RAN: Rassismus gegen Roma in Bulgarien
August 11th, 2019 | Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte
RAN: In der bulgarischen Stadt Vidin (Anm.: im äußersten Nordwesten des Landes) sind am Abend des 22. Juli Polizei und Gendarmerie mit ca. 20 Wagen in das Roma-Viertel ausgerückt – angeblich wegen Ruhestörung. Alle rein- und rausfahrenden Autos wurden überprüft.
Bulgarische Roma haben dieses Jahr in mehreren Ländern und vor dem Europäischen Parlament in Brüssel gegen die Diskriminierung in ihrem Herkunftsland demonstriert. Das Fass zum Überlaufen hatte die kollektive Bestrafung von Roma in Wojwodinowo gebracht, wo die Behörden Teile einer Roma-Siedlung abgerissen hatten, nachdem zwei Jugendliche einen Armeeangehörigen verprügelt hatten und anschließend verhaftet worden waren.
Verteidigungsminister und stellvertretender Premierminister Krassimir Karakatschanow nutzte den Vorfall, um zwei Tage später der Presse mitzuteilen, die „Zigeuner“ in Bulgarien seien extrem unverschämt geworden. So könne es nicht weitergehen. „Die Wahrheit ist, dass wir ein ganzes Programm zur Lösung des Zigeunerproblems benötigen.“
Im Februar erschien seine sogenannte Lösung, die inzwischen auch dem Parlament zur Abstimmung vorgelegt wurde. Ihr Titel lautet: „Lösung zur Integration der nicht-integrierten Zigeuner (Roma)-Ethnie“. Wie das European Roma Rights Centre (ERRC) schreibt, ist das Dokument voller Hate Speech, Stereotype, schlecht geschrieben und es mangele ihm an Belegen für die rassistischen Unterstellungen über Roma, sie würden nicht arbeiten wollen, das Sozialsystem ausbeuten und zu viele Kinder haben. In dem Dokument wird zudem der Begriff der „Zigeuner-Kriminalität“ verwendet. Straftaten würden demzufolge also nicht von Individuen begangen, sondern gehörten zur Wesensart der Roma-Ethnie. Roma werden von Karakatschanow zudem als „asozial“ bezeichnet. Die Nazi-Rhetorik ist evident. Die vorgeschlagenen Maßnahmen beziehen sich auch direkt auf Roma. Die Anzahl an Geburten von Romnja soll reduziert werden, Maßnahmen und Einrichtungen zur „Arbeitserziehung“ werden vorgeschlagen, ebenso wie Quoten von Sozialhilfe-Empfänger/innen mit Roma-Herkunft. Read the rest of this entry »