Geschichte & Gedenken

„Zigeuner logeri“ Auschwitz

August 23rd, 2015  |  Published in Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV

Radio Roma samRoma sam
Radijo Burgenland:
17.8.2015 | (on demand)


Auschwitz 2015 (Foto: Stowarzyszenie Romów w Polsce)Uso berscheskero di le upre putrinipestar le afka akarede „Zigeuner lo­ge­ristar“ ande Auschwitz-Bir­kenau, andi cili Euro­pa upro flogos­kero murda­ripe gejng o Sinti taj Roma gondo­lim ulo. Ando 2to august 1944 o lejcti dsche­ne le „Zigeuner loge­ristar“, valami 3.000 manu­scha, mur­darde ule.

O Romani Rose (angle beschto le centrali rotis­tar le nimtschke Sin­ti­jen­dar taj Romen­dar) taj o erscht 20-ber­schen­gero Silas Kropf (dujto angle beschto le faraj­nistar Amaro Drom e.V.) upro gon­do­li­nipes­kero di pedar o bari­ka­nipe la histo­ri­jatar, pedar o dschi­vi­pes­kero them le terne Sintijen­dar taj Romen­dar andi Germanija taj pedar i aktujeli naschi­ge­ja­schen­geri de­bata, vakeren.

Dikhen amen! Seht uns!

Afka jek projekto le terne Sintijenge taj Romenge andi Germa­nija butschol. Ada pro­jekto le terne dsche­nen­ge te pomo­schi­nel, kaj on aun­prin­dscha­ripe taj glajchi terdscho­jipe ando nimtschko khe­tanipe te uschtiden. Read the rest of this entry »

„Erzählungen vom Unrecht“

August 22nd, 2015  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Interview, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

Zeitzeuge Cvetko Mirković, Überlebender des KZ Sajmiste (Filmstill aus Video 1)Max Mannheimer Studienzentrum Dachau: Kurzfilme der Jugendbegegnung „Erzählungen vom Unrecht/Stories of Injustice“ online

→Video 1 | →Video 2 | →Video 3 | →Video 4

Unter dem Projekttitel „Erzählungen vom Unrecht / Stories of Injustice“ haben sich 20 Jugend­li­che aus dem Raum Dachau / München und aus Serbien 2012/2013 über neun Mona­te hin­weg inten­siv mit der Ge­schichte und Gegen­wart von Sinti und Roma in Deutschland und Serbien auseinan­der­ge­setzt. Es wur­de dabei die national­sozia­lis­ti­sche Ver­fol­gung von Sinti und Roma ebenso thema­ti­siert wie die bis heute anhal­ten­de Diskri­mi­nie­rung. Die Gruppe beschäf­tigte sich bei­spiels­weise mit dem Kampf der Sinti und Roma um Anerkennung als Opfer des Natio­nal­sozia­lis­mus und mit der Bürger­rechts­bewe­gung ab den 1980er Jahren. Auch die aktuel­le Situa­tion in Deutsch­land und in Ser­bien war Thema.

Im Rahmen des Projektes wurden von den Jugendlichen neun Inter­views mit Über­lebenden der natio­nal­sozia­lis­ti­schen Ver­fol­gung und de­ren Angehö­ri­gen geführt. Diese Inter­views bilde­ten die Grund­lage für vier jetzt auch online ver­füg­bare kurze Filme, in denen die Erfah­run­gen aus beiden Län­dern zu­sam­men­geführt wurden und in denen Sinti und Roma aus Deutsch­land und Ser­bien ein­drucks­voll Zeugnis von der Geschichte seit 1933 ab­legen.

(Text: mmsz-dachau.de)

Kirchstetten vereitelt Roma-Gedenkprojekt

August 9th, 2015  |  Published in Geschichte & Gedenken, Kunst & Fotografie, Politik

Gemeindeamt Kirchstetten (Foto: NÖN)Das dunkle Kapitel der Ortsgeschichte: Futschikato – Die ver­schwun­de­nen Roma und Sinti aus Kirch­stet­ten und der „Fall Weinheber“

Die österreichische Künstlerin Marika Schmiedt befasst sich – nicht zuletzt auf­grund ihrer eigenen Familien­ge­schichte – im­mer wieder mit der Ver­folgung der Roma. »Futschikato – Die ver­schwun­de­nen Roma und Sinti aus Kirch­stetten und der „Fall Wein­heber“« heißt ihr jüngs­tes Gedenk­projekt, das den Umgang mit der Ver­gan­gen­heit in der nieder­öster­rei­chi­schen Markt­gemeinde Kirchstetten unter die Lupe nimmt. Ange­kün­digt war die Prä­sen­ta­tion bereits für Septem­ber. Doch der Bürgermeister der klei­nen Ge­meinde legt sich nun quer: „Es wird leider nicht möglich sein, diese Kunst­installation so zu ver­wirk­li­chen“, teilte Paul Horsak (ÖVP) der Künstle­rin am 5. August mit; er werde die Geneh­mi­gung für die Instal­la­tion nicht er­tei­len. Seine Begrün­dung, die die Künst­le­rin auf ihrer Web­site ver­öffent­licht hat, liest sich wie ein Echo aus längst über­wun­den geglaub­ten Jahr­zehnten:

Es sind nun aber doch schon 70 Jahre seit diesen grauen­vollen Jahren ver­gangen und in Kirch­stetten besteht die hier lebende Bevöl­ke­rung zu mehr als 95% aus Folge­genera­tionen. Man soll zwar nie ver­gessen und schon gar nicht völlig ver­drängen, aber die heuti­gen Genera­tio­nen sind sehr wohl der Ansicht, dass die Ver­gangen­heit ruhen soll, da sie ja auch keiner­lei Schuld an diesen unwür­digen Gescheh­nis­sen haben. All­gemei­ner Tenor: Erin­nerung ja, aber es muss auch einmal Schluss sein mit Auf­arbei­tung und Auseinan­der­setzung.

Wenn es nach Bürgermeister Horsak geht, sollen die Deportation und Ermor­dung der 80 bis 100 Roma der Gemeinde, deren Schick­sal Marika Schmiedt recher­chiert hat, also nicht öffent­lich thema­ti­siert werden. Er will nicht wahr­haben, dass auch der ver­schwie­gene Völker­mord an den Roma zur Ver­gangen­heit seines Heimat­ortes gehört. Jeden­falls ver­wahrt sich der Bürger­meister gegen­über der Künstlerin, die Depor­tatio­nen als „dunkles Kapitel der Orts­geschichte“ zu titu­lieren. Dabei war Kirchstetten nicht nur ein zufäl­liger Schau­platz der national­sozia­lis­ti­schen Ver­folgungs­politik, son­dern hatte, wie viele andere Gemein­den auch, durch­aus selbst seinen Anteil am schreck­lichen Gesche­hen. Marika Schmiedt schreibt dazu:

In Kirchstetten begann die Erfas­sungs­aktion von Roma und Sinti schon früh, Zeugnis der Ver­strickung und Komplizen­schaft ist ein vor­lie­gen­der Akt. Read the rest of this entry »

The Color of Smoke (Menyhért Lakatos)

August 3rd, 2015  |  Published in Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher

The Color of Smoke: An Epic Novel of the Roma
(
Trailer edited by Miklos Solyom (Miklos Films); produced with the support of the Lantos Foundation for Human Rights & Justice)

Füstös képek“, der bekannteste Roman des ungarischen Schriftstellers Menyhért Lakatos (1926–2007) und eines der bedeutendsten Werke der Roma-Literatur, erscheint in wenigen Tagen nun erstmals auch auf Englisch (New Europe Books). Der 1975 in Ungarn publizierte Roman, der auf Deutsch unter dem Titel „Bitterer Rauch“ bereits seit 1978 vorliegt (Verlag Volk und Welt, Ostberlin), spielt in einer ungarischen Romasiedlung während des Zweiten Weltkrieges bis zur deutschen Besatzung 1944. Aus der Sicht eines jugendlichen Protagonisten thematisiert Lakatos’ Roman – als eines der ersten Werke überhaupt – auch die Zeit des heraufdämmernden Roma-Holocausts in Ungarn.

FOR THE FIRST TIME IN ENGLISH (book pub date: Aug. 11, 2015): A timeless tribute to a marginalized people and the gripping tale of one boy’s journey to manhood—by an author who came of age in a Romani (Gypsy) settlement during World War II

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„Es liegt an der Jugend von heute“

August 2nd, 2015  |  Published in Geschichte & Gedenken

Der Zeitzeuge und Sinto Siegfried Heilig bei einer Gedenkveranstaltung in Magdeburg (Foto: uweloos.de)Rede des Holocaustüberleben­den Siegfried Heilig


Ansprache zum 71. Jahrestag der Auf­lö­sung des so­ge­nann­ten „Zigeuner­lagers“ im Ver­nich­tungs­lager Auschwitz-Bir­ke­nau am 2. Au­gust 1944

Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Freunde, ich möchte zu­erst die Überlebenden des Kon­zentra­tions­lagers Auschwitz und alle ande­ren Über­leben­den be­grüßen. Nur wenige haben das Grauen der national­sozia­lis­ti­schen Gewalt­herr­schaft über­lebt und kön­nen heute hier sein. Mein Name ist Sieg­fried Heilig. Ich wurde 1934 in Magdeburg ge­bo­ren, wo ich als Kind zusam­men mit meinem älte­ren Bruder die Schule besuchte. Meine Eltern und Groß­eltern waren selbstän­dige Unter­neh­mer und ver­dien­ten unseren Lebena­unte­rhalt unter anderem mit einem Mario­net­ten­theater und einer Schieß­bude. Ich hatte eine glück­liche Kindheit in der Gebor­gen­heit meiner Familie.

Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten und ihrer ras­sis­ti­schen Ideologie änderte sich alles für uns. In der Schule wurden wir immer weiter aus­ge­grenzt. Die Lehrer setzten uns in die letzte Reihe und unsere Mit­schüler be­schimpf­ten uns als „Zigeuner“. Es gab auch körper­liche Übergriffe durch unsere Mit­schüler, vor denen uns unsere Lehrer nicht schützten, da sie uns als „minder­wertig“ betrach­teten.

In den Morgenstunden des 1. März 1943 wurden alle Sinti und Roma Magdeburgs in einer gemein­sa­men Aktion von Gestapo und Polizei ver­haftet und mit Last­wagen zum Mag­de­bur­ger Polizei­prä­si­dium ge­bracht. Viele Sinti und Roma waren zu diesem Zeit­punkt schon im so­ge­nannten „Zigeuner­lager“ am Holzweg inter­niert. Meine Familie lebte damals nicht in dem Lager. Wir stan­den mit unse­ren Wohnwagen in un­serem Winter­quartier in Magde­burg als die Gestapo­beamten mit Hunden in unseren Hof stürmten. Mein Vater, mein Bruder und ich waren zu diesem Zeitpunkt zufällig in einem Packwagen. Dass wir nicht entdeckt wurden, verdankten wir alleine der Geistes­gegen­wart meiner Groß­mutter. Read the rest of this entry »

Wien: Gedenkfeier am Ceija-Stojka-Platz

Juli 31st, 2015  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Veranstaltungen & Ausstellungen

Dikh he na bister! - Schau und vergiss nicht!Anlässlich des internationalen Gedenktages des Völkermordes an Roma und Sinti lädt das Romano Centro am Sonn­tag, den 2. August von 18:00 bis 20:00 Uhr zu einer Ge­denk­ver­anstal­tung auf dem Ceija-Stojka-Platz im 7. Wiener Ge­mein­de­bezirk.

Ando dujto augusto o Romano Centro orga­ni­za­rel jek come­mo­ra­cija ando Ceija Stojka Platz ando 7. becirko kaj Bech vash le viktima kathar o Romano Samudaripe. Aven te keren patyiv sa le Romen­ge, kon sas mudar­di­me kathar e Nazi legija. Dikh he na bister!

Im April dieses Jahres wurde der 2. August als „European Roma Holocaust Memorial Day“ vom Euro­päi­schen Par­la­ment an­er­kannt. Vor allem die „Roma Genocide Remem­be­rance Ini­tia­tive“ – mit Unter­stüt­zung zahl­reicher Roma-Orga­ni­sa­tio­nen aus ganz Europa – spielte eine große Rolle im Kampf für die An­er­ken­nung dieses his­to­ri­schen Tages. Im Jahre 1944 wur­den in der so­ge­nann­ten „Zigeunernacht“ vom 2. auf den 3. August 2.897 Roma – Männer, Frauen und Kinder – in den Gas­kammern von Auschwitz-Bir­kenau er­mor­det. An diesem Tag erin­nern wir uns neben ihnen auch an alle ande­ren Roma, die wäh­rend des Zwei­ten Welt­krieges aus rassi­schen Motiven ver­folgt und er­mor­det wur­den. In den Reden der Nach­fahren im Natio­nal­sozia­lis­mus ver­folgter Roma und Juden stehen per­sön­liche Familien­ge­schich­ten sowie Gedenk­kultur im Mit­tel­punkt. Die Besu­cher haben gegen Ende der Ver­anstal­tung die Mög­lich­keit, sich im Rahmen eines Gedenk­aktes per­sön­lich zu betei­li­gen. Die Musik steht eben­falls im Zei­chen des Gedenkens.

PROGRAMM: Read the rest of this entry »

Ausstellung „Transmitting Trauma?“

Juli 25th, 2015  |  Published in Geschichte & Gedenken, Kunst & Fotografie, Veranstaltungen & Ausstellungen

Raatzsch (Ausschnitt)Zeitgenössische Reflektionen zum Genozid an den Sinti und Roma
 – Aus­stel­lung und Bil­dungs­programm

Berlin: Ausstellungseröffnung am Sonntag, den 2. August 2015. 17:00 bis 18:45 Uhr

Kuratiert von Tímea Junghaus und Moritz Pankok mit MANOLO GÓMEZ ROMERO (ES) .  DELAINE LE BAS (UK) . VALÉRIE LERAY (F) . TAMARA MOYZES (CZ) . ANDRÉ JENÖ RAATZSCH (DE) . CEIJA STOJKA (AUT) . ALFRED ULLRICH (DE) . KÁLMÁN VÁRADY (DE) . GEORGE VASILESCU (RO) . DAVID WEISS (DE) u.a.

TRANSMITTING TRAUMA? ist eine gemeinsame Initiative von Gallery8 (Budapest) und der Galerie Kai Dikhas (Berlin) als Aus­stel­lungs- und Bildungs­programm. Die Aus­stellung ist sym­bo­lisch und physisch an die Erin­ne­rungs-Per­formance „Phagedo Dschi – Zerrissenes Herz“ und das gemein­same Gedenken zum 2. August am Denk­mal für die im National­sozia­lis­mus ermor­de­ten Sinti und Roma Europas ange­bun­den. Sie wird von unbe­kann­ten Werke des Schwarzen Zyklus der Holocaust-Über­leben­den Ceija Stojka (1933-2013) und von einer aus­führ­li­chen Archiv-Re­cherche zur stereo­typen Dar­stel­lung von Roma und dies­bezüg­li­chen Foto­gra­fien von Milós Déri be­gleitet.

Die Ausstellung lädt zeitgenössische Künstler_Innen ein, über die Erin­ne­rung an den Holocaust an den Sinti und Roma zu reflek­tie­ren. Die künst­le­ri­schen Stand­punkte konfron­tieren uns mit der Ver­gan­gen­heit und zeigen Paral­le­len zu Kli­schees, des Sünden­bock-Seins und Anti­ziga­nis­mus heu­tiger Tage auf. Darüber hinaus ist das Erzäh­len der Geschichte durch An­ge­hö­rige der Minder­heit schon an sich ein eman­zi­pa­to­ri­scher Akt, indem (ihre) Geschichte neu geschrie­ben wird. Read the rest of this entry »

Fernsehpreis für „Dui Rroma“

Juni 30th, 2015  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Jugend & Bildung, Radio, Podcast & TV

Adrian Gaspar, Hugo Höllenreiner und Iovanca Gaspar (Foto: volksgruppen.orf.at)Dokumentarfilm „Dui Rroma“ ausgezeichnet

Am 17. Juni wurden im Wappensaal des Wiener Rathauseszum 47. Mal die Fernsehpreise der Erwachsenenbildung übergeben. In der Sparte Dokumentation wurde der auf Okto TV gesendete Dokumentarfilm „Dui Rroma“ ausgezeichnet. Den Preis erhielt die aus Rumänien stammende Iovanca Gaspar. Gaspar arbeitet seit 2005 in der Magistratsabteilung für Integration und Diversität im Schwerpunkt „Roma und Sinti“. Der Preis wurde von Alice Fleischer vom WIFI Österreich überreicht.

„Dui Rroma“ berichtet über die Begegnung zwischen dem Münchner Sinto und Holocaust-Überlebenden Hugo Höllenreiner und dem jungen Wiener Komponisten und Rom Adrian Gaspar. Hugo Höllenreiner verstarb am 10. Juni 2015 in Ingolstadt.

>>„Dui Rroma“ | Okto | 23.05.2015

Gutachten zum NS-Genozid an Roma (2009)

Juni 24th, 2015  |  Published in Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Wissenschaft

Gutachten zum NS-Völkermord an Roma in der besetzten SowjetunionMartin Holler:
Der nationalsozialistische Völkermord an den Roma in der besetzten Sowjetunion (1941-1944)

Gutachten für das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma (2009)

>>Download (pdf) (6,7 Mb)

Während die Erforschung des NS-Völkermords an den Sinti und Roma im dama­ligen „Groß­deutschen Reich“ große Fort­schritte gemacht hat, steht die historische Auf­arbei­tung der gegen Sinti und Roma gerich­te­ten Ver­nich­tungs­politik in den deutsch besetzten oder mit Hitler-Deutschland verbün­de­ten Staaten noch weit­gehend am Anfang. Dies zeigt nicht zuletzt ein Ver­gleich mit der kaum über­schau­baren Zahl an Einzel­stu­dien über die Ermor­dung der euro­päi­schen Juden. So haben Historiker die Quellen sowjetischer Pro­venienz, die den Genozid an den Roma in der deutsch besetz­ten Sowjet­union doku­men­tieren, fast völlig außer Acht ge­lassen. Das vor­liegende Gut­achten hat sich zum Ziel gesetzt, diese Forschungslücke zumin­dest teil­weise zu schließen.

(Text: sintiundroma.de)

Unerzählte Geschichten: 16. Mai 1944

Mai 16th, 2015  |  Published in Geschichte & Gedenken, Medien & Presse

Romani Resistance: Widerstand im "Zigeunerlager" Auschwitz-Birkenau (16. Mai 1944)Unerzählte Geschichten: Sinti und Roma in Auschwitz-Birkenau


Dieser Tage erinnern sich Sinti und Roma des Aufstands im Konzentra­tions­lager Auschwitz-Birkenau – Geden­ken und For­schung sind heu­te wich­ti­ger denn je.

derStandard.at: Am Abend des 15. auf den 16. Mai 1944 umzingel­ten mit Maschi­nen­gewehren bewaff­nete SS-Soldaten das Lager für Sinti- und Roma-Gefan­gene, das soge­nannte „Zigeunerlager“ des Kon­zentra­tions­lagers Auschwitz-Bir­ke­nau, mit der Ab­sicht, die nahezu 6.000 Häft­linge zu töten. Doch als die SS-Sol­daten das Lager um­stell­ten, um mit dem Abtrans­port der Inhaf­tier­ten zu den Gas­kammern zu be­gin­nen, stießen sie auf bewaffneten Widerstand von­seiten der Männer, Frauen und Kinder im Lager. Die Gefan­ge­nen hatten von der geplan­ten „Liqui­die­rung“ gehört und hat­ten sich Waf­fen aus Blech und Holz, Rohren, Stein­blöcken und anderem Schrott­mate­rial, was im­mer sie finden konn­ten, gemacht.

Nach den Erinnerungen von Überleben­den und Zeugen des Wider­stands gaben die SS-Trup­pen ihren Plan, als sie mit den bewaff­neten Häft­lin­gen konfron­tiert waren, schnell auf. Durch ihre improvi­sier­ten Waffen und koordi­nier­ten Anstren­gun­gen schafften die Gefan­genen es, die SS-Truppen ab­zu­wehren und den Abtrans­port zu den Gas­kammern zu verhindern. Zwar wur­den einige Gefan­gene den­noch in jener Nacht erschos­sen, doch durch ihren organisierten Wider­stand konnten die Sinti- und Roma-Gefan­genen ihre Hin­rich­tung in den Gas­kammern noch um einige Monate ver­zögern.

Im April stimmte das Europäische Parlament darüber ab, den 2. August als Euro­päi­schen Roma-Holocaust-Gedächtnistag an­zu­erken­nen, um „der histo­ri­schen Tat­sache des Völkermords an den Roma während des Zweiten Welt­kriegs“ zu geden­ken. Read the rest of this entry »

Hamburg: Gedenkfeier für deportierte Sinti

Mai 13th, 2015  |  Published in Geschichte & Gedenken

Rudko Kawczynski (Rom und Cinti Union), Foto: Am 16. Mai jährt sich der Auftakt zur Deportation und Ermor­dung tausen­der Sinti und Roma von Hamburg aus zum 75. Mal. Am Lohseplatz in der Ham­bur­ger HafenCity finden aus diesem Anlass eine Gedenk­ver­anstaltung und Kranz­nieder­legung statt.

Hamburger Wochenblatt: (…) Hamburgs Erster Bürgermeister, Olaf Scholz, wird einen Kranz nieder­legen an der Gedenk­stätte für die Ham­burger Sinti und Roma, deren Ver­haftun­gen am 16. Mai 1940 zwischen fünf und sechs Uhr mor­gens in ver­schie­de­nen Städten Nord­deutschlands begannen. Wie eine Ware „ver­bracht“ in einen Frucht­schuppen im Frei­hafen, wo die „Zigeuner“ gesam­melt wurden zum Trans­port am 20. Mai vom dama­ligen Hannover­schen Bahnhof ins Ver­nichtungs­lager Bełżec im heu­tigen Polen. 1.500 ins­gesamt. Zwei weitere Deporta­tio­nen folgten 1943 und 1944, nach Auschwitz.

Keiner der Verantwortlichen wurde jemals von deut­schen Behör­den zur Rechen­schaft gezogen. (…) Nur zwei kleine Ham­bur­ger Sinti-Familien hatten das Nazi-Reich überlebt, doch sie wurden zwangs­weise sterilisiert und konnten keine Nach­kommen haben. Alles, was in den 70er-Jahren zu­wan­derte, waren Flüchtlinge aus Polen. Wie die Familie von Rudko Kawczynski, Vorstands­vor­sit­zen­der der „Rom und Cinti Union e.V.“ (RCU). Sie ist die zentra­le Anlauf­stelle der Gemein­schaft der Roma und Sinti in Hamburg. (…)

Alljährlich am 16. Mai erinnern die Rom und Cinti Union und neue Ham­bur­ger Inter­es­sen­gruppen an die Depor­ta­tio­nen von Sinti und Roma aus Deutschland. (…) Jahr­zehnte­lang habe sich, so Kawczynski, niemand vom Ham­burger Senat um die Gedenk­feier geschert. Bis im ver­gan­ge­nen Jahr Innen­senator Michael Neumann die Initia­tive ergrif­fen habe. Read the rest of this entry »

Te niko buter te phukal na dschantscha

April 27th, 2015  |  Published in Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft

Radio Roma samRoma sam
Radijo Burgenland:
27.4.2015 (on demand)

Symposium, VHS Roma, Erba/Oberwart (Foto: Josef Schmidt)Ando 1. 10. 1941 o Himmler i deportcija le 5.000 Romen­dar & Sinti­jen­dar andar i Austri­ja an­do gheto Litzmannstadt (Łódź) ker­tscha. O ge­majn­tscha loj na pe­kamle bu­ter ar te del taj tschak odo­len pal liker­de, save lenge nuci­nipe anahi. Butvar o Bur­gen­land-Roma resle sina. Masch­kar o 4to taj 8to novem­beri sako di jek sras­tuni 1.000 opferen­ca lad­lahi. Korko­re an­dar Lacken­bach 2.000 led­schim ule (buteder: Łódź).

Porajmos“ o akaripe le Romendar taj Sintijendar le mur­da­ri­peske duach o naci­jo­nal­socija­listscha hi. Eseri bur­gen­lan­di­tike Roma tradim taj mur­darde ule. Tschak va­lami 10 procenti le burgen­lan­di­tike Romen­dar o naci­jen­gero bibstalo rajipe prik dschivde, odola save prik dschiv­de taj kher ale butvar sorale trau­ma­ti­si­rim sina. Jek khe­ta­ni­pes­kero upre butscha­linipe le kojen­dar, so terd­schiv­de, na ulo kerdo, o opfer­tscha dur ando pobis­te­ripe atschi­ne taj meg dugi cajt palo­da ojs opfertscha la dujta klas­tar tel dikle le ule. But dschene le avre gene­ra­ci­jen­dar tschak tschu­le pedar o koji, so len­gere daja taj dada taj lengere babi taj papi ter­dschiv­de, schunde. Saj koji le phu­ka­jipe vaj le na phu­ka­ripe hi, palal phutschlo ulo. Bute­der peda schunen tumen andi sen­dung „Roma sam“ upro Radijo Burgenland.

(volksgruppen.orf.at)

Wenn keiner mehr erzählen kann

April 26th, 2015  |  Published in Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft

Radio Roma samRoma sam
Radio Burgenland:
27.4.2015 (on demand)

"Zigeunerghetto" (Foto: www.sintiundroma.de)Am 1. 10. 1941 ordnete Himmler die Deportation von 5.000 Roma und Sinti aus Österreich in das Ghetto von Litzmannstadt (Łódź) an. Die Gemein­den woll­ten Für­sorge­kos­ten ein­sparen und nur jene Roma wur­den be­hal­ten, die nutz­brin­gend ein­gesetzt wer­den konn­ten. Betrof­fen waren fast nur Burgen­land-Roma. Zwi­schen dem 4. und 8. Novem­ber fuhr täg­lich ein Zug mit 1.000 Opfern. Allein aus Lackenbach wur­den 2.000 depor­tiert (mehr hier: Infotext: Die Łódź-Deportationen 1941).

Porajmos“, das „Verschlingen“, ist eine Bezeich­nung der Roma und Sinti für die Massen­ver­nich­tung durch die National­sozia­listen. Tausende Burgen­land-Roma wurden ver­folgt und er­mor­det. Nur ca. 10% der Burgen­land-Roma über­lebten die Nazi-Schreckens­herr­schaft, die über­leben­den Heim­kehrer waren meist stark traumatisiert. Eine gesell­schaft­liche Auf­arbei­tung des Erlebten fand nicht statt, die Opfer blieben lange im Ver­ges­senen und wur­den noch lange als Opfer zweiter Klasse ab­gestem­pelt. Viele Ange­hö­rige der nach­folgen­den Gene­ra­tio­nen er­fuh­ren nur wenig über das Schick­sal ihrer Eltern und Groß­eltern. Welche Folgen das Erzählen oder das Schweigen hat, wurde bei einem Symposium der Volks­hoch­schule der Burgen­län­di­schen Roma zum Internationalen Roma-Tag im Offenen Haus Oberwart hinter­fragt. Mehr darüber in der Sen­dung „Roma sam“ auf Radio Bur­gen­land.

(volksgruppen.orf.at)

Upro jomi odolestar so imar sina

April 16th, 2015  |  Published in Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV, Veranstaltungen & Ausstellungen

Radio Roma samRoma sam
Radijo Burgenland:
13.4.2015 (on demand)

Ausstellung (Foto: Roma-Service)Auf den Spuren der Vergangenheit

O historischi phagipe le holocaustis­tar igen hor ando gondo le tschuli­pes­tar and pe hantscha taj meg te avre gene­raciji preginla. Le artschi­ji­peha „Upro jomi odo­les­tar, so imar sina“ andi HBLA Erba, i his­torija la flogos­kera grup­na­tar le Romen­dar ande minden­fe­li­tike kipi, scentscha taj sim­bol­tscha, sikadi ol. Uso temtscha „Holocaust“ taj o „Erba­kero bom­bakero aten­tato“ desch schta­ci­jon­tscha kerde ule. O imar prin­dschar­do Rom taj kinst­leri Julius Horvath pre kipen­ca adala bibas­tale kerip­tscha uso ardschu­mipe anel. Leske bari­kano hi, hot o manu­scha adale temtschen­ca donde pumen be­scha­ren. Jek avro utschi­pes­kero gendo ando artschi­jipe hi o dschi­vi­pes­kere historiji le burgen­lan­di­tike Romendar. Aja jekosch­ni taj vod­schi­kani doku­men­tacija „Mri Historija“ – „Meine Geschichte“, savi le faraj­nis­tar Roma-Service kerdi ulio, upre jek pobis­tero falato la khe­tana austri­tika histo­ri­ja­tar prik dchivde dschenen­dar sikal taj te jek nevo gondo ar dschu­minel, savo o tscha­tschipe upro aun­prindscha­ripe mangel.

Der historische Bruch des Holocaust hat sich tief in das kol­lek­tive Gedächt­nis der roma-Minder­heit ein­ge­gra­ben und wird auch noch künftige Gene­ra­tionen prägen. Mit der Aus­stellung „Auf den Spuren der Ver­gan­gen­heit“ (Anm. d. dROMa-Red.: Ausstellung des Vereins Karika) in den Räum­lich­keiten der HBLA Oberwart wird die Geschichte der Volks­gruppe der Roma in ver­schie­de­nen Fotos, Szenen und Symbolen dar­gestellt. Zu den The­men „Holocaust“ und „Bomben­attentat von Oberwart“, wur­den zehn Statio­nen gestal­tet. Mit Fotos bringt der mittler­weile bekann­te Foto­künst­ler und Rom Julius Horvath diese Ver­brechen zum Aus­druck. Ihm ist es wich­tig, dass sich die Mensch­heit mit diesen Themen auseinan­der­setzt. Ein weiter Höhepunkt in der Ausstellung sind die Lebens­geschichten der burgen­ländischen Roma. Diese einzig­artige, berüh­rende Doku­men­tation „Mri Historija“ – „Meine Geschichte“, welche vom Verein Roma-Service produ­ziert wurde, ver­weist auf einen ver­ges­se­nen Teil der gemein­samen öster­rei­chi­schen Geschichte über­leben­der Zeitzeugen und drückt auch ein neues Selbst­bewusst­sein aus, das das Recht auf Anerken­nung offen ein­fordert.

(volksgruppen.orf.at & volksgruppen.orf.at)

Norwegen: Entschädigung für Roma

April 13th, 2015  |  Published in Geschichte & Gedenken, Politik

Erna Solberg, 2009 (Foto: CC Wikimedia/Jeblad)Norwegens Premierministerin Erna Solberg bat die Roma des Landes ver­gan­gene Woche aus Anlass des Inter­natio­na­len Tags der Roma um Verzeihung für die Behand­lung, die der Minder­heit vor und nach der deutschen Besetzung im Zwei­ten Welt­krieg zuteil wurde: „Im Namen der norwe­gischen Regie­rung ent­schul­dige ich mich bei den Roma Nor­wegens. Ich bedauere die rassis­tische Aus­grenzungs­politik, die in den zehn Jahren vor und in den zehn Jahren nach dem Zweiten Welt­krieg durch­geführt wur­de. Und ich bedau­ere die fatalen Kon­se­quen­zen, die diese Politik wäh­rend des Holocausts hatte.“

Sol­berg stellte den Roma Ent­schädigungs­zahlungen in Aus­sicht. Damit reagierte die kon­servative Regie­rungs­chefin auf jahr­zehnte­lange Forderungen der zahlen­mäßig sehr kleinen Volks­gruppe (Schätzun­gen zufol­ge etwa 500 Personen). „Es ist Zeit für eine mora­li­sche Auf­arbei­tung dieses dunklen Teils unserer Ge­schichte. Der Staat stellt sich seiner Ver­antwor­tung für die Fehler, die ge­macht wur­den, und für das Unrecht, das nor­we­gi­schen Roma ange­tan wurde“, so Stolberg.

Hintergrund dieses Schrittes ist ein von der Regierung in Auf­trag ge­ge­be­ner Historiker­bericht, der seit Februar vor­liegt. Darin wird aus­geführt, wie nor­we­gi­schen Roma in den 1930er Jah­ren nach Auslands­auf­ent­hal­ten die Wiedereinreise in ihr Hei­mat­land ver­weigert wurde. Der Bericht des „Zentrums zur Erfor­schung des Holocausts und religiö­ser Minder­heiten“ nennt 32 Namen von Per­sonen, die infol­ge­dessen in den Kon­zentra­tions­lagern der Natio­nal­sozia­lis­ten um­kamen. Auch nach der Befrei­ung wurde Über­leben­den des Roma-Holo­causts jahre­lang die Rück­kehr nach Norwegen ver­weigert. Das 1927 ver­ab­schie­dete Gesetz, das es den Behörden er­mög­lich­te, „Zigeunern“ die Einreise nach Nor­wegen zu ver­bieten, blieb bis 1956 in Kraft.

(dROMa)

„Nackt unter Wölfen“: Vorwürfe gegen ARD

April 12th, 2015  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV

Neuverfilmung von "Nackt unter Wölfen" 2015 (Foto: ARD)Nackt unter Wölfen – Zentralrat Deutscher Sinti und Roma erhebt schwere Vorwürfe gegen die ARD: Das Schicksal des Sinto Willy Blum, der an Stelle von Stefan Jerzy Zweig in das Ver­nich­tungs­lager Auschwitz geschickt wurde, bleibt beim ARD-The­men­abend systema­tisch ver­schwie­gen.

Presseaussendung: Das Schicksal von Stefan Jerzy Zweig, das von UFA-Geschäfts­führer Hofmann für die ARD in der Neu­verfil­mung von „Nackt unter Wölfen“ (MDR-Mediathek, ab 20 Uhr) gezeigt wird, ist untrenn­bar mit dem Schick­sal von Willy Blum ver­bunden. Willy Blum war der 16-jährige Sintojunge, der gegen den damals drei­jährigen Stefan aus­getauscht wurde, als ein Trans­port von Juden vom Kon­zentra­tions­lager Buchenwald für das Ver­nichtungs­lager Auschwitz zusam­men­gestellt wurde.

Gerade das Schicksal dieser beiden Kinder, Stefan Jerzy Zweig und Willy Blum, zeigt, daß es inner­halb des un­mensch­lichen Lager­systems der Nazis und der SS es keine Rettung gab, daß oft für jeden Men­schen, der über­leben konnte, ein anderer Mensch sterben mußte. An dieser aus­weg­losen Situa­tion litten und leiden bis heute die Über­lebenden – im Gegen­satz zu den Tätern der SS und der Wach­mann­schaften.

Als deshalb völlig unbegreiflich bezeichnet es der Vor­sitzen­de des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, daß so­wohl die Neuverfilmung als auch die an­schließende Dokumentation über das Lager Buchenwald trotz der genauen Kennt­nis der histo­ri­schen Wahr­heit das Schick­sal von Willy Blum komplett ver­schweigen. Es sei unglaub­lich, daß trotz einer Riege von histo­ri­schen Fach­beratern die ARD im gesamten Themen­abend weder Willy Blum noch die tau­sende Sinti und Roma, die Häftlinge im Kon­zentra­tions­lager Buchenwald waren, nicht ein ein­ziges Mal er­wähnt werden. In allen großen deut­schen Medien, von Zeit und Spiegel bis zur FAZ wurde darauf hin­ge­wiesen, daß Willy Blum an Stelle des jüdi­schen Jungen Stefan auf die Todes­liste für Auschwitz ge­setzt worden war.

Dies wiegt um so schwerer, als der Film durch seine para-doku­menta­rische Darstellung, die Ein­blen­dung von histo­ri­schen Film­auf­nah­men aus dem Lager und der Dar­stel­lung des Kriegs­gesche­hens, den An­schein von histo­rischer Objek­tivität er­wecken will. Tat­säch­lich aber wird, mehr noch in der nach­fol­gen­den Doku­men­ta­tion über das Lager Buchenwald, die his­to­ri­sche Wahr­heit manipuliert, indem das Schick­sal von Willy Blum und damit gene­rell der Völkermord an Sinti und Roma sys­te­ma­tisch und bewußt ver­schwiegen wird.

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Facts & Figures (113)

April 3rd, 2015  |  Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken

Das NS-„Zigeuner­la­ger“ Ber­lin-Mar­zahn wur­de erst 2001 auf Bun­des­ebe­ne als „ent­schä­digungs­wür­di­ger“ Haft­ort an­er­kannt.

(Quelle)

Das Zwangslager in Berlin-Marzahn

März 30th, 2015  |  Published in Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Wissenschaft

Zwangslager MarzahnPatricia Pientka: Das Zwangslager für Sinti und Roma in Berlin-Marzahn. Alltag, Verfolgung und Deportation, Metropol: Berlin 2013. ISBN 978-3-86331-159-9

Rezension von Tobias von Borcke, erschienen in: H-Soz-Kult, 2.7.2014:

Die bisherigen Arbeiten über die Geschichte des Zwangslagers Berlin-Marzahn, in dem zwischen 1936 und 1945 ins­gesamt mindes­tens 1000 als „Zigeuner“ kate­gori­sierte Männer, Frauen und Kinder inhaf­tiert waren, trugen deut­liche Spuren der Ausei­nan­der­setzun­gen um die gesell­schaft­liche Anerken­nung der NS-Ver­bre­chen gegen Roma und Sinti und um ein wür­diges Gedenken. Auch der nun vor­liegen­den Studie der Berliner His­to­ri­kerin Patricia Pientka geht es um mehr als akade­mi­sche Wissens­produk­tion zum Selbst­zweck, so spricht sie sich etwa für eine Erneue­rung der Erinnerungs­kultur an das Lager Marzahn aus. Der größere zeit­liche Ab­stand zu den Ereig­nis­sen und die Tat­sache, dass es wohl zumin­dest in Fach­kreisen nicht mehr nötig sein dürfte, über den Unrechts­charakter und die rassis­tische Quali­tät der Ver­folgung von Sinti und Roma in der NS-Zeit ernst­lich zu streiten, mögen aller­dings dazu bei­getra­gen haben, dass nun eine so umfang­reiche, diffe­ren­zierte und gründ­liche Arbeit über die Vor­gänge und das Leben im Marzah­ner Lager ent­standen ist.

(…) Neben einer differenzierten Analyse der unter­schied­lichen Formen von Gewalt, die im Zwangs­lager gegen die dort Inhaf­tier­ten aus­geübt wur­den, gelingt es ihr, die von diesen Zwangs­maß­nahmen Betrof­fe­nen nicht als bloße Opfer dar­zu­stel­len, son­dern als Indivi­duen, die im Rahmen des für sie Mögli­chen wider­stän­dige Strate­gien gesucht und teils auch gefun­den haben. (…)

Lesen Sie bitte die hier nur in einem Auszug wiedergegebene Rezension von Tobias von Borcke, Humboldt-Uni­ver­si­tät zu Berlin, in voller Län­ge auf H-Soz-Kult.

„Lästige Zigeuner“: Erlass gegen KZ-Überlebende

März 27th, 2015  |  Published in Dokumente & Berichte, Fundstücke, Geschichte & Gedenken, Politik, Rassismus & Menschenrechte

Erlass des Innenministers gegen das "Zigeunerunwesen" Nur jeder zehnte österreichische Rom erlebte 1945 die Befreiung vom NS-Regime. Die weni­gen, die aus den Kon­zentra­tions­lagern zu­rück­kehr­ten, fan­den zer­störte Sied­lun­gen vor. Wie Öster­reichs Be­hör­den mit den KZ-Über­leben­den um­gin­gen, il­lustriert ein Er­lass aus dem Jahr 1948. Nur drei Jah­re nach der Be­frei­ung, am 20. September 1948, verfügte das von Oskar Helmer (SPÖ), einem Burgen­länder, ge­füh­rte Innen­ministe­rium Fol­gendes (Dokument aus der Ausstellung „Romane Thana“, noch zu se­hen bis 17. Mai 2015 im „Wien Museum“):

„Dem ho. Amte ist zur Kenntnis gelangt, dass das Zigeunerunwesen in ei­ni­gen Ge­gen­den (…) wie­der im Zuneh­men begrif­fen ist und sich be­reits unange­nehm bemerk­bar macht. Um auf die Bevöl­kerung Ein­druck zu ma­chen, sol­len sich Zigeu­ner oft­mals als KZ-ler aus­geben. Soweit (…) die Möglich­keit einer Ausserland­schaffung gege­ben er­scheint, wäre ge­gen lästige Zigeuner mit der Erlas­sung eines Auf­enthalts­verbotes vor­zu­ge­hen und ihre Ausser­land­schaffung durch­zu­führen.“

(dROMA-Red. | via @bweidin)

Siehe auch: Nachkriegsjustiz: das Schandurteil von 1956

taz: Den NS auskotzen

März 25th, 2015  |  Published in Geschichte & Gedenken, Kunst & Fotografie, Veranstaltungen & Ausstellungen

Auschwitz, 1944. Ohne Worte. Ceija Stoijka, 14.02.2006 (Foto: Sammlung Kai Dikhas, Berlin)  Sie über­lebte im Natio­nal­sozia­lis­mus mehrere KZs. Ceija Stojka er­zählte als eine der Ersten von dem Leid und be­nutzt ihre Kunst als Waffe der Eman­zi­pation.

taz.de: (…) In schwarzen Tuschezeichnungen, Gouachen, bun­ten Gemäl­den und Gedich­ten ver­arbei­tete die öster­rei­chische Künstlerin, was sie als Kind erlebte und über­lebte: Auschwitz, Ravensbrück, Bergen-Belsen. Erst Ende der achtzi­ger Jahre fing die Auto­didak­tin an zu malen, da war die Zeit gekom­men aus­zu­kotzen, was sie hatte fres­sen müs­sen. Auch nach ihrer Befreiung noch, denn als Romni betrog sie die Gesell­schaft um ihre mora­li­sche Anerken­nung als Opfer der Natio­nal­sozia­listen. Heute gehört die 2013 verstor­bene Stojka zu den bekann­tes­ten Roma-Künstlerin­nen. Ver­gan­genen Sommer holten die Kura­toren Lith Bahlmann und Matthias Reichelt ihre Ar­bei­ten nach Berlin, dann waren sie in der Mahn- und Gedenk­stätte Ravens­brück zu sehen. Jetzt zeigt der Heidel­berger Kunst­verein sie. Stojkas heraus­ragende künstle­ri­sche Position ist auch des­wegen so wichtig, weil sie als eine der Ersten von dem Leid er­zählte, das Sinti und Roma im „Drit­ten Reich“ wider­fuhr. (…)

Die Kunst sei über Jahrhunderte hinweg ein wich­tiges Medium der Tra­die­rung der Feind- und Zerr­bilder vom sogenann­ten „Zigeuner“ ge­wesen, sagte Romani Rose zur Er­öffnung der Heidel­ber­ger Aus­stel­lung. (…) Kunst könne aber auch eine Waffe der poli­ti­schen Eman­zi­pation und der Selbst­befrei­ung sein. (…) Read the rest of this entry »