Roma-Weihnachten in Tschechien

Dezember 24th, 2009  |  Published in Brauchtum & Tradition, Radio, Podcast & TV

Vor genau zehn Jahren brachte Radio Prag in seinem Feiertagsprogramm einen Beitrag über die Weihnachtsbräuche der tschechischen Roma, dessen Beginn wir im Folgenden wiedergeben. Den vollständigen Text zur Sendung finden Sie hier.

Bobalky (Foto: myerchin.org)Karacona − so nennen die in Tschechien lebenden Roma Weihnachten. (…) Die heute in Tschechien lebenden Roma stammen zum größten Teil aus der Slowakei. Hier entstanden auch ihre typischen Weihnachtsbräuche, von denen sich einige bis in die heutige, konsumorientierte Zeit erhalten haben. Auch wenn die Roma inzwischen Bräuche der typisch tschechischen Weihnachten übernommen haben und einige ihrer Traditionen in Vergessenheit gerieten, so unterscheiden sich die Roma-Weihnachten doch auch noch heute von denen der Tschechen. Anna Zigova, die sich seit langem mit Bräuchen und Traditionen der Roma befasst, erzählt über die wohl lebendigsten und schönsten Bräuche Folgendes:

„Es gibt zwei Dinge, durch die sich die Roma-Weihnachten von den tschechischen unterscheiden. Das eine ist das gegenseitge Vergeben. Die Roma sagen, dass sich spätestens bis zum St. Sephanstag Familien und Freunde alles vergeben müssen, was sie sich in dem Jahr Schlechtes angetan haben. Das ist ein sehr gefühlvoller Grundsatz, der stets eingehalten wird. Der zweite, für Tschechen ungewöhnliche Brauch ist die Erinnerung an die Toten in der Familie. Dies passiert nicht nur durch das Erzählen von Erinnerungen an diese, sondern ist so ein Ritual. Vor dem Abendessen am Heiligen Abend wird ein spezielles Essen vorbereitet, die sogenannten Bobalky. Das ist etwas ähnliches wie Gnocchi, die mit Zucker bestäubt werden. Dieses spezielle Essen für die Toten wird auf einen Teller gelegt, der auf das Fensterbrett gestellt wird. Das ist so eine greifbare Erinnerung und Opfer für die Toten in der Familie. Natürlich sind die Kinder am neugierigsten, was wohl mit dem Essen auf dem Fensterbrett passiert. Und wenn irgendein Vogel die Bobalky angeknabbert oder mitgenommmen hat, so ist das ein Beweis dafür, dass die Toten ihr Essen geholt haben.“

Lesen Sie mehr über das Weihnachtsbrauchtum der tschechischen (bzw. slowakischen) Roma auf der Website von Radio Prag.

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