Archive for Mai, 2016

Roma und Travellers. Identitäten im Wandel

Mai 31st, 2016  |  Published in Literatur & Bücher

Thurner / Hussl / Eder-Jordan (Hrsg,)Erika Thurner, Elisabeth Hussl, Beate Eder-Jordan (Hrsg.): Roma und Travellers. Identitäten im Wandel. Mit einem Vorwort von Karl-Markus Gauß, iup: Innsbruck 2015. (384 S., ISBN 978-3-902936-95-0)

Buchpräsentation‬ mit ‪Lesung‬ ‪in‬ ‎Innsbruck‬: 31. Mai 2016, 19 Uhr, Studia, Innrain 52f

„… in den letzten Jahren hat die wissenschaft­li­che Be­schäf­ti­gung mit so vie­len Aspek­ten der Ge­schich­te, Kultur, Sprache der Roma ein Niveau er­reicht, das vor zwei, drei Jahr­zehn­ten noch kaum vor­stell­bar war. (…) Den aka­de­mi­schen El­fen­bein­turm hat es, was die Roma-Studien be­trifft, nie ge­ge­ben, denn wer im­mer über Roma forscht, tut es auch, um auf seine Wei­se das fata­le und ge­fähr­li­che Bild, das sich die Öf­fent­lich­keit von den Roma so lange ge­macht hat, zu kor­ri­gie­ren und Wissen zu ver­brei­ten, das in die Gesell­schaft hinaus­wirkt.“

(Karl-Markus Gauß, Vorwort)

Die Herausgeberinnen bieten einen breiten Über­blick über die gesell­schaft­li­che Posi­tion von Roma, Jenischen und Travellers in Öster­reich und in eini­gen ande­ren euro­päi­schen Staaten. Lebens­ver­hält­nis­se und Le­bens­zu­sam­men­hänge, Sprachen und kul­tu­relle Pro­duk­tio­nen sind eben­so Thema wie en­ga­gier­tes Auf­be­geh­ren und orga­ni­sier­tes Sicht­bar­wer­den dieser Min­der­hei­ten („Weni­ger­hei­ten“ mit den Wor­ten von Ceija Stojka). Nam­hafte Wis­sen­schaf­terIn­nen aus un­ter­schied­li­chen Dis­zipli­nen und Akti­vistIn­nen ha­ben sich zu die­sem Zweck ver­netzt, be­teilig­ten sich an Work­shops, Lehr­ver­anstal­tun­gen und Ta­gun­gen an der Uni­ver­si­tät Inns­bruck und stel­len ihre zum Teil jahr­zehnte­lan­gen Er­fah­run­gen und For­schungs­er­geb­nis­se für diesen Sam­mel­band zur Ver­fü­gung.

(Text: Univ. Innsbruck)

Inhalt: Read the rest of this entry »

Tschechien: Roma-Festival Khamoro eröffnet

Mai 30th, 2016  |  Published in Musik, Veranstaltungen & Ausstellungen

Khamoro: noch bis 4. Juni 2016 in Prag

In Prag begann am Sonntagabend der 18. Jahrgang des inter­natio­na­len Roma-Festivals Khamoro. Im Mit­tel­punkt des Fes­ti­vals ste­hen Roma-En­sembles aus der gan­zen Welt – vom cha­rak­te­ris­ti­schen Balkan-Brass bis hin zum Roma-Jazz. Die Kon­zerte fin­den an meh­re­ren Or­ten in Prag statt. Zu­dem wird das Festival von einem infor­ma­ti­ven Rahmen­programm be­glei­tet. Ge­plant sind zahl­rei­che Dis­kus­sio­nen so­wie Film­vor­füh­run­gen zum Thema Rechte der Roma vor al­lem in Europa und Russland so­wie ihre Stel­lung in der Ge­sell­schaft. Das Festival fin­det zum 18. Mal statt und soll­te ur­sprüng­lich auf die Lage der Roma auf­merk­sam ma­chen und zum Ab­bau von Vor­ur­tei­len und Ste­reo­typen die­nen. (Text: Radio Praha)

>>Programmübersicht

Sintiwallfahrt im Weinviertel

Mai 30th, 2016  |  Published in Religion, Veranstaltungen & Ausstellungen

Niederösterreich: Wallfahrtskirche in Karnabrunn (Foto: Sonntag) Der Sonntag: Natalie Weinrich möchte den Sinti zeigen, dass sie in der katho­li­schen Kirche will­kom­men sind. Des­halb or­ga­ni­siert sie eine Wall­fahrt in ihre Wein­viert­ler Hei­mat Kar­na­brunn am 11. Juni.

„Ich finde, es gibt nichts Schöneres als eine Wallfahrt nach Kar­na­brunn!“ Nata­lie Wein­richs Be­geis­te­rung wirkt an­steckend. Wenn sie von der Wall­fahrts­kirche ihres Heimat­ortes spricht, ge­rät sie ins Schwär­men. Die Kirche zur Al­ler­hei­ligs­ten Drei­fal­tig­keit steht weit­hin sicht­bar auf einem klei­nen Berg und liegt so­wohl am Wein­viertler Jakobs­weg als auch am Nie­der­öster­rei­chi­schen Weit­wan­der­weg. Nata­lie Wein­rich lebt mit ihrem Mann, dem Jazz­musiker Zipflo Weinrich, und den vier Kin­dern im Pfarrhof von Kar­na­brunn. Sie stammt aus einer Sinti­fa­mi­lie in Schwaben.

Read the rest of this entry »

„Hilfswerk für die Kinder der Landstrasse“

Mai 29th, 2016  |  Published in Jugend & Bildung, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

Gegen das VergessenVor 30 Jahren, am 3. Juni 1986, ent­schul­dig­te sich der Schwei­zer Bun­des­prä­si­dent Alphons Egli für das Un­recht, das Hun­der­ten Jeni­schen, Roma und Sinti durch das „Hilfs­werk für die Kin­der der Land­strasse“ bis 1973 wi­der­fah­ren war.

Anlässlich dieses Jahrestags veranstal­tet die Schweizer Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) in Bern am 2. Juni eine Podiums­dis­kus­sion über die­ses düs­te­re Ka­pi­tel der Schwei­zer Ge­schich­te: Fyer (PDF)

Die Diskriminierung von Jenischen, Sinti und Roma reicht in der Schweiz weit zu­rück. So war es aus­län­di­schen Roma, Sinti und Jeni­schen zwi­schen 1906 und 1972 ver­boten, in die Schweiz ein­zu­rei­sen. Als sie im Zwei­ten Welt­krieg durch den National­sozia­lis­mus ver­folgt wur­den, ge­währte die Schweiz ihnen kein Asyl – eini­ge der Ab­ge­wie­se­nen star­ben an­schlie­ßend in Kon­zentra­tions­lagern. Doch nicht nur aus­län­di­sche Roma, Sinti und Je­ni­sche hat­ten es wäh­rend die­ser Zeit schwer in der Schweiz, auch die Schwei­zer Min­der­hei­ten­an­ge­hö­ri­gen waren den Be­hör­den ein Dorn im Auge. Diese sahen Roma, Sinti und Je­ni­sche als «Gefahr», die in «Banden» und «Horden» auf­trete und eine «Plage» sei». Sie wur­den in der Schweiz poli­zei­lich auf­ge­grif­fen und ihre Da­ten zwi­schen 1911 und 1990 im «Zigeunerregister» re­gistriert. Nach die­sem Ein­trag wur­den die Fa­mi­lien ge­trennt: Frauen und Kinder wur­den in Heimen un­ter­ge­bracht, wäh­rend die Männer in Straf­anstal­ten über­führt wur­den.

Ein besonders dunkles Kapitel hinsicht­lich der Schweiz im Um­gang mit ihren Minder­heiten war das so­ge­nannte «Hilfs­werk für die Kin­der der Land­strasse» der Or­ga­ni­sa­tion Pro Juventute, wel­ches auch vom Bund finan­ziell unter­stützt wur­de. Ziel dieses Pro­jekts war es, die Schwei­zer Je­ni­schen zu «sess­haften, brauch­baren Bürgern» zu ma­chen, was schluss­end­lich die Aus­rot­tung der je­ni­schen Kultur mün­den soll­te. Im Rah­men des «Hilfswerks» wur­den zwi­schen 1926 und 1973 fast 600 je­ni­sche Kinder ihren Fa­mi­lien ent­ris­sen und in Heimen oder Pflege­fa­mi­lien fremd­platziert. Für die Be­trof­fe­nen hat­ten die Fremd­platzie­run­gen und für­sor­ge­ri­schen Zwangs­maß­nah­men tief­grei­fen­de Fol­gen: Sie wa­ren oft grau­sa­men Miss­hand­lun­gen und in vie­len Fällen auch sexuel­lem Miss­brauch aus­ge­setzt. Read the rest of this entry »

Romakinder benachteiligt: EU-Verfahren gegen Ungarn

Mai 27th, 2016  |  Published in Jugend & Bildung, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Europaflaggen vor dem Berlaymont-Gebäude, dem Sitz der Europäischen Kommission (Foto: Xavier Häpe/CC)Wie die EU-Kommission am Donners­tag mit­teil­te, ist gegen Ungarn ein Ver­trags­ver­letzungs­ver­fah­ren er­öff­net wor­den. Die Kom­mis­sion geht damit gegen die syste­ma­ti­sche Dis­kri­mi­nie­rung von Kindern aus Roma-Fa­mi­lien vor. Kon­kret gehe es bei dem Ver­fah­ren „um Gesetz­ge­bung und büro­kra­ti­sche Praxis in Ungarn, die zu einer Dis­kri­mi­nie­rung von Roma-Kindern im Bil­dungs­bereich“ füh­ren, so Kom­mis­sions­spre­cher Christian Wigand. Ro­ma-Kin­der haben in Ungarn viel­fach nicht den gleichen Zu­gang zu Bil­dung wie an­dere Schü­ler. Die Euro­päi­sche Kom­mis­sion weist darauf hin, „dass der An­teil der Roma-Kinder an spe­ziel­len Schulen für geis­tig be­hin­derte Kinder un­ver­hältnis­mäßig hoch ist und dass Roma-Kinder auch in den Regel­schulen oft getrennt unter­rich­tet wer­den“. Dies ver­letze die EU-Direk­tive für eth­ni­sche und ras­si­sche Gleich­behand­lung (Council Direc­tive 2000/43/EC). Ähn­li­che Ver­fahren wegen Diskri­mi­nierung der Volks­gruppe hat die Kom­mission be­reits ge­gen Tschechien und die Slowakei ein­ge­leitet.

Die Regierung in Budapest hat nun zwei Monate Zeit, um auf die Vor­wür­fe zu ant­wor­ten, dann wird die Lage neuer­lich be­urteilt. In einer ers­ten Stel­lung­nahme wies die unga­ri­sche Regie­rung die Vor­würfe zurück. Es lä­gen keine offiziellen Daten über Roma-Schüler vor, weil die ethni­sche Iden­ti­tät der Kinder in Un­garn amt­lich gar nicht er­fasst werde.

(dROMa)

Bregenzer Bettelverbot vor Gericht

Mai 25th, 2016  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Vorarlbergs neuer Volksanwalt legt Beschwerde ein (Foto: VN, 2015)Vorarlbergs Städte setzen auf teils sehr umfassende Bettelverbote. Der Landesvolksanwalt sieht die Grundrechte in Gefahr: Jetzt muss sich der Ver­fas­sungs­gerichtshof damit befassen.

Der Vorarlberger Landesvolksanwalt Florian Bachmayr-Heyda hält das in Bregenz ver­häng­te Bettel­verbot für ver­fas­sungs­wid­rig. Das Verbot sei rassis­tisch und räum­lich zu weit­rei­chend. Die Rege­lung greife so­mit zu sehr in die Grundrechte der betteln­den Men­schen ein. Jetzt hat der – im Juni 2015 vom Landtag gewählte – Landes­volks­anwalt den Bre­gen­zer Fall vor den Ver­fas­sungs­gerichts­hof gebracht, der ge­nerelle Bettel­verbote bereits früher für gesetz­widrig er­klärt hatte. Eben­so geht Bach­mayr-Hey­da­ gegen die weit­rei­chen­den Be­stim­mun­gen des Camping­verbots in Nenzing vor. Auch die Bettel­verbote in ande­ren Vor­arl­ber­ger Städten (wie in Bludenz, wo es kei­ner­lei zeit­liche Be­gren­zun­gen des Ver­botes gibt) sieht Bachmayr-Heyda kri­tisch.

Am Diens­tag wurde darüber hinaus auch in Feldkirch ein neues Bettel­verbot be­schlos­sen. Somit be­ste­hen nun­mehr in allen Vor­arl­ber­ger Städten (Bregenz, Dornbirn, Feldkirch, Bludenz) – mit Ausnahme von Hohenems – kom­mu­na­le Bettel­verbote.

(dROMa)

Siehe auch: Auch Eisenstadt hat am Montagabend ein Bettelverbot beschlossen.

Räumung des besetzten Holocaust-Denkmals

Mai 24th, 2016  |  Published in Geschichte & Gedenken, Politik, Rassismus & Menschenrechte

Mahnmal in Berlin (Foto: Fabio Reinhardt)Stellungnahme der Stiftung Denkmal für die er­mor­de­ten Juden Europas:

Berlin – Besetzung des Denkmals für die im Na­tio­nal­so­zia­lis­mus er­­mor­de­ten Sinti und Roma Euro­pas aus Pro­test ge­gen dro­hen­de Ab­schiebung

Am Sonntag, den 22. Mai 2016, besetzten ab 16.30 Uhr bis zu 70 Per­so­nen das Denk­mal für die im National­sozia­lis­mus er­mor­de­ten Sinti und Roma Euro­pas, um ge­gen die Ab­schie­bung von Roma aus Deutsch­land in ihre als »sicher« gel­ten­den Her­kunfts­länder zu de­monstrie­ren. An­ge­hö­ri­ge der Min­der­heit sind ins­be­son­dere auf dem Balkan mas­si­ver Aus­gren­zung und Gewalt aus­ge­setzt. Unter den De­monstran­ten wa­ren et­li­che Roma­familien mit Kindern, die seit lan­gem in Deutsch­land leben und denen un­mit­tel­bar die Ab­schie­bung droht. Die Veranstaltung war polizeilich nicht genehmigt. Auch die Stif­tung Denk­mal für die er­mor­de­ten Juden Euro­pas, die das Denk­mal be­treut, war nicht in­for­miert.

Mehr als sechs Stunden verhandelten die Stiftung und An­ge­hö­rige der Minder­heit, die Polizei und Poli­tiker mit den Be­setzern. Zu­gleich be­müh­ten sich wei­tere Ver­tre­ter der Sinti und Roma aus ganz Deutsch­land – darun­ter Romani Rose, Vor­sitzen­der des Zentral­rats Deut­scher Sinti und Roma – in zahl­rei­chen Tele­fo­na­ten mit den Spre­chern der De­monstran­ten um Ver­mitt­lung. Schließ­lich wa­ren diese al­ler­dings nicht bereit, das Denk­mals­ge­län­de zu ver­las­sen. Vor­schlä­ge sei­tens der Polizei zu alter­na­ti­ven Ver­samm­lungs­orten in un­mit­tel­barer Nähe wur­den ab­ge­lehnt.

Vor allem weil unter den Teilnehmern Säuglinge und Kinder sowie kranke Frauen wa­ren, ent­schied die Stiftung ge­gen 24 Uhr in Rück­sprache mit Prof. Dr. Norbert Lammert, Bun­des­tags­prä­sident und Vor­sitzen­der des Kura­to­riums der Stiftung, die Besetzung durch die Po­li­zei be­en­den zu las­sen. Le­dig­lich eini­ge männ­liche De­monstran­ten leis­te­ten Wider­stand. Gegen 0.45 Uhr hiel­ten sich keine Per­so­nen mehr im Denkmal auf. An­zei­gen wegen Haus­friedens­bruchs wur­den be­wusst nicht er­stattet.

Die Stiftung zeigt sich solidarisch mit den Betroffe­nen und kri­ti­siert die gän­gige Ab­schiebe­praxis. Read the rest of this entry »

Berlin: Roma besetzten Holocaust-Mahnmal

Mai 24th, 2016  |  Published in Geschichte & Gedenken, Politik, Rassismus & Menschenrechte

Polizeigroßeinsatz beim Denkmal in Berlin (Foto: Felix Herzog, @flecks)Aussendung der IL Berlin:

Protest gegen Abschiebungen: Von Ab­schie­bung be­droh­te Ro­ma be­­set­zen Denk­­mal für die im Na­tio­­nal­­so­­zia­­lis­­mus er­­mor­de­ten Sinti und Roma in Berlin

Am Sonntagnachmittag wurde das Denkmal für die im National­sozialis­mus er­mor­de­ten Sinti und Roma Europas durch eine Grup­pe von Roma, die un­mittel­bar von Ab­schie­bung be­droht sind, be­setzt. Die Roma, die zum Teil als Fami­lien­ver­bände mit Kindern an der Be­setzung teil­nehmen, haben sich aus ihrer aus­sichts­losen Lage heraus ent­schie­den, auf die sie im Be­son­de­ren be­tref­fende ver­schärf­te Asyl- und Ab­schiebe­poli­tik auf­merk­sam zu ma­chen. Die meis­ten von ihnen kom­men aus Serbien, Kosovo, Bosnien und Herzegowina, Mazedonien oder Montenegro – al­so jenen Län­dern, die die Bundes­regie­rung seit 2014 als „sichere Herkunfts­staaten“ de­fi­niert hat. Diese Neu­re­ge­lung hat zum Ziel, Asyl­su­chen­de aus die­sen Län­dern in Schnell­ver­fahren ab­zu­leh­nen und schnell ab­zu­schie­ben. In den letzten Mo­na­ten wur­den be­reits zahl­reiche Fa­mi­lien ab­ge­schoben.

Damit ignoriert die Bundesregierung die massive Diskri­mi­nie­rung und soziale Aus­gren­zung, der Roma in diesen Län­dern aus­ge­setzt sind. Ver­schie­dene Institu­tio­nen, u. a. der UNHCR, das Deutsche Institut für Men­schen­rechte sowie zahl­reiche Nicht­regie­rungs­or­gani­sa­tio­nen, haben bereits darauf auf­merk­sam ge­macht, dass durch die Ver­schär­fun­gen der men­schen­recht­li­che und flücht­lings­recht­liche An­spruch der Asyl­su­chen­den auf indi­vi­duel­le Prü­fung ihrer Asyl­an­träge und auf Schutz vor Ver­fol­gung unter­laufen wird.

Read the rest of this entry »

Deutschland – kein sicheres Herkunftsland

Mai 22nd, 2016  |  Published in Jugend & Bildung, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Aktion 302 in Münster: Rettet eure Nachbarn!GfbV/Kurt Weber: Im Oktober 2015 beschloss der deutsche Bundes­tag mit dem neuen Asyl­ge­setz, dass Montenegro, Albanien und der Kosovo als „si­che­re Her­kunfts­länder“ gel­ten. Asyl­an­trä­ge von Men­schen mit die­sen Natio­na­li­tä­ten wer­den ohne vor­he­ri­ge Prü­fung als „un­begrün­det“ ab­ge­lehnt. Die­se Ver­ord­nung hat da­bei auch weit­rei­chen­de Kon­se­quen­zen für vie­le Roma­kinder, die in Deutsch­land ge­bo­ren und auf­ge­wach­sen sind.

Sie haben Kinder? Stellen Sie sich vor, unser Staat be­schließt, Sie und Ihre Kin­der in ein frem­des Land zu ver­ban­nen, ein Land, das Ihre Kinder nicht ken­nen, des­sen Spra­che sie nicht spre­chen, ein Land ohne Aus­bil­dungs­mög­lich­kei­ten, in dem man Ihnen und Ihren Kin­dern gegen­über nicht wohl ge­son­nen, viel­leicht sogar feind­selig ein­ge­stellt ist. Stel­len Sie sich vor, wie es Ihren Kin­dern in die­ser Si­tua­tion er­ge­hen mag. Zu Recht wer­den Sie sagen, diese Fik­tion ist ab­surd, sie ist völ­lig un­mög­lich und wider­spricht ele­men­tars­ten Grund­rech­ten. Doch leider ist dies keine reine Fik­tion. Jeden­falls kann dieses alp­traum­hafte Sze­na­rio real wer­den, wenn die Eltern der hier gebo­re­nen und auf­ge­wach­se­nen Kinder keinen deut­schen Pass haben und ihr Heimat­land vom Bundes­tag als „sicher“ de­fi­niert wur­de. Konkret er­le­ben wir solch grau­same Absur­di­tät in der Ab­schie­bung von Fami­lien mit Kin­dern und ju­gend­li­chen Roma, die in Deutsch­land ge­bo­ren wur­den, auf­wuch­sen und jetzt im Kosovo „ent­sorgt“ wer­den (sollen).

Die pauschale Einstufung des Kosovo als „siche­res Her­kunfts­land“ scheint poli­tisch will­kür­lich und recht­lich äußerst frag­wür­dig. Für Roma ist der Kosovo kein „si­che­res Her­kunfts­land“. Das haben die Ver­fol­gung der Minder­hei­ten und die Zer­stö­rung ihrer Häuser und Dörfer in der Ver­gan­gen­heit ge­zeigt. Und das er­gibt auch der Bericht der GfbV über die heu­tige Situa­tion von Roma im Ko­sovo. Die Min­der­hei­ten werden dis­kri­mi­niert, ihre Lebens­be­din­gun­gen sind ka­tastro­phal. Zu­dem gibt es keine wirk­samen so­zia­len Struk­tu­ren, die rück­keh­ren­den Roma helfen könn­ten, ein men­schen­wür­di­ges und selbst­be­stimm­tes Leben auf­zu­bauen. Read the rest of this entry »

Deutschland – ein Rechtsstaat?

Mai 21st, 2016  |  Published in Jugend & Bildung, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Abgeschoben: Gzim (15) und Ramis Berisha (12) (Foto: Amaro Drom)Kurt Weber/GfbV: Zehntausende Roma, Aschkali und Balkan-Ägypter waren vor, während oder im An­schluss an den Konflikt im Ko­so­vo von 1998/1999 ge­zwun­gen, vorüber­ge­hend Zu­flucht in West­europa zu su­chen. Mit En­de des Koso­vo­krie­ges be­gann die deutsche Bun­des­re­gie­rung, den tem­po­rä­re­ren Auf­ent­halts­sta­tus von zehn­tau­sen­den An­ge­hö­ri­gen der Volks­gruppe nicht zu ver­län­gern und die Betrof­fe­nen ab­zu­schie­ben. Darun­ter auch viele Kin­der, die in Deutsch­land ge­bo­ren wur­den. Doch ist Ab­schie­bung wirk­lich die ein­zi­ge Lö­sung?

Vielfach wird der Begriff „mangelnde Integrationsfähigkeit“ zur Recht­fer­ti­gung für Ab­schie­bung heran­ge­zogen. Kri­tisch be­se­hen lässt die­ser Be­griff frag­wür­dige und will­kür­li­che Inter­pre­ta­tio­nen zu. Die ab­schie­ben­den Be­hör­den und Poli­ti­ker ma­chen es sich ein­fach. In­halt­lich ver­schlei­ernd ver­mei­den sie vom Her­kunfts­land der Kinder zu spre­chen. Statt­des­sen sagt man, die „Fa­mi­lie“ stam­me aus dem Kosovo und dekla­riert die hier ge­bo­re­nen und auf­ge­wach­se­nen Kinder kraft Her­kunft der Eltern als Fa­mi­lien­mit­glie­der de facto zu Aus­län­dern, zu Im­migran­ten eines Lan­des, das diese Kin­der ver­mut­lich nie ken­nen­lern­ten. Dass diese Kinder ge­mäß der Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­tion ein An­recht auf Staats­bür­ger­schaft in Deutsch­land hät­ten – ein Recht, das juris­tisch in kei­nem Zu­sam­men­hang mit der In­tegra­tion der Eltern ste­hen dürf­te –, wird dabei igno­riert.[1] Viel­mehr gibt es eine Recht­spre­chung, die völ­lig un­durch­sichtig ist. Man sagt, die „Fami­lie“ sei nicht in­tegra­tions­fähig und müs­se daher ab­ge­scho­ben wer­den. Da­mit wird eine Art Sippen­haft prak­ti­ziert, in­dem man die Kinder pau­schal und ohne Dif­fe­ren­zie­rung als „nicht in­tegra­tions­fähig“ dekla­riert. Ihre Her­kunft aus Deutsch­land wird igno­riert und aus­schließ­lich der Her­kunfts­status der Eltern als rele­vant an­ge­se­hen. Wenn darin eine Logik zu fin­den ist, dann eher eine zurecht­bie­gen­de Logik von Will­kür und Aus­gren­zung. Mit Rechts­staat­lich­keit, wie ich sie ver­stehe, hat dies nichts zu tun.

Zwar steht die Familie unter dem besonde­ren Schutz des Grund­ge­setzes. Man geht davon aus, dass es im Nor­mal­fall für die Kin­der am besten ist, in der Fami­lie zu blei­ben. Aber der Gesetz­geber sorgt auch da­für, dass das Kin­des­wohl in beson­de­ren Fäl­len über dem Schutz der Fami­lie steht. Die schwer­wie­gen­den Kon­sequen­zen für Roma­kinder im Falle einer Ab­schie­bung sind von extre­mer Härte. Daher sollte es in die­sen Fäl­len ver­pflich­tend sein, das Kindes­wohl als über­ge­ord­ne­tes Recht ein­zu­stufen.

Read the rest of this entry »

Gondolipeskero than pujsto tschito ulo

Mai 20th, 2016  |  Published in Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte

MahnmalAndo sud polnitiko Borzęcin Dolny na dur Krakaujatar jek holo­caustiskero gon­do­li­pes­kero than na prin­dschar­de dsche­nen­dar pujsto tschi­to ulo. Ada andi april kerdo ulo. O gon­do­li­pes­ke­ro than upro nacijo­nal­so­cija­lis­ti­schi geno­cid pal te gon­do­li­nel upro Roma. O haren­gere le te­tertschen roden.

O gondolipeskero than jeke hokoneha le betonis­kere sok­listar tel tscha­lado ulo. Jek gon­do­li­pes­keri tab­lina, savi aun kerdi sina, tel tscha­ladi uli. O ande pisi­nipe, savo te andi Ro­mani tschib la po­si­jasch­ki­jatar Papusza (Bronisława Wajs) sina, upre sikal upro but dsche­nen­gero mur­da­ripe le Romen­dar le nimtschke nim­ci­jen­dar ando dujto ha­buri. O gon­do­li­pes­kero than upre oda than le veschis­tar kerdo ulo, kaj ando juli 1943 29 polnitike Roma mur­darde ule: trin mur­scha, pantsch dschuv­la taj bi­schu­jek tschave andar o fa­mi­li­ji Majewski, Kwiatkowski, Chmielewski taj Cioroń. O ini­ci­ja­tor­ki­ji le gon­do­li­pes­kere tha­nestar gon­do­li­nen, hot adaj jeke siste­ma­tischi, organsirti ang­le geji­peha te kerel hi: „Mange o ala­va fali­nen, kaj schaj phe­nav, so me akan esbe lav“, phenel i polni­tiki kinstler­ki­ja Małgorzata Mirga-Tas, savi Romni hi, taj o gon­do­li­pes­kero than kertscha. Read the rest of this entry »

Wiener Festwochen: Látszatélet

Mai 17th, 2016  |  Published in Film & Theater, Rassismus & Menschenrechte

Wiener FestwochenLátszatélet (Scheinleben)
Schauspiel / Uraufführung
Kornél Mundruczó / Proton Theatre (H)

Halle G im MuseumsQuartier, 1070 Wien | Spiel­tage: tgl. von 21.5. bis 24.5.2016, 20:30 Uhr | Preis: EUR 15,- / 20,- / 30,- | Spra­che: Un­ga­risch mit deut­schen Über­ti­teln | Dauer: ca. 90 Min., kei­ne Pau­se | Pub­li­kums­gespräch: 21. Mai, im An­schluss an die Vor­stel­lung

Der Sohn einer Roma-Familie wird mit ande­rer Haut­farbe als seine Ge­schwis­ter ge­bo­ren. Die Ver­leug­nung sei­ner Her­kunft über­schat­tet seine ge­sam­te Kind­heit. Die Gewalt sei­nes Vaters zwingt ihn, sein Zu­hau­se zu ver­las­sen. In der Ano­ny­mi­tät der Stadt will er sein Glück fin­den. Ab hier könn­te die Ge­schich­te des unga­ri­schen Theater- und Film­regis­seurs Kornél Mundruczó in eine Theater­saga, ein Parade­bei­spiel sozia­ler Etablie­rung mün­den. Látszatélet je­doch beschreibt, wie das »neue Leben« vom Alb­traum des Selbst­has­ses er­stickt wird. Ein höchst aktuel­les (Anti-)Mär­chen mensch­li­cher Er­niedri­gung und mora­li­schen Nieder­gangs.

Grundlage der Geschichte ist ein aktenkundi­ger Fall der Budapes­ter Polizei: Im Mai 2005 wur­de ein jun­ger Rom in einem Bus mit einem Messer attackiert. Der Auf­ruhr in den Medien war groß. Die Be­völ­ke­rung de­monstrier­te gegen Rassismus. Wie sich heraus­stell­te, war der Täter Mit­glied einer tra­ditio­na­lis­ti­schen, rechts­extre­men Grup­pie­rung und wie sein Opfer: ein Rom.

Read the rest of this entry »

Angriff auf Roma-Siedlung in Polen

Mai 15th, 2016  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Antiziganistischer Angriff in DanzigHooligans grei­fen Roma-Siedlung im pol­ni­schen Gdańsk (Danzig) an. Trotz War­nung kein Ein­grei­fen der Polizei.

Am Abend des 11. Mai, vor Beginn des Fußball­matches zwi­schen Lechia Gdańsk und Legia Warschau, er­schien eine Gruppe von fünf Hooli­gans am Ein­gang des um­zäun­ten, von Roma be­wohn­ten Areals, das un­weit des Stadions ge­legen ist. Die Hooli­gans rüt­tel­ten am Tor, brüll­ten Beleidi­gun­gen, war­fen Steine und droh­ten später zurück­zu­keh­ren, um die Baracken nieder­zu­brennen.

Die Roma informierten daraufhin einen Mit­arbeiter des Danzi­ger Zentrums zur Unter­stützung von Migran­tin­nen und Migran­ten, der wiede­rum die Polizei alarmierte. Die ver­sprach zwar eine Siche­rung des Terrains, tat­säch­lich wur­de nichts in dieser Rich­tung unter­nommen.

Die fünfzehn Roma, unter ihnen fünf Kinder, flohen in den nahe­gele­ge­nen Wald, um sich zwi­schen den Bäumen zu ver­stecken. Etwa zwei Stun­den später er­folg­te der An­griff durch ein Dutzend Hooligans. Un­ter Rufen, die Roma töten zu wol­len, bombar­dier­ten sie die Baracken mit Stei­nen, zahl­rei­che Fenster­schei­ben gin­gen zu Bruch. Er­neut wurde die Polizei alar­miert. Nach eige­nen An­gaben hatte diese dann eine Strei­fe ge­schickt, die jedoch nie­man­den mehr am Ort des Ge­sche­hens vor­ge­fun­den habe und un­ver­rich­te­ter Dinge wie­der ab­ge­zo­gen sei. Die Roma, die das Ge­sche­hen aus ihrem Versteck be­obach­tet hat­ten, war­te­ten noch meh­rere Stun­den, be­vor sie um 2 Uhr in der Nacht in ihre Woh­nun­gen zurück­kehr­ten. Die Fa­mi­lien sind sehr ver­ängstigt, sor­gen sich vor neuen An­griffen. Read the rest of this entry »

Romani-Wörterbuch in der Türkei

Mai 14th, 2016  |  Published in Literatur & Bücher, Romani

DaylamNur ein sehr kleiner Teil der in der Türkei leben­den Roma spricht heu­te noch Romani. In der süd­türki­schen Provinz Mersi ver­su­chen Roma, dem wei­teren Ver­schwinden ihrer Sprache ent­gegen­zu­wir­ken. Sie haben nun ein ers­tes Romani-Türkisch-Wörterbuch in Form ei­ner Bro­schüre („Romanes-Türkçe Söz­lük“) heraus­ge­bracht. Das Ziel sei, Kultur und Sprache zu be­wah­ren, erklärt Ali Daylam, der Vor­sitzen­de der Fö­dera­tion der Roma-Vereine und zu­gleich einer der Heraus­geber, gegen­über der Agen­tur Ana­do­lu. „Es gibt rund 300 Roma-Verei­ne in der Türkei, aber sogar dort sind 95 Pro­zent ihrer Mit­glie­der der Spra­che nicht mehr mäch­tig“, er­klärt Day­lam, der sich seit Jahren dafür ein­setzt, das Romani in der Tür­kei wieder­zu­be­le­ben. „Wir möch­ten uns alle Mühe ge­ben, um die gegen­wär­tige Situa­tion des Ro­mani zu ver­bes­sern. Wir wer­den in Zu­kunft pro­fes­sio­nel­ler an die Sache heran­ge­hen“, so Day­lam. Das neue Basis­wörter­buch sei hier­bei ein wich­ti­ger Schritt: „Es ist ein An­fang. In Zu­kunft wol­len wir ein um­fas­sen­de­res und wis­sen­schaft­li­che­res Wör­ter­buch vor­be­rei­ten.“

Erarbeitet wurde das Wörterverzeichnis von den beiden tür­ki­schen Roma-Ak­tivis­ten Ali Daylam und Halil İbrahim Nurbel in Zu­sam­men­arbeit mit dem inter­na­tio­nal tätigen Ro­ma-Ex­per­ten Orhan Galjus. Die Bro­schüre ist als Datei kos­ten­los hier ver­fügbar: Download (pdf)

(dROMa)

Deutsche Kriminalstatistik erfasst Antiziganismus

Mai 12th, 2016  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Blindstellen der deutschen Kriminalstatistik: Ausmaß antiziganistischer Straftate unbekanntBislang werden antiziganistische und islamfeindliche Straftaten in Deutschland nicht geson­dert er­fasst. Das soll sich jetzt ändern.

Aufgrund der aktuellen Zunahme von Gewaltakten und Hasspropaganda gegen Muslime soll die Polizei nach Informationen des „Tagesspiegel“ – ab dem Jahr 2017 – endlich auch weitere Tatkategorien erfassen. Eine von der Innenministerkonferenz beauftragte Expertengruppe habe dies empfohlen. Das Definitionssystem „Politisch motivierte Kriminalität (PMK)“ werde demnach erweitert: Erfasst werden sollen in Zukunft auch islamfeindliche Straftaten sowie christenfeindliche und antiziganistische Delikte, also Straftaten gegen Sinti und Roma.

Über das Aus­maß des Problems des Anti­ziganismus la­gen bisher keine offiziellen Polizeidaten vor. Und das obwohl der so­genann­te PMK-Katalog („Themenfeld­katalog Politisch motivierte Kriminalität“) bun­des­weit Straf­taten mit (mut­maß­lich) politischem Hintergrund pe­nibel er­fasst. Links- wie rechtsextreme Gewalt­akte wer­den darin ebenso verzeich­net wie Propaganda­delikte. Der Themen­feld­katalog sieht für die Ein­ordung der Delikte (Stand 2013) angeblich 22 Ober­begriffe und rund 120 Unter­themen vor. Auch Aktio­nen radikaler Tierschützer fin­den bei­spiels­weise als eige­ne Kate­gorie Ein­gang in die Statistik – nicht aber anti­ziga­nis­ti­sche Gewalt. Straf­ta­ten gegen Roma und Sinti wer­den, wie auch Gewalt gegen Mus­lime, ein­fach pauschal unter dem wenig aus­sage­kräf­tigen Ober­begriff „Hasskriminalität“ sub­sumiert; eine eigene Kate­gorie wie „Antisemitismus“ gibt es nicht. Rück­schlüs­se auf Art, Aus­maß und Ent­wick­lung der jewei­ligen Straftaten lässt diese Form der Erfassung nicht zu. Genau das wäre aber Sinn und Zweck der Statistik.

(dROMa)

Thementage „Roma in Berlin“

Mai 10th, 2016  |  Published in Kunst & Fotografie, Veranstaltungen & Ausstellungen

"Unsere neuen Nachbarn": Programmübersicht "Roma in Berlin" (PDF)„Herkommen. Ankommen. Willkommen. Unsere neuen Nachbarn“

Das Wohnbauunternehmen Gesobau, ver­ant­wort­lich für das erste de­zentra­le Ber­li­ner Wohn­pro­jekt für Roma­fami­lien, ver­anstal­tet eine zwei­wö­chi­ge Ver­anstal­tungs­reihe: „Roma in Berlin“. Die Aus­stel­lung „Roma in Europa – Enfances Tsiganes“ der fran­zö­si­schen Foto­gra­fin Jeannette Gregori ist eine der ins­ge­samt neun Ver­anstal­tungen.

In den Diskussionen um die Zuwanderung wird nie­man­dem mit so vielen ne­ga­ti­ven Vor­ur­tei­len be­geg­net wie den Roma. Vor­ur­tei­le und diskri­mi­nie­ren­des Ver­hal­ten ste­hen oft in en­gem Zu­sam­men­hang. Die GESOBAU möch­te ge­mein­sam mit star­ken Part­nern und der neuen Ver­anstal­tungs­reihe „Her­kom­men. An­kom­men. Will­kom­men. Unsere neuen Nach­barn“ dem ent­gegen­steuern und die ver­meint­lich so ver­schie­de­nen Lebens­welten von Roma und Deut­schen mit­einan­der in Be­zug setzen. Den Auf­takt bil­den die Themen­tage „Roma in Berlin“.

Eröffnet wurde die Veranstaltungsreihe von Barbara Loth, Staats­sekre­tä­rin für Integra­tion und Frauen in der Senats­ver­wal­tung für Arbeit, Integra­tion und Frauen, und Jörg Franzen, Vor­stands­vor­sitzen­der der GESOBAU AG. Im Mit­tel­punkt des Pres­se­gesprächs stand das erste de­zentra­le Wohn­pro­jekt Berlins „Woh­nen und Leben im Mär­ki­schen Vier­tel – ein integra­ti­ves Wohn­kon­zept für Roma­fami­lien“. Das Wohn­pro­jekt wird seit 2015 im Rei­nicken­dor­fer Stadt­teil Mär­ki­sches Vier­tel um­ge­setzt. In einem Par­tner­schafts­ver­trag haben sich die Senats­ver­wal­tung für Arbeit, In­tegra­tion und Frauen, das Be­zirks­amt Rei­nicken­dorf, die GESOBAU AG und die Trä­ger Phinove e.V. und Aufwind e.V. zur Um­setzung des Wohn­pro­jekts ver­pflich­tet. Bis Ende 2016 wer­den zehn Roma­fa­mi­lien, die aus Süd­ost­euro­pa zu­ge­wan­dert sind, mit an­ge­mes­se­nem, be­zahl­ba­rem Wohn­raum ver­sorgt und bei der Integra­tion un­ter­stützt. Die dezentrale Wohnraumversorgung im Märki­schen Vier­tel ist eine Beson­der­heit unter den bis­lang um­gesetz­ten Wohn­pro­jek­ten für Roma in Ber­lin.

Thementage „Roma in Berlin“

Gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Arbeit, In­tegra­tion und Frauen, dem Bezirks­amt Rei­nicken­dorf, den Trä­gern Hori­zonte gGmbH, Auf­wind e.V., Phinove e.V. und unter­stützt durch den KLAK Verlag wid­met sich die GESOBAU vom 3. bis 18. Mai 2016 Euro­pas größ­ter Minder­heit und lädt In­teres­sier­te ein. Das viel­fäl­tige Programm rich­tet sich an Nach­barn in und um Rei­nicken­dorf, Stadt­teil­akteure, Schulen, Kinder­gärten und Ver­treter aus Woh­nungs­wirt­schaft und Politik sowie Interes­sen­ge­mein­schaf­ten in Berlin.

Informationen zu allen Veranstaltungen der Thementage „Roma in Berlin“ vom 3. bis 18. Mai im Mär­ki­schen Viertel fin­den Sie hier. Die Teil­nahme an allen The­men­tagen­ver­an­stal­tun­gen ist kos­ten­frei.

Zur Ausstellung „Roma in Europa – Enfances Tsiganes“: Read the rest of this entry »

Sunita und Mira feiern Herdelezi

Mai 8th, 2016  |  Published in Jugend & Bildung, Literatur & Bücher

Kinderbuch "Sunita und Mira feiern Herdelezi"Neues Kinderbuch auf Romani und Deutsch

In Deutschland ist kürzlich das Büchlein „Sunita und Mira feiern Her­de­lezi“ prä­sen­tiert wor­den, heraus­ge­ge­ben vom Göttinger Roma-Center, das sich vor­wie­gend um Flücht­linge vom Balkan küm­mert. Far­ben­froh be­bil­dert er­zählt die 25-Seiten-Bro­schüre von Sunita, die ihre Kinder­gar­ten­freun­din Mira ein­lädt, mit ihr das Roma-Fest „Herdelezi“ zu feiern. Der Georgs­tag, Herdelezi (oder Đurđevdan), ist für die Roma des süd­li­chen Bal­kans und in der Türkei ein be­son­ders wich­tiges, aus­giebig be­gan­ge­nes Frühlings­fest – und wird von mus­li­mi­schen und ortho­doxen Roma gleicher­maßen ge­feiert. „Sunita und Mira feiern Her­de­lezi“ er­zählt eine kleine, fröh­li­che Ge­schichte einer inter­kultu­rel­len Be­geg­nung, und das natür­lich zwei­sprachig, auf Romani und Deutsch. We­ni­ger fröh­lich die Hinter­gründe: Denn eine der bei­den Auto­rin­nen ist die Kosovo-Romni Hatigje Osmani; nach 17 Jahren in Deutschland hätte sie plötzlich abgeschoben werden sollen – und war deshalb mit ihrer Familie untergetaucht. Ihr Platz auf dem Podium blieb bei der Buch­prä­sen­ta­tion Ende Februar leer.

Sunita und Mira feiern Herdelezi, Eine Geschichte von Doreen Blume-Peiffer und Hatigje Osmani mit Bildern von Anke Bär, Göttingen 2016.

Bestellung unter: www.roma-center.de

(dROMa)

Serbien: 30 Jahre ohne Identitätsnachweis

Mai 7th, 2016  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Unsichtbar - Invisible Man Sculpture, Ralph Ellison Memorial, Harlem/New York (Foto: Tony Fischer/Flickr)RAN: In Kostolac (Ostserbien) leben seit Jahrzehn­ten Ro­ma, denen eini­ge oder alle Pa­piere feh­len. Juris­tisch ge­se­hen han­delt es sich um „unsicht­bare“ Per­so­nen, die kei­nen Zugang zu grund­legen­den Rechten ha­ben – wie z.B. zur Gesund­heits­ver­sor­gung oder so­zia­ler Ab­siche­rung. 34 An­ge­hö­rige der Ro­ma-Ge­meinschaft sol­­len jetzt Papiere erhal­ten.

Häufiges Beispiel für Menschen ohne Papiere sind Ver­trie­bene aus Mazedonien, deren Aus­weise ab­ge­lau­fen sind. Um sie zu be­kom­men, be­nö­ti­gen sie einen Aus­zug aus dem Geburten­register in Skopje. Aber wie sol­len sie die Grenze ohne gül­ti­gen Per­sonal­ausweis über­queren?

Im Kreise dieser Menschen ist auch Raima Ibraimi, de­ren Ausweis vor 30 Jah­ren ab­ge­lau­fen ist. Ihr Ehe­mann Skender Ibraimi soll­te an ihrer Stel­le nach Skopje reisen, um den Aus­zug zu be­antra­gen. Aber auch das geht nicht, weil sie für die Aus­stel­lung einer Voll­macht einen gül­ti­gen Iden­ti­täts­nach­weis be­nötigt.

Im letzten Jahr hat die Kanzlei für Roma-Fragen sieben Fami­lien ge­hol­fen, an die Dokumente zu ge­lan­gen. Ein Grund für das Feh­len der Nach­weise ist die Un­infor­miert­heit. „Sie kön­nen keiner­lei Rechte ein­for­dern. Sie kön­nen sich nicht an­mel­den. Sie sind voll­kom­men schutz­los und kön­nen auch ihre Kinder nicht an­mel­den. Sie haben vor al­lem keine Gesund­heits­ver­sor­gung“, sagt Azira Ahmeti von der Kanz­lei für Roma-Fra­gen in Kostolac.

Read the rest of this entry »

Sunita taj Mira

Mai 6th, 2016  |  Published in Jugend & Bildung, Literatur & Bücher, Romani

Kinderbuch "Sunita und Mira feiern Herdelezi"Nevi tschavengeri kenva andi Germanija

Andi Germanija akan i kenvori „Sunita taj Mira mulati­nen Herdelezi“ pre­sen­ti­rim uli, ar dim le Göttinger Romengere-Centeristar, savo pe but­var vasch o naschi­ge­jaschta an­dar o Bal­kan sor­gi­nel. I fesch­timi kipen­geri 25-riktschen­geri-ken­vori la Su­ni­tatar phu­kal, savi pra tscha­ven­gera ba­ren­gera paj­tasch­kija Mira aka­rel, laha o Romen­ge­ro-mu­la­tintscha­go „Herdelezi“, jek bari­kano terno li­na­jis­kero mula­tin­tscha­go, te mu­la­ti­nel. Jek tikni, lo­schan­di his­to­rija jeke inter­kul­tu­reli tala­li­ni­pestar, taj oda ande duj tschib­tscha, andi ro­mani taj nimtsch­ki. Ek­naj tschu­leder lo­schan­de o pa­lut­nip­tscha: Mint jek le duj autor­ki­jen­dar i Kosovo-Romni Hatigje Osmani hi – la­ce­ro than upro po­di­jum usi ken­va­keri pre­sen­ta­cija ando ki­se­ti­nipe le fe­be­ristar schutscho at­schino. Pal 17 berscha an­di Ger­ma­nija akan tel ispi­dim li te uja­hi – oj pra fa­mi­li­jaha ga­rutscha pe.

Sunita und Mira feiern Herdelezi, Eine Geschichte von Doreen Blume-Peiffer und Hatigje Osmani mit Bil­dern von Anke Bär, Göt­tin­gen 2016.

Kindi schaj i kenva ol telal: www.roma-center.de

(dROMa)

Berlin: „Wege der Diskriminierung“

Mai 5th, 2016  |  Published in Geschichte & Gedenken, Jugend & Bildung, Veranstaltungen & Ausstellungen

EVZ - Ausstellung in Berlin (Foto: Stiftung EVZ)Ausstellung in Berlin: Die Geschichte von Roma und Sinti in Tschechien und Deutschland

Bis 20. Juni 2016, Mo. bis Do., 10 bis 16 Uhr
Ort: Stiftung EVZ, Lindenstr. 20-25, 10969 Berlin

Am Beginn des Projekts stand die Erkennt­nis, dass es vie­le Vor­urteile gibt, die sich auf Un­wissen grün­den. Die Schü­lerin­nen und Schüler aus Ostrov und Schwabmünchen stell­ten da­her die Geschichte der Sinti und Roma in Tsche­chien und im be­nach­bar­ten Deutsch­land in den Mit­tel­punkt ihres Pro­jek­tes. Wäh­rend der ge­mein­sa­men Pro­jekt­wochen im No­vem­ber 2014 und April 2015 frag­ten sie sich: Warum wur­den und wer­den Sinti und Roma diskri­mi­niert – wäh­rend des Zweiten Welt­krieges und bis heute? In Vor­trä­gen, Work­shops, Gesprä­chen und durch eige­ne Re­cher­chen lern­ten sie die Geschichte ken­nen und Vor­ur­tei­le zu hin­ter­fra­gen. Das ge­mein­sam reflek­tier­te Wis­sen do­ku­men­tiert die hier prä­sen­tierte Wan­der­aus­stel­lung.

„Dieses Projekt hat mir geholfen, die Augen zu öff­nen und Vor­ur­tei­len – nicht nur gegen­über Roma und Sinti – Auf­merk­sam­keit zu schen­ken.“ František Hartl, Teil­neh­mer am Pro­jekt „Wege der Diskri­mi­nie­rung“.

Die Ausstellung ist ein Projekt von Antikomplex e.V. und der Ackermann-Gemeinde e.V. in Zu­sam­men­ar­beit mit dem Gym­na­sium Ostrov und dem Leon­hard-Wagner-Gym­na­sium Schwabmünchen.

(Text: Stiftung EVZ)