März 8th, 2019 |
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Frauenrechte, Interview, Radio, Podcast & TV
Radio Corax | Sendung vom 5.3.2019
20:52 min | 20 MB | →Anhören (mp3)
Zwischen dem 8. März und 8. April findet in Deutschland der vierte „Romnja* Power Month“ statt. Dieses Mal nicht nur an Orten in Berlin, sondern bundesweit. Radio Corax aus Halle sprach mit einer der Organisatorinnen, Tayo Awosusi-Onutor, über die Inhalte und Termine: von Rom*nja-Feminismus über die filmischen Arbeiten von Melanie Spitta zum Projekt „Schule ohne Abschiebung“.
Der „Romnja* Power Month“ wird von IniRromnja und dem RomaniPhen-Archiv organisiert. Das Programm ist hier online: www.romnja-power.de (pdf)
(Text: www.freie-radios.net)
März 7th, 2019 |
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Medien & Presse, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen
Unerwünscht und rausgestrichen
„Am Anfang standen in Plovdiv Inklusionsversprechen. Als die Ausschreibung durch war, blieb vom schönen Schein der Integration nichts mehr übrig. Hinter den Kulissen wurden Roma systematisch benachteiligt, bis heute sind wichtige Projektversprechen nicht eingelöst.“ Aus Bulgarien berichtet Andreas Kunz für Ostpol.de über „eine Europäische Kulturhauptstadt, die einen Teil ihrer Bürger am liebsten verstecken möchte“. → Zum Artikel
Und auch Rayna Breuer berichtete in einem Beitrag für die Deutsche Welle anlässlich der Eröffnungsfeier, dass viele Roma-Projekte, mit denen Plovdiv bei der Bewerbung als Kulturhauptstadt gepunktet hatte, inzwischen aus dem Programm verschwunden sind:
Ein zentrales Thema der Bewerbung war der Fokus auf die ethnischen Minderheiten in Plovdiv, vor allem auf die Roma-Bevölkerung. Stolipinovo, ein Stadtteil von Plovdiv und das größte Roma-Viertel auf dem Balkan, sollte ebenfalls Teil des Kulturprogramms im kommenden Jahr sein. „Wir glauben daran, dass die Kultur die Fähigkeit hat, soziale Veränderungen zu erzeugen. Die meisten Jugendlichen, die in Stolipinovo leben, haben das Viertel nie verlassen, auf der anderen Seite haben die Bewohner aus Plovdiv diesen Stadtteil nie besucht“, sagt Manol Peykov (Anm.: inzwischen aus Protest zurückgetretenes Mitglied der Stiftung „Plovdiv 2019“). „Aber die Politiker sagten, dass wir unseren Hinterhof vor dem ausländischen Publikum nicht zeigen sollten. ‘Wieso die Roma‘, haben sie gesagt. ‘Wir haben doch auch andere Ethnien hier‘ – und so wurde unsere Idee abgelehnt und Projekte gestoppt“. Unter dem Motto „Together“ sollte auf die Lage der Roma und den schwierigen sozialen Zusammenhalt hingewiesen werden. Durch Kultur Konflikte überwinden, das war das Thema, was die Jury überzeugte und Plovdiv den Titel Europäische Kulturhauptstadt 2019 einbrachte. Das Motto blieb. Die Projekte nicht.
→ Zum Artikel
März 5th, 2019 |
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Einrichtungen, Literatur & Bücher
In der „International Roma Writers Association“ (IRWA) hatten sich Roma-Autoren 2002 zu einem Interessensverband zusammengeschlossen. Die Aktivitäten versandeten jedoch schon nach wenigen Jahren. Nun, nach über einem Jahrzehnt des Stillstands, nimmt der Verband seine Tätigkeit wieder auf. Roma-Autorinnen und -Autoren aus aller Welt sind aufgerufen, dem Verband beizutreten (siehe unten).
Erfreuliche Nachrichten aus der Welt der Literatur: In Kuopio in Finnland hat die „International Roma Writers Association“ (Kansainvälinen Romanikirjailijaliitto / Maskarthemutno Romane Hramutnengo Khedipen) nach Jahren des Stillstands wieder ihre Aktivitäten aufgenommen. Ursprünglich gegründet worden war der Roma-Autorenverband bereits im Juli 2002 im Rahmen eines Kongresses im finnischen Karjaa. Tatkräftig unterstützt wurde der neue Verband dabei von der Finnischen Autorenvereinigung. Nobelpreisträger Günter Grass schickte eine Glückwunschnote und wurde zum ersten Ehrenmitglied der IRWA. Dem feierlichen Gründungsakt vorausgegangen war ein internationales Roma-Literatentreffen in Köln, wo 2001 die Einrichtung eines neuen Verbandes vorbereitet wurde. Das Treffen gipfelte in der „Kölner Erklärung“ vom 19. November 2001, in welcher die Zielsetzungen der Vereinigung festgelegt wurden:
„Ziel des Verbandes ist es, die gemeinsamen Interessen der Roma-Schriftstellerinnen und -Schriftsteller wahrzunehmen und ihr vielsprachiges und vielfältiges literarisches Schaffen sichtbar zu machen. Unter den Roma soll unsere Initiative dazu beitragen, das Bewusstsein von der kulturellen Gemeinsamkeit zu stärken, literarische Kreativität zu fördern und das Romanès in seinen vielen Varianten als moderne Literatursprache zu etablieren. Um eine junge Generation von Roma-Schriftstellerinnen und -Schriftstellern zu ermutigen, regen wir die Einrichtung von Stipendien und Preisen an.“
Zu den Zielen des neu geschaffenen Autorenverbands zählte unter anderem die Schaffung einer „Romani Library“, ein umfassendes, europaweites Übersetzungs- und Editionsvorhaben. Read the rest of this entry »
März 4th, 2019 |
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Hochschulschriften, Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Astrid Hanisch (2017): „Ich nenne es banken“. Betteln und Schnorren im Kontext rassistischer und nationalistischer Konstruktionen. Eine kritische Diskursanalyse
Masterarbeit an der Fachhochschule FH Campus Wien (Masterstudiengang: Sozialraumorientierte und Klinische Soziale Arbeit), 116 S.
→Download der FH Campus Wien (pdf)
Abstract (S. II):
Im vorherrschenden Diskurs um das Straßenbetteln in Österreich hat die räumliche Herkunft und Staatsbürger_innenschaft der bettelnden Menschen eine maßgebliche Bedeutung. In der Unterscheidung zwischen den „eigenen“ (österreichischen) und den „fremden Bettler_innen“ (vor allem denen, aus dem ost- und südosteuropäischen EU-Ausland) werden Subjekt- und Objekt-Konstruktionen vollzogen. Die „fremden Anderen“ werden entindividualisiert und als kollektive, massenhafte Bedrohung für den Sozialstaat und die öffentliche Sicherheit behandelt. Gleichzeitig werden bettelnde Menschen immer wieder als „Roma“ identifiziert, wobei diese Ethnisierung als Projektionsleistung der Mehrheitsgesellschaft zu verstehen ist, die Betroffenen selbst werden meist nicht befragt. Der Untersuchungszeitraum der vorliegenden Masterarbeit beginnt 2012, also unmittelbar vor oder nach dem Verfassungsgerichtsurteil, das das allgemeine Bettelverbot aufgehoben hatte. Es wurden acht Broschüren aus den Bereichen Soziale Arbeit, Menschenrechtsorganisationen, Polizei und Gemeinden auf ihre Verhandlung der Thematik hin untersucht. Dabei wurde sowohl die Verwendung von Text als auch von Bildern berücksichtigt. Als Analysewerkzeug wurde die Rahmenanalyse nach Erving Goffman angewendet. So sollte es möglich werden, die sprachliche und soziale Bedeutung von räumlicher Herkunft und Staatsbürger_innenschaft und die daraus abgeleitete Ethnisierung mittels einer Kritischen Diskursanalyse aufzuzeigen. Als wesentliches Ergebnis gilt, dass sich die Soziale Arbeit ihrer antirassistischen Verantwortung im Spannungsfeld zwischen Polizei, den Gemeinden, dem politischen Willen und der medialen Berichterstattung bewusst sein muss.
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März 2nd, 2019 |
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Rassismus & Menschenrechte
Mutter nach Vorfall auf Zebrastreifen angegriffen. 34-Jährige als „dreckige Zigeunerin“ beschimpft und verletzt. Die Polizei ermittelt.
Kurier.at, 21.2.2019: „Ich bin noch immer schockiert“, sagt Bianca Baranyai (…). Sie trägt eine Halskrause und kann den Angriff auf sie noch nicht fassen. Am Donnerstagnachmittag war die 34-Jährige mit ihrem fünf Monate alten Sohn im Kinderwagen und dem achtjährigen Sohn in Großpetersdorf (Bezirk Oberwart) unterwegs. „Ich bin beim Zebrastreifen gestanden und wollte schon rübergehen, da ist eine Frau noch mit ihrem Auto drüber geschossen und hat uns fast niedergestoßen (…)“. Bevor die Großpetersdorferin zur Autolenkerin was sagen konnte, habe diese sie bereits beschimpft. „Die hat sofort zu mir gesagt, ob ich ein Problem hab und ,du bist bestimmt eine dreckige Zigeunerin’.“ (…) Die etwa 50-jährige Fahrzeuglenkerin habe sie weiter beschimpft. „Ich habe gar nicht gewusst, was passiert und als ich mich bei der Autotür der Frau angehalten habe, hat sie gesagt ich soll das Auto nicht angreifen, sonst springt sie raus“, sagt Baranyai.
Die Autolenkerin sei dann wirklich aus dem Auto gesprungen. „Sie ist sofort auf mich losgegangen, obwohl ich den Kinderwagen in der Hand hatte. Sie hat mir ins Gesicht geschlagen und mich auch getreten. (…) Ich hatte den Kinderwagen in der Hand und hab’ geschaut, dass er nicht umfällt. Mein anderer Sohn ist vor lauter Schreck weggelaufen.“ (…) Nach etwas mehr als einer Minute habe die Schlägerin von der 34-Jährigen abgelassen, sei ins Auto gestiegen und weggefahren. „Ich hatte noch Angst, dass die Frau uns niederfährt“, sagt Baranyai, die blaue Flecken und einen wackelnden Zahn davongetragen hat. „Ich habe Anzeige erstattet“, sagt Baranyai. Sie war beim Arzt und muss eine Halskrause tragen. „Dass mir so etwas in meiner Heimatgemeinde am helllichten Tag passieren kann, hätte ich nicht gedacht“, sagt Baranyai. Read the rest of this entry »
März 1st, 2019 |
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Musik
Mit Joci Pápai schickt Ungarn einen Roma-Sänger ins Eurovisions-Rennen – bereits zum zweiten Mal: 2017 landete Pápai auf dem respektablen achten Platz.
Ungarn wird heuer – zum zweiten Mal – einen Künstler aus der Roma-Minderheit des Landes zum Eurovision Song Contest (ESC) entsenden, und es wird abermals Joci (József) Pápai sein. Der 37-jährige Rom konnte mit der Ballade „Az én apám“ (Mein Vater) die nationale Vorentscheidung Ungarns für den Eurovision Song Contest, „A Dal 2019“, für sich entscheiden. Als Gewinner wird Pápai somit sein Land beim Eurovisions-Wettbewerb in Tel Aviv in Israel vertreten.
Acht Kandidaten gingen beim nationalen Finale in Budapest am letzten Samstag an den Start, qualifiziert hatten sie sich über drei Vorrunden und zwei Semifinali. Pápais Song ließ die Konkurrenz weit hinter sich und erhielt das Votum der Juroren und die Mehrheit des abschließenden Zuschauervotings. Der Sänger nahm die Siegestrophäe „den Tränen nahe“ entgegen, erfährt man auf dem offiziellen deutschen ESC-Portal. „Anders als noch vor zwei Jahren wirkt der 37-Jährige bei seinem barfüßigen Vortrag fast zerbrechlich. Ein berührender Titel, der den Erfolg von „Origo“ allerdings nur schwer übertreffen dürfte.“ Die derzeitigen Wettquoten, die Pápai nur am unteren Ende platzieren, scheinen dieser Befürchtung recht zu geben.
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