Archive for August, 2019

Facts & Figures (239)

August 31st, 2019  |  Published in Facts & Figures, Jugend & Bildung

Aufgrund fehlender Pa­pie­re als „staa­ten­los“ klas­si­fi­zier­te Ro­ma-Kin­der dür­fen in Ser­bi­en zwar zur Schu­le ge­hen, aber kei­nen Schul­ab­schluss er­lan­gen.

(Quelle)

Gedenkstele in Merseburg geschändet

August 30th, 2019  |  Published in Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte

Deutschland: Holocaust-Gedenkstätte in Merseburg ein weiteres Mal geschändet (Foto: Wikipedia/Ausschnitt)Vergangene Woche wurde die Gedenkstätte der Sinti und Roma in Merseburg (Sachsen-An­halt) mit einer Flüssigkeit über­schüt­tet. Zeugen hatten die Tat be­obach­tet und die Polizei alar­miert. Diese konnte darauf­hin dank Video­auf­zeich­nungen am frühen Freitag­morgen eine tat­ver­däch­tige Person, einen 30-jährigen Mann aus der Stadt, im nähe­ren Umkreis stellen. Gegen den Mann wird nun wegen „gemein­schäd­li­cher Sach­beschädi­gung“ er­mittelt. Zum Tat­motiv und zur Art der ver­wen­de­ten Flüssigkeit konn­ten die Ermitt­ler noch keine An­gaben gab.

Die Gedenkstätte erinnert an die von den Nationalsozialis­ten er­mor­de­ten Sinti und Roma der Stadt (Namensliste ansehen) und war aus einer Projekt­arbeit von Schü­lern des Herder-Gym­na­sium Merseburg hervor­ge­gangen. Die 2009 errich­tete Gedenk­stele war in der Ver­gangen­heit bereits mehr­fach ge­schändet und be­schädigt wor­den. Von 2009 bis 2013 wurde der Stein ins­ge­samt neunmal „an­ge­griffen, um­ge­stoßen, be­spuckt, be­worfen, mit dem Ham­mer be­schä­digt, mit Haken­kreuzen be­schmiert und der Ge­binde be­raubt“, 2014 wurde er mit Fäkalien be­schmiert. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (238)

August 29th, 2019  |  Published in Facts & Figures

Ca. 32.000 der Roma in Serbien ha­ben kei­ne amt­li­chen Do­ku­men­te (Ge­burts­ur­kun­de, Per­so­nal­aus­weis usw.). Als „Staa­ten­lo­se“ ha­ben sie kaum Zu­gang zu So­zi­al­leis­tun­gen.

(Quelle)

Arte: Mord im Böhmerwald

August 28th, 2019  |  Published in Film & Theater, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Miniserie auf Arte (Foto: Arte/Filmstill)Der junge Blogger und Dokumentar­filmer Lukas kommt aus Prag ins böh­mi­sche Buchnov, um dort einen Film über einen Lynch­mord zu rea­li­sie­ren. Ein jun­ger Rom, Denis, wurde qua­si vor den Augen aller er­mordet. Nie­mand im Ort will mit dem Frem­den re­den. Denn es geht auch um den Rassismus gegen­über Roma Die acht­teilige Mini­serie (2018) aus Tschechien (Original­titel: „Lynč“) bietet „einen tiefen Ein­blick in so­ziale Ver­hält­nisse, die an der Spal­tung der tsche­chi­schen Gesell­schaft An­teil ha­ben“, so Arte. Zu sehen nur noch kurz in der Arte-Mediathek!

Siehe auch:
Serie „Mord im Böhmerwald“ auf Arte: Mit Rassisten leben in Tschechien (taz)

Facts & Figures (237)

August 24th, 2019  |  Published in Facts & Figures, Rassismus & Menschenrechte

18 % der Berliner (13 % der Jün­ge­ren, 22 % der Äl­te­ren) fin­den, „Sin­ti und Ro­ma soll­ten aus den In­nen­städ­ten ver­bannt wer­den“.

(Quelle)

Polizei Leipzig unter Rassismus-Verdacht

August 23rd, 2019  |  Published in Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte

Schreiben der Polizei (Foto: Romano Sumnal/Facebook)In Leipzig ist ein Rundschreiben der Polizei publik ge­wor­den (mehr hier), in dem regio­nale Hotel­be­trei­ber auf­ge­fordert wer­den, prä­ventiv die Per­so­nen­daten aller rumä­ni­schen Gäste, die bei ihnen näch­tigen, an die Polizei weiter­zu­geben, da es sich mut­maß­lich um Diebes­banden han­deln könn­te. Der Vor­wurf von Ras­sis­mus und Racial Profiling steht nun im Raum. Auch Romano Sumnal, die ein­zige Roma-Selbst­or­ga­ni­sa­tion in Sachsen (mehr über den Verein hier und hier), sieht darin eine Pauschal­ver­däch­ti­gung al­ler Ru­mänen in Deutschland und im­plizit im Spe­ziellen von Roma. Der Verein ver­öffent­lich­te hier­zu eine Stellung­nahme, die wir im Fol­gen­den wie­der­geben:

Wir sind entsetzt über das Verhalten und die Metho­den der Polizei Leipzig. Im Zuge der Er­mitt­lun­gen und Prä­vention von Diebstahl wäh­rend des Musik­festivals stellte die Polizei rumäni­sche Staats­bürger unter General­verdacht, in­dem sie durch einen offiziel­len Brief Hotel- und Hostel­betrei­ber dazu auf­for­derte, der Polizei Mel­dung zu geben, sollten sich in ihrem Haus rumäni­sche Gäste be­finden. Diese Metho­de der Leip­ziger Polizei ist zu­tiefst rassistisch und ver­achtend. Es steht einer Be­hörde nicht zu, Men­schen nur auf Grund ihrer Staats­ange­hö­rig­keit unter General­ver­dacht zu stel­len. Viele unserer Mit­glieder stam­men aus Rumänien und füh­len sich da­durch zu­tiefst be­trof­fen. Es kommt oft vor, dass sie auf­grund ihrer Staats­angehörig­keit und ihrer Zu­gehörig­keit zur Minder­heit der Roma in Ru­mä­ni­en und Deutschland der­art ras­sistisch ver­urteilt und auch verfolgt wer­den. Wir for­dern die Polizei­be­hör­de Leipzig auf, der­arti­ge Metho­den zu unter­las­sen und sich öffent­lich bei allen Men­schen mit ru­mäni­scher Staats­angehörig­keit zu ent­schul­di­gen. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (236)

August 22nd, 2019  |  Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken

Heute vor 600 Jahren, am 22.8.1419, traf ein Tross ver­meint­li­cher „Sarazenen“ in Châ­til­lon-sur-Cha­la­ron­ne ein – der äl­tes­te Be­leg für Ro­ma in Frank­reich.

(Quelle)

Salvini geht weiter gegen Roma vor

August 21st, 2019  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte

RAN LogoRAN, 20.8.2019: Wir erinnern uns: Letztes Jahr schlug der Innen­minister und stell­ver­tre­tende italienische Minister­prä­sident Matteo Salvini vor, Roma zählen zu las­sen – ein Vor­schlag, der an Maß­nahmen gegen Roma vor dem Zwei­ten Weltkrieg er­innerte. Ob­wohl ein ethni­scher Zensus wohl ge­gen die italienische Verfassung ver­stößt, hat er seine Pläne nicht aufgegeben. Etwa die Hälfte der Roma in Italien hat die italie­nische Staats­bürger­schaft. Da er diese „leider nicht los­werden kann“, wie Salvini sich letztes Jahr aus­drückte, geht er primär gegen die aus­ländi­schen Roma vor. In dem Zu­sam­men­hang hat er nun an­geordnet, dass alle Siedlungen der Roma, Sinti und Camminanti (Anm. der dROMa-Red.: Fahrenden) auf­gezeich­net werden sollen, als ob diese bis dato un­be­kannt seien. Der Hinter­grund der Unter­su­chung sei, heraus­zu­finden, wo sich ille­gale Sied­lungen be­finden, um Räumungen vor­zu­bereiten.

Aurora Sordini, eine Anwältin und Vorsitzende der Roma-Or­ganisa­tion „Associazione 21 Luglio“, meint, diese Maß­nahmen würde Salvini aus propa­gandis­ti­schen Gründen an­regen, um Popula­rität zu ge­winnen. Das ist ak­tuell auch in anderen euro­päi­schen Ländern eine politi­sche Stra­tegie, um Sti­mmen zu ge­winnen. Die Anwältin sagt, dass die Ge­meinden die Roma-Siedlun­gen räumen kön­nen, wenn sie ein gesund­heit­li­ches oder Umwelt­risiko dar­stellen. Das be­deutet, dass sich leicht ein Vor­wand finden lässt, die Siedlun­gen zu räu­men, da sie z.B. oft nicht über Sanitär­anlagen oder Strom­ver­sorgung ver­fügen.

RAN hatte letztes Jahr über die Räumung von 300 Roma in Rom be­richtet. Die Räu­mung der Siedlung stieß bei Men­schen­rechts­or­gani­satio­nen auf Kritik. Vor ein paar Mona­ten fand zudem eine Räu­mung in Giugliano bei Neapel statt. Dort waren 450 Roma unter dem Vor­wand ge­räumt wor­den, die Siedlung stelle eine Gesund­heits­gefahr dar. Der Europäi­sche Gerichts­hof für Men­schen­rechte hatte vor beiden Räu­mun­gen die italie­nische Re­gie­rung auf­ge­fordert, die Räumung erst durch­zu­führen, wenn sie Unter­künfte für die betrof­fenen Men­schen ge­funden hätte. Die Regierung ig­no­rier­te dies je­doch, und viele Men­schen wur­den obdachlos.

„Associazione 21 Luglio“ wurden in der ersten Hälfte von 2019 auch mehr Fälle von Angriffen ge­gen­über Roma ge­meldet als im ge­samten letz­ten Jahr. Read the rest of this entry »

Djiparmissa: klassische Lyrik auf Romanes

August 20th, 2019  |  Published in Literatur & Bücher, Romani

DjiparmissaDjiparmissa
Klassische deutsche Gedichte auf Romane
s

Übersetzt u. herausgegeben von Reinhold Lagrene
zweisprachig Romanes-Deutsch, 160 S., gebunden
Verlag Das Wunderhorn: Heidelberg 2018

Das Romanes, die Sprache der Sinti und Roma, ist durch die euro­päi­sche Sprachen­charta als einzig­arti­ger Bestand­teil des kul­tu­rel­len Erbes Europas an­er­kannt. Sie wird in den Fami­lien mündlich wei­ter­ge­ge­ben und ist eine wich­tige kul­tu­relle Res­source der Minderheit. Eine (Anm.: ein­heit­liche und all­gemein an­erkannte) Kodifi­zie­rung der Sprache gibt es je­doch noch nicht. Der öffent­liche Gebrauch des Roma­nes ist lange Zeit von vie­len An­gehö­rig­en der Minder­heit ab­gelehnt wor­den. Zu sehr wirk­ten die Schrecken der natio­nal­sozia­lis­ti­schen Ver­folgung und des Holocausts, dem europa­weit über eine halbe Mil­lion Sinti und Roma zum Opfer fielen, nach. So­genannte Rassen­forscher, die ab 1936 von der SS mit der voll­ständi­gen Er­fas­sung der Minder­heit be­auf­tragt wurden, hat­ten die Sprache der Sinti und Roma erlernt, um sich deren Ver­trauen zu er­schlei­chen, auf deren Grund­lage später die De­por­ta­tio­nen in die Gettos und Ver­nich­tungs­lager in das be­setzte Polen er­folgten. Mitt­ler­weile ist die inter­ne Diskus­sion um den Sprach­erhalt und die Sprach­pflege fort­ge­schrit­ten und Rein­hold Lagrene sah es als seine Auf­gabe an, das Be­wusst­sein der Sinti und Roma für die Be­deu­tung der eigenen Sprache zu stärken. Anhand der Übersetzung von Ge­dichten deut­scher Klas­siker zeigt er, dass das Romanes eine Sprache ist, deren Leben­dig­keit und Vielfalt sich ebenso für den lyris­chen Aus­druck eig­net wie die Sprache der von ihm über­setzten Werke. Den eige­nen Leuten den sprach­lichen Reichtum des Romanes näher­zu­brin­gen und auch der Gesell­schaft zu zeigen, dass die Minder­heiten­sprache Romanes alles an­dere als ein Nischen­pro­dukt ist, hatte er sich zum Ziel ge­setzt.

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Slowakei: Entschädigung nach 13 Jahren

August 18th, 2019  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Das slowakische Verfassungsgericht ordnete an, vier Roma zu ent­schädigen, die 13 Jahre lang in einem Hürden­lauf durch die ver­schie­de­nen Instanzen ver­sucht hatten, sich gericht­lich gegen Diskriminierung zu wehren. Das Per­so­nal einer Gaststätte in Čaklov im Osten des Lan­des wollte sie wegen ihrer ethni­schen Her­kunft nicht bedienen.

Nun hat das Verfassungsgericht fest­ge­stellt, dass die Kreis- und Bezirks­gerichte sich falsch ver­halten haben. „Der Be­schluss des Ver­fas­sungs­gerichts zeigt, wie schwie­rig und zeit­auf­wendig es ist, auch 15 Jahre nach Ein­führung des Anti­dis­krimi­nie­rungs­gesetzes ein ge­rech­tes Urteil zu erreichen, insbesondere bei Fällen von Rassismus”, sagt die Rechts­anwältin Vanda Durbáková, die die Roma ver­tritt. Read the rest of this entry »

Fact & Figures (235)

August 15th, 2019  |  Published in Facts & Figures, Politik

Die Romapartei Parti­da Ro­mi­lor Pro Eu­ro­pa hat durch­ge­hend seit 1992 das für die Volks­grup­pe re­ser­vier­te Man­dat im ru­mä­ni­schen Ab­ge­ord­ne­ten­haus in­ne.

(Quelle)

Kroatien: Rassismusvorwürfe gegen H&M

August 14th, 2019  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Rassismusvorwürfe gegen H&M: Die kroatische Romni Džemilja T. und ihre Familie wurde aus der Filiale geworfen (Foto: via jutarnji.hr)Džemilja T.: „Ich wurde aus dem H&M ge­wor­fen, weil ich Romni bin“

RAN: Džemilja T. aus der kroatischen Stadt Rijeka berichtet von einem un­an­ge­neh­men Vorfall, der ihr pas­sierte: Sie war zu­sam­men mit ihrer Mutter, ihren bei­den Schwes­tern und zwei Kindern einer Schwes­ter am 26. Juli in einer H&M-Filiale. Sie wur­den plötz­lich raus­ge­schmis­sen. Auf die Frage nach dem Grund er­hielten die Frauen keine Ant­wort. Auch die Polizei half nicht, son­dern sug­ge­rier­te, dass der Laden seine Grün­de hatte. Als ihre Schwester im Ge­schäft noch­mal nach dem Grund fragte, er­hielt sie die Aus­kunft, es gebe von der H&M-Ver­wal­tung in Zagreb die Order, Roma, die „in Grup­pen“ im Geschäft seien, raus­zu­schmei­ßen, ins­beson­dere wenn Kinder dabei sind.

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Serbien: Keine Taxis für Roma?

August 13th, 2019  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Antiziganismus-Vorwürfe in Serbien: Taxis transportieren angeblich Roma-Kunden (Foto: Wikimedia) Rassismusvorwürfe in Niš (Serbien): Taxi-Unter­neh­men dis­kri­mi­niert Roma

RAN: In der mutmaßlichen internen Verordnung einer ser­bi­schen Taxi-Ver­eini­gung wird empfoh­len, Roma nicht als Fahrgäste mit­zu­neh­men. Ver­brei­tet hat sich das Doku­ment in sozialen Netz­werken, aber seine Echtheit wur­de noch nicht be­stätigt. Bürger fragen nun, um wel­che Trans­port­dienst­leister es sich han­delt und ob diese bestraft wür­den. Die Gleich­stel­lungs­kom­mis­sion for­dert Men­schen­rechts­organi­sa­tio­nen, Roma-Ver­einigun­gen und dis­kri­mi­nierte Bürger auf, eine förm­li­che Beschwerde ein­zu­reichen.

Dass es sich um einen Verband aus Niš han­delt, wurde an­hand von An­gaben er­mit­telt, die sich auf die Sied­lung ‚Beograd mali‘ und eine ört­li­che Bäckerei be­ziehen. In dem um­strit­tenen Doku­ment heißt es, dass Fahrer, sobald sie den Kunden als Rom er­kennen, kehrt­machen sol­len. Im Wort­laut: „Die Zentrale kann den Kunden am Telefon nicht se­hen. Wenn Sie an der Adresse an­ge­kom­men sind und sehen, dass es sich um Roma han­delt, geben Sie Gas und fah­ren Sie weg. Sie wer­den an die erste Posi­tion des Taxi­standes ge­leitet.“ Weiter heißt es, dass Roma bei den Anrufen täuschen wür­den, in­dem sie von der be­sag­ten Bäckerei aus an­ru­fen oder ande­re darum bit­ten, ihnen ein Taxi zu be­stel­len. Und wei­ter: „Nehmt kei­ne Roma als Fahrgäste mit!

Auch gegenüber dem Sender RTS bestätigen Anwohner, dass Taxis die Siedlung nicht an­fahren. Gegen­über dem Nach­richten­por­tal Južni vesti be­stä­tig­te eine Nišer Bürgerin, dass so ein Do­ku­ment exis­tiert. Im Büro der Gleich­stellungs­kom­mis­sion ist bis­her aller­dings keine Beschwerde ein­gegan­gen. Read the rest of this entry »

RAN: Rassismus gegen Roma in Bulgarien

August 11th, 2019  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte

Anti-Roma-Krawalle in Bulgarien (Foto: Euronews)RAN: In der bulgarischen Stadt Vidin (Anm.: im äu­ßersten Nord­wes­ten des Lan­des) sind am Abend des 22. Juli Polizei und Gen­dar­me­rie mit ca. 20 Wagen in das Roma-Viertel aus­ge­rückt – an­geb­lich we­gen Ru­he­­störung. Alle rein- und raus­fah­ren­den Autos wur­den überprüft.

Bulgarische Roma haben dieses Jahr in mehre­ren Län­dern und vor dem Euro­päi­schen Par­la­ment in Brüssel ge­gen die Dis­krimi­nie­rung in ihrem Her­kunfts­land demonstriert. Das Fass zum Über­laufen hatte die kollek­ti­ve Be­stra­fung von Roma in Wojwodinowo ge­bracht, wo die Be­hör­den Teile einer Roma-Sied­lung ab­ge­ris­sen hatten, nach­dem zwei Jugend­­liche einen Armee­ange­höri­gen verprügelt hat­ten und an­schlie­ßend ver­haftet wor­den wa­ren.

Verteidigungsminister und stellvertretender Premier­minis­ter Krassimir Karakatschanow nutz­te den Vor­fall, um zwei Tage später der Presse mit­zu­teilen, die „Zi­geu­ner“ in Bulgarien sei­en extrem un­ver­schämt ge­worden. So könne es nicht weiter­gehen. „Die Wahr­heit ist, dass wir ein gan­zes Programm zur Lö­sung des Zigeu­ner­problems be­nö­tigen.“

Im Februar erschien seine sogenannte Lösung, die inzwi­schen auch dem Parla­ment zur Ab­stim­mung vor­ge­legt wurde. Ihr Titel lautet: „Lösung zur Integra­tion der nicht-in­tegrier­ten Zi­geuner (Roma)-Ethnie“. Wie das Euro­pean Roma Rights Centre (ERRC) schreibt, ist das Doku­ment voller Hate Speech, Stereo­type, schlecht ge­schrie­ben und es man­gele ihm an Be­legen für die rassis­ti­schen Unter­stel­lungen über Roma, sie würden nicht ar­beiten wol­len, das Sozial­sys­tem aus­beuten und zu viele Kinder haben. In dem Do­ku­ment wird zu­dem der Be­griff der „Zi­geu­ner-Kriminalität“ ver­wen­det. Straftaten wür­den dem­zu­folge also nicht von Indi­viduen be­gangen, son­dern ge­hör­ten zur Wesensart der Ro­ma-Ethnie. Roma wer­den von Kara­katscha­now zu­dem als „asozial“ be­zeich­net. Die Nazi-Rhetorik ist evid­ent. Die vor­ge­schla­genen Maß­nahmen be­ziehen sich auch direkt auf Roma. Die An­zahl an Ge­burten von Romnja soll re­duziert wer­den, Maß­nahmen und Ein­rich­tun­gen zur „Arbeits­erzie­hung“ werden vor­geschlagen, eben­so wie Quoten von Sozial­hil­fe-Empfän­ger/in­nen mit Roma-Her­kunft. Read the rest of this entry »

„Derartige Filme legitimieren Hass“

August 9th, 2019  |  Published in Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Selten fand der Zentralrat so drastische Worte. Und in der Tat duchziehen Bilder wie dieses (etwa bei 04.00) die Sendung. Roma werden mit Unrat, Ungeziefer und Verbrechen verknüpft, Ratten fungieren Leitmotiv die Reportage. (Bild: Screenshot aus der Sendung/Sat1)Zentralrat übt scharfe Kritik an SAT 1: Film­pro­duk­ti­on über Roma provoziert Hassrede und Gewalt ge­gen Minderheiten

Die in der Reihe „Akte 20.19“ gezeigte Pseu­do-Do­ku­men­ta­tion „Roma: Ein Volk zwi­schen Armut und An­ge­berei“, die am 7. Au­gust 2019 von SAT1 aus­ge­strahlt wur­de, dif­fa­miert die An­ge­höri­gen von Sinti und Roma auf eine wider­wärtige und rassis­tische Art. Der Zentral­rat wird diesen Film, der sich ohne wei­teres in die rassisti­sche Tra­di­tion eines „Jud Süß“ oder jenes Nazi-Pro­paganda­films über das Ghetto The­resien­stadt „Der Führer schenkt den Juden eine Stadt“ ein­reiht, bei sei­nem Treffen im Sep­tem­ber 2019 mit dem israe­li­schen Bot­schafter in Deutschland, Jeremy Issacharoff, zum Thema ma­chen.

Wie im NS-Film über Theresien­stadt durch­ziehen den SAT1-Film im­mer wieder Se­quen­zen, in denen Roma in unter­schied­licher Weise mit Ratten in Zu­sam­men­hang (Anm. d. Red.: siehe Screen­shot) ge­bracht werden, ins­beson­dere die Wohn­situa­tion in den Ghet­tos in Rumänien wird so cha­rak­teri­siert. Damit wird gleich­zeitig diese men­schen­unwür­dige Situa­tion als vor­geblich der Mentalität von Roma ent­spre­chende Lebens­weise dar­gestellt – ohne den der de­solaten Lage gro­ßer Teile der Roma-Be­völke­rung zugrunde­lie­genden mas­siven Rassis­mus in ihren Hei­mat­län­dern als Ursache zu be­nennen.

Die SAT1-Produktion bringt unterschiedslos Roma-Grup­pen aus unter­schied­li­chen Ländern mit Vor­würfen mas­siver Kriminalität zu­sam­men. „Eine der­artige pau­scha­le Krimina­li­sie­rung und wider­wärtige Dif­fa­mierung von Min­der­heiten wäre bislang gegen­über an­deren Minder­heiten un­vor­stell­bar – gegen­über Roma in Europa gibt es für ein­zelne Medien und Film­pro­duzen­ten offen­kundig keine Gren­zen und keine Skrupel mehr. Mit Filmen wie dieser SAT1-Pro­duk­tion wird Hassrede im Internet provoziert, derartige Filme legiti­mieren Hass und Gewalt gegen­über Min­der­heiten, und das ist eine große Gefahr für un­sere De­mokra­tie und für das Zu­sam­men­leben in Deutsch­land“, so Romani Rose in einer ersten Stel­lung­nahme nach der Aus­strah­lung.

SAT 1 wie seit geraumer Zeit ,spiegel-tv‘ wol­len offen­bar zu­neh­mend rassis­tische Bei­träge als Allein­stel­lungs­merk­mal für sich rekla­mieren und sie bedie­nen mit der­artigen Bei­trägen dezi­diert rechtsextreme Po­sitio­nen. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (234)

August 8th, 2019  |  Published in Facts & Figures

Am 5.7.1747 forder­te der Bi­schof von Ovie­do, al­le Gi­ta­nos (span. Ro­ma) aus dem Land zu ver­trei­ben oder sie kol­lek­tiv zu in­ter­nie­ren. Man ent­schied sich für Letz­te­res.

(Quelle)

Roma-Holocaust-Gedenkfeier in Wien

August 6th, 2019  |  Published in Geschichte & Gedenken, Veranstaltungen & Ausstellungen

Kerzen und Blumen (Foto: Heinz Wagner)Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an den Völkermord an den Roma und Sinti am Wie­ner Ceija-Stoj­ka-Platz

Kiku/Kurier.at: Neuere Forschungen besagen, dass wahrschein­lich nicht 2.897 Roma und Sinti in der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 im Ver­nich­tungs­lager Auschwitz-Bir­kenau ver­gast wor­den sind, son­dern wahr­schein­lich sogar 4.300. Dies wurde bei der Gedenk­kund­gebung am Ceija-Sto­ka-Platz (Wien-Neu­bau) Frei­tag­abend be­kannt. (Anm. der dROMa-Red.: Die im Vor­jahr erst­mals aus­zugs­weise pub­li­zier­ten For­schungs­er­geb­nisse des Re­search Cen­ter des Auschwitz-Mu­se­ums ge­hen von 4.200 bis 4.400 Per­sonen aus.)

Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart

75 Jahre nach dieser sogenannten „Zigeunernacht“ wurde nicht nur die­ser einen Nacht, son­dern des Völker­mordes der deut­schen Faschisten mit einer halben Mil­lion Opfer ge­dacht. Es blieb aber – wie auch bei den Ver­anstal­tungen in den ver­gan­ge­nen Jahren – nicht bei der Ver­gangen­heit. Prak­tisch alle Red­nerin­nen spann­ten die Brücke zum Heute. Und auch nicht nur in Sa­chen Ver­folgung von Roma und Sinti. Anti­ziganis­mus und Rassismus sind Brüder im Geis­te und so man­che dieser Brüder sind in so man­chen Län­dern an der Macht. „Kethane Sam Zurale“/ „Nur zu­sam­men sind wir stark“ – war der Tenor der Red­nerin­nen, was dieser Ge­fahr von rechts ent­gegen­gesetzt wer­den kann.

Denkmal fehlt (noch?)

Auch wenn der Platz der Veranstaltung nach der Schriftstellerin, Malerin, Ak­tivis­tin Ceija Stojka be­nannt ist, die als eine der Ers­ten als Über­lebende von Hitlers Ver­nichtungs­ma­schi­nerie sich der Auf­klärung des Genozids an ihrer Volks­gruppe ver­schrie­ben hatte, so fehlt ein zentra­les Mahnmal an dieses Ver­brechen. Auch das wurde in den Reden the­ma­ti­siert.

Rednerinnen

Gesprochen hatten die Journalistin, Bloggerin und Aktivistin Gilda Horvath, Wiens Vize­bürger­meiste­rin Birgit Hebein, Dagmar Schindler vom KZ-Ver­band/Ver­band der Anti­fa­schistIn­nen, Marion Dworzack von Voice of Diversity und Laura Moldovan von romblog.at.

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Die Geschichte von Stana und Nada

August 1st, 2019  |  Published in Geschichte & Gedenken

Usnija Buligović von Thara (Foto: spendeninfo.at / Thomas Kronberger)Anlässlich des internationalen Gedenk­tages für den Ge­no­zid an Roma und Sinti am 2. August er­zählt die Lei­te­rin des Volks­hil­fe-Pro­jekts Thara in Wien erst­mals ihre per­sön­li­che Fa­mi­lien­ge­schich­te.

Usnija Buligovićs Familie stammt aus Ungarn und Kroatien. Sie selbst arbei­tet seit über zehn Jah­ren für die Bil­dungs­initia­tive Thara Romano Svato der Volkshilfe Österreich. Trotz die­ser lan­gen beruf­li­chen Tätig­keit im Roma-Be­reich sagt sie: „Ähn­lich wie bei ande­ren Opfer­grup­pen ist der Genozid in un­se­rer eige­nen Familie lan­ge Zeit ein Tabu ge­we­sen. Erst vor ein paar Jah­ren habe ich er­fah­ren, dass gro­ße Teile unse­rer kroati­schen Familie wäh­rend des Holocaust er­mor­det wur­den. Da­vor haben wir nie wirk­lich über dieses Thema ge­spro­chen. Und das, ob­wohl so­wohl ich als auch mein Vater in der Ro­ma-NGO-Sze­ne tä­tig sind.“

Die Roma und Sinti auf dem Gebiet des heuti­gen Kroatiens wur­den in­ner­halb kurzer Zeit und oft ohne De­porta­tio­nen er­mordet. Usnija Buli­gović erin­nert sich an Er­zäh­lun­gen ihrer kro­ati­schen Groß­mutter: „Die Mutter mei­nes Vaters, die Stana, hat ihre gan­ze Familie in Adaševci ver­loren. Sie ka­men nicht ein­mal in ein Lager. Sie wurden ein­fach ge­sam­melt und in die Donau un­ter das Eis ge­worfen. Diese ent­setzliche Grau­sam­keit war die üb­liche Methode. Wie die Stana über­lebt hat, blieb ein Geheim­nis, das hat sie uns nie er­zählt.“

Jene, die deportiert wurden, kamen in eines der größ­ten Kon­zentra­tions­lager Europas, nach Jasenovac. Es war ein Ar­beits-, Sam­mel- und Ver­nich­tungs­lager, wurde von der Ustascha be­trie­ben und als „Auschwitz des Balkans“ be­zeichnet.

„Meine Oma mütterlicherseits, die Nada, kam aus Ungarn. Sie saß schon in einem Zug, auf dem Weg ins Lager, als ihr Vater es ge­schafft hat, mit ihr und ein paar Fami­lien­mit­gliedern aus dem Zug zu flüchten“, er­zählt Us­nija Buli­gović. „Nada hat ein­mal erzählt, dass sie sich in einem Dorf ver­steckt ha­ben, bei einer Familie, im Stall bei den Pferden. Sie durf­ten nicht Romanes spre­chen und das war als kleines Kind für sie sehr schwie­rig. Sie war viel­leicht 4 oder 5 Jahre alt. Aber sie ha­ben überlebt.“ Read the rest of this entry »