Erinnerungsorte für Roma in der Ukraine

Juli 7th, 2019  |  Published in Geschichte & Gedenken

Orte des Roma-Holocausts in der Ukraine: Im Juni 2019 fanden die ersten Einweihungszeremonien an den Erinnerungsorten statt (Foto: erinnerung bewahren) Während der deutsche Besatzungsherrschaft im Zweiten Weltkrieg er­mor­de­ten Ein­satz­grup­pen der SS, Ein­hei­ten der Wehrmacht, der Polizei und loka­ler Hilfs­polizei in der Ukraine zehn­tau­sen­de Roma. Lan­ge Zeit fand dieses Kapi­tel des Holocaust in der For­schung nur we­nig Be­ach­tung. In der Er­in­ne­rungs­kultur der Sowjet­union ka­men die Massen­erschießungen von Roma nicht vor. Inspi­riert durch die Or­gani­sat­ion „Yahad-In Unum“, die es sich zur Auf­gabe ge­macht hat, alle Orte der Massen­er­schie­ßun­gen von Juden und Roma in Osteuropa zu iden­ti­fi­zieren, be­gann 2010 das American Jewish Committee Berlin an den ver­nach­lässig­ten Massen­gräbern würdi­ge Gedenkorte ein­zu­rich­ten. Das deut­sche Auswärtige Amt för­derte das Pro­jekt, das mitt­ler­weile als „Erinnerung bewahren“ von der Stif­tung Denkmal für die er­mor­deten Juden in Europa weiter­ge­führt wird.

Am 18. Und 19. Juni wurden in der Ukraine im Gebiet Shytomyr die ers­ten drei Ge­denk­orte für Roma der Öffent­lich­keit über­geben. Die Ein­weihungen fand unter Beteili­gung des Vor­sit­zen­den des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, statt. Vor der Fahrt zu den Erin­ne­rungs­orten fand in Kiew eine Presse­kon­ferenz statt. Rose betonte die Fort­schritte, die in den letz­ten Jahren bei der Iden­ti­fi­zierung von Stätten des Massen­mords an Roma ge­macht wurden. Waren 2014 in sieben ost­euro­päi­schen Ländern ins­ge­samt nur 60 Orte be­kannt, sind es heute allein in der Ukraine 139. Rose dankte dem Pro­jekt „Erinne­rung be­wahren“ und den inter­natio­nalen Projekt­part­nern für ihr En­gagement.

Bei der Einweihung der Informationsstele an dem Gedenk­ort in Ivanopil, die den Opfern der deut­schen Be­satzung in der Ukraine ge­widmet ist, warnte Romani Rose ein­dringlich vor dem wach­sen­den Nationalis­mus in Euro­pa, der Antiziganismus und Anti­semitis­mus in einem bis­lang nicht ge­ahnten Aus­maß be­nutzt. Rechts­radikale Grup­pie­run­gen richten ihren Hass und ihre Gewalt zwar gegen Minder­heiten wie Sinti und Roma, aber im Grunde zielten sie auf die Ab­schaffung von Demo­kratie und Rechts­staat. Das histo­rische Erinnern er­mög­liche die Aus­einander­setzung mit der Ge­schichte des Holo­caust und sei eine wich­tige Voraus­set­zung, um den gegen­wärt­igen Ge­fahren zu be­gegnen.

(Zentralrat)

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