Juli 21st, 2020 |
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Politik, Romani
Brautpaare in Tschechien könnten sich das Jawort demnächst (wieder) in ihrer Muttersprache geben – auch wenn diese nicht Tschechisch ist. Ein Gesetzesvorschlag zur Novellierung des betreffenden Gesetzes („Gesetz über Geburtsregister, Namen und Nachnamen“), der von der Christdemokratischen Partei eingebracht wurde und im September im Unterhaus debattiert werden soll, würde ermöglichen, dass die standesamtliche Trauung in Zukunft auch in Minderheitensprachen vorgenommen werden kann. Die neue Regelung sieht für Minderheiten als Bedingung allerdings eine kommunale Zehn-Prozent-Hürde vor. Zudem müssen die Standesbeamten, die die Eheschließung durchführen und die amtliche Eintragung vornehmen, selbst die jeweilige Minderheitensprache beherrschen. Zugute käme diese neue Regelung den Minderheiten der Slowaken, Polen und Vietnamesen – und der zahlenmäßig größten Volksgruppe des Landes, den Roma. Read the rest of this entry »
Juli 16th, 2020 |
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Interview, Politik, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Antiziganismus in Ungarn: Staatliche Schikane und strukturelle Diskriminierung – Radio Corax im Gespräch mit der Kulturwissenschaftlerin Magdalena Marsovsky
Radio Corax (Halle), Sendung vom 10.7.2020
11:37 min, 15 MB, →Anhören (mp3)
Antiziganismus, der strukturelle Hass und die strukturelle Diskriminierung von Sinti und Roma, nimmt in ganz Europa zu. In Ungarn, wo Romnja und Roma seit Jahrhunderten leben, ist der Antiziganismus einerseits ein kulturelles Erbe, das nicht „aufgearbeitet“ wurde. Andererseits wird er seit 2010 von der Regierung unter Ministerpräsident Viktor Orbán stark befeuert. Die strukturelle Diskriminierung der Romnja und Roma wird dabei verschärft durch die so genannte „Roma-Strategie“ der Regierung aus dem Jahr 2011. Read the rest of this entry »
Juli 7th, 2020 |
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Einrichtungen, Politik
Wichtiges Signal für die Minderheitenpolitik: Im „Minderheiten-Kompetenz-Netzwerk Schleswig-Holstein/Süddänemark“ arbeiten Minderheiten und Volksgruppen ab sofort noch enger zusammen.
Ziel des neuen Netzwerks ist es, das Verständnis für nationale Minderheiten und Volksgruppen sowie ihre Sprache und Kultur zu fördern. Ebenfalls im Vordergrund stehen der Informations- und Erfahrungsaustausch zwischen den Minderheiten und Volksgruppen.
Raum für Austausch und Begegnung
„Wir wollen mit diesem Schulterschluss der Minderheitenverbände unsere minderheitenpolitische Kompetenz noch stärker als Best-Practice-Beispiel in Europa einbringen – durch Projekte, Seminare und Maßnahmen der Begegnung und des Austausches“, sagte der Minderheitenbeauftragte des Landes, Johannes Callsen. Das Netzwerk schaffe einen Rahmen für Begegnung und Austausch zwischen den Minderheiten untereinander und auch mit der Mehrheitsbevölkerung. Dies sei insbesondere im Jubiläumsjahr zu den friedlichen Grenzziehungen von 1920 zwischen Deutschland und Dänemark ein wichtiges Signal.
Vorbild für andere Regionen
Gründungsmitglieder des Netzwerkes sind der Bund Deutscher Nordschleswiger (BDN), der Friesenrat e.V. Sektion Nord, Sydslesvigsk Forening e.V. (SSF), der Verband Deutscher Sinti und Roma e.V. Landesverband Schleswig-Holstein, die Europäische Akademie Schleswig-Holstein, das Europäische Zentrum für Minderheitenfragen (ECMI) und die Föderalistische Union Europäischer Nationalitäten (FUEN).
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Juli 3rd, 2020 |
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Frauenrechte, Politik
Die slowakische Partei Progresívne Slovensko („Fortschrittliche Slowakei“), die erst 2017 gegründet wurde und nicht im Parlament vertreten ist, hielt im Juni ihren Parteikongress ab. Bei dem aufgrund der Corona-Situation online stattfindenden Kongress wurde Irena Bihariová (39) zur neuen Vorsitzenden der sozialliberalen, proeuropäischen Partei gewählt. Mit 105 Stimmen konnte die bisherige stellvertretende Vorsitzende fünf Parteidelegierte mehr hinter sich versammeln als ihr Gegenkandidat Michal Truban. Somit steht erstmals in der Geschichte der Slowakei eine Romni einer politischen Partei vor.
„Die Mitgliederbasis hielt es für eine selbstverständliche Sache – wer sonst sollte den Trend setzen, dass eine Frau – und eine Roma-Frau – an der Spitze steht, wenn nicht eine progressive Partei? Das muss also in erster Linie als Teil unserer internen Politik gesehen werden“, sagte sie in einem Interview.
Menschenrechts-Anwältin
Bihariová kommt aus der Stadt Trnava und wuchs in einfachen Verhältnissen in einer voll integrierten Roma-Familie auf. Trotz zahlreicher Diskriminierungserfahrungen, von denen sie etwa in einem Interview mit der Zeitung Denník berichtete, machte sie aus ihrer ethnischen Zugehörigkeit nie ein Hehl: „Meine Eltern haben mich dazu gebracht, es nie zu verstecken, es war kein Tabu.“
Irena Bihariová absolvierte ihr Studium in Bratislava. Seit 2009 leitet sie als Menschenrechts-Anwältin die Organisation Lidé proti rasismu („Menschen gegen Rassismus“) und befasst sich dort insbesondere mit Hate Speech und Rassismus im Internet. Für diese Arbeit wurde sie 2016 mit dem „Roma Spirit Award“ ausgezeichnet. 2013 wurde sie stellvertretende Vorsitzende des Antirassismus-Ausschusses im slowakischen Innenministerium. Read the rest of this entry »
Juli 2nd, 2020 |
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Politik
Zentralrat Deutscher Sinti und Roma führt Gespräche über die Planung für die S21 und den Umgang mit dem Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas
Am 26. Juni 2020 fand auf Einladung der Berliner Senatorin Regine Günther (Umwelt, Verkehr und Klimaschutz) ein zweites Gespräch mit allen Beteiligten über das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas und die Streckenführung der S21 statt. Dabei erläuterte die Bahn nochmals die komplexen Bedingungen für die Streckenführung der S21 und legte außerdem eine neue Variante 13 vor, die vorsieht, beide Tunnelröhren östlich des Reichstagsgebäudes verlaufen zu lassen. Die Baukommission des Deutschen Bundestages wird sich jetzt mit dieser Variante befassen.
Die von der Bahn vorgelegte Variante 13 für eine Trassenführung östlich des Reichstagsgebäudes wird vom Zentralrat Deutscher Sinti und Roma selbstverständlich voll und ganz unterstützt, da hier das Denkmal nicht weiter tangiert wird. Diese Variante war bei einem ersten Gespräch auf der Grundlage der Vorgaben des Deutschen Bundestages als nicht realisierbar ausgeschieden. Der Zentralrat hatte daher eine alternative Lösung angeboten, die weiterhin zur Diskussion stehen kann, wenn sich die jetzt vorgestellte Variante 13 nicht realisieren ließe.
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Juni 17th, 2020 |
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Medien & Presse, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Deutschland: Die Legende von den Roma-„Großfamilien“ am Corona-Hotspot
Stefan Lauer/Belltower.News: Göttingen kämpft seit Tagen mit einem Corona-Ausbruch. Zunächst heißt es, 170 Bewohner/innen eines Hochhauses seien betroffen und hätten sich während des islamischen Zuckerfestes angesteckt. „Großfamilien“ hätten zusammen gefeiert und sich unter anderem beim Moscheebesuch und in einer Shisha-Bar angesteckt. Medien und Behörden machen vor allem muslimische Roma-Familien verantwortlich. Eine Geschichte, die bei näherer Betrachtung auseinanderfällt.
In Göttingen dreht sich zur Zeit alles um das „Iduna“-Zentrum. Ein Hochhauskomplex mit 700 Bewohner/innen, der als „sozialer Brennpunkt“ gilt. Erbaut wurde das Zentrum in den 70er Jahren und galt zunächst als Modellprojekt, mit Wohnraum für Studierende und Familien. Doch die Verantwortlichen verloren recht schnell das Interesse an dem Gebäude, das Umfeld fing an zu verfallen. In den 1990er Jahren wurden hier Bürgerkriegsflüchtlinge aus Jugoslawien untergebracht. Mittlerweile leben im Komplex viele migrantische Bewohner/innen, Geflüchtete und andere Menschen mit wenig Einkommen. Diese Wohnungen werden besonders gern an Empfänger/innen von Transferleistungen vermietet. So bekommen die Besitzer/innen auch für kleine und heruntergekommene Wohnungen gutes Geld von den Behörden, ohne sich um Verbesserungen kümmern zu müssen.
Vor wenigen Tagen wurde nun bekannt, dass im „Iduna“-Zentrum ein Corona-Hotspot entstanden sei. Der Krisenstab der Stadt Göttingen, geleitet von Petra Broistedt, spricht von 170 Infizierten aus mehreren „Großfamilien“, die sich angesteckt hätten, weil sie unter Missachtung der Vorschriften gemeinsam das Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan, das Zuckerfest, gefeiert hätten. Auch in einer Moschee sollen die ominösen „Großfamilien“ gewesen sein.
Die Medien reisen an. In der Stadt werden Bewohner/innen befragt, in praktisch jedem Fernsehbeitrag werden ausschließlich weiße Menschen interviewt, die ihrer Empörung wegen der Verantwortungslosigkeit der Hochhausbewohner/innen, Luft machen. Rücksichtlosigkeit wird den Menschen vorgeworfen. In Boulevardmedien sind „arabische Clans schuld an Göttinger Massenausbruch“. Jetzt stellt sich heraus: Alles ist ganz anders. Read the rest of this entry »
April 22nd, 2020 |
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Interview, Politik, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Drohende humanitäre Krise durch Corona-Maßnahmen – Gespräch zur Situation von Roma in Südost- und Mitteleuropa mit Herbert Heuß
Radio Corax (Halle), Sendung vom 31.3.2020
13:22 min, 16 MB, →Anhören (mp3)
Stigmatisierung von Sinti und Roma ist ein Problem das in ganz Europa präsent ist. In der aktuellen Corona-Pandemie wird das wieder besonders deutlich. Minderheiten sind jetzt ein leichtes Ziel für Schuldzuweisungen und Angriffe durch Rechte und andere Menschenfeinde. Davon sind auch Sinti und Roma in Europa betroffen. So wurden in Bulgarien in drei Städten ganze Stadtviertel abgeriegelt. Begründet wird das mit der angeblichen Missachtung von Ausgangsbeschränkungen. Gleichzeitig bedrohen die Maßnahmen gegen Corona die wirtschaftliche Existenz vieler Roma in Bulgarien. Maßnahmen gegen eine drohende humanitäre Krise gibt es dagegen nicht. Über die Stigmatisierung von Sinti und Roma in Zeiten von Corona sprachen wir mit Herbert Heuß. Read the rest of this entry »
April 10th, 2020 |
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Geschichte & Gedenken, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Am Karfreitag 1980, dem 4. April, traten zwölf Sinti, unter ihnen die Überlebenden des Holocaust Jakob Bamberger, Hans Braun, Ranco Brandtner und Franz Wirbel, in der Evangelischen Versöhnungskirche auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau in den Hungerstreik. Zentrale Forderungen waren die Anerkennung des NS-Völkermords an den Sinti und Roma durch die Bundesregierung, die sofortige Beendigung der polizeilichen Sondererfassung von Sinti und Roma sowie die Herausgabe der NS-Akten aus dem ehemaligen Reichssicherheitshauptamt, die im Bayerischen Landeskriminalamt weiterhin verwendet worden waren. Der Protest löste eine breite internationale Solidaritätswelle aus und markierte einen Wendepunkt in der öffentlichen Wahrnehmung der Minderheit.
„Die Anerkennung des Völkermords an den Sinti und Roma am 17. März 1982 durch Bundeskanzler Helmut Schmidt stellte die Erfüllung einer zentralen Forderung des Hungerstreiks dar. Diese völkerrechtliche Anerkennung bedeutete einen Neubeginn im Verhältnis der Bundesregierung zu den deutschen Sinti und Roma“, erklärt Romani Rose.
Die polizeiliche Sondererfassung in der Bundesrepublik erfolgte durch bayerische Kriminalpolizisten in der „Landfahrerzentrale“, die bis in die 1970er Jahre Namen, Fingerabdrücke und persönliche Daten von Sinti und Roma aus dem gesamten Bundesgebiet in Akten erfasste. Diese Erfassung setzte direkt die NS-Erfassung fort, und zwar auf der Grundlage der NS-Akten und mit dem Personal aus dem ehemaligen RSHA, die im Bayerischen LKA wieder verbeamtet worden waren – und die regelmäßig in Entschädigungsanträgen von Sinti und Roma als Gutachter fungierten. Read the rest of this entry »
April 9th, 2020 |
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Politik
Nationalratspräsident zum Welt-Roma-Tag: Kultur der Roma und Sinti ist „Bestandteil der österreichischen Identität“. Sobotka will Anliegen der Volksgruppe stärker in den Fokus rücken
Am 8. April 1971 fand in London der Erste Welt-Roma-Kongress statt, um damit die Anfänge der Roma-Bürgerrechtsbewegung einzuläuten. Seit nunmehr 30 Jahren finden an diesem Tag weltweit Aktionsveranstaltungen statt, um auf die Lage dieser Minderheit aufmerksam zu machen.
Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka hat nach dem Gedenktag anlässlich des Anschlags auf burgenländische Roma vor 25 Jahren in Oberwart am 5. Februar 2020 angekündigt, die Anliegen dieser seit 1993 anerkannten Volksgruppe wieder stärker in den Fokus zu rücken. Eine von ihm organisierte Diskussionsveranstaltung anlässlich des Welt-Roma-Tages im Parlament konnte aufgrund der aktuellen Situation im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie leider nicht stattfinden.
Nichtsdestotrotz soll das Bewusstsein für die Anliegen der Roma in der österreichischen Gesellschaft geschärft werden, denn „die Kultur der Roma und Sinti ist ein Bestandteil der österreichischen Identität“, so Sobotka. Dies könne beispielsweise über die Vermittlung der Geschichte und die gesellschaftliche Entwicklung dieser Volksgruppe nach 1945 in den Schulen gefördert werden. Auch wenn sich seit der Implementierung der Roma-Strategie der EU-Kommission vieles zum Besseren gewandt hat, ist die größte Minderheit Europas nach wie vor von Benachteiligung am Arbeits- und Wohnungsmarkt betroffen. Emmerich Gärtner-Horvath, Beiratsvorsitzender der Volksgruppe der Roma stellt fest, dass „die Roma […] noch lange nicht am Ziel angekommen [sind], aber es gibt einige Länder, darunter Österreich, die sich gemeinsam mit uns auf den Weg für eine bessere Zukunft der Roma machen“.
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April 6th, 2020 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte
Roma und Sinti stellen die größte ethnische Minderheit Europas dar. Die Angehörigen der Minderheit sind derzeit massiv bedroht. Europa muss jetzt hinsehen und helfen.
Aussendung des Landesverbands deutscher Sinti und Roma in Hessen, 31.3.2020:
In Bulgarien wurden in den vergangenen Tagen mehrere Stadtviertel, in denen Menschen mit Roma-Hintergrund leben, von staatlicher Seite abgeriegelt. Dabei wird auch mit dem Gerücht operiert, Angehörige der Roma hätten das Corona-Virus nach Bulgarien eingeschleppt. Die betroffenen Menschen werden grundrechtswidrig von jeder medizinischen Versorgung ausgeschlossen, die Versorgung mit Lebensmitteln und allen anderen Gütern des täglichen Bedarfs abgeschnitten. Damit wird eine katastrophale humanitäre Notlage vom bulgarischen Staat unter Verwendung rassistischer Begründungen herbeigeführt.
In vielen weiteren osteuropäischen Ländern, vor allem in Ungarn, in der Slowakei und in Rumänien sowie auf dem Balkan, ist die Lage für Menschen mit Roma-Hintergrund bereits jetzt äußerst prekär. In Serbien leben mindestens 70 Prozent der Roma in sogenannten Roma-Siedlungen und sind dort mit schrecklicher Armut konfrontiert, häufig ohne Kanalisation und Wasseranschluss. Einen geringen Lebensunterhalt finden die dort lebenden Menschen im informellen Sektor, in der Saisonarbeit und dem Sammeln von Wertstoffen. Da es keine soziale Absicherung gibt, sind die Menschen nun völlig mittellos. Gleichzeitig sehen sich die zuständigen Institutionen nicht in der Verantwortung, die Menschen zu unterstützen. Letzte Woche haben Angehörige der Roma auch in mehreren albanischen Städten protestiert, da sie nichts mehr zu essen haben.
In Nordmazedonien sind neun Roma-Musiker aus einer Gruppe von 200 Menschen an der Grenze angehalten und unter Quarantäne gestellt worden. Sie sind die ersten Personen, die bei ihrer Rückkehr ins Land in Quarantäne mussten, und die einzigen, die festgehalten wurden, obwohl sie keine Symptome des Covid-19-Virus zeigten.
„An diesen Vorgängen zeigt sich, wie erschreckend aktuell der jahrhundertealte Antiziganismus noch immer ist“, sagt Adam Strauß, Vorsitzender des Landesverbandes [der Sinti und Roma in Hessen]. Read the rest of this entry »
April 4th, 2020 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte
Roma auf dem Westbalkan und in der Türkei sind durch die COVID-19-Pandemie ernsthaft bedroht
Ein gemeinsames Statement vom 31.3.2020 des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma mit dem Europäischen Roma-Grasswurzel-Netzwerk (ERGO Network, Belgien), Roma Active Albania (Albanien), Otaharin (Bosnien und Herzegowina), Voice of Roma, Ashkali and Egyptians (Kosovo), Advancing Together (Kosovo), Phiren Amenca (Montenegro), RROMA (Nordmazedonien), Romalitico/Romaversitas (Nordmazedonien), Forum Roma Serbia (Serbien), Association of Coordinators for Roma Issues (Serbien), Zero Discrimination Association (Türkei).
- Roma auf dem Westbalkan und in der Türkei sind durch die COVID-19-Pandemie ernsthaft bedroht.
- Ein erhöhtes Armutsrisiko, Hungersnöte und rassistische Gewalt stellen eine ernsthafte Gefahr für Roma aber auch für die Gesellschaft insgesamt dar.
- Wir rufen die Regierungen der betroffenen Länder, die Europäische Union und die einzelnen Mitgliedsstaaten auf die Situation der Roma umgehend und nachhaltig zu verbessern.
Die Auswirkungen und Risiken der COVID-19-Pandemie auf Roma
Risiken durch Armut und Arbeitslosigkeit
Viele Roma sind aufgrund früherer prekärer Arbeitsbedingungen sowie fehlender Einkommen und Ressourcen, auf die sie sich in dieser Krisensituation verlassen können, einem extremen Armutsrisiko ausgesetzt. Die große Mehrheit war auf prekäre Selbständigkeit, unregelmäßige tägliche Arbeit, das Sammeln von wiederverwertbaren Materialien oder auf andere Einkommensquellen angewiesen, die nun aufgrund von Krisenmaßnahmen nicht mehr zur Verfügung stehen. Betriebsstilllegungen und Einschränkungen der Bewegungsfreiheit verschlechtern die Situation weiter. Die Menschen waren und sind nicht in der Lage Vorräte anzulegen und haben oft keine Möglichkeiten Vorräte zu Hause zu lagern. Read the rest of this entry »
März 31st, 2020 |
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Jugend & Bildung, Medien & Presse, Politik
Aus Politik und Zeitgeschichte (14–15/2020):
Politische Bildung
Die Konjunktur rechtspopulistischer Ideen und die zunehmend offen vorgetragenen menschenfeindlichen und revisionistischen Einstellungen haben die politische Bildung in den vergangenen Jahren vor Herausforderungen gestellt. Was bedeutet die Verschärfung der Debatten für Lehrende in Schulen und außerschulischen Bildungseinrichtungen? Wie können und sollen sich Pädagoginnen und Pädagogen zu gesellschaftlichen und politischen Konfliktlagen positionieren? Wann ist Zurückhaltung geboten? Und wann gilt es, eine klare Haltung für oder gegen etwas zu zeigen? Um pädagogisches Handeln auch bei gesellschaftspolitischer Polarisierung zu ermöglichen, müssen Lehrende gegen etwaige Einschüchterungen gewappnet sein. Denn in Schulen und außerschulischen Bildungsinstitutionen werden nicht allein Fähigkeiten, Wissensbestände und Werte vermittelt, sondern zugleich die Grundlagen unseres zukünftigen Zusammenlebens ausgehandelt.
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März 27th, 2020 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte
Bulgarien: Anti-Coronavirus-Maßnahmen für Roma „grenzen an Kriegsrecht“
Krassen Nikolow/Euractiv: Bei der Umsetzung von strikten Maßnahmen gegen COVID-19 scheinen die bulgarischen Behörden besonderes Augenmerk auf die Roma-Minderheit im Land zu richten. Angeblich seien viele Roma mit bulgarischen Pässen in den vergangenen Tagen aus Westeuropa zurückgekehrt. Es sei denkbar, dass sie sich im Westen mit dem Coronavirus infiziert hätten, so die Befürchtung.
In einigen Teilen Bulgariens gelten für zehntausende Roma bereits Maßnahmen, die an Kriegsrecht ernnern. Auf Seiten der Behörden herrscht Angst, die Angehörigen der Minderheit könnten die scharfen Regelungen und Ausgangseinschränkungen der Regierung ignorieren. Für ganze Stadtviertel in Nowa Sagora, Kasanlak und Sliwen, in denen insgesamt mehr als 50.000 Roma leben, wurden Sondermaßnahmen verhängt. In diesen drei Städten haben die Stadtverwaltungen ein spezielles Kontrollsystem an den Ausgängen der Roma-Viertel eingeführt, um die Einheimischen daran zu hindern, ihre Wohngebiete in großen Gruppen zu verlassen. Die aktuellen Anti-Coronavirus-Strategie in Bulgarien verbietet es, dass mehr als zwei Erwachsene an einem Ort im Freien gemeinsam unterwegs sind.
Bisher ist in den drei besagten Städten kein einziger COVID-19-Fall gemeldet worden. Allerdings ist bisher auch unklar, wie viele Menschen – wenn überhaupt – getestet wurden.
Die politische Kraft, die den Ruf nach strengeren Maßnahmen für die Roma-Gemeinschaften am lautesten erhebt, ist die nationalistische Partei VMRO, ein Junior-Koalitionspartner der konservativen GERB (EVP-Mitgliedschaft auf EU-Ebene) von Ministerpräsident Bojko Borissow. Die VMRO stellt zwei Abgeordnete im Europäischen Parlament. Diese gehören der EKR-Fraktion an. Die rechte Partei hatte zuvor gefordert, dass die Roma-Viertel im ganzen Land komplett isoliert und unter Quarantäne gestellt werden sollten, weil es „an Disziplin von Seiten ihrer Bewohner“ mangelt. Doch schon bevor die VMRO diese Forderungen stellte, war in Nowa Sagora ein Checkpoint-System für das Roma-Viertel „Schesti“, in dem fast 10.000 Menschen leben, sowie eine Ausgangssperre für Minderjährige verhängt worden.
Die zweifellos bestehenden zahlreichen Probleme im Viertel dürften indes nicht nur auf die „mangelnde Disziplin“ seiner EinwohnerInnen zurückzuführen sein, sondern beispielsweise auch auf die mangelnde Wasserversorgung und Kanalisation.
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März 5th, 2020 |
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Politik
„Adi sina ada jek konstruktivi arparujipe le cile flogoskere grupnengere dschenenca. Ada jek barikani basis hi, kaj andi cukunft jek latschi khetani buti le bajrotenca le schov austritike flogoskere grupnenca dim schaj ol“, phenel i kancleriskeri birovtschagoskeri ministerkija Susanne Raab.
I bundakeri ministerkija Susanne Raab, savake o kulturakere- taj flogoskere grupnengere koji ande lakero resor perel, paraschtun fartreteren le schov aunprindscharde flogoskere grupnendar use jek arparujipe ando kancleriskero birovtschago akartscha. Use ada vakeripe o anglebeschte taj o dujte anglebeschte le horvackendar, slovenitikendar, ungrikendar, tschechitikendar taj slovakendar sar te la flogoskera grupnatar le Romendar use sina. I kancler birovtschagoskeri ministerkija ari asdija, hot i sicherung taj o pomoschago la tschibtschatar taj kulturatar le flogoskere grupnendar bajderi prijoriteta ovla. „Sar ando tschatschipe angle dim hi, amen upro upre likeripe le aunprindscharde flogoskere grupnendar dikaha taj pomoschinaha.“ O vakeripe pal valami jek masek, kada i Raab pri agenda oficijeli prik lija, sina. „Mange jek aunpaschlaripe hi, kaj me le cile flogoskere grupn saj sik sar dschal resav. Read the rest of this entry »
Februar 29th, 2020 |
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Politik
Bundesministerin Raab: Erster Austausch mit allen anerkannten österreichischen Volksgruppen – Konstruktives Gespräch am Freitag im Bundeskanzleramt
OTS/Bundespressedienst: Kanzleramtsministerin Susanne Raab, die auch für Kultus- und Volksgruppenangelegenheiten zuständig ist, hat am Freitag Vertreter der sechs anerkannten Volksgruppen zu einem Austausch im Kanzleramt getroffen. An dem Gespräch nahmen die Vorsitzenden und stellvertretenden Vorsitzenden der kroatischen, slowenischen, ungarischen, tschechischen und slowakischen Volksgruppen sowie die Volksgruppe der Roma teil.
„Es war heute ein sehr konstruktiver Austausch mit allen Beteiligten. Das ist eine wichtige Grundlage, dass es in Zukunft eine positive Zusammenarbeit mit den Beiräten der sechs österreichischen Volksgruppen geben wird“, sagte Susanne Raab. Sie betonte, dass die Sicherung und Förderung der Sprache und Kultur der Volksgruppen weiterhin höchste Priorität haben werde. „Wie in der Verfassung vorgegeben, werden wir auf den Bestand und die Erhaltung der anerkannten Volksgruppen achten und dies auch fördern.“
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Februar 20th, 2020 |
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Facts & Figures, Politik
Bei den slowak. Parlamentswahlen 2002 traten zwei Roma-Parteien (ROI und ROMA) an. Mit nur 0,28 % bzw. 0,20 % blieben sie ohne Mandat.
(Quelle/pdf)
Februar 19th, 2020 |
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Jugend & Bildung, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Zentralrat: Aussagen Orbáns zum Debrecener Segregationsurteil negieren den Rechtsstaat und sind eine Bedrohung für die Demokratie in Ungarn
Anlässlich der alljährlichen Pressekonferenz von Ministerpräsident Viktor Orbán am 9. Januar 2020 stellte Orbán offen ein Urteil des Debrecener Berufungsgerichts in Frage, welches den ungarischen Staat bereits im September 2019 zu Schadenersatzzahlungen für die rechtswidrige segregierte Beschulung von Roma-Kindern im ostungarischen Ort Gyöngyöspata verurteilt hatte. Gegen diese Entscheidung des Gerichts ist die Stadt Gyöngyöspata vor das Oberste Bundesgericht in Ungarn gezogen. Orbán will als Ministerpräsident jetzt direkt Einfluss auf die Entscheidung des Obersten Gerichtshofes nehmen, indem er in der Frage eine „Nationale Konsultation“ ankündigte, da das Urteil „das Rechtsempfinden der Bürger“ verletzen würde. Dabei suggerierte er in zynischer Verkehrung der Tatsachen, dass nicht die Roma-Kinder die Geschädigten seien, sondern vielmehr die Bürger von Gyönygöspata, die nicht verstehen würden, „dass eine ethnische Minderheit (…) eine stattliche Summe bekommt, ohne irgendwie dafür gearbeitet zu haben“. Die „Nationalen Konsultationen“ der Regierung bestehen aus Fragebögen, die an alle Haushalte in Ungarn verschickt werden und suggestiv formulierte Fragen enthalten, die auf die Bestätigung der Regierungspolitik abzielen.
„Mit diesen Aussagen schürt Viktor Orbán nicht nur in unverantwortlicher Weise Ressentiments gegen die Minderheit. Der Regierungschef rechtfertigt gleichzeitig das staatliche Versagen bei der Durchsetzung einer gleichberechtigten Bildungsteilhabe für Roma in Ungarn“, so der Zentralratsvorsitzende Romani Rose heute. Trotz ihres gesetzlichen Verbots im Jahre 2003 ist die schulische Segregation von Roma-Kindern in Ungarn nach wie vor weit verbreitet. Wenngleich diese Praxis von ungarischen Gerichten mehrfach als verfassungswidrig verurteilt und auch von der Europäischen Kommission gerügt wurde, scheitert die gemeinsame Beschulung häufig am Widerstand der lokalen und nationalen staatlichen Behörden sowie der Lehrer und Eltern aus der Mehrheitsgesellschaft. „Indem Orbán sich jetzt offen gegen das Urteil des Debrecener Berufungsgerichts stellt, legitimiert er diese rechtswidrige Praxis“, so Rose weiter. „Wenn ein Regierungsoberhaupt Anweisung gibt, rechtskräftige Gerichtsentscheidungen nicht zu vollstrecken und gleichzeitig ankündigt, das Urteil der Obersten Gerichtshofes durch eine Volksbefragung ersetzen zu wollen, dann setzt er damit den Rechtsstaat außer Kraft. In einem Rechtsstaat fällen Gerichte ihre Urteile auf der Basis von Gesetzen und nicht auf der Grundlage eines von Rassisten aufgeputschten Volksempfindens“, so der Zentralratsvorsitzende. Read the rest of this entry »
Januar 25th, 2020 |
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Politik, Radio, Podcast & TV
Roma sam
Radijo Burgenland: 6.1.2020 | (on demand)
O flogoskere grupnengere loj akan ando nevo regirungakero programo „utscheder“ ovla, ham o cilo mangipe le flogoskere grupnendar na prik beschardo ovla.
O flogoskere grupnengere fartretertscha taj fartreterkiji mangen dujvar atschi loj sar andar o bersch 1995 aun uschtiden. Ada ovlahi valami 8 milijoni Euro. Upre buteder sar 300 riktscha skicirinde o duj regirungakere partaji pumaro cukünftigi keripe ando pantsch berscha. Upri rik 13 le regirungakere programistar o plantscha la neva bundakere regirungatar le aunprindscharde flogoskere grupnendar andar i Austrija ande hi. Jek schukar falato le mangipendar le flogoskere grupnengere fartreterendar taj farterkijendar usi khetani presejakeri konferenca angli boschitscha ando nevo regirungakero programo ande lim ulo.
Vasteskero pisinipe le Kärntnerendar
Ko usi presejakeri konferenca ando 17. decemberi 2019 use sina, dschanel kaskero vasteskero pisinipe adale regirungakere mangipestar ledschel. So ando nevo regirungakero programo ande terdschol usi presejkeri konferenca le fartreterendar le Kärntner Slovenendar Bernard Sadovnik manglo ulo. „Finacijeli tel likeripe le flogoskere grupnengere medijendar.“ Palo phenipe le Sadovnikistar o flogoskere grupnengere mediji o ledschaschtscha la dajakera tschibtschatar hi taj lojengero pomoschago vasche dim te ol. Ada mangipe ando programo le regirungakere partajendar ÖVP taj Selene jek barikano than uschtidija. Jek barikano tema sikal o mangipe ojs aunprindscharipe la Jenischi flogoskera grupnatar andi Austrija. Read the rest of this entry »
Januar 21st, 2020 |
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Politik, Radio, Podcast & TV
Roma sam
Radio Burgenland: 6.1.2020 | (on demand)
Nach 25 Jahren: Das Volksgruppenbudget wird nun nach dem neuen Regierungsprogramm „zeitnahe“ erhöht, aber die Forderung der Volksgruppen blieb nicht ganz berücksichtigt.
Die Volksgruppenvertreterinnen und -vertreter verlangten und verlangen eine exakte Verdoppelung der Budgetsumme von 1995, die ohne eine einzige Evaluierung bis heute etwa bei vier Millionen stagniert. Nach der Forderung der Volksgruppen sollte das jetzige angepasste Budget über acht Millionen Euro betragen. Seite 13 des Regierungsübereinkommens beinhaltet die Pläne der neuen Bundesregierung betreffend die anerkannten Volksgruppen in Österreich. Ein beachtlicher Teil der Forderungen von Volksgruppenvertretern/innen bei der gemeinsamen Pressekonferenz vor Weihnachten wurde in das neue Regierungsprogramm inkludiert.
Handschrift der Kärntner
Wer der Pressekonferenz der Volksgruppenvertreter/innen am 17. Dezember 2019 beigewohnt hat, kann sich des Gefühls nicht erwehren, dass das Regierungsprogramm in puncto Volksgruppen die Handschrift der Kärntner trägt. Genau das, was im neuen Regierungsprogramm ausdrücklich steht, wurde nämlich bei der Pressekonferenz allem voran vom Vertreter der Kärntner Slowenen Bernard Sadovnik gefordert: „finanzielle Sicherstellung der Volksgruppenmedien“. Nach Sadovnik seien die Volksgruppenmedien Träger der Muttersprache und daher besonders förderungswürdig. Diese Forderung hat nun im Programm der Regierungsparteien ÖVP und Grüne einen prominenten Platz.
Ein erfreuliches Thema stellt das Verfahren zur Anerkennung der Jenischen als österreichische Volksgruppe dar. Bis jetzt wurde es zwar von den Volksgruppeninstitutionen, mit Ausnahme der Kärntner Slowenen, nicht richtig sichtbar thematisiert, wird aber sicherlich von allen Volksgruppen gerne mitgetragen. Read the rest of this entry »
Dezember 16th, 2019 |
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Politik
Anerkennung der Roma als Volksgruppe am 16. Dezember 1993
Nationalratspräsident Sobotka: Vielfalt ist Teil der österreichischen Identität
APA-OTS: Die Verantwortung gegenüber den Volksgruppen und ihren Anliegen betont Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka 26 Jahre nach Anerkennung der Roma in Österreich. „In Anbetracht weltumspannender Trends wie Globalisierung und Digitalisierung ist es von besonderer Bedeutung, die eigene Identität zu stärken“, meint der Präsident des Nationalrats. Es sei daher notwendig und zeitgemäß, die Reichhaltigkeit der österreichischen Identität durch ihre Volksgruppen in den Fokus zu rücken und diese Tatsache im kollektiven Bewusstsein der Menschen zu verankern, so Sobotka.
Ihm zufolge dürfe man die Bemühungen nicht nur auf Österreich beschränken. „Ich halte dies für eine europäische Hausaufgabe, die es zu erfüllen gilt. Die Volksgruppen und ein diesbezügliches europäisches Bewusstsein müssen in allen Mitgliedstaaten nachhaltig gefördert werden“, sagt Sobotka.
Zudem müsse die Auseinandersetzung mit den Volksgruppen auch in den Schulen verankert und gefördert werden. „Die Volksgruppen dürfen nicht nur zu besonderen kalendarischen Gegebenheiten in den Fokus gerückt werden, sondern müssen permanent im emotionalen Bewusstsein der Menschen vorhanden sein“, so der Nationalratspräsident.
Die Roma und Sinti wurden am 16. Dezember 1993 als Volksgruppe der Roma in Österreich anerkannt. Read the rest of this entry »