben­den Roma und Sinti ver­trat. „Ketani“ be­deutet „ge­mein­sam“ und ver­weist auf den Grund­satz des Vereins: Gemein­sam mit allen Bürger*in­nen Ös­ter­reichs die Wunden der Ver­gan­gen­heit zu be­wäl­ti­gen und für eine ge­mein­same, fried­liche Zukunft zu ar­beiten. Für ihren gro­ßen Einsatz für Roma und Sinti er­hielt sie be­reits den Elfrie­de-Grün­berg-Preis, den Mari­an­ne-von-Wil­le­mer-Preis, den De­mokratie­preis der Mar­ga­retha-Lupac-Stif­tung sowie 2013 das Gol­dene Ver­dienst­zeichen der Re­publik Österreich. Gitta Martl ist Autorin und er­hielt kürz­lich den Roma-Li­te­ratur­preis des öster­rei­chi­schen P.E.N.-Clubs.

  • Petra Pau │ Für ihren Einsatz für die gleich­be­rech­tig­te Teil­habe von Sinti und Ro­ma in Eu­ropa

Laudatio: Romeo Franz, MdEP

Petra Pau, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, enga­giert sich seit vielen Jahren und Jahr­zehn­ten gegen Anti­ziganismus und für die Bürger­rechte von Sinti und Roma in Europa. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (241)

September 18th, 2019  |  Published in Facts & Figures

In den letzten 2 Jahren wur­den nur 54 Roma, die als NS-Ghet­to-Ar­­bei­ter spä­ter von Deutsch­land um ihre Pen­sionen ge­prellt wur­den, mit ein­ma­lig 1.500 € „ent­schä­digt“.

(Quelle)

3.000 Beiträge auf dROMa-Blog …

September 18th, 2019  |  Published in Allgemeines

Bildschirmfoto 2019-09-16 um 14.12.26

… and still counting.

Prag bekommt Roma-Zentrum

September 17th, 2019  |  Published in Einrichtungen

Tschechiens Roma bekommen ein neues Zentrum in der Hauptstadt. Bild: Kunstausstellung mit Tomáš Rafas Roma-Adaptierungen der tschechischen Flagge, 2013 (Foto: Romea-cz) In Prag soll bis 2023 ein neues Roma-Zentrum ent­stehen

Das Museum für Roma-Kultur mit Sitz in Brno/Brünn will im Jahr 2023 in Prag ein Zentrum der Roma und Sinti er­öff­nen. Der Bau wird rund eine Mil­lion Euro kos­ten, die Kosten da­für werden aus den so­ge­nann­ten Norwegi­schen Fonds be­glichen. Das sagte Museums­direk­to­rin Jana Horváthová am Diens­tag der Nach­rich­ten­agentur ČTK. Es werde kein sehr ge­räu­mi­ges Ge­bäude für ein Museum sein. Daher rechne man viel­mehr damit, dass in Prag eine Art Ge­mein­schafts­zentrum für Roma ent­stehen wird, er­läu­terte Roman Truksa vom Museum aus Brünn.

(Text: Lothar Martin/Radio Prague International)