„Für alle jungen Sinti ein Vorbild“
Dezember 22nd, 2009 | Published in Medien & Presse, Musik | 1 Comment
Bis in die Finalshow von „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) hat sie sich vorgekämpft, mehr als sechs Millionen Fernsehzuschauer haben das im Mai live mitverfolgt. Mit nur einem Prozent Unterschied verpasste Sarah Kreuz dann aber den Sieg: „Sie wurde knapp Zweite und wird ,Siegerin der Herzen‘‘ genannt“, schreibt Uwe Ebbinghaus in der gestrigen FAZ. Er hat die junge Sängerin nun, einige Monate später und nach Erscheinen ihrer ersten CD („One Moment in Time“/Universal), zu Hause besucht. Sarah ist Sintiza und der Stellenwert, den ihr selbstbewusster Umgang mit ihrer Herkunft für viele Roma und Sinti hat (siehe: dROMa-Blog), ist auch dem FAZ-Redakteur nicht entgangen: „Für die jungen Sinti ist Sarah ein Vorbild“, schreibt er. „Mit ihrer Mutter spricht Sarah ausschließlich Deutsch, mit dem Vater, einem selbständigen Metallwarenhändler, Romanes. Sie kann gar nicht sagen, warum. Den Vornamen Sarah hat die Mutter ausgesucht, den Sinti-Namen Coralla der Vater, so ruft man sie auch außerhalb der Familie.“
Für einiges Aufsehen hatte schon ein kleiner Zwischenfall bei der Vorrunde in Teneriffa gesorgt:
Die weiblichen Teilnehmer werden aufgefordert, einen Bikini anzuziehen und mit einem über zwei Meter langen Python um den Hals ein vorher verabredetes Lied zu singen. Doch Sarah Kreuz tut, was man selten in diesem Fernsehformat sieht: Sie weigert sich. Zu den Juroren, die am Pool warten, sagt sie, sichtbar erregt, aber fest: „In unserer Tradition ist es so, dass man nicht so viel Haut zeigt. Wir sind Sinti.“ Die Juroren werden vor der Kamera verlegen (…) „Kein Problem“, sagen sie tonlos. Zuvor allerdings hatten Mitarbeiter der Show Sarah massiv mit dem Ausscheiden gedroht. (…) Aber sie sagt: „Ich bin nicht als Model zum Casting gekommen.“ (…)
In den Internetforen von RTL, in Video- und Sintiforen formiert sich nach Ausstrahlung der Sequenz eine Sympathiebewegung für die junge Sängerin. Kommentare wie „du kannst stolz auf dich sein weil du ehre bewiesen hast“ laufen reihenweise ein. Noch Wochen später werden kleinste Gesten euphorisch begrüßt: „hai sara wir sind auch reisende. wie du am samstag gesungen hast des war so geil wo du noch am ende chum (ein Sinti-Gruß) gesagt hast mach weiter so“. Und „Franz“ schreibt: „Du solltest auch wissen, dass Du für alle jungen Sinti ein Vorbild bist. Ich bin mir sicher, dass Du durch Deinen Mut, Dich bei DSDS klar als Sinteza zu bekennen, vielen die Angst genommen hast.“
(…) Die Vorurteile, die es über Sinti gibt, lauten: Sie essen kein Pferdefleisch, die Frauen tragen in der Öffentlichkeit knielange Röcke, sie sind überaus familiär, „Stolz“ und „Charakter“ ist ihnen wichtig, sie vermeiden bestimmte Gespräche. Das Thema Sexualität ist tabu, darüber spricht man allenfalls mit seiner Mutter. Und die Annäherung zwischen den Geschlechtern gehorcht einer jahrhundertealten, recht komplizierten Choreographie, der aber zunehmend laxer gefolgt wird. All diese Regeln seien für sie kein Zwang, sie folge ihnen freiwillig. „Das ist unsere Kultur und ich bin stolz darauf“, sagt sie. Pferde seien doch auch so schöne Tiere, wie könne man die essen, und außerdem: „Wer redet schon gerne über Sexualität?“
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Februar 19th, 2010 at 11:40 (#)
[...] (DSDS) ist offenbar zum wahren Tummelplatz musikalischer Sinti-Talente geworden – man erinnere sich nur an Sarah Kreuz, die den Sieg 2009 nur um Haaresbreite verfehlt hat. Die Mehrheitsgesellschaft [...]