Ukraine-Krieg: Gemeinsame Stellungnahme des Bundes-Roma-Verbands, des Roma-Centers/RAN, Romani Phen und weiterer Roma-Organisationen in Deutschland
Nicht alle Roma verlassen die Ukraine und nicht alle werden Opfer diskriminierender Behandlungen. Doch die Berichte über Diskriminierung von Romnja* an den Grenzen nehmen zu. Sie werden nicht in Autos mitgenommen, Busunternehmen weisen sie ab. In den Ankunftsorten werden sie aus unerfindlichen Gründen von den „weißen“ Ukrainer:innen separiert. Auch in den Ankunftsorten in Deutschland gibt es Schwierigkeiten.
Es braucht große Räume
Überwiegend Frauen und Kinder sind auf der Flucht, mit Jugendlichen und manchmal pflegebedürftigen Angehörigen. Sie mussten sich von ihren Männern im „wehrfähigen Alter“ trennen und wollen sich nicht weiter aufteilen. Neben den Kriegstraumata, die sie erlitten, berichten sie von massiven Diskriminierungen und Beleidigungen entlang der Fluchtrouten Richtung Westen. Ukrainische Roma sind Nachkommen von Überlebenden und Opfern der Verfolgung und Vernichtung während des Nationalsozialismus. Wir möchten, dass gerade Deutschland jetzt Mittel bereitstellt und Schutz bietet.
Viele Romnja sprechen Romanes, Ukrainisch oder Russisch, jedoch nicht die Sprachen der Länder, in die sie fliehen. Manche können nicht lesen, und wenn, dann beherrschen sie nur kyrillische Schriftzeichen. Die ganze Situation ist extrem verunsichernd und bedrohlich. Angehörige einer Familie und Freund:innen, die sich gegenseitig unterstützen, wollen sich in dieser Situation nicht trennen und gern zusammen bleiben, auch zusammen unterkommen. Deshalb braucht es grozügige Unterbringungsmöglichkeiten, wo Menschen gemeinsam untergebracht werden können.
Rassismus trifft Roma auch jetzt
Zur leider auch schon vor dem Krieg existierenden strukturellen Diskriminierung gehört, dass viele Roma in der Ukraine undokumentiert sind und keine Pässe haben. Read the rest of this entry »
In der Republik Moldau wurden bei den Lokalwahlen 2015 zwei Roma-Kandidatinnen gewählt. 2019 waren es bereits 12 Roma, sechs davon Frauen.
Erster Sinti-Kulturtag in Wien
Genipe/Lesung | Koncerto/Konzert | CD-akeri presentacija/CD-Präsentation
Betschiste ando 11 becirk ando VinziBett o erschti Sintijengero kulturakero di tel likerdo ulo. But dschene le akaripeske le farajnistar Newo Ziro use mulatintschago ale. O kesdipe le Sintijengero kultarakero dijestar sina o genipe la Roxanna-Lorraine Wittatar, savi pe donde beschartscha le rasismusiha le Sintijendar taj Romendar. I Natalie Weinrich ando bersch 2019 o kulturakero farajn „Newo Ziro“ – andi nimtschki tschib „Neue Zeit“ kertscha, kaj upre o armangiptscha, savenge o Sinti taj Sintizi aktujeli pumen iste terdscharen , upre te sikal. Pasche la socijalakeri butjaha, projektenca taj mulatintschagenca i tschib, kultura le Sintijendar ter likerdi te ol. Ham te pedar oda ari i Sintijengeri kultura buteder ando pradipe ledschim te ol. Meg mindig i flogoskeri grupn tschule aunprindscharipeha, tel dikipeha taj rasismusiha pe donde iste bescharel.
Natalie Weinrich hat 2019 den Kulturverein „Newo Ziro“ – auf Deutsch „Neue Zeit“ – gegründet, um auf Herausforderungen, denen sich Sinti und Sintizze aktuell stellen müssen, aufmerksam zu machen. Darüber hinaus soll aber auch die Sintikultur wieder mehr in die Öffentlichkeit gerückt werden. Read the rest of this entry »
Deutschland: Ungleichbehandlung von ukrainischen Geflüchteten mit Roma-Hintergrund am Mannheimer Bahnhof
Stellungnahme des Verbands deutscher Sinti und Roma, Landesverband Baden-Württemberg e.V. (VDSR-BW):
Als Bahnhofshelfer in der Nacht vom 23.03. auf den 24.03.2022 geflüchtete Menschen aus der Ukraine in die dafür vorgesehenen Räumlichkeiten der DB brachten, reagierten mutmaßlich Beamte der DB-Sicherheit abweisend auf die Familien und fingen eine Diskussion mit den Bahnhofshelfern an, in der Zeugen zufolge antiziganistische Vorurteile wiedergegeben wurden als Begründung, warum diesen Menschen der Zugang zu den DB-Räumen für Flüchtlinge verwehrt werden solle. Auch auf Kompromissvorschläge der Bahnhofshelfer wurde mutmaßlich abweisend reagiert.
Die geflüchtete Gruppe befand sich zu diesem Zeitpunkt bereits in den Räumen der DB für ukrainische Geflüchtete. Die Bundespolizei kam zu der Situation hinzu, sowie weiteres Personal der DB-Sicherheit, sowie eine Beamtin mit einem Dobermann-Hund. Der Hund ist laut Aussagen der DB-Sicherheit am 24.03.2022 während des Dienstes privat mitgeführt worden.
Als Begründung, warum die Familien weggeschickt werden sollten, wurde angeblich geäußert, dass sich keine Männer in den Räumlichkeiten aufhalten dürften. In den Räumen waren bereits andere Männer. In einem Klärungsgespräch am 24.03.2022 u.a. mit Andrea Kadenbach, der Bahnhofsleiterin von Mannheim, wurde deutlich, dass sich auch Männer in diesem Raum aufhalten dürfen. Sowohl die Helfer als auch die Familien waren eingeschüchtert von dem massiven Auftreten des Sicherheitspersonals. Als andere ukrainische Geflüchtete den Raum betraten, wurden sie von den Sicherheitsbeamten nicht beachtet.
Es ist für den VDSR-BW nicht ersichtlich, warum das DB-Personal sich gegenüber den Neuankömmlingen mumaßlich abweisend verhielt. Der Landesverband erwartet eine Stellungnahme der DB (und DB-Sicheheit) Mannheim und der Bundespolizei Mannheim. Wir erwarten eine schnellstmögliche Aufklärung. Read the rest of this entry »
Von mehreren Seiten wurden wir auf Bilder aus ukrainischen Städten hingewiesen, die misshandelte Plünderer zeigen sollen, darunter insbesondere auch Romnja. Aus der Distanz ist es uns derzeit kaum möglich, diese Vorwürfe bzw. den Kontext des Bildmaterials zu verifizieren, und die Gefahr, sich damit selbst unbeabsichtigt mitten hinein in den Propagandakrieg der Bilder zu begeben, ist groß. Das international bestens vernetzte und immer gut informierte Roma Antidiscrimination Network (RAN) jedenfalls hält die Bilder für authentisch. Wir geben im Folgenden den Bericht des RAN wieder:
In den letzten Tagen gingen Fotos durch die soziale Medien, auf denen Romnja zu sehen waren, die mit gelbem Klebeband an Pfosten gebunden waren. Ihre Gesichter wurden grün oder blau angemalt. Schnell machten sich Äußerungen breit, dies sei „Putin-Propaganda“ und Fake News. Tatsächlich werden die Bilder in russischen Medien verbreitet. Jedoch werden sie genauso von ukrainischen Rechtsextremen verbreitet – mit rassistischen Äußerungen gegen Roma. In westlichen Medien hingegen werden sie verschwiegen.
Nach unseren Informationen handelt es sich um eine anscheinend aktuell gängige Methode der Selbstjustiz in der Ukraine, mit denen vermeintliche „Diebe“ bestraft werden. Beweise für die Diebstähle gibt es keine. Die Fotos der Selbstjustiz jedoch sind echt.
Menschen, die des Diebstahls verdächtigt werden, werden an Pfosten gebunden, angemalt, teilweise werden sie entkleidet, geschlagen, und es gibt auch Nachrichten über Vergewaltigungen. Das Ganze erinnert an mittelalterliche Pranger. Selbst Kinder werden nicht verschont. Dass es gerade Romnja waren, deren Bilder viral gingen, führt in Kombination mit dem antiziganistischen Motiv der unterstellten Diebstähle reflexartig zu Hate Speech gegen Roma. In der Ukraine ist der Rassismus gegen Roma noch erheblich offener und alläglicher als in Westeuropa. Hinzu kommt der aggressive Rassismus durch rechtsextreme „Bürgerwehren“ wie das Azov-RegimentundC14, die immer wieder gewalttätige Übergriffe auf Roma und ihre Camps verübten. Die Unterstellungen, Roma würde jetzt auch noch Flüchtende beklauen, werden den Rassismus noch verstärken. In diesem Motiv kommt nicht vor, dass Romnja selbst Flüchtende sind.
Die Flucht von Romnja aus der Ukraine wird stark behindert. Täglich erfahren wir von fliehenden Romnja, wie sie diskriminiert wurden und werden. Sowohl in der Ukraine als auch in den angrenzenden Ländern. In den Ländern, in die sie fliehen, geht die Diskriminierung weiter (mehr hier) Read the rest of this entry »
Wanderausstellung „Was heißt hier Minderheit?“ im Deutschen Bundestag virtuell eröffnet. Die Ausstellung ist bis zum 8. April 2022 im Paul-Löbe-Haus zu sehen.
Am 16. März 2022 wurde die interaktive Wanderausstellung „Was heißt hier Minderheit?“ im Deutschen Bundestag virtuell durch Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckhardteröffnet. Die Wanderausstellung ist die erste gemeinsame Präsentation der vier autochthonen nationalen Minderheiten und Volksgruppen Deutschlands – der Lausitzer Sorben, der deutschen Sinti und Roma, der dänischen Minderheit und der friesischen Volksgruppe – sowie der Sprechergruppe Niederdeutsch.
Die Ausstellung ermöglicht eine Beschäftigung mit den fünf Gruppen und stellt dabei auch die Mehrheitsbevölkerung betreffende Fragen nach Identität und dem Verhältnis von Eigenem und Fremdem. Jede der sechs Ausstellungsstationen unterscheidet sich durch ihre einzigartige Architektur. An beispielhaften Erzählungen wird Einblick in die spannungsreiche Beziehungsgeschichte zur Mehrheitsgesellschaft gegeben, die Zwischenmenschliches ebenso berührt wie ein weites staatliches Geschichtsfeld der Minderheitenpolitik. Eine Zentralstation informiert die Besucher der Ausstellung zu den minderheitenpolitischen Rahmenbedingungen und Schutzabkommen in Deutschland und Europa.
Motivation und Ziel der Ausstellung ist es, Wissensdefizite zu den vier autochthonen Minderheiten und der Sprechergruppe Niederdeutsch in Politik und Gesellschaft abzubauen, Interesse zu wecken und das Verständnis für Belange, Kultur und Sprachen der Minderheiten als wichtigen Bestandteil einer vielfältigen Gesellschaft zu fördern.
Die im Deutschen Bundestag erstpräsentierte Ausstellung ist ein gemeinsames Projekt des Minderheitenrates der vier autochthonen nationalen Minderheiten und Volksgruppen Deutschlands sowie des Bundesraats för Nedderdüütsch. Nach vier Jahren intensiver Vorbereitungszeit wird die Wanderausstellung nun bis 2027 bundesweit an verschiedenen Standorten in allen 16 Bundesländern zu sehen sein. Interessierte Institutionen sind eingeladen, die Ausstellung vor Ort zu präsentieren. Den Link zur virtuellen Eröffnung der Ausstellung finden Sie hier: www.bundestag.de.
2006 ließen die Behörden ein seit 50 Jahren bestehendes Romadorf bei Kaliningrad niederbrennen. 2016 wurde Russland dafür vom EGMR verurteilt.
Ein interessantes, sehr persönliches Interview mit dem bayrischen Sinti-Aktivisten und Diplom-Sozialpädagogen Alexander Diepold von der Münchner Beratungsstelle Madhouse. Die Tonalität in den Fragen ist mitunter befremdlich – die Reaktion des Interviewten dafür umso souveräner. Aus der Programmankündigung des BR:
Er ist Leiter der Münchner Beratungsstelle für Sinti und Roma. Dabei weiß Alexander Diepold laprojekt, dem Münchner Madhouse, das sich um schwer erziehbare Jugendliche kümmert und das er – selbst ein Heimkind – vor 35 Jahren gegründet hat. Moderation: Norbert Joa.
Deutsche Welle: Ein ungarischer Campingplatz als Zufluchtsort für Roma aus der Ukraine
Roma, die wegen des Krieges die Ukraine verlassen, erfahren Diskriminierung sogar auf der Flucht (mehr hier). Bei Teca Orgován in Tiszabecs, Ungarn, müssen sie das nicht befürchten. Sie [Anm. d. Red.: selbst Romni] betreibt einen Campingplatz in der Nähe der ukrainischen Grenze, der normalerweise von Touristen genutzt wird. Jetzt wohnen hier Geflüchtete aus der Ukraine, die überwiegend zur Roma-Community gehören.
Exakt heute vor vierzig Jahren, am 17. März 1982, kam es zu einem denkwürdigen Treffen einer von Romani Rose geführten Delegation des neu gegründeten Zentralrats Deutscher Sinti und Roma mit dem deutschen Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD). Zwei Tage nach dem Treffen folgte ein Gespräch mit dem damaligen Oppositionsführer Helmut Kohl. Im Zusammenhang mit der Unterredung im Bonner Kanzleramt wurde der Völkermord an den Sinti und Roma erstmals – 37 Jahre nach dem Ende der NS-Diktatur – offiziell anerkannt. Dabei betonte Helmut Schmidt u.a. die öffentlich lange beharrlich bestrittene Tatsache, dass Verfolgung und Genozid an der Minderheit nicht bloße Auswüchse staatlicher Kriminalitätsbekämpfung und -prävention, sondern das Resultat der nationalsozialistischen Rassendoktrin waren.
In einem aktuellen Interview mit der RNZ erinnert sich Zentralratsvorsitzender Romani Rose an das „entspannte und konstruktive Gespräch“: „Es war das erste Mal, dass uns ein Bundeskanzler überhaupt empfing und bereit war, auf unsere Forderungen einzugehen. Willy Brandt, sein Vorgänger, hatte das noch abgelehnt. Wie ernsthaft das Gespräch war, ist ja aus der weitreichenden Erklärung von Helmut Schmidt erkennbar, die er unmittelbar nach dem Treffen abgab und in der er das Verbrechen der Nazis an der Minderheit als das bezeichnete, was es ja war: Völkermord.“ Für die Minderheit bedeutete dies nicht weniger als eine historische Zäsur, denn bis zu diesem Zeitpunkt „wurde den Überlebenden die moralische Anerkennung als Opfer der nationalsozialistischen ‚Rassenpolitik‘ und ihre Ansprüche auf Entschädigung verweigert“.
Jahrzehntelang wurde ihr Leid geleugnet. 500.000 Sinti und Roma wurden von den Nationalsozialisten ermordet. Erst vor 40 Jahren erkannte die Bundesrepublik Deutschland den Völkermord an. Politisch hat die Bürgerrechtsbewegung deutscher Sinti und Roma seitdem viel erreicht. Doch bis heute gibt es Klischees und Vorurteile.
Mit aufsehenserregenden Aktionen verschaffte sich die Bürgerrechtsbewegung Gehör. Einer der Höhepunkte war 1980 der Hungerstreik im ehemaligen Konzentrationslager Dachau. Unter den zwölf Streikenden waren unter anderem Überlebende des Holocaust. Auch der junge Romani Rose, heute Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, war dabei. Zu den Forderungen gehörten die Anerkennung des NS-Völkermords und die Beendigung der polizeilichen Sondererfassung von Sinti und Roma.
Späte Anerkennung
Zwei Jahre später wurde der Zentralrat in Heidelberg gegründet. Das hatte den großen Vorteil, dass es nun offizielle Ansprechpartner gab, die die Anliegen der Sinti und Roma in die Politik tragen konnten. All das führte schließlich zu einer entscheidenden Zäsur: Am 17. März 1982 erkannte Helmut Schmidt als erster deutscher Spitzenpolitiker den Völkermord an Sinti und Roma als solchen an. Read the rest of this entry »
Tschibtscha | Adolf Gussak | 14.3.2022 | 25.33 min
Ande amaro adiveskero vakeripe sina o Adolf Sarközi kherodaschi ando farajn Roma-Service. Ov pedar pro terdschivipe ojs flogoskero grupnengero dscheno le Romendar amenca vakertscha.
In unserem heutigen Gespräch war Adolf Sarközi zu Gast im Verein Roma-Service, um mit uns seine Erfahrungen und Erlebnisse als Volksgruppenangehöriger zu teilen. Der heute 63-Jährige stolze Großvater zweier Enkel, wuchs im Romagraben in Stegersbach (Bez. Güssing, Burgenland) auf. Adolfs Mutter starb in seiner frühen Kindheit. Ab diesem Zeitpunkt ging es auch mit der Familie bergab. Sein Vater, der vom KZ schwer traumatisiert war, kümmerte sich nicht viel um die Familie. Die Kinder mussten schon sehr früh selbstständig sein und die älteren Geschwister kümmerten sich um die Jüngeren.
„Die Romakinder wurden damals in der Schule schwer diskriminiert und vorab in die Sonderschule gesteckt“, erzählt Adolf Sarközi. Auch in der Jugendzeit hatten die Roma aus Stegersbach kaum Zukunftsaussichten oder reelle Chancen am Arbeitsmarkt. Da Sarközi aber etwas in seinem Leben erreichen wollte, ging er als Hilfsarbeiter nach Wien und war dort in der Baubranche tätig. Nach einigen Jahren kehrte er wieder zurück nach Stegersbach und machte sich in seinem Heimatort gemeinsam mit seiner Frau selbstständig. Read the rest of this entry »
Deutsche Bundesregierung beruft erstmals Antiziganismus-Beauftragten: Mehmet Daimagüler übernimmt neues Amt im Bundesfamilienministerium
Der Rechtsanwalt Dr. Mehmet Daimagüler wird der erste Beauftragte der Bundesregierung gegen Antiziganismus und für das Leben der Sinti und Sintizze sowie Roma und Romnja in Deutschland. Das hat das Bundeskabinett in seiner Sitzung am 9. März beschlossen. Der Beauftragte ist im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend angesiedelt und wird die Maßnahmen der Bundesregierung gegen Antiziganismus koordinieren.
Bundesfamilienministerin Anne Spiegel:
„Sinti*ze und Rom*nja kämpfen in Deutschland mit Jahrhunderte alten, tiefsitzenden Vorurteilen in weiten Teilen der Mehrheitsgesellschaft und zunehmender Anfeindung und sehen sich einer wachsenden Radikalisierung in der rechtsextremen Szene ausgesetzt. Mit der Berufung eines Antiziganismus-Beauftragten setzt die Bundesregierung heute ein klares Signal, dass wir der Diskriminierung, Ausgrenzung und Anfeindung von Sinti*ze und Rom*nja nicht tatenlos zusehen. Für das Amt konnten wir mit Mehmet Daimagüler einen engagierten Anwalt für die Betroffenen von Menschenfeindlichkeit, Hass und Gewalt gewinnen. Er wird sich mit aller Kraft für die Belange der Sinti*ze und Rom*nja in unserem Land einsetzen und für die Rechte der Opfer von Antiziganismus eintreten.“
Zu seiner Ernennung erklärt Mehmet Daimagüler:
„Die Bekämpfung des Antiziganismus muss ressortübergreifend und auf allen Ebenen angegangen werden, im Bund wie in den Ländern. Da viele Maßnahmen in der Zuständigkeit der Länder liegen, werde ich mich für die Einrichtung einer ständigen Bund-Länder-Kommission einsetzen. Die Herausforderungen sind nur gemeinsam mit den Communities der Sinti und Roma zu bewältigen. Den Bericht der Unabhängigen Kommission Antiziganismus verstehe ich als eine wichtige Ressource für meine Arbeit. Besonders am Herzen liegt mir die Einrichtung einer Kommission zur Aufarbeitung des Unrechts nach 1945. Read the rest of this entry »
Stoppt die Segregation der Flüchtenden aus der Ukraine! Gleiche Rechte und Hilfe für alle!
Die Bereitwilligkeit zur Aufnahme von Flüchtenden aus der Ukraine und die flexible Bereitstellung von notwendigen Ressourcen ist beispiellos. So soll es sein – und zwar für alle! Doch Rassismus als strukturelle Gewalt wirkt in jeder Situation. In Zeiten der Flucht hat diese Gewalt existezielle Folgen. So wie in Staaten wird auch an Grenzen mit Menschen unterschiedlich umgegangen. An der Grenze zwischen Belarus und Polen wurden im letzten Winter Menschen derart blockiert, dass einige erfroren. Diese Flüchtenden sind in Europa nicht willkommen. Auch in den vergangenen Tagen mehren sich Berichte, nach denen Schwarze und Menschen of Colour aus rassistischen Gründen an der Weiterreise gehindert werden und keine Unterkünfte bekommen.
Eine Romni, mit der wir in Kontakt standen, hat es mit ihren Kindern nach Leipzig geschafft. Sie kam über die Slowakei. Über die Lage dort berichtet Romea, die Unterstützung für die Geflüchteten sei groß. „Jedoch wenn eine ukrainische Roma-Familie ankommt und um Hilfe bittet, wird sie zurückgewiesen.“ Viele kommen nicht einmal aus der Ukraine raus. In sozialen Medien mehren sich die Berichte darüber. Zum Beispiel berichtet eine Romni aus Lviv, dass aktuell dort 100 Roma festsitzen und niemand ihnen hilft, weiterzukommen.
Insbesondere Romnja und Roma aus Ex-Jugoslawien können sich an die Kriege und die Vertreibungen erinnern, bei denen Roma Geflüchtete zweiter Klasse wurden. Schon auf der Flucht mit Rassismus konfrontiert, ging dieser in Deutschland weiter. Bei Übersetzungen der Asylanträge, in Beratungsstellen oder auch in Unterkünften wurden und werden Roma und Romnja von Angehörigen der hiesigen, aber auch von Angehörigen der Exil-Mehrheitsgesellschaften diskriminiert.
Aus der Ukraine flüchten aktuell auch Romnja und Roma und wir befürchten, dass ihnen die gleichen Bedingungen wie den Geflüchteten aus Ex-Jugoslawien bevorstehen. Denn auch die Situation der Roma und Romnja aus der Ukraine ist historisch durch Verfolgung, einen Genozid und gegenwärtig durch massiven Rassismus und zum Teil Prekarisierung über Generationen geprägt.
Das Projekt border(hi)stories – 100 Jahre Grenzgeschichte(n) setzt sich mit der Geschichte des Grenzraums von Österreich und Ungarn im 20. Jahrhundert auseinander, indem es die Narrative rund um vergangene Konflikte beleuchtet. 26 Gedenkorte erinnern an tragische Ereignisse, aber auch an grenzüberschreitende Verbindungen und Kooperationen vom Ersten Weltkrieg bis in die Gegenwart – aus ungarischer wie auch aus österreichischer Perspektive.
O projekto border(hi)stories – 100 berscha granicakeri historija pe la historijaha le granicakere thanstar andar i Austrija taj Ungriko ando bisch schelberschengero donde bescharel. Bischuschov gondolipeskere thana palgondolinen upro bibastale keriptscha, ham te pedar o granicakere prik gejipeskere phandlipschtscha taj kehtan butschalinipe le erschti themeskere haburistar dschi akan – andar ungriki taj austritiki perspektiva.
Zentralrat Deutscher Sinti und Roma verurteilt scharf den Angriff auf die Ukraine
Große Bestürzung hat die Nachricht vom russischen Angriff auf die Ukraine beim Zentralrat Deutscher Sinti und Roma ausgelöst. „Wir arbeiten seit vielen Jahren mit verschiedenen Partnern in der Ukraine eng zusammen. Wir sind zutiefst um das Leben der Menschen in der Ukraine und insbesondere um das Wohlergehen unserer Freunde und Partner besorgt“, erklärt Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats. „Dieser Angriff ist durch nichts gerechtfertigt, er verstößt gegen das Völkerrecht. Die Menschen, die vor dem Krieg fliehen, müssen auch in Deutschland Schutz finden. Wir appellieren an die Kriegsparteien, die Kampfhandlungen einzustellen und Verhandlungen zu beginnen“, so Rose weiter.
„Roma kämpfen als ukrainische Patrioten an der Seite ihrer Landsleute gegen die russischen Invasoren. Dies zeigt, dass Roma sich gemeinsam mit den demokratischen Kräften in der Ukraine kämpfend gegen die russische Aggression stellen“, sagte Rose, und weiter: „gleichzeitig sind Romafamilien, meist Frauen und Kinder auf der Flucht aus dem östlichen Landesteilen.“ „Es gibt viele Roma, die gegen die Okkupanten kämpfen, weil wir in der Ukraine geboren wurden und weil wir unsere Heimat verteidigen“, erklärte Viktor Chovka, der direkt aus Uzhhorod, Ukraine, berichtet. Andere ukrainische Medien berichten, dass Roma einen russischen Panzer erbeutet haben. In den Sozialen Medien finden sich Berichte von Roma, die als Soldaten der ukrainischen Armee an der Front kämpfen.
Eine Roma-Aktivistin der ukrainischen Jugendorganisation ARCA (Youth Agency for the Advocacy of Roma Culture) berichtet von ihrer Flucht aus dem Osten ihrer Heimat. Nach einer 23-stündigen Fahrt sei sie am Donnerstag endlich im Westen des Landes angekommen. Read the rest of this entry »