Filmtipp: „Our School“ (2011) online

April 13th, 2021  |  Published in Film & Theater, Interview, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte, dROMa (Magazin)

Our School (DVD front cover)Die Filmemacherinnen Mona Nicoară und Miruna Coca-Cozma pro­to­kol­lier­ten in „Our School“ den Auf­bruch einer ru­mä­ni­schen Ge­mein­de aus der Sack­gasse der Segre­ga­tion. Aus An­lass des In­ter­na­tio­na­len Roma-Tags ha­ben sie das Video für ei­nige Tage frei­ge­schal­tet. Empfehlung!

Kostenlos online zu sehen nur noch bis 14. April.

→zum Video-Stream

Etwa zur selben Zeit, als in Rumänien die ersten Dreharbeiten zu diesem Film anliefen, ging die Unicef 2007 mit alarmierenden Zahlen an die Öffentlichkeit: Nur zwei von drei Roma-Kindern in Rumänien werden überhaupt eingeschult; und von jenen, die eine Schule besuchen können, landet ein großer Teil in separaten Klassen oder eigenen Schulen. Vor fast fünfzehn Jahren erhielten deshalb dreißig rumänische Gemeinden EU-Mittel, um diesem Missstand zumindest lokal abzuhelfen. Die aus Rumänien stammende und in New York lebende Filmemacherin und Menschenrechtsaktivistin Mona Nicoară, die einige Jahre für das European Roma Rights Centre in Budapest gearbeitet hat, nahm den Start eines dieser Reformprojekte zum Anlass, sich dem Thema aus der Perspektive der betroffenen Kinder zu nähern: Für ihr Dokumentarfilmdebüt „Şcoala Noastră“/„Our School“ begleitete sie mit der Koregisseurin Miruna Coca-Cozma und dem Kameramann Ovidiu Marginean drei Roma-Schüler, Ali (8), Beni (12) und Dana (16), vier Jahre lang mit der Kamera und protokollierte den Prozess der „Desegration“ ihrer Schule in Târgu Lăpuş, einem kleinen siebenbürgischen Städtchen.

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Podcast: Der letzte Zeitzeuge aus Worms

April 11th, 2021  |  Published in Geschichte & Gedenken, Interview, Radio, Podcast & TV

Transfer TogetherZeitzeugengespräch mit Stefan Köcher, dem letzten Über­le­ben­den des Porajmos in Worms (Rheinland-Pfalz)

Podcast Transfer Together, Folge 33 (1:04:57 min, 47,9 MB)
→Anhören/Download (mp3)


Stefan Körner, der letzte Zeitzeuge aus Worms (Foto: Arbeitsstelle Antiziganismusprävention)Der letzte Wormser Zeitzeuge Stefan Köcher (geb. 1936) hat mit Mit­arbeiten­den der Arbeits­stelle Anti­ziganis­mus­präven­tion der PH Heidel­berg über seine Erfah­rungen und Erin­nerun­gen ge­sprochen. In dem Zeitzeugen­ge­spräch the­mati­siert Herr Köcher die anti­zi­ganis­ti­schen Aus­grenzun­gen gegen seine Person, seine Depor­tatio­nen, wie er sich nach dem Krieg ein neues Leben auf­gebaut hat, seine Ein­schätzung über den Anti­ziganismus in der heuti­gen Gesell­schaft und was er sich für die nach­folgenden Genera­tionen im Um­gang mit der Minder­heit wünscht.

Mehr hier: Der letzte Zeitzeuge aus Worms
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Mutmaßlicher Brandanschlag bei Ulm

April 9th, 2021  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Deutschland: Mehrere Wohnwagen der Zirkusfamilie Brumbach standen in Weidenstetten in Flammen. (Foto: Fam. Brumbach, via. Augsburger Allgemeine)In einer Pressemitteilung berichtet der Verband Deutscher Sinti und Roma, Landes­verband Ba­den-Württem­berg von einem Vor­fall am 19. März in der Nähe von Ulm. Meh­re­re Wohn­wagen einer Zirkus­trup­pe, die auf­grund der Pan­de­mie in in Wei­den­stet­ten ge­stran­det war, brann­ten ab. Auch Per­so­nen waren in Gefahr, konn­ten sich aber ins Freie retten. Der Lan­des­ver­band spricht von einem mög­li­chen anti­ziganis­ti­schen Brand­an­schlag. Die Po­li­zei er­mit­telt. Die Aus­sen­dung im Ori­gi­nal­wort­laut:

Am Morgen des 19. März 2021 wurden in Weidenstetten im Alb-Donau-Kreis unweit von Ulm gegen 5:40 Uhr drei Wohnwagen einer Zirkus­truppe, zu der auch Sinti ge­hören, durch einen Brand zer­stört. Zwei junge Männer kamen bei dem Brand bei­nahe ums Leben. Sie konn­ten sich noch in letz­ter Se­kunde aus den bren­nenden Wagen retten und ver­loren alles, was sie be­sitzen. Der Wohn­wagen eines weite­ren Mit­glieds des Zirkus ist größ­ten­teils ab­gebrannt. In der Nähe stan­den zwei Wohn­wagen, die eben­falls durch die Hitze be­schädigt wurden.

Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen und einen Brand­mittel­spür­hund ein­ge­setzt. Ein anti­ziganisti­scher Brandanschlag mit dem Ziel der Vertreibung kann nicht aus­geschlossen werden. Be­troffene be­richteten auch, der Bürger­meister habe dem Zirkus an­gedroht, dass seine Wagen in Flammen auf­gehen könn­ten, wenn er nicht weiter­ziehen würde. Der Zirkus muss­te sich vor 15 Mo­na­ten auf­grund der Coro­na-Pan­demie, die Auf­führun­gen un­mög­lich machte, am Orts­rand von Weiden­stetten nieder­lassen. Zu­gleich kam es nach dem Brand zu einer Solidari­sierung aus der lokalen Be­völke­rung. Eine Spenden­samm­lung fand statt, ein Ulmer Hotel stell­te eine Über­nachtungs­mög­lich­keit zur Ver­fügung, neue Wohn­wagen wur­den ge­spendet.

Der VDSR-BW steht in Kontakt mit den Betroffenen und hat ihnen bürger­recht­liche Beratung und Rechts­schutz an­ge­boten. Daniel Strauß, Vor­stands­vor­sitzen­der des VDSR-BW:

Sollte sich der Verdacht eines anti­ziganisti­schen Brand­anschlags er­härten, würden Erinnerun­gen an den Anschlag im Mai 2019 auf eine Roma-Fa­mi­lie in dieser Region ge­weckt. Die fünf Täter wurden vom Land­gericht Ulm im Sep­tem­ber 2020 wegen Ver­treibung bzw. ge­mein­schaft­li­cher Nötigung in 45 Fällen ver­urteilt. Read the rest of this entry »

Vision und Mission: Roma 2030

April 8th, 2021  |  Published in Musik, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

Tag der Roma 2021 (Voice of Diversity)Der Internationale Tag der Roma wird jährlich am 8. April begangen – ein weltweiter Aktionstag, mit dem auf die Situation der Roma aufmerksam gemacht werden soll. Zum einen wird an diesem Tag die Diskriminierung der Volksgruppe in den Blickpunkt gerückt, zum anderen wird die Roma-Kultur gefeiert. Voice of Diversity organisiert bereits zum dritten Mal aus diesem Anlass eine international besetzte Podiumsdiskussion mit anschließendem Konzert im Porgy & Bess in Wien.

Podiumsdiskussion, 18.00–19.30 Uhr: →Livestream

2020 endete die EU-Roma-Strategie, die zum Ziel hatte, die Ungleichheit zwischen Roma und Nicht-Roma zu beenden. Das Versprechen wurde nicht eingelöst. Die COVID-19-Pandemie und Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie haben die bestehende Kluft zur Mehrheitsbevölkerung und die Diskriminierung von Roma noch weiter verschärft. Am 7. Oktober 2020 präsentierte die EU-Kommission einen reformierten strategischen Rahmen zur Gleichstellung, Inklusion und Teilhabe der Roma auf Ebene der Europäischen Union für den Zeitraum 2020–2030.

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IHRA-Antiziganismusdefinition für Österreich

April 8th, 2021  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte

IHRA LogoZeichen der Anerkennung zum Internationa­len Tag der Roma. Ös­ter­reichs Mi­nis­ter­rat nimmt IHRA-Ar­beits­defi­ni­ti­on von An­ti­zi­ga­nis­mus an.

Nationalfonds: Der 8. April ist der Internationale Tag der Ro­ma – ein bedeu­ten­der Tag, wenn es um die Sen­si­bili­sie­rung für die Wahr­neh­mung von Men­schen geht, für die der oft negativ kon­no­tierte Be­griff „Zigeuner“ in der All­tags­sprache noch immer allzu ge­läufig ist. Vor 50 Jahren, am 8. April 1971, wurde in London der erste Welt-Ro­ma-Kon­gress ab­gehal­ten, ein erster großer Schritt für die Rechte dieser Be­völke­rungs­gruppe.

Einen Tag vor dem internationalen Tag der Roma 2021 hat nun in Österreich der Mi­nis­terrat [Anm.: nach Deutschland] die Arbeits­defini­tion von Anti­ziganis­mus der Inter­nationa­len Al­lianz für Ho­lo­caust-Ge­denken (Inter­national Holo­caust Remembrance Al­liance – IHRA) an­ge­nom­men und damit ein wich­tiges Signal ge­setzt.

Hannah Lessing, Generalsekretärin des Nationalfonds, dessen zentrale Auf­gabe seit 1995 die An­erken­nung aller Opfer­gruppen ist, betont: „Die Dis­kriminie­rung von Men­schen und Bevölkerungs­gruppen ist ein Warnsignal im Hin­blick auf den Zustand einer Gesell­schaft. Die mög­lichen Folgen wurden im National­sozialis­mus nur allzu deut­lich sichtbar. Darum ist es so dring­lich, nicht nur ge­gen Anti­semitismus, sondern gegen Aus­gren­zung jeder Art ent­schieden vor­zu­gehen.“

Bis heute ist Antiziganismus ein zu wenig beachte­tes Phänomen auch in Öster­reich. Die durch die IHRA unter maß­geb­licher Mit­wirkung Öster­reichs er­arbei­tete Arbeits­definition ist ein Mittel, ihn zu er­kennen und zu benennen. Read the rest of this entry »

Podiumsdiskussion „50 Jahre Romapolitik“

April 7th, 2021  |  Published in Internet & Blogothek, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

Parlament Wien (Foto: Manfred Werner/WikiCommons)Virtuelle Veranstaltung „50 Jahre Roma­poli­tik – Romnja und Roma in der EU. Chan­cen und Heraus­for­de­run­gen“

Do., 8. April 2021, 10.00 Uhr in der Mediathek des Par­la­ments (Live­stream)

Vor 50 Jahren, am 8. April 1971, fand in London der ers­te Welt-Ro­ma-Kongress statt, um da­mit die An­fän­ge der Ro­ma-Bürger­rechts­bewe­gung ein­zu­läuten. Seit nun­mehr drei­ßig Jahren wer­den zu diesem Datum welt­weit Aktions­tage ab­ge­halten, um auf dieses be­deut­same Ereig­nis auf­merk­sam zu ma­chen. Anlässlich des dies­jähri­gen Welt-Ro­ma-Ta­ges lädt Natio­nal­rats­prä­si­dent Wolfgang Sobotka Expertinnen und Ex­perten ein, um die euro­päische Dimen­sion der Situa­tion die­ser Volks­grup­pe im Jahr 2021 zu be­leuch­ten.

Nach den Eröffnungsworten von Manuela Horvath (Leiterin der Roma­pasto­ral der Diöze­se Eisenstadt) hält Bundes­minis­terin Susanne Raab die Keynote.

Am Podium diskutieren Sabine Schweitzer (Zeit­histori­kerin) [Anm. d. Red.: statt Gerhard Baumgartner], Emmerich Gärtner-Horvath (Vor­sitzender des Volks­gruppen­beirats der Roma und Chef des Vereins Roma-Service), Ursula Till-Tentschert (Stv. Ab­tei­lungs­leiterin an der EU-Grund­rechte­agen­tur) und Usnija Buligovic (THARA Arbeits­markt­pro­jekt für Roma und Sinti, Volkshilfe).

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Facts & Figures (359)

April 6th, 2021  |  Published in Allgemeines, Facts & Figures

In der Türkei leben Schätzungen zu­fol­ge 6 bis 8 Mil­li­on­en Roma und ver­wandte Ethni­en (Dom, Lom, Mıtrip, Karaçi, Elekçi, Aşık, Poşa).

(Quelle)

Paul Polansky (1942–2021)

April 4th, 2021  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Rassismus & Menschenrechte

Zum Tod des Menschenrechtlers Paul Polansky (1942–2021)


Paul Polansky (Foto: František Bikár, Romea.cz) Nach langer schwerer Krankheit ist der Historiker und Autor Paul Polansky am 26. März 2021 in Serbien ge­stor­ben. Er hat sich über 30 Jah­re lang für die Rechte von Roma ein­gesetzt und ge­hört zu den wich­tigs­ten Men­schen­recht­lern in diesem Bereich.

RAN: Paul Polansky wurde am 17. Februar 1942 als Kind tschechisch-deut­scher Ein­wanderer in den USA ge­boren. In den 1990er Jahren hat er in Tschechien gelebt und die Ge­schichte des Kon­zentra­tions­lagers für Roma im tschechischen Lety öffent­lich ge­macht, nach­dem er umfang­reiches Archiv­material aus­ge­graben und Zeit­zeugen be­fragt hatte. Die Geschichte des Lagers war seit dem Zwei­ten Weltkrieg weit­gehend ver­loren ge­gangen, ver­schleiert oder verzerrt wor­den. Zu den Häftlingen des Lagers ge­hörten der be­rühmte Partisan Josef Serinek und seine Familie. Später wurde auf dem Gelände des ehe­ma­ligen Kon­zentra­tions­lagers eine Schweinefarm errichtet.

Polansky hat zahlreiche Bücher und u.a. den Dokumentar­film „Gypsy Blood“ publi­ziert. 2004 erhielt er den Weimarer Menschenrechtspreis, da er sich unter Einsatz seines Lebens für die im Kosovo lebenden Roma einsetzte. Read the rest of this entry »

Podcast: „Das hat mich wütend gemacht!“

April 3rd, 2021  |  Published in Medien & Presse, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Transfer TogetherAntiziganismus in den Medien

Podcast Transfer Together, Folge 31 (31:29 min, 43 MB)

→Anhören/Download (mp3)

Die WDR-Talkshow „Die letzte Instanz“ vom 29. Januar 2021 hat für viel Aufregung ge­sorgt (wir be­rich­te­ten hier und hier). In der Runde wur­den rassis­tische Bilder von Sinti und Roma dis­ku­tiert, ohne Betrof­fene zu Wort kom­men zu lassen. Das Bei­spiel zeigt, wie aktuell und wich­tig es ist, über diese Stereotype auf­zu­klären und über die weit ver­brei­tete Dis­krimi­nie­rung von Sinti und Roma zu spre­chen. Nadine Küßner (Anti­ziga­nismus­prä­vention, PH Heidelberg) hat für diese Pod­cast-Fol­ge mit Angelina Kappler (Winzerin, dt. Wein­königin), Anja Reuss (Zentral­rat Deut­scher Sinti und Roma) und Georgi Ivanov (Amaro Foro e.V.) über Anti­ziganis­mus in den Medien ge­spro­chen und darüber, wie man ihm be­geg­nen kann.

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Facts & Figures (358)

April 2nd, 2021  |  Published in Facts & Figures, Politik

1937/38 versuchte die Sow­jet­union, eine au­to­no­me Re­gion für Ro­ma (Romanistan) zu be­grün­den. Da­für wur­den Roma nach Si­bi­ri­en zwangs­ver­bracht.

(Quelle)

Arbeitsdefinition Antiziganismus (2020)

April 1st, 2021  |  Published in Dokumente & Berichte, Politik, Rassismus & Menschenrechte  |  1 Comment

IHRA LogoIHRA: Nicht rechtsverbindliche Arbeits­de­fi­ni­ti­on von Anti­zi­ga­nis­mus

8. Oktober 2020

Mit Sorge zur Kenntnis nehmend, dass die man­gelnde An­erken­nung des Völker­mords an den Sinti und Roma zuden Vor­urteilen und zur Diskrimi­nierung bei­getragen hat, die viele Gemein­schaften der Sinti und Roma* heute noch erfahren, sowie in der Wahr­nehmung unserer Ver­antwortung, sol­chen Formen von Rassismus und Dis­kriminie­rung ent­gegen­zu­treten (Arti­kel 4 und 7 der IHRA-Minister­erklä­rung von 2020 sowie Arti­kel 3 der Erklärung von Stockholm), ver­abschiedet die IHRA die folgende Arbeits­defini­tion von Anti­ziga­nismus:

Antiziganismus manifestiert sich in individuellen Äußerun­gen und Hand­lungen sowie institu­tio­nellen Politi­ken und Praktiken der Mar­ginali­sie­rung, Aus­grenzung, physi­schen Gewalt, Herab­würdi­gung von Kulturen und Lebensweisen von Sinti und Roma sowie Hass­reden, die gegen Sinti und Roma sowie andere Einzel­personen oder Gruppen ge­richtet sind, die zur Zeit des National­sozialis­mus und noch heute als „Zigeuner“ wahr­ge­nommen, stig­mati­siert oder verfolgt wurden bzw. werden. Dies führt dazu, dass Sinti und Roma als eine Gruppe vermeint­lich Fremder be­handelt werden, und ihnen eine Reihe negativer Stereo­typen und ver­zerrter Darstel­lungen zu­geordnet wird, die eine be­stimm­te Form des Rassismus dar­stellen.

Als Leitfaden für die Arbeit der IHRA wird Folgendes anerkannt:

Antiziganismus gibt es seit Jahrhunderten. Er war ein zentrales Element der gegen Sinti und Roma ge­rich­teten Ver­folgungs- und Ver­nich­tungs­politik, wie sie vom national­sozialis­ti­schen Deutschland sowie von den­jenigen faschis­tischen und extrem natio­nalis­ti­schen Partnern und anderen Mit­tätern, die sich an diesen Verbrechen be­teiligten, be­trieben wurde.

Antiziganismus hat weder mit der NS Zeit begonnen noch danach auf­gehört, son­dern ist weiterhin ein zentra­les Element von an Sinti und Roma be­gange­nen Verbrechen. Read the rest of this entry »

Antiziganismus: IHRA-Definition für Deutschland

März 31st, 2021  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte  |  2 Comments

Deutschland nimmt Antiziganismus-Definition an (Foto: via IHRA)Deutschland hat als erstes Land die Arbeits­defi­ni­tion von Anti­ziganis­mus der „Inter­natio­nalen Allianz zum Holo­caust-Ge­denken“ (Inter­natio­nal Holocaust Re­membrance Alliance, IHRA) an­ge­nom­men. Anti­ziganis­mus be­zeich­net den Rassismus ge­gen­über Sinti und Roma. Deutsch­land macht nun die Defi­ni­tion der IHRA zur Grund­lage für politi­sches und Ver­waltungs­handeln. Außen­minister Maas sagte in Berlin, der Völker­mord an den Sinti und Roma während der NS-Zeit sei viel zu lange in Ver­gessen­heit ge­raten. Die Dis­kri­minie­rung von Sinti und Roma halte sich „hart­näckig in unseren Gesell­schaf­ten“. Nach der IHRA-De­fini­tion handelt es sich etwa um Anti­ziganismus, wenn Sinti und Roma ver­zerrt dar­gestellt oder ihre Verfolgung durch die National­sozialis­ten ge­leugnet werden. Der Begriff „Zigeuner“ wird als anti­ziganis­tisch be­wertet, wenn er als Beleidigung ver­wendet wird.

→Working Definition of Antigypsyism/Anti-Roma Discrimination

(Text: www.deutschlandfunkkultur.de, 31.3.2021)

Siehe auch:
Foreign Minister Maas on the IHRA working definition of anti­gyp­sy­ism/an­ti‑Roma discri­mi­nation
, 31.3.2021

Deutschland nimmt Definition für Antiziganismus an, 31.3.2021

Romanes: Informationen zu Impfungen

März 30th, 2021  |  Published in Allgemeines, Romani

Das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten Berlin be­müht sich, mit einer Auf­klärungs­kam­pagne für die Corona­impfungen auch die Com­mu­nities von Ge­flüchteten und Migranten zu er­rei­chen. Der Reinicken­dorfer Amtsarzt Patrick Larscheid in­formiert in dem Video über die Impfungen gegen Covid-19. Diese In­for­ma­tionen in 14 Sprachen „sind für Ge­flüchtete und alle an­deren ge­dacht, die noch nicht so gut Deutsch sprechen“.

Facts & Figures (357)

März 29th, 2021  |  Published in Facts & Figures, Frauenrechte, Geschichte & Gedenken, Politik

1978 prangerte ein Be­richt der Dis­si­den­ten der­ Charta 77 (Do­ku­ment 23) die an Romnja vor­­ge­nom­me­nen Zwangs­ste­ri­li­sa­tionen in der ČSSR an.

(Quelle)

„Meinen Zorn bereue ich nicht“

März 28th, 2021  |  Published in Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Religion

Pfarrer Wolfgang Pucher (Foto: VinziWerke)Als der Gra­zer Vinzi-Pfar­rer 1.000 Euro Prä­mie für den „Bett­ler-Mer­ce­des“ aus­lobte: Armen­pfarrer Wolfgang Pucher – ganz per­sönlich

Graz – Laut gedacht: In der neuen Folge der Pod­cast-Rei­he spricht der Grazer Pfarrer mit „Kleine Zei­tung“-Re­dak­teur Bernd He­cke und räumt dabei ein­mal mehr mit dem Mär­chen von der Bett­ler-Mafia auf.

→Anhören (63 min.)

Kaum ein Obdachloser in Graz, den er nicht beim Namen kennt, um den er sich nicht schon per­sönlich ge­küm­mert hat. Seit Jahr­zehn­ten setzt sich Pfarrer Wolfgang Pucher für die Ärms­ten ein. Kom­promiss­los, enga­giert und wenn nötig – das haben auch schon zahl­reiche Politiker zu spüren be­kommen – mit einer ge­hö­ri­gen Portion Zorn. Seine streit­bare Stimme hat den gesell­schafts­poli­ti­schen Diskurs nicht nur in der Stadt, sondern in ganz Österreich mit­ge­prägt: Vom Umgang mit den Flücht­lingen des Jugo­slawien­kriegs Anfang der 1990er-Jah­re, über die Dis­kus­sion um das Bettelverbot bis hin zu ganz ak­tuellen und bren­nenden Themen. Kurz vor seinem 82. Geburts­tag lässt er sein Leben und sein Wirken als Geistlicher und als Mensch mit Schwä­chen und Fehlern in einem sehr per­sönli­chen Ge­spräch mit Graz-Res­sort­chef Bernd Hecke Revue pas­sieren. [...]

Der Gottesmann erzählt auch davon, wie er 1.000 Euro Prämie aus­gelobt hat, für den, der ihm den Beweis für berüch­tigten Bett­ler-Mercedes bringt, als in der poli­tischen De­batte die Gerüchte von den Roma-Pa­ten der Bettler-Mafia kur­sier­ten. Und Pucher weiß um große Roma-Fa­milien, die sich das Erbettelte auf­teilen, aber eine Mafia, einen der in Graz abends ab­kassiert, habe er nie be­obachtet.

(Text: Podcast Graz Laut gedacht/Kl. Zeitung)

Facts & Figures (356)

März 24th, 2021  |  Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken

Während des Zweiten Welt­kriegs wur­de die ge­sam­te Ro­ma-Be­völ­ke­rung Estlands er­mor­det.

(Quelle)

„Ich liebe Farbe!“ – Kunststreit in Mallorca

März 23rd, 2021  |  Published in Kunst & Fotografie

jose-luis-mesas-mallorcaAls Kind war die Kunst sein Zu­fluchts­ort, ein Weg in eine bun­te­re Welt. Heute bangt der Gita­no-Künst­ler José Luis Mesas Sánchez um die Zu­kunft sei­nes Wand­ge­mäl­des auf Mallorca.

MZ/Brigitte Rohm, 22.03.2021

„Es war einmal ein Kind, das gerne malte. Es malte so gerne, dass es das überall und zu jeder Zeit tat, und das brach­te ihm Proble­me mit der Schule ein. Es bemalte sein Schreib­pult, die Wände und sogar die Bücher – und im­mer wurde es damit be­straft, dass es sich in die Ecke stellen musste, um über sein Ver­halten nach­zu­denken.“ Dieses Kind war der heute 47-jäh­rige Künstler José Luis Mesas Sánchez. Er wur­de als eines von sieben Ge­schwis­tern einer aus Andalusien nach Mallorca emigrier­ten Fa­milie von Gitanos, wie die Roma in Spanien ge­nannt werden, in Palma ge­boren. Die Passage stammt aus dem Kinder­buch „Mi mundo“ („Meine Welt“), das er zu­sam­men mit der Autorin Patricia Chinchilla ge­staltet hat und das er­zählt, wie Mesas einst zur Kunst fand.

Für den damals Siebenjährigen, der wie drei seiner Geschwister in ein Kinder­heim ge­geben wurde, nahm die Ge­schichte eine positi­ve Wen­dung: Eine neue Kunst­lehrerin ent­deckte sein großes Talent, för­derte ihn und brachte ihn dazu, in ein Skizzen­buch zu malen, an­statt seine Um­gebung zu ver­schönern. Sein Stil ent­wickelte sich im Lauf der Jahre von Pop-Art und Surrealis­mus hin zu einer eigenen, farben­frohen künst­le­ri­schen Sprache, die er „Mesismo“ nennt. Seine Marken­zeichen: Marien­käfer, Fische und Libellen. Heute ist Mesas ein inter­natio­nal täti­ger Künstler, der laut eige­ner Aus­sage in 29 Museen ver­treten ist. Doch die Ironie des Schick­sals will, dass er nach all den Jahren wie­der Ärger be­kommt, weil er eine Wand bemalt hat: die Fassade des Hotels Armadams in Palma de Mallorca (sie­he hier).

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“Bob Dylan meets some Gypsy fans”

März 21st, 2021  |  Published in Film & Theater, Fundstücke, Musik

Dieses charmante Filmdokument einer Zufalls­begeg­nung wäh­rend Bob Dylans England­tour 1965 ist als Extra auf der DVD von „Dont Look Back“ von D. A. Pennebaker (1967) ent­hal­ten, als Blu-ray und DVD er­schie­nen in der Criterion Collection.

Wenn man den vielen User-Kom­men­taren von an­geb­lich Be­teilig­ten und ihren Ver­wandten und Nach­fahren Glauben schenkt, hat die Fa­milie dieses Fund­stück im Internet ent­deckt – und sich scharen­weise auf der You­tube-Sei­te ein­ge­fun­den. Dass die­ser denk­würdige kleine Moment mit Bob Dylan und Joan Baez als be­son­dere Anek­dote in die Familien­geschich­te ein­ge­gan­gen ist, wol­len wir jeden­falls ger­ne glau­ben.

Siehe auch:
So long, Leonard! Leonard Cohen und die Gitanos
, 13.11.2016

Facts & Figures (355)

März 18th, 2021  |  Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte

Ab 1912/13 mussten „No­ma­den“ in Frank­reich an­thro­po­met­ri­sche Aus­wei­se mit Kör­per-/Ge­sichts­ma­ßen (auch Oh­ren- u. Fin­ger­län­gen) bei sich tra­gen.

(Quelle)

Minderheiten: Wann braucht es Allianzen?

März 17th, 2021  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

Dr. Michael Blume (Foto: Staatsministerium Baden-Württemberg)Minderheiten zwischen Allianz und Konkurrenz – das Ver­spre­chen einer plu­ra­len De­mo­kratie?

Online-Vortrag und -Diskussion am 25.03.2021, 18:00 bis 19:30 Uhr | →zur Anmeldung

Ankündigung: Die deutsche Bundesregierung wirbt für den Rechts­staat und das Ver­spre­chen einer pluralen Demo­kratie. Doch vor allem dort, wo selbst­be­wusste Minder­heiten ihr Recht auf Gleich­heit und Frei­heit ein­fordern, kom­men diese Ver­sprechen an ihre Grenzen. Debat­ten um die Rechts­sicher­heit, gleich­berech­tigte Teilhabe und Zu­gehörig­keit von Men­schen, die von Diskrimi­nierung betrof­fen sind, sowie Forde­run­gen nach dem Abbau struktu­reller und symbo­lischer Ungleichheiten sind zentrale Heraus­for­derun­gen unse­rer post­migrantisch ge­präg­ten Bundes­republik.

Wie können gesellschaftliche Minderheiten­posi­tio­nen erfolg­reich Ein­fluss auf demo­krati­sche Prozesse neh­men? Inwie­weit können ab­grenzende Identitäts­politiken ein Erfolgs­modell sein? Wann braucht es Allian­zen, um Ungleichheit und Diskri­minie­rung ab­zu­bauen?

Nach einem Impulsvortrag des Antisemitismusbeauftragten des Lan­des Ba­den-Württem­berg, Dr. Michael Blume, wer­den Ver­tre­ter*innen der drei bundes­weiten Kompetenz­netz­werke Antiziganismus, anti­muslimi­scher Rassismus und Anti­semitis­mus über diese Fragen sprechen, den Ist­zu­stand kritisch re­flektieren, ak­tuelle Heraus­forderun­gen diskutieren und ge­meinsam mit dem Pub­likum Zukunfts­perspek­tiven ent­wickeln.

Die Veranstaltung findet online über Zoom statt. Der Link zur Teil­nahme wird davor per Mail ver­schickt. An­mel­dung ab dem 15. März 2021 un­ter: →www.teilseiend.de

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