Mai 3rd, 2015 |
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Rassismus & Menschenrechte
Amnesty International – Urgent Action: Ungarn
In der ungarischen Stadt Miskolc droht etwa 160 Familien die rechtswidrige Zwangsräumung. Die Familien gehören zum größten Teil der Roma-Gemeinschaft an und wohnen in dem Stadtviertel „Nummerierte Straßen“. Die Behörden müssen die rechtswidrigen Zwangsräumungen verhindern.
>>Zum Online-Appell (bis 22. Mai 2015)
Die Stadtverwaltung von Miskolc, Ungarns viertgrößter Stadt, plant die Zwangsräumung von allen BewohnerInnen des Viertels „Nummerierte Straßen“, um so Platz für ein Fußballstadion zu machen. (…) Die Bescheide markieren die Wiederaufnahme von Zwangsräumungen, die aufgrund eines gesetzlichen Verbots über die Wintermonate ausgesetzt worden waren. Vor Beginn der Räumungen lebten etwa 900 Personen in dem überwiegend von Roma bewohnten Stadtviertel. Im Mai 2014 erhielt etwa die Hälfte aller dort lebenden Familien einen Räumungsbescheid. Bis Anfang Dezember 2014 waren bereits 30 Familien vertrieben worden. Es hatte zuvor keine angemessene Konsultation stattgefunden, und für die Betroffenen wurden keine Alternativunterkünfte bereitgestellt. Amnesty International hat das Viertel „Nummerierte Straßen“ in den vergangenen neun Monaten bereits dreimal besucht und sich mit BeamtInnen der Stadt getroffen, die dort für die Durchführung der Räumungen zuständig sind. Die BewohnerInnen des Viertels geben an, dass es keine wirksame Konsultation bezüglich der Räumungen und eventuellen Alternativmaßnahmen gegeben habe und ihnen keine alternativen Unterkünfte angeboten worden seien. Gemäß internationalen Menschenrechtsstandards müssen Räumungen selbst dann, wenn sie als gerechtfertigt betrachtet werden, den betreffenden Richtlinien der internationalen Menschenrechtsnormen in vollem Umfang entsprechen.
HINTERGRUNDINFORMATIONEN
Am 8. Mai 2014 entschieden sich die Behörden der Stadt Miskolc dazu, das Viertel „Nummerierte Straßen“ aufzulösen und kündigten die bestehenden Mietverträge. Durch die bevorstehenden Räumungen, für die keinerlei Entschädigungsleistungen vorgesehen sind, droht dem Großteil der BewohnerInnen nun die Obdachlosigkeit. Es hat keine umfassende Konsultation der Betroffenen stattgefunden. Read the rest of this entry »
Mai 2nd, 2015 |
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Interview, Rassismus & Menschenrechte
Videoporträts Notreisender in Salzburg
Ein Projekt von Runder Tisch für Menschenrechte und helix – forschung & beratung
>> zu den Videoporträts
Wer sind die Menschen, die von der Politik und den Medien oft pauschal als Angehörige einer „Bettelmafia“ stigmatisiert werden, welche Geschichten haben sie zu erzählen, woher kommen sie und warum haben sie ihre Heimat verlassen, mit welchen Vorstellungen und Erwartungen kamen sie nach Salzburg und wie wurde die Reise konkret realisiert, welche Schul- und Berufsbildung haben sie, hatten sie einmal eine Arbeitsstelle, wie sehen die Sozialleistungen und Lebensbedingungen in der Herkunftsregion aus, wo ist die Familie und wie (über)lebt sie, wie schlagen sie sich in Salzburg durch und wie erleben sie ihren Alltag hier, wie reagieren die PassantInnen und AnwohnerInnen auf sie, wie helfen sie einander und welche externen Hilfsangebote kennen und nutzen sie?
Fragen wie diesen gingen wir in unseren Videoportraits nach, um damit notreisenden BettlerInnen, die sich in Salzburg aufhalten, eine Stimme und ein Gesicht geben.
(Projektvorstellung: notreisendesalzburg.wordpress.com)
April 28th, 2015 |
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Rassismus & Menschenrechte
Die belgische Polizei hat angekündigt, in ihren Berichten in Hinkunft das Wort „Zigeuner“ nicht mehr zu verwenden. Sie reagiert damit auf Beschwerden des Minderheitenforums und des Interföderalen Zentrums für Chancengleichheit. „Das Wort stigmatisiert eine Personengruppe und ist daher inakzeptabel“, zitiert das Nachrichtenseite „Flanders Today“ den Leiter des Minderheitenforums Wouter Van Bellingen. Die Verwendung des Begriffs in Polizeiberichten käme einer Form von „Ethnic Profiling“ gleich, was in Belgien verboten sei. Als Alternative verweist Van Bellingen auf den Begriff „Wohnwagenbewohner“ („caravan resident“). Die Polizei will mit unterschiedlichen Interessensgruppen zusammenarbeiten, um sich auf einen neutralen Ersatzbegriff zu einigen.
(dROMa | Quelle: www.flanderstoday.eu)
April 23rd, 2015 |
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Medien & Presse, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Ende 2014 wurden in Italien die Ermittlungen gegen die sogenannte „Mafia capitale“ publik, ein kriminelles Netzwerk, das sich die Verwaltung der Flüchtlings- und Romalager in Rom unter den Nagel gerissen hatte. Enorme Geldsummen, die eigentlich für die Betreuung vorgesehen waren, wurden von der Mafia abgezweigt. Insgesamt gab es 37 sofortige Verhaftungen, mehr als 100 Ermittlungsverfahren wurden eröffnet. Kurz darauf veröffentlichte „Le Monde diplomatique“ einen umfangreichen Artikel Stefano Libertis über Roms Mafiasystem, das aus dem sogenannten „Nomaden-Notstand“ reichlich Kapital zu schlagen verstand. Dieser Notstandsplan wurde 2008 für fünf italienische Regionen erlassen, um gegen vermeintliche Nomaden vorzugehen: Diese Sonderverordnungen ebneten den Weg für die Zwangsräumung und teilweise Umsiedlung Tausender Roma in neue oder erweiterte Lager am Stadtrand. Erst fünf Jahre später wurde der Nomaden-Plan im Mai 2013 vom italienischen Höchstgericht endgültig als verfassungswidrig aufgehoben. Im Folgenden einige kurze Auszüge aus dem Artikel:
„Mit den Flüchtlingen lässt sich mehr Geld machen als mit dem Drogenhandel.“ Mit diesem Satz beschrieb Salvatore Buzzi, Vorsitzender der Genossenschaft “29. Juni”, in einem abgehörten Telefongespräch, worum es bei den Ermittlungen namens „Mafia capitale“ (Hauptstadtmafia) geht. Die Untersuchung, die derzeit die Regierungspaläste der Stadt Rom erschüttert, hat ein gigantisches Netzwerk systematischer Korruption aufgedeckt, in dem mit sozialen Diensten, insbesondere mit den Auffangstrukturen für Flüchtlinge, im großen Stil Geld verdient wurde.
(…) „Es ist eine Mafia neuen Typs“, sagt Staatsanwalt Giuseppe Pignatone. (…) „Die Organisation (…) investiert in etliche mafiöse Unternehmen im Stadtgebiet. Sie (…) ist wie eine Holding in mehrere Geschäftsfelder gegliedert.“ Einzelne Personen, die über exklusiven Zugang zu den Schaltstellen der Stadtverwaltung und zum Innenministerium verfügen, haben im Lauf der letzten Jahre eine Reihe von kommunalen, sozialen Dienstleistern unter ihre Kontrolle gebracht, darunter mindestens zwei Hühnchen, die wahrhaft goldene Eier legen: die Asylbewerberheime und die Lager für die Roma. Die Summen, um die es dabei geht, sind stattlich: Read the rest of this entry »
April 19th, 2015 |
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Rassismus & Menschenrechte
Use jek brutali harengero angle gejipe ande jek slovakischi Romengeri sidlung valami 15 manuscha dukade ule. O angle gejipe le harendar akan le generalschtotiskere fischgaroschistar taj le andrutne ministerijumistar aun diklo te ol, phentscha idsch o Peter Pollak, o Romengero upre dijaschi la regirungatar. Angloda o biro le gavestar Vrbnica ando ostslovakischi becirk Michalovce phare angle periptscha gejng o harengere asdija: O pradime butschaschtscha use jek fandungakeri akcijona upre sakoneske ande marde, kaj 15 dschene muguli andi schpita iste ande ule. O harengere i Roma sidlung aunastarde, o vudura upre prutschinde taj le cilen marde, save pumen angle lende terdscharde, phentscha o biro le medijenge. Kada ov le gavengere dschenendar akardo ulo taj le harendar mangla so on adaj keren, te ov söbst rasistisch prasto ulo. Jeke harengere vakeraschistar adala angle periptscha tel tagadim ule. O slovakischi harengere imar ando lejcti berscha butvar vasch brutali angle gejiptscha gejng o Roma kritisirim ule.
April 14th, 2015 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte
Härtekurs gegen ausländische Roma: Koalition findet keine Mehrheit für radikales Bettelverbot
Die norwegische Regierung, eine Koalition aus Konservativen (Høyre) und Rechtspopulisten (Fremskritspartiet), plädiert für einen radikalen Kurs der Härte gegen osteuropäische Bettler: Seit Juli 2014 können Kommunen in Norwegen ein örtliches Bettelverbot aussprechen. Nun sah eine Gesetzesvorlage vor, Betteln landesweit unter Strafe zu stellen. Für Aufsehen sorgte hierbei vor allem eine Ausweitung der Pläne, wonach nicht nur das Bitten um Almosen, sondern auch das Gewähren von Hilfe bestraft würden: „Bettlerfreunde sollten mit bis zu einem Jahr Gefängnis bestraft werden. Strafbar wäre laut dem Regierungsentwurf jede Art von Gabe gewesen, die Bettelei erleichtert, ob es sich nun um Geld oder Unterkunft handelt“, schreibt dazu die Wiener Zeitung.
Große Teile der Bevölkerung reagierten mit Empörung auf die geplante Verschärfung, viele riefen zum zivilem Ungehorsam auf. Die Zentrumspartei, die die Regierungsvorlage ursprünglich mittragen wollte, verweigerte daraufhin den Regierungsparteien überraschend die nötige Unterstützung. Die norwegische Regierung zog die Pläne für ein landesweites Bettelverbot schließlich Anfang Februar zurück.
(dROMa)
April 5th, 2015 |
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Rassismus & Menschenrechte
Brand in Roma-Siedlung in Rom: Ermittler gehen von Brandstiftung aus.
In der Nacht auf Montag ist in einer Roma-Siedlung in der via Armellini in La Rustica an der östlichen Peripherie Roms ein Brand ausgebrochen. Rund 100 Roma mussten ihre Unterkünfte fluchtartig verlassen, verletzt wurde niemand. Die Flammen hatten sich in dem Gebäude, einer ehemaligen Zementfabrik, blitzartig ausgebreitet. Laut ersten Aussagen der Ermittler dürfte der Brand, der in mehreren Räumen und Stockwerken zugleich entstand, gelegt worden sein. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.
Laut Angaben von NGOs verbrachten die Roma, darunter viele Kinder, die Nacht im Freien; die Behörden verteilten lediglich Wasserflaschen und Decken. Auf der Straße kam es in der Folge zu aufgeheizten Szenen zwischen Polizei und obdachlos gewordenen Roma. In einer Aussendung vom 31. März berichtet die NGO „Nazione Rom“ von Übergriffen der Stadtpolizei (hier ein Video). Zudem seien die Familien, anders als von den Behörden bekanntgegeben, nicht in anderweitige Unterkünfte evakuiert worden.
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April 4th, 2015 |
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Rassismus & Menschenrechte
Bei einem brutalen Polizeieinsatz in einer slowakischen Roma-Siedlung sind am Donnerstag mindestens 15 Personen verletzt worden.
Der Bürgermeister des Dorfes Vrbnica im ostslowakischen Bezirk Michalovce, der von den Bewohnern zu Hilfe gerufen worden war, erhob schwere Vorwürfe gegen die Polizei: Die Beamten hätten die Roma-Siedlung im Zuge einer Fahndungseinsatzes gestürmt, Haustüren eingetreten und wahllos auf alle eingeprügelt, die sich ihnen in den Weg stellten. 15 Bewohner seien daraufhin im Krankenhaus behandelt worden. Er selbst sei von den Polizisten rassistisch beschimpft worden. Der Vorfall soll nun von Generalstaatsanwaltschaft und Innenministerium untersucht werden. Ein Polizeisprecher bestritt alle Vorwürfe.
(dROMa | Quelle: derstandard.at)
April 1st, 2015 |
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Medien & Presse, Politik, Rassismus & Menschenrechte
FAZ: Im ungarischen Miskolc geht die Verwaltung drastisch gegen Roma vor. Sie vertreibt sie aus ihren Wohnungen. Und lässt ihnen nur die Hoffnung auf Kanada.
(…) Im Sommer vergangenen Jahres beschloss der Stadtrat, die „Gettos und Slums“ von Miskolc zu beseitigen. (…) Angeblicher Grund dafür ist, dass Platz für eine moderne Fußball-Arena geschaffen werden soll (…). Tatsächlich sieht es vor allem so aus, dass die in Miskolc führende Fidesz-Partei die Roma aus der Siedlung einfach loswerden möchte. Es gibt Wegziehprämien, und wer mit Mietzahlungen für die stadteigenen Häuschen im Rückstand ist oder wessen Vertrag ausläuft, bekommt einen Räumungsbescheid. (…). 36 Wohnungen seien inzwischen leer, 38 weitere sollten bis Ende April geräumt werden. (…)
Die Romasiedlung war ein großes Thema im Kommunalwahlkampf des vergangenen Jahres. (…) Im nahe gelegenen Ózd, wo es auch viele Roma gibt, triumphierte ein Jobbik-Mann. (…) Schon haben sich in den umliegenden Gemeinden Bürgerinitiativen gebildet, die diese Leute auch nicht haben wollen. (…). Die neue Hoffnung heißt Kanada. Seit ein Gericht dort ungarische Roma als Asylbewerber akzeptiert hat, wollen alle dorthin auswandern. (…)
Lesen Sie bitte den hier nur in einigen kurzen Auszügen wiedergegebenen Artikel von Stephan Löwenstein in voller Länge auf www.faz.net.
Siehe auch:
Ónod bei Miskolc: Brandanschlag auf Roma
Ungarn: „Wegziehprämien“ für Roma
Ungarische Roma flüchten in die Schweiz
Ungarisches Filmfestival streicht Roma-Filme
März 29th, 2015 |
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Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Slovakija: Harengero angle gejipe gejng schov Romane tschave, taj niko na ande tschapim ulo. O Romengero upre dijaschi la regirungatar bari vrischtscha tschalal.
Ando ar le feberistar jek slovakischi kris ande Košice desch agune harengeren savenge panasi tschito ulo, nisaj schtrauf uschtidine, 2009 jek grupn terne Romendar lendar mujsim ule pumen söber te marel. Schov murschore ando phuranipe deschujek dschi deschupantsch berscha jeke ande phagipestar fadechjtigim ule taj ando komiserijat len legede. Odoj but harendar mujsim le ule pumen nange tel te tschil taj ando muj pumen te marel taj te praste le ule le harendar. Ada sa upre jek handy le harendar upre lim, taj ando internet lendar ar bulhardo ulo. O upre limo film, savo te uso mediji pelo uso kris na use muklo ulo. Phendo ulo, hot na tschando ol, saveskere handyha ada upre lipe kerdo ulo. Le enja murschenge taj jeka dschuvlake, savenge o panasi tschito ulo, nischta uso kris arphende taj afka nisaj schrauf uschtidine. O schtotiskero fischgaroschi jek berufinipe ande tschitscha.
But dschene, save use ada proceso use sina, sikade pumen use o na use mukipe le filmistar schokirim. Te o Romengero upre dijaschi la slovakischi regirungatar, Peter Pollák, o krisengero entschajdinipe na ojs latscho dikel taj mangel akan, hot o generaliskero schtostiskero fischgaroschi adale angle peripeske aun pe te lel.
(dROMa)
März 27th, 2015 |
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Dokumente & Berichte, Fundstücke, Geschichte & Gedenken, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Nur jeder zehnte österreichische Rom erlebte 1945 die Befreiung vom NS-Regime. Die wenigen, die aus den Konzentrationslagern zurückkehrten, fanden zerstörte Siedlungen vor. Wie Österreichs Behörden mit den KZ-Überlebenden umgingen, illustriert ein Erlass aus dem Jahr 1948. Nur drei Jahre nach der Befreiung, am 20. September 1948, verfügte das von Oskar Helmer (SPÖ), einem Burgenländer, geführte Innenministerium Folgendes (Dokument aus der Ausstellung „Romane Thana“, noch zu sehen bis 17. Mai 2015 im „Wien Museum“):
„Dem ho. Amte ist zur Kenntnis gelangt, dass das Zigeunerunwesen in einigen Gegenden (…) wieder im Zunehmen begriffen ist und sich bereits unangenehm bemerkbar macht. Um auf die Bevölkerung Eindruck zu machen, sollen sich Zigeuner oftmals als KZ-ler ausgeben. Soweit (…) die Möglichkeit einer Ausserlandschaffung gegeben erscheint, wäre gegen lästige Zigeuner mit der Erlassung eines Aufenthaltsverbotes vorzugehen und ihre Ausserlandschaffung durchzuführen.“
(dROMA-Red. | via @bweidin)
Siehe auch: Nachkriegsjustiz: das Schandurteil von 1956
März 26th, 2015 |
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Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Slowakei: Polizeigewalt gegen sechs Roma-Kinder bleibt straffrei. Der Roma-Beauftragte der Regierung schlägt Alarm.
Ende Februar hat ein slowakisches Gericht in Košice zehn angeklagte (Ex-)Polizisten vom Vorwurf freigesprochen, 2009 eine Gruppe minderjähriger Roma misshandelt und gedemütigt zu haben. Sechs Buben im Alter von elf bis 15 Jahren waren eines Raubüberfalls verdächtigt und ins Kommissariat gebracht worden. Dort wurden sie von mehreren Polizisten misshandelt und beschimpft. Die Kinder und Jugendlichen mussten sich nackt ausziehen und wurden gezwungen, einander zu schlagen. All dies ist in Bild und Ton auf Videoaufnahmen dokumentiert. Die Polizeibeamten hatten die Misshandlungen mit einer Handykamera selbst gefilmt und die Aufnahmen verbreitet. Die Videoaufzeichnungen, die auch in die Medien gelangten, wurden vom Gericht jedoch nicht als Beweismittel zugelassen, u.a. weil nicht bekannt sei, mit wessen Handy die Aufnahmen entstanden waren. Die Angeklagten, neun Männer und eine Frau, weigerten sich vor Gericht auszusagen und wurden nun mangels Beweisen freigesprochen, der Staatsanwalt legte Berufung ein.
Viele Beobachter des Prozesses zeigten sich über die Nichtzulassung des wichtigsten Beweismittels und die Freisprüche schockiert (hier, hier und hier). Auch der Roma-Beauftragte der slowakischen Regierung, Peter Pollák, hält die richterliche Entscheidung für unzulässig und ersucht nun den Generalstaatsanwalt, sich des Falls anzunehmen. Read the rest of this entry »
März 25th, 2015 |
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Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
2009 misshandelten und demütigten zehn slowakische Polizisten in Košice eine Gruppe von Roma-Buben im Alter von elf bis 15 Jahren. Die Polizisten selbst filmten die Vorgänge mit einer Handykamera. Am 27. Februar 2015 wurden alle zehn Angeklagten freigesprochen – aus Mangel an Beweisen.
>>mehr hier
(Video: Romea.cz)
März 21st, 2015 |
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Dokumente & Berichte, Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte
Muslime, Roma, Juden und Asylwerber sind in Österreich im vergangenen Jahr verstärkt rassistischen Angriffen ausgesetzt gewesen. Zu diesem Schluss kommt die Anti-Rassismus-Stelle ZARA in ihrem Jahresbericht 2014 (pdf). Es wurden 794 Fälle erfasst, um rund 60 mehr als 2013.
ZARA, 20.3.2015: „Terror-Moslems, scheissmuselmanisches Dreckspack“, „Friede existiert erst dann, wenn Juden komplett verschwinden… Hitler hat eindeutig zu wenig gemacht“ und „Z*banden“, die „alles an sich reißen, was nicht niet- und nagelfest ist“: Diese und andere abwertende Bezeichnungen wurden vergangenes Jahr besonders häufig gegen MuslimInnen, JüdInnen sowie Roma/ Romnija gerichtet. Ebenso in ein schlechtes Licht wurden AsylwerberInnen gerückt, so etwa von einem Politiker, der sie als „Erd- und Höhlenmenschen“ bezeichnete.
Besonders dominant dabei – auch in Medien und sozialen Netzwerken – war der Generalverdacht, unter den MuslimInnen gestellt wurden. Allein die Anzahl der rassistischen Vorfälle gegenüber als MuslimInnen wahrgenommenen Personen hat sich seit August 2014 nahezu verdoppelt, diese Vorfälle fallen somit zeitlich zusammen mit der Verbreitung der Gräueltaten des IS/ISIS über das Internet. Die Übergriffe reichen von verbalen Attacken in Parks und öffentlichen Verkehrsmitteln, über tätliche Angriffe, Vandalismus gegen Einrichtungen bis hin zu Hetze und Morddrohungen im Netz.
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März 20th, 2015 |
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Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
DISS: Extreme Rechte und antiziganistische Stimmungsmache. Analyse und Gefahreneinschätzung am Beispiel Duisburg
In der Reihe kostenloser Online-Broschüren des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung (DISS) erschien nun der dritte Band. Die vereinfachte Web-Version der Broschüre finden Sie hier. Das DISS empfiehlt den Download der Original-PDF-Datei mit zahlreichen Abbildungen, zusätzlichen Infokästen und ausführlichem Literatur- und Quellenverzeichnis.
Einleitung:
Seit dem EU-Beitritt Rumäniens und Bulgariens im Jahr 2007 machen Bürger_innen dieser Länder von ihrem Recht Gebrauch, sich in Duisburg, Dortmund, Berlin, aber auch vielen anderen deutschen Städten niederzulassen. Duisburg ist eine arme Stadt, und viele der Migrant_innen sind ebenfalls arm. Viele von ihnen sind nicht nur arm, sondern gehören auch der diskriminierten Minderheit der Rom_nija an. In Duisburg und in anderen Städten gab es in den letzten Jahren heftige öffentliche Debatten, die stark von Antiziganismus geprägt waren. Die Stimmung in Teilen der Bevölkerung spitzte sich so zu, dass sich viele an die rassistischen Pogrome gegen Asylsuchende Anfang der 1990er Jahre erinnert fühlten. Es dürfte kaum überraschen, dass Gruppierungen und Parteien der extremen Rechten versuchten, diese Stimmung für sich zu nutzen. Dies ist ihnen zum Teil gelungen, sie zogen z.B. mit einem Rekordergebnis in den Duisburger Stadtrat ein.
Diese Broschüre untersucht exemplarisch am Beispiel der Stadt Duisburg, wie die extreme Rechte das Thema Antiziganismus aufgriff. Sie agierte dabei nicht isoliert im luftleeren Raum. Vielmehr besteht ein Zusammenhang zwischen Alltagsrassismus, etablierten Medien, Kommunalpolitik und den Erfolgschancen der extremen Rechten. Dieses komplizierte Wechselspiel ist Gegenstand dieser Broschüre.
(weiterlesen)
Herausgeber: AK Antiziganismus im DISS/Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung. Veröffentlicht als kostenlose Online-Publikation im März 2015
Autor_innen: Martin Dietzsch, Anissa Finzi, Alexandra Graevskaia, Ismail Küpeli, Zakaria Rahmani, Stefan Vennmann
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Februar 28th, 2015 |
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Rassismus & Menschenrechte
Atentato upro Romengero farajniskero lokal ande Malmö
Na prindscharde tetertscha ando schvedijakero foro Malmö jek jagakero atentato upre jek Romengero kulturakero centro kerde. Sar o harengere phenen, duj jagengere stakli duach o boklo tschidim ule. Jek mursch savo odoj sina, schaj i „tikni jag“ ar kertscha taj le harengeren akartscha. Jek vakeraschi le harendar phentscha, ada atentato, sar o avre atentatscha upro moscheen, schaj „rasistischi motivirti“ keriptscha hi. Ando lejcti masektscha butvar asaj angleperiptsch upro Roma, save ande Malmö an kerde on. Odola Roma na kamen buter ande odola khera pal te dschal mint bari dar len hi. Ando maschkarutno jeneri i UN phentscha, hot o rasistischi use lipe upro tschuliptscha andi Schvedija mindig buteder ol.
(dROMa, Übersetzung: Josef Schmidt)
Februar 24th, 2015 |
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Film & Theater, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte
Dokumentarfilm von Ioanis Nuguet (mehr hier)
Frankreich 2014, 81 min. (franz., rumän.)
Einige Kritiken finden Sie hier: Euronews, Hollywood Reporter, Cine Vue
Februar 24th, 2015 |
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Film & Theater, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte
Dokumentarfilm von Ioanis Nuguet
Frankreich 2014, 81 min. (franz., rumän.)
Etwas sollte klar sein im Leben: dass ein Kind sich auf seine Eltern verlassen und behütet groß werden kann. Dass es ein Zuhause hat. Der 13-jährige Spartacus und seine 10-jährige Schwester Cassandra haben noch nicht einmal ein Dach über dem Kopf, als die Unterkunft der rumänischen Roma-Familie im französischen Saint-Denis abbrennt. Während sie mit staatlicher Unterstützung Zuflucht bei der jungen Trapezkünstlerin Camille finden, geht die Spirale für ihre Eltern weiter abwärts. Die eine Seite bietet Sicherheit, Bildung und eine Kindheit jenseits der Straße. Auf der anderen wartet ein Teufelskreis aus Armut, Alkohol, Selbstmitleid und Handlungsunfähigkeit. Spartacus und Cassandra müssen sich entscheiden. Es ist mehr als die alte Frage, ob man sich aus schwierigen Verhältnissen befreien kann. Wie kann sich ein Kind von seinen Eltern lösen?
In flirrenden, traumverlorenen Bildern und einer impressionistischen Montage lässt Ioanis Nuguet die Kinder schweben zwischen einer Herkunft, die sie nicht abschütteln können, und einer Zukunft, die ihnen nicht ohne Weiteres offensteht. Ein kaukasischer Kreidekreis, an dessen Ende – wie bei Brecht – so etwas wie Hoffnung steht. Aber auch ein bitterer Rap von Spartacus, der klar macht, dass dieses Problem kein privates ist.
(Text: Grit Lemke, Katalogtext DOK Leipzig)
Februar 22nd, 2015 |
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Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
„Antiziganismus in Rom nach dem Mafiaskandal: Die Köpfe wechseln, die soziale Exklusion bleibt“
RDL sprach mit dem italienischen Roma-Aktivisten Roberto Sejdic über die aktuellen Lage der Roma in Rom
>>Anhören/Download (mp3)
Focus Europa/Morgenradio, 20. Feb. 2015, 7,05 min
Im November und Dezember 2014 häuften sich in Rom Proteste und teils gewaltsame Angriffe gegen Flüchtlingsunterkünfte und Roma-Camps. Offener Rassismus, die allgemeine soziale Benachteiligung der Bewohner/innen der Peripherie und der Einfluss der römischen Mafia auf die Verwaltung der Unterkünfte bildeten eine explosive Mischung, wie RDL im Dezember berichtete. Gut zwei Monate nach der Aufdeckung der „Mafia Capitale“ und dem Höhepunkt der rassistischen Ausbrüche wollten wir wissen, wie sich die Situation für Roma in der italienischen Hauptstadt entwickelt hat. Wir sprachen darüber mit Roberto Sejdic aus Rom, der selbst Rom ist und auch von seiner Arbeit gegen die soziale Ausgrenzung in mehreren Roma-Organisationen berichtet.
(Text & Interview: www.rdl.de)
Februar 20th, 2015 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte
Am 1. März wird die Sozialhilfe in Ungarn halbiert (mehr hier). Dabei zeigte der Eurostat-Armutsreport zu Ungarn erst kürzlich einen erschreckenden Anstieg der Armut, von dem besonders Kinder betroffen sind. Im Folgenden ein Auszug aus der Budapester Zeitung:
In Ungarn ist die Armut sukzessive im Steigen begriffen. Selbst gegenüber den drei anderen Visegrád-Staaten (Polen, Tschechien und Slowakei) befindet sich Ungarn in Sachen Armut auf dem absteigenden Ast. Zu diesem Schluss kamen die Mitarbeiter des Instituts für Soziologie an der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (MTA). Sie stellten Ende November 2014 eine einschlägige Studie von Eurostat vor.
Die Mitarbeiterin des Instituts (…), Vera Messing, machte darauf aufmerksam, dass der Anteil jener Menschen an der ungarischen Gesamtbevölkerung, die unter schweren Entbehrungen leben müssen, im Zeitraum 2009 bis 2013 von 20,3 auf 26,8 Prozent gestiegen sei. (…) Der Anteil jener Menschen, die dem Risiko ausgesetzt sind, in Armut und damit einhergehend in sozialer Ausgrenzung zu leben, lag in Ungarn 2013 bei 33,5 Prozent (2009: 29,6 Prozent). (…) Das Fazit (…): Ungarn ist nicht nur im Begriff zu verarmen, sondern auch innerhalb der Region den Anschluss zu verlieren. (…) Aus den Erhebungen von Eurostat geht überdies hervor, dass in Ungarn vor allem Kinder ein Dasein in Armut fristen müssen. Je jünger jemand ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er in einer armen Familie lebt. (…) Was die Kinderarmut anbetrifft, ist Ungarn gemeinsam mit Rumänien und Bulgarien negative Spitze. Im Kreis der Jüngsten in Ungarn, sprich der Unter-sieben-Jährigen, leben 42,2 Prozent der Kinder in Armut. Wie die MTA-Mitarbeiterin Messing erklärte, hat sich die Kinderarmut in Ungarn in den vergangenen Jahren dramatisch verschärft. Bis auf Ungarn ist es jedem EU-Land gelungen, die Kinderarmut zu stoppen oder umzukehren. (…)
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