Tschibtscha | 15.12.2021 | 4.59 min | Redaktion: Adolf Gussak | Kamera/Schnitt: Elias Gärtner-Horvath
Schtar momeltscha thabonahi upri adventiskeri keresuja. Mirno sina, asaj mirno, hot te schunel sina, sar o momeltscha te vakerel kesdinde. I erschti momeli phari diha cidija taj phentscha: „Me mirnipe butschojav. Mro udud thabol, ham o manuscha na kamna mirnipe, on na kamen man.“ Lakero udud mindig tikneder ulo taj akor ar gelo.
I dujti momeli jagarlahi taj jagarlahi taj phentscha: „Me patschajipe butschojav. Te me na som buter pekamlo. O manuscha na kamna nischta le Devlestar te dschanel. Nan buter barikano, hot me thabojav.“ Jek diha duach o kher cidija taj i momeli ar sina.
Mirno taj igen brigaschno phentscha akan i triti momeli: „Me kamipe butschojav. Man buter sor nan te thabol. O manuscha upri rik man terdscharen. On tschak pumen diken taj na le avren, saven te kamnahi.“ Taj jeke lejcti upre thabojipeha te lakero udud ar sina.
Zentralrat begrüßt Beginn der Aufarbeitung der Nachkriegsgeschichte des Bayerischen Landeskriminalamts durch die Behörde
Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, hat auf der Pressekonferenz des Bayerischen Landeskriminalamts in München die historische Arbeit von Kriminalhauptkommissarin Eveline Diener kritisch beleuchtet, die dort der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Die Arbeit beschäftigt sich mit der Geschichte und personellen Kontinuitäten der beim BLKA angesiedelten „Landfahrerstelle“ bis zu deren Auflösung im Jahr 1965. Rose fordert weiterführende Untersuchungen der Kontinuität auch über 1965 hinaus durch unabhängige Historiker.
Romani Rose lobte auf der Pressekonferenz, an der neben der Autorin auch der Präsident des Bayerischen LKA Harald Pickert teilnahm, die Forschungsarbeit von Eveline Diener und das BLKA dafür, dass es sich nun diesem Teil seiner Geschichte stellt:
Eveline Diener hat in ihrer Arbeit eine Vielzahl an Quellen, die der Forschung bisher in weiten Teilen unzugänglich waren, erschlossen, durchgearbeitet und analysiert. Sie kann damit den bisher äußerst lückenhaften Kenntnisstand zur frühen Bayerischen ‚Landfahrerstelle‘ enorm erweitern und empirisch unterfüttern. Beispielsweise war 1963 mit 11.092 Familienakten mit ca. 55.000 erfassten Personen bei der ‚Landfahrerstelle‘ ein enormer Datenbestand angelegt. Das BLKA hat mit dieser nun vorgelegten Forschungsarbeit die Forderung des Zentralrats an die Polizeibehörden der Länder umgesetzt und begonnen, ihre Geschichte in den Gründungsjahren der Bundesrepublik Deutschland aufzuarbeiten. Da mit der Auflösung der „Landfahrerstelle“ im Jahr 1965 die rassistische Sondererfassung von Sinti und Roma auch nicht im BLKA geendet hat, kann die heute vorgestellte Arbeit nur ein Anfang sein. Aus unserer Sicht muss es nun auch eine weiterführende Untersuchung der Kontinuität nach 1965 durch unabhängige Historiker folgen.
Anders als die Roma in den rumänischen Fürstentümern Moldau und Walachei waren die Roma in Siebenbürgen nie der Sklaverei unterworfen.
„Marie Blum – ich lege meinen Namen ab, um ein Jahr lang den deinen für dich zu tragen. Am 8. März 2020 bringe ich meine erste Tochter zur Welt. Dein Name ist auf ihrer Geburtsurkunde in der Rubrik Namen der Mutter vermerkt.“
„Marie, kein Stein, ein Mensch trägt deinen Namen.“
[„Marie Blum“, performatives Denkmal, 2020/21]
Die österreichische Künstlerin Esther Strauß über ihre Arbeit „Marie Blum“:
Marie Blum ist eines jener Kinder, die im nationalsozialistischen Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau zur Welt gekommen sind. Laut einem Eintrag in das Hauptbuch wurde Marie Blum am 5. September 1943 in Sektor BIIe – jenem Lagerabschnitt, in dem Roma, Romnja, Sinti und Sintize interniert worden sind – geboren. Dort wird sie am dritten Tag ihres Lebens ermordet.
Da Zeitzeug*innen zur Ermordung von Neugeborenen weitgehend geschwiegen haben, ist die Quellenlage auch heute noch dürftig. Nur wenige Kinder haben im Versteck oder dank der Hilfe von Mithäftlingen überlebt. Viele brachte man direkt nach der Geburt um oder ließ sie verhungern. Die meisten der Neugeborenen lebten nur wenige Stunden oder Tage.
Um an diese Kinder zu erinnern, entwickle ich ein performatives Denkmal: Ich lege den Namen Esther Strauß ab, um ein Jahr lang den Namen Marie Blum zu tragen. Dafür beantragte ich die rechtskräftige Änderung meines Vor- und Nachnamens im Namensänderungsreferat der MA 63 in Wien. Die Namensänderung wird mir nach viereinhalb Monaten Wartezeit schließlich gewährt – zufällig ausgerechnet am 27. Jänner 2020, dem 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau, der gleichzeitig der Internationale Holocaust-Gedenktag ist.
In den darauffolgenden Wochen und Monaten entstehen zahlreiche Performances, Fotografien, Texte und performative Objekte. Manche von ihnen entstehen auf Drängen des Staates, wie die Namensänderungsurkunden oder Marie Blums Pass. Read the rest of this entry »
Ausstellung in Göttingen: Ignorierter Völkermord. Der Genozid an den Roma in Belarus 1941–1944
Mit dem Überfall auf die Sowjetunion vor 80 Jahren begann auch die Vernichtung der sowjetischen Roma. Der Genozid der deutschen Besatzer an den Roma ist dabei weder im kollektiven Gedächtnis der belarussischen noch der deutschen Bevölkerung verankert. Die Ausstellung „Ignorierter Völkermord“ spiegelt die Erinnerung der Zeitzeug/innen an die Verbrechen, die ihnen von den Besatzern angetan wurden, enthält historische Überblickstexte zum Ablauf des Völkermords, seiner Aufarbeitung und zum Thema Rassismus gegen Roma. Thematisiert werden Überlebensstrategien und Widerstand, Reaktionen der Mehrheitsbevölkerung und Erinnerungspolitik.
Die Ausstellung ist vom 16.12.2021 bis 27.1.2022 im Foyer des Neuen Rathauses in Göttingen, Hiroshimaplatz 1–4, während seiner Öffnungszeiten zu sehen. Read the rest of this entry »
In Dortmund wurde das Mahnmal für die vom NS-Regime deportierten Sinti und Roma geschändet. Der Schriftzug „Den Lebenden zur Mahnung – Den ermordeten Sinti und Roma zum Gedenken“ wurde mit dem Wort „Zigeuner“ übersprüht. Die Tat ereignete sich vermutlich bereits am 22. November. Die Täter konnten bislang nicht ausgeforscht werden.
Das Mahnmal an der Ecke Weißenburgerstraße/Gronaustraße wurde auf Initiative des Landesvervbands Deutscher Sinti und Roma in Nordrhein-Westfalen im Dezember 1998 eingeweiht. Das Denkmal dient dem Gedenken an die über 150 Sinti, die 1943 vom Dortmunder Ost- bzw. Südbahnhof nach Auschwitz-Birkenau deportiert wurden. Der Schriftzug hinter dem eigentlichen Gedenkstein war erst im August an einer 18 Meter breiten Wand angebracht worden. Read the rest of this entry »
Kultur am Rande der Stadt. Das Innsbrucker Waldhüttl als res publica. Vortrag von Jussuf Windischer
Am 26. April 2019 fand in der Kulturscheune im Waldhüttl bei Innsbruck die erste von insgesamt drei Veranstaltungen statt mit dem Titel „Begegnungen – Kultur am Rande der Stadt“. An drei Tagen im April, Mai und Juni erwartet den Besucher dabei eine Verbindung von Literatur und Musik, Performance und Diskussion. Den Auftakt machte am 26. April das Konzert „Stojka meets Bach“: eine Kombination aus Musik des Harri Stojka Hot Trio und den Cellosuiten von J. S. Bach, gespielt von den Studierenden des Tiroler Landeskonservatoriums Isabella Haas & Pan Cheng.
Und als inhaltlicher Input zum Waldhüttl und seinen Bewohnern gab es einen Vortrag von Jussuf Windischer, der vor mittlerweile fast sieben Jahren das Waldhüttl mitbegründet und zusammen mit den späteren Bewohnern aufgebaut hat. Ein guter Anlass, um die Geschichte des Waldhüttls als „Herberge für die Seele“ und seiner Kulturscheune als „res publica“ den Besuchern der Veranstaltung näherzubringen.
Schenkung der Radiofabrik an die Stadt erfolgte am 8. Oktober.Baustadträtin Martina Berthold dankt der Radiofabrik für Engagement gegen das Vergessen
Der Schwarzgrabenweg an der Glan in Salzburg-Maxglan (bzw. im Leopoldskroner Moos) ist ein idyllischer Naturraum. Was vielen Salzburger/innen nicht bekannt ist: Während der NS-Zeit befand sich hier das sogenannte „Zigeuneranhaltelager“ Salzburg-Maxglan. Hunderte Roma und Sinti waren hier eingesperrt und wurden zur Zwangsarbeit gezwungen. Die meisten von ihnen wurden in Konzentrationslagern ermordet. 2009 hat die Radiofabrik (Anm.: das Salzburger Freie Radio) im Rahmen des Projekts „Niemals vergessen“ vom Salzburger Bildhauer Zoltan Pap dort ein Mahnmal errichten lassen. Im Beisein von Vertretern des Kulturvereins österreichischer Roma wurde es am 8. Oktober offiziell in die Obhut der Stadt übergeben. (Anm.: Im Februar 2020 wurde die Metallskulptur von Unbekannten beschädigt.)
Griechenland: Achtjähriges Roma-Mädchen wird von Fabriktor erdrückt und niemand hilft. Drei Personen wegen fahrlässiger Tötung angeklagt, Polizei spricht von Vertuschung.
RAN: Am 17. November gegen 17.30 Uhr sucht das achtjährige Roma-Mädchen Olga Zuflucht im Hof einer Fabrik in Keratsini, einem Vorort von Piräus bei Athen. Als sie versucht, das Gelände zu verlassen, wird ihr kleiner Körper nicht nur einmal, sondern zweimal von einem schweren Metallschiebetor getroffen. Niemand hilft ihr.
Fünf Tage nach dem Tod des kleinen Mädchens werden Aufnahmen einer Sicherheitskameraveröffentlicht. Sie zeigen, wie Fabrikarbeiter eine beispiellose Gleichgültigkeit gegenüber dem achtjährigen Roma-Mädchen an den Tag legen, das vor ihren Augen stirbt. Sie tun nichts, um zu helfen – wahrscheinlich auf Anweisung der Geschäftsleitung.
20 Minuten lang scheint das kleine Mädchen nach Luft zu ringen, aber niemand hilft ihr. Ein Fabrikarbeiter geht an dem Mädchen vorbei, wendet den Kopf und geht weg. Fast eine Minute später kehrt der Arbeiter zurück, und anstatt dem Kind zu helfen, geht er in die Lagerhalle. Die Aufnahmen zeigen, wie er mit seinem Handy telefoniert, wieder an dem kleinen Mädchen vorbeigeht und sich zum zweiten Mal gleichgültig verhält. Er schaut sie an, legt auf und geht weiter. Vom ersten Moment an haben zwei bis drei Arbeiter gesehen, dass Olga an dem Fabriktor zusammengebrochen ist, aber keiner hat etwas unternommen, um ihr zu helfen.
17:55:02: Das Video zeigt, wie ein Angestellter an dem kleinen Mädchen vorbeigeht, das wieder zwischen Tür und Wand eingeklemmt ist, und sie ansieht, aber nicht anspricht.
17:57:13: Die Tür öffnet sich schließlich und das Mädchen fällt zu Boden. Zwei Arbeiter nähern sich ihr und stehen mit einer Taschenlampe über ihr. Dann gehen sie ein paar Schritte zurück, reden miteinander und gehen weg, während sie das hilflose Mädchen zurücklassen. Read the rest of this entry »
2. bis 6.12.2021: 16 Filmbeiträge, Podiumsdiskussionen und Events im Berliner Kino Moviemento und online via Stream
Vom 2. bis 6. Dezember 2021 feiert das Roma-Filmfestival AKE DIKHEA? sein 5-jähriges Jubiläum in Berlin und weltweit. Das diesjährige Thema des Festivals ist Widerstand – gegen die Fremdbestimmung, gegen das Vergessen, gegen intersektionale Unterdrückung.
Roma und Sinti sind im Kino seit seiner Entstehung präsent. Doch allzu oft wurde ihr Bild von anderen definiert, ihre vielfältigen Identitäten wurden unsichtbar gemacht, dafür gefährliche Stereotypen immer wieder aufs Neue reproduziert. AKE DIKHEA? schafft seit 2017 einen Ort, an dem andere, authentische und selbstbestimmte Narrative Raum bekommen. Und auch dieses Jahr nutzen Filmemacher/innen auf der ganzen Welt die Selbstdarstellung als Mittel des Widerstands, um Gegenerzählungen zu den vorherrschenden Mediendiskursen über Sinti und Roma zu schaffen.
16 Filmbeiträge insgesamt, Fokus auf feministische Perspektiven
Insgesamt 16 Dokumentar-, Spiel und Kurzfilme bilden dieses Jahr das Hauptprogramm, darunter der Dokumentarfilm WIE ICH PARTISANIN WURDE (3.12., 19:30) von Vera Lacková. Darin recherchiert Lacková die Geschichte ihres Urgroßvaters und die anderer Roma-Partisanen, die Widerstand gegen die Nazis leisteten (hier unsere Filmbesprechung). Oder OUR VOICES OUR FREEDOM (4.12., 17:30) von Laurence Doumic und Jo Béranger, die den Kampf von zwei Geschwistern gegen die Zerstörung ihrer Heimat und ihres Lebensstils im Norden von Paris portraitiert. Das Filmportrait TAIKON (2.12., 21:00) von Lawen Mohtadi und Gellert Tamas erzählt vom Leben der gleichnamigen Aktivistin. Taikon gilt als eine der meistgelesenen Autor/innen Schwedens und wird als „weiblicher Martin Luther King Schwedens“ bezeichnet. Der Spielfilm GIPSY QUEEN (3.12., 22:00) von Hüseyin Tabak, mit Alina Șerban in der Hauptrolle als Boxerin Ali (Deutscher Schauspielpreis 2020), ergänzt das Programm.
Ein starker Fokus liegt auf feministischen Perspektiven: Zehn der sechzehn Filme wurden von Regisseurinnen gedreht. Der Spielfilm BIBI SARA KALI (4.12., 20:00) von Simonida Selimović und Nina Kusturica umwebt die gleichnamige, mystische Figur der Patronin der Roma (wir berichteten). Read the rest of this entry »
Der gemeinnützige Verein wurde 1991 gegründet und engagiert sich für einen Kulturtransfer zwischen Minderheiten und Mehrheiten in Österreich, sie versteht sich als Plattform, Netzwerk und Vermittlung. Was versteht man in diesem Kontext unter Minderheiten? Wie können minoritäre Allianzen unterstützt werden?
Der Geschäftsführer der Initiative Minderheiten Tirol, Michael Haupt, ist zu Gast im Studio. Im Gespräch blickt er zurück, aber auch auf aktuelle Projekte, wie die Ausstellung „Was wir fordern! Minderheitenbewegungen in Österreich“, die noch bis 16. Dezember in Innsbruck zu sehen ist.
Der Beitrag von Livi Sojer wurde im Rahmen von KulturTon/Radio Freirad (Innsbruck) am 1.11.2021 ausgestrahlt.
Seit 1996 wird der renommierte Literaturpreis des Wiener Verlages „edition exil“ in acht Kategorien an Schriftsteller/innen mit Migrationsbiografie verliehen. B
ekannte Namen wie jene von Barbara Marković, Dimitré Dinev, Julya Rabinowich, Seher Çakır, Thomas Perle, Didi Drobna, Mercedes Spannagel oder Ana Drezga finden sich unter den Preisträgerinnen und Preisträgern der vergangenen 25 Jahre.
Beate Eder-Jordan vom Institut für Vergleichende Literaturwissenschaften an der Uni Innsbruck hat 2014 das Buch „Die gekrönten Schlangen“ des ungarischen Roma-Autors József Holdosi (1951–2005) neu herausgegeben. Eine Sendung von Michael Haupt für KulturTon/Radio Freirad (Innsbruck).
Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma begrüßt, dass der nun vorgelegte Entwurf eines Koalitionsvertrags zwischen SPD, Grünen und FDP den Antiziganismus als ein Problem von gesamtgesellschaftlicher Relevanz in den Fokus nimmt. Um einen echten Paradigmenwechsel in der Bekämpfung des Antiziganismus zu bewirken, muss eine neue Bundesregierung die Forderungen und Handlungsempfehlungen der Unabhängigen Kommission Antiziganismus (UKA) umfassend umsetzen.
Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, lobt den in den Koalitionsverhandlungen ausgearbeiteten Entwurf, der den Antiziganismus stärker als bisher in den Blick nimmt. Er fordert aber auch konkrete Umsetzungsvorschläge:
„Der Entwurf des Koalitionsvertrags der Ampelparteien zeigt, dass auf politisch höchster Ebene der Antiziganismus verstärkt als eine Bedrohung unserer gesamten demokratischen Verfasstheit wahrgenommen wird. Es ist gut, dass sich einige zentrale Forderungen des Zentralrats wiederfinden. Wir nehmen die kommende Regierung jedoch nun in die Pflicht, ihren in dem vorgelegten Vertragsentwurf insgesamt noch sehr vage formulierten Worten, Taten folgen zu lassen und schnell eine umfassende Strategie zur Bekämpfung des Antiziganismus auszuarbeiten. Die Handlungsempfehlungen und Forderungen des Abschlussberichts der Unabhängigen Kommission Antiziganismus (UKA) sollen hierbei die Grundlage sein. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma wird mit seiner Expertise auch die neue Bundesregierung unterstützen.“
Eine wichtige Forderung, die der Zentralrat an die Parteien vor und nach der Wahl gestellt hat und die auch eine zentrale Forderung der UKA war, hat in dem Papier der potenziellen Koalitionspartner Niederschlag gefunden: die Einsetzung einer oder eines Antiziganismusbeauftragten der Bundesregierung. Read the rest of this entry »
SWR2 am Morgen: Antiziganismus sei eine der ältesten Formen von Rassismus, werde dennoch in der Gesellschaft am wenigsten wahrgenommen und kaum verurteilt, sagt Romeo Franz, deutscher Abgeordneter für die Grünen im EU-Parlament und selbst Sinto, in SWR2. Das Europäische Parlament debattiert am 23. November die Polizeigewalt gegen Roma in der EU. Auslöser ist der Tod des Rom Stanislav Tomáš in Tschechien. Ähnlich wie beim Tod des schwarzen George Floyd hatte ein Polizist minutenlang auf dem Nacken von Tomas gekniet. Die Verurteilung solcher antiziganistischen Gewalt habe nie denselben Level gehabt wie die Verurteilung des Antisemitismus, so Franz. Dabei zerstöre die Polizei mit solcher rassistischen Gewalt das Vertrauen in den Staat. Der Fall Tomáš sei alles andere als ein Einzelfall. Bei der Durchsetzung von Covid-19-Quarantänen sei die Polizei in Tschechien, Bulgarien oder Rumänien mit großer Gewalt gegen Roma vorgegangen. Er verfüge über Videos, so Franz, die zeigten, wie ganze Familien mit größter Brutalität von der Polizei zusammengeschlagen worden seien. Viele Fälle landeten gar nicht erst vor Gericht, würden schon vorher abgeschmettert. Read the rest of this entry »
Kher, Romafuturismo, ROLIK: Drei Literatur-Initiativen für Roma
Auch der Kulturbetrieb hat seine blinden Flecken. Minderheiten haben es schwer, sich auf dem literarischen Parkett zu behaupten. In Tschechien und der Slowakei versucht man das zu ändern – indem man eigene Strukturen schafft.
Kher (Prag)
Eine Schlüsselrolle bei der Institutionalisierung von Roma-Literatur in Tschechien spielt der Buchverlag „Kher“ (Romani: „Haus“, „Zuhause“). Der Prager Verlag, hervorgegangen aus einer Online-Plattform, widmet sich der Förderung und Verbreitung von literarischen Arbeiten aus der Minderheit. Initiiert wurde das Verlagsprojekt 2012 von akademischen Schülern der 2005 verstorbenen Grande Dame der Romani Studies in Tschechien, Milena Hübschmannová: „Für viele Roma-Autoren war sie wie eine Mutter, eine Unterstützerin“, so Verlagsgründer Lukáš Houdek: „Als sie verstarb, verschwand mit ihr für viele Autoren auch die treibende Kraft. Und deshalb haben wir beschlossen, etwas zu unternehmen. Wir sahen, dass die Autoren schreiben wollen, publizieren wollen, aber keine Möglichkeiten hatten.“
„Kher“ fördert daher ältere wie neuere literarische Stimmen aus Tschechien und der Slowakei, vorzugsweise auf Romani, aber auch in mehrsprachigen Editionen. „Zur Zeit gibt es in der Tschechischen Republik, grob geschätzt, vierzig Autorinnen und Autoren, die der Roma-Minderheit angehören; ungefähr die Hälfte von ihnen ist derzeit tatsächlich aktiv“, erzählt die Verlegerin Karolína Ryvolová. Ergänzt wird das Verlagsprogramm durch Übersetzungen. Der Verlag, der anfangs auf E-Books setzte, hat sich inzwischen zu einem Printverlag gewandelt. Dabei greift man auch auf Crowdfunding zurück – etwa bei der Anthologie „O mulo!“ mit Erzählungen über Totengeister.
Romafuturismo (Chánov)
Eröffnet wurde die „Romafuturismo-Bibliothek“ Anfang 2018 in Anbindung an die Kunstinitiative „tranzit“ in Prag mit einem zwölfstündigen Lesemarathon aus dem Werk der Roma-Autorin Elena Lacková. Der Fokus der „Bibliothek für Roma-Literatur“, deren Sammlung rasch auf mehrere Hundert Titel angewachsen ist, liegt auf dem literarischen Schaffen europäischer Roma-Autoren. Read the rest of this entry »