Archive for Dezember 23rd, 2009

GfbV: Kosovos Roma auf der Müllhalde Europas

Dezember 23rd, 2009  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Tilman-ZülchGfbV Berlin (Joachim Fulda): In den letzten Monaten bekamen wir immer wieder eindringliche Appelle kosovarischer Roma, die in Deutschland akut von der Abschiebung betroffen sind. Denn vielen von ihnen fürchten ein ähnliches Schicksal wie jene Roma, die in den Lagern von Cesmin Lug und „Osterode“ auf dem verseuchten Gelände einer ehemaligen Bleischmelzanlage in Nordmitrovicë/Mitrovica leben müssen. Denn diese Lager sind zu todbringenden Gefängnissen geworden: Noch immer müssen dort 560 Roma und Aschkali leben. Medizinische Tests haben im Blut der Lagerbewohner einen durchschnittlichen Bleigehalt von 30 bis 40 Mikrogramm pro Deziliter (µg/dl) nachgewiesen. Bereits ab 10 µg/dl werden Organe dauerhaft geschädigt, allen voran das Gehirn. Kinder bekommen Krämpfe, können sich nicht konzentrieren, sind psychisch gestört und fallen in komatöse Zustände. Frauen erleiden Fehlgeburten. 83 Menschen sind dort inzwischen gestorben, und viele Experten gehen davon aus, dass die hohe Bleikonzentration im Boden und in der Luft zu ihrem Tod beitragen haben könnte. Deswegen schrieb Tilman Zülch, Gründer und Präsident der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV), gestern dazu einen offenen Brief an den früheren UN-Administrator im Kosovo und derzeitigen französischen Außenminister Bernard Kouchner. Read the rest of this entry »

Bosnien-Herzegowina diskriminiert Roma

Dezember 23rd, 2009  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Europäischer MenschenrechtsgerichtshofDer Europäische Menschenrechts-Gerichtshof (Website) in Straßburg hat am Dienstag Bosnien-Herzegowina wegen Verletzung der Europäische Menschenrechtskonvention verurteilt. In dem Land sind nach wie vor Juden und Roma von der Wahl zu hohen Staatsämtern ausgeschlossen. Nach der Verfassung ist sowohl das Amt des Staatsoberhauptes als auch die Wahl zur Völkerkammer im Parlament den verfassungsmäßigen Staatsbürgern vorbehalten, also den bosnischen Muslimen, Kroaten und Serben. Dieser Ausschluss der bosnischen Roma und Juden von der Wahl des dreiköpfigen Staatspräsidiums und der Völkerkammer stellt laut Urteilsbegründung einen klaren Verstoß gegen das Diskriminierungsverbot und gegen das Recht auf freie Wahlen dar. „Das Verbot für die Minderheiten, an den Wahlen teilzunehmen, hat keine objektive und vernünftige Rechtfertigung und steht daher im Widerspruch zur Europäischen Menschenrechtskonvention, welche eine Diskriminierung verbietet“, stellte der Gerichtshof laut Presseberichten fest.

Die Straßburger Richter gaben mit ihrem Urteil der Klage zweier Vertreter der betroffenen Volksgruppen statt. Bosnien war von dem Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde in Sarajewo Jakob Finci und von Dervo Sejdić, dem Koordinator des Roma-Rates Bosnien-Herzegowinas, verklagt worden. Das ethnische Proporzsystem der bosnischen Verfassung, das einen Ausgleich zwischen den drei großen Volksgruppen sucht, sei zwar vor dem Hintergrund des Bürgerkriegs geschaffen worden; Bosnien-Herzegowina habe seither allerdings wiederholt − gegenüber Europarat und EU − eine Reform des alle sonstigen Bevölkerungsgruppen diskriminierenden Wahlrechts zugesichert.