Paul Polansky (1942–2021)

April 4th, 2021  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Rassismus & Menschenrechte

Zum Tod des Menschenrechtlers Paul Polansky (1942–2021)


Paul Polansky (Foto: František Bikár, Romea.cz) Nach langer schwerer Krankheit ist der Historiker und Autor Paul Polansky am 26. März 2021 in Serbien ge­stor­ben. Er hat sich über 30 Jah­re lang für die Rechte von Roma ein­gesetzt und ge­hört zu den wich­tigs­ten Men­schen­recht­lern in diesem Bereich.

RAN: Paul Polansky wurde am 17. Februar 1942 als Kind tschechisch-deut­scher Ein­wanderer in den USA ge­boren. In den 1990er Jahren hat er in Tschechien gelebt und die Ge­schichte des Kon­zentra­tions­lagers für Roma im tschechischen Lety öffent­lich ge­macht, nach­dem er umfang­reiches Archiv­material aus­ge­graben und Zeit­zeugen be­fragt hatte. Die Geschichte des Lagers war seit dem Zwei­ten Weltkrieg weit­gehend ver­loren ge­gangen, ver­schleiert oder verzerrt wor­den. Zu den Häftlingen des Lagers ge­hörten der be­rühmte Partisan Josef Serinek und seine Familie. Später wurde auf dem Gelände des ehe­ma­ligen Kon­zentra­tions­lagers eine Schweinefarm errichtet.

Polansky hat zahlreiche Bücher und u.a. den Dokumentar­film „Gypsy Blood“ publi­ziert. 2004 erhielt er den Weimarer Menschenrechtspreis, da er sich unter Einsatz seines Lebens für die im Kosovo lebenden Roma einsetzte. Erst im Februar diesen Jahres hatte das Roma Center ihn als Referenten bei einer Ver­anstal­tung zu den bleiverseuchten Lagern für Roma im Kosovo zu Gast. Ein­geladen war er auf­grund seiner be­deu­tenden Ex­pertise im Zu­sammen­hang mit den Kriegs­ver­brechen gegen Roma im Zu­sam­men­hang mit dem Kosovo­krieg. Er war bereits 1999 für die Gesell­schaft für be­drohte Völker und den UNHCR vor Ort und er­lebte die Ver­trei­bungen der Roma durch die Kosovo-Al­baner.

Er war es auch, der den Skandal der bleiverseuchten Lager für Roma öffent­lich ge­macht hat. Die UN-Ver­waltung im Kosovo (UNMIK) hat 1999 Flücht­lings­lager für vertriebene Roma auf dem Gelände einer ehe­maligen Blei­schmelz­anlage errichtet, die dort seit den 1970er Jahre ge­arbeitet und die Gegend mit Blei und anderen Schwer­metallen ver­seucht hat. Zahl­reiche Men­schen wurden krank und starben an Blei­vergiftung. Die im Camp ge­bo­renen Kinder kamen mit Hirn­schäden zur Welt. Relativ schnell konnte in Bluttests nach­ge­wiesen werden, dass die Men­schen enorme Blei­mengen im Blut hatten. Den­noch pas­sierte nichts. Mehr als zehn Jahre hat Polansky sich dafür eingesetzt, dass die Men­schen endlich um­gesie­delt werden.

Bei den bevorstehenden Prozessen wegen Kriegs­verbrechen und Ver­brechen gegen die Mensch­heit gegen Hashim Thaci und an­dere (ehe­malige) rang­hohe kosova­rische Politiker sollte er als Zeuge aus­sagen. Außer­dem war an der Vor­bereitung des Welt-Ro­ma-Kon­gres­ses, der rund um den 8. April 2021 statt­finden wird, be­teiligt.

(Text: RAN)

Comments are closed.