Deutscher Antiziganismusbericht vorgelegt

Mai 20th, 2021  |  Published in Dokumente & Berichte, Einrichtungen, Politik, Rassismus & Menschenrechte

Konstituierung der Expertenkommission Antiziganismus, Berlin  27.3.2019 (Foto:© BMI/Bero via Zentralrat)Die deutsche Bundesregierung hat ges­tern den von Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Seehofer vor­ge­leg­ten Bericht der Un­ab­hän­gi­gen Kom­mis­sion Anti­zi­ga­nis­mus zur Kennt­nis ge­nom­men. Der Be­richt wird nun dem Deut­schen Bundes­tag und dem Bun­des­rat zur weite­ren Be­hand­lung und Be­ra­tung über­mittelt.

Im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD für die aktu­elle 19. Legis­latur­periode wurde ver­einbart, ein Exper­ten­gremium zum Thema „Anti­ziganis­mus“ ein­zu­setzen. Die Bundes­regie­rung hat in ihrer Kabinetts­sitzung am Mitt­woch den von Bundesinnenminister Seehofer vorgelegten Bericht der Un­abhän­gigen Kom­mission Anti­ziganis­mus im Kabinett zur Kenntnis ge­nommen. Dieses Gremium, die Un­abhän­gige Kom­mission Anti­ziganis­mus (mehr hier), hatte sich nach voran­gegan­genen fach­lichen Konsul­ta­tio­nen mit dem Zentralrat Deut­scher Sinti und Roma am 27. März 2019 im Bundes­ministe­rium des Innern, für Bau und Heimat zu­sam­men­geschlos­sen. Die Exper­tinnen und Experten haben nach zwei­jähriger Arbeit ihren Bericht mit zahl­reichen Forderungen und Empfeh­lungen ab­geschlos­sen. Dabei hat der Experten­kreis un­abhängig und selbstän­dig seine Arbeits­agenda fest­gelegt und ab­gearbeitet.

Grundlage für weitere gesellschaftspolitische Diskus­sio­nen

Der Bericht beinhaltet Ausführungen zu antiziganistischen Erschei­nungs­formen und qua­lita­tiven sowie quan­tita­tiven empiri­schen Ge­geben­heiten in Deutschland, auch und gerade aus Perspektive der Sinti und Roma. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (366)

Mai 17th, 2021  |  Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken

Seit 2016 erinnert in Babyn Jar bei Kiew in der Uk­rai­ne ein na­tio­na­les Mahn­mal auch an die ab Sept. 1941 dort er­mor­de­ten Ro­ma.

(Quelle)

16. Mai: „Romani Resistance Day“

Mai 16th, 2021  |  Published in Geschichte & Gedenken

16. Mai: Romani Resistance DayZentralrat Deutscher Sinti und Roma erin­nert an den Wi­der­stand von Sinti und Roma im Ver­nich­tungs­lager Auschwitz-Bir­ke­nau vor 77 Jah­ren, am 16. Mai 1944

An diesem Tag sollte der Lagerabschnitt B IIe, das so­ge­nann­te „Zigeunerlager“, in dem tausen­de von Sinti und Roma inhaf­tiert waren, aufgelöst und sämt­li­che Häft­lin­ge in den Gas­kammern er­mordet werden.

„An diesem Tag jedoch leisteten die dort inhaftierten Menschen Wider­stand gegen die Aktion der SS. Dieser Widerstand gegen die Ver­nichtung ist in der Ge­schichte von Auschwitz wie in der Ge­schichte der NS-Ver­brechen und des Widerstands bis­lang nicht hin­reichend ge­würdigt worden, ob­wohl eine Viel­zahl von Zeit­zeugen­aus­sagen vor­liegen, die diesen Widerstand doku­men­tieren und die ein­deutig diesen ver­zweifelten Akt des Wider­stands in Auschwitz-Bir­kenau, im Zentrum des Holocaust, be­le­gen“, so Romani Rose.

Die SS brach die Vernichtungsaktion am 16. Mai 1944 wegen des Wider­stands der Sinti und Roma ab; wohl auch, um zu ver­hindern, dass der Widerstand auf andere Lager­abschnitte über­greifen konnte. In der Folge depor­tierte die SS die arbeits­fähigen und wider­stands­fähi­gen jungen Männer und Frauen mit ihren Familien in andere Konzentra­tions­lager. Viele von ihnen waren kampf­erfahrene ehe­malige Soldaten, die oftmals direkt von der Front nach Auschwitz-Birkenau ver­bracht wurden. In der Nacht vom 2. zum 3. August 1944 wurden dann die letzten 4.300 im Lager­abschnitt BII e noch leben­den Menschen in den Gaskammern er­mordet, die meisten waren Frauen, Kinder, Alte und Kranke. Dieser Tag ist heute der inter­natio­nale Gedenktag an die Opfer des Holo­caust an den Sinti und Roma Europas.

Eine Vielzahl von Zeugenaussagen, die den Aufstand vom 16. Mai 1944 dokumen­tie­ren, brachte der Prozess am Land­gericht in Siegen gegen den SS-Rot­ten­führer in Auschwitz Ernst August König hervor. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (365)

Mai 12th, 2021  |  Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken

6 % der Österreicher hal­ten den Satz „In den Be­rich­ten über Kon­zent­rat­ions­la­ger (…) wird vie­les über­trie­ben dar­ge­stellt“ für sehr/eher zu­tref­fend.

(Quelle/pdf)

Nicht nichts: 10.000 Follower

Mai 11th, 2021  |  Published in Internet & Blogothek

Schallmauer auf TwitterEine kleine, erfreuliche Durch­sage in eige­­ner Sache: Ges­­tern hat un­ser Twit­ter-Ac­­count @dROMaBlog die Twit­­ter-Schall­­mauer von 10.000 Fol­­lowern (Abon­nen­­ten) durch­­bro­chen. Das ist, das an­zu­merken sei uns in aller Be­schei­den­heit ge­stat­tet, nicht nichts. Der mehr­spra­chi­ge, un­ent­gelt­lich betriebene Social-Me­dia-Ka­nal ist Newsticker und (kommentierte) Presseschau, In­for­ma­tions­dreh­scheibe, Anlaufstelle und Vernetzungsplattform (etwa hier und hier) in einem. Und all das offenbar nicht vergebens: Denn nach fast 12 Jah­ren und rund 12.700 Kurz­nach­rich­ten ist @dROMaBlog heute der weltweit zweitgrößte Twitter-Account, der sich vor­wiegend oder aus­schließ­lich mit Roma-The­men be­fasst – über­flügelt ein­zig vom größten spa­nischen Gita­no-Ver­band FSG.

Palikerav und danke an alle Follower!

Opre Roma!

Flugzeugcrew verweigert Abschiebung

Mai 11th, 2021  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Deutschland: Abschiebeversuch scheiterte an Flugzeugcrew (Foto: Hans Braxmeier auf Pixabay)Deutschland: Eine Roma-Familie aus Nort­heim in Süd­nieder­sach­sen soll ab­ge­scho­ben wer­den. Der ers­­te Ver­such durch die Po­li­zei schei­ter­te, weil eine Flug­zeug­be­sat­zung sich quer stellte.

[Siehe auch: Deutschland: Asyl und Abschiebungen von Roma 2020]

Olaf Weiss/HNA.de: Familie Toska steht vor einer ungewis­sen Zukunft. Das Schick­sal der Roma-Fa­milie, die seit 20 Jahren in Northeim lebt, ist ein Bei­spiel dafür, wie wenig die ge­nerel­len Regeln des Asyl­rechts Einzel­fällen ge­recht wer­den können.

Das eingeschlagene Fenster der Terrassentür und die kaputte Ein­gangs­tür sind noch Wochen später ein Zeichen dafür, mit welcher Kon­se­quenz Mitte März die Behörden ver­sucht haben, die Mutter Selma und ihre vier minder­jähri­gen Kinder im Alter von 8 bis 17 Jahren in den Kosovo ab­zu­schieben.

Gescheiterte Abschiebung: Polizei brachte Familie aus Northeim zum Flug­ha­fen – Flug­be­sat­zung wei­gerte sich

Die Polizei hatte sich nachts gewaltsam Zutritt verschafft, die Mutter und ihre Kinder in einen Kleinbus ver­frachtet und zum Flug­hafen Düsseldorf ge­bracht. Dort endete der Ab­schiebe­versuch, weil die Be­satzung des Flug­zeugs, die die Familie in den Kosovo brin­gen sollte, sich an­gesichts des Zu­stands der Mutter wei­gerte, die Familie mit­zu­nehmen. Sie be­fürchtete, so berichten deutsche Unter­stützer der Familie, dass die psychisch voll­kom­men neben sich ste­hende Frau auf dem Flug einen Zu­sam­men­bruch er­leiden könnte.

Also wurde Familie Toska unverrichteter Dinge wieder zurück nach Northeim ge­bracht. Wegen ihrer psy­chisch schlech­ten Ver­fassung musste die Mutter einige Tage zur Be­obach­tung in der Psychiatrie ver­bringen. Read the rest of this entry »

Deutschland: Asyl und Abschiebungen von Roma

Mai 10th, 2021  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht  |  1 Comment

Deutschland: Sichere Herkunftsstaaten, Asyl und Abschiebungen (Foto: MiG)Die nackten Fakten: Asyl und Abschiebungen von Roma im Jahr 2020

Bei der Entscheidung [Deutschlands], die sechs Westbalkan­staaten in den Jah­ren 2014 und 2015 zu siche­ren Her­kunfts­ländern zu er­klären, wurde die men­schen­rechtli­che Situa­tion der Roma dort ignoriert. War die Bleiberechts­situa­tion von Roma aus diesen Län­dern bereits zuvor nicht allzu gut, so be­deutet die Ein­stufung, dass ihre Asyl­anträge nun so gut wie immer ab­gelehnt werden. Zu­sätzlich führte sie zu einer weite­ren Stigmati­sie­rung von Roma als „Wirt­schafts­flüchtlinge“.

Bei den so genannten Westbalkanstaaten handelt es sich um Albanien und die post-ju­go­slawi­schen Länder Serbien, Montenegro, Bosnien-Her­ze­gowina und Nord­mazedonien so­wie Ko­sovo. 2020 lag die Gesamt­schutz­quote (Flücht­lings­schutz nach §3 I AsylG oder Ab­schie­bungs­verbot) bei 0,1% (Serbien, Nord­maze­donien) und 2,1% (Kosovo). Für die drei wei­teren Staaten liegen die Quoten zwi­schen diesen Zahlen.

Mehr als die Hälfte der Asylanträge, die von Menschen aus diesen Län­dern 2020 ge­stellt wurden, waren Folge­anträge und stam­men somit von Men­schen, für die das nicht der erste Antrag war. Bei allen postjugoslawischen Staaten sowie beim Kosovo sind selbst nach offiziel­len Zahlen die meis­ten Antrag­steller/in­nen Roma. Die Dunkel­ziffer dürf­te höher liegen, da viele Menschen aus Angst vor Dis­kriminie­rung nicht an­geben, Roma zu sein. 2020 gab es bei­spiels­weise 1.292 Asyl­anträge von Per­sonen aus Serbien, davon gaben 1.036 an, Roma zu sein. Nur einer dieser 1.292 Anträge führte zu einem Schutz­status nach §3 I Asylgesetz. Die an­deren wurden ent­weder als un­begründet oder offen­sicht­lich un­begrün­det abgelehnt oder ander­weitig erledigt.

Die Fraktion Die Linke hat in einer Kleinen Anfrage den Bundestag gefragt, wie viele Ab­schiebun­gen es 2020 gab. Ins­ge­samt waren es 10.800 Ab­schie­bun­gen, darun­ter Men­schen mit fol­gen­den Staats­an­ge­hö­rig­keiten:

Albanien: 1.006 Personen (davon 234 Minder­jährige)
Serbien: 754 Personen (davon 227 Minder­jährige)
Nordmazedonien: 427 Personen (davon 149 Min­der­jäh­rige)
Kosovo: 317 Personen (davon 62 Minderjährige)
Bosnien und Herzegowina: 173 Personen (davon 45 Min­der­jährige)
Montenegro: 110 Personen (davon 44 Minderjährige)

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Facts & Figures (364)

Mai 6th, 2021  |  Published in Facts & Figures

Nur 8 % der Roma in den USA be­vor­zu­gen den in der Mehr­heitsbe­völ­ke­rung vor­herr­schen­den Be­griff „Gypsy“ ge­gen­über „Romani“.

(Quelle/pdf)

Nina Gladitz (1946–2021)

Mai 3rd, 2021  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Film & Theater, Geschichte & Gedenken

Nina Gladitz (1946-2021) (Foto: Cicero)Die deutsche Dokumentar­filmerin und Auto­rin Nina Gladitz ist tot. Sie ver­starb am 26. April im Alter von 75 Jah­ren in ihrem Geburts­ort Schwäbisch Gmünd. Dies be­rich­tet die Süd­deut­sche Zeitung. Gladitz ist es zu verdanken, dass 1982 einer breiten Öffentlichkeit be­kannt wurde, dass Leni Riefenstahl in­ter­nierte Sinti und Roma aus dem NS-Zwangs­lager Maxglan als Komparsen be­nutzte (mehr hier).

Später wur­den die zum Filmeinsatz gezwun­ge­nen Sinti und Roma nach Auschwitz de­portiert, nur wenige über­lebten. Gladitz hatte in der für den WDR pro­du­zierten TV-Doku­mentation „Zeit des Schweigens und der Dunkel­heit“ über die Um­stände der Ent­stehung des Riefen­stahl-Films „Tiefland“ be­richtet. Leni Riefenstahl wollte daraufhin die Streichung meh­re­rer Passagen ge­richtlich er­zwingen. Gladitz bekam jedoch in fast allen Punkten Recht. Den­noch nahm ihre weitere Karriere durch den Gerichts­streit erheb­li­chen Schaden, nach eige­nen Angaben erhielt die Doku­mentar­filmerin vom WDR keine weite­ren Aufträge mehr. Zu­dem darf der Film nach An­gaben von Gladitz’ damali­gem Anwalt nicht mehr ge­zeigt werden. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (363)

April 30th, 2021  |  Published in Facts & Figures, Jugend & Bildung

In Bulgarien verfügt nicht ein­mal je­des zwei­te Roma­kin­d (45,7%) zu Hau­se über einen ge­­eig­ne­ten Platz für Haus­übun­gen und Ler­nen.

(Quelle/pdf)

Bürgerrechtspreis für Angela Merkel

April 28th, 2021  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Politik, Rassismus & Menschenrechte

Deutschland: Merkel erhält den Eruopäischen Bürgerrechtspreis der Sinti und Roma (Foto: Zentralrat Deutscher Sinti und Roma)Diesjährige Preisträgerin des Europäischen Bürgerrechtspreis der Sinti und Roma in Er­in­ne­rung an Oskar und Vinzenz Rose ist Bun­des­kanz­le­rin Dr. Angela Merkel.

Die Preisverleihung wird am 28.4.2021 um 14:30 Uhr live auf www.buergerrechtspreis.de und mit eng­li­scher Si­mul­tan­über­set­zung auf www.civilrightsprize.com über­tra­gen.

Sie wird ausgezeichnet, weil sie sich seit ihrem Amts­antritt im Jahr 2005 in beson­derer Weise dafür ein­ge­setzt hat, dass nach dem Zivili­sa­tions­bruch des Holocaust an den 500.000 Sinti und Roma im NS-be­setzten Europa die Rechte der Minder­heit und ihre über 600-jäh­rige Geschichte in Deutschland und Europa be­wusster wahr­ge­nom­men werden. Der Preis wird über­reicht von seinem Stifter Dr. h.c. Manfred Lautenschläger und dem Vor­sit­zen­den des Zentral­rats Deut­scher Sinti und Roma Romani Rose. Die Laudatio auf die Bun­des­kanz­lerin wird der Preis­träger des Jahres 2019, der ehe­malige Staats­prä­si­dent der Slowaki­schen Republik Andrej Kiska halten.

Wichtige Meilensteine der Bürgerrechtsarbeit des Zentral­rats Deutscher Sinti und Roma konn­ten unter der Kanzler­schaft und mit persönli­cher Unter­stützung von Angela Merkel reali­siert werden. Die Über­gabe des nationa­len Denkmals für die im National­sozialis­mus er­mordeten Sinti und Roma durch sie im Jahr 2012 in Berlin in un­mittel­barer Nähe des Reichs­tags­gebäudes, war ein wichtiges politi­sches Zeichen auch in die Mitglied­staaten der Euro­päi­schen Union. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (362)

April 26th, 2021  |  Published in Facts & Figures, Romani

Frühling heißt auf Roman (Bur­gen­land-Ro­ma­ni) terno linaj – das be­deu­tet wört­lich: jun­ger Som­mer.

dROMa 61: „Gesundheit | Sastipe“

April 24th, 2021  |  Published in Frauenrechte, Rassismus & Menschenrechte, dROMa (Magazin)

droma_61Frühling | Terno linaj 2021
Themenheft Gesundheit | Temakeri heftlina Sastipe

Download (PDF) | Inhalt

Vor einem Jahr haben wir in dROMa darüber berichtet, was die globale Ge­sundheits­krise für Roma be­deutet. Nun wenden wir uns dem Thema „Gesund­heit“ aber­mals zu. Dies­mal aber richten wir das Augen­merk auf einige Mensch­heits­ver­bre­chen und ihre Folgen: Den Be­ginn macht ein Beitrag über Zwangs­steri­li­sie­run­gen in der Tschecho­slowakei, die auch nach dem Ende der Dik­tatur fort­geführt wurden. Wir haben darüber­hinaus auch mit der Prager Ak­ti­vis­tin Gwendolyn Albert über ein neues Ent­schä­di­gungs­gesetz ge­spro­chen, das in Tschechien schon bald in Kraft tre­ten könnte. Roman Urbaner be­richtet vom drei­fachen Unrecht an den ver­trie­be­nen Roma von Mitrovica im Kosovo. Jahrelang ließ sie die UNO wis­sent­lich in blei­kon­ta­mi­nier­ten Flücht­lings­lagern aus­harren. Wieder­gut­machung für die Ge­sund­heits­schäden gibt es bis heute nicht. Und ab­schlie­ßend blickt Valentine Auer auf die psychi­schen Nach­wirkungen von Gewalt: Sie hat sich mit Nestor Kapusta und Gerda Netopil vom Psy­cho­so­zia­len Zentrum ESRA über Traumata und die Arbeit mit Holo­caust-Über­le­ben­den unter­hal­ten. Be­glei­tet wird dieser Beitrag von Zitaten aus un­seren Zeit­zeugen­editio­nen Mri und Ama­ri His­torija.

O Angle jek bersch ande dROMa pedar phu­ka­tscham, so i globali sasti­pes­keri briga le Romen­ge hi. Akan papal i tema „sastipe“ upre lijam. Amen o dikipe upre poar manu­schen­gere tscho­ri-tscha­ge taj len­gere koji keras: O kesdipe kerel jek pi­sintscha­go pedar o na use phende schte­ri­li­saci­jontscha andi Tsche­cho­slo­vakija, save te palo kise­tinipe la diktaturatar meg bajder kerde ule. Amen la akti­vist­ki­jaha Gwendolyn Albert andar Prag pe­dar jek nevo pomo­scha­goskero lojen­gero tscha­tschi­pe vakertscham, savo andi Tschechija bojd prik be­schardo schaj ovlahi. Read the rest of this entry »

Christoph Gärtner-Horvath mulo

April 22nd, 2021  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Musik

Christoph Gaertner-HorvathPal jek harno nasvalipe o ba­ri­ka­no prindschar­do mu­schi­ka­schi taj cajtakeri ceuge Christoph Gärtner-Horvath an­do 88. dschi­vi­pes­ke­ro bersch mulo. Gugi, sar le o Roma prindschar­na­hi, pra Ro­ma­na ban­daha uso 1. Ro­ma-Ball 1991 an­do OHO Er­ba­te, i kultu­ra taj tra­di­ci­ja la flo­gos­ke­ra grupnatar le Ro­men­dar up­re te dschil mukla.

O Christoph Gärtner-Horvath ando bersch 1933 andi Tikni Boslina ando suditi­ko bur­gen­lan­di­tiko becirk Erba upro them alo. Palo muli­pe les­kera dajatar ov use pri baba taj papu upre bar­tschino. 1941 ov taj dschene les­kera famili­jatar ando Ungri­ko pu­men tschite; leskeri baba taj leskero papu taj duj phrala lestar ando loger­tscha ledschim ule taj odoj mur­darde len. Palo ande lipe le nimtsch­ke nim­cendar 1944 le Ungri­kostar, les­keri fami­lija ando nor­ditiko ungriko lo­geri Komárom ledschim ule. Les­kero dad ando loge­ri Buchenwald pelo. 1945 leskeri fa­milija papal khetan pele taj andi Austrija pal gele.

O Christoph Gärtner-Horvath paloda ojs jek barikano prindschardo mu­schi­kaschi andi cili Europa butscha­lintscha. Ov o kon­serva­to­rijum taj i muschi­kakeri aka­de­mija Betschiste khero­dija taj kise­tintscha. Pa­loda ov buti ande jek banda ande Düsseldorf usch­tidija. Deschu­duj berscha dur o Gärt­ner-Hor­vath and Rust am See sina. O Gugi sar le o Roma akar­nahi use jek bari­kano inter­na­cijo­nali muschi­kaschi ulo. Read the rest of this entry »

Christoph Gärtner-Horvath (1933–2021)

April 22nd, 2021  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Musik

Christoph Gaertner-HorvathMusiker und Zeitzeuge Christoph Gärtner-Horvath ver­storben


Nach kurzer Krankheit ist der bekannte Musi­ker und Zeit­zeuge Christoph Gärt­ner-Hor­vath im 88. Le­bens­jahr ver­stor­ben. Gugi, wie er bei den Roma be­kannt war, ließ mit seiner Roma-Banda beim 1. Roma-Ball 1991 im OHO in Oberwart die Kul­tur und Tra­di­tion der Volks­gruppe auf­leben.

Christoph Gärtner-Horvath wurde 1933 in Kleinbachselten im süd­burgen­ländi­schen Bezirk Oberwart ge­boren. Nach dem frühen Tod der Mutter ist er bei den Großeltern auf­ge­wachsen. 1941 flüch­tete er und ein Teil der Familie nach West­ungarn; seine Groß­eltern und zwei Brüder wurden depor­tiert und ermordet. Nach dem Ein­marsch der deut­schen Truppen 1944 in Ungarn wurde die Familie ins nord­ungari­sche Sammel­lager Komárom de­portiert. Sein Vater wurde ins KZ Buchenwald ver­schleppt. 1945 kam es zur Wieder­ver­eini­gung der Familie und zur Rück­kehr nach Österreich.

Christoph Gärtner-Horvath war danach als bekannter Musiker europa­weit tätig. Er ab­sol­vierte das Kon­ser­vato­rium und die Musik­akademie in Wien und fand eine An­stellung in Düsseldorf, wo er in einer gro­ßen Kapelle ge­spielt hat. Zwölf Jahre lang war Herr Gärt­ner-Hor­vath in Rust am See. Chris­toph Gärt­ner-Hor­vath wurde zu einem inter­national ge­fragten Musiker, dessen En­gage­ments ihn u. a. in die Schweiz oder nach England führ­ten. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (361)

April 21st, 2021  |  Published in Facts & Figures

30,9 % der Deutschen sagen von sich, sie wür­den „je­man­den als Sin­ti oder Ro­ma er­ken­nen“ kön­nen.

(Quelle)

Posthume Ehrung für Vili Viorel Păun

April 20th, 2021  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Rassismus & Menschenrechte

Hanau (Foto: Ausländerbeirat der Stadt Hanau, 2020)Hessische Medaille für Zivilcourage posthum an Vili Viorel Păun


Vili Viorel Păun versuch­te am 19. Febru­ar 2020, den Attentä­ter von Hanau zu stop­pen, und ließ dafür sein Leben. Er verfolgte den Täter nach den ers­ten Schüssen mit seinem Auto, wäh­rend er erfolg­los ver­suchte, die Polizei zu alar­mie­ren. Vili Viorel Păun starb, von drei Ku­geln ge­trof­fen, mit 22 Jahren. Er war eines von drei Ro­ma-Opfern des An­schlags.

Hessische Staatskanzlei: „Vili Viorel Păun hat sich selbst­los, mutig und ent­schlossen für seine Mit­menschen ein­gesetzt. Dafür wird er nun posthum mit der Hes­sischen Me­daille für Zivil­courage aus­ge­zeich­net“, teilte der Hessi­sche Minis­ter­präsident Volker Bouffier am Montag mit. „Diese Aus­zeich­nung bringt den Eltern ihren Sohn nicht zu­rück, sie soll aber ein Zeichen des Trostes und der An­erken­nung seiner Courage sein“, be­grün­dete der Minis­ter­prä­sident die Ent­schei­dung. Statt zu- oder weg­zu­schauen habe Vili Viorel selbst­los, blitz­schnell und mutig re­agiert. Mit seinem ent­schlos­senen Ein­treten habe er versucht, Men­schen­leben zu retten. Damit hat er aktiv die Eck­pfeiler des gesell­schaft­li­chen Zu­sam­men­lebens wie Menschen­würde und Solida­rität ver­tei­digt.

„Wertschätzung für selbstloses und tapferes Ein­schrei­ten“

„Die Medaille für Zivilcourage kann nicht ungeschehen machen, was pas­siert ist“, betonte der Minister­prä­sident. „Sie soll aber ein sicht­bares Zeichen der Wert­schätzung für selbst­loses und tapferes Ein­schreiten zum Wohle aller sein. Ich möchte damit ins­beson­dere die Bot­schaft aller Hes­sinnen und Hessen ver­knüpfen, dass die Namen der Opfer eben­so wie das Leid, das der Täter nicht nur ihnen, son­dern auch den An­ge­höri­gen und Freunden zu­gefügt hat, nicht ver­gessen werden.“ Read the rest of this entry »

Rassismus-Beschwerde gegen „Spiegel TV“

April 17th, 2021  |  Published in Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Rassismusvorwürfe gegen Spiegel TV in Deutschland (Foto: Pixabay)Deutschland: Zentralrat legt Be­schwer­de bei der Nie­der­säch­si­schen Lan­des­me­di­en­an­stalt (NLM) ge­gen „Spiegel TV“-Re­por­tage ein

Wegen der erneuten massiven und pauschalen Kri­mi­na­li­sie­rung und Stigmatisierung von Sinti und Roma in der auf RTL im Rahmen der Dritt­sende­zeit am 29. März 2021 aus­ge­strahl­ten „Spiegel TV“-Re­por­tage „Per­fide Abzocke mit Terrassen­reini­gung: Ein­mal sauber­machen für 5.000 Euro“ legt der Zentral­rat Deut­scher Sinti und Roma Beschwerde bei der Nie­der­säch­si­schen Landes­medien­anstalt (NLM) ein.

„Der Beitrag stärkt damit massive Vorurteile gege­nüber der ge­sam­ten Minder­heit, die – wie die Anschläge zuletzt in Hanau zeigten, bei denen auch Roma Opfer wurden – zu Gewalt und selbst zu Mord­anschlägen führen. Sen­dungen wie diese schüren Hass gegen unsere Minder­heit, die sich in un­zähligen gewalt­vollen de­humani­sie­renden Hass­kom­men­taren im Internet ent­laden und zu Angriffen auf Sinti und Roma im rea­len Leben führen. Dies doku­men­tieren ins­beson­dere die Kom­mentar­spalten unter dem ,Spie­gel TV’-Bei­trag in den sozialen Medien“, kri­ti­siert Romani Rose.

Die „Spiegel“-Reportage missachtet grob die journalistischen Grund­sätze und ins­beson­dere die Vor­gaben des Nieder­sächsi­schen Medien­gesetzes (NMedienG). Nach Auf­fassung des Zentral­rats Deutscher Sinti und Roma ver­stößt dieser Beitrag eben­so gegen die ein­deu­ti­gen Vor­gaben des Medien­staats­vertrages, vor al­lem §19 zur Sorgfalts­pflicht jour­nalis­tisch-re­dak­tio­nell ge­stalteter An­gebote und gegen die Programm­grund­sätze in §51, nach denen Programme so­wohl die Würde des Menschen zu achten haben als auch auf ein dis­kriminie­rungs­freies Mit­einander hin­wirken sollen, sowie gegen § 14 Abs. 1, 2 NMedienG und § 10 Abs. 1 RStV i.V.m.

Mit den verwendeten Begriffen wie „Roma-Clan“ wird gezielt der gesam­ten Minder­heit Kriminalität al­lein auf­grund der Ab­stammung unter­stellt. In der jetzt kritisier­ten Sendung zeigt „Spie­gel TV“ Men­schen mit wieder­hol­ter Namensnennung und miss­achtet damit die Grenzen einer sach­orientier­ten Bericht­erstat­tung. Read the rest of this entry »

Genetische Studien an Romnja und Roma

April 16th, 2021  |  Published in Internet & Blogothek, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft

Vortrag und Diskussion: Genetische Studien an Rom­nja und Roma (Bild: Pixabay)Online-Vortrag und -Diskussion mit Prof. Veronika Lipphardt (Frei­burg) und Dr. Mihai Surdu (Hei­del­berg): Ge­ne­ti­sche Stu­di­en an Romnja und Roma. Eine kri­ti­sche Be­stands­auf­nahme zu ihrer Ent­ste­hung und Nut­zung

16. April 2021, 18 bis 19.30 Uhr
Moderation: Anja Reuss (Zentralrat Deutscher Sinti und Roma)
→Live-Streaming

Genetische Untersuchungen an Roma haben eine über 100 Jahre alte For­schungs­ge­schichte. An­hand von ca. 440 Studien, d. h. popu­la­tions-, me­dizin- und foren­sisch-ge­ne­tischen Unter­suchun­gen an Romnja und Roma, zei­gen wir, dass viele dieser Publika­tio­nen so­wohl metho­dische und kon­zeptio­nelle Maß­stäbe der Re­präsen­tati­vität als auch ethische Standards ver­nach­läs­sigen. Dies gilt auch für DNA-Studien, die seit 1990 er­schie­nen sind. Auf der epistemi­schen Ebene hinter­fragen wir die Dar­stellung von Roma als „genetisches Isolat“ und die ihr zu­grunde­liegen­den Kon­zepte, wobei wir ins­besondere die Strate­gien der Daten­erhebungen in den Blick neh­men. Auf der ethischen Ebene zeigen wir, dass vor allem foren­sische Studien und Datensätze selten ethische An­for­derun­gen er­füllen. Außer­dem verdeutlichen wir, dass das außer­gewöhnlich starke Interes­se der foren­si­schen Genetik an Roma dazu bei­trägt, sie als „suspect population“ zu stig­mati­sieren. Wir stellen einen all­gemeinen Mangel an Trans­parenz und ethischer Sen­sibilität für DNA-Daten von Roma in geneti­schen Studien und vor allem in foren­sisch-ge­neti­schen Fors­chungs­kon­texten fest. Für mehrere Studien werden Ko-Autor/in­nen auf­geführt, die mit Er­mittlungs­behörden oder dem Militär in Ver­bindung stehen. Für einige Daten wurde die Zu­stimmung der Pro­band/in­nen möglicher­weise für ande­re als forensi­sche Zwecke ein­geholt. Auch medizin- und popu­lations­geneti­sche Stu­dien über Roma er­füllen nicht immer die ethischen An­forderun­gen. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (360)

April 16th, 2021  |  Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken

Um 1910 zwang Italien aus­län­di­sche „Zi­geu­ner“, ihre Wä­gen zu ver­kau­fen und Schif­fe nach Bra­si­li­en, Se­ne­gal oder Ägyp­ten zu be­stei­gen.

(Quelle)