Rom stirbt bei Polizeieinsatz in Tschechien

Juni 23rd, 2021  |  Published in Rassismus & Menschenrechte  |  2 Comments

Roma Lives Matter: Szenen eines Todes, das im Netz verbreitete Handyvideo zeigt den Einsatz in Teplice (Foto: Romea.cz)Roma Lives Matter: Im tschechischen Teplice starb ein Rom, nach­dem meh­re­re Po­li­zis­ten mi­nu­ten­lang auf seinem Hals und Nacken ge­kniet wa­ren. Ein Vi­deo zeigt Sze­nen wie im Fall George Floyds in den USA.

Die Roma-Community ist schockiert. Menschen­rechts-NGOs for­dern lücken­lose Auf­klärung. Tsche­chiens stell­ver­tre­tende Grund­rechts­be­auf­trag­te (Om­buds­frau) Šimůnková hat eine Unter­su­chung der Poli­zei­gewalt an­ge­kün­digt. Polizei und Re­gie­rung hin­gegen wei­sen alle Vor­würfe zurück, lo­ben die Po­li­zis­ten und zeich­nen ein Ne­ga­tiv­bild des Opfers (vor­bestraft, Drogen, herz­krank). Pre­mier­mi­nis­ter Babiš dankt den Be­amten für den Ein­satz; sie hät­ten es nicht leicht ge­habt.

Stellungnahme des Zentralrats, 23.6.2020:

Als „menschenverachtendes Vorgehen, das in seiner Abscheulichkeit und Brutalität nicht zu fas­sen ist“, be­zeich­net Romani Rose, Vor­sitzen­der des Zentralrates Deut­scher Sinti und Roma, den Einsatz der tsche­chi­schen Polizei, der zum Tode eines jungen Rom führte. Und zieht Paral­le­len zum Tod des US-Ameri­ka­ners George Floyd. Rose fordert die lücken­lose Auf­klärung und harte Be­strafung der be­teilig­ten Polizisten. Außer­dem will er Ge­spräche mit dem tsche­chischen Bot­schafter in Berlin und dem deutschen Außen­minister Heiko Maaß führen. Darüber hinaus wird der Zentralrat direkt beim tsche­chi­schen Innen­minister Jan Hamáček inter­ve­nieren.

Laut Medienberichten soll es sich um eine Prügelei zwi­schen zwei Männern ge­handelt haben, als die Polizei am Tatort antraf. Wäh­rend der eine flüchtete, lag der andere verletzt auf der Straße, als er von den Poli­zisten an­gespro­chen wurde. Laut Polizei habe er äußerst aggres­siv reagiert.

Nur weil ein Zeugenvideo im Netz ver­öffent­licht wurde, kam der Vorfall in Teplice, einer Klein­stadt nahe der deutschen Grenze, an die Öffent­lich­keit. Darauf ist zu sehen, ähn­lich wie im Fall Floyd, dass zeit­weise drei Polizis­ten auf dem jungen Mann knieten. Einer von ihnen insgesamt sechs Minuten auf dem Nacken und dem Hals des am Boden Liegen­den. Auch als der Fest­gehaltene nach vier Minuten keinen Ton mehr von sich gibt, fährt der Polizist mit seiner „Inter­vention“ auf dem mittler­weile regungs­losen Mann fort. Er ver­starb laut Angaben der Polizei noch wäh­rend des Rettungs­ein­satzes.

Innenminister Jan Hamáček stellte sich kurze Zeit später hinter die betei­lig­ten Polizisten. Sie hätten seine „volle Unter­stützung“, Read the rest of this entry »

„Bibi Sara Kali“ im Stream

Juni 21st, 2021  |  Published in Film & Theater

Bibi Sara KaliDer Verein Romano Svato zeigt sein Stück „Bibi Sara Kali“, entstan­den in Ko­ope­ra­tion mit Werk-X-Pe­ters­platz, bis 20. Juli 2021 on­line als Thea­ter­film. Kon­zept & künst­le­ri­sche Lei­tung: Simonida Seli­mo­vić; Regie: Nina Kusturica

Romano Svato über das Stück:

Bibi Sara Kali“ entstand nach einer Idee von Simonida Selimović. Aus per­sön­lichen Erfah­run­gen, dem Ge­dächtnis der jahr­hun­derte­langen Geschichte der Rom*nja und ak­tuel­len Vor­fällen haben der Wiener Autor Ibrahim Amir und das Ensemble eine Tragi­komödie ent­wickelt, die in der Bibi Sara Kali eine Göttin des Wider­stands und Über­lebens findet.

Bibi Sara Kali ist die mächtige Patronin der Roma, Be­schüt­zerin, Weg­begleite­rin, Rom*nja Wonderwoman. Ihr Kult wird von Roma welt­weit in regiona­len Abwand­lungen ze­lebriert. Auf dem Balkan ist ihr der Bibijako Djive, der „Tag der Tante“, ge­widmet. Ein letztes Mal wollte Jelena den Bibijako Djive be­gehen und stieg deshalb in den Bus von Wien-Erd­berg nach Boljevac, ihre Heimat­stadt in Serbien. Dort feierte sie – und dort starb sie tags darauf.

Ihr Tod gibt den Töchtern Snežana, Melisa und Tanja viele Fragezeichen auf: Seit der Migration nach Wien vor dreißig Jahren, welche die beiden älte­ren Schwes­tern als kleine Kinder mit­erlebt haben, gab es kaum noch Kontakt zur Familie in Serbien; und auch, dass die Mutter auf­ge­brochen war, um den Bibijako Djive zu feiern, ist ver­wunder­lich, schließ­lich hatte sie in Wien ihre Identität als Romni geheim ge­halten und ihre Töchter ohne Tra­ditio­nen er­zogen. Die drei Schwestern, einan­der seit Jahren ent­fremdet, und Snežanas Ehe­mann Taiye machen sich auf den Weg nach Boljevac, um die Mutter zu be­erdigen.

Read the rest of this entry »

Facts & Figures (373)

Juni 17th, 2021  |  Published in Facts & Figures

In Italien existie­ren in 68 Ge­mein­den 119 of­fi­zi­el­le, ins­ti­tu­tio­na­li­sier­te Ro­ma-Ba­ra­cken­sied­lun­gen mit ins­ges. fast 13.000 Be­woh­nern.

(Quelle)

Roma-Strategie: Evaluierungsprojekt läuft an

Juni 16th, 2021  |  Published in Einrichtungen, Politik, Wissenschaft

Evaluierungsprojekt Sensiro angekaufenSENSIRO – Studie zur Evaluierung der nationalen Stra­te­gie zur In­klu­si­on der Rom*nja in Ös­ter­reich

Sensiro ist ein Projekt, das die nationa­le Stra­te­gie zur Er­hö­hung der sozia­len Inklu­sion der Rom*nja, die 2011 ver­ab­schie­det wur­de, und deren Fort­set­zung vor kur­zem be­schlos­sen wurde, un­abhän­gig evaluiert. Ziel der Evaluie­rung ist es, heraus­zu­finden, ob und in­wie­fern die vom Bundes­kanzler­amt defi­nierten Wir­kungs­ziele er­reicht wurden.

Österreich hat sich zur Umsetzung der Strategie verpflich­tet. Die Strategie zur Erhöhung der Inklusion be­steht aus ver­schieden­artigen Maß­nahmen in den Bereichen Bildung, Arbeits­markt, Be­kämpfung von Antiziganismus, Empower­ment von Rom­nja sowie der Rom*nja-Ju­gend, Stärkung der zivil­gesell­schaft­lichen Struktu­ren der Rom*nja und Par­tizi­pation.

Ziel der Studie ist es, herauszufinden, welche Folgen die Maß­nahmen, die seit 2011 zur Stärkung und Er­mäch­ti­gung der Roma und Romnja in Österreich ge­setzt wurden, hatten. Die Studie wird vom Institut für Soziologie der Uni­ver­sität Wien in Zu­sammen­arbeit mit den Ziel­gruppen durch­geführt. Ihre Erfah­rungen und Sicht­weisen, die im Rahmen der Studie er­hoben werden, bilden die Grund­lage für eine Bewertung und Weiter­ent­wicklung der Strategie.

Das Projekt besteht unter anderem aus einer um­fassenden Befragung wesent­licher Akteur*innen (aus der Zivil­gesellschaft) und Ver­antwort­licher und mit der Um­setzung der Strategie Be­trauter. Außer­dem ist eine groß­flä­chi­ge Fragebogen­erhe­bung mit An­gehöri­gen der Zielgruppen in ganz Österreich ge­plant. Es gibt unter­schiedliche Möglich­kei­ten, beim Pro­jekt mit­zu­wirken: einer­seits durch das Führen oder Geben von Interviews für die Frage­bogen­erhe­bung, an­derer­seits durch das Be­suchen von Workshops und Ver­anstal­tun­gen und in Ver­bindung damit das Ein­bringen von An­regun­gen und Feedback, damit eine kon­tinuier­liche Diskussion und Weiter­ent­wicklung des Pro­jektes ge­währ­leistet werden kann.

Bei Interesse an einer Mitwirkung können Sie hier klicken!

Read the rest of this entry »

Facts & Figures (372)

Juni 14th, 2021  |  Published in Facts & Figures

Am 14.6.1985 starben zwei fran­zös. Roma in Ci­boure/Süd­frankr. bei ei­nem An­schlag der Tod­es­schwad­ro­nen der span. Re­gie­rung (GAL) auf eine Bar.

(Quelle)

„Newo Ziro“ in „Heimat Fremde Heimat“

Juni 14th, 2021  |  Published in Einrichtungen, Radio, Podcast & TV

Heimat fremde Heimat„Heimat Fremde Heimat“
ORF 2: So.,
13. Juni 2021
→Online in der ORF-TVthek

Ajda Sticker präsentiert das ORF-Magazin „Heimat Fremde Heimat“ un­ter an­de­rem mit fol­gen­dem Bei­trag:

Verein „Newo Ziro“ für Anliegen von Sinti und Sin­tizze
Seelsorgerin Natalie Weinrich hat 2019 den Kultur­verein „Newo Ziro“ – auf Deutsch „Neue Zeit“ – ge­grün­det, um auf Heraus­for­de­run­gen, denen sich Sinti und Sintiz­ze ak­tuell stel­len müs­sen, auf­merk­sam zu machen. Darüber hinaus soll aber auch die Sinti-Kultur wie­der mehr in die Öffent­lich­keit ge­rückt werden. Nach wie vor ist die Volks­gruppe mit fehlen­der An­erken­nung, Vor­urteilen und Rassismus kon­fron­tiert. Neben der Sozial­arbeit soll mit Pro­jekten und Ver­ansta­ltun­gen nicht zuletzt zum Erhalt der Sinti-Kultur und -Sprache bei­getra­gen werden. Ein Bei­trag von Adriana Jurić.

Weitere Beiträge: Read the rest of this entry »

Facts & Figures (371)

Juni 12th, 2021  |  Published in Facts & Figures

Von Jänner 2017 bis März 2021 do­ku­men­tier­te das ERRC in Italien 187 be­hörd­li­che Zwangs­räu­mun­gen in­for­mel­ler Ro­ma-Sied­lun­gen.

(Quelle)

Polizeigewalt in Slowakei: Roma freigesprochen

Juni 10th, 2021  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Razzia in Siedlung in Ostslowakei 2013: Nach der Ver­ur­tei­lung der Slowa­kei durch den Euro­päi­schen Men­schen­rechts­ge­richts­hof wur­den nun mehrere Roma in Košice frei­ge­spro­chen

Das Kreisgericht Košice hat am Mittwoch (9.6.) drei weite­re Roma frei­gespro­chen, die wegen Falsch­aussage ge­gen Polizisten an­geklagt waren. Das Urteil ist rechts­kräftig. Zwei ande­re Roma wurden bereits im Mai frei­ge­sprochen. An­geklagt bleibt noch eine Person. Bei einer um­strit­tenen Aktion am 19. Juni 2013 in der ost­slowa­ki­schen Stadt Moldava nad Bodvou waren mehr als 60 Polizis­ten im Einsatz. Die Roma sagten aus, sie seien ohne Grund und brutal ge­schlagen worden. Laut der Inspek­tion des Innen­ministe­riums, die den Einsatz unter­suchte, habe die Polizei in Über­ein­stim­mung mit dem Gesetz ge­handelt. Die Staats­anwaltschaft er­hob darauf­hin Anklage gegen die Roma. Nach einer Stellung­nahme der General­staats­anwalt­schaft und einem Urteil des Europäi­schen Ge­richts­hofs für Men­schen­rechte (siehe: Polizei­gewalt gegen Roma: Slowakei ver­urteilt) ließ die Staats­anwalt­schaft die Anklage von fünf Roma im März fallen.

(Text: RTVS, 10.6.2021)

ORF präsentiert Online-Videoarchive

Juni 9th, 2021  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Internet & Blogothek, Jugend & Bildung, Medien & Presse, Radio, Podcast & TV

Erweiterte Videoarchive der ORF-TVThekPräsentation der ORF-TV­thek-Vi­deo­ar­chi­ve „100 Jah­re Bur­gen­land“ und „Volks­grup­pen in Ös­ter­reich“

Anlässlich des Jubiläums „100 Jahre Burgenland“ wur­den die bei­den „ORF-TV­thek goes school“-Vi­deo­ar­chive zur Ge­schichte des Burgen­landes und zu Ös­ter­reichs Volks­gruppen um­fassend aus­gebaut und er­weitert. Ins­gesamt mehr als 50 neue Videos be­rei­chern das auf der ORF-TV­thek in der Rubrik „History“ ge­zeich­nete, multi­mediale Bild des Bundes­landes und der öster­reichi­schen Volks­gruppen um zahl­rei­che neue Facetten.

Videoarchiv „Volksgruppen in Österreich“

Das 2019 gelaunchte Videoarchiv „Volksgruppen in Österreich“ wurde um 23 neue auf jetzt ins­ge­samt 130 Video­beiträge er­weitert, die sich der Kroatischen (27 Bei­träge, davon 6 neu), Slowakischen (15 Bei­träge, davon 3 neu), Slowenischen (30 Bei­träge, davon 3 neu), Tschechischen (15 Bei­träge, davon 3 neu) und Ungarischen (17 Bei­trä­ge, davon 5 neu) Volks­gruppe sowie der Volks­grup­pe der Roma (24 Bei­träge, da­von 3 neu) wid­men.

Mit dem neuen Videomaterial werden weitere wichtige Aspekte von Geschichte und Kultur der Volks­grup­pen in Öster­reich be­leuch­tet. Das Video­archiv bie­tet zum Bei­spiel ab sofort einen Beitrag über das bur­genland­kroatische On­line-Wörter­buch, in­formiert über die neue Gedenkstätte zur Er­in­ne­rung an die wäh­rend des National­sozialismus er­mor­deten Roma und Sinti in Pinkafeld und Oberpullendorf oder er­in­nert an Dana Hermannová, die 1968 im noch freien slowa­kischen Fern­sehen über den Ein­marsch der Trup­pen des War­schauer Pakts be­richtete. Das 10-jäh­ri­ge Ju­biläum des ORF-Ma­ga­zins „České Ozvěny“ im Jahr 2019 steht ebenso im Mittel­punkt eines neu ins Archiv hinzu­gefügten Beitrags wie das langs­ame Ver­schwin­den des Slowenischen in Kärnten oder der tra­di­tions­reiche Ball der Ungarn in Ober­pullen­dorf. (Die genaue Liste mit allen Bei­trägen ist on­line in der ORF-TVthek auf der Start­seite des Video­archivs in der Rubrik „History“ zu finden.) Read the rest of this entry »

Averklub Collective: Manuš heißt Mensch

Juni 5th, 2021  |  Published in Kunst & Fotografie, Veranstaltungen & Ausstellungen

Roma-Kunst aus Tschechien: Ausstellung in der Kunsthalle Wien (Titelblatt der Begleitbroschüre zur Ausstellung, 2021))Ausstellung in der Kunsthalle Wien
Bis 5. 9. 2021,
Museumsquartier, 1070 Wien
Download (pdf): →Ausstellungsguide

Das Averklub Collective ist eine lose organisierte Gruppe ohne feste Struktur. Seinen Kern bilden meh­rere Be­woh­ner*in­nen von Chanov, das als die größ­te Rom*nja-Sied­lung in der Tschechischen Republik gilt. Das Kollek­tiv wächst und schrumpft nach eige­nem Er­messen und passt sich durch ver­schie­dene Kon­stel­latio­nen von Künstler*in­nen, Theo­retiker*in­nen und Aktivist*in­nen den Be­sonder­heiten und Er­forder­nissen aktuel­ler Pro­jekte an.

Mit der Ausstellung Manuš heißt Mensch präsentiert die Kunsthalle Wien die jüngs­ten Recherchen und künst­leri­schen Arbeiten der Gruppe, die in Zu­sam­men­arbeit mit ver­schie­denen Ge­nera­tio­nen von Be­wohner*innen der Chanov-Siedlung ent­standen sind. Der Titel ver­weist auf das gleich­namige, 1986 er­schie­nene Buch des kommunis­ti­schen Poli­tikers und tsche­cho­slo­wa­ki­schen Rom Vincent Danihel, das sich mit der Politik der Integra­tion der Rom*nja in der sozialis­ti­schen Tschecho­slowakei be­fasst. Durch die Ver­wendung des­selben Titels für die Aus­stel­lung möchte das Aver­klub Collec­tive die Auf­merk­sam­keit auf das lenken, was Men­schen vereint, statt auf das, was sie trennt: „Wir möch­ten zeigen, dass es über die Viel­falt der Kulturen, Gender, Nationen usw. hinaus und jen­seits davon noch eine andere Ebe­ne der Zu­gehörig­keit gibt, die aus­nahms­los allen zu­gänglich ist.“

Die Ausstellung untersucht Erfolge und Misserfolge politischer Strategien, die auf die Emanzi­pation der Rom*nja ab­zielen, wäh­rend des Sozialis­mus im All­gemei­nen, aber auch konkre­ter anhand der spezifi­schen Geschich­te der Siedlung in Chanov – und um­reißt so mög­liche Modelle der Gleich­berech­ti­gung, die univer­sell und trans­national sind und über eine Iden­titäts­politik hinaus­gehen. Read the rest of this entry »

Deutschland: Bericht fordert Perspektivwechsel

Juni 3rd, 2021  |  Published in Dokumente & Berichte, Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft

Konstituierung der Expertenkommission Antiziganismus, Berlin  27.3.2019 (Foto:© BMI/Bero via Zentralrat)Bericht der Un­ab­hän­gi­gen Kom­mis­si­on Anti­zi­ga­nis­mus for­dert grund­le­gen­den Perspek­tiv­wech­sel in der Ge­sell­schaft, eine „Wahr­heits­kom­mis­sion“ über das Un­recht der Ver­gan­gen­heit und An­ti­zi­ga­nis­mus-Be­auf­trag­te in den Län­dern. Tagung am 4./5. Juni.

Antiziganismus stellt ein massives gesamt­gesell­schaft­li­ches Problem in Deutsch­land dar. So lautet das Re­sümee des Berichts der Un­abhän­gigen Kom­mission Anti­ziganis­mus, der vom Deutschen Bundestag in Auf­trag ge­geben wurde. Die zentra­len Inhalte des Kommis­sions­berichts wer­den am 4. und 5. Juni 2021 bei einer Online-Ver­anstal­tung prä­sentiert. Der Bericht stützt sich auf 15 aktuel­le, von der Kom­mis­sion initi­ierte Studien. Sie greifen beson­ders die Perspek­tiven der Be­trof­fenen auf. Hierfür wurden breite empiri­sche Er­hebun­gen durch­geführt.

Antiziganistischer Rassismus ist eine „all­um­fassende Alltags­erfah­rung für Sin­ti_ze und Rom_nja“, so die Kom­mission. Der Bericht kons­ta­tiert ein „Versagen deut­scher Politik, deut­scher Gesetz­gebun­gen und deren Rechts­anwendung“. Unter­sucht wurde Anti­ziganis­mus bei­spiels­weise in kom­muna­ler Ver­wal­tung, Schul­büchern und Polizei. Meh­rere empi­rische Studien weisen hier insti­tu­tio­nel­len Anti­ziganis­mus nach.

Die Kommission fordert eine umfassende Strategie gegen Anti­ziganis­mus. „Wir brauchen einen grund­le­genden Perspek­tiv­wechsel in der deutschen Ge­sell­schaft, der die struk­turel­len Ursachen des Problems in den Blick nimmt.“ Ent­schei­dend sei in diesem Kontext auch eine „Politik der nach­ho­len­den Gerech­tig­keit“, „die das seit 1945 be­gan­gene Unrecht gegen­über Über­lebenden und deren Nach­kommen aus­gleicht“. Zudem for­dert die Kom­mis­sion, „effek­tive und nach­haltige Par­tizipa­tions­struktu­ren für die Com­munitys der Sin­ti_ze und Rom_nja auf allen Ebenen zu schaffen“. Diese müss­ten ver­bind­lich und auf Dauer an­gelegt sein. Die Unabhängige Kommission Antiziganismus empfiehlt Bund und Ländern, Be­auf­trag­te gegen Anti­ziganis­mus zu be­rufen und eine stän­dige Bund-Län­der-Kom­mis­si­on zu schaffen, um die Arbeit ge­gen Antiziganismus auf höchs­ter Ebene politisch zu ver­ankern.

Eine weitere Forderung der Kommission lautet: „Die zahl­reichen Defizite bei der ‚Wieder­gut­machung‘ des Unrechts gegen­über Sinti_ze und Rom_nja müssen um­gehend kom­pen­siert und den Über­lebenden ein Leben in Würde er­mög­licht wer­den.“ Darüber hinaus solle ein um­fas­sender Prozess der Auf­arbeitung der so­ge­nann­ten Zweiten Ver­folgung nach 1945 durch eine von Perspek­tiven von Sinti_ze und Rom_nja geprägte Wahrheits­kommission eingeleitet werden. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (370)

Mai 31st, 2021  |  Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken, Jugend & Bildung

Der erste Roma-Kin­der­gar­ten Ru­mä­ni­ens wur­de im Ok­to­ber 1933 in Bu­ka­rest – als Re­sul­tat des dor­ti­gen Ro­ma­kon­gres­ses – of­fi­zi­ell er­öff­net.

(Quelle)

Israelischer Bildhauer Dani Karavan gestorben

Mai 31st, 2021  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Geschichte & Gedenken  |  1 Comment

Dani Karavan vor dem Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas (© Zentralrat Deutscher Sinti und Roma)Dani Karavan, der neben vie­len Kunst­wer­ken welt­weit auch das Denk­mal für die im Natio­nal­so­zia­lis­mus er­mor­de­ten Sinti und Roma Europas ge­schaf­fen hat, starb im Al­ter von 90 Jah­ren am 29. Mai in Tel Aviv. Dani Ka­ra­van hat sich noch bis vor we­ni­gen Wo­chen per­sön­lich für den Schutz des Denk­mals in Berlin en­ga­giert.

In den Gesprächen mit Dani Karavan wurde deutlich, dass für ihn, wie für den Zentral­rat Deutscher Sinti und Roma, das Denkmal, das neben dem Reichs­tags­gebäude in Berlin an den Holocaust erin­nert, höchs­ten morali­schen und politi­schen Stellen­wert hat. Das Denkmal ist für Sinti und Roma in Deutschland und in Eu­ro­pa ein zentra­ler Ort des Ge­denkens, und er ist gleich­zeitig ein Ort der Er­inne­rung an die Ver­bre­chen des Holo­caust, dem über 500.000 Sinti und Roma zum Opfer fielen.

„Der Schutz und die Bewahrung des Denkmals für die im Natio­nal­sozia­lis­mus ermor­deten Sinti und Roma Europas hat für uns oberste Prio­rität. Wir haben hier unsere Ver­bunden­heit aus unserer gemein­samen Geschichte, unser gemein­sames Schicksal von Juden, Sinti und Roma zu­sam­men­ge­bracht, als Künstler der eine, und als Bürger­recht­ler und Politiker der an­dere. Der Ort, an dem sich das Denkmal mit dem Schwar­zen Wasser­becken im Zentrum be­findet, darf nicht in Frage ge­stellt werden, er muss im Sinne des Geden­kens, der Würde des Ortes und in der histo­ri­schen Ver­ant­wortung ge­schützt werden.“, erklär­ten bereits im 10. Juli 2020 Dani Karavan und Romani Rose ge­mein­sam nach einem aus­führ­li­chen Gespräch.

Als Dani Karavan nach dem Beschluss der Bundesregierung 1992 vom Vor­sitzen­den des Zentral­rats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, ge­beten wurde, das Denkmal für die im National­sozialis­mus ermor­deten Sinti und Roma Euro­pas zu gestal­ten, entwarf er dafür ein in die Stadt­land­schaft ein­ge­bettetes Ge­samt­kunst­werk, mit dem schwar­zen Wasserbecken im Zentrum. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (369)

Mai 30th, 2021  |  Published in Facts & Figures

Unter den Bauarbeitern, die seit den 1960ern am Bau der 1974 ein­ge­weih­ten Pra­ger U-Bahn mit­wirk­ten, wa­ren zahl­rei­che Roma.

(Quelle)

Zu wenig Halteplätze in der Schweiz

Mai 28th, 2021  |  Published in Dokumente & Berichte, Politik

Neuer Bericht über Stellplätze für Schweizer FahrendeEin neuer Bericht der Stiftung Zu­kunft für Schwei­zer Fah­rende zeigt, wie viele Hal­te­plätze für die fah­ren­den Je­ni­schen, Sinti und Roma in der Schweiz feh­len. Ins­ge­samt gibt es heute 47 Plätze. Be­nö­tigt wer­den 80 bis 90 zu­sätz­li­che Plätze. Für die recht­lich ge­schützte fah­rende Lebens­weise sind Halte­plätze unabdingbare Voraus­set­zung. Bund, Kan­tone und Ge­mein­den blei­ben in der Pflicht.

Die als nationale Minderheiten anerkannten Jenischen und Sinti, aber auch die fahren­den Roma, sind von der fort­dauern­den Coro­na-Krise ge­beutelt. Das Fahren ist für sie mit Corona noch schwie­riger ge­worden, weil die Ver­dienst­mög­lich­keiten zeit­weise ein­ge­bro­chen sind. Seit Jahr­zehn­ten fehlt es aber auch an Halte­plätzen, um von Ort zu Ort in die Nähe ihrer Kun­din­nen und Kunden zie­hen zu können.

In der Schweiz existieren 16 Standplätze für den Winter­auf­enthalt der Jeni­schen und Sinti. Für die Auf­enthalte wäh­rend der Reisezeit ste­hen 24 Durchgangs­plätze zur Ver­fügung, acht davon aller­dings nur provisorisch. Das ist bei weitem un­genü­gend: Wie der neue Bericht auf­zeigt, fehlen für Schweizer Jeni­sche und Sinti 20 bis 30 Stand- und 50 Durch­gangs­plätze. Aus­ländi­sche fahrende Roma, haupt­säch­lich aus unseren Nachbar­ländern, bereisen die Schweiz in der Regel zwi­schen Februar und Ende Okto­ber. Heute gibt es für sie ledig­lich sieben Transitplätze, einige davon nur proviso­risch. Zehn zu­sätz­liche Plätze müssen ge­mäss dem neuen Bericht erstellt werden.

Aufgrund des bezifferten Platzmangels können die fahren­den Jeni­schen, Sinti und Roma ihre Lebens­weise nur unter er­schwer­ten Be­din­gungen aus­üben. Die Platz­suche ist für sie auf­wendig und teil­weise gar un­lösbar.

Read the rest of this entry »

Facts & Figures (368)

Mai 27th, 2021  |  Published in Facts & Figures, Jugend & Bildung

Bei jedem 2. Roma-Kind in Bul­ga­ri­en (48,2%) feh­len zu Hause die fi­nan­ziel­len Mit­tel, um ihm be­nö­tig­te neue Klei­dung zu kau­fen.

(Quelle/pdf)

Bremen: keine Wohnungen für Roma?

Mai 26th, 2021  |  Published in Rassismus & Menschenrechte  |  1 Comment

Deutschland: Diskriminierung am WohnungsmarktVerdacht auf systematische Dis­kri­minie­rung von Woh­nungs­su­chen­den (u. a. von Schwar­zen oder Roma und Sinti) bei der städti­schen Bre­mer Bau­ge­sell­schaft Brebau. Zentral­rat Deut­scher Sinti und Roma for­dert um­fas­sen­de Auf­klä­rung und Ent­schä­di­gung der Be­trof­fe­nen sowie eine Ent­schul­di­gung vom Bremer Bür­ger­meis­ter Bo­ven­schulte.

Mit Empörung hat der Zentralrat auf die massiven rassisti­schen Dis­krimi­nier­ungen auch von Sinti und Roma durch die Bremer Bau­gesell­schaft Brebau re­agiert: „Die von den Medien ge­schil­derten Vor­gänge bei der Bremer Woh­nungs­bau­gesell­schaft Brebau stellen eine mas­sive Dis­krimi­nierung der betrof­fenen Men­schen dar. Beson­ders schwer wiegt, dass es sich hier um eine städtische Ein­rich­tung handelt und es sich offen­kundig nicht um Einzel­fälle, also das Fehl­ver­halten einzelner Mit­arbei­terin­nen und Mit­arbei­ter handelt, son­dern dass da­hinter eine Syste­matik steckt. Darauf weisen die inter­nen An­weisun­gen der Brebau an ihre Mit­arbeiter und die Tat­sache, dass es eigens für diese un­recht­mäßige Erfassung eine pro­gram­mierte Daten­maske gibt hin“, so der Vor­sitzen­de des Zentral­rats, Romani Rose.

Laut Presseberichten diskriminiert die städtische Wohnungs­bau­gesell­schaft Men­schen offenbar syste­matisch bei der Wohnungs­suche. Das geht aus internen schrift­lichen An­weisungen hervor, die von einem Mit­arbei­tenden der Brebau der Presse zu­gespielt worden sind. Die Brebau lässt dem­nach von ihren Kunden­beraterinnen und Kunden­beratern Ver­merke über Bewerber er­stellen, mit denen die Hautfarbe, die sexuel­le Orien­tierung, die Religions­zu­gehö­rig­keit oder die ver­meint­liche Ab­stammung im Rah­men einer „Ziel­gruppen­defini­tion“ durch eigens dafür ent­wickel­te Kürzel erfasst und in einer elektronisch ge­führten Akte gespeichert werden. Hiervon sind auch Men­schen betroffen, die von der Brebau den Sinti und Roma zu­ge­ordnet wer­den und für die die Brebau die Abkür­zung „E40“ ein­ge­führt hat. Read the rest of this entry »

Erich Schneller verstorben

Mai 25th, 2021  |  Published in Ehrungen & Nachrufe

Erich Schneller (Foto: ORF)Der langjährige Mitarbeiter des ORF Burgenland, Erich Schneller, ist am Sonn­tag im Alter von 67 Jah­ren nach lan­ger schwe­rer Krank­heit ge­stor­ben. Er war Radio­ma­cher, Re­dak­teur im Be­reich In­for­ma­tion und lei­den­schaft­li­cher Ge­stal­ter von Fern­seh-Son­der­pro­duk­tio­nen. Über Jahrzehnte war Erich Schnel­ler ei­ner der wich­tigs­ten Mit­strei­ter an der Seite der Volks­grup­pe der Roma im Bur­gen­land.

Der gesamte ORF Burgenland, alle Kolleginnen und Kollegen, trauern um den lang­jähri­gen ORF-Bur­gen­land-Mit­ar­bei­ter Erich Schnel­ler. Erich Schneller ist in Großpetersdorf ge­bo­ren und auf­ge­wachsen, er maturierte 1973 am Gym­nasi­um Oberschützen. Er be­gann in Wien Publizistik und Politik­wissen­schaf­ten zu studieren und star­tete im Jahr 1979 seine Arbeit im Landes­studio Bur­gen­land als freier Mit­arbeiter. In der Jugend- und Fa­milien­redak­tion war er unter ande­rem für die Magazin­sendung „Burgenland­stunde“ ver­ant­wortlich. 1998 wurde er Sen­dungs­ver­ant­wort­li­cher für die Fernseh-Talk­sen­dung „Treffpunkt Burgenland“. Im Fern­sehen betreu­te Erich Schneller auch Sonder­produktionen. Er pro­du­zierte Sendungen für „Erlebnis Öster­reich“ und „Österreich Bild“. Als Redak­teur war Erich Schneller uni­versell – er berich­tete von politi­schen und chroni­kalen Er­eig­nissen ebenso wie über zeit­geschicht­liche und sozial­politische Themen.

Er war ein hervorragender Journalist, der mit seiner Arbeit vor allem die burgen­ländi­schen Roma ins öffent­liche Bewusst­sein rückte. Er war im­mer sehr korrekt und auf­richtig in seiner Arbeit und er war ein groß­artiger Mensch, der für Gene­ra­tionen von Mit­arbei­terin­nen und Mit­arbeitern, die hier heute noch arbeiten, ein Lehr­meister und Vor­bild bleiben wird“, so ORF-Lan­des­direktor Werner Herics.

Engagement für die Volksgruppe der Roma

Ernsthaftigkeit, was Form und Inhalt betrifft, mach­ten Erich Schneller aus, ebenso wie sein aus­dau­ern­des En­gage­ment für die Volks­gruppe der Roma. In seinen Büchern ließ er die Men­schen selbst zu Wort kom­men. Erich Schnel­ler en­ga­gierte sich im Team der Roma-Volks­hoch­schule Bur­gen­land und schrieb dort auch für das Maga­zin „Roma Cajtung“. Read the rest of this entry »

„Ich habe meine Herkunft verschwiegen“

Mai 24th, 2021  |  Published in Internet & Blogothek, Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Radoslav GanevPodcast „heute wichtig“ #3: Radoslav Ganev kämpft gegen Sin­ti-und-Ro­ma-Kli­schees

→Anhören (26:33 min)

Radoslav Ganev, selbst Rom, erzählt im neuen „Stern“-Podcast „heute wichtig“, wie er seit seiner Kind­heit ge­gen Kli­schees an­kämpfte. Der 34-jäh­rige Polito­loge und Konflikt­ma­na­ger hat in München die Initia­tive „RomAnity“ ge­gründet und setzt sich so für die Rechte der Sinti und Roma ein. Rom zu sein, „das bringt dir Proble­me“, sagt Ganev im Pod­cast-Ge­spräch mit Mo­de­rator Michel Abdollahi. Seine Iden­tität habe er des­halb sogar lan­ge Zeit ver­heim­licht. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (367)

Mai 21st, 2021  |  Published in Einrichtungen, Facts & Figures, Medien & Presse, Religion

1957 wurde das evan­gel. Schwei­zer Mis­si­ons­blatt „Der Zi­geu­ner­freund“ (heu­te: „SZM-News-MTS“) zum Or­gan der „In­ter­nat. Zi­geu­ner­mis­si­on“.

(Quelle/pdf)