Rassismus & Menschenrechte

EuGH: Diskriminierung durch Stromzähler

Juli 21st, 2015  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

In unerreichbarer Höhe montierte Stromzähler im Roma-Viertel Fakulteta/Sofia (Foto: http://urban-energy.org)In Bulgarien ist es verbreitete Praxis, dass Stromzähler in den Stadt­teilen mit über­wie­gen­der Roma-Be­völ­ke­rung in unzu­gäng­licher Höhe befes­tigt wer­den. In anderen Vierteln wer­den die Zähler hin­gegen in norma­ler Höhe oder über­haupt in den Woh­nun­gen an­ge­bracht. Diese Praxis stelle eine Diskri­mi­nie­rung von Roma wegen ihrer eth­ni­schen Her­kunft dar, urteil­te nun der Europäische Gerichtshof (EuGH) ver­gan­gene Woche in Luxemburg.

Selbst wenn erwiesen wäre, dass in dem betreffen­den Stadt­teil Zähler wieder­holt manipuliert oder beschädigt wur­den, sei eine sol­che Praxis unver­hältnis­mäßig, urteil­ten die Richter. Man müsse auf andere Weise ver­suchen, die Sicher­heit des Strom­netzes und die Erfas­sung des Strom­ver­brauchs zu garan­tie­ren. Für die Bewoh­ner des Stadt­teils habe dieser Usus zudem zur Folge, dass ihnen die Möglich­keit genom­men wird, den Strom­verbrauch bzw. die Rech­nun­gen zu kontrol­lie­ren. Die Richter ver­weisen auf die EU-Richtlinie über Gleich­behand­lung, der­zu­folge jeg­liche Diskri­mi­nie­rung aus Gründen der Rasse oder der ethni­schen Her­kunft ver­boten ist. Dies gelte ins­beson­dere im Hinblick auf den Zugang zu und die Ver­sorgung mit Gütern und Dienst­leistungen.

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Aladár Horvath: „Gleiche Rechte für alle“

Juli 20th, 2015  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Einrichtungen, Politik, Rassismus & Menschenrechte

Aldar Horvath bei einer antirassistischen Kundgebung (Foto: dieschwelle.de)Aus 70 Bewerbungen für den Internationalen Bremer Friedenspreis, der alle zwei Jahre ver­geben wird, hat die Jury der gemein­nützi­gen ökume­ni­schen Stiftung „die schwelle“ die drei Preis­träger aus­ge­wählt. Im Septem­ber 2015 wird die Jury die drei Gewinner des Friedens­preises bekannt ge­ben. Bis dahin stellt die Stif­tung auf ihrer Web­site im Laufe der nächs­ten Wo­chen die 13 Per­so­nen und Orga­ni­sa­tio­nen ihrer enge­ren Auswahl vor. Mit dabei: der unga­ri­sche Roma-Akti­vist und -Poli­tiker Aladár Horvath, der von der Initia­tive „Leipzig Korrektiv“ für den Preis no­mi­niert wurde. Im Fol­gen­den das Porträt auf der Web­site:

Er gibt den Roma eine Stimme in Ungarn: Aladár Horvath


Seit einem Vierteljahrhundert kämpft der unga­ri­sche Men­schen­rechts­akti­vist, Bür­ger­­recht­ler und Politi­ker Aladár Horvath un­er­müd­lich gegen die Benach­tei­li­gung und Aus­gren­zung der rund 700.000 Roma in seiner Heimat.

Bereits im Jahr 1988/89 gehörte Aladár Horváth im da­mals noch sozia­lis­ti­schen Ungarn zu den Mit­begrün­dern eines so­genann­ten Anti-Ghetto-Komitees. In seiner Heimat­stadt Miskolc machte sich der damals 25-Jäh­rige gemein­sam mit anderen unga­ri­schen Roma erfolg­reich gegen eine Um­sied­lung stark: Die Ange­hö­ri­gen der eth­ni­schen Minder­heit sollten in 168 Wohnun­gen zu je 29 Quadrat­metern unter­ge­bracht wer­den – zwei Kilo­meter von der Stadt ent­fernt, ohne Heizun­gen und Ab­was­ser­lei­tungen.

Ähnliche Pläne gibt es in Miskolc auch in jüngster Zeit wie­der. Füh­rende Lokal­politiker ha­ben die Auf­lö­sung eines großen Roma-Wohn­gebiets be­schlos­sen. Wieder ein­mal sol­len die Ein­wohner in neuen Be­hau­sun­gen unter­gebracht wer­den, die über keiner­lei Wasser­an­schlüs­se ver­fügen. Gemein­sam mit ande­ren Bürger­recht­lern demonstrierte Ala­dár Horvath fast vier Wochen für das Bleibe­recht der Ein­wohner vor Ort.

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Gewalt gegen Roma vor Wahlen in Bulgarien

Juli 16th, 2015  |  Published in Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Radio DreyeckslandVertreibungen von Roma unter Druck der Anti-Roma-Pro­teste. Menschen­rechts­gerichts­hof erlässt Eil­verfügung.

>>Anhören/Download (mp3)

Focus Europa/Morgenradio, 13. Juli 2015, 12,58 min

In Bulgarien kam es in den letzten Wochen zu schweren Aus­schrei­tun­gen und Protesten gegen die Roma-Bevöl­ke­rung (wir berichteten hier und hier). Vor allem in der Haupt­stadt Sofia und dem Dorf Garmen im Süden des Landes gab es zwei sehr ähn­liche Fälle, bei denen erst Massen­schlä­gereien und dann, direkt am nächs­ten Tag, große, organi­sierte Proteste gegen angeb­liche Dieb­stähle durch Roma und illegal errich­tete Häuser auf­traten. Die Roma-Feind­lich­keit in der Bevöl­kerung sei nur ein Teil des Problems, er­klärt Violeta Naydenova von der Open Society Foundation. Auch die in sechs Mona­ten anste­hen­den Wahlen und der Kampf um Wäh­lerInnen-Stim­men seien für die Gewalt­aus­brüche ver­ant­wort­lich zu machen.

UPDATE: Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat eine Eilverfügung gegen den Mon­tag (13. Juli) ge­plan­ten Abriss weite­rer Häuser in Garmen er­lassen. Es soll dem­nach keine weite­ren Räumungen und Abrisse geben, bis alter­native Unter­künfte für die betrof­fe­nen Klä­gerInnen ge­sichert seien. Inwie­fern die bulga­rische Regie­rung sich an diese Ver­fügung hält, ist bis jetzt unklar.

(Text & Interview: www.rdl.de)

„Unmenschliche Behandlung“: Belgien verurteilt

Juli 11th, 2015  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte (Foto: ECHR)Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat Belgien we­gen „unmensch­li­cher Behand­lung“ einer Roma-Fa­mi­lie aus Serbien ver­urteilt (pdf).

Die Straßburger Richter gaben am Diens­tag einem Ehe­paar und sei­nen fünf Kindern recht, die 2011 in Belgien erfolg­los einen Asyl­antrag ge­stellt hat­ten. Vor ihrer Abschiebung war die Fa­milie vier Wochen lang obdachlos, ob­wohl eines ih­rer Kinder schwer­behindert und ein ande­res noch ein Säug­ling war. Die Roma leb­ten eine Woche lang auf einem öffentlichen Platz und drei Wochen lang im Nord­bahn­hof von Brüssel. (…) Einige Wochen nach der Rück­kehr nach Serbien starb das behin­derte Mädchen. Eine bel­gi­sche Berufungs­kam­mer hat­te zuvor den Aus­weise-Be­scheid noch we­gen Formfehlern auf­geho­ben – nach­dem die Fa­milie Belgien schon ver­lassen hat­te. (…) Laut dem Straß­bur­ger Urteil muss Belgien der Roma-Fa­milie 22.750 Euro Schmerzensgeld zahlen.

Lesen Sie bitten die hier nur auszugs­weise wieder­ge­ge­bene Mel­dung in vol­ler Länge auf MiGAZIN.de.

Projekto kesdintscha: Dikhen amen!

Juli 9th, 2015  |  Published in Einrichtungen, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

Projektteam Dikhen AmenLe lek bare­der tschu­lipe andi Europa tschak tschule vake­rasch­tscha hi. O farajn „Amaro Drom“ ande pe leske bescha­rel. Ande Kreuzberg nevo than pratascha taj le tel­di­ki­pes­kere kojenca upre te schu­scha­rel kamla.

Terne Sinti taj Roma te sorisarinel

„Barikano hi, hot o perspektivtscha le terne Sintijendar taj Romen­dar akan pradipe uschti­den taj na tschak mindig peder lende vaker­do ol“, phenel o projektos­kero schero Anna Friedrich. Le faraj­niske „Amaro Drom“ igen bari­kano hi, le terne Sinten taj Romen te sori­sa­rinel. „Tumen nisaj kultura hi, tumen tschak dromes­ke san, tumen na keri­nen ande amaro kheta­nipe. Oda hi, so o terne Roma mindig te schunel uschti­den“, phenel o angle beschto Merfin Demir. Kaj ada cil kise­tim te ol, jek projek­to kesdim ulo. „Dikhen amen“! „Seht uns“! – ando prik bescha­ripe bu­tschol. Read the rest of this entry »

Tagungsband „Antiziganismus“

Juli 4th, 2015  |  Published in Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Antiziganismus CoverAntiziganismus. Soziale und historische Dimensionen von „Zigeuner“-Stereotypen

Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma (Hg.), Redaktion: Thomas Baumann, Jacques Delfeld jr., Hans Scheid, Armin Ulm, Heidelberg 2015. ISBN 978-3-929446-31-9

„Antiziganismus“ wird verstanden als eine spezielle Form des Rassismus gegen­über als „Zigeuner“ identi­fi­zier­ten Indi­vi­duen und Gruppen. Es ist eines der am weites­ten ver­breiteten und wirkungs­mäch­tigs­ten Ressentiments unse­rer Zeit. Der vor­lie­gende Tagungs­band doku­men­tiert die Ergeb­nis­se einer inter­dis­zipli­nä­ren wissen­schaft­li­chen Tagung, die im Herbst 2012 im Dokumen­tations- und Kultur­zentrum Deutscher Sinti und Roma statt­fand. Ziel der Tagung war es, Stärken und Schwä­chen des „Anti­ziganis­mus“- Begriffs neu zu disku­tie­ren, das Phänomen in seinen viel­fäl­tigen Aspek­ten zu unter­suchen und nicht zuletzt Handlungs­optionen auf­zu­zei­gen. Die in diesem Band ver­sammel­ten Aufsätze ver­ste­hen sich als wissen­schaft­li­che Beiträge zur „Antiziganismus­forschung“ und ver­deut­li­chen die histo­rische und soziale Dimen­sion des aktuel­len Dis­kurses.

Die Publikation kann in Buchform zu einem Preis von 14,80 € zzgl. Porto beim Sekre­tariat des Doku­men­ta­tions- und Kultur­zentrums Deutscher Sinti und Roma (sekretariat@sintiundroma.de) bestellt oder hier herun­ter­ge­laden (pdf) werden.

Inhaltsverzeichnis:

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ZDF: Hass in Halle

Juni 29th, 2015  |  Published in Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Halle (Foto: Hallespektrum)Hass in Halle – Eine Region im Griff der Rechten

ZDF: Frontal 21 (Mediathek)
Di., 30. Juni 2015, 21.00 Uhr
(verschoben auf 7.7.)

Weitere Sendungen:
ZDFinfo | Mi, 1.7.2015, 10:45
ZDFinfo | Mi, 8.7.2015, 7:30
ZDFinfo | Mi, 15.7.2015, 7:45

In der Region um Halle an der Saale sind seit mehre­ren Mona­ten gewalt­bereite Neonazi-Gruppen aktiv. Sie nen­nen sich „Brigade Bitterfeld“ und „Brigade Halle“. Im Stadt­teil Halle-Silberhöhe ma­chen sie gezielt Jagd auf dort ansäs­sige Roma-Fa­mi­lien. „Sie haben mei­nen Kinderwagen angezün­det“, er­zählt eine Frau. „Dann haben zehn Nazis die Fenster­scheiben ein­ge­worfen, auf der Straße haben sie Böller nach mir gewor­fen.“ Mehrere Opfer berich­ten, dass die Brigade­mit­glie­der ihre Wohnun­gen belagert und sie auf der Straße mit Messern und Elektroschock-Geräten be­droht hät­ten. „Seit­dem gehen wir abends nicht mehr raus“, sagt ein An­wohner, der aus Rumänien stammt. Mehr­fach gelang es den Rechts­extre­men, im Stadtteil Silberhöhe Aufmärsche gegen Roma und an­dere Ausländer zu orga­ni­sieren. Read the rest of this entry »

Neues Projekt „Dikhen amen – Seht uns!“

Juni 29th, 2015  |  Published in Einrichtungen, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

Projektteam Dikhen AmenDeutschland: Dikhen Amen – Seht uns, ein Pro­jekt von Amaro Drom e.V.

Im April diesen Jahres startete das Projekt „Dikhen amen! Seht uns! – Empowerment und Sensibilisierung für Antiziganismus aus Sicht junger Roma und Sinti“. Das Haupt­ziel des Projek­tes ist Empower­ment junger Roma und Sinti. Darun­ter ver­stehen wir, Raum zu schaf­fen für Selbst­bewusst­sein, Selbst­behaup­tung und den Kampf um Anerken­nung als gleich­berech­tig­ter Teil der Gesell­schaft. Ein weite­rer zentraler Bestand­teil des Projektes ist die Sensi­bi­li­sie­rung junger Nicht-Roma bzw. Nicht-Sinti für den spezi­fi­schen Rassismus und seine Fol­gen. 
Im Mittel­punkt des Projektes stehen die Erfahrungen und Lebens­realitäten junger Roma und Sinti. Basie­rend auf dem Erfahrungs­wissen der Jugend­lichen werden Metho­den für Jugend­bildungs­arbeit ent­wickelt. 
Im Laufe des Pro­jek­tes wer­den jugend­liche Sinti und Roma zu Multipli­kator_innen aus­ge­bil­det, um selbst Empower­ment- und Sensi­bi­li­sie­rungs-Work­shops durch­führen zu kön­nen. Die Workshops rich­ten sich an junge Men­schen in Jugend­clubs, Jugend­selbst­organi­sa­tio­nen und Ver­bänden sowie Bildungs­ein­rich­tun­gen.

Die Ideale von Empowerment, Mobilisierung, Selbst­organi­sa­tion und Parti­zi­pa­tion der jungen Menschen wird durch „Dikhen Amen! Seht uns!“ mit einer noch größe­ren Breiten­wirkung von Amaro Drom gestärkt. Neben der Stär­kung junger Roma und Sinti im Um­gang mit Rassismus in Deutsch­land und der Sichtbar­machung ihrer unter­schied­li­chen Lebens­reali­tä­ten und Identitäts­ent­würfe zielt das Projekt auch auf eine kriti­sche Auseinan­der­setzung mit Rassis­mus gegen Roma und Sinti in der breiten Öffent­lich­keit ab.

Einer der Höhepunkte des Projektes in diesem Jahr wird die Bundesjugendkonferenz vom 19. bis 24. Novem­ber in Hannover sein, an der über 100 Jugend­liche aus dem gesam­ten Bundes­gebiet und darüber hi­naus teil­neh­men werden. Read the rest of this entry »

Pester Lloyd: „Moderne Sklaverei“

Juni 28th, 2015  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte

UngarnUnter dem Titel „Moderne Sklaverei: In Ungarn kann man bald Leib­eigene beim Bürger­meis­ter mieten“ infor­miert der „Pester Lloyd“ über die geplante Aus­wei­tung der umstrit­te­nen Kom­mu­na­len Beschäf­tigungs­program­me in Ungarn. Die ver­pflich­ten­den Arbeits­programme für Sozial­hilfe­empfän­ger, die beson­ders viele Roma mit vol­ler Härte tref­fen, sollen nun auch auf Saisonarbeit in pri­vaten Unternehmen aus­ge­dehnt werden. Die Bürger­meister kön­nen dem­nach die ihnen unter­ste­hen­den Arbeits­ver­pflich­te­ten („Közmunkás“) nach Be­lie­ben an private Firmen „ver­leihen“ – für eine Tages­leih­prämie von 1,70 Euro pro Arbeits­kraft, „eine weitere Maß­nahme zur Um­lei­tung öffent­licher Gelder in pri­vate Taschen, auf den Rücken der Ärms­ten der Gesell­schaft“. Der Lohn, den die Betrof­fe­nen (40-Stun­den-Woche, auch bei einer Einsatz­stelle fern ihres Wohn­ortes) monat­lich er­halten, liegt bei 170 Euro netto, gerade ein­mal knapp über der Hälfte des gesetz­li­chen Mindest­lohns. Die abhängigen Billigarbeiter sind weit­gehend der Willkür und den Schikanen der Bürger­meis­ter aus­ge­liefert. Rassismus ist dem „Közmunka“-Sys­tem von vorn­he­rein inhärent. Mancher­orts bestim­men derzeit neo­nazistische Jobbik-Bürger­meister über Roma-Arbeiter.

Die in den staatlichen Billigsarbeits­program­men stecken­den Men­schen können (…) keine saisonalen Jobs anneh­men, da sie da­für aus der Közmunka aus­stei­gen müss­ten und damit eine drei­jährige Sperre sämt­licher Sozial­leis­tun­gen ris­kie­ren. Werden sie im Winter vom privaten Arbeit­geber dann ent­las­sen, stünden sie mit leeren Händen und in kalten Woh­nun­gen da. (…) Nun sollen sie (…) nicht auf eigenes Ver­langen, son­dern auf Anfor­de­rung „kleinerer und mittlerer Betriebe“ Saison­arbeiten nicht nur an­nehmen dür­fen, sondern, wenn der ver­ant­wort­liche Orts­vorsteher, also der Dienst­geber der Kommunal­beschäf­tig­ten es an­weist, anneh­men müs­sen. (…) Wel­chem Unter­nehmen sie für wie lange und zu welchen Kondi­tionen zu­ge­teilt werden, liegt im Ermes­sen der Kom­mune als ver­länger­ter Arm des Innen­ministers. Wider­spruchs­rechte gibt es keine. Quali­fika­tion, Wohnort, familiäre Lebens­situa­tionen spielen keine Rolle. (…) Read the rest of this entry »

Bulgarija: Harengere pogrom pal tschalan

Juni 27th, 2015  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Polizei (hier in Sofia) verhindert Pogrome gegen Roma. Mehrere verletzte Roma in Orlandotsti (Foto: Novinite)Andi rat upre keden probalinde 50 dschi 60 dschene, jek Roma-sid­lung pasche i sud­vest­bul­gari­tiki ge­majnde Garmen aun te asta­rel. O haren­gere ham schaj len upre likerde. I sidlung le haren­ge­ren­dar imar trin kurke arakipe usch­tidel. Imar ando maj i situa­cija eska­li­rintscha, kada jek cinko­li­nipe masch­kar jek gaves­kero dscheno taj jeka Roma-fami­lija­tar ar phagla taj use jek baro maripe ar gelo, taj but dschene dukade ule. Odo­tar aun i sid­lung telal harengero ara­kipe terdschol. Rechts­ekstre­mi lob­daschen­gere hooligans ando gav ale te de­monstri­ri­nel taj gejng i krimi­na­li­teta telal o Roma te betajliginel. (Te i APA na reflek­ti­rim pisinel „Upre maschi­ri­nipe le gaven­gere dsche­nen­dar gejng i krimi­na­li­teta telal o Roma“. Ham tscha­tschi­kan tschak schtar tscho­rip­tscha usar ada ber­sches­kero kesdipe dija.)

Te ando foro Sofia sajt poar divesa protestscha gejng „aso­ci­jali“ dschene le Romen­gere-thanes­tar Orlandovtsi del. Het­vi­nate kirati use ma­riptscha lob­dakere hooli­gan­senca, save pumen uso anti-Roma protestscha aun­phandle, alo. Bu­teder Roma duka­de ule. Bisch dsch­ene and tschapim ule pi­si­nel No­vi­nite.

(dROMa)

Tschechien: Mit Armee gegen Roma?

Juni 26th, 2015  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Rechtsextreme Kundgebung gegen Roma 2011 (Foto: Denik)Bezirkswirtschaftskammer Ústí fordert Armee-Einsatz gegen Roma-Bevölkerung

id/Prager Zeitung: Die Bezirkswirtschaftskammer in Ústi nad Labem hat mit ihren Vor­schlägen zu Maß­nahmen gegen die so­genannte „Roma­problema­tik“ Auf­sehen erregt. Laut einem Bericht des Nach­rich­ten­ser­vers „idnes.cz“ be­fasst sich die Kammer in einem öffent­li­chen Aufruf mit dem Bevöl­ke­rungs­rück­gang in Ústí und stellt diesen in direkten Zusam­men­hang mit der dorti­gen Roma-Bevöl­ke­rung. So würden die „anstän­digeren und weniger aggres­siven Ele­mente stets ver­drängt“, heißt es unter ande­rem in dem von „idnes.cz“ zitier­ten Papier. Auch seien die Immobilien­preise we­gen der Roma-Be­völ­ke­rung auf nied­ri­gem Niveau. Die Kammer schlägt deshalb vor, die Anzahl der Roma in Ústí festzustellen, ein Aus­zahlungs­limit bei Sozial­leistun­gen ein­zu­führen und die Armee zur „Siche­rung der Ordnung“ in die Straßen der Stadt zu schicken. „Die Armee kann damit sofort be­ginnen, die Städte wür­den dadurch viel ein­sparen. Wachdienste in den Ghetto-Sied­lun­gen wären dafür eine ideale prak­ti­sche Vor­be­reitung“, heißt es in dem Dokument (…). Die Vor­schläge sind bei Politik, Sozial­experten und auch der Tschechischen Wirtschafts­kammer in Prag auf deutliche Kritik ge­stoßen. (…)

Bitte lesen Sie den hier nur in Auszügen wieder­ge­ge­be­nen Arti­kel in vol­ler Län­ge auf pragerzeitung.cz.

Bulgarien: Polizei verhindert Pogrome

Juni 18th, 2015  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Polizei (hier in Sofia) verhindert Pogrome gegen Roma. Mehrere verletzte Roma in Orlandotsti (Foto: Novinite)Gruppe wollte Roma-Siedlung stürmen. Ort seit drei Wochen von Polizei abge­riegelt. Eskalation durch an­ge­reiste Fußball­hooligans. Mehrere Roma in Sofia verprügelt.

In der Nacht auf Dienstag versuchten 50 bis 60 Personen, eine Roma-Siedlung in der Nähe der südwest­bulga­ri­schen Gemeinde Garmen (der Großteil der dortigen Häuser soll ohne Genehmigung errichtet worden sein) zu stürmen. Laut Polizei­angaben gelang es den Beam­ten, die Angrei­fer in den frühen Morgen­stunden auf­zu­halten. Die Siedlung wird zum Schutz der Roma bereits seit rund drei Wochen von der Polizei ab­geschirmt. Schon Ende Mai war die Situa­tion eskaliert, als ein Streit zwischen Dorf­bewoh­nern und einer Roma-Familie in einer Massen­schlä­ge­rei endete, bei der zahl­reiche Per­sonen ver­letzt wurden. Seitdem steht der Ort bzw. die Sied­lung unter Polizeischutz, um weitere Gewalt­akte zu verhindern. Rechts­extreme Fußball­hooligans reisten in das Dorf, um sich an den De­monstra­tionen gegen die ver­meint­liche Klein­krimi­na­lität unter den Roma zu betei­li­gen. (Auch die APA schreibt unreflektiert von „Kund­gebungen der Dorf­bewohner gegen die Kriminalität unter den Roma“. Tat­säch­lich wurden in Garmen seit Jahres­beginn nur vier Diebstähle ver­zeich­net.)

Auch in der Hauptstadt Sofia kommt es seit einigen Tagen zu Protesten gegen angeb­lich „asoziale“ Bewoh­ner des Roma-Viertels Orlandovtsi. Am Montag­abend kam es schließ­lich zu Aus­schrei­tungen durch gewalt­bereite Fußball­hooli­gans, die sich den Anti-Roma-Pro­testen anschlos­sen. Mehrere Roma wurden verletzt. Zwanzig Per­sonen wurden fest­genommen. Novinite berichtet:

On several occasions, the protesters attempted to breach the police cordon in order to reach the Roma houses. Failing that, the protesters dispersed into small groups and took to the streets in search for people of Roma origin. A lot of football fans jointed the protest, some of them carrying bats, while Roma had gathered in the neighbourhood armed with whatever was at their disposal.

Im Vorfeld der im Herbst stattfindenden Kommunalwahlen versuchen nun auch rechte Politiker der bulga­ri­schen Regierungs­koalition (die von der rechts­extremen Patriotischen Front gestützt wird), die Anti-Roma-Pro­teste im Wahl­kampf für sich zu nützen. Der „Standard“ schreibt: Read the rest of this entry »

Vortragsmitschnitt: Wolfgang Benz

Juni 15th, 2015  |  Published in Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Wolfgang Benz (hier bei einem Vortrag in Waiblingen, Foto: ZVW)Vortragsmitschnitt – Wolfgang Benz: „Sinti und Roma. Die unerwünschte Minderheit“

>>Anhören (mp3)

52:42 min, 60 MB, mp3
Radio F.R.E.I., Erfurt, 27.05.2015

Am 22. April 2015 sprach der Berliner Historiker Wolfgang Benz in der Kleinen Synagoge in Erfurt. Eingeladen hatte die Landeszentrale für politische Bildung Thüringen. Radio F.R.E.I. hat die Veranstaltung aufgezeichnet.

Skript:
Die Minderheit der Sinti und Roma erfuhr seit jeher Diskriminierung und Verfolgung. Im „Dritten Reich“ gipfelten sie im Völkermord, den die deutsche Mehrheitsgesellschaft vergessen oder nie wahrgenommen hat. Die Ausgrenzung der Sinti und Roma dauerte auch nach 1945 an: Tradierte Vorurteile sind weiter wirksam und richten sich heute gegen zuwandernde Roma aus Südosteuropa, die als Gefahr für Gesellschaft, Sozialsystem und Arbeitsmarkt empfunden werden. In seinem neuen Buch stellt Wolfgang Benz Ursachen und Wirkungen des medial und politisch instrumentalisierten Problems Antiziganismus dar.

Wolfgang Benz, Sinti und Roma: Die unerwünschte Minderheit. Über das Vorurteil Antiziganismus (Erschienen im Metropol-Verlag)

(Text: freie-radios.net, CC)

WZ: Endstation Schwechat

Juni 9th, 2015  |  Published in Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte

Aussortiert beim Chek in: Rassismus-Vorwurf gegen AUA (Foto: Austrian Aviation)Die Ungarin Eva Fatyol durfte nicht mit der AUA von Wien nach Kanada fliegen. Sie ist Angehörige der Roma.

wienerzeitung.at: „Ich gehöre zum Volk der Roma und meine dunkle Hautfarbe macht dies sichtbar“, sagt Eva Fatyol. Sie ist 60 Jahre alt, hat Kommunikation und Theologie studiert. Erst neulich lief in Budapest ein Filmfestival zur Diskriminierung der Roma, das sie organisiert hat. Für den 8. April hatte Fatyol bei den Austrian Airlines (AUA) einen Flug nach Kanada gebucht, weil sie dort Freunde (…) besuchen wollte. Probleme waren nicht in Sicht, zumal ungarische Staatsbürger für Kanada kein Visum brauchen. Doch beim Eincheck-Schalter der AUA in Schwechat war die Reise zu Ende. Ähnliches wie Fatyol erlebte Ende April auch die vierköpfige Roma-Familie Orsos, die mit der AUA zu einer Verwandten nach Toronto fliegen wollte. (…)

Eva Fatyol hatte, wie sie meinte, alles Nötige dabei: das Hin- und Rückflugticket von Wien nach Toronto, Geld und Adressen von kanadischen Freunden, die für sie bürgten. Trotzdem wurde sie von den AUA-Mitarbeitern nicht zum Einstiegsgate geschickt, sondern an Zlatko Nikcevic verwiesen, Mitarbeiter der Sicherheitsfirma G4S, wie sie erzählt. Dieser wollte noch einmal ihre Personaldaten und Reise-Voraussetzungen überprüfen. (…) Anschließend habe der G4S-Mann ihr gesagt, die kanadische Einwanderungsbehörde habe ihre Freunde in Toronto nicht erreichen können. Deswegen werde die Einreise verweigert. (…)

Die Ungarin gab entnervt auf – doch nun erwägt sie eine Klage gegen die AUA. (…) Fatyols kanadische Freunde sollen übrigens von der Einwanderungsbehörde gar nicht angerufen worden sein. War das ganze Manöver also nur ein Trick, um schlichtweg einer dunkelhäutigen Person aus Osteuropa den Weg nach Kanada zu versperren? Und zwar mit Hilfe einer privaten Sicherheitsfirma, die womöglich nach sehr speziellen Kriterien entscheidet? (…) Read the rest of this entry »

Menschenhandel: Europarat rügt Ungarn

Mai 30th, 2015  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Europarat gegen MenschenhandelDownload >>Report concerning the implementatio of the Council of Europe Convention on Action against Trafficking in Human Beings by Hungary. First evaluation round, 29.5.2015 (PDF)

Der Europarat fordert Ungarns Regierung zu einem schärfe­ren Vor­gehen ge­gen organi­sier­ten Men­schen­handel, Zwangsarbeit und sexuelle Aus­beutung auf. Ein am Freitag präsen­tier­ter Bericht der Expertengruppe des Europarats (Group of Experts on Action against Trafficking in Human Beings, kurz: GRETA), wirft Ungarn vor, Be­wohner armer Regio­nen und ins­beson­dere Roma nicht aus­reichend davor zu schützen. Unter ande­rem wird gefor­dert, dass Ungarn Sklaven- und Zwangs­arbeit unter Strafe stellt. Die meisten der Opfer werden zur Prostitution ge­zwungen. „Zwangs­prosti­tuierte werden auch nach Deutsch­land, in die Nieder­lande und nach Groß­britannien gebracht“, zitiert Die Zeit die irische GRETA-Bericht­erstat­terin Siobhán Mullally. „Der Trend zu Zwangs­arbeit in Industrie und Land­wirtschaft und zur Ver­mittlung von Menschen in Nach­bar­länder wie Rumänien, Serbien und in die Ukraine nimmt zu.“

Laut Angaben der ungarischen Regierung seien 2011 58 und 2012 68 Opfer von Menschen­handel identi­fi­ziert wor­den. 2013 waren es 43, davon 41 Frauen. Die Dunkel­ziffer liegt jedoch weit höher. Das tat­säch­li­che Aus­maß sei nicht bekannt, heißt es in dem Greta-Bericht. Aller­dings gebe es Hin­weise, dass die Aus­beutung zu­genom­men habe.

(dROMa)

Pogromstimmung in Südbulgarien

Mai 26th, 2015  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Angespannte Lage in Garmen (Bulgarien), Foto: sofiaglobe.comBereits den dritten Tag in Folge kam es in der südwestbulgarischen 1.900-Ein­woh­ner-Ge­meinde Garmen zu Demonstrationen gegen Roma. Die Pro­testie­ren­den droh­ten mit einer weite­ren Eska­lation und setzten dem Bürger­meister laut Presse­berich­ten ein Ultimatum von einer Woche, um die dor­tige infor­melle Roma-Sied­lung auf­zu­lösen. In der erst vor einigen Jahren ent­stan­de­nen Sied­lung leben rund 150 Roma, die von den De­monstran­ten für die ver­meint­lich steigende Klein­krimi­na­lität ver­antwort­lich gemacht werden. Tat­säch­lich wurden in Garmen seit Jahres­beginn nur vier Diebstähle ver­zeich­net. Bulga­riens Innen­minis­terin Rumyana Bachvarova ist an­gesichts der Situa­tion in die Gemeinde gereist. Den Protesten voran­ge­gan­gen war eine Schlägerei am Samstag, bei der meh­rere Per­sonen zum Teil schwer ver­letzt wurden. Aus­löser dieses Vor­falls war die Laut­stärke der Musik bei der privaten Feier einer Roma-Familie. Da die Behör­den weitere Gewalt befürch­ten, steht Garmen seit Samstag­abend unter Polizeischutz. Presse­berichten zufolge reisten auch Grup­pen aus Sofia, Plovdiv und Kostinbrod an. Wie bei den anti­ziganis­ti­schen Protesten 2011 betei­lig­ten sich an der Kund­gebung am Montag auch rechtsextreme Fußballhooligansans. 2011 hatte ein töd­licher Verkehrs­unfall in Süd­bulgarien zu einer Welle von Protes­ten und Gewalt gegen die Roma-Minder­heit geführt. Bei den Pogromen wur­den meh­rere Häuser von Roma nieder­gebrannt.

(dROMa)

Siehe auch:
Bulgarien: Wahlkampfhetze gegen Roma, 3.10.2014
Bulgarien: Bombenattentat auf Roma-Partei, 29.6.2012
Bulgarien: Sturm auf bekannte Roma-Familie, 25.9.2011

Roma-Kundgebung in Bologna

Mai 20th, 2015  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Bologna: Kundgebung von Roma und Sinti gegen Antiziganismus in Italien (Foto: Vice)Sinti und Roma demonstrierten in Bologna gegen Rassismus

Hunderte Sinti und Roma haben sich am Samstag in der Stadt Bologna an einer Demonstra­tion gegen Rassis­mus betei­ligt. Der Protest rich­tete sich unter ande­rem gegen die ausländer­feind­liche Oppo­si­tions­partei Lega Nord. Diese führt eine scharfe Kam­pagne für den Abbau von Roma-Sied­lungen. „Wir haben es satt, als Krimi­nelle und Diebe behan­delt zu werden. Wir wollen als Volk aner­kannt werden“, forderte der Prä­sident des Roma- und Sinti-Verbands in Italien Davide Casadio. Sein Volk sei Opfer von Diskri­mi­nie­rung. „Wir wollen selber nicht in Baracken­sied­lun­gen leben, die italie­nische Politik zwingt uns dazu“, betonte Casadio. Er wies darauf hin, dass die meisten in Italien leben­den Roma und Sinti italie­ni­sche Staats­bürger seien. Die De­monstran­ten schwenk­ten Friedens­fahnen mit den Regenbogen­farben, einige spielten Geige. An der Protest­kund­gebung betei­lig­ten sich auch der Senator der regie­ren­den Demokra­ti­schen Partei (PD), Luigi Manconi, Mitglieder des Gemeinde­rats von Bologna, Intellek­tuelle und Schau­spieler.

(Quelle: kleinezeitung.at)

Hier eine Fotoserie von La Repubblica.

Zwei Meldungen aus Halle-Silberhöhe

Mai 15th, 2015  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Antirassistische Kundgebung in Halle-Silberhöhe, August 2014 (Foto: Adler/mz-web.deIn Halle (Sachsen-Anhalt) versuchen Rechtsextreme schon seit mehreren Mona­ten, die Stimmung gegen rund 40 rumä­ni­sche Roma-Familien anzu­hei­zen, die im Platten­bau­viertel Silberhöhe leben. Die rassis­ti­sche Hetze bleibt jedoch nicht unwider­sprochen. Ein­wohner des Viertels solida­risieren sich mit den Roma-Familien; gleich meh­rere lokale Aktions­bünd­nis­­­se (hier oder hier) treten der neo­nazis­ti­schen Agi­ta­tion ent­gegen. Den­noch leben viele der Roma in Angst – und das nicht ohne Grund: Immer wieder schlägt die bedroh­liche Stim­mung in kon­kre­te Gewalt um. Hier zwei aktuel­le Mel­dun­gen von der Silberhöhe:

7.5.2015: Mann bedroht Roma-Familie in der Sil­ber­hö­he mit Messer
Ein Mann sprach aus einem Mehrfamilien­haus heraus eine Gruppe von Per­so­nen rumä­ni­scher Ab­stam­mung an, worauf­hin es zu einem Streit­gespräch zwi­schen allen Betei­lig­ten kam. Im Rah­men dieser Ausei­nan­der­setzung be­droh­te der 30-Jäh­rige die Per­so­nen­gruppe so­wohl ver­bal als auch durch Gesten mit ei­nem Messer. Aus Angst flüch­te­ten die vier Geschä­dig­ten im Alter von 15 bis 43 Jah­ren vom Tatort und infor­mier­ten die Polizei. Ob eine poli­ti­sche Moti­va­tion des Tä­ters vor­lag, wird noch geprüft. (Halle Spektrum, 8.5.2015)

13.5.2015: Unbekannte beschmieren auf der Silberhöhe HWG-Auto und Mieterladen mit Nazi-Symbolen
In der Nacht zu Mittwoch hat es eine Attacke auf die Halle­sche Woh­nungs­gesell­schaft (HWG) im Stadt­teil Silber­höhe ge­ge­ben. So wur­den ein Fahr­zeug des Unter­neh­mens sowie der Mieter­laden (…) mit rechts­extre­men Symbo­len be­schmiert. Read the rest of this entry »

Umfrage: Neuer Rassismusrekord in Ungarn

Mai 14th, 2015  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Tabelle: Rassismus in Ungarn 1992-2015

Xenophobie-Rekord: Jeder Zweite will ein ausländer- und „zigeunerfreies“ Ungarn

Der Pester Lloyd berichtet von der neuesten Umfrage des Instituts Tárki. Das Mei­nungs­for­schungs­insti­tut konsta­tiert an­hand seiner jüngsten Befragung einen neuen „Rekord der Fremdenfeindlichkeit in Ungarn“: Fast jeder zweite Befragte zeigte demnach klar fremdenfeindliche Einstellungen. Der Wert des Tárki-Xeno­phobie-Indexes klet­terte im April 2015 auf 46 Prozent der Befrag­ten und über­trifft damit deut­lich alle bis­lang verzeich­neten Ergeb­nisse der Langzeit­beobach­tung. Der Pester Lloyd über die aktuelle Studie:

Danach sind die pau­scha­len Aver­sio­nen ge­gen „Asylsuchende“ so hoch wie nie. (…) Laut Tárki finden 46% der Befrag­ten, dass Ungarn über­haupt keine Flücht­linge ins Land las­sen solle, auch solle es keine Asyl­ver­fah­ren ermög­li­chen. (…) Die seit langem betrie­bene Xenophobie-Studie von Tárki blickt auf einen star­ken Anstieg der frem­den­feind­li­chen Bekennt­nisse in den ers­ten drei Jahren nach 1992 zurück.(…) Den bis­heri­gen Negativ-Rekord hielt das Jahr 2001 (9/11 und 1. Orbán-Regie­rung) mit 43% pau­scha­len Aus­länder­feinden.

Interessant sind auch die „Aversions-Top-Ten“, die tradi­tio­nell von „den Arabern“ an­geführt wer­den, 94% wol­len sie am wenigs­ten im Lande haben, knapp gefolgt (…) von den Roma. Read the rest of this entry »

CIVIS-Preis für „Der Prozess von Budapest“

Mai 12th, 2015  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Film & Theater, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Judgement in HungaryAcht europäische Radio, Film- und Fernseh­program­me sowie ein Web­ange­bot und ein Web­video sind am Don­ners­tag­abend (7.5.) im Euro­päi­schen Parla­ment in Brüssel mit dem renom­mier­ten CIVIS-Medien­preis für Integra­tion und kultu­relle Vielfalt in Europa aus­ge­zeich­net wor­den. Am Wett­bewerb nah­men ins­gesamt 700 Programme aus 21 EU-Staaten und der Schweiz teil. Schirm­herr des CIVIS-Medien­preises 2015 ist der Prä­si­dent des Euro­päi­schen Parla­ments, Martin Schulz. Der CIVIS-Medien­preis zeichnet seit 28 Jahren Programm­leis­tun­gen im euro­päi­schen Radio, Film und Fernsehen und seit 2010 im Inter­net aus, die das fried­liche Zusammen­leben in der euro­päi­schen Einwan­de­rungs­gesell­schaft fördern.

Den Europäischen CIVIS-Fernsehpreis im Bereich Infor­ma­tion (non fiction) erhielt Eszter Hajdú für ihre Doku­men­tation „Der Prozess von Budapest“ (rbb/Arte). Der euro­päi­sche CIVIS Fernseh­preis zeichnet journa­lis­ti­sche Fernseh­programme zum Thema In­tegra­tion und kul­tu­relle Viel­falt aus. Am Wett­bewerb können alle Fernseh­sender in der Euro­päi­schen Union und der Schweiz teil­nehmen. Der Preis wird in den Katego­rien Infor­ma­tion, Unter­haltung (fictional) und kurze Program­me (Magazine) ver­geben. Die Dotie­rung beträgt in jeder Kate­gorie 3.000 Euro.

Inhalt:
Der Strafprozess um eine grausame Mord­serie an unga­ri­schen Roma. Bei Anschlä­gen von Rechts­extremen starben 2008/09 insgesamt 6 Menschen, darunter ein fünf­jäh­riges Kind. Weitere fünf Menschen wurden schwer verletzt. Nach beispiel­losen Pannen bei den polizei­li­chen Ermitt­lungen und dem Ver­dacht einer Ver­wicklung der Geheim­dienste in die rassis­tisch moti­vier­ten Morde stand das Gericht von Anfang an unter enor­mem öffent­li­chen Druck.

Jurybegründung:
Eszter Hajdú dokumentiert einen für Ungarn histo­ri­schen Strafprozess mit 167 Prozess­tagen, über zwei­einhalb Jahre lang. Vier Neo-Nazis stehen wegen Mordes an sechs Roma vor Gericht. Staat­liche Igno­ranz und Unzuläng­lich­keit werden über­deutlich. Read the rest of this entry »