Rassismus & Menschenrechte

Erinnern und Mahnen – Gedenken in Oberwart

März 25th, 2018  |  Published in Geschichte & Gedenken, Radijo/TV Erba (Tschibtscha), Rassismus & Menschenrechte

Radijo ErbaRadijo Erba & TV Erba
Medienworkshop von Roma-Service & Karika
Ein Beitrag von Christina Horvath (Redaktion), Kamera: Julius Horvath, Ton: Marcel Horvath, Schnitt: Marcel Horvath, Inter­views: Eva Horvath und Adolf Gussak

Gondolipe taj mangipe – gondolipe andi Erba

Am 4. Februar 1995 kamen vier Roma in Oberwart bei einem Bomben­anschlag ums Leben. Seit­dem gibt es jähr­lich eine Gedenk­feier für die Opfer die­ser grau­sa­men und rassis­tisch moti­vier­ten Tat. Wir be­frag­ten Besucher der Gedenk­feier zur aktuel­len poli­ti­schen Situa­tion über Roma in Europa. Ver­anstal­tet wurde die Gedenk­feier von der Ro­ma-Pastoral Bur­gen­land.

Ando 4to feberi 1995 schtar Roma, Erbate use jek bom­ba­kero aten­tato pu­maro ileto na­schade. Sajt oja cajt, sako bersch jek gon­doli­pes­kero mula­tintscha­go le opfe­renge odole bi­bas­tale taj rasis­tischi atenta­tostar del. Read the rest of this entry »

„Eine Art rassistischer Grundkonsens“

März 21st, 2018  |  Published in Dokumente & Berichte, Internet & Blogothek, Rassismus & Menschenrechte

ZARA Rassismus-Report-2017ZARA präsentiert „Rassismus-Report 2017“: Weitere Zunahme rassistischer Vorfälle – Online-Hass und -Hetze auf neuem Höchststand

ZARA (Hg.): Rassismus Report 2017
Einzelfall-Bericht über rassistische Übergriffe und Strukturen in Österreich
Wien, März 2018
Download (pdf)

Mit 1.162 rassistischen Vorfällen, die „ZARA – Zivil­courage und Anti-Rassis­mus-Ar­beit“ 2017 doku­men­tiert und be­arbei­tet hat, hat die öster­reich­weit täti­ge Or­ga­ni­sa­tion einen neuen Höchst­stand ver­zeich­nen müs­sen. Zurück­zu­führen ist diese Ent­wick­lung im We­sent­li­chen auf die weiter­hin stei­gen­de Zahl an Hasspostings, die der Or­ga­ni­sa­tion ge­zielt seit der Ein­rich­tung der Bera­tungs­stelle #GegenHassimNetz im Herbst 2017 ge­mel­det wer­den. 2017 mach­ten die rassisti­schen Ar­ti­kel, Postings und Kom­men­tare, die über Online-Por­ta­le oder sozia­le Netz­werke ver­brei­tet wur­den, 44 Prozent aller von ZARA do­ku­men­tier­ten Fälle aus.

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Radijo: Zigeuner vaj Roma & Sinti

März 21st, 2018  |  Published in Radijo/TV Erba (Tschibtscha), Rassismus & Menschenrechte

Radijo ErbaRadijo Erba & TV Erba
Medienworkshop von Roma-Service & Karika
Ein Beitrag von Julius Horvath und Adolf Gussak (Redaktion), Schnitt: Adolf Gussak

Zigeuner oder Roma & Sinti

Andi sendung vasch o alav „Zigeuner“ dschal. O gen­do le dsche­nen­dar ada­la flo­gos­kera grup­natar andi Austrija, tscha­tschi­kan nan dschan­do. O sche­ci­nipe upre va­lami 30.000 dschi 50.000 ma­nu­scha dschal. Ke­kaj i Austrija ando euro­pi­tiko di­ki­pe uso um­gejipe le Ro­menca taj Sinti­jenca an­do khe­ta­nipe latsche adaj ter­dschol taj min­dig kamli ol, te use amen­de argra­ni­ca­lipe, dis­krimi­na­cija taj stig­mati­siri­nipe la flogos­keri grup­natar del.

Im Beitrag geht es um das Wort „Zigeuner“. Die An­zahl der in Öster­reich le­ben­den An­ge­hö­ri­gen dieser Volks­grup­pe ist um­strit­ten. Doch die Schätzun­gen be­lau­fen sich auf ca. 30.000 bis 50.000 Men­schen. Auch wenn Österreich im eu­ro­päi­schen Ver­gleich bei der Teilhabe von Roma und Sinti in der Ge­sell­schaft gut da­steht und im­mer wie­der gelobt wird, gibt es auch bei uns Aus­gren­zung, Dis­krimi­nie­rung und Stig­ma­ti­sie­rung der Volks­gruppe.

(Redakcijona: Julius Horvath taj Adolf Gussak; tschi­na­schi: Adolf Gussak)

„Die Kraft, mein Doppel­leben zu be­en­den“

März 11th, 2018  |  Published in Interview, Rassismus & Menschenrechte

 Gianni Jovanovic - "Als Rom bist du in Deutschland heute noch Außenseiter"  Gianni Jovanovic ist Aktivist und Initiator von "Queer Roma"  (Foto: Amnesty International)Gianni Jovanovic bekam schon als Kind einen Pflaster­stein ins Gesicht – mitten in der Nacht bei einem ras­sis­ti­schen An­schlag. Als schwuler Deutsch-Rom erlebt der Grün­der der Initia­tive „Queer Roma“ auch homo­feind­li­che Dis­kri­mi­nie­rung, gegen die er an­kämpft.

Gianni Jovanovic berichtet auf Amnesty.de über den Weg zur Gründung von „Queer Roma“:

Mit Mitte 20 hatte ich mein Coming-Out und war auf schwie­rige Reak­tio­nen gefasst. Aber letzt­lich ist man doch nie vor­berei­tet. Mein Vater war furch­tbar auf­ge­bracht, meine Mutter fiel auf der Stelle in Ohn­macht. Ihnen zu­liebe habe ich mich zu einem Arzt schlei­fen las­sen. Auch der konnte ihnen nichts an­de­res sagen, als dass mit mir alles bes­tens in Ord­nung ist. Doch wie sollten sie das ver­stehen? Sie sind ein­fache Roma und leben in einer Com­mu­nity mit teils noch immer extrem kon­ser­va­ti­ven Werten. Homo­sexualität gibt es bei uns nicht, so die Hal­tung der meisten.

Ich wusste, dass das nicht stimmt und dass mit mir „alles in Ord­nung ist“. Weil man die Struk­tu­ren aber ver­in­ner­licht, in denen man auf­wächst, habe ich mich gefügt: Mit 14 habe ich ge­hei­ratet, mit 16 wurde ich das erste Mal Vater, mit 18 das zweite Mal. Ich hatte da­mals keine Kraft, mei­nem Um­feld zu er­zählen, wer ich wirk­lich bin. Aus­gren­zung kannte ich schon auf an­de­rer Ebene, ich brauchte meine Com­mu­nity als Halt.

Mit antiziganistischem Rassismus bin ich groß geworden. Ich habe eine Narbe an der Stirn, weil un­sere Unter­kunft in den acht­zi­ger Jahren mit Molotow­cock­tails be­wor­fen wurde. Als Rom bist du in Deutsch­land heute noch Außen­seiter. Read the rest of this entry »

„Ich fühlte mich komplett fremdbestimmt“

März 11th, 2018  |  Published in Interview, Rassismus & Menschenrechte

Gianni Jovanovic (Foto: via Buzzfeed)„Es ist das Wichtigste, das ich in meinem Leben getan habe“, sagt Gianni Jovanovic über sein Coming-out. Auf­ge­wach­sen in einer tra­di­tio­nel­len Roma-Fa­mi­lie, zwangs­ver­hei­ra­tet und mit 18 zwei­fa­cher Vater, kämpft Jova­novic heute mit der Initia­tive „Queer Roma“ ge­gen Homo­pho­bie und Ras­sis­mus.

Gianni Jovanovics Eltern sind traditionelle Roma und ka­men als Gast­arbei­ter nach Deutschland. Er war da­mals sie­ben Jahre alt und erin­nert sich, wie die Fami­lie zu­nächst sehr herz­lich auf­ge­nom­men wur­de, sich dann aber das Blatt auf er­schre­ckende Weise wen­dete. Schließ­lich traf ihn so­gar ein Stein und auf das Haus der Fa­milie wurde ein Molotow­cock­tail ge­wor­fen. Es habe aber auch Men­schen ge­ge­ben, die ihm sehr ge­hol­fen hät­ten.

Als Teenager wurde er zwangsverheiratet und war mit 18 Jah­ren bereits Vater zweier Kinder. Mit Mitte 20 merk­te er, dass irgend­etwas nicht stimm­te: „Ich fühlte mich komplett fremd­be­stimmt.“ Schließ­lich of­fen­barte er den Eltern seine Homo­sexualität. Für sie brach eine Welt zu­sam­men. Doch Gianni Jova­novic be­reute seinen fol­gen­rei­chen Schritt nicht. Nach Jah­ren des quä­lenden Doppel­lebens fühlte er sich befreit und kämpft heute mit seiner Kölner Initia­tive „Queer Roma“ gegen Homo­phobie und Rassis­mus. Die Roma-Com­mu­nity hat ge­lernt, ihn zu ak­zep­tie­ren, zu seinen Kin­dern und Enkeln hat er eine liebe­volle Be­zie­hung, und seit kur­zem ist er auch wieder ver­hei­ra­tet: mit dem Mann sei­nes Lebens.

Lesen bzw. hören Sie bitte den hier nur aus­zugs­weise wieder­gege­be­nen Bei­trag in vol­ler Län­ge auf deutschlandfunkkultur.de.

Siehe auch:
Initiative „Queer Roma“: „Roma und schwul, geht das überhaupt?“
Gianni Jovanovic ist Roma und schwul


Berlinale 2018: Genezis

März 5th, 2018  |  Published in Film & Theater, Rassismus & Menschenrechte

Spielfilm von Árpád Bogdán (Ungarn 2018, 120 min)
Mit Milán Csordás, Anna Marie Cseh, Enikő Anna Illési

Betrunkene Rassisten überfallen nachts eine Roma-Siedlung, wer­fen Brandsätze, schie­ßen auf flie­hen­de Fa­mi­lien. Dabei wird die Mutter des neun­jähri­gen Ricsi getötet. Weil sein Vater wegen einer Baga­telle für zwei Jahre im Gefäng­nis sitzt, kommt der völlig ver­störte Junge zu den Groß­eltern. Die har­mo­ni­sche Welt sei­ner Kindheit ist zer­stört und er sucht ver­zwei­felt nach Halt in der neuen Situa­tion. Die Gym­na­sias­tin und leiden­schaft­li­che Bogen­schützin Virág ahnt, dass ihr Freund Misi in die Attacke auf das Roma-Dorf ver­wickelt sein könn­te. Als ihre Ah­nung zur Gewiss­heit wird, gerät sie in einen tie­fen Gefühls­kon­flikt und trifft eine fol­gen­rei­che Ent­schei­dung. Read the rest of this entry »

Schweiz: Strafanzeige gegen Junge SVP

Februar 27th, 2018  |  Published in Internet & Blogothek, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Dieses Bild wird eingeklagt  Die Junge SVP schürt Vorurteile gegen Roma und Sinti: Die lassen sich das nicht bieten. (Bild: SVP)Schweiz: Roma-Organisation reicht Straf­an­zei­ge we­gen Ver­letzung der Ras­sis­mus-Straf­norm ge­gen Jun­ge SVP des Kan­tons Bern ein

Der Verband Sinti und Roma Schweiz hat eine Straf­anzeige wegen Ver­letzung der Rassis­mus-Straf­norm gegen die Junge SVP des Kantons Bern ein­ge­reicht. Grund ist ein Facebook-Post im Rah­men der JSVP-Wahl­kam­pagne, der die Min­der­he­iten der Sinti und Roma auf pau­scha­lie­ren­de Weise herab­setzt. Die Gesell­schaft für be­drohte Völker (GfbV) un­ter­stützt die Strafanzeige.

Die Junge SVP Kanton Berns veröffentlichte am 21. Feb­ru­ar 2018 auf ihrer Face­book-Sei­te im Rah­men ihrer Wahl­kam­pagne für den Gross­rat einen Ein­trag, der als rassistisch zu wer­ten ist. Der Aufruf „JSVP-Kan­di­da­ten wäh­len – Transit­platz für Zigeuner ver­hin­dern!“ macht deut­lich, dass ein Transit­platz für fah­ren­de Sinti und Roma „schädlich“ sei. Gleich­zei­tig wird mit einer Il­lustra­tion sug­ge­riert, dass „Zigeuner“ pau­schal schmutzig sind, zu Kri­mi­na­lität neigen, ihre Fäkalien über­all hin­ter­las­sen und die öf­fent­li­che Ord­nung nach­hal­tig stören.

Diese Publikation verletzt aus Sicht des Verbandes Sinti und Roma Schweiz und der GfbV die Rassis­mus-Straf­norm Art. 261bis StGB Abs. 4, in dem eine Gruppe von Per­so­nen wegen ihrer Rasse, Ethnie oder Re­li­gion in einer gegen die Men­schen­würde ver­stossen­den Weise herab­setzt oder dis­krimi­niert wird. „Die Publika­tion der Jungen SVP Kanton Bern grün­det in der ras­sisti­schen An­nah­me, dass die Zu­ge­hörig­keit zu einer be­stimm­ten Minder­heit („Zigeuner“) mit Kri­mina­lität, feh­len­der Hygiene, feh­len­dem Umwelt­be­wusst­sein und mit dem Stö­ren der öf­fent­li­chen Ord­nung ver­bun­den ist. Auf diese Weise wird eine ganze Gruppe auf rassis­ti­sche Wei­se herab­ge­setzt“, sagt Stefan Heinichen, Vor­stands­mit­glied des Ver­ban­des Sinti und Roma Schweiz. „Dies ist in­ak­zep­tabel.“ Hinzu kommt, dass der besagte Begriff „Zigeuner“ für die Angehörigen der Sinti und Roma eine ver­letzen­de Fremd­be­zeich­nung dar­stellt.

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Frankfurt markiert Pässe von Bettlerinnen

Februar 22nd, 2018  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Abgestempelt (Foto: passportes.com)Ordnungsamt Frankfurt am Main stempelt rechts­wid­ri­gen und dis­kri­mi­nie­ren­den Ver­merk in Pass von Roma aus Rumänien

Der Sozialberatung des Förderverein Roma liegt der Pass einer Romni aus Rumänien vor, in den ein Mit­arbei­ter des Ordnungs­amts Frank­furt den Ver­merk „Beim aggres­si­ven Betteln an­getrof­fen“ mit Datum und Unter­schrift ge­stem­pelt hat. Die Passinhaberin berichtet, ein Schild mit Bitte um eine Spende hätte zum Ver­merk und zur Über­prüfung der Papiere auf der Wache ge­führt. Die Situa­tion ist von der Frau und ihrer Freun­din, die eben­falls einen Ver­merk in den Pass er­hielt, als be­droh­lich und ängsti­gend erlebt wor­den. Auf eine Über­setzung wurde sei­tens des Ordnungs­amtes nicht ge­achtet. Beide Frauen kommen aus der rumänischen Stadt Gheorgheni/ Gyergyószentmiklós, Roma le­ben dort in ärm­li­chen Hüt­ten ohne jeg­liche Ver­sor­gung, sind vom Regel­schul­besuch aus­geschlos­sen und kon­fron­tiert mit neo­nazis­ti­schen Pogromen (wir berichteten: dROMa 49/2017),

Der beschriebene Eintrag entbehrt nach Auffassung des Förderverein Roma jeder Rechts­grund­lage und führt zur Un­gültig­keit des Pass­dokuments, das Eigen­tum des rumä­ni­schen Staates ist. Das Vor­gehen zeigt in skanda­lö­ser Weise die Spitze von Aus­gren­zung und Stigma­ti­sie­rung. Die Pass­inha­be­rin wird un­ge­achtet der Ent­wer­tung bei jeder Über­prüfung durch den Stempel de­nun­ziert, jeder Grenz­über­tritt wird zum Spieß­ruten­lauf. Der eben­so un­mensch­li­che wie un­recht­mäßige Ver­waltungs­akt er­innert zu­dem an rassis­ti­sche Ver­merke in Pass­doku­men­ten von Roma und Sinti, deren Inten­tion allein in der Herab­wür­di­gung, Ver­fol­gung und De­müti­gung der Be­trof­fe­nen lag.

Nach der Räumung der Brache im Frankfurter Gutleutviertel und dem Camp an der ehe­ma­li­gen Euro­päi­schen Zentral­bank, nach dem Ver­trei­ben von Roma-Frau­en in der Gutleut­straße und den ak­tuel­len Bar­ver­war­nun­gen stellt der Sicht­vermerk im Pass eine wei­te­re Es­ka­la­tions­stufe dar, deren Ziel die Ver­treibung von ob­dach­lo­sen Roma-Migran­tInnen aus der Stadt Frankfurt ist. Read the rest of this entry »

RespectWords: Verfehlte Ansätze?

Februar 18th, 2018  |  Published in Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Sendereihe RespectWordsEs ist Roma wie Nicht-Roma verboten, in Parks zu über­nach­ten: Ver­feh­len An­sätze ge­gen ethnische Diskriminierung das Problem des Antiziganismus?

Radio Dreyeckland | 12.2.2018
Sendereihe RespectWords | 30:00 Min.

➔Anhören (mp3)

Das Stereotyp der „Sintiundroma“ ist homo­gen. „Fremd, faul und frei“, fasst Wulf D. Hund es zu­sam­men. Die Men­schen, die von diesem Stereo­typ um­fasst werden, sind so viel­fältig wie alle ande­ren. Und doch – der Anti­ziganis­mus wirkt auch prak­tisch und sorgt im Stile einer „self-ful­filling prophecy“ dafür, dass Roma und Romnja in vie­len Ländern durch­aus über­pro­portio­nal häufig und hart von gesell­schaft­li­chem Aus­schluss, auch im sozio­öko­nomi­schen Bereich, be­trof­fen sind. Die EU ant­wortet darauf mit Integra­tions- und Anti­diskri­minie­rungs­ansätzen. Doch diese ver­fehlen nicht selten ihr Ziel oder tra­gen sogar dazu bei, dass Aus­schluss und Re­pres­sion gegen Roma und Romnja umso ele­ganter fort­gesetzt wer­den können. Viel­mehr gilt es zu ver­stehen, was Anti­ziganis­mus mit der moder­nen Gesell­schafts­ord­nung zu tun hat, so mit pro­testan­ti­scher Arbeits­ethik und der kapita­lis­ti­schen Ver­wer­tungs­logik. Dann wird auch klar, dass eine Ab­gren­zung von Armut als ver­meint­lich nega­tiver Eigen­schaft Teil des Problems ist, nicht der Lö­sung. Diese The­matik wird in dieser Sendung v.a. an­hand der Bei­spiele der Krimi­nali­sie­rung des Bettelns in Deutschland und der Räu­mun­gen in­for­mel­ler Camps in Frankreich be­leuch­tet.

(Programminfo rdl.de)

Konferenz: Anti­ziga­nis­mus am West­balkan

Februar 16th, 2018  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

Antiziganismus-Konferenz in Berlin 2018 (Foto: Zentralrat)Addressing Discrimination and Antigypsyism in the En­large­ment Region – Inter­natio­nale Kon­ferenz zu Anti­ziga­nis­mus in den West­balkan­staaten in Berlin

Zentralrat: Ächtung von Anti­ziga­nis­mus in den Staa­ten des West­li­chen Bal­kans und in der Türkei ist über­fällig

Eine internationale Konferenz am 13. und 14. Februar in Berlin thema­ti­sier­te erst­malig den zu­neh­men­den Anti­zi­ga­nis­mus und die Dis­kri­mi­nie­rung von Roma in den EU-Beitrittsstaaten. Über 70 Ver­tre­terin­nen und Ver­tre­ter der Fach­minis­terien und der Zivil­gesell­schaft aus den Län­dern des Westlichen Balkans und aus der Türkei dis­ku­tie­ren auf der Konferenz, die vom „Regional Cooperation Council“ in Zu­sam­men­arbeit mit dem Zentral­rat Deut­scher Sinti und Roma or­ga­ni­siert wird, die struk­tu­rel­len Aus­wir­kun­gen von Antiziganismus so­wie Ge­gen­strate­gien für die gleich­berech­tigte Teilhabe von Roma.

Romani Rose, der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, sieht eine his­to­ri­sche Chance in der kürz­lich von der EU-Kom­mission in Aus­sicht ge­stell­ten, schnel­len EU-Beitritts­per­spek­tive der Westbalkan­länder. Rose for­dert gleich­zeitig, dass der Schutz der Minder­heiten- und Men­schen­rechte als wich­tige Grund­lage von Rechtsstaat und Demokratie ver­bes­sert wer­den muss: „Gera­de Roma in den Ländern des Westbalkans müs­sen end­lich als gleich­berech­tigte Bürger an­erkannt sein. Read the rest of this entry »

SWR2: Nazif und der silberne Bär

Februar 13th, 2018  |  Published in Film & Theater, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Familie Mujic (Foto: swr.de)SWR2 Feature: Nazif und der silberne Bär – Vom kurzen Ruhm eines Rom

Einstündige Sendefassung der gleich­na­mi­gen Podcast-Se­rie von Zoran Solomun

Sendung vom 14.2.2018, 22:03 Uhr | Die Serie „Nazif und der sil­ber­ne Bär“ kön­nen Sie auch in der ARD Audio­thek App oder als Podcast hö­ren.

Nazif Mujić ist ein Rom aus Ostbosnien, der von Altmetall lebt, das er sam­melt und wei­ter­ver­kauft. Im Winter 2011 er­war­ten er und seine Frau Senada ihr drit­tes Kind. Als es plötz­lich im Mutter­leib stirbt, än­dert sich ihre Leben dra­ma­tisch. Sie haben weder eine Kranken­ver­si­che­rung noch ge­nü­gend Bargeld, um die nöti­ge Operation zu be­zah­len. Mit einem ille­galen Trick ge­lingt es erst im letz­ten Moment, ihr Leben zu retten.

Der be­rühmte bosnische Filmregisseur und Oscar-Ge­win­ner Danis Tanović er­fährt von ihrer Ge­schichte und ver­filmt sie mit Nazif und Senada, die sich selbst spie­len, in den Haupt­rollen. Der halb­dokumen­ta­ri­sche Film wird zu einem Rie­sen­erfolg: Auf der Berlinale 2013 er­hält Tanović den Großen Preis der Jury und Nazif Mujić den Silber­nen Bären als bes­ter Dar­steller. Nazif und Senada hof­fen, dass sich ihr Leben nun zum Bes­se­ren wen­den wird.

(SWR2 Programminfo)

Italien: Schüsse und Feuer in Roma-Camp

Februar 12th, 2018  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Brand in Brescia (Screenshot: Corriere della Sera)Heute Nacht zwischen zwei und drei Uhr wurden die Be­woh­ner des Roma-Wohn­lagers in der Via Orzinuovi am Stadt­rand von Brescia in Nord­italien durch eini­ge laute Schüsse aus dem Schlaf ge­rissen. Auf diese Weise ge­weckt, be­merk­ten die Roma (der Corriere spricht von Sinti), dass es im Camp brann­te. Die Hinter­gründe sind noch völlig un­klar, die Carabinieri er­mit­teln. Der­zeit werden die Auf­zeich­nun­gen der Video­kameras, die die Stadt am Camp­eingang platziert hatte, ge­sichtet. Fest steht, dass vier Autos im Camp aus­brann­ten. Da sich diese laut ersten Presse­meldungen in eini­gem Ab­stand von­einan­der be­fan­den, er­scheint ein zu­fäl­li­ger Brand aus­geschlos­sen. Read the rest of this entry »

Terror gegen Roma? Wieder Brand in Plauen

Februar 9th, 2018  |  Published in Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Nach dem Brandanschlag auf ein Roma-Wohnhaus in Plauen (Sachsen) brannte nun auch das Ersatz­quartier. Dies­­mal star­­ben zwei Men­schen. Vor drei Wochen sahen einige der Roma, wie sich Ver­däch­tige im Haus zu schaf­fen mach­ten – die Polizei wollte ihnen nicht glauben.

Deutschland: Wieder brannte das Haus der Roma-Familien in Plauen (Foto: Romano Sumnal)Radio Dreyeckland: Antiziganismus in Motiv und Umgang mit der Tat?

➔Sendung anhören (mp3)

Am Morgen des 5. Februar starben in Plauen zwei Per­so­nen beim Brand eines Wohh­hauses. Ein Mann und eine Frau, deutsche Staats­ange­hö­rige. Vier weitere Perso­nen wur­den teils schwer ver­letzt. Be­trof­fen war die Dach­geschoss­wohnung ei­nes Mehr­fami­lien­hauses in der Dürer­straße. Die Men­schen in den darunter­lie­gen­den Wohnun­gen konn­ten sich ret­ten. In dem Haus in der Dürer­straße waren sechs deut­sche Staats­an­gehö­rige ge­meldet und 30 Per­so­nen mit ande­ren Staats­an­gehörig­keiten. Zum Zeit­punkt des Brandes hiel­ten sich nach Aus­sagen eines Erst­helfers wo­mög­lich noch mehr Leute in dem Haus auf. Viele der Bewoh­ner/innen waren erst seit kur­zem in das Haus ge­zogen. Und zwar des­halb, weil ihr vori­ges Wohn­haus, weni­ge Stra­ßen weiter in der Trockental­straße, kurz zuvor, am 29. De­zem­ber 2017, eben­falls durch einen Brand un­be­wohn­bar gewor­den war. Schon zuvor hatte es dort laut dem Verein Romano Sumnal Brände ge­ge­ben. In der Nacht vom 29. auf den 30. De­zem­ber wur­den von den min­des­tens 40 Be­woh­ner/innen 19 ver­letzt, darunter acht Kinder. Mit schwe­ren Brand­verletzungen wur­den eine schwan­gere 29-jäh­rige Frau und ihr zwei­jähriger Sohn sowie ein fünf­jäh­ri­ges Kind und eine 39-jäh­ri­ge Frau in eine Spezial­klinik ein­ge­lie­fert. Bei den Be­woh­ner/innen han­delte es sich vor allem um Roma aus der Slowakei und aus Rumänien.

Wäh­rend des Brandes hal­fen eini­ge An­woh­ner und Passan­ten. Zwei jugend­li­che Helfer be­rich­te­ten je­doch, dass sie gefragt wurden, warum sie hel­fen – man solle die Leute doch ver­bren­nen las­sen. Ein An­woh­ner habe „Sieg Heil“ ge­rufen. Feuer­wehr­leute sollen bei den Rettungs­arbeiten an­gegrif­fen wor­den sein. Einen rassisti­schen Hinter­grund schloss die Polizei jedoch bald aus. Ver­dächtigt wurde zu­nächst ein ehe­ma­li­ger Bewohner des Hauses, der mit dem Ver­mie­ter Streit ge­habt ha­ben soll. Man­gels Beweisen wurde er aber wieder frei­gelas­sen. Nach dem Um­zug in die Dürerstraße hatten die ehe­mali­gen Be­woh­ner/innen der Trocken­tal­str. 86 Angst vor weite­ren Anschlägen. Mit­te Ja­nuar über­rasch­ten Haus­bewoh­ner/innen im Keller drei Männer, die mit einer weißen Flasche han­tier­ten und nach ihrer Ent­deckung weg­lie­fen. Read the rest of this entry »

Radio: Antiziganismus in den deutschen Medien

Februar 5th, 2018  |  Published in Medien & Presse, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Sendereihe RespectWords„Es kommen nicht nur Roma, es kommen auch Akademiker“ – Anti­ziga­nis­mus in den deut­schen Medien

Radio Dreyeckland | 29.1.2018
Sendereihe RespectWords | 30:00 Min.

➔Anhören (mp3)

Über kaum eine Gruppe wird so negativ, klischee­beladen und schlicht falsch be­rich­tet wie über Sinti und Roma. Wäh­rend be­son­ders reiße­ri­sche Schlagzeilen oder Titel­bilder durch­aus für Em­pö­rung sorgen kön­nen, liegt das eigent­li­che Problem viel tiefer – auch vor­geb­lich differen­zierte Bericht­erstattung be­zieht sich oft auf anti­ziga­nis­ti­sche Stereotype und re­pro­du­ziert diese. In der fol­gen­den Sendung wird da­nach ge­fragt, was Anti­ziganis­mus eigent­lich ist, wel­che Rolle er in der deutschen Medien­land­schaft spielt und wie mit dem Problem um­ge­gan­gen wer­den kann.

(Programminfo rdl.de)

Facts & Figures (181)

Februar 3rd, 2018  |  Published in Facts & Figures, Rassismus & Menschenrechte

62% der Slo­wa­ken möch­ten kei­ne Ro­ma als Nach­barn (Mos­lems: 54%; Ho­mo­se­xu­el­le: 37%).

(Quelle)

NPD-Plakate: Verfahren eingestellt

Januar 26th, 2018  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

NPD-Plakat„Rechtsstaat ad absurdum geführt“ – Zentralrat Deutscher Sinti und Roma kri­ti­siert Un­tätig­keit der Staats­anwalt­schaft gegen­über ras­sis­ti­scher Wahl­werbung

Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt stellte aktuell ein Straf­verfahren ge­gen die NPD we­gen Volks­verhetzung ein. Diese Ein­stel­lung be­grün­dete sie damit, dass die Per­son, die die NPD-Wahl­plakate mit dem Text „Geld für die Oma, statt für Sinti und Roma“ auf­ge­hängt hat, nicht er­mit­telt wer­den könne. Dafür, dass diese Plakate in Ingol­stadt auf Ver­an­las­sung der NPD auf­ge­hängt wurden, gebe es keine An­halts­punkte. Es sei fest­zu­stel­len, dass auf­grund der durch­ge­führ­ten Ermitt­lun­gen nicht die NPD, son­dern eine Person, die diese alten Plakate noch in Besitz hat­te, die Pla­ka­te in In­gol­stadt auf­ge­hängt habe und die Per­son nicht er­mittelt wer­den könne.

Hierzu erklärte der Zentralratsvorsitzende Romani Rose: „An­ge­hörige unserer Minder­heit wer­den seit 2013 in ver­schie­de­nen Wahl­kämpfen mit eben diesen volks­ver­hetzen­den Plakaten aus der Rechts­gemeinschaft aus­gegrenzt. Des­we­gen for­der­ten wir die Stadt Ingolstadt da­zu auf, die Plakate abhängen zu lassen. Die Stadt wei­gerte sich, da ihrer Rechts­ansicht zu­folge eine Volksverhetzung nicht vor­liege und die rassisti­sche Parole von der Meinungsfreiheit ge­deckt sei. Die Stadt hatte po­si­tive Kennt­nis von den Plaka­ten. Wä­ren diese ord­nungs­widrig auf­ge­hängt wor­den und nicht der NPD zu­zu­ordnen, hätte die Stadt die Ab­hängung ver­anlasst. Durch die Form der Ermitt­lungs­arbeit und die Be­grün­dung, wie sie von der Staats­anwalt­schaft Ingolstadt ge­wählt wurde, wird unser Rechts­staat ad absur­dum ge­führt. Read the rest of this entry »

Bern: Amnesty warnt vor „Lex Fahrende“

Januar 25th, 2018  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

SchweizAmnesty International kritisiert die Auf­nahme eines neuen Weg­wei­sungs­grunds «ge­­­gen un­­er­­laub­­­tes Cam­­pie­­ren» im Po­li­zei­ge­setz des Kan­tons Bern (mehr hier). Die „Lex Fahrende“ bie­tet keine Lö­sung für das Problem der feh­len­den Stand- und Durch­gangs­plätze und droht den Anti­ziganis­mus zu för­dern.

Amnesty International Schweiz, 24.1.2018: In den letzten Jahren kam es zu Schließun­gen zahl­rei­cher Stand- und Durch­gangs­plätze in der Schweiz. Diese wurden mehr­heit­lich nicht ersetzt. Mit der Be­setzung der Kleinen All­mend in Bern im April 2014 (mehr hier und hier) durch Ver­tre­terInnen der Be­we­gung Schwei­zer Reisen­der kam dieser Problematik end­lich auch die not­wen­dige poli­ti­sche Be­deu­tung zu und es konn­ten zwischen­zeitlich einige Pro­vi­so­rien ge­schaf­fen wer­den. Von diesen kön­nen aber vor allem Schweizer Fahrende pro­fi­tie­ren und sie ste­hen aus­län­di­schen Fahrenden oft nicht zur Ver­fügung.

«Die Situation ist sowohl für die Schweizer Fah­ren­den und noch viel mehr für die aus­län­di­schen Fah­ren­den prekär und für die Betrof­fe­nen mehr als un­befrie­di­gend», sagt Denise Graf, Juristin bei Amnesty International Schweiz.

Problem auf die lange Bank geschoben

Es sind zwar Bemühungen im Gang, in der kantona­len Raum­planung de­fini­tive Stand- und Durchgangs­plätze zu schaf­fen, doch die Re­sul­tate dieser Be­mühun­gen las­sen auf sich warten. Bis­lang gibt es keine offi­ziel­len Plätze im Kanton Bern für aus­ländi­sche Fahrende. Sie sehen sich des­halb dazu ge­zwun­gen, sich auf privaten Grund­stücken nieder­zulassen. Dies führt bei der Be­völ­ke­rung oft zu Ab­lehnung und Ressen­ti­ments gegen­über Roma, Sinti und Jenischen.

Solange die Berner Behörden ihre Aufgaben nicht ge­macht haben, kön­nen sie nicht poli­zei­lich gegen die aus­län­di­schen Fahren­den vor­gehen, die sich auf privaten Grund­stücken nie­der­las­sen. Bei einer polizei­li­chen Wegweisung muss die Polizei den Fah­ren­den die Ad­resse eines of­fi­ziel­len Ortes ge­ben können, wo sie Durch­gangs­plätze fin­den kön­nen. Read the rest of this entry »

Europitiko rot patijarel o ERRC

Januar 23rd, 2018  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte

Verleihung des Raoul-Wallenstein-Preis 2018 in Straßburg (Foto: CoE)Raoul-Wallenberg-patijaripe: Europitiko rot pa­ti­ja­rel o centro le Ro­ma­ne tscha­tschi­pen­ge (ERRC) an­de Bu­da­pest

O centro sa kerel, kaj le lek bareder tschu­li­peske andi Europa feder te dschal, phenel o ge­ne­ral­sekre­tari la than­se­kera orga­ni­saci­jo­na­tar, Thorbjørn Jagland uso prik dipe le pat­jari­pes­taer an­de Straßburg. I or­ga­ni­sa­ci­ja pe but sora­li­peha la flogos­kera grup­nake le Ro­menge an­de be­scharel. Lengere butschaschtscha – but lendar Roma hi – sika­de, hot o kejm­pi­nipe gejng i dis­krimi­na­ci­ja taj rasis­mus bari­kane schaj kerdo ol, phe­nel o Jagland use. Ov le direk­to­riske le cent­ru­mistar Ðorđe Jovanović o 10.000 Euro prik dija. I 1996 kerdi or­gani­sa­cija po­mo­schi­nel but Romenge te le aun sesim ule gejng dis­krimi­naci­ja vaj rasis­tischi moti­virti schtrau­fi­ni­pes­kere kerip­tscha. Read the rest of this entry »

Europarat: Wallenstein-Preis an ERRC

Januar 18th, 2018  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte

Verleihung des Raoul-Wallenstein-Preis 2018 in Straßburg (Foto: CoE)Europäisches Zentrum für Rechte der Roma (ERRC) erhält Raoul-Wallen­berg-Preis für Kampf ge­gen Ras­sis­mus und Menschen­rechts­ver­letzun­gen

Das Europäische Zentrum für die Rechte der Roma mit Sitz in Budapest er­hielt gestern den Raoul-Wal­len­berg-Preis des Euro­pa­rates für seinen Kampf gegen Dis­krimi­nie­rung, Anti-Roma-Ras­sis­mus und Ver­letzun­gen der Rechte der Roma. Das Zentrum wen­det in­no­va­tive recht­liche Maß­nahmen und evi­denz­ba­sierte Forschung an und er­arbei­tet ein­schlä­gige Stra­te­gien. Thorbjørn Jagland, Ge­ne­ral­sekre­tär des Europa­rates, er­klärte bei der Ver­lei­hung des mit 10.000 Euro dotier­ten Preises an den Direk­tor des ERRC, Ðorđe Jovanović: „Es ist be­dauer­lich, dass Per­so­nen und Grup­pen auf unse­rem Kon­ti­nent weiter­hin Menschenrechts­ver­letzun­gen und schlech­ter Be­hand­lun­gen aus­ge­setzt sind. Um­so er­freu­li­cher ist es daher, dass Aus­zeich­nun­gen wie diese die Auf­merk­sam­keit auf Prob­le­me lenken, die sonst viel­leicht un­beach­tet ge­blie­ben wären – und jene Per­sonen wür­digen, die außer­gewöhn­li­che An­stren­gun­gen unter­neh­men, um sie zu be­kämpfen. Ich freue mich mit­teilen zu dürfen, dass der Preis in diesem Jahr an eine Or­gani­sa­tion geht, die Hinder­nisse be­sei­tigt, mit denen die Roma, die größ­te euro­päi­sche Minderheit, kon­fron­tiert sind. Eine Organi­sa­tion, deren Energie, Hart­näckig­keit und Glaube an den Rechtsstaat da­für sor­gen, dass die Rechte der Roma an­erkannt wer­den. Eine Orga­ni­sation, de­ren Mut und Ent­schlos­senvheit eine Inspira­tion für junge Roma sind und die ihnen eine Zukunft vol­ler Hoff­nung auf­zeigt.“ Die ge­mein­nützige Orga­ni­sation, deren Leitung und Mit­arbeiter mehr­heit­lich Roma sind, ist un­ermüd­lich und effi­zient in ihrem Kampf gegen Anti-Roma-Ras­sis­mus und Men­schen­rechts­ver­letzun­gen in zahl­reichen Ländern, er­gänz­te der Generalsekretär.

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Sachsen: 19 Verletzte nach Brandanschlag

Januar 10th, 2018  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

In den späten Abendstunden des 29. Dezember wurde in Plauen (Sachsen) ein Brand­an­schlag auf ein Haus ver­übt, in dem vor­wie­gend Roma-Familien aus der Slowakei und Rumänien wohnen. Augen­zeugen be­rich­ten von rassisti­schen Kom­men­ta­ren und „Sieg-Heil“-Rufen von An­wohnern. Die Feuer­wehr soll beim Ein­satz at­tackiert wor­den sein.

Das Feuer, das im Keller gelegt wurde, zerstörte das fünf­stöckige Wohn­haus, in dem sich 40 Per­so­nen auf­hielten, so stark, dass es in der nächs­ten Zeit nicht be­wohn­bar ist. 19 Be­wohner wur­den bei dem Anschlag ver­letzt, darun­ter auch acht Kinder. Zwei Frauen (29 bzw. 39) und zwei Kinder (2 bzw. 8 Jahre) schweb­ten vorüber­gehend so­gar in Le­bens­gefahr. Dies berich­tet das Online­magazin Belltower.news. Trotz der Schwe­re des Vorfalls „wurde der Fall bisher nicht über­regio­nal be­ach­tet“.

Der mutmaßliche Täter, ein 25-jähriger Deutscher, wurde kurz nach der Tat fest­ge­nom­men. Laut Staats­anwalt­schaft schweigt der Mann bisher zur Tat. Bis Okto­ber 2017 soll er selbst in dem Haus ge­wohnt haben, sei dann aber die Miete schul­dig ge­blie­ben und schließ­lich aus­ge­zogen. Noch unklar ist, ob daher ein Streit mit dem Ver­mieter hinter der Tat ste­hen könnte. „Gegen ihn wird wegen versuchten Mordes in meh­re­ren Fällen, schwe­rer Brand­stiftung und schwe­rer Körper­verletzung er­mittelt“, heißt es auf Bell­tower.news.

Die Bewohner sind momentan in Notunterkünften unterge­bracht. Sie „wer­den über Spenden, Kleider­kam­mern und die Plauener Tafel mit dem Nö­tigs­ten ver­sorgt. Viele flohen bar­fuß und leicht be­kleidet aus dem bren­nenden Haus. Für die grö­ße­ren Fa­milien wird nun drin­gend Wohnraum gesucht.“

Über die Szenen vor dem brennenden Gebäude schreibt Bellt­ower.news:

Augenzeugen berichten von rassisti­schen Kommen­taren und „Sieg Heil“-Rufen von An­woh­ner_innen. Außer­dem sollen Feuerwehr­leute beim Ein­satz at­tackiert wor­den sein. (…) Alarmierend für die Situa­tion im Stadt­teil ist ein Bericht in der „Freien Presse“ über zwei 18 und 19 Jahre alte Schüler, die auf dem Rück­weg vom Kino an dem bren­nen­den Haus vorbei­kamen und spon­tan Hilfe leis­teten (…). Die Schüler berich­ten u.a., im zwei­ten Stock hät­ten Männer Kinder an den Hand­gelen­ken aus den Fenstern ge­hal­ten. Read the rest of this entry »