Rassismus & Menschenrechte
November 26th, 2020 |
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Einrichtungen, Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte
Das Deutsche Institut für Menschenrechte schreibt sechs Recherche-Stipendien zum Thema „Sinti_zze und Rom_nja in Deutschland“ aus. Das Institut will damit anregen, das Thema aus menschenrechtlicher Perspektive zu bearbeiten.
Die Bewerbung von Sinti/Sintizze und Roma/Romnja wird besonders begrüßt. Die Bewerbungsfrist läuft bis zum 21. Dez. 2020.
Wir geben im Folgenden die Ausschreibung in Auszügen wieder:
Ziel des Recherche-Stipendiums ist es, rassismuskritisches Schreiben im Journalismus zu fördern und eine besondere Sensibilität gegenüber Sinti_zze- und Rom_nja-bezogenen Themen zu schaffen, da diese bislang häufig fehlerhaft oder diskriminierend dargestellt werden. Das Stipendium ermöglicht den Journalist_innen eine fundierte und menschenrechtlich qualifizierte Berichterstattung.
Das Recherche-Stipendium des Deutschen Instituts für Menschenrechte richtet sich an alle (Nachwuchs-)Journalist_innen, die zum Thema Sint_izze und Rom_nja in Deutschland arbeiten möchten. Das Projekt wird durch die Stiftung EVZ gefördert und ist Teil einer umfassenden Kooperation mit RomaniPhen. Prämiert werden herausragende Recherchekonzepte für journalistische Beiträge. Ein Betrag in der Höhe von 1.500 Euro soll es den Stipendiat_innen ermöglichen, frei von Akquise- und Gelddruck zu recherchieren. Der Betrag wird nach Fertigstellung des Beitrags ausgezahlt. Die Veröffentlichung kann gedruckt, online (gerne auch als Videoformat) oder im Hörfunk erfolgen.
Insgesamt werden sechs Stipendien vergeben, über deren Vergabe eine unabhängige Medien-Jury entscheidet. Die Jury besteht aus: Read the rest of this entry »
November 12th, 2020 |
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Film & Theater, Rassismus & Menschenrechte
Dokumentarfilm von Ida Persson Lännerberg, SWE 2019
Eröffnungsfilm des Roma-Filmfestivals „Ake Dikhea?“
Am 19.11.2020, 18 Uhr, online zu sehen (→zum Stream)
Lindy Larsson wuchs in einer kleinen Papiermühlen-Stadt in Südschweden auf. Er wurde nie als der akzeptiert, der er ist. Er war immer anders. Als kleiner Junge war er dünn, mädchenhaft und ohne Freunde. Er floh in eine Fantasiewelt und wurde zu der von ihm geschaffenen Superheldenfigur – Little Light –, einem Jungen, der Licht ausstrahlen konnte. Lindy und seine Familie sind Roma-Travellers, eine Minderheit, die seit dem 16. Jahrhundert in Schweden lebt. Noch heute werden Roma-Travellers von der schwedischen Gesellschaft diskriminiert und erleben Missbrauch und strukturellen Rassismus.
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November 8th, 2020 |
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Einrichtungen, Film & Theater, Internet & Blogothek, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen
Das Berliner Roma-Filmfestival geht – online – in die vierte Runde: Das Festival zeigt 17 Filme, darunter Kurzfilme, Dokumentar- und Spielfilme.
Vom 19. bis zum 23. November 2020 laufen in der vierten Festival-Edition 17 Filme, darunter Kurzfilme, Dokumentar- und Spielfilme. AKE DIKHEA? findet dabei das erste Mal online statt. Wie wichtig die Anpassung an die aktuellen Bedingungen ist, betont auch der Schirmherr des Festivals, Dr. Klaus Lederer, Bürgermeister von Berlin und Senator für Kultur und Europa:
Gerade in Krisenzeiten braucht unsere Gesellschaft Zusammenhalt, das Aufeinanderzugehen, Sich-gegenseitig-Zuhören. Und es ist essentiell, dass gerade Erfahrungen von Roma, LGBTIQ-Menschen und anderen oft angefeindeten Menschen sichtbar werden. Das AKE DIKHEA?-Filmfestival bietet dazu seit vier Jahren eine großartige Plattform.
Dr. Klaus Lederer über AKE DIKHEA?
Intersektionalität, Feminismus und Rechte von LGBTIQ+
Der thematische Fokus der diesjährigen Festivalausgabe liegt auf Intersektionalität. Menschen werden oft nicht nur wegen einer, sondern mehrerer Identitätsmerkmale benachteiligt und damit auch mehrfach diskriminiert. Dementsprechend ist es ein Anliegen von AKE DIKHEA?, Solidarität zu zeigen und zu üben – quer durch marginalisierte Gruppen.
Eröffnet wird das Festival mit dem Kurzfilm TRAVELLER PRIDE von Lisa Smith und der internationalen Premiere des Dokumentarfilms LINDY. THE RETURN OF LITTLE LIGHT (Do, 19.11., 18.00 Uhr). Regisseurin Ida Persson Lännerberg begleitet darin den Sänger und Schauspieler Lindy Larsson bei der Suche nach seiner eigenen Identität als einem in Südschweden aufgewachsenen Roma-Traveller. Dabei wird auch auf seine Arbeit als queerer Performancekünstler eingegangen sowie die damit verbundene Auseinandersetzung mit dem Zusammenhang von Authentizität, Wahrheit und Zeugenschaft. Read the rest of this entry »
Oktober 20th, 2020 |
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Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft
„Geh Denken!“ in Wien: Roma/Romnja und Sinti/Sintize – Geschichte und Gegenwart
Die Nationale Roma-Kontaktstelle macht in einer Aussendung auf eine Veranstaltungsreihe des Vereins Gedenkdienst aufmerksam. Im aktuellen Semester 2020/21 beschäftigt sich die Reihe Geh Denken! – in Kooperation mit dem Mauthausen-Komitee Österreich – mit historischen und gegenwärtigen Formen von Ausgrenzung und Verfolgung von Sinti/Sintize und Roma/Romnja. In der Programmankündigung heißt es:
Roma/Romnja und Sinti/Sintize leben seit Jahrhunderten in Europa, doch mindestens genauso lange sind sie Diskriminierung und Verfolgung ausgesetzt. Auch in Österreich sind Ressentiments gegen diese Bevölkerungsgruppe in Teilen der Gesellschaft weit verbreitet. Eine kritische Auseinandersetzung mit den vorhandenen Vorurteilen und dessen Folgen kommt häufig zu kurz. In diesem Semester beschäftigt sich die Veranstaltungsreihe Geh Denken! deshalb mit historischen und aktuellen Formen von Ausgrenzung und Verfolgung von Sinti/Sintize und Roma/Romnja. Read the rest of this entry »
Oktober 19th, 2020 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte
Stigmatisierung von Roma: Ein offener Brief hinterfragt ESF-Projekt zur Fortbildung für Polizei in Bulgarien
Die „Citizens for Democracy and Rule of Law Coalition“ haben einen offenen Brief an die Kommission der Europäischen Union geschrieben. Bulgarien hat Geld aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) für ein vierjähriges Projekt erhalten, durch das 480 Polizeibeamt/innen geschult wurden. Das Schulungsprogramm nennt sich: „Früherkennung von Anzeichen einer Radikalisierung mit Schwerpunkt Roma-Community (Psychologische und ethno-konfessionelle Aspekte der Radikalisierungsprozesse unter den Roma-Communities)“. Die Fortbildung wurde beim Institut für Psychologie des Innenministerium mit einem Budget von umgerechnet etwas 1,7 Millionen Euro durchgeführt.
Der ESF soll „zur Bekämpfung von Diskriminierung aus Gründen des Geschlechts, der Rasse, der ethnischen Herkunft, der Religion oder der Weltanschauung beitragen … Der ESF sollte keine Maßnahmen unterstützen, die zur Segregation oder zur sozialen Ausgrenzung beitragen“. Der offene Brief fordert die EU-Kommission auf, zu untersuchen, ob die bulgarischen Behörden gegen diese Grundsätze verstoßen haben, als sie Gelder des ESF für Aktivitäten verwendet haben, die auf die Identifizierung und Verhinderung einer angeblichen „Radikalisierung“ einer ganzen ethnischen Community, der Roma, abzielen.
Was mit „Radikalisierung“ genau gemeint ist, bleibt unklar. Die Verfasser/innen des offenen Briefes fordern die EU-Kommission daher auf, das herauszufinden. Auch nennt die Projektbeschreibung keine Gründe für die Annahme, dass die Roma-Community in Bulgarien für eine Radikalisierung anfällig sei. Read the rest of this entry »
Oktober 14th, 2020 |
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Einrichtungen, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Unter dem Vorsitz Deutschlands verabschiedete die Internationale Allianz zur Holocaust-Erinnerung (IHRA) am 8. Oktober 2020 eine Arbeitsdefinition für Antiziganismus als spezifische Form des Rassismus, die sich seit Jahrhunderten gegen Sinti und Roma richtet. Die Arbeitsdefinition benennt zahlreiche konkrete Beispiele, wie Antiziganismus in der Gesellschaft auftritt und wie dieser identifiziert werden kann. Die vollständige Arbeitsdefinition ist auf Deutsch und Englisch online verfügbar und wird aktuell in weitere Sprachen übersetzt.
→IHRA Arbeitsdefinition Antiziganismus (deutsche Version, PDF)
→IHRA Working Definition on Antigypsyism (English version, PDF)
Romani Rose, der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, hebt die Bedeutung dieser Arbeitsdefinition hervor: „Die Internationale Allianz zur Holocaust-Erinnerung erzielt einen wichtigen Meilenstein für die Ächtung von Antiziganismus in Europa. Jetzt sind die nationalen Regierungen aufgefordert, diese Arbeitsdefinition des Antiziganismus offiziell anzuerkennen. Die Arbeitsdefinition soll öffentliche Institutionen, insbesondere die Justiz, Polizei und das Bildungswesen, wie auch die Medien sensibilisieren und zur Identifikation von Hassrede und Hassverbrechen dienen.“
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Oktober 9th, 2020 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte
EU-Kommission legt neue europäische Strategie zur gleichberechtigten Teilhabe von Sinti und Roma vor
Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma begrüßt den vorgestern von der Europäischen Kommission vorgelegten ‚Strategischen EU-Rahmen für die Gleichberechtigung, Inklusion und Partizipation von Sinti und Roma für 2020 bis 2030‘.
Am Montag, dem 12. Oktober 2020 wird der „EU-Rahmen“ bei einer High-Level-Konferenz zum EU-Rahmen für Gleichheit, Inklusion und Teilhabe bis 2030 vorgestellt werden. Die Konferenz findet aufgrund der Pandemie online statt. „Mit dieser Konferenz wird die Politik für Sinti und Roma in Europa neu ausgerichtet. Erstmals wird hier der jahrhundertealte Antiziganismus als die Ursache für Ausgrenzung und Stigmatisierung unserer Minderheit benannt und erstmals zielen die Programme der EU auf die Ursachen der menschenunwürdigen Situation ab“, so Zentralratsvorsitzender Romani Rose.
Der Zentralrat hebt hervor, dass die Europäische Kommission und die deutsche EU-Ratspräsidentschaft die Gefahren des Antiziganismus und Rassismus in den Mittelpunkt des politischen Handelns stellen: „Für den jetzt vorgelegten EU-Rahmen ist die Bekämpfung des Antiziganismus die entscheidende Voraussetzung, dass die gleichberechtigte Teilhabe von Sinti und Roma erfolgreich umgesetzt werden kann. Read the rest of this entry »
Oktober 8th, 2020 |
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Ehrungen & Nachrufe, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
CIVIS VIDEO AWARD 2020 – Medienpreis für Integration für Bettler-Reportage
→Online ansehen (Mediathek)
CIVIS – Europas Medienpreis für Migration, Integration und kulturelle Vielfalt zeichnet Programmleistungen im Radio, Fernsehen, Internet aus, die das friedliche Zusammenleben in der europäischen Einwanderungsgesellschaft fördern. Die TV-Reportage „Die Bettler aus der Walachei – Bedürftige oder organisierte Bande“ von BR und Arte erhielt den „CIVIS Video Award“ (Regie: Anna Tillack). In der Jurybegründung: heißt es: „Bei der Reportage handelt es sich um eine anrührende, kein bisschen sentimentale Darstellung der Ungleichheit auf unserem Kontinent. Sie nimmt Vorurteile über Bettler kritisch unter die Lupe und zeigt eindringlich, wie das Staatsversagen eines europäischen Landes seine Bürger zu Bettlern macht.“
Inhaltsangabe:
Die junge Narcisa reist von München, wo sie um Almosen bettelt, in ihr Dorf in Rumänien. Die Menschen dort gehören zu der diskriminierten Roma-Minderheit, sind bitterarm und gesellschaftlich ausgegrenzt. Die Jungen gehen fast alle im Ausland betteln, um ihre Familien zu ernähren, die Alten hüten die Kinder. Read the rest of this entry »
Oktober 6th, 2020 |
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Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft
Vortrag von Stephan Ozsváth, deutsch-ungarischer Journalist, Buchautor und Rundfunkkorrespondent (21:50 min):
„Tradipe gejng o Roma – Gewalt gegen Roma“: Das Oberwarter Symposium zum „Roma-Tag 2020“ befasste sich am 26. September 2020 mit dem Thema „Gewalt gegen Roma – Rezeption und Umgang mit einem europäischen Phänomen“. Sämtliche Beiträge sind jetzt auch online abrufbar. Read the rest of this entry »
Oktober 5th, 2020 |
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Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft
Vortrag von Markus End, Antiziganismusexperte, Zentrum für Antisemitismusforschung, Berlin (32:51 min)
„Tradipe gejng o Roma – Gewalt gegen Roma“: Das Oberwarter Symposium zum „Roma-Tag 2020“ befasste sich am 26. September 2020 mit dem Thema „Gewalt gegen Roma – Rezeption und Umgang mit einem europäischen Phänomen“. Sämtliche Beiträge sind jetzt auch online abrufbar. Read the rest of this entry »
Oktober 4th, 2020 |
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Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft
Vortrag von Magdalena Marsovszky, deutsch-ungarische Kulturwissenschaftlerin und Publizistin (28:46 min):
„Tradipe gejng o Roma – Gewalt gegen Roma“: Das Oberwarter Symposium zum „Roma-Tag 2020“ befasste sich am 26. September 2020 mit dem Thema „Gewalt gegen Roma – Rezeption und Umgang mit einem europäischen Phänomen“. Sämtliche Beiträge sind jetzt auch online abrufbar. Read the rest of this entry »
Oktober 3rd, 2020 |
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Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft
„Tradipe gejng o Roma – Gewalt gegen Roma“: Das Oberwarter Symposium zum „Roma-Tag 2020“ befasste sich am 26. September 2020 mit dem Thema „Gewalt gegen Roma – Rezeption und Umgang mit einem europäischen Phänomen“. Sämtliche Beiträge sind jetzt auch online abrufbar. Die Begrüßung übernahmen der 2. Landtagspräsident und Bürgermeister Georg Rosner, der Vorsitzende der Roma-Volkshochschule Burgenland Andreas Lehner sowie die Obfrau des Vereins Hango Roma Nadine Papai. Als Referenten waren Magdalena Marsovky (Ungarn), Nadine Papai (Österreich), Stephan Ozsváth (Deutschland/Ungarn) und Markus End (Deutschland) eingeladen. Moderiert wurde die Veranstaltung von Katharina Graf-Janoska.
Moderation Katharina Graf-Janoska & Beitrag Nadine Papai (18:37 min)
Einführende Worte: Andreas Lehner, VHS Roma (12:56 min)
Begrüßung 2. Landtagspräsident Bgm. Georg Rosner, Oberwart (3:24 min)
September 29th, 2020 |
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Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Prozess in Ulm: Verurteilung wegen Vertreibung in 45 Fällen

Radio Dreyeckland, 29.9.2020 (10:37 min)
→Anhören (mp3)
Am 24.05.2019 fuhr ein dunkler Kleinwagen an dem Wiesengelände in Erbach-Dellmensingen in der Nähe von Ulm vorbei, wo mehrere Familien, Roma-Angehörige, mit ihrem Wohnwagen standen. Die Insassen des Kleinwagens riefen antiziganistische Parolen und warfen eine brennende Fackel in Richtung des Wohnwagens einer Familie. Diese verfehlte ihr Ziel nur knapp. Die Ulmer Polizei nahm fünf Tatverdächtige vorläufig fest. Gegen zwei der Beschuldigten bestand bereits ein Haftbefehl. Ab Juli 2019 saßen vier der fünf Angeklagten für zehn Monate in Untersuchungshaft. Der fünfte Angeklagte war zum Tatzeitpunkt minderjährig und saß für viereinhalb Wochen in Untersuchungshaft. Bei den Tätern handelt es sich um eine gewaltbereite Gruppierung, die der Fußball-Szene angehört. Alle fünf Angeklagten gaben vor Gericht an, dass sie die Personen aus Erbach-Dellmensingen am 24.5.2019 vertreiben wollten, was ihnen auch gelang. Der Staatsanwalt forderte Haftstrafen für vier der fünf Angeklagten wegen versuchten Mordes und versuchter Brandstiftung nach dem Jugendstrafrecht. [Anm.: Am vergangenen Mittwoch erging das Urteil: Die Täter wurden wegen Vertreibung bzw. gemeinschaftlicher Nötigung in 45 Fällen zu bedingsten Haftstrafen verurteilt (wir berichteten).]
Radio Dreyeckland sprach mt Chana Dischereit, wissenschaftliche Prozessbegleitung, vom Verband Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Baden-Württemberg (Website).
(Text und Sendung: rdl.de)
September 23rd, 2020 |
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Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Urteil nach Fackelwurf in Deutschland: Bedingte Haftstrafen nach rassistischem Angriff auf französische Roma/Sinti in Baden-Württemberg. Am Abend des 24. Mai 2019 hatten die fünf Täter eine brennende Fackel in Richtung der Wohnwägen geschleudert (wir berichteten hier, hier und hier).
Im Ulmer Prozess um einen antiziganistischen Anschlag im Mai 2019 wurde heute nach 16 Verhandlungstagen das Urteil über die fünf Angeklagten verkündet. Alle fünf wurden wegen Vertreibung bzw. gemeinschaftlicher Nötigung in 45 Fällen nach Jugendstrafrecht verurteilt. Alle Strafen wurden auf Bewährung ausgesetzt. Die Kammer betonte, dass die Motivation der Tat Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antiziganismus gewesen sei. Auch zum jetzigen Zeitpunkt wiesen die Angeklagten diese Neigungen auf. Für eine Verurteilung wegen versuchten Mordes und versuchter Brandstiftung hätten objektive Indizien gefehlt. Alle Angeklagten wurden verpflichtet, die KZ-Gedenkstätte Dachau zu besuchen und danach einen zehnseitigen, handschriftlichen Bericht anzufertigen über ihre Erfahrungen, Gefühle und Eindrücke. Zwei der Angeklagten wurden dazu verurteilt, Geldstrafen in Höhe von 1.200 Euro an die „Hildegard Lagrenne Stiftung“ zu zahlen. Die Stiftung wurde 2012 von Angehörigen der nationalen Minderheit der Sinti und Roma gegründet und setzt sich für Bildung, Inklusion und Teilhabe von Sinti und Roma in Deutschland ein.
Die Nebenklage kann mit dem Urteil leben, weil das Gericht die antiziganistische Hassmotivation klar benannt hat.
Dr. Mehmet Daimagüler, Vertreter der Nebenklage
Das war die erste Verurteilung wegen gemeinschaftlicher Nötigung aus rassistischen Motiven auf deutschem Boden nach 1945.
Daniel Strauß, Vorstandsvorsitzender des VDSR-BW
Dieser Fall zeigt, dass Antiziganismus in der Gesellschaft weit verbreitet ist und als Normalität wahrgenommen wird. Genau das ist das gefährlich.
Romeo Franz MdEP
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September 21st, 2020 |
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Interview, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Romeo Franz: Die EU-Politik gegen Antiziganismus muss sich grundlegend ändern
Fast 30 Prozent der Deutschen hegen Vorurteile gegen Sinti und Roma. Mit diesen Zahlen aus der Mitte-Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung steht Deutschland allerdings nicht allein. In ganz Europa grassiert, auch mit Blick auf die Covid-19-Pandemie, Antiziganismus. Ein Bericht aus dem EU-Parlament fordert jetzt eine Neuausrichtung im Kampf gegen Vorurteile und Diskriminierung von Menschen mit Romani-Hintergrund.
Von Stefan Lauer/Belltower.News
Romeo Franz sitzt für Bündnis 90/Die Grünen im Europaparlament in Brüssel. Franz ist deutscher Sinto und der zuständige Berichterstatter des EU-Parlaments. Sein Bericht befasst sich mit den Bemühungen der letzten zehn Jahre und stellt ihnen kein gutes Zeugnis aus. Es ist ein Rückblick auf den „Europäischen Rahmen für nationale Roma-Integrationsstrategien“ und gleichzeitig eine Empfehlung für eine neue Rahmenstrategie der Staatengemeinschaft gegen Antiziganismus. Der Rechtsausschuss des Parlaments hat die Empfehlungen für die neue Strategie mit großer Mehrheit verabschiedet.
Ein Problem des bisherigen Vorgehens zeigt sich schon in der Sprache. „Vom Begriff ‚Integration‘ habe ich mich nicht angesprochen gefühlt. Meine Familie lebt seit 600 Jahren in Deutschland“, berichtet Romeo Franz. Er fordert, dass von Inklusion statt von Integration gesprochen wird. Und dass die Heterogenität von Menschen mit Romani-Hintergrund endlich wahrgenommen wird. Read the rest of this entry »
September 10th, 2020 |
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Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte, Religion
Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zum Gespräch mit dem Zentralrat Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg
Am 1. September 2020 trafen Mitglieder des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Vertreter des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma im Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma erstmalig in Heidelberg zu offiziellen Gesprächen zusammen. Beide Seiten betonten die Bedeutung des Treffens auf dem Weg zu Vertrauen und Dialog und für das gemeinsame Engagement für Demokratie und Menschenrechte, sowie um Antiziganismus und jeglicher Form von Rassismus und Menschenverachtung entgegenzutreten.
Der vom Rat der EKD entsandten 10-köpfigen Delegation gehörten Präses Dr. Irmgard Schwaetzer, Ratsvorsitzender und Landesbischof Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Kirchenpräsident Dr. Volker Jung, Oberkirchenrat Dieter Kaufmann und Prälat Dr. Martin Dutzmann an. Von Seiten des Zentralrats und des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma nahmen der Vorsitzende Romani Rose, der stellvertretende Vorsitzende Jacques Delfeld und die Vorstandsmitglieder Oswald Marschall und Diana Bastian teil.
Romani Rose hob die Dimension des Treffens für das gemeinsame Engagement der EKD und des Zentralrats hervor: „Es ist für den Zentralrat Deutscher Sinti und Roma von großer Bedeutung, dass die Evangelische Kirche in Deutschland den seit Jahrhunderten tief in unserer Gesellschaft verankerten Antiziganismus thematisiert und bekämpft und das Bewusstsein in Kirche und Gesellschaft über den Holocaust an 500.000 ermordeten Sinti und Roma im NS-besetzen Europa stärkt. Angesichts von zunehmendem Rassismus und Nationalismus, in Deutschland und weltweit, setzen sich der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma und die Evangelische Kirche in Deutschland gemeinsam für unseren demokratischen Rechtstaat und gegen Antiziganismus, Antisemitismus und alle Formen von Rassismus ein.“
Heinrich Bedford-Strohm betonte, wie wichtig es sei, dass der gemeinsame Einsatz von Kirche und Minderheit gegen Rassismus und Menschenfeindlichkeit sichtbar und wahrnehmbar in der Gesellschaft werde: Read the rest of this entry »
September 9th, 2020 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
SOS Mitmensch: Auslieferung von Hermann für effektiven Kampf gegen Hass notwendig. Politik darf Verhetzungs-Tatverdächtigen nicht die Mauer machen
SOS Mitmensch begrüßt das Auslieferungsbegehren der Staatsanwaltschaft Graz für den FPÖ-Landtagsabgeordneten Stefan Hermann aufgrund des Verdachts der Verhetzung. An den steirischen Landtag richtet die Menschenrechtsorganisation den eindringlichen Appell, der Auslieferung zuzustimmen. Der Justiz müsse die Möglichkeit gegeben werden, Ermittlungen gegen Hermann aufgrund des von ihm in Umlauf gebrachten Anti-Roma-Hassvideos einzuleiten. „Der Fall Hermann ist ein Lackmustest für die Politik, wie ernst sie den Kampf gegen Hass wirklich nimmt. Read the rest of this entry »
September 8th, 2020 |
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Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Roma sam
Radijo Burgenland: 24.8.2020 | (on demand)
O anav sar „Zigeunerschnitzel“, „Zigeunersoße“ vaj „Zigeunerräder“ but dschenenge prindschardo hi. Pal but probalinipe mindendenfelitike Roma taj Sinti organisacijendar taj farajnendar o rasistischi anav „Zigeunersauce“ la markatar Knorr avro anav uschtidel.
Imar ando bersch 2013 aja tema diskutirim ulo. O Roma taj Sinti mangle, hot o anav „Zigeunersoße“ andar o sortiment la firmatar Knorr lim te ol. Knorr ham oda na kertscha taj phentscha hot imar 100 berscha ada recepto tradicija hi. Ad keripe nevo koja uschtidija le murdarpeha le amerikaneristar George Floyd taj le „Black Lives Matter“-micinipestar. O Emmerich Gärtner-Horvath anglebeschto le flogoskere grupnengere bajrotistar le Romendar andi Austrija, phukal, sar ov le aktivistiha andar i Svecija burgenlanditike vurclinenca aja cajt le irinipeske nucintscha. O terno flogoskero grupnengero dscheno taj aktivisto andar i Svecija na pre anaveha ando pradipe te dschal kamla. O vakeripe la redakcija le ORF-istar tel lenintscha. Ov oda na kamla.
Amari kolegkija, i literaturakeri visenschoftlerkija Katharina Graf-Janoska ando lejcti berscha interesanti angle vakeriptscha pedar o sterijotiptscha andi Romani kojnha likertscha. Schaj hot, o anevengero dipe le habendar te le burgenlanditike tourismusiha ando maschkarutno 20. schelberschengero te kerel hi, phenel i Graf-Janoska. O hamischano sikajipe le Romendar taj Sintijendar ando kulinarischi koja na tschak ando Burgenland del. Read the rest of this entry »
September 7th, 2020 |
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Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Roma sam
Radio Burgenland: 24.8.2020 | (on demand)
Benennungen wie „Zigeunerschnitzel“, „Zigeunersoße“ oder „Zigeunerräder“ sind vielen geläufig. Nach jahrelangen Bemühungen verschiedener Vereine und Institutionen der Roma und Sinti wird die rassistisch bezeichnete „Zigeunersauce“ der Marke Knorr nun umbenannt und in Zukunft als „Paprikasauce Ungarische Art“ angeboten.
Schon im Jahr 2013 wurde das Thema diskutiert. Damals forderten Roma- und Sinti-Organisationen, den Begriff „Zigeunersoße“ aus dem Sortiment der Firma Knorr zu nehmen. Knorr lehnte ab und begründete die Entscheidung mit einer (Anm.: vermeintlich) 100-jährigen Tradition ihrer Soße. Neu entflammt wurde die Debatte aufgrund des Todes des US-Amerikaners George Floyd und der darauffolgenden „Black Lives Matter“-Bewegung. Emmerich Gärtner-Horvath, Vorsitzender des Volksgruppenbeirates für Roma in Österreich, erzählt, wie er und ein Aktivist aus der Schweiz mit burgenländischen Roma-Wurzeln die Gunst der Zeit nutzten. Read the rest of this entry »
September 2nd, 2020 |
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Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Urteil des Menschenrechtsgerichtshofs in Straßburg: Slowakei verletzte Menschenrechte von Roma
Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat am Dienstag zugunsten der Opfer einer Polizeirazzia in der Slowakei entschieden. Im Juni 2013 waren 63 Polizisten in einer Roma-Siedlung in der ostslowakischen Stadt Moldava nad Bodvou (Region Košice) im Einsatz. Dabei wurden unter dem Vorwand einer Fahndungsaktion rund 30 Bewohner, einschließlich Frauen und Kinder, körperlich angegriffen. Eines der Opfer reichte anschließend eine Klage beim EGMR in Straßburg ein. Der Mann sei von den Polizisten gefesselt, aus seinem Haus geschleppt, getreten und mit Schlagstöcken und Elektroschocks angegriffen worden. Laut der Inspektion des Innenministeriums, die den Einsatz überprüfte, seien die Beamten allerdings im Einklang mit dem Gesetz vorgegangen. Darüber hinaus klagte die Staatsanwaltschaft anschließend sechs Roma an.
Nun beschloss der EGMR, dass bei dem Polizeieinsatz sowie bei dessen Überprüfung Menschenrechte verletzt wurden und sprach den Beschwerdeführenden einen Ersatz für immaterielle Schäden zu. Read the rest of this entry »