Mai 20th, 2021 |
Published in
Dokumente & Berichte, Einrichtungen, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Die deutsche Bundesregierung hat gestern den von Bundesinnenminister Seehofer vorgelegten Bericht der Unabhängigen Kommission Antiziganismus zur Kenntnis genommen. Der Bericht wird nun dem Deutschen Bundestag und dem Bundesrat zur weiteren Behandlung und Beratung übermittelt.
Im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD für die aktuelle 19. Legislaturperiode wurde vereinbart, ein Expertengremium zum Thema „Antiziganismus“ einzusetzen. Die Bundesregierung hat in ihrer Kabinettssitzung am Mittwoch den von Bundesinnenminister Seehofer vorgelegten Bericht der Unabhängigen Kommission Antiziganismus im Kabinett zur Kenntnis genommen. Dieses Gremium, die Unabhängige Kommission Antiziganismus (mehr hier), hatte sich nach vorangegangenen fachlichen Konsultationen mit dem Zentralrat Deutscher Sinti und Roma am 27. März 2019 im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat zusammengeschlossen. Die Expertinnen und Experten haben nach zweijähriger Arbeit ihren Bericht mit zahlreichen Forderungen und Empfehlungen abgeschlossen. Dabei hat der Expertenkreis unabhängig und selbständig seine Arbeitsagenda festgelegt und abgearbeitet.
Grundlage für weitere gesellschaftspolitische Diskussionen
Der Bericht beinhaltet Ausführungen zu antiziganistischen Erscheinungsformen und qualitativen sowie quantitativen empirischen Gegebenheiten in Deutschland, auch und gerade aus Perspektive der Sinti und Roma. Read the rest of this entry »
Mai 17th, 2021 |
Published in
Facts & Figures, Geschichte & Gedenken
Seit 2016 erinnert in Babyn Jar bei Kiew in der Ukraine ein nationales Mahnmal auch an die ab Sept. 1941 dort ermordeten Roma.
(Quelle)
Mai 16th, 2021 |
Published in
Geschichte & Gedenken
Zentralrat Deutscher Sinti und Roma erinnert an den Widerstand von Sinti und Roma im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau vor 77 Jahren, am 16. Mai 1944
An diesem Tag sollte der Lagerabschnitt B IIe, das sogenannte „Zigeunerlager“, in dem tausende von Sinti und Roma inhaftiert waren, aufgelöst und sämtliche Häftlinge in den Gaskammern ermordet werden.
„An diesem Tag jedoch leisteten die dort inhaftierten Menschen Widerstand gegen die Aktion der SS. Dieser Widerstand gegen die Vernichtung ist in der Geschichte von Auschwitz wie in der Geschichte der NS-Verbrechen und des Widerstands bislang nicht hinreichend gewürdigt worden, obwohl eine Vielzahl von Zeitzeugenaussagen vorliegen, die diesen Widerstand dokumentieren und die eindeutig diesen verzweifelten Akt des Widerstands in Auschwitz-Birkenau, im Zentrum des Holocaust, belegen“, so Romani Rose.
Die SS brach die Vernichtungsaktion am 16. Mai 1944 wegen des Widerstands der Sinti und Roma ab; wohl auch, um zu verhindern, dass der Widerstand auf andere Lagerabschnitte übergreifen konnte. In der Folge deportierte die SS die arbeitsfähigen und widerstandsfähigen jungen Männer und Frauen mit ihren Familien in andere Konzentrationslager. Viele von ihnen waren kampferfahrene ehemalige Soldaten, die oftmals direkt von der Front nach Auschwitz-Birkenau verbracht wurden. In der Nacht vom 2. zum 3. August 1944 wurden dann die letzten 4.300 im Lagerabschnitt BII e noch lebenden Menschen in den Gaskammern ermordet, die meisten waren Frauen, Kinder, Alte und Kranke. Dieser Tag ist heute der internationale Gedenktag an die Opfer des Holocaust an den Sinti und Roma Europas.
Eine Vielzahl von Zeugenaussagen, die den Aufstand vom 16. Mai 1944 dokumentieren, brachte der Prozess am Landgericht in Siegen gegen den SS-Rottenführer in Auschwitz Ernst August König hervor. Read the rest of this entry »
Mai 12th, 2021 |
Published in
Facts & Figures, Geschichte & Gedenken
6 % der Österreicher halten den Satz „In den Berichten über Konzentrationslager (…) wird vieles übertrieben dargestellt“ für sehr/eher zutreffend.
(Quelle/pdf)
Mai 11th, 2021 |
Published in
Internet & Blogothek
Eine kleine, erfreuliche Durchsage in eigener Sache: Gestern hat unser Twitter-Account @dROMaBlog die Twitter-Schallmauer von 10.000 Followern (Abonnenten) durchbrochen. Das ist, das anzumerken sei uns in aller Bescheidenheit gestattet, nicht nichts. Der mehrsprachige, unentgeltlich betriebene Social-Media-Kanal ist Newsticker und (kommentierte) Presseschau, Informationsdrehscheibe, Anlaufstelle und Vernetzungsplattform (etwa hier und hier) in einem. Und all das offenbar nicht vergebens: Denn nach fast 12 Jahren und rund 12.700 Kurznachrichten ist @dROMaBlog heute der weltweit zweitgrößte Twitter-Account, der sich vorwiegend oder ausschließlich mit Roma-Themen befasst – überflügelt einzig vom größten spanischen Gitano-Verband FSG.
Palikerav und danke an alle Follower!
Opre Roma!
Mai 11th, 2021 |
Published in
Rassismus & Menschenrechte
Deutschland: Eine Roma-Familie aus Northeim in Südniedersachsen soll abgeschoben werden. Der erste Versuch durch die Polizei scheiterte, weil eine Flugzeugbesatzung sich quer stellte.
[Siehe auch: Deutschland: Asyl und Abschiebungen von Roma 2020]
Olaf Weiss/HNA.de: Familie Toska steht vor einer ungewissen Zukunft. Das Schicksal der Roma-Familie, die seit 20 Jahren in Northeim lebt, ist ein Beispiel dafür, wie wenig die generellen Regeln des Asylrechts Einzelfällen gerecht werden können.
Das eingeschlagene Fenster der Terrassentür und die kaputte Eingangstür sind noch Wochen später ein Zeichen dafür, mit welcher Konsequenz Mitte März die Behörden versucht haben, die Mutter Selma und ihre vier minderjährigen Kinder im Alter von 8 bis 17 Jahren in den Kosovo abzuschieben.
Gescheiterte Abschiebung: Polizei brachte Familie aus Northeim zum Flughafen – Flugbesatzung weigerte sich
Die Polizei hatte sich nachts gewaltsam Zutritt verschafft, die Mutter und ihre Kinder in einen Kleinbus verfrachtet und zum Flughafen Düsseldorf gebracht. Dort endete der Abschiebeversuch, weil die Besatzung des Flugzeugs, die die Familie in den Kosovo bringen sollte, sich angesichts des Zustands der Mutter weigerte, die Familie mitzunehmen. Sie befürchtete, so berichten deutsche Unterstützer der Familie, dass die psychisch vollkommen neben sich stehende Frau auf dem Flug einen Zusammenbruch erleiden könnte.
Also wurde Familie Toska unverrichteter Dinge wieder zurück nach Northeim gebracht. Wegen ihrer psychisch schlechten Verfassung musste die Mutter einige Tage zur Beobachtung in der Psychiatrie verbringen. Read the rest of this entry »
Mai 10th, 2021 |
Published in
Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht | 1 Comment
Die nackten Fakten: Asyl und Abschiebungen von Roma im Jahr 2020
Bei der Entscheidung [Deutschlands], die sechs Westbalkanstaaten in den Jahren 2014 und 2015 zu sicheren Herkunftsländern zu erklären, wurde die menschenrechtliche Situation der Roma dort ignoriert. War die Bleiberechtssituation von Roma aus diesen Ländern bereits zuvor nicht allzu gut, so bedeutet die Einstufung, dass ihre Asylanträge nun so gut wie immer abgelehnt werden. Zusätzlich führte sie zu einer weiteren Stigmatisierung von Roma als „Wirtschaftsflüchtlinge“.
Bei den so genannten Westbalkanstaaten handelt es sich um Albanien und die post-jugoslawischen Länder Serbien, Montenegro, Bosnien-Herzegowina und Nordmazedonien sowie Kosovo. 2020 lag die Gesamtschutzquote (Flüchtlingsschutz nach §3 I AsylG oder Abschiebungsverbot) bei 0,1% (Serbien, Nordmazedonien) und 2,1% (Kosovo). Für die drei weiteren Staaten liegen die Quoten zwischen diesen Zahlen.
Mehr als die Hälfte der Asylanträge, die von Menschen aus diesen Ländern 2020 gestellt wurden, waren Folgeanträge und stammen somit von Menschen, für die das nicht der erste Antrag war. Bei allen postjugoslawischen Staaten sowie beim Kosovo sind selbst nach offiziellen Zahlen die meisten Antragsteller/innen Roma. Die Dunkelziffer dürfte höher liegen, da viele Menschen aus Angst vor Diskriminierung nicht angeben, Roma zu sein. 2020 gab es beispielsweise 1.292 Asylanträge von Personen aus Serbien, davon gaben 1.036 an, Roma zu sein. Nur einer dieser 1.292 Anträge führte zu einem Schutzstatus nach §3 I Asylgesetz. Die anderen wurden entweder als unbegründet oder offensichtlich unbegründet abgelehnt oder anderweitig erledigt.
Die Fraktion Die Linke hat in einer Kleinen Anfrage den Bundestag gefragt, wie viele Abschiebungen es 2020 gab. Insgesamt waren es 10.800 Abschiebungen, darunter Menschen mit folgenden Staatsangehörigkeiten:
Albanien: 1.006 Personen (davon 234 Minderjährige)
Serbien: 754 Personen (davon 227 Minderjährige)
Nordmazedonien: 427 Personen (davon 149 Minderjährige)
Kosovo: 317 Personen (davon 62 Minderjährige)
Bosnien und Herzegowina: 173 Personen (davon 45 Minderjährige)
Montenegro: 110 Personen (davon 44 Minderjährige)
Read the rest of this entry »
Mai 6th, 2021 |
Published in
Facts & Figures
Nur 8 % der Roma in den USA bevorzugen den in der Mehrheitsbevölkerung vorherrschenden Begriff „Gypsy“ gegenüber „Romani“.
(Quelle/pdf)
Mai 3rd, 2021 |
Published in
Ehrungen & Nachrufe, Film & Theater, Geschichte & Gedenken
Die deutsche Dokumentarfilmerin und Autorin Nina Gladitz ist tot. Sie verstarb am 26. April im Alter von 75 Jahren in ihrem Geburtsort Schwäbisch Gmünd. Dies berichtet die Süddeutsche Zeitung. Gladitz ist es zu verdanken, dass 1982 einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde, dass Leni Riefenstahl internierte Sinti und Roma aus dem NS-Zwangslager Maxglan als Komparsen benutzte (mehr hier).
Später wurden die zum Filmeinsatz gezwungenen Sinti und Roma nach Auschwitz deportiert, nur wenige überlebten. Gladitz hatte in der für den WDR produzierten TV-Dokumentation „Zeit des Schweigens und der Dunkelheit“ über die Umstände der Entstehung des Riefenstahl-Films „Tiefland“ berichtet. Leni Riefenstahl wollte daraufhin die Streichung mehrerer Passagen gerichtlich erzwingen. Gladitz bekam jedoch in fast allen Punkten Recht. Dennoch nahm ihre weitere Karriere durch den Gerichtsstreit erheblichen Schaden, nach eigenen Angaben erhielt die Dokumentarfilmerin vom WDR keine weiteren Aufträge mehr. Zudem darf der Film nach Angaben von Gladitz’ damaligem Anwalt nicht mehr gezeigt werden. Read the rest of this entry »
April 30th, 2021 |
Published in
Facts & Figures, Jugend & Bildung
In Bulgarien verfügt nicht einmal jedes zweite Romakind (45,7%) zu Hause über einen geeigneten Platz für Hausübungen und Lernen.
(Quelle/pdf)
April 28th, 2021 |
Published in
Ehrungen & Nachrufe, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Diesjährige Preisträgerin des Europäischen Bürgerrechtspreis der Sinti und Roma in Erinnerung an Oskar und Vinzenz Rose ist Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel.
Die Preisverleihung wird am 28.4.2021 um 14:30 Uhr live auf www.buergerrechtspreis.de und mit englischer Simultanübersetzung auf www.civilrightsprize.com übertragen.
Sie wird ausgezeichnet, weil sie sich seit ihrem Amtsantritt im Jahr 2005 in besonderer Weise dafür eingesetzt hat, dass nach dem Zivilisationsbruch des Holocaust an den 500.000 Sinti und Roma im NS-besetzten Europa die Rechte der Minderheit und ihre über 600-jährige Geschichte in Deutschland und Europa bewusster wahrgenommen werden. Der Preis wird überreicht von seinem Stifter Dr. h.c. Manfred Lautenschläger und dem Vorsitzenden des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma Romani Rose. Die Laudatio auf die Bundeskanzlerin wird der Preisträger des Jahres 2019, der ehemalige Staatspräsident der Slowakischen Republik Andrej Kiska halten.
Wichtige Meilensteine der Bürgerrechtsarbeit des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma konnten unter der Kanzlerschaft und mit persönlicher Unterstützung von Angela Merkel realisiert werden. Die Übergabe des nationalen Denkmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma durch sie im Jahr 2012 in Berlin in unmittelbarer Nähe des Reichstagsgebäudes, war ein wichtiges politisches Zeichen auch in die Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Read the rest of this entry »
April 26th, 2021 |
Published in
Facts & Figures, Romani
Frühling heißt auf Roman (Burgenland-Romani)
terno linaj – das bedeutet wörtlich:
junger Sommer.
April 24th, 2021 |
Published in
Frauenrechte, Rassismus & Menschenrechte, dROMa (Magazin)
Frühling | Terno linaj 2021
Themenheft Gesundheit | Temakeri heftlina Sastipe
→Download (PDF) | Inhalt
Vor einem Jahr haben wir in dROMa darüber berichtet, was die globale Gesundheitskrise für Roma bedeutet. Nun wenden wir uns dem Thema „Gesundheit“ abermals zu. Diesmal aber richten wir das Augenmerk auf einige Menschheitsverbrechen und ihre Folgen: Den Beginn macht ein Beitrag über Zwangssterilisierungen in der Tschechoslowakei, die auch nach dem Ende der Diktatur fortgeführt wurden. Wir haben darüberhinaus auch mit der Prager Aktivistin Gwendolyn Albert über ein neues Entschädigungsgesetz gesprochen, das in Tschechien schon bald in Kraft treten könnte. Roman Urbaner berichtet vom dreifachen Unrecht an den vertriebenen Roma von Mitrovica im Kosovo. Jahrelang ließ sie die UNO wissentlich in bleikontaminierten Flüchtlingslagern ausharren. Wiedergutmachung für die Gesundheitsschäden gibt es bis heute nicht. Und abschließend blickt Valentine Auer auf die psychischen Nachwirkungen von Gewalt: Sie hat sich mit Nestor Kapusta und Gerda Netopil vom Psychosozialen Zentrum ESRA über Traumata und die Arbeit mit Holocaust-Überlebenden unterhalten. Begleitet wird dieser Beitrag von Zitaten aus unseren Zeitzeugeneditionen Mri und Amari Historija.
O Angle jek bersch ande dROMa pedar phukatscham, so i globali sastipeskeri briga le Romenge hi. Akan papal i tema „sastipe“ upre lijam. Amen o dikipe upre poar manuschengere tschori-tschage taj lengere koji keras: O kesdipe kerel jek pisintschago pedar o na use phende schterilisacijontscha andi Tschechoslovakija, save te palo kisetinipe la diktaturatar meg bajder kerde ule. Amen la aktivistkijaha Gwendolyn Albert andar Prag pedar jek nevo pomoschagoskero lojengero tschatschipe vakertscham, savo andi Tschechija bojd prik beschardo schaj ovlahi. Read the rest of this entry »
April 22nd, 2021 |
Published in
Ehrungen & Nachrufe, Musik
Pal jek harno nasvalipe o barikano prindschardo muschikaschi taj cajtakeri ceuge Christoph Gärtner-Horvath ando 88. dschivipeskero bersch mulo. Gugi, sar le o Roma prindscharnahi, pra Romana bandaha uso 1. Roma-Ball 1991 ando OHO Erbate, i kultura taj tradicija la flogoskera grupnatar le Romendar upre te dschil mukla.
O Christoph Gärtner-Horvath ando bersch 1933 andi Tikni Boslina ando suditiko burgenlanditiko becirk Erba upro them alo. Palo mulipe leskera dajatar ov use pri baba taj papu upre bartschino. 1941 ov taj dschene leskera familijatar ando Ungriko pumen tschite; leskeri baba taj leskero papu taj duj phrala lestar ando logertscha ledschim ule taj odoj murdarde len. Palo ande lipe le nimtschke nimcendar 1944 le Ungrikostar, leskeri familija ando norditiko ungriko logeri Komárom ledschim ule. Leskero dad ando logeri Buchenwald pelo. 1945 leskeri familija papal khetan pele taj andi Austrija pal gele.
O Christoph Gärtner-Horvath paloda ojs jek barikano prindschardo muschikaschi andi cili Europa butschalintscha. Ov o konservatorijum taj i muschikakeri akademija Betschiste kherodija taj kisetintscha. Paloda ov buti ande jek banda ande Düsseldorf uschtidija. Deschuduj berscha dur o Gärtner-Horvath and Rust am See sina. O Gugi sar le o Roma akarnahi use jek barikano internacijonali muschikaschi ulo. Read the rest of this entry »
April 22nd, 2021 |
Published in
Ehrungen & Nachrufe, Musik
Musiker und Zeitzeuge Christoph Gärtner-Horvath verstorben
Nach kurzer Krankheit ist der bekannte Musiker und Zeitzeuge Christoph Gärtner-Horvath im 88. Lebensjahr verstorben. Gugi, wie er bei den Roma bekannt war, ließ mit seiner Roma-Banda beim 1. Roma-Ball 1991 im OHO in Oberwart die Kultur und Tradition der Volksgruppe aufleben.
Christoph Gärtner-Horvath wurde 1933 in Kleinbachselten im südburgenländischen Bezirk Oberwart geboren. Nach dem frühen Tod der Mutter ist er bei den Großeltern aufgewachsen. 1941 flüchtete er und ein Teil der Familie nach Westungarn; seine Großeltern und zwei Brüder wurden deportiert und ermordet. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen 1944 in Ungarn wurde die Familie ins nordungarische Sammellager Komárom deportiert. Sein Vater wurde ins KZ Buchenwald verschleppt. 1945 kam es zur Wiedervereinigung der Familie und zur Rückkehr nach Österreich.
Christoph Gärtner-Horvath war danach als bekannter Musiker europaweit tätig. Er absolvierte das Konservatorium und die Musikakademie in Wien und fand eine Anstellung in Düsseldorf, wo er in einer großen Kapelle gespielt hat. Zwölf Jahre lang war Herr Gärtner-Horvath in Rust am See. Christoph Gärtner-Horvath wurde zu einem international gefragten Musiker, dessen Engagements ihn u. a. in die Schweiz oder nach England führten. Read the rest of this entry »
April 21st, 2021 |
Published in
Facts & Figures
30,9 % der Deutschen sagen von sich, sie würden „jemanden als Sinti oder Roma erkennen“ können.
(Quelle)
April 20th, 2021 |
Published in
Ehrungen & Nachrufe, Rassismus & Menschenrechte
Hessische Medaille für Zivilcourage posthum an Vili Viorel Păun
Vili Viorel Păun versuchte am 19. Februar 2020, den Attentäter von Hanau zu stoppen, und ließ dafür sein Leben. Er verfolgte den Täter nach den ersten Schüssen mit seinem Auto, während er erfolglos versuchte, die Polizei zu alarmieren. Vili Viorel Păun starb, von drei Kugeln getroffen, mit 22 Jahren. Er war eines von drei Roma-Opfern des Anschlags.
Hessische Staatskanzlei: „Vili Viorel Păun hat sich selbstlos, mutig und entschlossen für seine Mitmenschen eingesetzt. Dafür wird er nun posthum mit der Hessischen Medaille für Zivilcourage ausgezeichnet“, teilte der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier am Montag mit. „Diese Auszeichnung bringt den Eltern ihren Sohn nicht zurück, sie soll aber ein Zeichen des Trostes und der Anerkennung seiner Courage sein“, begründete der Ministerpräsident die Entscheidung. Statt zu- oder wegzuschauen habe Vili Viorel selbstlos, blitzschnell und mutig reagiert. Mit seinem entschlossenen Eintreten habe er versucht, Menschenleben zu retten. Damit hat er aktiv die Eckpfeiler des gesellschaftlichen Zusammenlebens wie Menschenwürde und Solidarität verteidigt.
„Wertschätzung für selbstloses und tapferes Einschreiten“
„Die Medaille für Zivilcourage kann nicht ungeschehen machen, was passiert ist“, betonte der Ministerpräsident. „Sie soll aber ein sichtbares Zeichen der Wertschätzung für selbstloses und tapferes Einschreiten zum Wohle aller sein. Ich möchte damit insbesondere die Botschaft aller Hessinnen und Hessen verknüpfen, dass die Namen der Opfer ebenso wie das Leid, das der Täter nicht nur ihnen, sondern auch den Angehörigen und Freunden zugefügt hat, nicht vergessen werden.“ Read the rest of this entry »
April 17th, 2021 |
Published in
Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Deutschland: Zentralrat legt Beschwerde bei der Niedersächsischen Landesmedienanstalt (NLM) gegen „Spiegel TV“-Reportage ein
Wegen der erneuten massiven und pauschalen Kriminalisierung und Stigmatisierung von Sinti und Roma in der auf RTL im Rahmen der Drittsendezeit am 29. März 2021 ausgestrahlten „Spiegel TV“-Reportage „Perfide Abzocke mit Terrassenreinigung: Einmal saubermachen für 5.000 Euro“ legt der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma Beschwerde bei der Niedersächsischen Landesmedienanstalt (NLM) ein.
„Der Beitrag stärkt damit massive Vorurteile gegenüber der gesamten Minderheit, die – wie die Anschläge zuletzt in Hanau zeigten, bei denen auch Roma Opfer wurden – zu Gewalt und selbst zu Mordanschlägen führen. Sendungen wie diese schüren Hass gegen unsere Minderheit, die sich in unzähligen gewaltvollen dehumanisierenden Hasskommentaren im Internet entladen und zu Angriffen auf Sinti und Roma im realen Leben führen. Dies dokumentieren insbesondere die Kommentarspalten unter dem ,Spiegel TV’-Beitrag in den sozialen Medien“, kritisiert Romani Rose.
Die „Spiegel“-Reportage missachtet grob die journalistischen Grundsätze und insbesondere die Vorgaben des Niedersächsischen Mediengesetzes (NMedienG). Nach Auffassung des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma verstößt dieser Beitrag ebenso gegen die eindeutigen Vorgaben des Medienstaatsvertrages, vor allem §19 zur Sorgfaltspflicht journalistisch-redaktionell gestalteter Angebote und gegen die Programmgrundsätze in §51, nach denen Programme sowohl die Würde des Menschen zu achten haben als auch auf ein diskriminierungsfreies Miteinander hinwirken sollen, sowie gegen § 14 Abs. 1, 2 NMedienG und § 10 Abs. 1 RStV i.V.m.
Mit den verwendeten Begriffen wie „Roma-Clan“ wird gezielt der gesamten Minderheit Kriminalität allein aufgrund der Abstammung unterstellt. In der jetzt kritisierten Sendung zeigt „Spiegel TV“ Menschen mit wiederholter Namensnennung und missachtet damit die Grenzen einer sachorientierten Berichterstattung. Read the rest of this entry »
April 16th, 2021 |
Published in
Internet & Blogothek, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft
Online-Vortrag und -Diskussion mit Prof. Veronika Lipphardt (Freiburg) und Dr. Mihai Surdu (Heidelberg): Genetische Studien an Romnja und Roma. Eine kritische Bestandsaufnahme zu ihrer Entstehung und Nutzung
16. April 2021, 18 bis 19.30 Uhr
Moderation: Anja Reuss (Zentralrat Deutscher Sinti und Roma)
→Live-Streaming
Genetische Untersuchungen an Roma haben eine über 100 Jahre alte Forschungsgeschichte. Anhand von ca. 440 Studien, d. h. populations-, medizin- und forensisch-genetischen Untersuchungen an Romnja und Roma, zeigen wir, dass viele dieser Publikationen sowohl methodische und konzeptionelle Maßstäbe der Repräsentativität als auch ethische Standards vernachlässigen. Dies gilt auch für DNA-Studien, die seit 1990 erschienen sind. Auf der epistemischen Ebene hinterfragen wir die Darstellung von Roma als „genetisches Isolat“ und die ihr zugrundeliegenden Konzepte, wobei wir insbesondere die Strategien der Datenerhebungen in den Blick nehmen. Auf der ethischen Ebene zeigen wir, dass vor allem forensische Studien und Datensätze selten ethische Anforderungen erfüllen. Außerdem verdeutlichen wir, dass das außergewöhnlich starke Interesse der forensischen Genetik an Roma dazu beiträgt, sie als „suspect population“ zu stigmatisieren. Wir stellen einen allgemeinen Mangel an Transparenz und ethischer Sensibilität für DNA-Daten von Roma in genetischen Studien und vor allem in forensisch-genetischen Forschungskontexten fest. Für mehrere Studien werden Ko-Autor/innen aufgeführt, die mit Ermittlungsbehörden oder dem Militär in Verbindung stehen. Für einige Daten wurde die Zustimmung der Proband/innen möglicherweise für andere als forensische Zwecke eingeholt. Auch medizin- und populationsgenetische Studien über Roma erfüllen nicht immer die ethischen Anforderungen. Read the rest of this entry »
April 16th, 2021 |
Published in
Facts & Figures, Geschichte & Gedenken
Um 1910 zwang Italien ausländische „Zigeuner“, ihre Wägen zu verkaufen und Schiffe nach Brasilien, Senegal oder Ägypten zu besteigen.
(Quelle)