Michail Krausnick verstorben

Mai 28th, 2019  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Geschichte & Gedenken

Michail Krausnick (1943-2019), Foto: ZentraratMit seinem Tod verlieren die Sinti und Roma in Deutschland ei­nen Freund und Mit­stre­iter, der durch sei­ne Bücher und Dreh­bücher den Opfern und den Über­leben­den des NS-Völker­mordes Erin­nerung und Würde ge­geben hat. Der Zentral­rat Deutscher Sinti und Roma wid­met dem Ver­storbenen und seinem Lebens­werk fol­gende Zeilen:

Michail Krausnick war ein Mensch von ungemeiner Freund­lich­keit und Be­harr­lich­keit, von Be­scheiden­heit und einer be­eindrucken­den Detail­kennt­nis (nicht nur) seiner Stoffe und Themen. Mit seinem Buch „Da woll­ten wir frei sein“, das schon 1983 erst­mals er­schien, gab Michail Krausnick über­haupt erst­mals einer Sinti-Fa­milie, die die NS-Ver­folgun­gen ebenso wie die bundes­deutsche Nach­kriegs­diffa­mie­rung er­fahren hatte, eine Stimme. Mit diesem Buch wurde in der Form der Oral His­tory über die Kon­zentra­tions- und Ver­nich­tungs­lager, über den Völkermord und über die be­schä­mende deutsche Nach­kriegs­geschichte di­rekt von einer der vielen betrof­fenen Familien be­richtet. Den nach der Haupt­erzäh­lerin dieses Buches be­nann­ten „Hilde­gard-Lagren­ne-Preis“ der Stadt Mann­heim er­hielt Michail Kraus­nick 2016.

Die ungemeine Empathie und sein Einfühlungs­vermö­gen kenn­zeichnen alle Bücher von Michail Kraus­nick und be­sonders jene, die er mit und über Sinti und Roma schrieb. Für den Zentral­rat schrieb er „Elses Ge­schichte“ auf, die als acht­jähri­ges Mädchen nach Auschwitz de­por­tiert wor­den war und überlebt hatte. Die Ver­folgung von Sinti und Roma waren ein Dauer­thema für Michail Krausnick, zu dem er immer wieder publi­ziert: „Wo sind sie hin­ge­kommen? Der Völker­mord an den Sinti und Roma“ 1995 und „Auf Wieder­sehen im Himmel! Die Ge­schichte der Angela Reinhardt“ 2001. Auf der Basis dieses Buches ent­stand der gleich­namige Film über das Schick­sal der Sinti-Kinder von der St. Josefs­pflege, die zu­erst für rassen­hygieni­sche Versuche miss­braucht und dann nach Auschwitz-Bir­kenau de­portiert und dort er­mordet wurden.

„Michail Krausnick war ein Mensch, der die Fähig­keit hatte, den Sinti und Roma, die Über­lebende des Holo­caust oder deren Nach­kom­men waren, mit Respekt und Ver­trauen gegen­über­zu­treten. Wie nur weni­ge Men­schen hatte er ein tiefes Ver­ständ­nis für die Er­fahrun­gen unserer Men­schen in der deut­schen Ge­schichte. Unser tiefes Beileid gilt seiner Frau und sei­ner Familie“, er­klär­te Romani Rose zum Tod von Michail Kraus­nick.

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