Archive for Dezember, 2009

„Manchmal träume ich auf Deutsch“

Dezember 31st, 2009  |  Published in Jugend & Bildung, Medien & Presse

Roma-Jugendliche in Serbien (Foto: Novosti)„Krieg und Armut haben sie nach Deutschland gebracht. Dann wurden sie wieder zurückgeschickt: Junge Roma aus Serbien schaffen es nicht, sich anzupassen. Sie kommen in ein Land, das nicht mehr ihre Heimat ist.“

Der serbische Journalist Momir Turudić, einer der diesjährigen Preisträger des „Balkan Fellowship for Journalistic Excellence“ (hier der prämierte Text auf Englisch und Serbisch), schreibt im Standard vom 22.12.2009 über die schwierige Rückkehr nach Serbien, die viele Roma nicht als „Heimkehr“, sondern als „Exil“ erleben:

(…) Der 19-jährige Enis Demirovic erinnert sich, wie geschockt er war, als er wieder nach Serbien kam: „Ich habe tagelang geweint. Ich konnte nicht akzeptieren, dass ich alles verloren hatte. Dies hier war eine komplett andere Welt.“ Enis ist in Wuppertal zur Grundschule gegangen. Als er nach Serbien zurückkehrte, hat er die Schule abgebrochen wie die meisten Rückkehrer-Kinder. „Ich konnte nicht mal die Sprache und hatte Angst vor allem“, erinnert er sich. (…) Tausende junger Roma, die nach Serbien gegangen sind oder geschickt wurden, erzählen eine ähnliche Geschichte. Sie haben die guten Schulen, die komfortablen Wohnungen in Deutschland zurückgelassen. In Serbien ist ihr Leben oft hoffnungslos. Kriminalität ist für einige der einzige Weg, aus dieser Situation herauszukommen. Es gab auch Selbstmord. Obwohl die Regierung Hilfsstrategien ausgearbeitet hat, obwohl viele Nichtregierungsorganisationen kurzfristige Hilfsprojekte anbieten, gibt es nicht genug Geld, um eine langfristige Eingliederung zu unterstützen. Read the rest of this entry »

„Netzwerken“: 3. FTF-Workshop in Leipzig

Dezember 31st, 2009  |  Published in Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft

Das Forum Tsiganologische Forschung der Universität Leipzig hat soeben auf seinem neuen Weblog „Netzwerken Romani/Gypsy Studies“ einen Aufruf zur Teilnahme an seinem 3. Workshop veröffentlicht, den wir hier gerne wiedergeben:
FTF: Forum Tsiganologischer Forschung, Universität Leipzig

Das Forum Tsiganologische Forschung (FTF) lädt erneut (Nachwuchs-)WissenschaftlerInnen und Interessierte, die sich mit dem Thema „Zigeunerkulturen“ beschäftigen, zum „Netzwerken“ vom 23. bis 25. April 2010 nach Leipzig ein. Im Mittelpunkt des Treffens steht der interdisziplinäre Austausch und die Vernetzung von Forschenden, die sich regional- oder themenspezifisch mit „Zigeunerkulturen“ befassen. Dabei liegt das besondere Interesse an ethnologischen, regionalwissenschaftlichen, historischen, linguistischen, soziologischen u. ä. Beiträgen. Dazu möchten wir insbesondere Studierende und Absolventen, die ihre Abschlussarbeiten zu einem Thema der Tsiganologie schreiben bzw. schrieben, zur Teilnahme auffordern.

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Amnesty: „Ein Jahr verpasster Chancen“

Dezember 30th, 2009  |  Published in Medien & Presse, Politik, Rassismus & Menschenrechte

Monika Lüke (Foto: Amnesty International)Für Amnesty International war 2009 „das Jahr der verpassten Chancen“ − vor allem für die Roma, die auch in der Europäischen Union nach wie vor systematischen Diskriminierungen ausgesetzt seien: Monika Lüke, seit Juli 2009 neue Generalsekretärin von Amnesty Deutschland, zieht Bilanz (hier der Beitrag von Lavinia Pitu für die Rubrik „Fokus Ost-Südost“ auf Deutsche Welle/dw-world.de) und stellt der Politik zahlreicher EU-Länder ein vernichtendes Zeugnis aus:

(…) „Die Roma leben in zahlreichen europäischen Städten, eigentlich in fast allen, in der Regel in gettoisierenden Zuständen. Sie haben keinerlei Zugang zu Dienstleistungen, die uns allen zu Verfügung stehen. Ein Beispiel: sie können ihre Kinder nicht in die Schule schicken. In Tschechien werden Roma-Kinder in Sonderschulklassen gesteckt; und haben also dadurch von Anfang an keine Chance, das Menschenrecht auf Bildung zu verwirklichen“, sagt Monika Lüke. (…) In Italien sei die Situation der Roma noch schlimmer. Da gebe es einen Gesetzentwurf, der den Roma keine Sozialleistungen mehr garantieren würde, so Amnesty International. „In Italien ist es so, dass Roma aus ihren Siedlungen vertrieben werden, zuletzt im Sommer dieses Jahres in Mailand. Da kommen italienische Polizeibeamte über Nacht, treiben die Roma aus ihren Häusern, sie haben eigentlich gar keine Bleibe mehr. Dadurch, dass sie keinen festen Wohnsitz haben, sollen sie nach der Vorstellung des italienischen Ministerpräsidenten künftig auch keinen Anspruch auf Sozialleistungen haben. In Ungarn sind seit Beginn des Jahres 2008 sogar neun Roma bei Pogromen ums Leben gekommen.“ Read the rest of this entry »

Berscheskero pal dikipe | Das war 2009

Dezember 30th, 2009  |  Published in Radio, Podcast & TV

Radijo Roma samRoma sam
Radijo Burgenland: 28.12.2009 (on demand/mp3)

Sprachenwerkstatt PH Eisenstadt 2009Jek berscheskero paldikipe, kaj phukado ulo le nochberengere vilagendar sar andar o Ungriko, kaj atentatakeri serija savi gejng o Roma geli sina, na tschak le ungriken oda koja daratscha ham te manuschen andar avre vilagi. Jek pal dikipe mulatintschagendar „20 berscha Farajn Roma Erba“, „10 berscha Flogoskeri utschi ischkola le burgenlanditike“, Romendar artschijiptscha, vakeripeskere mulatintschagi taj aktujeli phukajiptscha andar 2009 adi o temtscha andi sendung „Roma sam“ hi. (volksgruppen.orf.at)

Die Attentatsserie, die gegen die Volksgruppe der Roma in Ungarn gerichtet war, schockierte Menschen nicht nur in Ungarn, sondern auch in anderen Ländern. Der Jahresrückblick in der neuen Ausgabe von „Roma sam“ berichtet über diese und viele andere Ereignisse − wie die Vereinsjubiläen (20 Jahre „Verein Roma Oberwart“, 10 Jahre VHS der burgenländischen Roma), Ausstellungen von Romakünstlern, die Zeitzeugen-Edition „Mri Historija oder die Sprachwerkstatt.  (volksgruppen.orf.at)

„Im Winter könnten die ersten Kinder sterben“

Dezember 29th, 2009  |  Published in Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte

TagesspiegelDer demonstrative Optimismus seitens der Politik und der vielen EU-Berater im Kosovo stehe, schreibt Ulrike Scheffer im Tagesspiegel, „in krassem Widerspruch zur tatsächlichen Entwicklung im Land“. Besonders deutlich werde dies bei der Minderheitenpolitik des neuen Staates. Das UN-Flüchtlingshilfswerk etwa verwies kürzlich auf einen Bericht von Ende September, in dem die UN „Besorgnis über die wachsende Zahl von sicherheitsrelevanten Vorkommnissen im Zusammenhang mit Minderheiten im Kosovo“ ausdrücken. Die Lage im Kosovo bringe nun auch die Abschiebungspolitik Deutschlands in Erklärungsnot, wo rund 10.000 aus dem Kosovo stammende Roma von der Abschiebung bedroht sind. „Zuletzt startete am 14. Dezember ein Flugzeug aus Nordrhein-Westfalen mit 28 Passagieren ins Kosovo, darunter auch zehn Roma.“ Die Abschiebungswelle könnte nun aber vorerst doch noch gestoppt werden:

(…) denn nicht nur Flüchtlingsorganisationen, sondern auch die OSZE sowie das UN-Flüchtlingshilfswerk haben Anfang November erhebliche Defizite bei der Reintegration von Roma im Kosovo öffentlich gemacht. Bekim Syla vom Roma- und Ashkali-Dokumentationszentrum in Priština sagte dem Tagesspiegel, in den drei Camps, in denen Roma lebten, gebe es keine festen Häuser und keine Gesundheitsversorgung. In einem sei der Boden mit Blei verseucht. „Wenn die Familien dort bleiben müssen, werden im Winter die ersten Kinder sterben.“

Mitte Dezember wandte sich der Kommissar für Menschenrechte des Europarats, Thomas Hammarberg, in einem Brief direkt an Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Ich rufe die deutschen Behörden dringend auf, weitere erzwungene Rückführungen in das Kosovo zu verhindern, insbesondere von Angehörigen der Roma, solange die Situation vor Ort den Zurückkehrenden kein sicheres und nachhaltiges Leben ermöglicht.“ Read the rest of this entry »

Romengere-kuduschtscha ari mukle ule

Dezember 29th, 2009  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Justitia (Bild: Clipart ETC, FCIT)I ando maschkarutno bersch le reporterendar taj fischgaroschendar kerdi Romengeri-pomoschagoskeri organisacija Mesemrom, savi pe le Romenge ando Genf ande bescharel, ande aja masek ojs fatreteri jeka rumenitika Romnatar anglo kris andi dujti instanca jek jerinipe uschtidija. Akan iste eseri lila, kaj o Roma loj iste potschintschanahi, pal cidim on, save sajt o bersch 2008 gejng Romengere-kuduschtscha tel pisinde ule. Buteder Roma, save ando astaripe iste gele, kaj on odola loj naschtig potschinde, mindschart iste ari mukle ule.

I cukunft la terna romana muschikatar

Dezember 29th, 2009  |  Published in Musik, Radio, Podcast & TV

Radijo KaktusRadijo Kaktus / WEBRADIO oe1campus
25.12.2009, 20:00 & 26.12., 20:30 orenge (on demand/mp3)

Roma-Rap aus Wien: Gipsy StylezLe ardschumipeha „Romani muschika“ butvar becajchnim ol o hangi le balkaniskere charmiha vaj dschila save na oni tradicijonela ungrika hegedujaha na ar perel. Ham la terna generacija le Romane muschikaschendar avre gondi hi.

Willi Horvath (19) aka „Gipsy Stylez“ phenel hot ov o „Sido“ andar o Romengero khetanipe hi. Tekstenca pedar i „rejaliteta le dromestar“ probalinel ov anglutno kipo taj reperi ande jek te ol, taj le ternenge mindig phenel, hot on pumare kulturejli vurclini schoha na te pobisteren. Kekaj pe ov afka ande bescharel o Betschitiko Lovara adale kojeske na del ov aun. „Me mange ada na gondolintschomahi, hot mindschart i erschti dschili atschi manuschen aun vakerel“, phukal o Willi pedar o latschipe la „Gipsy Entertainment Crew-atar“. Mint leskeri erschti dschili „Floridsdorf“ upre dikipe kertscha. I terni reperiskeri grupn „Gipsy Entertainment Crew“ kertscha i dschili „1210 Wien-Floridsdorf“ taj o videjo ando internet sikatscha. O track gejng „Xenophophie“ tecintscha le scheroskere becikiskere birovtschagoske asaj latsche, kaj i dschili usi nevi hymne le floridsdorferendar schaj ovla.

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Genfer Roma-Bettler aus Haft entlassen

Dezember 28th, 2009  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Vertreter von Mesemrom und rumänische Romni vor dem Gerichtsgebäude in GenfDie Mitte 2007 u. a. von Journalisten und Rechtsanwälten gegründete Roma-Hilfsorganisation Mesemrom, die sich für die Interessen der Roma in Genf einsetzt, hat Mitte dieses Monats als Vertretung einer rumänischen Romni vor Gericht in zweiter Instanz einen Sieg errungen. Nun müssen Tausende von Geldstrafen annulliert werden, die seit 2008 gegen Roma-Bettler verhängt wurden. Mehrere Roma, die Freiheitsstrafen abzusitzen hatten, weil sie die Bußgelder nicht aufgebracht hatten, sind daraufhin umgehend aus der Haft entlassen worden.

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Nevo informacijonakero centrum andi Turkija

Dezember 27th, 2009  |  Published in Wissenschaft

Neues Roma-Forschungs- und Informationszentrum in BurgaI turkitiki Romengeri-organisacija „Roman Kültürü Araştırma Geliştirme Yardımlaşma ve Dayanışma Derneği“ angle poar kurke le pomoschagoha le gouverneuristar andar Bursa jek forschinipeskero- taj informacijakero centrum kerde, ande savo but koji usi Romengeri-tema taj usi Romengeri-historija te lakel te del. O schero la organisacijatar Efkan Özçimen phenel, hot o centrum ando vest turkitiko Bursa le cilenge prado terdschola, save pumen le forschinipeha la Romengera kulturatar donde beschen: „Ando but deschberschengero eseri forschinipeskere butscha pedar Roma ando mindenfelitike universitetscha amare thanestar kerde ule; akan use sam, jek forschinipeskero- taj informacijonakero centrum te kerel, kaj i kultura le Romendar, EU-projekti adale keripeske pomoschinen, sikadi schaj ol.“

(Roma Daily News via cingeneyiz.org)

Neues Roma-Informationszentrum in der Türkei

Dezember 26th, 2009  |  Published in Wissenschaft

Efkan ÖzçimenDie türkische Roma-Organisation „Roman Kültürü Araştırma Geliştirme Yardımlaşma ve Dayanışma Derneği“ hat vor einigen Wochen mit der Unterstützung des Gouverneurs von Bursa mit der Errichtung eines Forschungs- und Informationszentrums begonnen, das umfangreiche Bestände zu Roma-spezifischen Themen und zur Roma-Geschichte umfassen soll. Der Leiter der Organisation Efkan Özçimen erklärte, dass das Zentrum im westtürkischen Bursa allen offen stehen werde, die sich mit der Erforschung der Kultur der Roma befassen: „Im Laufe der Jahrzehnte sind Tausende Forschungssarbeiten mit Roma-Bezug an den verschiedenen Universitäten unseres Landes durchgeführt worden; nun sind wir dabei, ein Forschungs- und Informationszentrum einzurichten, wo die Kultur der Roma nun dank der EU-Projekte vermittelt werden kann.“

(Roma Daily News via cingeneyiz.org)

The Next Generation

Dezember 25th, 2009  |  Published in Musik, Radio, Podcast & TV

Radio KaktusRadio Kaktus / WEBRADIO oe1campus
25.12.2009, 20:00 & 26.12., 20:30 Uhr (on demand/mp3)

Adrian GasparDie Zukunft der jungen Roma-Musik


Mit dem Ausdruck „Roma-Musik“ bezeichnet man oft Klänge mit Balkan-Charme oder Songs, die ohne die traditionellen ungarischen Geigen nicht auskommen. Die junge Generation der Roma-Musiker in Österreich hat aber anderes im Sinn:

Willi Horvath (19) aka „Gipsy Stylez“ erklärt sich selbst zum Sido der Roma-Community. Mit Texten über die „Realiät der Straße“ versucht er, Vorbild und Rapper in einem zu sein, und mahnt die Jugend, niemals ihre kulturellen Wurzeln zu vergessen. Trotz seines Engagements bleibt der Wiener Lovari bescheiden. „Es ist eine Überraschung für mich, dass gleich der erste Song so viele Menschen anspricht“, so Willi Horvath über den Erfolg der „Gipsy Entertainment Crew“. Denn sein erster Song „Floridsdorf“ sorgte für Aufsehen. Die junge Rapgruppe „Gipsy Entertainment Crew“ produzierte den Song „1210 Wien-Floridsdorf“ und machte das Video im Internet publik. Der Track gegen Xenophobie gefiel der Bezirkshauptmannschaft sogar so gut, dass der Song zu neuen Hymne Floridsdorfs werden könnte.

Adrian C. Gaspar (Homepage) geht da schon in eine ganz andere Richtung. Zwar setzte er sich im Zuge seiner klassischen Musikausbildung mit Mozart und Beethoven auseinander, seine wahre Liebe jedoch gilt der Jazz-Musik. Der 22-jährige Rom mit rumänischen Wurzeln wurde bereits 2003 beim Wettbewerb der Wiener Musikschulen als jüngster zeitgenössischer Komponist ausgezeichnet. Das „Adrian Gaspar Trio“ wurde im Oktober 2007 gegründet und das neueste Projekt, das „Adrian Gaspar Ensemble“, wurde im Oktober 2008 als Plattform für Adrians kammermusikalische Kompositionen ins Leben gerufen. Read the rest of this entry »

Roma-Weihnachten in Tschechien

Dezember 24th, 2009  |  Published in Brauchtum & Tradition, Radio, Podcast & TV

Vor genau zehn Jahren brachte Radio Prag in seinem Feiertagsprogramm einen Beitrag über die Weihnachtsbräuche der tschechischen Roma, dessen Beginn wir im Folgenden wiedergeben. Den vollständigen Text zur Sendung finden Sie hier.

Bobalky (Foto: myerchin.org)Karacona − so nennen die in Tschechien lebenden Roma Weihnachten. (…) Die heute in Tschechien lebenden Roma stammen zum größten Teil aus der Slowakei. Hier entstanden auch ihre typischen Weihnachtsbräuche, von denen sich einige bis in die heutige, konsumorientierte Zeit erhalten haben. Auch wenn die Roma inzwischen Bräuche der typisch tschechischen Weihnachten übernommen haben und einige ihrer Traditionen in Vergessenheit gerieten, so unterscheiden sich die Roma-Weihnachten doch auch noch heute von denen der Tschechen. Anna Zigova, die sich seit langem mit Bräuchen und Traditionen der Roma befasst, erzählt über die wohl lebendigsten und schönsten Bräuche Folgendes:

„Es gibt zwei Dinge, durch die sich die Roma-Weihnachten von den tschechischen unterscheiden. Das eine ist das gegenseitge Vergeben. Die Roma sagen, dass sich spätestens bis zum St. Sephanstag Familien und Freunde alles vergeben müssen, was sie sich in dem Jahr Schlechtes angetan haben. Das ist ein sehr gefühlvoller Grundsatz, der stets eingehalten wird. Der zweite, für Tschechen ungewöhnliche Brauch ist die Erinnerung an die Toten in der Familie. Dies passiert nicht nur durch das Erzählen von Erinnerungen an diese, sondern ist so ein Ritual. Vor dem Abendessen am Heiligen Abend wird ein spezielles Essen vorbereitet, die sogenannten Bobalky. Das ist etwas ähnliches wie Gnocchi, die mit Zucker bestäubt werden. Dieses spezielle Essen für die Toten wird auf einen Teller gelegt, der auf das Fensterbrett gestellt wird. Das ist so eine greifbare Erinnerung und Opfer für die Toten in der Familie. Natürlich sind die Kinder am neugierigsten, was wohl mit dem Essen auf dem Fensterbrett passiert. Und wenn irgendein Vogel die Bobalky angeknabbert oder mitgenommmen hat, so ist das ein Beweis dafür, dass die Toten ihr Essen geholt haben.“

Lesen Sie mehr über das Weihnachtsbrauchtum der tschechischen (bzw. slowakischen) Roma auf der Website von Radio Prag.

GfbV: Kosovos Roma auf der Müllhalde Europas

Dezember 23rd, 2009  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Tilman-ZülchGfbV Berlin (Joachim Fulda): In den letzten Monaten bekamen wir immer wieder eindringliche Appelle kosovarischer Roma, die in Deutschland akut von der Abschiebung betroffen sind. Denn vielen von ihnen fürchten ein ähnliches Schicksal wie jene Roma, die in den Lagern von Cesmin Lug und „Osterode“ auf dem verseuchten Gelände einer ehemaligen Bleischmelzanlage in Nordmitrovicë/Mitrovica leben müssen. Denn diese Lager sind zu todbringenden Gefängnissen geworden: Noch immer müssen dort 560 Roma und Aschkali leben. Medizinische Tests haben im Blut der Lagerbewohner einen durchschnittlichen Bleigehalt von 30 bis 40 Mikrogramm pro Deziliter (µg/dl) nachgewiesen. Bereits ab 10 µg/dl werden Organe dauerhaft geschädigt, allen voran das Gehirn. Kinder bekommen Krämpfe, können sich nicht konzentrieren, sind psychisch gestört und fallen in komatöse Zustände. Frauen erleiden Fehlgeburten. 83 Menschen sind dort inzwischen gestorben, und viele Experten gehen davon aus, dass die hohe Bleikonzentration im Boden und in der Luft zu ihrem Tod beitragen haben könnte. Deswegen schrieb Tilman Zülch, Gründer und Präsident der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV), gestern dazu einen offenen Brief an den früheren UN-Administrator im Kosovo und derzeitigen französischen Außenminister Bernard Kouchner. Read the rest of this entry »

Bosnien-Herzegowina diskriminiert Roma

Dezember 23rd, 2009  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Europäischer MenschenrechtsgerichtshofDer Europäische Menschenrechts-Gerichtshof (Website) in Straßburg hat am Dienstag Bosnien-Herzegowina wegen Verletzung der Europäische Menschenrechtskonvention verurteilt. In dem Land sind nach wie vor Juden und Roma von der Wahl zu hohen Staatsämtern ausgeschlossen. Nach der Verfassung ist sowohl das Amt des Staatsoberhauptes als auch die Wahl zur Völkerkammer im Parlament den verfassungsmäßigen Staatsbürgern vorbehalten, also den bosnischen Muslimen, Kroaten und Serben. Dieser Ausschluss der bosnischen Roma und Juden von der Wahl des dreiköpfigen Staatspräsidiums und der Völkerkammer stellt laut Urteilsbegründung einen klaren Verstoß gegen das Diskriminierungsverbot und gegen das Recht auf freie Wahlen dar. „Das Verbot für die Minderheiten, an den Wahlen teilzunehmen, hat keine objektive und vernünftige Rechtfertigung und steht daher im Widerspruch zur Europäischen Menschenrechtskonvention, welche eine Diskriminierung verbietet“, stellte der Gerichtshof laut Presseberichten fest.

Die Straßburger Richter gaben mit ihrem Urteil der Klage zweier Vertreter der betroffenen Volksgruppen statt. Bosnien war von dem Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde in Sarajewo Jakob Finci und von Dervo Sejdić, dem Koordinator des Roma-Rates Bosnien-Herzegowinas, verklagt worden. Das ethnische Proporzsystem der bosnischen Verfassung, das einen Ausgleich zwischen den drei großen Volksgruppen sucht, sei zwar vor dem Hintergrund des Bürgerkriegs geschaffen worden; Bosnien-Herzegowina habe seither allerdings wiederholt − gegenüber Europarat und EU − eine Reform des alle sonstigen Bevölkerungsgruppen diskriminierenden Wahlrechts zugesichert.

„Für alle jungen Sinti ein Vorbild“

Dezember 22nd, 2009  |  Published in Medien & Presse, Musik

Sarah Kreuz, Pressefoto 2009Bis in die Finalshow von „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) hat sie sich vorgekämpft, mehr als sechs Millionen Fernsehzuschauer haben das im Mai live mitverfolgt. Mit nur einem Prozent Unterschied verpasste Sarah Kreuz dann aber den Sieg: „Sie wurde knapp Zweite und wird ,Siegerin der Herzen‘‘ genannt“, schreibt Uwe Ebbinghaus in der gestrigen FAZ. Er hat die junge Sängerin nun, einige Monate später und nach Erscheinen ihrer ersten CD („One Moment in Time“/Universal), zu Hause besucht. Sarah ist Sintiza und der Stellenwert, den ihr selbstbewusster Umgang mit ihrer Herkunft für viele Roma und Sinti hat (siehe: dROMa-Blog), ist auch dem FAZ-Redakteur nicht entgangen:  „Für die jungen Sinti ist Sarah ein Vorbild“, schreibt er. „Mit ihrer Mutter spricht Sarah ausschließlich Deutsch, mit dem Vater, einem selbständigen Metallwarenhändler, Romanes. Sie kann gar nicht sagen, warum. Den Vornamen Sarah hat die Mutter ausgesucht, den Sinti-Namen Coralla der Vater, so ruft man sie auch außerhalb der Familie.“

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Pester Lloyd: „Stereotyp und Bedrohung“

Dezember 21st, 2009  |  Published in Interview, Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Mordserie gegen Roma in Ungarn: Beerdigung einer Romni 2009 (Foto: Pester Lloyd)Pester Lloyd: „Vaterlandslose Gesellen“ − Interview mit dem Antiziganismus-Forscher Markus End

Vorurteile und Hass gegen Roma bleiben besonders auch in Ungarn an der Tagesordnung. In einer Umfrage durch die EU aus dem Jahr 2008 halten 90% der ungarischen Roma ihre Diskriminierung in Ungarn für weit verbreitet und im europäischen Vergleich für am ausgeprägtesten. Die Roma-feindlichen Einstellungen sind jedoch kein ungarisches, sondern ein europäisches Problem, denn sie gehören zur gesamteuropäischen Geschichte und Gegenwart. Doch in Ungarn sind Stereotype und Chauvinismus besonders deutlich, sozusagen lehrbuchhaft, erkennbar. Einen einfachen Ausweg daraus gibt es nicht.

Um dieses so weitläufige Phänomen angemessen zu beschreiben, spricht die soziologische Forschung von „Antiziganismus“. Markus End, der sich derzeit als Doktorand am Zentrum für Antisemitismusforschung (TU Berlin) mit dem Thema beschäftigt und den Sammelband „Antiziganistische Zustände“ (dROMa-Blog) mitherausgegeben hat, erläutert im Gespräch mit Frederic Heine vom Pester Lloyd aktuelle Gründe und historische Hintergründe des Hasses auf Roma und wie sich die Mehrheitsgesellschaft „ihre Zigeuner“ selbst gebastelt hat. Er sieht die Wurzeln des Antiziganismus in den Grundstrukturen der europäischen Tradition selbst begründet: Nationalismus und Arbeitsethos. Weshalb sich das Problem hartnäckiger hält, als einem lieb sein kann …

Lesen Sie das ausführliche Interview im Pester Lloyd.

Boschitscha agun | Weihnachten früher

Dezember 21st, 2009  |  Published in Brauchtum & Tradition, Jugend & Bildung, Radio, Podcast & TV

Radijo Roma samRoma sam
Radijo Burgenland: 21.12.2009, 20:50 orenge/Uhr

Margarethe Horvath„Mri fatschuvtschengeri cajt schukar sina, man nana odola but khelipeskere koji sar akan o fatschuvtscha ande adiveskeri cajt le uschtiden, ham jefkar ando bersch te me mra dajatar taj mre dadestar valaso uschtidijom. Me meresch upre mri fatschuvtschengeri caj pal gondolinav“ I Margarethe Horvath 1955 Tenuerbate upro them ali, ando vakeripe la Susanne Horvathiha phukal oj adi la sendungake „Roma sam“, sar oj taj lakere 7 phenja taj phrala agun Boschitscha mulatinde.  (volksgruppen.orf.at)

„Meine Kindheit war schön, ich hatte zwar nicht die vielen Sachen an Spielzeug, wie es jetzt die heutigen Kinder bekommen, aber einmal im Jahr wurde auch mein Wunsch von meinen Eltern erfüllt. Ich denke immer gerne an meine Kindheit zurück“ Die burgenländische Romni Margarethe Horvath wurde 1955 in Unterwart geboren, im Gespräch mit Susanne Horvath erzählt sie heute für die Sendung „Roma sam“, wie sie und ihre sieben Geschwister früher Weihnachten gefeiert haben.  (volksgruppen.orf.at)

Domradio: „Im Kosovo vor dem Nichts“

Dezember 20th, 2009  |  Published in Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

DomradioZum Internationalen Tag der Migranten am letzten Freitag brachte das Domradio Köln ein Interview mit Kai Diekelmann, dem Leiter der Flüchtlings- und Auslandshilfe des Caritasverbands der Erzdiözese Köln. Berlin dürfe die 14.000 Kosovo-Flüchtlinge in Deutschland nicht wieder zurückschicken, so Kai Diekelmann im domradio-Interview. Was das Rückführungsabkommen zwischen dem Kosovo und der Bundesrepublik völlig außer Acht lässe, sei „dass von den 14.000 Flüchtlingen, die jetzt zurück sollen cirka 10.000 zur unterdrückten Minderheit der Roma gehören. Und denen ging es im Kosovo schon immer ziemlich schlecht.“

(…) Jetzt ins Kosovo zurück sollen die Menschen, die in den 1990er Jahren vor dem Bürgerkrieg zwischen Serben und Albanern im Kosovo geflohen sind. Bundesweit sind das 14.000 Menschen, die hier kein Asyl bekommen haben (…). In dem Moment, in dem sich die Lage im Herkunftsland wieder verbessert hat und eine Rückkehr zumutbar ist, müssen sie zurück. Man wird allerdings kritisch fragen müssen, ob tatsächlich von Zumutbarkeit gesprochen werden kann, weil die Menschen teilweise seit 12 Jahren hier sind und längst hier ihren Lebensmittelpunkt haben. Die Caritas sagt Nein, nach spätestens fünf Jahren Aufenthalt in Deutschland dürfte der Staat die Menschen nicht mehr zur Ausreise zwingen. Allen Experten ist klar, dass sich die kosovarische Regierung um diese Menschen nicht kümmern wird.

Das Gespräch für „Domradio“ führte Heike Sicconi. Hören Sie den ganzen Audiobeitrag von „Domradio“ hier: Interview mit Kai Diekelmann: „Eine Abschiebung in den Kosovo ist unzumutbar“ (18.12.2009)

Radijo: Advendiskero mulatintschago

Dezember 20th, 2009  |  Published in Radio, Podcast & TV, Veranstaltungen & Ausstellungen

Radijo KaktusRadijo Kaktus / WEBRADIO oe1campus
18.12.2009, 20:00 & 19.12., 20:30 & 21.12., 11:30 orenge

Romaadvent: I Susanne Reichard, becirkakeri angleterdschaschkija andar Wieden, o Adolf Tiller becirkiskero angle terdschaschi andar Döbling o Mijou Kovacs, taj o Rudolf SarköziUso tradicijoneli adventiskero mulatintschago le Kulturakere farajnistar le austritike Romendar (Website) schaj ada bersch te i prindschardi schauschpilerkija Mijou Kovacs schundi uli. Mijou Kovacs gentscha jek historija la sveditika pisimaschkijatar Selma Lagerlöff, savi ojs erschti dschuvli o nobeliskero dipe uschtidija. O genipe le Ferry Janoskajistar Trio muschikan vodim ulo. O Romengero adventiskero mulatintschago sako bersch le komunalengere sar te le bundakere politikerendar, le dschenenendar save vuske le Kulturakere farajniha khetan butschalinen taj fartreterendar le institutendar kherodim ol. Anglo prominenti publikum ando Kulturakero farajn i Mijou Kovacs o erschivar sina. Oj igen loschantscha pe uso Roma te ol, phentscha oj palo genipe taj meg use phentscha hot i atmosphere adaj „Bohème“ hi.

O burgenlanditiko Romengero muschikaschi taj komponisto Ferry Janoska ando tschatschipe andar i Slovakija al taj ov phukal sar i situacija la flogoskera grupnatar odoj hi. Ov dschanel, hot o positivi klische – Roma latsche muschikaschtscha hi – na upro cile resel. I flogoskeri grupn ham baro potencijal upre sikal, savo ham meg na arnucim schaj ulo. Read the rest of this entry »

Radio: Adventfeier des Kulturvereins in Wien

Dezember 19th, 2009  |  Published in Radio, Podcast & TV, Veranstaltungen & Ausstellungen

Radio KaktusRadio Kaktus / WEBRADIO oe1campus
18.12.2009, 20:00 & 19.12., 20:30 & 21.12., 11:30 Uhr

Romaadvent 2009 mit Ferry JanoskaBei der traditionellen Adventfeier des Kulturvereins Österreichischer Roma in Wien las die bekannte Schauspielerin Mijou Kovacs vor prominentem Publikum eine Geschichte der schwedischen Autorin Selma Lagerlöff, die als erste Frau den Nobelpreis erhielt. Die Lesung wurde musikalisch vom „Ferry Janoska Trio“ begleitet. Der burgenländische Roma-Musiker und Komponist Ferry Janoska kommt ursprünglich aus der Slowakei und erzählt von der Situation der Volksgruppe vor Ort. Er selbst weiß, dass das positive Klischee, Roma seien gute Musiker, nicht auf alle zutrifft. Die Volksgruppe weise jedoch ein breites Potenzial auf, das noch nicht ausgeschöpft werden konnte.

Es ist noch nicht lange her, dass die über Jahrhunderte mündlich weitergegebenen Märchen und Erzählungen der Roma verschriftlicht wurden. Eines jener Märchen heißt „Als der Rom den Herrgott im Wald suchen ging“, erschienen im Buch „Der Rom und der Teufel“ und herausgegeben im Jahre 2000 vom Drava Verlag. Die Roma-Künstlerin Christine Sztubics las das Märchen für Radio Kaktus in Romani.

Gilda Horvath, ORF Volksgruppenredaktion
volksgruppen.orf.at