Norwegen: Entschädigung für Roma

April 13th, 2015  |  Published in Geschichte & Gedenken, Politik

Erna Solberg, 2009 (Foto: CC Wikimedia/Jeblad)Norwegens Premierministerin Erna Solberg bat die Roma des Landes ver­gan­gene Woche aus Anlass des Inter­natio­na­len Tags der Roma um Verzeihung für die Behand­lung, die der Minder­heit vor und nach der deutschen Besetzung im Zwei­ten Welt­krieg zuteil wurde: „Im Namen der norwe­gischen Regie­rung ent­schul­dige ich mich bei den Roma Nor­wegens. Ich bedauere die rassis­tische Aus­grenzungs­politik, die in den zehn Jahren vor und in den zehn Jahren nach dem Zweiten Welt­krieg durch­geführt wur­de. Und ich bedau­ere die fatalen Kon­se­quen­zen, die diese Politik wäh­rend des Holocausts hatte.“

Sol­berg stellte den Roma Ent­schädigungs­zahlungen in Aus­sicht. Damit reagierte die kon­servative Regie­rungs­chefin auf jahr­zehnte­lange Forderungen der zahlen­mäßig sehr kleinen Volks­gruppe (Schätzun­gen zufol­ge etwa 500 Personen). „Es ist Zeit für eine mora­li­sche Auf­arbei­tung dieses dunklen Teils unserer Ge­schichte. Der Staat stellt sich seiner Ver­antwor­tung für die Fehler, die ge­macht wur­den, und für das Unrecht, das nor­we­gi­schen Roma ange­tan wurde“, so Stolberg.

Hintergrund dieses Schrittes ist ein von der Regierung in Auf­trag ge­ge­be­ner Historiker­bericht, der seit Februar vor­liegt. Darin wird aus­geführt, wie nor­we­gi­schen Roma in den 1930er Jah­ren nach Auslands­auf­ent­hal­ten die Wiedereinreise in ihr Hei­mat­land ver­weigert wurde. Der Bericht des „Zentrums zur Erfor­schung des Holocausts und religiö­ser Minder­heiten“ nennt 32 Namen von Per­sonen, die infol­ge­dessen in den Kon­zentra­tions­lagern der Natio­nal­sozia­lis­ten um­kamen. Auch nach der Befrei­ung wurde Über­leben­den des Roma-Holo­causts jahre­lang die Rück­kehr nach Norwegen ver­weigert. Das 1927 ver­ab­schie­dete Gesetz, das es den Behörden er­mög­lich­te, „Zigeunern“ die Einreise nach Nor­wegen zu ver­bieten, blieb bis 1956 in Kraft.

(dROMa)

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