Roma-Holocaust-Gedenkfeier in Wien

August 6th, 2019  |  Published in Geschichte & Gedenken, Veranstaltungen & Ausstellungen

Kerzen und Blumen (Foto: Heinz Wagner)Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an den Völkermord an den Roma und Sinti am Wie­ner Ceija-Stoj­ka-Platz

Kiku/Kurier.at: Neuere Forschungen besagen, dass wahrschein­lich nicht 2.897 Roma und Sinti in der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 im Ver­nich­tungs­lager Auschwitz-Bir­kenau ver­gast wor­den sind, son­dern wahr­schein­lich sogar 4.300. Dies wurde bei der Gedenk­kund­gebung am Ceija-Sto­ka-Platz (Wien-Neu­bau) Frei­tag­abend be­kannt. (Anm. der dROMa-Red.: Die im Vor­jahr erst­mals aus­zugs­weise pub­li­zier­ten For­schungs­er­geb­nisse des Re­search Cen­ter des Auschwitz-Mu­se­ums ge­hen von 4.200 bis 4.400 Per­sonen aus.)

Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart

75 Jahre nach dieser sogenannten „Zigeunernacht“ wurde nicht nur die­ser einen Nacht, son­dern des Völker­mordes der deut­schen Faschisten mit einer halben Mil­lion Opfer ge­dacht. Es blieb aber – wie auch bei den Ver­anstal­tungen in den ver­gan­ge­nen Jahren – nicht bei der Ver­gangen­heit. Prak­tisch alle Red­nerin­nen spann­ten die Brücke zum Heute. Und auch nicht nur in Sa­chen Ver­folgung von Roma und Sinti. Anti­ziganis­mus und Rassismus sind Brüder im Geis­te und so man­che dieser Brüder sind in so man­chen Län­dern an der Macht. „Kethane Sam Zurale“/ „Nur zu­sam­men sind wir stark“ – war der Tenor der Red­nerin­nen, was dieser Ge­fahr von rechts ent­gegen­gesetzt wer­den kann.

Denkmal fehlt (noch?)

Auch wenn der Platz der Veranstaltung nach der Schriftstellerin, Malerin, Ak­tivis­tin Ceija Stojka be­nannt ist, die als eine der Ers­ten als Über­lebende von Hitlers Ver­nichtungs­ma­schi­nerie sich der Auf­klärung des Genozids an ihrer Volks­gruppe ver­schrie­ben hatte, so fehlt ein zentra­les Mahnmal an dieses Ver­brechen. Auch das wurde in den Reden the­ma­ti­siert.

Rednerinnen

Gesprochen hatten die Journalistin, Bloggerin und Aktivistin Gilda Horvath, Wiens Vize­bürger­meiste­rin Birgit Hebein, Dagmar Schindler vom KZ-Ver­band/Ver­band der Anti­fa­schistIn­nen, Marion Dworzack von Voice of Diversity und Laura Moldovan von romblog.at.

Überleben feiern

Für stimmungsvolle Musik – mehrere Rednerinnen beton­ten auch, die Ver­anstal­tung solle nicht nur eine Trauer­feier sein, son­dern auch ein Fest der Freude der (Über-)Le­benden – sorg­te die Gruppe Amenza Ketane sowie ein Rap-Ge­dicht von „Nancy Black“ alias Gilda Horvath, in dem die Kol­la­bo­ra­teure mit den Faschisten ver­lacht werden.

Begegnungen

Die diesmal vor allem von der Familie Stojka initiierte Ver­anstal­tung – ge­mein­sam mit den er­wähn­ten Verei­nen (dazu noch Lovara-Roma Österreich), un­ter­stützt vom National­fonds der Republik Ös­ter­reich für die Opfer des Natio­nal­sozialis­mus so­wie dem Bundes­kanzler­amt, verstand sich auch im An­schluss ans Ent­zünden von Gedenk­kerzen rund um Sonnen­blumen, Ceija Stojkas Lie­blings­blu­men, als Be­geg­nungs­ort zur Er­zäh­lung von Ge­schich­ten, wei­teren Ge­sangs- und Gedicht-Dar­bietungen.

Viele junge Roma-Aktivist_innen, die in den vergange­nen Jahren Teil der Ver­anstal­tung wa­ren, ge­dach­ten in die­sem Jahr nicht in Wien, son­dern in Polen bei der inter­natio­na­len Gedenk­ver­anstal­tung in Auschwitz.

(Text: Kiku/Kurier.at | Wir danken dem Autor Heinz Wagner für die freundliche Erlaubnis.)

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