Ungarische Roma flüchten in die Schweiz
Oktober 27th, 2014 | Published in Rassismus & Menschenrechte
65 ungarische Roma haben innerhalb einer Woche in der Schweiz um Asyl angesucht, berichtete die NZZ am 22. Oktober. Dieser sprunghafte Anstieg sei „ungewöhnlich“, zitiert die Zeitung Beat Meiner von der Schweizerischen Flüchtlingshilfe. In den letzten zwei Jahren waren es insgesamt nur 46 Personen, die aus Ungarn einreisten und in der Schweiz Asyl beantragten. Bei den Asylsuchenden handelt es sich laut NZZ offenbar um „um Vertriebene, deren Häuser und Wohnungen in ihrer Heimatstadt Miskolc von den Behörden beschlagnahmt worden sind“. In dem vorwiegend von Roma bewohnten Viertel der ostungarischen Stadt soll ein Stadion errichtet werden. Der Pester Lloyd schreibt dazu:
Wie Beat Meiner (…) weiter erklärte, handelt es sich bei den Antragstellern um Betroffene der systematischen Räumungen von städtischen Wohnsiedlungen in Miskolc. (…). Diese Räumungen wurden auf Bestreben der Fidesz-Stadtregierung eingeleitet, man wolle „alle Slums auflösen“, die Maßnahme diene der „Stadtverschönerung“. Einigen der Betroffenen wurden einige tausend Euro Entschädigung zum Erwerb von Hütten außerhalb der Stadt gewährt, andere unter rechtlich desaströsen Rahmenbedingungen einfach zwangsgeräumt. Romaaktivisten bezeichnen diese Politik als „ethnische Säuberung“.
Die kommunalpolitischen Vorgänge in Miskolc wurden in den letzten Monaten, nicht zuletzt im Zusammenhang mit den Lokalwahlen, von einer rassistischen Hetze gegen die Minderheit begleitet. Immer wieder berichteten die Medien von der angespannten Lage und von Zwischenfällen (siehe hier, hier, hier, hier oder hier).
Die Asylanträge der Roma sollen individuell geprüft werden, erklärte die Sprecherin des Bundesamts für Migration, Céline Kohlprath. Eine Anerkennung sei aber unwahrscheinlich, weil es sich um Staatsangehörige eines EU-Landes handle und Ungarn als sicheres Herkunftsland gelte. „Die Chancen, dass sie (Asyl) bekommen, sind minimal“, schreibt Bernhard Odehnal im Tagesanzeiger (mehr hier): „Aber die Tatsache, dass Bürger in der Mitte Europas alle Brücken abbrechen und sich mit kleinen Kindern auf eine Reise ins Ungewisse begeben, sollte die Regierungen in Ungarn und der Schweiz alarmieren.“
(dROMa)