Norwegen: Entschädigung für Roma
April 13th, 2015 | Published in Geschichte & Gedenken, Politik
Norwegens Premierministerin Erna Solberg bat die Roma des Landes vergangene Woche aus Anlass des Internationalen Tags der Roma um Verzeihung für die Behandlung, die der Minderheit vor und nach der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg zuteil wurde: „Im Namen der norwegischen Regierung entschuldige ich mich bei den Roma Norwegens. Ich bedauere die rassistische Ausgrenzungspolitik, die in den zehn Jahren vor und in den zehn Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg durchgeführt wurde. Und ich bedauere die fatalen Konsequenzen, die diese Politik während des Holocausts hatte.“
Solberg stellte den Roma Entschädigungszahlungen in Aussicht. Damit reagierte die konservative Regierungschefin auf jahrzehntelange Forderungen der zahlenmäßig sehr kleinen Volksgruppe (Schätzungen zufolge etwa 500 Personen). „Es ist Zeit für eine moralische Aufarbeitung dieses dunklen Teils unserer Geschichte. Der Staat stellt sich seiner Verantwortung für die Fehler, die gemacht wurden, und für das Unrecht, das norwegischen Roma angetan wurde“, so Stolberg.
Hintergrund dieses Schrittes ist ein von der Regierung in Auftrag gegebener Historikerbericht, der seit Februar vorliegt. Darin wird ausgeführt, wie norwegischen Roma in den 1930er Jahren nach Auslandsaufenthalten die Wiedereinreise in ihr Heimatland verweigert wurde. Der Bericht des „Zentrums zur Erforschung des Holocausts und religiöser Minderheiten“ nennt 32 Namen von Personen, die infolgedessen in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten umkamen. Auch nach der Befreiung wurde Überlebenden des Roma-Holocausts jahrelang die Rückkehr nach Norwegen verweigert. Das 1927 verabschiedete Gesetz, das es den Behörden ermöglichte, „Zigeunern“ die Einreise nach Norwegen zu verbieten, blieb bis 1956 in Kraft.
(dROMa)