Roma-Pastoral: Kirche lebt Inklusion

Juni 22nd, 2017  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Religion

Manuela Horvath in Mariazell (Foto: volksgruppen.orf.at)Die Roma-Pastoral leistet das ganze Jahr über be­acht­li­che Arbeit, im Seel­sorg­li­chen, im So­zia­len, im Mit­mensch­li­chen, im Er­innern an die Opfer der Ver­gan­gen­heit und im Hoch­halten ihrer un­ver­äußer­li­chen Würde, im Ge­stal­ten einer posi­ti­ven, selbst­bestimm­ten und mit­bestimm­ten Zu­kunft. – Einen we­sent­li­chen An­teil an all dem hat Manuela Horvath, die seit nun­mehr rund einem Jahr die Roma-Pastoral leitet.

Martinus, 21.6.2017: Eisenstadt – Inklusion heißt, miteinander reden und handeln, nicht bloß einer über den ande­ren. Manuela Horvath weiß das. Und sie lebt genau das. Denn die Romni Manue­la Hor­vath leitet seit März 2016 die Roma-Pastoral der Diözese Eisenstadt – mit viel En­gage­ment, Begeis­te­rung und einer Fülle an Ideen. Der Erfolg kann sich sehen las­sen und ist mehr als sicht­bar an der Viel­zahl und Viel­falt der Pro­jekte der Roma-Pastoral. Was ihnen allen ge­mein­sam ist? „So unter­schied­lich unsere Tätig­keits­felder sind, sie sind alle glei­cher­maßen wich­tig. Immer geht es darum, Per­so­nen aus der Volks­gruppe ein­zu­binden, gemein­sam und mit­einan­der zu gestal­ten und Vor­haben mit und von der Volks­gruppe selbst um­zu­setzen“, betont Ma­nuela Horvath.

Immer präsent, aktiv und mittendrin

Und es ist viel zu tun für die Leiterin der Roma-Pastoral. Sie ist im gan­zen Burgenland prä­sent und für die Volks­gruppe aktiv, leistet seel­sorg­liche Dienste, hilft bei Be­wer­bungs­schreiben, be­glei­tet bei Amts­wegen, ist da, wenn Hilfe in schwie­rigen Lebens­lagen ge­fragt ist. An Schulen or­ga­ni­siert und hält sie Workshops über die Ge­schich­te der Roma, im Bundes­kanzler­amt ist sie inner­halb der Roma-Dialog­plattform in der Arbeits­gruppe zur Gedenk- und Erin­ne­rungs­arbeit en­gagiert. Manuela Hor­vath hält Vor­träge zur Gedenk- und Erin­ne­rungs­kultur und en­gagiert sich für das seit 2006 beste­hende Gedenk­projekt „Wohin mit meinen Kerzen“, das den von den Nazis er­mor­deten Roma einen Namen, einen Prä­senz­raum des Gedenkens gibt. Rund eine halbe Million Roma und Sinti fielen dem NS-Massen­mord zum Opfer. Im burgen­län­di­schen Lackenbach wur­den mehr als 4.000 Roma und Sinti in einem Zwangs­arbeiter­lager inter­niert, ver­sklavt und auf das Un­mensch­lichste miss­handelt. Die Roma-Sied­lungen in rund 124 burgen­län­di­schen Orten wurden dem Erd­boden gleich­gemacht, die Menschen in Kon­zentra­tions- und Ver­nich­tungs­lager de­portiert.

Den Opfern ihre Würde geben

Manuela Horvath: „Die Gedächtnispastoral ist mir ein be­son­de­res An­liegen. Ich bin über­zeugt, dass die Errichtung von Gedenk­tafeln in Ort­schaften mit ehe­mali­gen Roma-Siedlungen ein wich­ti­ger Schritt ist, um auf das tra­gische Schicksal un­serer Volks­gruppe wäh­rend des Holocaust auf­merk­sam zu machen. Durch Gedenk­stätten be­kom­men die er­mor­de­ten Roma, die keine Grabstätte haben, zu­mindest einen Ort des Gedenkens.“ In Zu­sam­men­arbeit mit dem Verein Roma-Service initiiert die Roma-Pastoral des­halb die Errich­tung von Gedenk­tafeln für Roma-Opfer des Holocaust. Aus­gangs­punkt bildete ein Schreiben von Alt­bischof Paul Iby und Super­intendent Manfred Koch im Jahr 2006 an alle bur­gen­län­di­schen Gemeinden mit einem Appell zur Auf­arbei­tung der NS-Ver­gan­gen­heit und der Errich­tung von Gedenkstätten.

Gedenken an Attentatsopfer

Teil der Gedächtnisarbeit ist auch die jährliche Organi­sa­tion des Gedenkens an die Roma-Atten­tats­opfer vom 4. Februar 1995: „Das ist ein für mich emo­tio­nal sehr schwie­riger Auf­gaben­bereich. Ich bin in der Roma-Siedlung in Oberwart auf­ge­wach­sen und zwei mei­ner Cousins sind bei dem Bomben­attentat ums Leben ge­kom­men“, so die Leite­rin der Roma-Pastoral.

Sorgen und Hoffnungen heraushören

Als besonders schwierig, aber zugleich sehr wichtig nennt Manuela Horvath ihre seel­sorg­liche Beglei­tung bei Krankheits- und Todes­fällen: „Als Volks­gruppen­ange­hö­rige der burgen­­län­­di­schen Roma kenne ich die Betroffenen oft­mals sehr gut, sodass die Beglei­tung von einem perso­nalen und emotio­nalen Nah­verhältnis ge­prägt ist. Grund­sätzlich ist mir bei allen Zugängen zur Volks­gruppe der persön­liche Kontakt, das Heraus­hören von Wünschen, Bedürf­nissen, Sorgen und Hoff­nungen sowie das Be­mühen um Nach­haltig­keit der Begeg­nun­gen sehr wichtig.“

Eindrucksvolle ehrenamtliche Unterstützung

Seit einem Jahr ist Manuela Horvath bereits alleini­ge Leiterin der Roma-Pastoral. Pfarrer Fabian Mmagu fun­giert als Ober-Roma-Seelsorger, der Pfarr­modera­tor von Wolfau und Koordina­tor der Kranken­haus­seel­sorge in Oberwart, Matthias Platzer, als Geistli­cher Assistent der Roma-Seelsorge. „Ohne ehren­amt­li­che Mit­arbei­te­rin­nen und Mit­arbei­ter aus der Volks­gruppe und deren tolles En­gage­ment wären die vielen Auf­gaben nicht zu bewäl­tigen“, sagt Manuela Horvath.

Internationale Roma-Wallfahrt nach Mariazell

Schließlich gilt es, die alljährliche internationale Wall­fahrt nach Maria­zell mit Roma und Sinti aus Österreich, Deutschland, Ungarn und vie­len an­de­ren euro­päi­schen Ländern, immer am 2. Sonntag im August, zu or­ga­ni­sie­ren. Wieder­belebt wurde die Wallfahrt, die den Roma in der NS-Zeit ver­boten war, von den öster­rei­chi­schen Roma-Or­ga­ni­sa­tio­nen, vom ehe­maligen und lang­jährigen Superior von Mariazell und jetzi­gen Bischofsvikar für das Wall­fahrts­wesen in der Diö­zese Eisen­stadt, Pater Karl Schauer, sowie von Rudolf Sarközi, dem im Vorjahr ver­stor­be­nen hoch­verdienten und renom­mierten Roma-Vertreter.

Vielfältige Akzente im Glaubensjahr

Fastenfrühstück, gemeinsames Eierfärben und ein Familien­kreuzweg am Kal­varien­berg in Pinkafeld setzen Jahr für Jahr leben­dige Impulse für das gemein­same vor­öster­liche Glaubensleben. In der Advent­zeit stehen gemein­schafts­stif­tende Ak­zente wie Bastel- und Back­nach­mit­tage oder seit 2008 eine Roma-Adent­besin­nung auf dem Programm, die jähr­lich in einer ande­ren Roma-Siedlung auch mit der Einladung an Nicht-Roma zur Teil­nahme, zur Begeg­nung, zum Gespräch statt­findet.

Stärkung der Familien

Mit viel Engagement widmet sich Manuela Horvath auch der Arbeit mit und für Roma-Fa­milien. „Wir ver­suchen regelmäßig, Familien aus dem All­tag mit all seinen Schwie­rig­kei­ten und Proble­men zu ho­len und durch kleine, aber nach­haltige Impulse das Familien­leben und das Ge­mein­schafts­gefühl zu stärken. Dazu ge­hören Bastel­nach­mit­tage genau­so wie Wande­run­gen mit der Mög­lich­keit für Er­wach­sene, sich aus­zu­tau­schen, während die Kinder bei Spiel und Spaß un­gezwun­gen herum­tollen können.“

(Text: Martinus.at)

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