Archive for August, 2019

Facts & Figures (239)

August 31st, 2019  |  Published in Facts & Figures, Jugend & Bildung

Aufgrund fehlender Pa­pie­re als „staa­ten­los“ klas­si­fi­zier­te Ro­ma-Kin­der dür­fen in Ser­bi­en zwar zur Schu­le ge­hen, aber kei­nen Schul­ab­schluss er­lan­gen.

(Quelle)

Gedenkstele in Merseburg geschändet

August 30th, 2019  |  Published in Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte

Deutschland: Holocaust-Gedenkstätte in Merseburg ein weiteres Mal geschändet (Foto: Wikipedia/Ausschnitt)Vergangene Woche wurde die Gedenkstätte der Sinti und Roma in Merseburg (Sachsen-An­halt) mit einer Flüssigkeit über­schüt­tet. Zeugen hatten die Tat be­obach­tet und die Polizei alar­miert. Diese konnte darauf­hin dank Video­auf­zeich­nungen am frühen Freitag­morgen eine tat­ver­däch­tige Person, einen 30-jährigen Mann aus der Stadt, im nähe­ren Umkreis stellen. Gegen den Mann wird nun wegen „gemein­schäd­li­cher Sach­beschädi­gung“ er­mittelt. Zum Tat­motiv und zur Art der ver­wen­de­ten Flüssigkeit konn­ten die Ermitt­ler noch keine An­gaben gab.

Die Gedenkstätte erinnert an die von den Nationalsozialis­ten er­mor­de­ten Sinti und Roma der Stadt (Namensliste ansehen) und war aus einer Projekt­arbeit von Schü­lern des Herder-Gym­na­sium Merseburg hervor­ge­gangen. Die 2009 errich­tete Gedenk­stele war in der Ver­gangen­heit bereits mehr­fach ge­schändet und be­schädigt wor­den. Von 2009 bis 2013 wurde der Stein ins­ge­samt neunmal „an­ge­griffen, um­ge­stoßen, be­spuckt, be­worfen, mit dem Ham­mer be­schä­digt, mit Haken­kreuzen be­schmiert und der Ge­binde be­raubt“, 2014 wurde er mit Fäkalien be­schmiert. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (238)

August 29th, 2019  |  Published in Facts & Figures

Ca. 32.000 der Roma in Serbien ha­ben kei­ne amt­li­chen Do­ku­men­te (Ge­burts­ur­kun­de, Per­so­nal­aus­weis usw.). Als „Staa­ten­lo­se“ ha­ben sie kaum Zu­gang zu So­zi­al­leis­tun­gen.

(Quelle)

Arte: Mord im Böhmerwald

August 28th, 2019  |  Published in Film & Theater, Radio & TV, Rassismus & Menschenrechte

Miniserie auf Arte (Foto: Arte/Filmstill)Der junge Blogger und Dokumentar­filmer Lukas kommt aus Prag ins böh­mi­sche Buchnov, um dort einen Film über einen Lynch­mord zu rea­li­sie­ren. Ein jun­ger Rom, Denis, wurde qua­si vor den Augen aller er­mordet. Nie­mand im Ort will mit dem Frem­den re­den. Denn es geht auch um den Rassismus gegen­über Roma Die acht­teilige Mini­serie (2018) aus Tschechien (Original­titel: „Lynč“) bietet „einen tiefen Ein­blick in so­ziale Ver­hält­nisse, die an der Spal­tung der tsche­chi­schen Gesell­schaft An­teil ha­ben“, so Arte. Zu sehen nur noch kurz in der Arte-Mediathek!

Siehe auch:
Serie „Mord im Böhmerwald“ auf Arte: Mit Rassisten leben in Tschechien (taz)

Facts & Figures (237)

August 24th, 2019  |  Published in Facts & Figures, Rassismus & Menschenrechte

18 % der Berliner (13 % der Jün­ge­ren, 22 % der Äl­te­ren) fin­den, „Sin­ti und Ro­ma soll­ten aus den In­nen­städ­ten ver­bannt wer­den“.

(Quelle)

Polizei Leipzig unter Rassismus-Verdacht

August 23rd, 2019  |  Published in Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte

Schreiben der Polizei (Foto: Romano Sumnal/Facebook)In Leipzig ist ein Rundschreiben der Polizei publik ge­wor­den (mehr hier), in dem regio­nale Hotel­be­trei­ber auf­ge­fordert wer­den, prä­ventiv die Per­so­nen­daten aller rumä­ni­schen Gäste, die bei ihnen näch­tigen, an die Polizei weiter­zu­geben, da es sich mut­maß­lich um Diebes­banden han­deln könn­te. Der Vor­wurf von Ras­sis­mus und Racial Profiling steht nun im Raum. Auch Romano Sumnal, die ein­zige Roma-Selbst­or­ga­ni­sa­tion in Sachsen (mehr über den Verein hier und hier), sieht darin eine Pauschal­ver­däch­ti­gung al­ler Ru­mänen in Deutschland und im­plizit im Spe­ziellen von Roma. Der Verein ver­öffent­lich­te hier­zu eine Stellung­nahme, die wir im Fol­gen­den wie­der­geben:

Wir sind entsetzt über das Verhalten und die Metho­den der Polizei Leipzig. Im Zuge der Er­mitt­lun­gen und Prä­vention von Diebstahl wäh­rend des Musik­festivals stellte die Polizei rumäni­sche Staats­bürger unter General­verdacht, in­dem sie durch einen offiziel­len Brief Hotel- und Hostel­betrei­ber dazu auf­for­derte, der Polizei Mel­dung zu geben, sollten sich in ihrem Haus rumäni­sche Gäste be­finden. Diese Metho­de der Leip­ziger Polizei ist zu­tiefst rassistisch und ver­achtend. Es steht einer Be­hörde nicht zu, Men­schen nur auf Grund ihrer Staats­ange­hö­rig­keit unter General­ver­dacht zu stel­len. Viele unserer Mit­glieder stam­men aus Rumänien und füh­len sich da­durch zu­tiefst be­trof­fen. Es kommt oft vor, dass sie auf­grund ihrer Staats­angehörig­keit und ihrer Zu­gehörig­keit zur Minder­heit der Roma in Ru­mä­ni­en und Deutschland der­art ras­sistisch ver­urteilt und auch verfolgt wer­den. Wir for­dern die Polizei­be­hör­de Leipzig auf, der­arti­ge Metho­den zu unter­las­sen und sich öffent­lich bei allen Men­schen mit ru­mäni­scher Staats­angehörig­keit zu ent­schul­di­gen. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (236)

August 22nd, 2019  |  Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken

Heute vor 600 Jahren, am 22.8.1419, traf ein Tross ver­meint­li­cher „Sarazenen“ in Châ­til­lon-sur-Cha­la­ron­ne ein – der äl­tes­te Be­leg für Ro­ma in Frank­reich.

(Quelle)

Salvini geht weiter gegen Roma vor

August 21st, 2019  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte

RAN LogoRAN, 20.8.2019: Wir erinnern uns: Letztes Jahr schlug der Innen­minister und stell­ver­tre­tende italienische Minister­prä­sident Matteo Salvini vor, Roma zählen zu las­sen – ein Vor­schlag, der an Maß­nahmen gegen Roma vor dem Zwei­ten Weltkrieg er­innerte. Ob­wohl ein ethni­scher Zensus wohl ge­gen die italienische Verfassung ver­stößt, hat er seine Pläne nicht aufgegeben. Etwa die Hälfte der Roma in Italien hat die italie­nische Staats­bürger­schaft. Da er diese „leider nicht los­werden kann“, wie Salvini sich letztes Jahr aus­drückte, geht er primär gegen die aus­ländi­schen Roma vor. In dem Zu­sam­men­hang hat er nun an­geordnet, dass alle Siedlungen der Roma, Sinti und Camminanti (Anm. der dROMa-Red.: Fahrenden) auf­gezeich­net werden sollen, als ob diese bis dato un­be­kannt seien. Der Hinter­grund der Unter­su­chung sei, heraus­zu­finden, wo sich ille­gale Sied­lungen be­finden, um Räumungen vor­zu­bereiten.

Aurora Sordini, eine Anwältin und Vorsitzende der Roma-Or­ganisa­tion „Associazione 21 Luglio“, meint, diese Maß­nahmen würde Salvini aus propa­gandis­ti­schen Gründen an­regen, um Popula­rität zu ge­winnen. Das ist ak­tuell auch in anderen euro­päi­schen Ländern eine politi­sche Stra­tegie, um Sti­mmen zu ge­winnen. Die Anwältin sagt, dass die Ge­meinden die Roma-Siedlun­gen räumen kön­nen, wenn sie ein gesund­heit­li­ches oder Umwelt­risiko dar­stellen. Das be­deutet, dass sich leicht ein Vor­wand finden lässt, die Siedlun­gen zu räu­men, da sie z.B. oft nicht über Sanitär­anlagen oder Strom­ver­sorgung ver­fügen.

RAN hatte letztes Jahr über die Räumung von 300 Roma in Rom be­richtet. Die Räu­mung der Siedlung stieß bei Men­schen­rechts­or­gani­satio­nen auf Kritik. Vor ein paar Mona­ten fand zudem eine Räu­mung in Giugliano bei Neapel statt. Dort waren 450 Roma unter dem Vor­wand ge­räumt wor­den, die Siedlung stelle eine Gesund­heits­gefahr dar. Der Europäi­sche Gerichts­hof für Men­schen­rechte hatte vor beiden Räu­mun­gen die italie­nische Re­gie­rung auf­ge­fordert, die Räumung erst durch­zu­führen, wenn sie Unter­künfte für die betrof­fenen Men­schen ge­funden hätte. Die Regierung ig­no­rier­te dies je­doch, und viele Men­schen wur­den obdachlos.

„Associazione 21 Luglio“ wurden in der ersten Hälfte von 2019 auch mehr Fälle von Angriffen ge­gen­über Roma ge­meldet als im ge­samten letz­ten Jahr. Read the rest of this entry »

Djiparmissa: klassische Lyrik auf Romanes

August 20th, 2019  |  Published in Literatur & Bücher, Romani

DjiparmissaDjiparmissa
Klassische deutsche Gedichte auf Romane
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Übersetzt u. herausgegeben von Reinhold Lagrene
zweisprachig Romanes-Deutsch, 160 S., gebunden
Verlag Das Wunderhorn: Heidelberg 2018

Das Romanes, die Sprache der Sinti und Roma, ist durch die euro­päi­sche Sprachen­charta als einzig­arti­ger Bestand­teil des kul­tu­rel­len Erbes Europas an­er­kannt. Sie wird in den Fami­lien mündlich wei­ter­ge­ge­ben und ist eine wich­tige kul­tu­relle Res­source der Minderheit. Eine (Anm.: ein­heit­liche und all­gemein an­erkannte) Kodifi­zie­rung der Sprache gibt es je­doch noch nicht. Der öffent­liche Gebrauch des Roma­nes ist lange Zeit von vie­len An­gehö­rig­en der Minder­heit ab­gelehnt wor­den. Zu sehr wirk­ten die Schrecken der natio­nal­sozia­lis­ti­schen Ver­folgung und des Holocausts, dem europa­weit über eine halbe Mil­lion Sinti und Roma zum Opfer fielen, nach. So­genannte Rassen­forscher, die ab 1936 von der SS mit der voll­ständi­gen Er­fas­sung der Minder­heit be­auf­tragt wurden, hat­ten die Sprache der Sinti und Roma erlernt, um sich deren Ver­trauen zu er­schlei­chen, auf deren Grund­lage später die De­por­ta­tio­nen in die Gettos und Ver­nich­tungs­lager in das be­setzte Polen er­folgten. Mitt­ler­weile ist die inter­ne Diskus­sion um den Sprach­erhalt und die Sprach­pflege fort­ge­schrit­ten und Rein­hold Lagrene sah es als seine Auf­gabe an, das Be­wusst­sein der Sinti und Roma für die Be­deu­tung der eigenen Sprache zu stärken. Anhand der Übersetzung von Ge­dichten deut­scher Klas­siker zeigt er, dass das Romanes eine Sprache ist, deren Leben­dig­keit und Vielfalt sich ebenso für den lyris­chen Aus­druck eig­net wie die Sprache der von ihm über­setzten Werke. Den eige­nen Leuten den sprach­lichen Reichtum des Romanes näher­zu­brin­gen und auch der Gesell­schaft zu zeigen, dass die Minder­heiten­sprache Romanes alles an­dere als ein Nischen­pro­dukt ist, hatte er sich zum Ziel ge­setzt.

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Slowakei: Entschädigung nach 13 Jahren

August 18th, 2019  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

JustitiaDas slowakische Verfassungsgericht ordnete an, vier Roma zu ent­schädigen, die 13 Jahre lang in einem Hürden­lauf durch die ver­schie­de­nen Instanzen ver­sucht hatten, sich gericht­lich gegen Diskriminierung zu wehren. Das Per­so­nal einer Gaststätte in Čaklov im Osten des Lan­des wollte sie wegen ihrer ethni­schen Her­kunft nicht bedienen.

Nun hat das Verfassungsgericht fest­ge­stellt, dass die Kreis- und Bezirks­gerichte sich falsch ver­halten haben. „Der Be­schluss des Ver­fas­sungs­gerichts zeigt, wie schwie­rig und zeit­auf­wendig es ist, auch 15 Jahre nach Ein­führung des Anti­dis­krimi­nie­rungs­gesetzes ein ge­rech­tes Urteil zu erreichen, insbesondere bei Fällen von Rassismus”, sagt die Rechts­anwältin Vanda Durbáková, die die Roma ver­tritt. Read the rest of this entry »