Geschichte & Gedenken
August 23rd, 2015 |
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Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV
Roma sam
Radijo Burgenland: 17.8.2015 | (on demand)
Uso berscheskero di le upre putrinipestar le afka akarede „Zigeuner logeristar“ ande Auschwitz-Birkenau, andi cili Europa upro flogoskero murdaripe gejng o Sinti taj Roma gondolim ulo. Ando 2to august 1944 o lejcti dschene le „Zigeuner logeristar“, valami 3.000 manuscha, murdarde ule.
O Romani Rose (angle beschto le centrali rotistar le nimtschke Sintijendar taj Romendar) taj o erscht 20-berschengero Silas Kropf (dujto angle beschto le farajnistar Amaro Drom e.V.) upro gondolinipeskero di pedar o barikanipe la historijatar, pedar o dschivipeskero them le terne Sintijendar taj Romendar andi Germanija taj pedar i aktujeli naschigejaschengeri debata, vakeren.
Dikhen amen! Seht uns!
Afka jek projekto le terne Sintijenge taj Romenge andi Germanija butschol. Ada projekto le terne dschenenge te pomoschinel, kaj on aunprindscharipe taj glajchi terdschojipe ando nimtschko khetanipe te uschtiden. Read the rest of this entry »
August 22nd, 2015 |
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Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Interview, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte
Max Mannheimer Studienzentrum Dachau: Kurzfilme der Jugendbegegnung „Erzählungen vom Unrecht/Stories of Injustice“ online
→Video 1 | →Video 2 | →Video 3 | →Video 4
Unter dem Projekttitel „Erzählungen vom Unrecht / Stories of Injustice“ haben sich 20 Jugendliche aus dem Raum Dachau / München und aus Serbien 2012/2013 über neun Monate hinweg intensiv mit der Geschichte und Gegenwart von Sinti und Roma in Deutschland und Serbien auseinandergesetzt. Es wurde dabei die nationalsozialistische Verfolgung von Sinti und Roma ebenso thematisiert wie die bis heute anhaltende Diskriminierung. Die Gruppe beschäftigte sich beispielsweise mit dem Kampf der Sinti und Roma um Anerkennung als Opfer des Nationalsozialismus und mit der Bürgerrechtsbewegung ab den 1980er Jahren. Auch die aktuelle Situation in Deutschland und in Serbien war Thema.
Im Rahmen des Projektes wurden von den Jugendlichen neun Interviews mit Überlebenden der nationalsozialistischen Verfolgung und deren Angehörigen geführt. Diese Interviews bildeten die Grundlage für vier jetzt auch online verfügbare kurze Filme, in denen die Erfahrungen aus beiden Ländern zusammengeführt wurden und in denen Sinti und Roma aus Deutschland und Serbien eindrucksvoll Zeugnis von der Geschichte seit 1933 ablegen.
(Text: mmsz-dachau.de)
August 9th, 2015 |
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Geschichte & Gedenken, Kunst & Fotografie, Politik
Das dunkle Kapitel der Ortsgeschichte: Futschikato – Die verschwundenen Roma und Sinti aus Kirchstetten und der „Fall Weinheber“
Die österreichische Künstlerin Marika Schmiedt befasst sich – nicht zuletzt aufgrund ihrer eigenen Familiengeschichte – immer wieder mit der Verfolgung der Roma. »Futschikato – Die verschwundenen Roma und Sinti aus Kirchstetten und der „Fall Weinheber“« heißt ihr jüngstes Gedenkprojekt, das den Umgang mit der Vergangenheit in der niederösterreichischen Marktgemeinde Kirchstetten unter die Lupe nimmt. Angekündigt war die Präsentation bereits für September. Doch der Bürgermeister der kleinen Gemeinde legt sich nun quer: „Es wird leider nicht möglich sein, diese Kunstinstallation so zu verwirklichen“, teilte Paul Horsak (ÖVP) der Künstlerin am 5. August mit; er werde die Genehmigung für die Installation nicht erteilen. Seine Begründung, die die Künstlerin auf ihrer Website veröffentlicht hat, liest sich wie ein Echo aus längst überwunden geglaubten Jahrzehnten:
Es sind nun aber doch schon 70 Jahre seit diesen grauenvollen Jahren vergangen und in Kirchstetten besteht die hier lebende Bevölkerung zu mehr als 95% aus Folgegenerationen. Man soll zwar nie vergessen und schon gar nicht völlig verdrängen, aber die heutigen Generationen sind sehr wohl der Ansicht, dass die Vergangenheit ruhen soll, da sie ja auch keinerlei Schuld an diesen unwürdigen Geschehnissen haben. Allgemeiner Tenor: Erinnerung ja, aber es muss auch einmal Schluss sein mit Aufarbeitung und Auseinandersetzung.
Wenn es nach Bürgermeister Horsak geht, sollen die Deportation und Ermordung der 80 bis 100 Roma der Gemeinde, deren Schicksal Marika Schmiedt recherchiert hat, also nicht öffentlich thematisiert werden. Er will nicht wahrhaben, dass auch der verschwiegene Völkermord an den Roma zur Vergangenheit seines Heimatortes gehört. Jedenfalls verwahrt sich der Bürgermeister gegenüber der Künstlerin, die Deportationen als „dunkles Kapitel der Ortsgeschichte“ zu titulieren. Dabei war Kirchstetten nicht nur ein zufälliger Schauplatz der nationalsozialistischen Verfolgungspolitik, sondern hatte, wie viele andere Gemeinden auch, durchaus selbst seinen Anteil am schrecklichen Geschehen. Marika Schmiedt schreibt dazu:
In Kirchstetten begann die Erfassungsaktion von Roma und Sinti schon früh, Zeugnis der Verstrickung und Komplizenschaft ist ein vorliegender Akt. Read the rest of this entry »
August 3rd, 2015 |
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Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher
The Color of Smoke: An Epic Novel of the Roma
(Trailer edited by Miklos Solyom (Miklos Films); produced with the support of the Lantos Foundation for Human Rights & Justice)
„Füstös képek“, der bekannteste Roman des ungarischen Schriftstellers Menyhért Lakatos (1926–2007) und eines der bedeutendsten Werke der Roma-Literatur, erscheint in wenigen Tagen nun erstmals auch auf Englisch (New Europe Books). Der 1975 in Ungarn publizierte Roman, der auf Deutsch unter dem Titel „Bitterer Rauch“ bereits seit 1978 vorliegt (Verlag Volk und Welt, Ostberlin), spielt in einer ungarischen Romasiedlung während des Zweiten Weltkrieges bis zur deutschen Besatzung 1944. Aus der Sicht eines jugendlichen Protagonisten thematisiert Lakatos’ Roman – als eines der ersten Werke überhaupt – auch die Zeit des heraufdämmernden Roma-Holocausts in Ungarn.
FOR THE FIRST TIME IN ENGLISH (book pub date: Aug. 11, 2015): A timeless tribute to a marginalized people and the gripping tale of one boy’s journey to manhood—by an author who came of age in a Romani (Gypsy) settlement during World War II
.
August 2nd, 2015 |
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Geschichte & Gedenken
Rede des Holocaustüberlebenden Siegfried Heilig
Ansprache zum 71. Jahrestag der Auflösung des sogenannten „Zigeunerlagers“ im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau am 2. August 1944
Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Freunde, ich möchte zuerst die Überlebenden des Konzentrationslagers Auschwitz und alle anderen Überlebenden begrüßen. Nur wenige haben das Grauen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft überlebt und können heute hier sein. Mein Name ist Siegfried Heilig. Ich wurde 1934 in Magdeburg geboren, wo ich als Kind zusammen mit meinem älteren Bruder die Schule besuchte. Meine Eltern und Großeltern waren selbständige Unternehmer und verdienten unseren Lebenaunterhalt unter anderem mit einem Marionettentheater und einer Schießbude. Ich hatte eine glückliche Kindheit in der Geborgenheit meiner Familie.
Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten und ihrer rassistischen Ideologie änderte sich alles für uns. In der Schule wurden wir immer weiter ausgegrenzt. Die Lehrer setzten uns in die letzte Reihe und unsere Mitschüler beschimpften uns als „Zigeuner“. Es gab auch körperliche Übergriffe durch unsere Mitschüler, vor denen uns unsere Lehrer nicht schützten, da sie uns als „minderwertig“ betrachteten.
In den Morgenstunden des 1. März 1943 wurden alle Sinti und Roma Magdeburgs in einer gemeinsamen Aktion von Gestapo und Polizei verhaftet und mit Lastwagen zum Magdeburger Polizeipräsidium gebracht. Viele Sinti und Roma waren zu diesem Zeitpunkt schon im sogenannten „Zigeunerlager“ am Holzweg interniert. Meine Familie lebte damals nicht in dem Lager. Wir standen mit unseren Wohnwagen in unserem Winterquartier in Magdeburg als die Gestapobeamten mit Hunden in unseren Hof stürmten. Mein Vater, mein Bruder und ich waren zu diesem Zeitpunkt zufällig in einem Packwagen. Dass wir nicht entdeckt wurden, verdankten wir alleine der Geistesgegenwart meiner Großmutter. Read the rest of this entry »
Juli 31st, 2015 |
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Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Veranstaltungen & Ausstellungen
Anlässlich des internationalen Gedenktages des Völkermordes an Roma und Sinti lädt das Romano Centro am Sonntag, den 2. August von 18:00 bis 20:00 Uhr zu einer Gedenkveranstaltung auf dem Ceija-Stojka-Platz im 7. Wiener Gemeindebezirk.
Ando dujto augusto o Romano Centro organizarel jek comemoracija ando Ceija Stojka Platz ando 7. becirko kaj Bech vash le viktima kathar o Romano Samudaripe. Aven te keren patyiv sa le Romenge, kon sas mudardime kathar e Nazi legija. Dikh he na bister!
Im April dieses Jahres wurde der 2. August als „European Roma Holocaust Memorial Day“ vom Europäischen Parlament anerkannt. Vor allem die „Roma Genocide Rememberance Initiative“ – mit Unterstützung zahlreicher Roma-Organisationen aus ganz Europa – spielte eine große Rolle im Kampf für die Anerkennung dieses historischen Tages. Im Jahre 1944 wurden in der sogenannten „Zigeunernacht“ vom 2. auf den 3. August 2.897 Roma – Männer, Frauen und Kinder – in den Gaskammern von Auschwitz-Birkenau ermordet. An diesem Tag erinnern wir uns neben ihnen auch an alle anderen Roma, die während des Zweiten Weltkrieges aus rassischen Motiven verfolgt und ermordet wurden. In den Reden der Nachfahren im Nationalsozialismus verfolgter Roma und Juden stehen persönliche Familiengeschichten sowie Gedenkkultur im Mittelpunkt. Die Besucher haben gegen Ende der Veranstaltung die Möglichkeit, sich im Rahmen eines Gedenkaktes persönlich zu beteiligen. Die Musik steht ebenfalls im Zeichen des Gedenkens.
PROGRAMM: Read the rest of this entry »
Juli 25th, 2015 |
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Geschichte & Gedenken, Kunst & Fotografie, Veranstaltungen & Ausstellungen
Zeitgenössische Reflektionen zum Genozid an den Sinti und Roma
– Ausstellung und Bildungsprogramm
Berlin: Ausstellungseröffnung am Sonntag, den 2. August 2015. 17:00 bis 18:45 Uhr
Kuratiert von Tímea Junghaus und Moritz Pankok mit MANOLO GÓMEZ ROMERO (ES) . DELAINE LE BAS (UK) . VALÉRIE LERAY (F) . TAMARA MOYZES (CZ) . ANDRÉ JENÖ RAATZSCH (DE) . CEIJA STOJKA (AUT) . ALFRED ULLRICH (DE) . KÁLMÁN VÁRADY (DE) . GEORGE VASILESCU (RO) . DAVID WEISS (DE) u.a.
TRANSMITTING TRAUMA? ist eine gemeinsame Initiative von Gallery8 (Budapest) und der Galerie Kai Dikhas (Berlin) als Ausstellungs- und Bildungsprogramm. Die Ausstellung ist symbolisch und physisch an die Erinnerungs-Performance „Phagedo Dschi – Zerrissenes Herz“ und das gemeinsame Gedenken zum 2. August am Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas angebunden. Sie wird von unbekannten Werke des Schwarzen Zyklus der Holocaust-Überlebenden Ceija Stojka (1933-2013) und von einer ausführlichen Archiv-Recherche zur stereotypen Darstellung von Roma und diesbezüglichen Fotografien von Milós Déri begleitet.
Die Ausstellung lädt zeitgenössische Künstler_Innen ein, über die Erinnerung an den Holocaust an den Sinti und Roma zu reflektieren. Die künstlerischen Standpunkte konfrontieren uns mit der Vergangenheit und zeigen Parallelen zu Klischees, des Sündenbock-Seins und Antiziganismus heutiger Tage auf. Darüber hinaus ist das Erzählen der Geschichte durch Angehörige der Minderheit schon an sich ein emanzipatorischer Akt, indem (ihre) Geschichte neu geschrieben wird. Read the rest of this entry »
Juni 30th, 2015 |
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Ehrungen & Nachrufe, Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Jugend & Bildung, Radio, Podcast & TV
Dokumentarfilm „Dui Rroma“ ausgezeichnet
Am 17. Juni wurden im Wappensaal des Wiener Rathauseszum 47. Mal die Fernsehpreise der Erwachsenenbildung übergeben. In der Sparte Dokumentation wurde der auf Okto TV gesendete Dokumentarfilm „Dui Rroma“ ausgezeichnet. Den Preis erhielt die aus Rumänien stammende Iovanca Gaspar. Gaspar arbeitet seit 2005 in der Magistratsabteilung für Integration und Diversität im Schwerpunkt „Roma und Sinti“. Der Preis wurde von Alice Fleischer vom WIFI Österreich überreicht.
„Dui Rroma“ berichtet über die Begegnung zwischen dem Münchner Sinto und Holocaust-Überlebenden Hugo Höllenreiner und dem jungen Wiener Komponisten und Rom Adrian Gaspar. Hugo Höllenreiner verstarb am 10. Juni 2015 in Ingolstadt.
>>„Dui Rroma“ | Okto | 23.05.2015
Juni 24th, 2015 |
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Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Wissenschaft
Martin Holler:
Der nationalsozialistische Völkermord an den Roma in der besetzten Sowjetunion (1941-1944)
Gutachten für das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma (2009)
>>Download (pdf) (6,7 Mb)
Während die Erforschung des NS-Völkermords an den Sinti und Roma im damaligen „Großdeutschen Reich“ große Fortschritte gemacht hat, steht die historische Aufarbeitung der gegen Sinti und Roma gerichteten Vernichtungspolitik in den deutsch besetzten oder mit Hitler-Deutschland verbündeten Staaten noch weitgehend am Anfang. Dies zeigt nicht zuletzt ein Vergleich mit der kaum überschaubaren Zahl an Einzelstudien über die Ermordung der europäischen Juden. So haben Historiker die Quellen sowjetischer Provenienz, die den Genozid an den Roma in der deutsch besetzten Sowjetunion dokumentieren, fast völlig außer Acht gelassen. Das vorliegende Gutachten hat sich zum Ziel gesetzt, diese Forschungslücke zumindest teilweise zu schließen.
(Text: sintiundroma.de)
Mai 16th, 2015 |
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Geschichte & Gedenken, Medien & Presse
Unerzählte Geschichten: Sinti und Roma in Auschwitz-Birkenau
Dieser Tage erinnern sich Sinti und Roma des Aufstands im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau – Gedenken und Forschung sind heute wichtiger denn je.
derStandard.at: Am Abend des 15. auf den 16. Mai 1944 umzingelten mit Maschinengewehren bewaffnete SS-Soldaten das Lager für Sinti- und Roma-Gefangene, das sogenannte „Zigeunerlager“ des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau, mit der Absicht, die nahezu 6.000 Häftlinge zu töten. Doch als die SS-Soldaten das Lager umstellten, um mit dem Abtransport der Inhaftierten zu den Gaskammern zu beginnen, stießen sie auf bewaffneten Widerstand vonseiten der Männer, Frauen und Kinder im Lager. Die Gefangenen hatten von der geplanten „Liquidierung“ gehört und hatten sich Waffen aus Blech und Holz, Rohren, Steinblöcken und anderem Schrottmaterial, was immer sie finden konnten, gemacht.
Nach den Erinnerungen von Überlebenden und Zeugen des Widerstands gaben die SS-Truppen ihren Plan, als sie mit den bewaffneten Häftlingen konfrontiert waren, schnell auf. Durch ihre improvisierten Waffen und koordinierten Anstrengungen schafften die Gefangenen es, die SS-Truppen abzuwehren und den Abtransport zu den Gaskammern zu verhindern. Zwar wurden einige Gefangene dennoch in jener Nacht erschossen, doch durch ihren organisierten Widerstand konnten die Sinti- und Roma-Gefangenen ihre Hinrichtung in den Gaskammern noch um einige Monate verzögern.
Im April stimmte das Europäische Parlament darüber ab, den 2. August als Europäischen Roma-Holocaust-Gedächtnistag anzuerkennen, um „der historischen Tatsache des Völkermords an den Roma während des Zweiten Weltkriegs“ zu gedenken. Read the rest of this entry »
Mai 13th, 2015 |
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Geschichte & Gedenken
Am 16. Mai jährt sich der Auftakt zur Deportation und Ermordung tausender Sinti und Roma von Hamburg aus zum 75. Mal. Am Lohseplatz in der Hamburger HafenCity finden aus diesem Anlass eine Gedenkveranstaltung und Kranzniederlegung statt.
Hamburger Wochenblatt: (…) Hamburgs Erster Bürgermeister, Olaf Scholz, wird einen Kranz niederlegen an der Gedenkstätte für die Hamburger Sinti und Roma, deren Verhaftungen am 16. Mai 1940 zwischen fünf und sechs Uhr morgens in verschiedenen Städten Norddeutschlands begannen. Wie eine Ware „verbracht“ in einen Fruchtschuppen im Freihafen, wo die „Zigeuner“ gesammelt wurden zum Transport am 20. Mai vom damaligen Hannoverschen Bahnhof ins Vernichtungslager Bełżec im heutigen Polen. 1.500 insgesamt. Zwei weitere Deportationen folgten 1943 und 1944, nach Auschwitz.
Keiner der Verantwortlichen wurde jemals von deutschen Behörden zur Rechenschaft gezogen. (…) Nur zwei kleine Hamburger Sinti-Familien hatten das Nazi-Reich überlebt, doch sie wurden zwangsweise sterilisiert und konnten keine Nachkommen haben. Alles, was in den 70er-Jahren zuwanderte, waren Flüchtlinge aus Polen. Wie die Familie von Rudko Kawczynski, Vorstandsvorsitzender der „Rom und Cinti Union e.V.“ (RCU). Sie ist die zentrale Anlaufstelle der Gemeinschaft der Roma und Sinti in Hamburg. (…)
Alljährlich am 16. Mai erinnern die Rom und Cinti Union und neue Hamburger Interessengruppen an die Deportationen von Sinti und Roma aus Deutschland. (…) Jahrzehntelang habe sich, so Kawczynski, niemand vom Hamburger Senat um die Gedenkfeier geschert. Bis im vergangenen Jahr Innensenator Michael Neumann die Initiative ergriffen habe. Read the rest of this entry »
April 27th, 2015 |
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Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft
Roma sam
Radijo Burgenland: 27.4.2015 (on demand)
Ando 1. 10. 1941 o Himmler i deportcija le 5.000 Romendar & Sintijendar andar i Austrija ando gheto Litzmannstadt (Łódź) kertscha. O gemajntscha loj na pekamle buter ar te del taj tschak odolen pal likerde, save lenge nucinipe anahi. Butvar o Burgenland-Roma resle sina. Maschkar o 4to taj 8to novemberi sako di jek srastuni 1.000 opferenca ladlahi. Korkore andar Lackenbach 2.000 ledschim ule (buteder: Łódź).
„Porajmos“ o akaripe le Romendar taj Sintijendar le murdaripeske duach o nacijonalsocijalistscha hi. Eseri burgenlanditike Roma tradim taj murdarde ule. Tschak valami 10 procenti le burgenlanditike Romendar o nacijengero bibstalo rajipe prik dschivde, odola save prik dschivde taj kher ale butvar sorale traumatisirim sina. Jek khetanipeskero upre butschalinipe le kojendar, so terdschivde, na ulo kerdo, o opfertscha dur ando pobisteripe atschine taj meg dugi cajt paloda ojs opfertscha la dujta klastar tel dikle le ule. But dschene le avre generacijendar tschak tschule pedar o koji, so lengere daja taj dada taj lengere babi taj papi terdschivde, schunde. Saj koji le phukajipe vaj le na phukaripe hi, palal phutschlo ulo. Buteder peda schunen tumen andi sendung „Roma sam“ upro Radijo Burgenland.
(volksgruppen.orf.at)
April 26th, 2015 |
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Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft
Roma sam
Radio Burgenland: 27.4.2015 (on demand)
Am 1. 10. 1941 ordnete Himmler die Deportation von 5.000 Roma und Sinti aus Österreich in das Ghetto von Litzmannstadt (Łódź) an. Die Gemeinden wollten Fürsorgekosten einsparen und nur jene Roma wurden behalten, die nutzbringend eingesetzt werden konnten. Betroffen waren fast nur Burgenland-Roma. Zwischen dem 4. und 8. November fuhr täglich ein Zug mit 1.000 Opfern. Allein aus Lackenbach wurden 2.000 deportiert (mehr hier: Infotext: Die Łódź-Deportationen 1941).
„Porajmos“, das „Verschlingen“, ist eine Bezeichnung der Roma und Sinti für die Massenvernichtung durch die Nationalsozialisten. Tausende Burgenland-Roma wurden verfolgt und ermordet. Nur ca. 10% der Burgenland-Roma überlebten die Nazi-Schreckensherrschaft, die überlebenden Heimkehrer waren meist stark traumatisiert. Eine gesellschaftliche Aufarbeitung des Erlebten fand nicht statt, die Opfer blieben lange im Vergessenen und wurden noch lange als Opfer zweiter Klasse abgestempelt. Viele Angehörige der nachfolgenden Generationen erfuhren nur wenig über das Schicksal ihrer Eltern und Großeltern. Welche Folgen das Erzählen oder das Schweigen hat, wurde bei einem Symposium der Volkshochschule der Burgenländischen Roma zum Internationalen Roma-Tag im Offenen Haus Oberwart hinterfragt. Mehr darüber in der Sendung „Roma sam“ auf Radio Burgenland.
(volksgruppen.orf.at)
April 16th, 2015 |
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Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV, Veranstaltungen & Ausstellungen
Roma sam
Radijo Burgenland: 13.4.2015 (on demand)
Auf den Spuren der Vergangenheit
O historischi phagipe le holocaustistar igen hor ando gondo le tschulipestar and pe hantscha taj meg te avre generaciji preginla. Le artschijipeha „Upro jomi odolestar, so imar sina“ andi HBLA Erba, i historija la flogoskera grupnatar le Romendar ande mindenfelitike kipi, scentscha taj simboltscha, sikadi ol. Uso temtscha „Holocaust“ taj o „Erbakero bombakero atentato“ desch schtacijontscha kerde ule. O imar prindschardo Rom taj kinstleri Julius Horvath pre kipenca adala bibastale keriptscha uso ardschumipe anel. Leske barikano hi, hot o manuscha adale temtschenca donde pumen bescharen. Jek avro utschipeskero gendo ando artschijipe hi o dschivipeskere historiji le burgenlanditike Romendar. Aja jekoschni taj vodschikani dokumentacija „Mri Historija“ – „Meine Geschichte“, savi le farajnistar Roma-Service kerdi ulio, upre jek pobistero falato la khetana austritika historijatar prik dchivde dschenendar sikal taj te jek nevo gondo ar dschuminel, savo o tschatschipe upro aunprindscharipe mangel.
Der historische Bruch des Holocaust hat sich tief in das kollektive Gedächtnis der roma-Minderheit eingegraben und wird auch noch künftige Generationen prägen. Mit der Ausstellung „Auf den Spuren der Vergangenheit“ (Anm. d. dROMa-Red.: Ausstellung des Vereins Karika) in den Räumlichkeiten der HBLA Oberwart wird die Geschichte der Volksgruppe der Roma in verschiedenen Fotos, Szenen und Symbolen dargestellt. Zu den Themen „Holocaust“ und „Bombenattentat von Oberwart“, wurden zehn Stationen gestaltet. Mit Fotos bringt der mittlerweile bekannte Fotokünstler und Rom Julius Horvath diese Verbrechen zum Ausdruck. Ihm ist es wichtig, dass sich die Menschheit mit diesen Themen auseinandersetzt. Ein weiter Höhepunkt in der Ausstellung sind die Lebensgeschichten der burgenländischen Roma. Diese einzigartige, berührende Dokumentation „Mri Historija“ – „Meine Geschichte“, welche vom Verein Roma-Service produziert wurde, verweist auf einen vergessenen Teil der gemeinsamen österreichischen Geschichte überlebender Zeitzeugen und drückt auch ein neues Selbstbewusstsein aus, das das Recht auf Anerkennung offen einfordert.
(volksgruppen.orf.at & volksgruppen.orf.at)
April 13th, 2015 |
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Geschichte & Gedenken, Politik
Norwegens Premierministerin Erna Solberg bat die Roma des Landes vergangene Woche aus Anlass des Internationalen Tags der Roma um Verzeihung für die Behandlung, die der Minderheit vor und nach der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg zuteil wurde: „Im Namen der norwegischen Regierung entschuldige ich mich bei den Roma Norwegens. Ich bedauere die rassistische Ausgrenzungspolitik, die in den zehn Jahren vor und in den zehn Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg durchgeführt wurde. Und ich bedauere die fatalen Konsequenzen, die diese Politik während des Holocausts hatte.“
Solberg stellte den Roma Entschädigungszahlungen in Aussicht. Damit reagierte die konservative Regierungschefin auf jahrzehntelange Forderungen der zahlenmäßig sehr kleinen Volksgruppe (Schätzungen zufolge etwa 500 Personen). „Es ist Zeit für eine moralische Aufarbeitung dieses dunklen Teils unserer Geschichte. Der Staat stellt sich seiner Verantwortung für die Fehler, die gemacht wurden, und für das Unrecht, das norwegischen Roma angetan wurde“, so Stolberg.
Hintergrund dieses Schrittes ist ein von der Regierung in Auftrag gegebener Historikerbericht, der seit Februar vorliegt. Darin wird ausgeführt, wie norwegischen Roma in den 1930er Jahren nach Auslandsaufenthalten die Wiedereinreise in ihr Heimatland verweigert wurde. Der Bericht des „Zentrums zur Erforschung des Holocausts und religiöser Minderheiten“ nennt 32 Namen von Personen, die infolgedessen in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten umkamen. Auch nach der Befreiung wurde Überlebenden des Roma-Holocausts jahrelang die Rückkehr nach Norwegen verweigert. Das 1927 verabschiedete Gesetz, das es den Behörden ermöglichte, „Zigeunern“ die Einreise nach Norwegen zu verbieten, blieb bis 1956 in Kraft.
(dROMa)
April 12th, 2015 |
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Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV
Nackt unter Wölfen – Zentralrat Deutscher Sinti und Roma erhebt schwere Vorwürfe gegen die ARD: Das Schicksal des Sinto Willy Blum, der an Stelle von Stefan Jerzy Zweig in das Vernichtungslager Auschwitz geschickt wurde, bleibt beim ARD-Themenabend systematisch verschwiegen.
Presseaussendung: Das Schicksal von Stefan Jerzy Zweig, das von UFA-Geschäftsführer Hofmann für die ARD in der Neuverfilmung von „Nackt unter Wölfen“ (MDR-Mediathek, ab 20 Uhr) gezeigt wird, ist untrennbar mit dem Schicksal von Willy Blum verbunden. Willy Blum war der 16-jährige Sintojunge, der gegen den damals dreijährigen Stefan ausgetauscht wurde, als ein Transport von Juden vom Konzentrationslager Buchenwald für das Vernichtungslager Auschwitz zusammengestellt wurde.
Gerade das Schicksal dieser beiden Kinder, Stefan Jerzy Zweig und Willy Blum, zeigt, daß es innerhalb des unmenschlichen Lagersystems der Nazis und der SS es keine Rettung gab, daß oft für jeden Menschen, der überleben konnte, ein anderer Mensch sterben mußte. An dieser ausweglosen Situation litten und leiden bis heute die Überlebenden – im Gegensatz zu den Tätern der SS und der Wachmannschaften.
Als deshalb völlig unbegreiflich bezeichnet es der Vorsitzende des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, daß sowohl die Neuverfilmung als auch die anschließende Dokumentation über das Lager Buchenwald trotz der genauen Kenntnis der historischen Wahrheit das Schicksal von Willy Blum komplett verschweigen. Es sei unglaublich, daß trotz einer Riege von historischen Fachberatern die ARD im gesamten Themenabend weder Willy Blum noch die tausende Sinti und Roma, die Häftlinge im Konzentrationslager Buchenwald waren, nicht ein einziges Mal erwähnt werden. In allen großen deutschen Medien, von Zeit und Spiegel bis zur FAZ wurde darauf hingewiesen, daß Willy Blum an Stelle des jüdischen Jungen Stefan auf die Todesliste für Auschwitz gesetzt worden war.
Dies wiegt um so schwerer, als der Film durch seine para-dokumentarische Darstellung, die Einblendung von historischen Filmaufnahmen aus dem Lager und der Darstellung des Kriegsgeschehens, den Anschein von historischer Objektivität erwecken will. Tatsächlich aber wird, mehr noch in der nachfolgenden Dokumentation über das Lager Buchenwald, die historische Wahrheit manipuliert, indem das Schicksal von Willy Blum und damit generell der Völkermord an Sinti und Roma systematisch und bewußt verschwiegen wird.
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April 3rd, 2015 |
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Facts & Figures, Geschichte & Gedenken
Das NS-„Zigeunerlager“ Berlin-Marzahn wurde erst 2001 auf Bundesebene als „entschädigungswürdiger“ Haftort anerkannt.
(Quelle)
März 30th, 2015 |
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Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Wissenschaft
Patricia Pientka: Das Zwangslager für Sinti und Roma in Berlin-Marzahn. Alltag, Verfolgung und Deportation, Metropol: Berlin 2013. ISBN 978-3-86331-159-9
Rezension von Tobias von Borcke, erschienen in: H-Soz-Kult, 2.7.2014:
Die bisherigen Arbeiten über die Geschichte des Zwangslagers Berlin-Marzahn, in dem zwischen 1936 und 1945 insgesamt mindestens 1000 als „Zigeuner“ kategorisierte Männer, Frauen und Kinder inhaftiert waren, trugen deutliche Spuren der Auseinandersetzungen um die gesellschaftliche Anerkennung der NS-Verbrechen gegen Roma und Sinti und um ein würdiges Gedenken. Auch der nun vorliegenden Studie der Berliner Historikerin Patricia Pientka geht es um mehr als akademische Wissensproduktion zum Selbstzweck, so spricht sie sich etwa für eine Erneuerung der Erinnerungskultur an das Lager Marzahn aus. Der größere zeitliche Abstand zu den Ereignissen und die Tatsache, dass es wohl zumindest in Fachkreisen nicht mehr nötig sein dürfte, über den Unrechtscharakter und die rassistische Qualität der Verfolgung von Sinti und Roma in der NS-Zeit ernstlich zu streiten, mögen allerdings dazu beigetragen haben, dass nun eine so umfangreiche, differenzierte und gründliche Arbeit über die Vorgänge und das Leben im Marzahner Lager entstanden ist.
(…) Neben einer differenzierten Analyse der unterschiedlichen Formen von Gewalt, die im Zwangslager gegen die dort Inhaftierten ausgeübt wurden, gelingt es ihr, die von diesen Zwangsmaßnahmen Betroffenen nicht als bloße Opfer darzustellen, sondern als Individuen, die im Rahmen des für sie Möglichen widerständige Strategien gesucht und teils auch gefunden haben. (…)
Lesen Sie bitte die hier nur in einem Auszug wiedergegebene Rezension von Tobias von Borcke, Humboldt-Universität zu Berlin, in voller Länge auf H-Soz-Kult.
März 27th, 2015 |
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Dokumente & Berichte, Fundstücke, Geschichte & Gedenken, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Nur jeder zehnte österreichische Rom erlebte 1945 die Befreiung vom NS-Regime. Die wenigen, die aus den Konzentrationslagern zurückkehrten, fanden zerstörte Siedlungen vor. Wie Österreichs Behörden mit den KZ-Überlebenden umgingen, illustriert ein Erlass aus dem Jahr 1948. Nur drei Jahre nach der Befreiung, am 20. September 1948, verfügte das von Oskar Helmer (SPÖ), einem Burgenländer, geführte Innenministerium Folgendes (Dokument aus der Ausstellung „Romane Thana“, noch zu sehen bis 17. Mai 2015 im „Wien Museum“):
„Dem ho. Amte ist zur Kenntnis gelangt, dass das Zigeunerunwesen in einigen Gegenden (…) wieder im Zunehmen begriffen ist und sich bereits unangenehm bemerkbar macht. Um auf die Bevölkerung Eindruck zu machen, sollen sich Zigeuner oftmals als KZ-ler ausgeben. Soweit (…) die Möglichkeit einer Ausserlandschaffung gegeben erscheint, wäre gegen lästige Zigeuner mit der Erlassung eines Aufenthaltsverbotes vorzugehen und ihre Ausserlandschaffung durchzuführen.“
(dROMA-Red. | via @bweidin)
Siehe auch: Nachkriegsjustiz: das Schandurteil von 1956
März 25th, 2015 |
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Geschichte & Gedenken, Kunst & Fotografie, Veranstaltungen & Ausstellungen
Sie überlebte im Nationalsozialismus mehrere KZs. Ceija Stojka erzählte als eine der Ersten von dem Leid und benutzt ihre Kunst als Waffe der Emanzipation.
taz.de: (…) In schwarzen Tuschezeichnungen, Gouachen, bunten Gemälden und Gedichten verarbeitete die österreichische Künstlerin, was sie als Kind erlebte und überlebte: Auschwitz, Ravensbrück, Bergen-Belsen. Erst Ende der achtziger Jahre fing die Autodidaktin an zu malen, da war die Zeit gekommen auszukotzen, was sie hatte fressen müssen. Auch nach ihrer Befreiung noch, denn als Romni betrog sie die Gesellschaft um ihre moralische Anerkennung als Opfer der Nationalsozialisten. Heute gehört die 2013 verstorbene Stojka zu den bekanntesten Roma-Künstlerinnen. Vergangenen Sommer holten die Kuratoren Lith Bahlmann und Matthias Reichelt ihre Arbeiten nach Berlin, dann waren sie in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück zu sehen. Jetzt zeigt der Heidelberger Kunstverein sie. Stojkas herausragende künstlerische Position ist auch deswegen so wichtig, weil sie als eine der Ersten von dem Leid erzählte, das Sinti und Roma im „Dritten Reich“ widerfuhr. (…)
Die Kunst sei über Jahrhunderte hinweg ein wichtiges Medium der Tradierung der Feind- und Zerrbilder vom sogenannten „Zigeuner“ gewesen, sagte Romani Rose zur Eröffnung der Heidelberger Ausstellung. (…) Kunst könne aber auch eine Waffe der politischen Emanzipation und der Selbstbefreiung sein. (…) Read the rest of this entry »