taz: Den NS auskotzen
März 25th, 2015 | Published in Geschichte & Gedenken, Kunst & Fotografie, Veranstaltungen & Ausstellungen
Sie überlebte im Nationalsozialismus mehrere KZs. Ceija Stojka erzählte als eine der Ersten von dem Leid und benutzt ihre Kunst als Waffe der Emanzipation.
taz.de: (…) In schwarzen Tuschezeichnungen, Gouachen, bunten Gemälden und Gedichten verarbeitete die österreichische Künstlerin, was sie als Kind erlebte und überlebte: Auschwitz, Ravensbrück, Bergen-Belsen. Erst Ende der achtziger Jahre fing die Autodidaktin an zu malen, da war die Zeit gekommen auszukotzen, was sie hatte fressen müssen. Auch nach ihrer Befreiung noch, denn als Romni betrog sie die Gesellschaft um ihre moralische Anerkennung als Opfer der Nationalsozialisten. Heute gehört die 2013 verstorbene Stojka zu den bekanntesten Roma-Künstlerinnen. Vergangenen Sommer holten die Kuratoren Lith Bahlmann und Matthias Reichelt ihre Arbeiten nach Berlin, dann waren sie in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück zu sehen. Jetzt zeigt der Heidelberger Kunstverein sie. Stojkas herausragende künstlerische Position ist auch deswegen so wichtig, weil sie als eine der Ersten von dem Leid erzählte, das Sinti und Roma im „Dritten Reich“ widerfuhr. (…)
Die Kunst sei über Jahrhunderte hinweg ein wichtiges Medium der Tradierung der Feind- und Zerrbilder vom sogenannten „Zigeuner“ gewesen, sagte Romani Rose zur Eröffnung der Heidelberger Ausstellung. (…) Kunst könne aber auch eine Waffe der politischen Emanzipation und der Selbstbefreiung sein. (…) Voraussetzung dafür sei, dass Sinti und Roma nicht nur als Objekte der Kunstgeschichte wahrgenommen würden, sondern selbst als Künstlerinnen und Künstler öffentlich in Erscheinung träten.
Dafür setzt sich auch Moritz Pankok ein. In Berlin leitet er die Galerie Kai Dikhas, der Name aus dem Romanes heißt „Ort des Sehens“. Es ist die erste Galerie Westeuropas, die sich auf zeitgenössische Kunst von Sinti und Roma spezialisiert hat und ihr zu mehr Sichtbarkeit verhilft. (…) Gerade hat die Kulturstiftung des Bundes 3,8 Millionen Euro für den Aufbau eines digitalen Archivs der Kultur und der Künste von und über Sinti und Roma in Europa bewilligt. (…) 2007 hatte es für die Kunst von Sinti und Roma einen kleinen Durchbruch gegeben. Bei der 52. Biennale in Venedig gab es erstmals einen Roma-Pavillon. (…)
Die Ausstellung ist bis 12. April 2015 im Heidelberger Kunstverein zu sehen. Informationen finden Sie hier.
Lesen Sie bitten den hier nur in einigen Auszügen wiedergegebenen Artikel von Sabine Weier in voller Länge auf taz.de.