taz: Den NS auskotzen

März 25th, 2015  |  Published in Geschichte & Gedenken, Kunst & Fotografie, Veranstaltungen & Ausstellungen

Auschwitz, 1944. Ohne Worte. Ceija Stoijka, 14.02.2006 (Foto: Sammlung Kai Dikhas, Berlin)  Sie über­lebte im Natio­nal­sozia­lis­mus mehrere KZs. Ceija Stojka er­zählte als eine der Ersten von dem Leid und be­nutzt ihre Kunst als Waffe der Eman­zi­pation.

taz.de: (…) In schwarzen Tuschezeichnungen, Gouachen, bun­ten Gemäl­den und Gedich­ten ver­arbei­tete die öster­rei­chische Künstlerin, was sie als Kind erlebte und über­lebte: Auschwitz, Ravensbrück, Bergen-Belsen. Erst Ende der achtzi­ger Jahre fing die Auto­didak­tin an zu malen, da war die Zeit gekom­men aus­zu­kotzen, was sie hatte fres­sen müs­sen. Auch nach ihrer Befreiung noch, denn als Romni betrog sie die Gesell­schaft um ihre mora­li­sche Anerken­nung als Opfer der Natio­nal­sozia­listen. Heute gehört die 2013 verstor­bene Stojka zu den bekann­tes­ten Roma-Künstlerin­nen. Ver­gan­genen Sommer holten die Kura­toren Lith Bahlmann und Matthias Reichelt ihre Ar­bei­ten nach Berlin, dann waren sie in der Mahn- und Gedenk­stätte Ravens­brück zu sehen. Jetzt zeigt der Heidel­berger Kunst­verein sie. Stojkas heraus­ragende künstle­ri­sche Position ist auch des­wegen so wichtig, weil sie als eine der Ersten von dem Leid er­zählte, das Sinti und Roma im „Drit­ten Reich“ wider­fuhr. (…)

Die Kunst sei über Jahrhunderte hinweg ein wich­tiges Medium der Tra­die­rung der Feind- und Zerr­bilder vom sogenann­ten „Zigeuner“ ge­wesen, sagte Romani Rose zur Er­öffnung der Heidel­ber­ger Aus­stel­lung. (…) Kunst könne aber auch eine Waffe der poli­ti­schen Eman­zi­pation und der Selbst­befrei­ung sein. (…) Voraus­set­zung dafür sei, dass Sinti und Roma nicht nur als Objekte der Kunst­ge­schichte wahr­genom­men wür­den, son­dern selbst als Künstlerin­nen und Künstler öffent­lich in Erschei­nung träten.

Dafür setzt sich auch Moritz Pankok ein. In Berlin lei­tet er die Gale­rie Kai Dikhas, der Name aus dem Roma­nes heißt „Ort des Sehens“. Es ist die erste Ga­le­rie West­euro­pas, die sich auf zeit­genös­sische Kunst von Sinti und Roma spezia­li­siert hat und ihr zu mehr Sicht­bar­keit ver­hilft. (…) Gera­de hat die Kultur­stiftung des Bundes 3,8 Millio­nen Euro für den Auf­bau eines digitalen Archivs der Kultur und der Künste von und über Sinti und Roma in Euro­pa be­willigt. (…) 2007 hatte es für die Kunst von Sinti und Roma einen klei­nen Durch­bruch gege­ben. Bei der 52. Biennale in Venedig gab es erst­mals einen Roma-Pavillon. (…)

Die Ausstellung ist bis 12. April 2015 im Heidelberger Kunstverein zu sehen. Infor­ma­tio­nen finden Sie hier.

Lesen Sie bitten den hier nur in einigen Auszügen wieder­ge­ge­be­nen Artikel von Sabine Weier in vol­ler Län­ge auf taz.de.

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