Bremen: keine Wohnungen für Roma?

Mai 26th, 2021  |  Published in Rassismus & Menschenrechte  |  1 Comment

Deutschland: Diskriminierung am WohnungsmarktVerdacht auf systematische Dis­kri­minie­rung von Woh­nungs­su­chen­den (u. a. von Schwar­zen oder Roma und Sinti) bei der städti­schen Bre­mer Bau­ge­sell­schaft Brebau. Zentral­rat Deut­scher Sinti und Roma for­dert um­fas­sen­de Auf­klä­rung und Ent­schä­di­gung der Be­trof­fe­nen sowie eine Ent­schul­di­gung vom Bremer Bür­ger­meis­ter Bo­ven­schulte.

Mit Empörung hat der Zentralrat auf die massiven rassisti­schen Dis­krimi­nier­ungen auch von Sinti und Roma durch die Bremer Bau­gesell­schaft Brebau re­agiert: „Die von den Medien ge­schil­derten Vor­gänge bei der Bremer Woh­nungs­bau­gesell­schaft Brebau stellen eine mas­sive Dis­krimi­nierung der betrof­fenen Men­schen dar. Beson­ders schwer wiegt, dass es sich hier um eine städtische Ein­rich­tung handelt und es sich offen­kundig nicht um Einzel­fälle, also das Fehl­ver­halten einzelner Mit­arbei­terin­nen und Mit­arbei­ter handelt, son­dern dass da­hinter eine Syste­matik steckt. Darauf weisen die inter­nen An­weisun­gen der Brebau an ihre Mit­arbeiter und die Tat­sache, dass es eigens für diese un­recht­mäßige Erfassung eine pro­gram­mierte Daten­maske gibt hin“, so der Vor­sitzen­de des Zentral­rats, Romani Rose.

Laut Presseberichten diskriminiert die städtische Wohnungs­bau­gesell­schaft Men­schen offenbar syste­matisch bei der Wohnungs­suche. Das geht aus internen schrift­lichen An­weisungen hervor, die von einem Mit­arbei­tenden der Brebau der Presse zu­gespielt worden sind. Die Brebau lässt dem­nach von ihren Kunden­beraterinnen und Kunden­beratern Ver­merke über Bewerber er­stellen, mit denen die Hautfarbe, die sexuel­le Orien­tierung, die Religions­zu­gehö­rig­keit oder die ver­meint­liche Ab­stammung im Rah­men einer „Ziel­gruppen­defini­tion“ durch eigens dafür ent­wickel­te Kürzel erfasst und in einer elektronisch ge­führten Akte gespeichert werden. Hiervon sind auch Men­schen betroffen, die von der Brebau den Sinti und Roma zu­ge­ordnet wer­den und für die die Brebau die Abkür­zung „E40“ ein­ge­führt hat. Ent­sprechende Be­wer­berin­nen und Bewerber sollen so ge­zielt von Wohnungen der städti­schen Woh­nungs­bau­gesell­schaft fern­ge­halten werden.

Dieses Vorgehen stellt einen eklatanten Verstoß gegen Artikel 3 Absatz 3 des Grund­gesetztes und gegen das All­gemeine Gleich­behand­lungs­gesetz dar. Der Vor­sitzende des Zentral­rats, Romani Rose, hat sich in der An­gelegen­heit daher an den Bürger­meister von Bremen, Andreas Bovenschulte und den Vor­sitzenden des Brebau-Auf­sichts­rates, Finanz­senator Dietmar Strehl ge­wandt und fordert die um­fas­sende Auf­klärung der Vorwürfe durch einen un­abhängigen Unter­suchungs­aus­schuss. Hierzu ge­hört auch die Frage, ob ein Daten­aus­tausch zwi­schen ver­schie­denen Wohnungs­bau­gesell­schaf­ten in Bremen statt­gefun­den haben könnte.

Der Zentralrat verlangt die sofortige Löschung aller unrecht­mäßig erfassten per­sonen­bezo­genen Daten. Der Zentralrat for­dert den Bremer Bürgermeister auf, sich öffent­lich für die dis­krimi­nieren­den Praktiken dieser Wohnungs­bau­gesell­schaft zu ent­schuldigen. Die Be­trof­fenen müssen an­gemes­sen von der Bre­bau entschädigt werden.

Darüber hinaus erwartet der Zentralrat, dass die Mitarbei­terin­nen und Mitarbeiter an­gewie­sen und ent­spre­chend ge­schult wer­den, um für einen anti­rassisti­schen Um­gang im Unter­neh­men zu sorgen.

(Text: Zentralrat)

Responses

  1. dROMa-Blog | Weblog zu Roma-Themen | Bremen untersucht Rassismus bei Wohnungsvergabe says:

    Juli 5th, 2021 at 10:44 (#)

    [...] und Roma darüber, dass der Bre­bau-Auf­sichts­rat die auch gegen Sinti und Roma ge­rich­teten rassisti­schen Prak­tiken bei der Bremer Woh­nungs­bau­gesell­schaft Brebau schnell und lücken­los auf­klären will. [...]