Ungarn: Kinderarmut dramatisch verschärft
Februar 20th, 2015 | Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte
Am 1. März wird die Sozialhilfe in Ungarn halbiert (mehr hier). Dabei zeigte der Eurostat-Armutsreport zu Ungarn erst kürzlich einen erschreckenden Anstieg der Armut, von dem besonders Kinder betroffen sind. Im Folgenden ein Auszug aus der Budapester Zeitung:
In Ungarn ist die Armut sukzessive im Steigen begriffen. Selbst gegenüber den drei anderen Visegrád-Staaten (Polen, Tschechien und Slowakei) befindet sich Ungarn in Sachen Armut auf dem absteigenden Ast. Zu diesem Schluss kamen die Mitarbeiter des Instituts für Soziologie an der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (MTA). Sie stellten Ende November 2014 eine einschlägige Studie von Eurostat vor.
Die Mitarbeiterin des Instituts (…), Vera Messing, machte darauf aufmerksam, dass der Anteil jener Menschen an der ungarischen Gesamtbevölkerung, die unter schweren Entbehrungen leben müssen, im Zeitraum 2009 bis 2013 von 20,3 auf 26,8 Prozent gestiegen sei. (…) Der Anteil jener Menschen, die dem Risiko ausgesetzt sind, in Armut und damit einhergehend in sozialer Ausgrenzung zu leben, lag in Ungarn 2013 bei 33,5 Prozent (2009: 29,6 Prozent). (…) Das Fazit (…): Ungarn ist nicht nur im Begriff zu verarmen, sondern auch innerhalb der Region den Anschluss zu verlieren. (…) Aus den Erhebungen von Eurostat geht überdies hervor, dass in Ungarn vor allem Kinder ein Dasein in Armut fristen müssen. Je jünger jemand ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er in einer armen Familie lebt. (…) Was die Kinderarmut anbetrifft, ist Ungarn gemeinsam mit Rumänien und Bulgarien negative Spitze. Im Kreis der Jüngsten in Ungarn, sprich der Unter-sieben-Jährigen, leben 42,2 Prozent der Kinder in Armut. Wie die MTA-Mitarbeiterin Messing erklärte, hat sich die Kinderarmut in Ungarn in den vergangenen Jahren dramatisch verschärft. Bis auf Ungarn ist es jedem EU-Land gelungen, die Kinderarmut zu stoppen oder umzukehren. (…)
Eine andere Soziologin, Dorottya Szikra, wies bei der MTA-Konferenz darauf hin, dass die Armut auch darauf zurückzuführen sei, dass unter der Regierung von Viktor Orbán die Zahlung der Arbeitslosenbeihilfe von neun auf drei Monate gesenkt wurde. In keinem anderen europäischen Land ist der Zeitraum, in dem Arbeitslosenbeihilfe gezahlt wird, kürzer als in Ungarn. (…) Hinzu kommt, dass die Arbeitslosenbeihilfe in Ungarn mit 22.800 Forint denkbar niedrig ist. Der Mitarbeiter des Gemeinnützigen Vereins Chancen für Kinder, Zsombor Farkas, verwies (…) darauf, dass der Bewegungsspielraum der armen Menschen in Ungarn auch dadurch eingeengt werde, dass die Familienbeihilfe seit 2008 nicht erhöht worden sei (…). Dasselbe gilt für die Mutterschaftshilfe (GYES), die bis zum dritten Lebensjahr des Kindes bezahlt wird. Dies bedeutet einen Realwertverlust (…) in Höhe von 20 bis 25 Prozent.
Bitte lesen Sie den hier nur auszugsweise wiedergegebenen Artikel von Peter Bognar, erschienen am 27.11.2014, in voller Länge in der Budapester Zeitung.