Oktober 8th, 2017 |
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Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen
Zentralrat Deutscher Sinti und Roma (Hg.): 45 Jahre Bürgerrechtsarbeit deutscher Sinti und Roma/45 years of civil rights work of German Sinti and Roma, Katalog zur Ausstellung, Heidelberg 2017, 92 S.
Der Katalog kann online heruntergeladen oder aber über das Büro des Zentralrats bestellt werden.
Bereits in den 1950er Jahren versuchte eine Gruppe deutscher Sinti, die Hauptverantwortlichen des Völkermordes an Sinti und Roma in Europa vor Gericht zu bringen – leider erfolglos. Es gab im Nachkriegsdeutschland keine einzige gesellschaftliche oder politische Institution, die Sinti und Roma nach dem Holocaust unterstützt hätte. Heute, im Jahr 2017, ist der Völkermord anerkannt. In Berlin steht das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas direkt neben Reichstag und Brandenburger Tor. Sinti und Roma sind als nationale Minderheit anerkannt.
Jeder einzelne Erfolg der Bürgerrechtsarbeit musste gegen massive Widerstände in Politik, Verwaltung und Gesellschaft in zum Teil jahrzehntelanger Auseinandersetzung durchgesetzt werden. Ohne die Unterstützung vieler einzelner Persönlichkeiten, ohne die Unterstützung von zivilgesellschaftlichen Organisationen und insbesondere der Medien wäre der Erfolg der Bürgerrechtsarbeit nicht möglich gewesen.
Unsere Ausstellung ist deshalb all den Sinti und Roma gewidmet, die sich nach dem Ende des NS-Regimes in Deutschland und in Europa für die Rechte unserer Minderheit eingesetzt haben und ebenso all den Freunden und Unterstützern, ohne die unsere Bürgerrechtsarbeit nicht die Anerkennung gefunden hätte, die heute erreicht worden ist. Diese Ausstellung ist ebenso den jungen Menschen gewidmet, die diesen Weg, der noch lange nicht abgeschlossen ist, weiter gehen werden.
(Aus dem Vorwort von Romani Rose)
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September 27th, 2017 |
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Dokumente & Berichte, Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, Religion, Wissenschaft
Verena Meier: Gutachten zum Forschungsstand zum Thema „Protestantismus und Antiziganismus“. Gutachten im Auftrag des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Heidelberg 2017.
>>Download (pdf)
Die Rolle von Kirchen – insbesondere der evangelischen Kirchen und ihrer Vertreter und Vertreterinnen – stellt ein großes Desiderat in der Antiziganismusforschung und den Romani Studies dar. Dieses wissenschaftliche Gutachten gibt einen Überblick über bereits vorliegende Zugänge und Studien. Ergebnisse und weitere Forschungslücken werden dabei in Bezug auf „Protestantismus und Antiziganismus“ in Deutschland aufgezeigt. Der Überblick erfolgt in chronologischer Abfolge, beginnend mit der Reformation bis hin zur Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und dem erinnerungskulturellen Umgang mit der Vergangenheit. Derzeit fehlt es an übergreifenden und systematischen Studien. Dennoch geben die bereits vorliegenden Untersuchungen zu bestimmten geografischen und zeitlichen Kontexten bereits einen Eindruck von den übergreifenden Verflechtungen zwischen Vertretern der evangelischen Kirche und antiziganistischen Tendenzen.
Abstract: Research Report on the State of Research on the Topic of “Protestantism and Antigypsyism”
The role of churches – Protestant churches and their representatives in particular – in antigypsyist tendencies is a major desideratum in research on antigypsyism and Romani studies. The following research report gives an overview of existing research approaches and studies. Their findings and further research gaps are highlighted in relation to “Protestantism and Antigypsyism” in Germany. Read the rest of this entry »
September 9th, 2017 |
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Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV
Radio RomaRespekt #6: Gedenken in Lety u Pisku (Tschechien)
Sendung vom 7.5.2016: Lety u Písku ist ein Ort in der Mitte der Tschechischen Republik mit einer riesigen industriellen Schweinemastanlage aus den 70er Jahren. Und die steht auf dem Gelände eines ehemaligen Konzentrationslagers, in dem während der Besetzung Tschechiens durch die deutschen Nationalsozialisten gezielt Roma und Sinti gefangen gehalten und teils ermordet wurden. Die jahrzehntelange Existenz der Schweinemastanlage empfinden Roma-Vertreter/innen und Menschen mit Empathie als ungeheuerliche Pietätlosigkeit. Am 16. Mai 2015 trafen sich dort Aktivisten/innen, Roma und Nicht-Roma von den Organisationen Konexe, Free Lety u.a. Sie setzen sich seit 1994 für würdevolle Gedenkformen an den Porajmos an diesem Ort ein.
In dem Radio-Feature sind O-Töne des alternativen Gedenkens zu hören: Der Historiker Markus Pape erzählt von der Geschichte des KZ Lety und des Gedenkens, Zeitzeugen/innen sprechen, eine Gedenkminute wird abgehalten, es wird gesungen, es wird demonstriert, bis die Polizei lautstark zureift, es wird skandiert und bis in das Nachbardorf Mirovice marschiert, um dann auf dem dortigen Friedhof der Ermordeten des KZ zu gedenken.
Das Kopfbild dieser Sendung zeigt das von Roma und Romnja selbst aufgestellte Denkmal für die Toten des KZ Lety, die in Mirovice auf dem Friedhof begraben sind.
Update, dROMa-Red.:
Nach jahrelangen leeren Versprechungen scheint es nun mit dem Aufkauf des Mastbetriebs durch den tschechischen Staat tatsächlich ernst zu werden: KZ Lety: Grünes Licht für Ankauf, 4.8.2017
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September 2nd, 2017 |
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Geschichte & Gedenken, Politik
Aussendung des Zentralrats: Neufassung der Richtlinie der deutschen Bundesregierung über eine Anerkennungsleistung an Verfolgte für Arbeit in einem Ghetto, die keine Zwangsarbeit war
Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma hat sich gemeinsam mit den jüdischen Verbänden in Deutschland und in Polen dafür eingesetzt, dass es für die wenigen noch lebenden Menschen, die in Ghettos während der NS-Herrschaft arbeiten mussten, noch eine Entschädigung geben soll.
Das Bundeskabinett hat dazu am 14. Juni 2017 die Neufassung der Richtlinie der Bundesregierung über eine Anerkennungsleistung an Verfolgte für Arbeit in einem Ghetto, die keine Zwangsarbeit war (Anerkennungsrichtlinie) beschlossen.
- Die Neufassung der Richtlinie begründet im § 1 Ziffer 1 einen Anspruch auf eine einmalige Leistung für Personen, „die sich zwangsweise in einem Ghetto aufgehalten haben, das in einem Gebiet des nationalsozialistischen Einflussbereichs lag, und während dieser Zeit ohne Zwang in einem beschäftigungsähnlichen Verhältnis gearbeitet haben“, wenn sie „für diese Arbeit keine Leistung aus den Mitteln der Stiftung ‚Erinnerung, Verantwortung und Zukunft‘ erhalten haben oder hätten erhalten können“. Die einmalige Leistung besteht nach § 2 Ziffer 1 aus einer Kapitalzahlung in Höhe von 2.000 Euro.
- Nach § 2 Ziffer 2 besteht zudem die Möglichkeit einen Antrag auf einen einmaligen Rentenersatzzuschlag in Höhe von 1.500 Euro zu stellen, wenn ein „Verfolgter, bei dem die Voraussetzungen des § 1 Absatz 1 Satz 1 des Gesetzes zur Zahlbarmachung von Renten aus Beschäftigungen in einem Ghetto vorliegen, nur deshalb keinen Anspruch auf eine Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung [hat], weil die allgemeine Wartezeit nach § 50 Absatz 1 Satz 1 des Sechsten Buches Sozialgesetzbuch nicht erfüllt ist“.
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August 28th, 2017 |
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Geschichte & Gedenken, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

»Every Day is Romaday!«
Konferenz zur Teilhabe von Roma und Sinti in Deutschland (Berlin, 22. November 2017)
Im Herbst 2017 jährt sich die Einweihung des Denkmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas zum fünften Mal. Die deutsche Bundeskanzlerin unterstrich damals in ihrer Rede: »Sinti und Roma müssen auch heute um ihre Rechte kämpfen. Deshalb ist es eine deutsche und eine europäische Aufgabe, sie dabei zu unterstützen, wo auch immer und innerhalb welcher Staatsgrenzen auch immer sie leben.«
Antiziganistische Vorurteile sind in der deutschen Gesellschaft nach wie vor tief verankert: Zuletzt zeigte 2016 die Studie »Die enthemmte Mitte« der Universität Leipzig, dass 57,8% der Befragten ein Problem damit hätten, wenn Sinti und Roma in ihrer Nähe wohnen würden. Knapp 50% wollen Sinti und Roma aus den Innenstädten verbannen. Zur Überwindung dieser Diskriminierung wurde das Bündnis für Solidarität mit den Sinti und Roma Europas gegründet, das mit der Unterstützung des deutschen Bundesprogramms »Demokratie leben!« des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend am Mittwoch, den 22. November 2017, in Berlin eine Konferenz veranstaltet, um die in Deutschland bisher umgesetzten Antidiskriminierungsmaßnahmen aufzuzeigen.
Unter dem Titel »Every Day is Romaday! Dialog mit Politik, Behörden und Bildungseinrichtungen in Deutschland« werden Arbeitsergebnisse präsentiert und Handlungsempfehlungen für weiterhin notwendige Veränderungen entwickelt. Landesfachtage und Schulworkshops finden hierzu bereits ab Juli in den Bundesländern statt. Die Akteure und Akteurinnen in den Kommunen und Vereinen wollen eine Abschlusserklärung mit konkreten Forderungen zur Bekämpfung des Antiziganismus entwickeln und an die neue Bundesregierung übergeben.
Erwartet werden 300 Gäste aus dem gesamten Bundesgebiet. Tagungsorte sind von 12.30 bis 20.00 Uhr die Parochialkirche und das Palais Podewil in Berlin-Mitte.
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August 27th, 2017 |
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Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Interview, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Der Historiker Martin Arndt koordiniert beim Rostocker Verein Soziale Bildung e.V. das Projekt „Lichtenhagen im Gedächtnis“, ein von der Stadt Rostock finanziertes Archiv- und Vermittlungsprojekt zu den rassistischen Ausschreitungen vor dem „Sonnenblumenhaus“ vor 25 Jahren (mehr hier). Velten Schäfer (Neues Deutschland) sprach mit ihm über die Schwierigkeiten, die Gewaltausbrüche des Sommers 1992 zu rekonstruieren. Wir bringen im Folgenden einen Auszug; das ungekürzte Interview finden Sie hier.
„Den Ausgangspunkt bildeten kleine, private »Archive« von Bürgerinnen und Bürgern, die damals gesammelt haben, was ihnen in die Hände kam – das sind natürlich zunächst oft Mediendokumente, schwerpunktmäßig aus den lokalen Zeitungen. Die Flugblätter, die damals von den Rechten in Umlauf gebracht wurden und die von der Gegenseite. Wir haben alle Unterlagen aus dem damaligen Alternativen Jugendzentrum übernommen, darunter ist eine zeitgenössische Chronologie der Ereignisse. (…) Es gehört zu den Zielen unseres Projekts, die Perspektiven der Betroffenen rekonstruieren zu helfen. Dazu gibt es bereits Ansätze. Vor fünf Jahren hat etwa die Heinrich-Böll-Stiftung eine Reihe von Zeitzeugeninterviews aufgezeichnet, mit damaligen Bewohnern des Heims für vietnamesische Vertragsarbeiter (…) und mit Gegenaktivisten. Während viele vietnamesische Zeitzeugen noch in der Stadt sind und mit dem nach den Ereignissen gegründeten Verein Diên Hông auch eine Adresse haben, ist es sehr schwierig, Stimmen der damaligen Roma-Flüchtlinge zu finden, gegen die sich die rassistische Mobilmachung zuerst gerichtet hatte. Viele von diesen kamen aus Rumänien und wurden nach dem entsprechenden Abkommen vom September 1992 zurückgebracht. Ihre individuellen Blickwinkel sind bisher tatsächlich ein blinder Fleck. Immerhin spielen Roma als Gruppe inzwischen eine größere Rolle in der Erinnerung. Am Dienstagabend [nahm] mit Romani Rose vom Zentralrat der Sinti und Roma erstmals ein Vertreter der Roma an einer Gedenkveranstaltung [teil].
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August 25th, 2017 |
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Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen
Vor 25 Jahren tobte in Rostock-Lichtenhagen ein rassistischer Mob. Über Tage hinweg griffen im August 1992 hunderte Anwohner und Neonazis eine Asyleinrichtung und ein Ausländerwohnheim an, mehrere Gebäude gingen in Flammen auf. Begonnen hat all dies mit einer rassistischen Kampagne gegen Roma-Flüchtlinge aus Rumänien. Bei der Gedenkfeier in Rostock sprach auch Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma. Wir dokumentieren im Folgenden seine Rede.
Bei den Ausschreitungen von Rostock-Lichtenhagen handelte es sich um die massivsten fremdenfeindlich motivierten Übergriffe der deutschen Nachkriegsgeschichte. Wir wissen heute, 25 Jahre danach, dass das Pogrom eben kein ,,aus dem Ruder gelaufener Protest“ war, wie damals behauptet wurde. Sondern hier sollte ein von Nazis lange vorbereitetes, mörderisches Signal gegen Flüchtlinge und Ausländer gegeben werden.
Das Pogrom von Lichtenhagen fiel in eine Zeit kurz nach der Auflösung der DDR, in der in Rostock sehr viele Menschen arbeitslos waren. Viele Einwohner hatten jede Zukunftsperspektive verloren. Gleichzeitig kamen 1992 hunderttausende Flüchtlinge nach Deutschland, um hier Asyl zu beantragen. Die Zentrale Aufnahmestelle für Flüchtlinge in Rostock-Lichtenhagen war wie viele andere in dieser Phase völlig überfordert.
Im August 1992 griffen dann hunderte Gewalttäter zuerst die Gebäude der Zentralen Aufnahmestelle, das sogenannte Sonnenblumenhaus, und dann den daneben stehende Wohnblock vietnamesischer Familien mit Steinen und Molotow-Cocktails an. Die Gewalt zog sich über mehrere Tage hinweg, begleitet von Fernsehen und Medien, während die Polizei tatenlos zuschaute.
Tausende Anwohner und Schaulustigen bejubelten die gewaltsamen Angriffe der Nazis. Mehr als 100 Menschen entgingen nur knapp dem Tod in den Flammen. Die Fernsehbilder mit den brennenden Wohngebäuden sind in unser kollektives Gedächtnis eingegangen. Dabei gerät leicht in Vergessenheit, dass der Eskalation ein zunehmend aggressiver Rassismus in den Medien und in der Politik vorausging.
Die bereits Tage vorher angekündigte Gewalt richtete sich zuerst gegen Roma-Flüchtlinge aus Rumänien, die tage- und wochenlang vor der Zentralen Aufnahmestelle unter menschenunwürdigen Bedingungen und ohne jede Versorgung im Freien kampieren mussten. Durch die beusst herbeigeführten unhygienischen Zustände sollte den Flüchtlingen die Würde und damit das Menschsein abgesprochen werden. Aus dieser unhaltbaren Situation entwickelte sich die aggressive Stimmung vor Ort fast zwangsläufig. Die Ostsee-Zeitung berichtete vier Tage vor dem Gewaltexzess über direkte Drohungen gegen Roma. In einem anonymen Anruf an die Zeitung hieß es (Zitat) ,,Die Roma werden aufgeklatscht“. Read the rest of this entry »
August 23rd, 2017 |
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Film & Theater, Geschichte & Gedenken
Teil 2: https://vimeo.com/63692450
Dokumentarfilm von Bob Entrop und Orhan Galjus, 85 Min.
Der Radioreporter Orhan Galjus, geboren im Kosovo, reist durch Deutschland, Polen und das Kosovo. Er will wissen, warum die Sinti und Roma so lange über den Holocaust geschwiegen haben. Orhan spricht mit deutschen Sinti, die Auschwitz überlebt haben, und reist zu wenig bekannten polnischen Gedenkstätten. Mit dem Fortgang der Geschichte entfaltet sich das innere Drama des Protagonisten: Er befürchtet, dass künftige Generationen von ihren Wurzeln entfremdet werden. Was müssen sie tun, um Gehör zu finden? Warum verleugnen viele ihre Herkunft? Sieht insbesondere die junge Generation die Parallelen zwischen der historischen Verfolgung und Ausgrenzung und Diskriminierung in der Gegenwart?
August 4th, 2017 |
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Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV
Ehemaliges Roma-KZ Lety in Tschechien: Grünes Licht für Aufkauf des Mastbetriebs auf KZ-Areal
>>Anhören: MP3
Der Fall ist inzwischen zum „Evergreen“ des politischen Diskurses in Tschechien geworden: In Lety bei Písek steht eine Schweinemast. Genau an diesem Ort befand sich während der NS-Besatzung jedoch ein KZ für Roma. Der Staat könnte den Betrieb nun tatsächlich bald aufkaufen, denn der Eigner der Farm hat am Montag grünes Licht für den Verkauf gegeben.
Um diese Entscheidung wurde lange gerungen: Die Aktionäre des Agrarkonzerns AGPI haben auf ihrer Vollversammlung am Montag dem Verkauf der Schweinefarm in Lety zugestimmt. Der Preis wurde nicht genannt. Das Unternehmen ließ zudem eine Studie über die Kosten für einen möglichen Neubau der Farm an anderer Stelle ausarbeiten. Jan Čech ist Vizevorsitzender des Vorstands der Agrarfirma: „Wir haben den Vertretern des Staats unsere Vorstellungen mitgeteilt. Ich glaube, dass sie dabei sind, das Angebot nur noch zu präzisieren und den Kauf dann abzuschließen.“
Der für die Angelegenheit zuständige Kulturminister Daniel Herman (Christdemokraten) erklärte, er sehe kein Problem mehr auf der Seite der Eigner des Mastbetriebs. Daniel Herman: „Sie haben offen die Bereitschaft dazu gezeigt, das ganze Gelände dem Staat zu verkaufen. Die Regierung verfügt über alle erforderlichen Unterlagen und wird Ende August oder Anfang September eine Entscheidung treffen. Nach der Zustimmung der Aktionäre steht einem Kaufvertrag nichts mehr im Wege.“
Über den Preis wollte der Kulturminister nicht sprechen. Er wolle die Interessen des Handelspartners nicht verletzen, dessen Entgegenkommen er schätze, sagte Herman: „Sämtliche Einzelheiten werden nach der Unterzeichnung des Kaufvertrags veröffentlicht. Ich kann jedoch bestätigen, dass es sich nicht um derart hohe Geldsummen handelt, wie manche schon spekuliert haben.“
Roma-Aktivisten haben zuvor kritisiert, dass über einen Kaufpreis von mehreren hundert Millionen Kronen für die Schweinemast in Lety spekuliert wurde. Sie erinnerten daran, dass der vorherige Eigner den Betrieb für nur 3,5 Millionen Kronen (130.000 Euro) vom Bezirksamt gekauft hatte. Read the rest of this entry »
Juli 30th, 2017 |
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Geschichte & Gedenken, Veranstaltungen & Ausstellungen
2. August – Gedenktag an den Völkermord an Roma und Sinti
18:00 – 20:00 Uhr, Ceija-Stojka-Platz
Lerchenfelder Straße 103-109, 1070 Wien
Wien (OTS) – Schau und vergiss nicht! – unter diesem Motto wird am Mittwoch, 2. August auf dem Wiener Ceija-Stojka-Platz einer halben Million Menschen gedacht, die vom Nazi-Regime als „Zigeuner“ verfolgt und ermordet wurden.
In der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 wurden 2.897 Roma – Männer, Frauen und Kinder – in den Gaskammern von Auschwitz-Birkenau ermordet. Erst 2015, also 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Genozid an einer halben Million Roma und Sinti vom Europäischen Parlament anerkannt. In der Resolution vom April 2015 wurde dazu aufgerufen der Diskriminierung von Roma ein Ende zu setzen. Das Europäische Parlament fordert dazu auf, der Opfer des Völkermordes am 2. August – dem internationalen Roma Genocide Memorial Day – zu gedenken. Das EU-Parlament sei „sehr besorgt um den steigenden Antiziganismus, der sich in Anti-Roma-Rhetorik sowie in Übergriffen und Attacken gegen Roma in Europa manifestiert. Antiziganismus ist unvereinbar mit den Normen und Werten der Europäischen Union und sollte in allen Mitgliedsstaaten bekämpft werden“. Maßgebend für die Anerkennung waren die Bemühungen der Roma Genocide Remembrance Initiative und zahlloser Roma-Organisationen in ganz Europa. Vor allem jugendliche Aktivistinnen und Aktivisten erhoben dafür ihre Stimmen.
In Österreich ermordeten die Nationalsozialisten 90 % der Roma und Sinti. Bis heute ist das Trauma bei den Überlebenden und den Nachfahren der Opfer vorhanden und wirksam. Ein Genozid, der lange verschwiegen und vergessen wurde und heute aktueller ist denn je.
Romano Centro organisiert in Kooperation mit der Roma Genocide Remembrance Initiative, Zentrum Exil und romblog.at die dritte Gedenkveranstaltung zum 2. August in Österreich. Eine Gedenkveranstaltung, bei der Zeitzeugen und Angehörige von Opfern zu Wort kommen. Read the rest of this entry »
Juli 28th, 2017 |
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Film & Theater, Geschichte & Gedenken
Großstadt-Zigeuner, Stummfilm, D 1932
Regie/Kamera/Schnitt: László Moholy-Nagy (1895-1946)
„Als László Moholy-Nagy 1932 seinen knapp zwölfminütigen Experimentalfilm in Berlin drehte, bestätigte er zwar das verbreitete Bild der Sinti und Roma, die sich als Wahrsagerinnen, Musiker und Bärenvorführende betätigten; doch zeigte er sie gleichzeitig als fröhliche und selbstbewusste Gemeinschaft. Moholy-Nagy konnte nicht ahnen, dass Sinti und Roma schon wenige Jahre später ebenso wie die europäischen Juden im Fadenkreuz der NS-Vernichtungspolitik stehen sollten.“ (Goethe-Institut)
„In seinem Film ,Großstadtzigeuner‘ aus dem Jahr 1932 porträtiert der ungarische Künstler, Medientheoretiker und Filmemacher László Moholy-Nagy die Mitglieder einer Roma-Gemeinschaft in Berlin. Er zeigt Männer beim Kartenspiel, Mädchen, die einander die Haare kämmen, streitende Frauen, ekstatische Musiker, ausgelassen tanzende Zuhörer. Immer näher lässt der Filmemacher seine Kamera an diese Menschen herangleiten, mehr und mehr bleibt sie dabei an Details hängen: an Händen, Füßen oder Gesichtern. Sie greift den Rhythmus der Bewegungen auf, wird so zum Teil des Geschehens. Aus den seltsamsten Blickwinkeln hat Moholy-Nagy seine Protagonisten gefilmt, oft von unten oder von schräg oben. Mal bewegen sie sich aus der Unschärfe in die Schärfe, mal aus dem Licht in den Schatten und umgekehrt. Read the rest of this entry »
Juli 25th, 2017 |
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Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Forschungsstelle Antiziganismus an der Universität Heidelberg nimmt Arbeit auf: Wissenschaftler untersuchen Ausgrenzung von Sinti und Roma in Geschichte und Gegenwart
Pressemitteilung, 24.7.2017: Eine Forschungsstelle, die sich dem Thema der Ausgrenzung, Diskriminierung und Verfolgung von Sinti und Roma in historischer Perspektive widmen wird, hat an der Universität Heidelberg ihre Arbeit aufgenommen. Die feierliche Eröffnung findet am 28. Juli 2017 statt. Die Einrichtung dieser Forschungsstelle Antiziganismus geht auf einen Staatsvertrag zurück, den der Landesverband Baden-Württemberg im Verband Deutscher Sinti und Roma und das Land Baden-Württemberg im November 2013 geschlossen haben.
An der Eröffnungsveranstaltung, zu der der Rektor der Ruperto Carola, Prof. Dr. Bernhard Eitel, eingeladen hat, werden die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer, der Vorsitzende des Landesverbandes, Daniel Strauß, und der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, teilnehmen.
„Mit der Förderung der Forschungsstelle Antiziganismus setzen wir ein Zeichen – gegen das Schweigen, für die Aufklärung. Damit wird das Land auch seiner historischen Verpflichtung den Sinti und Roma gegenüber gerecht“, betont Ministerin Bauer. Die neue Einrichtung wird aus Mitteln des baden-württembergischen Wissenschaftsministeriums finanziert. Die Forschungsstelle beschäftigt sich mit grundlegenden Fragen zu Ursachen, Formen und Folgen des Antiziganismus in den europäischen Gesellschaften vom Mittelalter bis in die Gegenwart.
„Ausgehend von der bis heute anhaltenden Stigmatisierung von Sinti und Roma gilt es, Stereotype, Vorurteile und die daraus resultierenden Mechanismen der Ausgrenzung historisch fundiert unter dem Dach der noch jungen Antiziganismusforschung zu untersuchen. Dies ist eine Aufgabe von großer wissenschaftlicher, gesellschaftlicher und politischer Dringlichkeit“, betont der Heidelberger Zeithistoriker Prof. Dr. Edgar Wolfrum, der das Konzept für die Forschungsstelle mit Mitarbeiterinnen des Arbeitsbereichs Minderheitengeschichte und Bürgerrechte in Europa erarbeitet hat. Read the rest of this entry »
Juli 22nd, 2017 |
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Ehrungen & Nachrufe, Geschichte & Gedenken
90 berschenca jek le lejcti prik dschivde holocaust Romendar andar i Tschechija Emílie Machálková muli. Oj na ande logertscha ledschim uli, lake o biro andar i gemajndi Nesovice, saveske oj buti kerlahi, pomoschintscha. Ov le nimtschke „Gestapo“ schaj prik vakertscha taj afka odoj schaj atschini. Pedar lakero mulipe o tschechitiko radijo CRo phukatscha. „Sako di, kada me la srastunaha upri buti ladahi, o nimtschke harengere odoj sina“, phentscha oj jefkar uso projekto „Gedächtnis der Nation“. „Taj sakovar man phutschle, soske me telal o nipo som, sar oda al, soske me na ande logeri som.“ Buteder sar 30 dschene latar ando nacijonalsocijalistischi rajipe murdarde ule. Palo haburi i Machálková ojs dschilaschkija tradicijoneli Romane dschilaschenca peske anav kertscha. Paloda vakeriptscha likerlahi terne dschenenge pedar lakeri historija lakere nipostar. Oj andar barikani familija al: Lakero batschi ando maschkarutno haburi la Tschechoslovakijatar o erschti fischgaroschi andar o Romengero tschulipe sina. Read the rest of this entry »
Juli 21st, 2017 |
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Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Jugend & Bildung, Sport
Rike Reinigers „Zigeuner-Boxer“ basiert auf der Lebensgeschichte des sinto-deutschen Boxers Johann „Rukeli“ Trollmann und zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie in Zeiten von Unterdrückung und Terror persönlicher Mut und verlässliche Freundschaft zum Tragen kommen können. Erzählt wird das Schicksal des Boxers aus Sicht seines Freundes Hans, der vom Kölner Schauspieler Andreas Kunz gespielt wird. Er erinnert sich an Rukelis spektakuläre Auftritte und seine großen Erfolge. 1933 war er Deutscher Meister geworden, doch der Titel wurde ihm wenige Tage später mit der Begründung aberkannt, sein tänzelnder und ausweichender Boxstil sei „undeutsch“. Aus Protest färbte sich Rukeli vor seinem nächsten Kampf die Haare blond und kalkte sich die Haut weiß. So stieg er als Karikatur eines Ariers in den Ring, um die Schläge seines Gegners deckungslos hinzunehmen, bis er zu Boden ging. In Rückblicken erzählt Hans den letztlich aussichtslosen Kampf seines Freundes um seine Karriere und sein Leben (Anm. d. Red.: Trollmann wurde 1944 in einem Außenlager des KZ Neuengamme ermordet),
Das speziell für ein jugendliches Publikum konzipierte Theaterstück ermöglicht einen sehr emotional angelegten Zugang in die Zeit des Nationalsozialismus und zeigt anhand einer historisch verbrieften Lebensgeschichte, wie staatlicher Willkür und Gewalt jedes Recht auf ein menschenwürdiges Dasein zum Opfer fällt.
Das „Deutsche Sport- & Olympia-Museum“ bietet spezielle Aufführungen für Schulklassen in gleichsam authentischem Ambiente, nämlich in seinem Box-Ring, an. Hier beleuchten auch einige ausgewählte Exponate die Geschichte von Johann „Rukeli“ Trollmann.
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Juli 19th, 2017 |
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Ehrungen & Nachrufe, Geschichte & Gedenken
Letzte Überlebende des Völkermords an tschechischen Roma gestorben
Die letzte Überlebende des Völkermords an den tschechischen Roma, Emílie Machálková, ist tot. Sie starb im Alter von 90 Jahren, berichtete der Tschechische Rundfunk in seinen Inlandssendungen am Montag. Die Nationalsozialisten wollten auch die Familie von Machálková in ein Vernichtungslager bringen. Der Bürgermeister ihres Heimatortes konnte aber bei der Gestapo in Brno / Brünn eine Ausnahme aushandeln. Während des Zweiten Weltkriegs haben die Deutschen 90 Prozent der tschechischen Roma ermordet. Nur 600 der insgesamt 6000 Angehörigen überlebten den Porajmos, den Völkermord an den europäischen Roma.
(Text: Radio Praha)
Juli 11th, 2017 |
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Geschichte & Gedenken, Kunst & Fotografie, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen
Die Ausstellung „Sprache kommt vor der Tat“ wandert von einer Galeriewerkstatt zu einem Bauzaun auf der Mariahilfer Straße.
Wiener Zeitung, 4.7.2017. Von Valentine Auer
Wien. „Roma Rauss“ zum Beispiel. Mit Doppel-S und auf einem Wahlplakat über das Gesicht von Alexander Van der Bellen geschmiert. Oder ein Aufkleber mit der österreichischen Flagge und der Aufschrift „Zigeuner bringen Kriminalität & Krankheiten nach Österreich“. Es sind Beispiele von Rassismus, von Antiziganismus, die seit etwa einem Jahr zunehmend im öffentlichen Raum von Wien sichtbar sind. Es sind auch Beispiele, die zeigen wie Rassismus und Sprache zusammenhängen und wie Konstruktionen von Kultur, von Ungleichheiten bis heute fortgeschrieben werden. An einem dieser Schauplätze rassistischer Schmierereien hängt seit Samstag die Ausstellung „Sprache kommt vor der Tat“ der Wiener Künstlerin Marika Schmiedt, um auf ebendiese Kontinuitäten aufmerksam zu machen.
Die Original-Ausstellung war relativ kurz in der Galeriewerkstatt NUU zu sehen. Von 19. Mai bis 1. Juni wurden die Recherchen von Marika Schmiedt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Seit vergangenen Samstag sollen die Erkenntnisse eine breitere Öffentlichkeit erreichen – an einem Baustellenzaun an der Mariahilfer Straße 67.
Erkenntnisse, die darauf aufmerksam machen, wie ähnlich sich rassistische Diskurse vom Kaiserreich bis heute sind. Als Romni wollte sich Schmiedt mit den eigenen Wurzeln auseinandersetzen, erklärt sie gegenüber der „Wiener Zeitung“: „Als Betroffene habe ich mich intensiv mit meiner eigenen Familiengeschichte auseinandergesetzt und bin in meinen Recherchen sehr weit zurückgegangen. Wenn man sich – egal, in welcher Zeit – die Zeitdokumente durchliest, merkt man, dass es immer die gleichen Mechanismen sind.”
Der Menschenfresser-Prozess von Kaschau
Ähnliche Mechanismen und wiederauftretende Kontinuitäten, macht Schmiedt an historischen und gegenwärtigen Beispielen begreifbar. So auch am sogenannten „Menschenfresser-Prozess von Kaschau“, der von 1927 bis 1929 gedauert hat und in der Ausstellung ausführlich dokumentiert wird: „Viele Roma aus Košice, dem damaligen Kaschau, wurden verhaftet und gequält, weil ein Gerücht im Umlauf war, dass sie Menschen gefressen haben. Geständnisse wurden unter Druck abgelegt“, so Schmiedt. Read the rest of this entry »
Juli 1st, 2017 |
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Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte
Wolfgang Radlegger: Roma – zum Betteln verdammt. Eine historisch-kritische Auseinandersetzung. Aktualisiert am Beispiel der Stadt Salzburg, Edition Tandem: Salzburg 2017 (gebunden, 320 Seiten, ISBN 978-3-902932-66-2)
Buchpräsentation in Salzburg am 6. 7. 2017, 19 Uhr
Phurdo/Beratungszentrum, Schallmooser Hauptstr. 31
Die Geschichte der Roma und Sinti ist eine der Verfolgung, Ausgrenzung und Vernichtung. Wolfgang Radlegger wollte es genau wissen und ist tief in die Geschichte abgestiegen, um Spuren zu sichern. Er hat sich aber nicht allein aus den historischen Quellen bedient, er hat sich selbst auf die Reise zu den immer noch „Verdammten“ dieser Erde gemacht. Das ist deshalb so wichtig, weil die Bettler, denen wir heute verstärkt auf den Straßen der Städte Europas begegnen, zu einem erheblichen Teil der Gruppe der Roma angehören. Was das für Salzburg bedeutet und wie die Politik damit umgeht, hat Radlegger in einem eigenen Kapitel exemplarisch abgehandelt. Das Buch ist ein großes Plädoyer für Toleranz.
(Edition Tandem)
Juni 25th, 2017 |
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Geschichte & Gedenken
Tschechien: Aktivisten fordern in Lety Beseitigung des Mastbetriebs
Einige Hundert Aktivisten haben am Samstag in Lety bei Písek in Südböhmen gefordert, dass der Mastbetrieb beseitigt wird, der sich am Ort befindet, wo während der nationalsozialistischen Besatzung ein Konzentrationslager für Roma stand. Der Präsident der „Europäischen antirassistischen Beweging“ (EGAM, European Grassroots Antiracist Movement) Benjamin Abtan erklärte, dass die Firma AGPI, der die Schweinemast gehört, keine EU-Fördergelder bekommen darf. Die Beseitigung der Schweinemast würde seinen Worten zufolge einige Millionen Euro kosten. Nach Lety kam auch Justizminister Robert Pelikán (Ano-Partei). Die Regierung von Bohuslav Sobotka (Sozialdemokraten) ließ zuvor verlauten, dass sie die Verhandlungen mit den Eigentümern des Mastbetriebs zu einem erfolgreichen Ende führen möchte. Das Kulturministerium ließ ein Gutachten über den Wert des Grundstücks, der Immobilien sowie der technischen Ausstattung des Mastbetriebs ausarbeiten.
(Text: Radio Praha)
Siehe auch:
Roma-Diskriminierung: Europarat rügt Prag, 5.11.2016
KZ Lety: Regierung will Schweinemast kaufen, 9.9.2016
Tschechiens Vizepremier verharmlost Roma-Holocaust, 4.9.2016
goEast: Produktionspreis für „JOŽKA“, 3.5.2016
UNO zu Schweinefarm in Roma-KZ Lety, 27.7.2013
Der Holocaust an den tschechischen Roma, 21.3.2012
Juni 22nd, 2017 |
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Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Religion
Die Roma-Pastoral leistet das ganze Jahr über beachtliche Arbeit, im Seelsorglichen, im Sozialen, im Mitmenschlichen, im Erinnern an die Opfer der Vergangenheit und im Hochhalten ihrer unveräußerlichen Würde, im Gestalten einer positiven, selbstbestimmten und mitbestimmten Zukunft. – Einen wesentlichen Anteil an all dem hat Manuela Horvath, die seit nunmehr rund einem Jahr die Roma-Pastoral leitet.
Martinus, 21.6.2017: Eisenstadt – Inklusion heißt, miteinander reden und handeln, nicht bloß einer über den anderen. Manuela Horvath weiß das. Und sie lebt genau das. Denn die Romni Manuela Horvath leitet seit März 2016 die Roma-Pastoral der Diözese Eisenstadt – mit viel Engagement, Begeisterung und einer Fülle an Ideen. Der Erfolg kann sich sehen lassen und ist mehr als sichtbar an der Vielzahl und Vielfalt der Projekte der Roma-Pastoral. Was ihnen allen gemeinsam ist? „So unterschiedlich unsere Tätigkeitsfelder sind, sie sind alle gleichermaßen wichtig. Immer geht es darum, Personen aus der Volksgruppe einzubinden, gemeinsam und miteinander zu gestalten und Vorhaben mit und von der Volksgruppe selbst umzusetzen“, betont Manuela Horvath.
Immer präsent, aktiv und mittendrin
Und es ist viel zu tun für die Leiterin der Roma-Pastoral. Sie ist im ganzen Burgenland präsent und für die Volksgruppe aktiv, leistet seelsorgliche Dienste, hilft bei Bewerbungsschreiben, begleitet bei Amtswegen, ist da, wenn Hilfe in schwierigen Lebenslagen gefragt ist. An Schulen organisiert und hält sie Workshops über die Geschichte der Roma, im Bundeskanzleramt ist sie innerhalb der Roma-Dialogplattform in der Arbeitsgruppe zur Gedenk- und Erinnerungsarbeit engagiert. Manuela Horvath hält Vorträge zur Gedenk- und Erinnerungskultur und engagiert sich für das seit 2006 bestehende Gedenkprojekt „Wohin mit meinen Kerzen“, das den von den Nazis ermordeten Roma einen Namen, einen Präsenzraum des Gedenkens gibt. Rund eine halbe Million Roma und Sinti fielen dem NS-Massenmord zum Opfer. Im burgenländischen Lackenbach wurden mehr als 4.000 Roma und Sinti in einem Zwangsarbeiterlager interniert, versklavt und auf das Unmenschlichste misshandelt. Die Roma-Siedlungen in rund 124 burgenländischen Orten wurden dem Erdboden gleichgemacht, die Menschen in Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert.
Den Opfern ihre Würde geben
Manuela Horvath: „Die Gedächtnispastoral ist mir ein besonderes Anliegen. Ich bin überzeugt, dass die Errichtung von Gedenktafeln in Ortschaften mit ehemaligen Roma-Siedlungen ein wichtiger Schritt ist, um auf das tragische Schicksal unserer Volksgruppe während des Holocaust aufmerksam zu machen. Durch Gedenkstätten bekommen die ermordeten Roma, die keine Grabstätte haben, zumindest einen Ort des Gedenkens.“ In Zusammenarbeit mit dem Verein Roma-Service initiiert die Roma-Pastoral deshalb die Errichtung von Gedenktafeln für Roma-Opfer des Holocaust. Read the rest of this entry »
Mai 20th, 2017 |
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Geschichte & Gedenken, Musik, Veranstaltungen & Ausstellungen
Samstag, 20. Mai 2017, 17-22 Uhr
Eintritt frei!
Die Baranka-Park-Gedenkfeier wird seit 2009 vom Verein Voice of Diversity jedes Jahr am 20. Mai auf der ehemaligen Hellerwiese (heute Belgradplatz mit Baranka-Park) im 10. Wiener Gemeindebezirk organisiert mit dem Ziel, jener Roma und Sinti zu gedenken, die einst auf der Wiese ihren Lager- und Rastplatz fanden, bis sie 1941 Opfer des Nationalsozialismus wurden. Mit der Feier soll der Opfer gedacht werden und auch das Leben und die Kultur der Roma und Sinti sowie die jüdische und Wiener Kultur gefeiert und vermittelt werden. Namhafte Künstler/innen wie Harri Stojka, Doron Rabinovici, Shlomit Butbul oder Martin Spengler präsentieren am 20. Mai 2017 ihre Kunst und Kultur und schaffen im Baranka-Park einen Ort der kulturellen Begegnung. Weiters werden zahlreiche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wie Erich Fenninger, Gilda Horvath und andere zu Wort kommen und kurze Statements geben, um ein Zeichen gegen das Vergessen zu setzen und den Blick für die Gegenwart und Zukunft zu öffnen.
Programm:
17 Uhr – Eröffnung
17.15 Uhr – Musikschule Favoriten
17.35 Uhr – Lesung „Papierene Kinder“: Doris Stojka
17.45 Uhr – Mosa Sisic & seine Schüler
18.15 Uhr – Lesung mit Musik „Herzl Reloaded“: Doron Rabinovici & Harri Stojka
19 Uhr – Martin Spengler & die foischn Wiener
20 Uhr – Shlomit & Band
21 Uhr – Harri Stojka & Band
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