Juli 27th, 2019 |
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Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV
Als „Zigeuner“ beschimpft, verfolgt, von den Nazis ermordet und ausgegrenzt bis heute:
„ZDF-History: Sinti und Roma. Eine deutsche Geschichte“ blickt am Sonntag, 28. Juli 2019, 23.45 Uhr, anhand bewegender Lebensläufe auf die Geschichte der Sinti und Roma in Deutschland.
Der Film von Annette von der Heyde erzählt unter anderem vom Vater der Sängerin Marianne Rosenberg. Im Mai 1944 kämpfte er in Auschwitz mit im Aufstand gegen die SS, überlebte und hielt seine Kinder an, ihre Herkunft besser zu verschweigen. Dotschy Reinhardt erzählt als junge Vertreterin der großen Musikerdynastie Reinhardt vom Schicksal ihrer Familie. Rita Vowe-Trollmann erinnert an ihren Vater, den Boxer „Rukeli“, dem die Nazis den Meistertitel einfach aberkannten – wegen „undeutschen Boxens“. Romani Rose berichtet von seinem Vater Oskar, der vergeblich beim Münchner Kardinal Faulhaber um Hilfe für sein Volk bat. Der Musiker Janko Lauenberger erinnert an seine Verwandte Erna. „Ede und Unku“ heißt das Buch über sie, das in der DDR Schullektüre war. Die Dokumentation zeigt auch, wie Sinti und Roma nach dem Krieg für Entschädigung und Anerkennung kämpften, und dass Antiziganismus noch immer weit verbreitet ist.
Auszüge aus den Interviews
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Juli 24th, 2019 |
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Geschichte & Gedenken, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft
Dachauer Symposium zur Zeitgeschichte 2019
Sinti und Roma: Der nationalsozialistische Völkermord in historischer und gesellschaftspolitischer Perspektive
25./26. Oktober 2019
Max-Mannheimer-Haus, Dachau
→zum Veranstaltungsprogramm (pdf) | Anmeldung bis zum 5.10.2019 auf www.mmsz-dachau.de
Der Völkermord an den Sinti und Roma erfuhr erst eine öffentlich weithin sichtbare Anerkennung, als 2012 in Berlin das zentrale Denkmal für diese Opfergruppe geschaffen wurde. Noch bis weit in die 1970er Jahre war die Behauptung gang und gäbe, die Verfolgung der Minderheit und selbst die Deportationen in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau seien keine rassenpolitisch motivierten Maßnahmen des nationalsozialistischen Regimes gewesen.
Dachau ist in Bezug auf den Völkermord und seine Nachgeschichte ein zentraler Ort: Ab 1938 waren große Gruppen von Sinti und Roma im Konzentrationslager inhaftiert und insbesondere den Medizinverbrechen ausgesetzt. In der KZ-Gedenkstätte fand 1980 ein Hungerstreik statt, der wie die im Jahr zuvor von der Bürgerrechtsbewegung deutscher Sinti und Roma in der KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen durchgeführte Gedenkkundgebung zu einer Wende in der Wahrnehmung des Völkermordes beitrug. Aufmerksamkeit erregte schließlich 1993 der Protest gegen die staatliche Abschiebung von Roma, dessen Schauplatz erneut die KZ-Gedenkstätte Dachau war.
Das Dachauer Symposium wendet sich der Verfolgung der Sinti und Roma in der NS-Zeit zu. Gefragt wird ferner nach den Kontinuitäten und Brüchen nach 1945. Antiziganistische Einstellungen haben nicht nur das Leben der Überlebenden und deren Nachkommen überschattet, sondern erschweren bis heute auch die Bildungsarbeit. Read the rest of this entry »
Juli 19th, 2019 |
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Facts & Figures, Geschichte & Gedenken
Ab dem 15. Jh. wurden Roma oft als Ägypter (in der Folge: gypsies, gitanos) bezeichnet. Dies geht verm. auf die Romasiedlung Gyppe (Klein-Ägypten) auf dem Peloponnes zurück.
(Quelle/pdf)
Juli 15th, 2019 |
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Geschichte & Gedenken
Glasdenkmal für ermordete Sinti und Roma in Berlin erneut beschädigt
Das Holocaust-Mahnmal für die ermordeten Roma und Sinti in Berlin wurde abermals von Unbekannten geschändet – bereits zum zweiten Mal, und das innerhalb weniger Tage (und nur kurz vor dem bevorstehenden 75. Jahrestag des Massenmordes anlässlich der Auflösung des sogenannten „Zigeunerlagers“ in Auschwitz-Birkenau am 2. August). Die Anzeige des neuerlichen Vorfall ging laut Polizeiangaben schon am Donnerstag über die Internetwache ein. In beiden Fällen wurden die zum Denkmal gehörenden Glasplatten mit einem spitzen Gegenstand zerkratzt. Über die Hintergründe der beiden Taten liegen der Polizei nach eigenen Angaben derzeit noch keine näheren Informationen vor. In den Pressemeldungen ist von „Vandalismus“ die Rede. Der Sender „rbb24“ berichtet, dass der Staatsschutz des Landeskriminalamtes nicht von einem politischen Motiv ausgehe, weil die Kratzspuren keinen Schriftzug erkennen ließen. Read the rest of this entry »
Juli 12th, 2019 |
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Geschichte & Gedenken
Mit Bestürzung reagiert der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma auf die Schändung des Denkmals für die ermordeten Sinti und Roma Europas in Berlin. Unbekannte Täter hatten ein großes «A» in eine Glasscheibe der Gedenkstätte am Simsonweg im Großen Tiergarten geritzt.
„Es ist sicher kein Zufall, dass wenige Wochen vor dem 75. Jahrestag der Auflösung des sogenannten „Zigeunerlagers“ B IIe in Auschwitz-Birkenau am 2. August jetzt schon Rechtsextremisten und krankhafte Nationalisten Anschläge auf Gedenkorte vornehmen. Sinti und Roma sind in Deutschland und in Europa einem zunehmend gewaltbereiten Rassismus ausgesetzt, der immer wieder auch von staatlicher Seite – wie notorisch beispielsweise vom italienischen Innenminister Salvini – angeheizt und gerechtfertigt wird. Der aggressive Antiziganismus richtet sich zuerst gegen Sinti und Roma, aber im Kern gegen unsere Demokratie und unseren Rechtsstaat“, so Romani Rose, der Vorsitzende des Zentralrates. Der Zentralrat begrüßt, dass umgehend der zuständige Staatsschutz des LKA Berlin die Ermittlungen übernommen hat.
Das Denkmal, in unmittelbarer Nähe zum Deutschen Bundestag gelegen, war 2012 im Beisein von Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel eingeweiht worden.
(Herbert Heuß, Wissenschaftlicher Leiter des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma)
Juli 7th, 2019 |
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Geschichte & Gedenken
Während der deutsche Besatzungsherrschaft im Zweiten Weltkrieg ermordeten Einsatzgruppen der SS, Einheiten der Wehrmacht, der Polizei und lokaler Hilfspolizei in der Ukraine zehntausende Roma. Lange Zeit fand dieses Kapitel des Holocaust in der Forschung nur wenig Beachtung. In der Erinnerungskultur der Sowjetunion kamen die Massenerschießungen von Roma nicht vor. Inspiriert durch die Organisation „Yahad-In Unum“, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, alle Orte der Massenerschießungen von Juden und Roma in Osteuropa zu identifizieren, begann 2010 das American Jewish Committee Berlin an den vernachlässigten Massengräbern würdige Gedenkorte einzurichten. Das deutsche Auswärtige Amt förderte das Projekt, das mittlerweile als „Erinnerung bewahren“ von der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden in Europa weitergeführt wird.
Am 18. Und 19. Juni wurden in der Ukraine im Gebiet Shytomyr die ersten drei Gedenkorte für Roma der Öffentlichkeit übergeben. Die Einweihungen fand unter Beteiligung des Vorsitzenden des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, statt. Read the rest of this entry »
Juni 14th, 2019 |
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Facts & Figures, Geschichte & Gedenken
Im Rahmen des griechisch-türkischen Bevölkerungsaustauschs 1923 mussten auch zahlreiche Roma aus Thessaloniki ihre Heimat verlassen.
(Quelle)
Mai 30th, 2019 |
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Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte
Ausstellung „Gegen das Vergessen“ in Wien – Porträtfotos von NS-Verfolgten des zerschnitten. Freiwillige haben spontan Mahnwachen eingerichtet
Ö1: Auf der Wiener Ringstraße sind Teile einer Ausstellung zur Erinnerung an die Opfer der NS-Gräuel bereits zum dritten Mal beschädigt worden. Freiwillige nähten die zerschnittenen Porträts der Überlebenden wieder zusammen und halten nun Mahnwache. (Mehr hier: https://oe1.orf.at/player/20190529/553902)
Stellungnahme von _erinnern.at_ zum Vorfall: _erinnern.at_ verurteilt aufs schärfste den Vandalismus an den Portraits von Verfolgten des Nationalsozialismus, die in der Ausstellung von Luigi Toscano auf der Wiener Ringstraße gezeigt werden. Es ist eine Schande und eine Scham, dass Zeitzeuginnen und Zeitzeugen derartig in Österreich herabgewürdigt werden. Die Überlebensgeschichten der Überlebenden des Holocaust zu bewahren und weiterzugeben ist uns ein großes Anliegen, durch mehrere Websiteprojekte, Unterrichtsmaterialien, das ZeitzeugInnen-Programm und durch Ausstellungen vermitteln wir ihre Geschichten an Jugendliche. _erinnern.at_ wird weiterhin daran arbeiten die Stimmen der Überlebenden des NS-Terrors, die in Österreich lange nicht gehört wurden, zu verstärken.
Die Ausstellung wird nun von mehreren Jugendorganisationen bewacht, um weitere Vandalenakte vorzubeugen. Bundespräsident Van der Bellen, der die Ausstellung vor wenigen Wochen eröffnete, verurteilte die Beschädigung schärfste und besuchte die Ausstellung ein weiteres Mal: „Es macht mich tief betroffen, dass die Ausstellung ‚Gegen das Vergessen‘ tlw. brutal zerstört wurde. Read the rest of this entry »
Mai 28th, 2019 |
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Ehrungen & Nachrufe, Geschichte & Gedenken
Mit seinem Tod verlieren die Sinti und Roma in Deutschland einen Freund und Mitstreiter, der durch seine Bücher und Drehbücher den Opfern und den Überlebenden des NS-Völkermordes Erinnerung und Würde gegeben hat. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma widmet dem Verstorbenen und seinem Lebenswerk folgende Zeilen:
Michail Krausnick war ein Mensch von ungemeiner Freundlichkeit und Beharrlichkeit, von Bescheidenheit und einer beeindruckenden Detailkenntnis (nicht nur) seiner Stoffe und Themen. Mit seinem Buch „Da wollten wir frei sein“, das schon 1983 erstmals erschien, gab Michail Krausnick überhaupt erstmals einer Sinti-Familie, die die NS-Verfolgungen ebenso wie die bundesdeutsche Nachkriegsdiffamierung erfahren hatte, eine Stimme. Mit diesem Buch wurde in der Form der Oral History über die Konzentrations- und Vernichtungslager, über den Völkermord und über die beschämende deutsche Nachkriegsgeschichte direkt von einer der vielen betroffenen Familien berichtet. Den nach der Haupterzählerin dieses Buches benannten „Hildegard-Lagrenne-Preis“ der Stadt Mannheim erhielt Michail Krausnick 2016.
Die ungemeine Empathie und sein Einfühlungsvermögen kennzeichnen alle Bücher von Michail Krausnick und besonders jene, die er mit und über Sinti und Roma schrieb. Für den Zentralrat schrieb er „Elses Geschichte“ auf, die als achtjähriges Mädchen nach Auschwitz deportiert worden war und überlebt hatte. Die Verfolgung von Sinti und Roma waren ein Dauerthema für Michail Krausnick, zu dem er immer wieder publiziert: „Wo sind sie hingekommen? Der Völkermord an den Sinti und Roma“ 1995 und „Auf Wiedersehen im Himmel! Die Geschichte der Angela Reinhardt“ 2001. Auf der Basis dieses Buches entstand der gleichnamige Film über das Schicksal der Sinti-Kinder von der St. Josefspflege, die zuerst für rassenhygienische Versuche missbraucht und dann nach Auschwitz-Birkenau deportiert und dort ermordet wurden.
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Mai 27th, 2019 |
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Geschichte & Gedenken, Radijo/TV Erba (Tschibtscha)
Radijo Erba & TV Erba
Peter Horvath war 1939 sechs Jahre alt. Er lebte mit seinen Eltern und seinem Bruder in einem kleinen Haus in der Romasiedlung in Jois (Bezirk Neusiedl am See). Sein Vater war kurz zuvor aus der Wehrmacht entlassen worden, obwohl er bereits eine höhere Position innehatte. Da es dazu keinen Anlass gegeben hatte, befürchtete er das Schlimmste für sich und seine Familie. Er sollte Recht behalten: „Im 39er Jahr, wie der Hitler gekommen ist, haben sie meine Mutter und meinen Bruder abgeholt und sie haben sie weggebracht. Sie sind nach Auschwitz gekommen. Die SA ist in der Nacht gekommen, da kann ich mich noch gut erinnern, und hat alle zusammengetrieben und weggebracht. Sie sind zuerst nach Wien gekommen, und von der Elisabethpromenade aus sind dann alle mit dem Transport in die KZs gebracht worden. Und meine Mutter und mein Bruder waren in mehreren Lagern, und zum Schluss kamen sie nach Auschwitz. Am Anfang waren sie in Ravensbrück, und von dort dann nach Auschwitz. Und mein Vater und ich sind davongekommen, das war unser Glück. Read the rest of this entry »
Mai 25th, 2019 |
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Geschichte & Gedenken, Radijo/TV Erba (Tschibtscha)
Radijo Erba & TV Erba
Am Sonntag den 19. Mai 2019 wurde ein Denkmal in der Gemeinde Ritzing (Bezirk Oberpullendorf, Burgenland) für die 21 Opfer des Nationalsozialismus, 18 davon waren Roma und drei Euthanasieopfer, enthüllt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Der Historiker Herbert Brettl und der Künstler Christian Gmeiner waren die Hauptinitiatoren dieses künstlerischen Mahnmals. Eine Betonsäule, die die Namen der Opfer trägt, ragt nun neben dem Friedhof in Ritzing aus dem Boden und erinnert an die im Nationalsozialismus ermordeten Einheimischen. Um die Säule sind Betonkreise angeordnet, in denen sich Ritzinger und Angehörige der Volksgruppe der Roma mit ihren Fußabdrücken verewigten und somit ebenfalls ein Zeichen gegen das Vergessen setzten. Der Künstler Christian Gmeiner, dessen Vater aus Ritzing stammte, war es ein besonderes Anliegen, diesen mehrschichtigen symbolischen Charakter des Denkmals hervorzuheben.
Der Historiker Brettl hat es sich schon seit vielen Jahren zum Ziel gemacht, die lange verdrängte und vergessene Geschichte der Roma im Burgenland aufzuarbeiten und sichtbar zu machen. Dieses Aufarbeiten führte in der Vergangenheit schon zu der Errichtung einiger Denk- und Mahnmäler für Roma und Sinti in den Gemeinden des Burgenlandes. Auch in Ritzing erforschte er die Geschichte der drei Roma-Familien, die vor dem Nationalsozialismus im Ort ansässig waren. Nachdem der Vorschlag für ein Mahnmal im Gemeinderat eingereicht wurde, gab es sofort die Zustimmung des Bürgermeisters und der Mitglieder aller Fraktionen. Read the rest of this entry »
April 2nd, 2019 |
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Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Radio RomaRespekt #28: Geschichte der Sinti und Roma in Dresden
Sendung vom 20.3.2019: Wie erging es eigentlich Sinti und Roma früher in Sachsen? Wie wurden sie behandelt oder auch von Institutionen diskriminiert? Warum? Inwiefern haben sie sich dagegen gewehrt? Wer hat sich mit ihnen solidarisiert? Und das in welcher Form? Was hat eigentlich die Geschichte der Sinti und Roma mit der Entstehung und Entwicklung des Kapitalismus zu tun? Und was hat das Ganze mit der Gegenwart, dem Hier und Jetzt zu tun?
Die Historikerin Claudia Pawlowitsch hat sich in Archive begeben und nach Antworten auf diese Fragen gesucht – aus einer solidarischen Position mit Sinti und Sintezze, Roma und Romnja.
(Sendung & Text: Weiterdenken: RadioRespekt, CC BY-NC-ND 3.0)
März 11th, 2019 |
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Fundstücke, Geschichte & Gedenken, Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte
Vom Wort zur Tat: Von der Medienhetze gegen „Zigeuner“ war es nur noch ein kleiner Schritt zum Roma-Holocaust.
Vor (fast) exakt 80 Jahren, am 3. März 1939, veröffentlichte die Wiener Wochenzeitung „Illustrierte Wochenpost“, Nr. 9, S. 8, unter dem Titel „Zigeuner – die große Landplage“ einen ganzseitigen Artikel über die österreichischen Roma. Von dieser rassistischen Hetze, die an einen jahrzehntelangen medialen Diskurs anknüpfte, war es jetzt nur mehr ein kleiner Schritt zum Holocaust. Etwa neun Zehntel der Roma des Burgenlandes wurden kurz darauf deportiert und ermordet.
„Die Zigeunerfrage, die bisher im Altreich eine relativ unbedeutende Rolle gespielt hat, ist in der Ostmark ein brennendes Problem“, heißt es in dem Artikel. „Und zwar ein Problem der Rassenmischung sowohl wie der Kriminalität.“ Dem Reporter G. Ebert, der angeblich vor Ort im Burgenland recherchierte, habe sich „der nachhaltige Eindruck einer kulturellen Verkommenheit und Degeneration, die ekelerregend ist“, ergeben – die Tonalität des gesamten Artikels zielt auf Entmenschlichung ab.
Im Rahmen des Artikels abgedruckt ist auch ein Schreiben des Bürgermeisters von Sankt Margarethen (Bezirk Eisenstadt-Umgebung). Bürgermeister Unger war offenbar einer jener zahlreichen Scharfmacher auf lokaler Ebene, welche die nationalsozialistischen Behörden zu immer radikaleren Verfolgungsmaßnahmen drängten und deren Vernichtungswillen erst so richtig befeuerten. Als Vorwand dienten einmal mehr die angeblich horrenden Fürsorgekosten, welche die verarmte Romabevölkerung für die Kommunen bedeutete. So gipfelt auch dieser Artikel mit einem abschließenden Ruf nach drastischen Maßnahmen gegen das „arbeitsscheue Parasitenvolk“, das man da „großgezogen“ habe, „niemanden (sic!) zunutze und allen zum Schaden“. „Die Gemeinden, die Zigeuner beherbergen müssen, rufen nach Lösung der Zigeunerfrage (…)“.
Als dieser Artikel erschien, war bereits die erste Deportationswelle angerollt: Schon 1938 waren 232 österreichische Roma und Sinti inhaftiert und in Konzentrationslager eingewiesen worden. Read the rest of this entry »
März 9th, 2019 |
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Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Tschechien: Staatsanwaltschaft ermittelt wegen rassistischer Plakate in Lety
Radio Praha, 8.3.2019: Die tschechischen Behörden ermitteln gegen zwei Männer, die nahe dem ehemaligen Roma-KZ in Lety Plakate mit rassistischen Texten aufgestellt hatten (wir berichteten). Ihnen drohten bis zu drei Jahre Haft, teilte der zuständige Staatsanwalt mit. Laut dem Nachrichtenserver Romea.cz sollen beide Männer einer rechtsnationalen Vereinigung angehören. (Anm. der dROMa-Red.: Es handelt sich um die Gruppierung „My proti všem“, übersetzt: „Wir gegen alle“). Die Plakate waren im Mai und Juni vergangenen Jahres auf dem Gelände der Gedenkstätte für den Roma-Holocaust aufgetaucht (mehr hier).
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Februar 25th, 2019 |
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Frauenrechte, Geschichte & Gedenken, Kunst & Fotografie, Veranstaltungen & Ausstellungen
„Wie aus der ,Zigeunerin‘ eine ‚Sintezza‘ wurde – Frauengeschichten aus der Nachkriegszeit“: Ausstellungseröffnung mit der Jazz-Musikerin Dotschy Reinhardt im Rathaus in Gießen am am 25. Februar um 17 Uhr.
Für die Ausstellung „Wie aus der, Zigeunerin‘ eine ‚Sintezza‘ wurde – Frauengeschichten aus der Nachkriegszeit“ haben die in Gießen ansässigen Sinti-Familien Fischer und Eckstein ihre Fotoalben geöffnet. Dabei haben sie eindrucksvolle Aufnahmen aus dem Leben von Frauen entdeckt, die vom 25. Februar bis 8. März von 8:00 Uhr bis 18:00 Uhr im Rathaus am Berliner Platz präsentiert werden.
Die Verfolgung und der Porajmos – das Wort bedeutet „Verschlingen“ und steht für den Völkermord an den Sinti und Roma – im Nationalsozialismus markieren eine schmerzhafte Zäsur, welche die Zerstörung der Jahrhunderte alten Kultur zum Ziel hatte. Die Ausstellung soll zeigen, dass es für die Überlebenden weiterging und dass dies zu einem großen Teil ein Verdienst der Frauen war.
Der Fokus der Ausstellung liegt – das verdeutlicht der Untertitel – auf „Frauengeschichten in der Nachkriegszeit“. Ergänzt wird die Schau durch Hintergrundinformationen zur Geschichte und zum Alltag der Sinti.
Zur Eröffnung am Montag, 25. Februar, kommt die deutsche Jazz-Musikerin und Autorin Dotschy Reinhardt nach Gießen. Ihre Musik untermalt die Eröffnung. Read the rest of this entry »
Februar 11th, 2019 |
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Geschichte & Gedenken, Politik
RomaCajtung 1/2019: Vorgeschichte: seit vielen Jahren versucht die Roma-Community die Gemeinde Kemeten (Südburgenland) dazu zu bewegen, sich ihrer historischen Verantwortung gegenüber 200 Vertriebenen und zum Großteil ermordeten früheren GemeindebewohnerInnen bewusst zu werden und eine bescheidene Gedenkstätte zu errichten. Über mehrere Jahre wurden die Roma-Vertreter mit der Aussage hingehalten und vertröstet, dass auf einer zu errichtenden Geschichtsskulptur ein entsprechendes Element angebracht ist.
Der so genannte „Geschichtskreis“ wurde nunmehr aufgestellt.
Allerdings: Niemand von den Roma-VertreterInnen wurde zur Eröffnung eingeladen und außer einem sehr neutralen Hinweis auf die geschichtlichen Fakten ist nichts zu finden, was ein Bedauern oder ein Erinnern oder ein Gedenken auslöst.
Natürlich begrüßen die Roma-VertreterInnen es, wenn öffentlich auf die Verbrechen der NS-Diktatur hingewiesen wird., Aber eine Gedenkstätte – oder ein Gedenkort – ist diese „Skulptur“ eindeutig nicht. Wir hoffen sehr – und appellieren an die Gemeindevertretung – einen bescheidenen Gedenkort angesichts der enorm hohen Opferzahl (immerhin wurden mehr als 10 Prozent der damaligen KemetnerInnen ermordet) zu errichten.
Andreas Lehner
Vorsitzender der Roma-Volkshochschule Burgenland
Aus: RomaCajtung, 1/2019, S. 5
Siehe auch:
Virtujeli gondolipeskero than Kemetate, 21.9.2016
Virtueller Gedenkort für Kemeten, 11.9.2016
Kein Ort für Blumen und für Kerzen, 5.9.2011
Kemeten: „Eine Beleidigung für die Toten“, 29.11.2010
Kemeten: „Na anglo völinipe“, 1.4.2010
Die Schande von Kemeten, 31.3.2010
Februar 4th, 2019 |
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Geschichte & Gedenken, Radijo/TV Erba (Tschibtscha), Religion, Veranstaltungen & Ausstellungen
Radijo Erba & TV Erba
Medienworkshop von Roma-Service & Karika
Anlässlich des 24. Jahrestags des Rohrbombenattentats vom 4. Februar 1995, bei dem vier Volksgruppenangehörige der Roma ermordet wurden, lud die Roma-Pastoral am Sonntag, 3. Februar 2019, um 14.30 Uhr in Oberwart bei der Gedenkstätte „Am Anger“ zum jährlichen Gedenken ein. Erstmals nahm auch der Diözesanbischof von Szombathely teil.
Am 4. Februar 1995 wurde eines der schlimmsten rassistischen Verbrechen in der Zweiten Republik begangen: Vier Angehörige der Roma, Peter Sarközi, Josef Simon, Karl und Erwin Horvath, wurden in Oberwart durch eine Rohrbombe getötet. Auf der Bombe war ein Schild mit der Aufschrift „Roma zurück nach Indien“ angebracht. Bei dem Versuch, dieses Schild zu entfernen, explodierte die Sprengfalle, die Teil einer rassistisch und völkisch motivierten Anschlagserie des Attentäters Franz Fuchs war. János Székely, Diözesanbischof der Diözese Szombathely und Roma-Pastoral-Beauftragter der Ungarischen Bischofskonferenz, hat die Gedenkfeier mitzelebriert. Kinder und Jugendliche aus der Volksgruppe sowie die Musikgruppe Romano Rath haben die Gedenkfeier mitgestaltet.
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Januar 31st, 2019 |
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Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte
Düsseldorf: Hakenkreuz-Schmiererei auf Sinti-und-Roma-Geschäftsstelle während Holocaust-Gedenkstunde
Während am Sonntagabend anlässlich des Holocaust-Gedenktags im Düsseldorfer Maxhaus der NS-Opfer gedacht wurde, beschmierten unbekannte Täter das Außenschild am Haus des Landesverbandes der Sinti und Roma Nordrhein-Westfalen in der Kölner Straße mit einem großen Hakenkreuz. Der 1982 gegründete Landesverband hat dort auch seine Beratungsstelle. Der Angriff ereignete sich während der Gedenkveranstaltung, an der auch der Landesverband Deutscher Sinti und Roma als Kooperationspartner beteiligt war und wo auch der Verbandsvorsitzende Roman Franz eine Gedenkrede hielt. Der Landesverband hat Strafanzeige erstattet. Der Verband sieht den Vorfall als „volksverhetzenden Angriff auf Sinti und Roma und eine bewusste Verhöhnung der Opfer des nationalsozialistischen Völkermordverbrechens“, heißt es in einer Mitteilung. Read the rest of this entry »
Januar 30th, 2019 |
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Geschichte & Gedenken, Jugend & Bildung, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft
Fortbildungsveranstaltung für Bildungsarbeit in Berlin: „Voices of the Victims“
1.2.2019, 10:00 – 15:00 Uhr
Landeszentrale für politische Bildung Berlin
Hardenbergstr. 22-24, 10623 Berlin
Unter dem Titel „Voices of the Victims“ hat die Historikerin Karola Fings mit einem Team internationaler Expert_innen Quellen zusammengetragen, die den NS-Völkermord an Sinti und Roma zum ersten Mal ausschließlich aus der Sicht der Verfolgten darstellen. Es handelt sich um frühe schriftliche Quellen von Verfolgten aus der NS-Zeit und den Jahren unmittelbar nach 1945 aus 20 verschiedenen Ländern. Im Rahmen des digitalen Archivs der Sinti und Roma, RomArchive, wurden diese Quellen Ende Januar online zulgänglich gelmacht. Im Rahmen unserer Fortbildung stellen wir diese Quellensammlung vor und wollen darüber ins Gespräch kommen, wie der Bestand in der schulischen und außerschulischen Bildungsarbeit eingesetzt werden kann. Im Anschluss an die Fortbildung wird eine didaktische Handreichung zu den Materialien entstehen.
Die Fortbildung ist kostenfrei und richtet sich an Multiplikator_innen der Bildungsarbeit. In Kooperation mit dem RomArchive und der Berliner Landeszentrale für politische Bildung.
Anmeldung unter: www.berlin.de
(Text: Zentralrat)
Januar 28th, 2019 |
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Geschichte & Gedenken, Kunst & Fotografie, Veranstaltungen & Ausstellungen
Verwobene Geschichten
Ausstellung: „Heterotopie X 3
Installationen der Erinnerung“
27.1.2019 bis 6.3.2019
Ort: DokuZ Sinti und Roma Berlin
Aufbau-Haus am Moritzplatz
Prinzenstr. 84.2, 10969 Berlin
Öffnungszeiten: Mo. & Mi., 9.30 bis 16 Uhr; nach Vereinbarung
Für die Olympischen Spiele 1936 sollte Berlin „zigeunerfrei“ gemacht werden. In ganz Berlin wurden Sinti und Roma aufgegriffen und in ein Internierungslager im Berliner Vorort Marzahn gebracht. Die schmerzhaften Erinnerungen an diese Zeit verstärken heute den Kampf der Sinti- und Roma-Selbstorganisationen um Gerechtigkeit und vermischen sich mit den gegenwärtigen Lebenserfahrungen der Roma aus Osteuropa. Die Ausstellung zeigt diese verwobenen Geschichten und Erinnerungen, die Berlin bewohnen und umkreisen.
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