Berlin: Roma besetzten Holocaust-Mahnmal
Mai 24th, 2016 | Published in Geschichte & Gedenken, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Aussendung der IL Berlin:
Protest gegen Abschiebungen: Von Abschiebung bedrohte Roma besetzen Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma in Berlin
Am Sonntagnachmittag wurde das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas durch eine Gruppe von Roma, die unmittelbar von Abschiebung bedroht sind, besetzt. Die Roma, die zum Teil als Familienverbände mit Kindern an der Besetzung teilnehmen, haben sich aus ihrer aussichtslosen Lage heraus entschieden, auf die sie im Besonderen betreffende verschärfte Asyl- und Abschiebepolitik aufmerksam zu machen. Die meisten von ihnen kommen aus Serbien, Kosovo, Bosnien und Herzegowina, Mazedonien oder Montenegro – also jenen Ländern, die die Bundesregierung seit 2014 als „sichere Herkunftsstaaten“ definiert hat. Diese Neuregelung hat zum Ziel, Asylsuchende aus diesen Ländern in Schnellverfahren abzulehnen und schnell abzuschieben. In den letzten Monaten wurden bereits zahlreiche Familien abgeschoben.
Damit ignoriert die Bundesregierung die massive Diskriminierung und soziale Ausgrenzung, der Roma in diesen Ländern ausgesetzt sind. Verschiedene Institutionen, u. a. der UNHCR, das Deutsche Institut für Menschenrechte sowie zahlreiche Nichtregierungsorganisationen, haben bereits darauf aufmerksam gemacht, dass durch die Verschärfungen der menschenrechtliche und flüchtlingsrechtliche Anspruch der Asylsuchenden auf individuelle Prüfung ihrer Asylanträge und auf Schutz vor Verfolgung unterlaufen wird.
Die Interventionistische Linke (IL) Berlin erklärt sich mit den Betroffenen der Abschiebepolitik und ihrer Protestaktion solidarisch: „Deutschland steht gegenüber den Nachkommen der Opfer des deutschen Völkermords an den europäischen Roma und Sinti in einer besonderen Verantwortung“, so Hannah Schuster, Pressesprecherin der IL. „Statt dieser gerecht zu werden und den Roma endlich ein Bleiberecht zu ermöglichen, wird der Abschiebeterror derzeit massiv verstärkt. Damit ignoriert die Regierung in rassistischer Manier bewusst die anhaltende Diskriminierung und Verfolgung der Roma in Europa – für sie gibt es keine ‚sicheren Herkunftsstaaten‘!“, so Hannah Schuster.
Die Thematik erhält besondere Brisanz, da die Bundesregierung derzeit weitere Verschärfungen des Asylrechts plant und in diesem Rahmen auch Marokko, Tunesien und Algerien zu sicheren Herkunftsländern erklärt werden sollen. Auch in diesen Ländern gibt es Personengruppen, die massive Benachteiligungen erfahren, z. B. religiöse Minderheiten und LGBTI. Auch diesen Menschen soll fortan systematisch Schutz verweigert werden.
(Text: Aussenung der Interventionistischen Linken Berlin, 24.5.2016)
Anm. d. Red.: Nach einigen Stunden wurde das Mahnmal – auf Ersuchen der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas – von der Polizei gewaltsam geräumt. Hier einige Bilder.