Lindy. The Return of Little Light (Trailer)
November 12th, 2020 | Published in Film & Theater, Rassismus & Menschenrechte
Dokumentarfilm von Ida Persson Lännerberg, SWE 2019
Eröffnungsfilm des Roma-Filmfestivals „Ake Dikhea?“
Am 19.11.2020, 18 Uhr, online zu sehen (→zum Stream)
Lindy Larsson wuchs in einer kleinen Papiermühlen-Stadt in Südschweden auf. Er wurde nie als der akzeptiert, der er ist. Er war immer anders. Als kleiner Junge war er dünn, mädchenhaft und ohne Freunde. Er floh in eine Fantasiewelt und wurde zu der von ihm geschaffenen Superheldenfigur – Little Light –, einem Jungen, der Licht ausstrahlen konnte. Lindy und seine Familie sind Roma-Travellers, eine Minderheit, die seit dem 16. Jahrhundert in Schweden lebt. Noch heute werden Roma-Travellers von der schwedischen Gesellschaft diskriminiert und erleben Missbrauch und strukturellen Rassismus.
Lindy sagt im Film: “Du bist es nicht wert, Kinder zu bekommen. Du würdest die schwedische Bevölkerung verunreinigen. Das hat man meiner Familie gesagt, einigen von ihnen. Kein Wunder, dass du Angst hast, zu sagen, wer du bist, oder dich dafür schämst, wer du bist, oder versuchst, es geheim zu halten.” Um seine Familie und die Menschen, die er liebt, zu schützen, beschloss Lindy, nie über seine Herkunft zu sprechen.
Heute ist Lindy Larsson ein gefeierter Performance-Künstler, der kurz vor dem internationalen Durchbruch steht. Der Film zeigt ihn, nicht nur bei der Suche nach seiner eigenen Identität, sondern auch bei seinen ersten Schritten auf der internationalen Bühne. Als das Maxim-Gorki-Theater in Berlin will, dass er seine eigene Geschichte auf der Bühne erzählt, zögert er – kann er das tun, ohne die Menschen, die er liebt, zu verletzen? 30 Jahre nach Little Light ist Lindy gezwungen, seine wahre Identität auf der Bühne zu enthüllen, und wird ein Aktivist der Roma-Travellers. Fast auf dieselbe Weise, wie er sich vor mehr als 20 Jahren als schwul geoutet hat. Ida Persson Lännerbergs Debütfilm folgt Lindy während dieser sich entwickelnden Phase seines Lebens in einem Film über Identität, Scham und darüber, wie man den Mut findet, für sich selbst einzustehen.
Der Film wurde von Chinema Film Schweden bzw. der Produzentin China Åhlander produziert (Eat Sleep Die, My Aunt in Sarajevo).
(Text: Ake Dikhea?)