Archive for April, 2022

Vorwürfe gegen Polizei in Dresden

April 30th, 2022  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Hauptbahnhof Dresden (Foto: David McKelvey via Flickr, CC BY-NC-ND 2.0)RAN: Polizei lässt flüchten­de Ro­ma aus der Ukrai­ne in Dres­den nicht aus dem Zug

Am 8. April haben sich viele Roma-Selbst­organi­sa­tio­nen und Ini­tia­ti­ven in Hamburg ge­troffen, um am Welt-Ro­ma-Tag zu de­monstrie­ren. Als die Gruppe gegen Anti­romais­mus Dresden ge­rade nach Ham­burg fahren wollte, er­lebte sie auf dem heimat­lichen Bahnhof, wie eine Gruppe flüch­tende Romnja mit ihren Kindern von der Polizei nicht aus dem Zug ge­lassen wurde.

Die „Gruppe gegen Antiromaismus“ steht mit Ehrenamt­li­chen in Prag in Kontakt. Ak­tuell haben sie dort keine Mög­lich­keiten, Roma-Fa­milien unter­zu­bringen. Des­halb ver­suchen sie hände­ringend, die Fa­milien nach Deutschland wei­ter­zu­ver­mitteln in der Hoff­nung, dass die Situa­tion hier besser ist. Wenn sie nach Dresden wollen, holt die „Gruppe ge­gen Anti­romais­mus“ sie ab und be­gleitet sie für die weite­ren Schritte.

Am 8. April sollten nun vier Frauen und 13 Kinder in Dresden an­kommen. Mit einer Romni aus der Prager Gruppe haben die Dresd­ner:in­nen ab­ge­spro­chen, dass die flüchten­den Romnja mit dem EC aus Prag um 10.55 Uhr in Dresden Haupt­bahnhof an­kommen werden. Da die Dresd­ner:in­nen gerade auf einem anderen Bahnhof waren, um nach Ham­burg zu fahren, haben sie die Bahn­hofs­mission be­nach­richtigt und ge­beten, die Familie in Empfang zu nehmen.

Kurz nach 11 Uhr erfuhren sie von der Prager Unterstützerin, dass die Polizei die Frauen und die Kinder nicht habe aus dem Zug aus­steigen lassen. Die Be­amt:in­nen hätten den Frauen ge­sagt, sie soll­ten „nach Berlin fahren“. Das woll­ten die Frauen nicht. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (426)

April 30th, 2022  |  Published in Facts & Figures

1924 verfügte ein Runderlass des fa­schis­ti­schen Italien, dass für aus­län­di­sche „Zi­geu­ner“ keine Visa mehr aus­zu­stel­len seien.

(Quelle)

Die Roma-Band „Pretty Loud“

April 29th, 2022  |  Published in Frauenrechte, Musik, Radio, Podcast & TV

[3SAT Kulturzeit, 8.4.2022: →Beitrag ab 26:37]

„Alles ist möglich, wenn man nur will“, sagt Zlata Ristić, eine der sechs Rap­perin­nen von „Pretty Loud“ aus dem Belgrader Vorort Zemun. Das Be­son­dere an ihrer Band: Alle jungen Künstlerin­nen zwi­schen 18 und 28 Jahren sind Roma und Roma-Frauen sind meis­tens alles andere als „pretty loud“. Im Gegen­teil: sie haben sich in den männer­domi­nier­ten „Mahale“ (Roma-Siedlungen) unterzuordnen. Dort herrschen tra­ditio­nelle Rollen­muster, Zwangs­heirat von Minder­jähri­gen ist keine Selten­heit. Die Rapperinnen von „Pretty Loud“ haben genug davon. Sie alle leben in den von Armut und Drogen ge­prägten Roma-Vie­rteln, aber sie wollen ihre Com­munity wach­rütteln. Dazu rappen sie auf Serbo-Kro­atisch, Romanes und auf Englisch. Erreichen wollen sie ihre eige­nen Leute, aber auch ein Zeichen weit über die Roma-Ge­mein­schaf­ten des Balkan hinaus senden, gegen Vor­urteile und Aus­gren­zung. Und das nicht nur pretty loud, sondern mittler­weile auch pretty success­ful. Read the rest of this entry »

Fact & Figures (425)

April 28th, 2022  |  Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken

2005 verabschiedete das ukrai­ni­sche Par­la­ment eine Re­so­lu­tion, die die ört­li­chen Be­hörden an­wies, Ro­ma-Mas­sen­gräber aus dem 2. Welt­krieg zu lo­ka­li­sie­ren.

(Quelle)

Tschechien: Urteil nach Holocaustleugnung

April 25th, 2022  |  Published in Geschichte & Gedenken, Politik, Recht & Gericht

Miloslav Rozner (Foto: Pirátská strana/Wikimedia CC)„Nicht exis­tie­rendes Pseu­do-Kon­zentrations­lager“: Be­wäh­rungs­strafe für tsche­chi­schen Ex-Ab­ge­ord­ne­ten we­gen Leugnung des Roma-Holocaust

Radio Praha: Weil er den Völkermord an den Roma leugnete, ist ein ehe­maliger tsche­chischer Ab­geordneter zu einem hal­ben Jahr Ge­fängnis auf Be­währung ver­urteilt worden. Miloslav Rozner von der Rechts­außen­partei „Freiheit und direkte Demo­kratie“ (Svoboda a přímá demo­kracie, SPD) hatte 2017 das Roma-Kon­zentrations­lager in Lety als „nicht exis­tie­rendes Pseu­do-Kon­zentrations­lager“ be­zeichnet (wir berichteten). Ein Amt­gericht in Prag be­wertete dies als Leugnung des Völker­mordes an den Sinti und Roma. Das Urteil ist aller­dings noch nicht rechtskräftig.

Der ehemalige Parlamentarier lehnte bei der Gerichts­ver­handlung die Anklage ab. Seinen Aus­sagen nach wollte er mit seinen Worten nur eine Ent­scheidung der dama­ligen Re­gierung zum frü­heren KZ Lety kriti­sieren. Dieses ent­schied damals, die Schweine­mast an dem Gedenk­ort mit staat­li­chen Geldern auf­zuk­aufen.

Read the rest of this entry »

NS-Gedenkstätte Langental: Ort der Begegnung

April 22nd, 2022  |  Published in Geschichte & Gedenken, Radijo/TV Erba (Tschibtscha)

Radijo ErbaRadijo Erba & TV Erba

Tschibtscha | 20.4.2022 | 14:10 min

Sentilinipe le gondolipeskere thanestar uso pal­gon­do­lipe upro opfertscha le Romen­dar andar Langental: Than le tala­li­nipes­tar

Ande Langental Hetvinate jek gondolipeskero than le opferen­ge, save le nacijendar ando bersch 1938 dschi 1945 mur­darde ule, prado ulo. Pasche le schovar desch taj enja Romen­ge, save le naci­jendar mur­darde ule te le manu­schenge, save vasch o politi­schi vider­schtaund vaj nasvalip­tscha vaj teschtune aria­karde sina taj la NS-me­dicinake opfertscha ule, gon­dolim ol. Pal jek, jeke hangos­kere gemajn­dakere arke­ripe ando bersch duj eseri de­schuofto o ande Großwarersdorf dschiv­do kinstleri, Peter Kedl le keripeha le gondo­li­pes­kere thanestar upre dim ulo. O gendo eftarvar desch taj trin kasch­tengere seleti tschak ojs thanes­kere like­riptscha dininen. On duach srastu­nen­gere schtroafn andi glajchi dimen­si­jona arparude on. O gendo le deschuefta taj trin kasch­tungere seletendar upro doku­mentirti murdarde opfertscha ando min­den­felitike logertscha upre te sikal. O gondo­lipeskero than ande Langental i historija le Romendar te sikal taj te ma­ninel ham te andi cukunft upro latscho khetan dschivipe le min­den­felitike flo­goskere grupnen­dar upre te sikal.

Einweihung der Erinnerungsstätte für die Opfer des NS-Dik­ta­tur aus der Groß­ge­mein­de Großwarasdorf

In Erinnerung an die Frauen, Männer und Kinder aus der Gemeinde Groß­waras­dorf/Ve­liki Borištof, die von 1938 bis 1945 Opfer des National­sozialis­mus wurden, wurde am Oster­montag, dem 18. April 2022, um 15:00 Uhr die Ent­hüllung und Ein­weihung des Er­inne­rungs­denkmals und der Be­gegnungs­stätte in Langen­tal/Longitolj vor­genommen. Neben den 69 nament­lich an­geführ­ten Romnija und Roma, die wäh­rend der national­sozialis­tischen Gewalt­herr­schaft ermordet wurden, ge­denken wir auch jener vier Men­schen, die wegen ihres politi­schen Wider­standes er­mordet wurden oder denen auf Grund von Er­krankun­gen oder Be­hinderun­gen das Lebens­recht ab­gespro­chen wurde und die der NS-Medizin zum Opfer fielen. Von weite­ren hun­dert An­gehöri­gen der Langen­taler Roma-Fa­milien gibt es nach 1945 kein Lebens­zeichen mehr, ihr Schicksal ist un­bekannt. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (424)

April 18th, 2022  |  Published in Facts & Figures

Fast zwei Drittel (62% ) der Gi­ta­nos (Ro­ma) in Spanien wis­sen nicht, dass es Ge­set­ze ge­gen ras­sis­ti­sche Dis­kri­mi­nie­rung gibt.

(Quelle)

Tamás Jónás: Geröll

April 17th, 2022  |  Published in Literatur & Bücher

GeröllAusgewählte Gedichte (1994–2016)
Aus dem Ungarischen von Anne-Marie Kenessey, KLAK-Verlag: Berlin 2021

„Ich begann zu schreiben, weil ich nicht verstand, was ich tat.“

Wie niemandem im Ungarn seiner Genera­tion ge­lingt es Tamás Jónás, mit großer Tiefe und Liebe zur viel­fälti­gen Form, Licht auf soziale Ver­hält­nisse und das Schick­sal der Men­schen am Rande zu werfen. Seine Er­fahrun­gen haben sein Bewusst­sein geformt und ihn nie los­gelassen. Tamás Jónás steht unter den Ein­flüssen und in der Tradition der un­gari­schen und euro­päi­schen Literatur. Als Rom wegen seiner Herkunft als Min­der­heiten­schrift­steller ge­lesen zu werden, wird ihm nicht gerecht und lehnt er ab. Dieser Gedicht­band il­lustriert dies auf ein­drückliche Weise. Er vereint, aus­gewählt von Anne-Ma­rie Ke­nes­sey, erst­malig Gedichte aus allen acht bis­lang in Ungarn ver­öffent­lich­ten Bänden aus den Jahren 1994–2016.

Tamás Jónás ist voller Geschichten über die Armut, das Aus­ge­liefert­sein, über Schmerz, Liebe, über den Körper, über Reich­tum, Glück und da capo: über die Armut, er ist voller Ge­schich­ten und vol­ler Talent.
Péter Esterházy, ungarischer Schriftsteller und Essayist (1950–2016)

Tamás Jónás schont sich nicht, schont niemanden. Er schöpft aus dem nack­ten, pral­len, schmerz­vol­len Leben.
Anne-Marie Kenessey, Übersetzerin

Tamás Jónás, wurde 1973 im nordungarischen Ózd geboren und lebt heute in Szombathely. Er arbeitet als Pro­gram­mierer und Journalist. Bisher ver­öffent­lich­te er acht Gedicht­bände in ungari­scher Sprache. Read the rest of this entry »

Ein Roma-Mahnmal für Österreich

April 16th, 2022  |  Published in Geschichte & Gedenken

Hohes Haus: Übergabe des Positionspapiers der Roma-Volksgruppenverrteter:innen an Nationalratspräsident Sobotka (re.),  in der Mitte der Vorsitzende des Roma-Volksgruppenbeirats Emmerich Gärtner-Horvath vom Verein Roma-Service (Foto: Grüner Parlamentsclub)Genozid-Mahnmal für Roma und Sinti soll in Wien er­rich­tet wer­den: „Es gibt mitt­ler­weile bei allen po­liti­schen Par­tei­en ein Be­kennt­nis zum Mahnmal

DerStandard.at: Ein Mahnmal für den Porajmos, den Genozid an Roma und Sinti in der NS-Zeit, soll end­lich re­ali­siert wer­den. Roma- und Sin­ti-Ver­treter brach­ten am 7. April ihre For­de­rung ins Hohe Haus

[Tausende] Roma und Sinti wurden in Öster­reich während der NS-Dik­tatur er­mordet. Einen würdi­gen Ort des Gedenkens für sie gibt es aber 77 Jahre nach dem Ende des Nazi­terrors [in Wien, Anm. der Red.] immer noch nicht. Das soll sich nun end­lich ändern. Am Don­ners­tag, am Vor­abend des inter­natio­na­len Tages der Roma, wurde bei einer Feier im Par­lament ein in den letz­ten Mo­naten er­arbei­teter For­derungs­katalog ver­schiede­ner öster­reichi­scher Roma- und Sin­ti-Grup­pen über­geben.

In einem Jahr, am 8. April 2023, soll der Welt-Roma-Tag bereits bei einem be­stehen­den Mahnmal mitten in Wien statt­finden. Jeden­falls wenn es nach der Na­tional­rats­ab­geord­neten der Grünen und Gedenk­poli­tik-Spre­cherin Eva Blimlinger geht. „Es ist jetzt zu einer Eini­gung zwischen allen Grup­pen ge­kommen, was auch den Studieren­den, die das in die Hand ge­nommen haben, zu ver­danken ist“, sagt Blimlin­ger im Ge­spräch mit dem STANDARD. Konkret habe die Volks­hoch­schule Burgenland mit Gilda Horvath we­sentlich zum Gelingen bei­getragen, sagt Andreas Lehner, der die Forderun­gen für die Volks­gruppen über­geben hat, dem STANDARD. Auch die Hoch­schüler­schaft Öster­reichi­scher Roma und Romnja (HÖR) unter­stützt das Vorhaben. [Anm.: Dieses Positions­papier wurde schließ­lich im Parla­ment vom Vor­sitzen­den des Volks­gruppen­beirats Em­merich Gärt­ner-Horvath überreicht.]

Wichtig war allen Beteiligten, dass es ein zentraler Ort in der Bundes­haupt­stadt ist, im Gespräch waren etwa der Platz der Menschen­rechte oder der Ceija-Stoj­ka-Platz im sie­ben­ten, der Dr.-Karl-Lu­eger-Platz im ersten und das Alte AKH im neunten Bezirk. Read the rest of this entry »

„Hass im Netz“ / „Hosinipe ando nec“

April 13th, 2022  |  Published in Internet & Blogothek, Radijo/TV Erba (Tschibtscha), Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

Radijo ErbaRadijo Erba & TV Erba

Tschibtscha | 11.4.2022 | 5:44 min

Tagung zum Internationalen Tag der Rom_nija 2022 / Talalinipe uso Inter­na­ci­jo­na­li Ro­men­ge­ro Di, Of­fen­es Haus Oberwart, 9.4.2022

Die Tagung zum Internationalen Romatag der Roma Volks­hoch­schule Burgenland, die im Rah­men des inter­natio­na­len Pro­jektes „DREAM ROAD“ statt­findet, be­fasste sich mit der För­derung der gesell­schaftlichen Teil­habe der Rom*nija und Sin­ti*zze. Dieses Mal unter dem Ge­sichts­punkt von „Hass im Netz“. Rom­nija und Roma sind häufig Ziel solcher Hass­botschaften. Durch die schein­bare Anonymität, die das Inter­net bietet, fühlen sich manche sicher ge­nug, um ihrem Hass und Rassismus freien Lauf zu las­sen. Die Zahl der Über­griffe im Netz, auf diversen Platt­formen, Internet­seiten und auch in Foren, nimmt dabei jährlich zu.

Das Kon­zert mit moderner Romamusik gab es im An­schluss mit der Leon Berger Band.

(Beitrag: Erba TV)

ICE nach Berlin: Roma-Flüchtlinge „aussortiert“

April 9th, 2022  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Ein ICE im Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe (Foto: CC, Clic/Wikimedia Commons)Pressemitteilung der Bundesvereinigung der Sinti und Roma und RomnoKher: Ukrai­ni­sche Roma am Welt-Ro­ma-Tag aus dem ICE nach Berlin „aus­sor­tiert“. MEP Romeo Franz: „Mich er­rei­chen fast täg­lich Berichte, über Prob­leme beim Grenz­über­gang, die Ver­wei­ge­rung des Zu­gangs zu Hilfs­an­ge­boten und die Be­hand­lung als Ge­flüch­tete zwei­ter Klasse.“

Gestern, am Internationalen Roma-Tag, den 8. April 2022, wurden ca. 34 ukrai­nische Ge­flüch­tete mit romanes­spra­chi­gem Hinter­grund durch Beamte der Polizei und Mit­arbeiter der DB-Si­cher­heit aus einem ICE in Kassel-Wil­helms­höhe ge­holt. Einer der Polizei­beamten führte einen Schäfer­hund mit.

Laut Aussagen der Zeugin Sevda A. fuhr der ICE 370 Richtung Berlin-Ost­bahn­hof als in Hessen meh­rere geflüch­tete Er­wach­sene und Kinder mit Gepäck in großen Tüten ein­stiegen. Etwa eine halbe Stunde später, gegen 14 Uhr, lief, wäh­rend der Zug fuhr, die Durch­sage: „Auf­grund von ge­ge­be­nem Anlass möchten wir Sie darum bitten, Ihre Wert­sachen bei sich am Körper zu tragen.“ Eine Zug­begleiterin unter­stellte mut­maßlich, dass es sich bei den Men­schen nicht um ukrai­nische Ge­flüchtete handele und rief die Polizei. Die Deutsche Bahn bietet ukrai­nischen Geflüch­teten kosten­lose Zugfahrten an. Als der Zug in Kassel-Wil­helms­höhe hielt, stiegen mehrere Polizei­beamte ein. Einer der Beamten soll mehr­fach ge­äußert haben, dass sie jetzt hier durch­gehen und „aus­sortieren“.

Die BVSR und RomnoKher verlangen eine schnellst­mög­liche Auf­klärung der Vor­gänge gestern Nach­mittag im ICE nach Berlin. Wir haben uns bereits mit der Bundes­polizei in Ver­bindung gesetzt und werden auch die Bahn kon­taktieren.

Romeo Franz, Generalsekretär der Bundesvereinigung der Sinti und Roma e.V. kom­men­tiert:

„Ich bin schockiert von diesem Zeugenbericht und dem mut­maß­lichen Vor­gehen der Polizei­beamten und Mit­arbeitern der DB. Dass die Zahl anti­ziganis­tischer Vorfälle in Deutsch­land steigt, ist leider zu er­warten. Die Fälle, in denen ukraini­schen Roma unter­stellt wird, keine ‚echten‘ Kriegs­flüchtlinge zu sein, häufen sich. Ihnen wird unter­stellt sich Leis­tungen er­schleichen zu wollen – ein uraltes, zutiefst rassisti­sches Ressentiment. Unter den Men­schen, die aus der Ukraine in die europäi­schen Nach­bar­staaten fliehen, be­finden sich viele ukrainische Roma. Sie ge­hören zu den beson­ders vulnerablen Gruppen in diesem Konflikt, da sie teil­weise vor dem Krieg bereits in prekären Ver­hältnis­sen lebten und im Rahmen der Flucht rassis­tischer Dis­krimi­nierung aus­gesetzt sind. Read the rest of this entry »

Mandl und Schieder für Gedenktag am 2. August

April 8th, 2022  |  Published in Geschichte & Gedenken, Politik

2. August: künftig offizieller Roma-Holocaust-Gedenktag in Österreich? (Bild: RAN)Am 8. April wird in Europa der Inter­na­tio­nale Tag der Roma be­gan­gen. Die beiden Europa­abge­ord­ne­ten Lukas Mandl (ÖVP) und Andreas Schieder (SPÖ) empfeh­len, auch in Öster­reich den 2. August zum Gedenk­tag für im Natio­nal­sozia­lis­mus er­mor­dete Roma und Sinti zu er­klä­ren, wie das auf euro­päischer Ebene und in vielen Staa­ten bereits ge­tan wurde.

„Mit einer aufgeklärten und liberalen Demokratie ist untrennbar der Schutz von Minder­heiten ver­bunden. Das heutige, mo­derne Europa sowie die kultu­relle und sprach­liche Vielfalt, die damit ein­her­gehen, sind nur durch das fried­volle Zu­sammen­leben von Minder­heiten mög­lich. Dafür soll auch der Inter­nationale Tag der Roma und Sinti am 8. April sen­sibili­sieren. Minder­heiten haben Anspruch auf Erhalt und Förderung ihrer Sprachen in un­se­ren Gesell­schaf­ten“, so Lukas Mandl, Mit­glied des Aus­schusses für Justiz und Freiheits­rechte im Europa­parlament, der ergänzt: „Auf euro­päischer Ebene und in vielen Staaten ist der 2. August der offiziel­le Gedenktag für jene Roma und Sinti, die den NS-Ver­brechen zum Opfer ge­fallen sind, rund 3.000 [neuen Forschungen zufolge sogar zwischen 4.200 und 4300, Anm. d. dROMa-Red.] von ihnen im Ver­nich­tungs­lager Auschwitz an eben jenem 2. August im Jahr 1944. Ich empfehle auch heuer wieder, auch in Österreich den 2. August zum Gedenk­tag für die im national­sozialis­ti­schen Ver­brecher­staat er­mordeten Roma und Sinti zu erklären.“

Andreas Schieder ist Delegationsleiter der SPÖ im EU-Par­lament, er sagt: „Das Geden­ken an die industriel­le Ver­nichtung von Millio­nen Jüdin­nen und Juden, Roma und Sinti, Homo­sexuel­len und Anders­den­kenden durch die National­sozialis­ten ist für uns in Österreich ein beson­derer Auftrag zu erinnern, kollek­tiv Ver­antwortung zu über­nehmen und Demokratie und Rechtsstaat zu schützen. Der Porajmos, der natio­nal­sozialis­tische Völkermord an den euro­päi­schen Roma und Sinti, war ein Ver­such der kollektiven Ver­nichtung, ist im histori­schen Gedenken aber nach wie vor unter­reprä­sentiert. Daneben ist die Geschichte der Roma und Sinti in Europa auch nach Ende des Krieges eine Ge­schichte von Aus­grenzung, Dis­kriminie­rung und Armut, auch in Öster­reich. Read the rest of this entry »

Welt-Roma-Tag im Parlament

April 8th, 2022  |  Published in Politik, Veranstaltungen & Ausstellungen

Diskussionsveranstaltung zum Welt-Roma-Tag. Roma-Strategie 2030 (© Parlamentsdirektion/Johannes Zinner)Roma: Einsatz der EU für mehr Gleichstellung, Inklusion und Teilhabe: Diskussionsveranstaltung zur Roma-Strategie 2030 der Euro­pä­i­schen Union im ös­ter­rei­chi­schen Par­lament

Der erste Welt-Roma-Kongress 1971 in London gilt als der Beginn der Roma-Bür­ger­rechts­bewe­gung. Seit­­dem finden am 8. April welt­weit Aktions­tage statt, um auf die Anliegen der Roma auf­merk­sam zu machen. An­läss­lich des Welt-Ro­ma-Tages lud Natio­nal­rats­prä­sident Wolfgang Sobotka heute zur Diskus­sions­ver­anstaltung „Ro­ma-Stra­tegie 2030“ im Parlament in der Hofburg. Ex­per­tin­nen und Ex­perten sprachen dabei über die euro­päi­sche Situa­tion der Volksgruppe.

Die Roma-Strategie 2030 der EU formuliert die Ziele der Gleich­stellung, Inklu­sion und Teil­habe der Roma und fokus­sierte dabei auf die Bereiche Bildung, Be­schäfti­gung und Wohnen. Um die Ziele des EU-Rahmens in allen Mit­glied­staaten zu er­reichen, sei es von ent­scheiden­der Be­deutung, dass die rich­tigen Maß­nahmen er­griffen werden, um eine Ver­besserung für die Volks­gruppe der Roma in Europa zu bewirken, so der Tenor der Ver­anstaltung. Read the rest of this entry »

»Es heißt, sie würden sich nur bereichern wollen«

April 6th, 2022  |  Published in Interview, Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte

Ukrainische Roma am Mannheimer Bahnhof (Foto: Bahnhofshelfer Mannheim/Facebook)Aus der Ukraine flüchtenden Roma und Sinti wird vieler­orts mit anti­ziga­nis­ti­schen Res­sen­timents be­ge­gnet. Auch in Deutsch­land. Die Tages­zeitung junge Welt hat mit un­se­rer Kol­le­gin (und dROMa-Autorin) vom Lan­des­ver­band Baden-Württem­berg Chana Dischereit ge­sprochen.

Chana Dischereit ist Wissenschaftliche Re­fe­ren­tin für Poli­tik und Re­fe­ren­tin für Pres­se- und Öf­fent­lich­keits­arbeit beim Ver­band Deut­scher Sinti und Roma, Landes­ver­band Ba­den-Württem­berg. Inter­view: jW/Fa­bi­an Lin­der.

Neben anderen sind auch viele Menschen mit Roma­ni-Hin­ter­grund auf der Flucht aus der Ukraine. Bei deren An­kunft in Deutschland er­lebten diese Un­gleich­behand­lung, kriti­sieren Sie und ver­weisen auf einen Fall aus Mannheim (wir berichteten). Was ist dort passiert?
Am 23. März sind flüchtende Menschen mit Roma­­ni-Hin­ter­grund am Mann­heimer Bahnhof an­ge­kommen. Ehren­amtli­che Helfer empfingen und be­gleite­ten die in der Nacht An­gereisten zu Räum­lich­keiten der Deutschen Bahn, die für Ge­flüchtete bereit­stehen. Beschäf­tigte der DB-Si­cher­heit äußer­ten dort, »solche Men­schen« kämen hier nicht rein. Ver­wiesen wurde auf Dieb­stähle und Ver­schmutzun­gen. Durch diese »Klientel« sei schon mehr­fach die »Hütte« leer­geräumt worden. So gaben Zeugen die Aus­sagen der Sicher­heits­leute wieder. Dann kam die Bundes­polizei dazu. Es waren immer mehr Sicher­heits­leute an­wesend, darunter auch eine Beamtin, die einen Dober­mann-Hund privat mit­führte. Das Ganze ent­sprach einer für die Schutz­suchen­den ver­stören­den Droh­kulisse. Beim Ge­spräch mit der Bahn einen Tag später wur­den diese Fehler ein­ge­standen.

Das alles war äußerst traumatisierend, auch für die Helfer. Infolge dieser chaoti­schen Situa­tion kam es nicht einmal zur Erst­hilfe mit Lebens­mitteln. Ande­re ukrainische Geflüch­tete wiederum hatten zeit­gleich keine Proble­me dabei, in die Unter­kunft zu kommen.

Wie erklären Sie sich dieses Vorgehen?
Wir sehen vor allem in Stresssituationen an Bahnhöfen, Län­der­grenzen oder in den Not­unter­künf­ten, dass Men­schen auf anti­ziga­nisti­sche Stereo­type zurück­greifen. Read the rest of this entry »

Einweihung der NS-Gedenkstätte in Kemeten

April 4th, 2022  |  Published in Geschichte & Gedenken, Radijo/TV Erba (Tschibtscha)

Radijo ErbaRadijo Erba & TV Erba

Tschibtscha | 4.4.2022 | 8.08 min

Sentelinipe le palgondolipeskere tha­nes­tar le opfe­ren­ge la NS-dik­ta­tu­ratar Ke­metate

Upro gondolipe le dschuvlenge, murschenge taj tscha­ven­ge Kemetatar, save andar o bersch des­chuenja tranda taj ofto dschi deschu­enja schtar­vardesch taj pantsch opfertscha le naci­jo­nal­soci­jalis­musis­tar ule, adi ando teme­tischi Kemetate gon­dolim ulo. Opfertscha sina Romnja taj Roma, dschi­dovkiji taj dschio­dovtscha, manu­scha; save politischi vider­schtaund kerde taj manuscha, save nas­vale sina taj savenge o dschivi­peskero tschatschipe lim ulo taj afka on la NS-medi­cinjatar opfertscha ule. Interesirti dschenen o schajipe odoj hi, o histo­rischi infor­ma­ciji pedar o Kemeten­gere opfe­rengere grupn jeke QR-Code-iha tel te vrischtscha­nel. Le mula­tintscha­goha le Keme­takere opferen­ge gondolim te ol taj afka jek than le pal­gon­doli­peske taj gon­doli­peske dim te ol.

In Erinnerung an die Frauen, Männer und Kinder aus Keme­ten (Be­zirk Oberwart), die von 1938 bis 1945 Opfer des Natio­nal­sozialis­mus wurden, wurde heute im Fried­hof in Kemeten ge­dacht. Zu den Opfern zählten Romni­ja und Roma, Jüdinnen und Juden, Men­schen, die politi­schen Wider­stand leiste­ten, und Menschen, denen auf Grund von Erkran­kungen oder Behin­derungen das Lebens­recht ab­gespro­chen wurde und die der NS-Medizin zum Opfer fielen. Read the rest of this entry »

Samuel Mago: Begrabt mich im Stehen

April 4th, 2022  |  Published in Radio, Podcast & TV

Samuel Mago (Foto: ORF/Sandra Herbsthofer)Ö1/Gedanken für den Tag, 4.4.2022: Die Stärke einer Volksgruppe – Zum Tag der Ro­ma und Sin­ti (8.4.) von Sa­mu­el Ma­go, Schrift­stel­ler, Künst­ler und Ro­ma-Ak­ti­vist

o romanisthan si
sa i evropa
katar lisabon zhi kaj istanbul
thaj sako them kaj atjaras ame khere

Die Sprache der Roma und Romnja, Sinti und Sintizze heißt Romanes. Sie wird in allen Ländern Europas ge­spro­chen, in über 30 Dia­lekten. Für mich ist das Roma­nes eine der schöns­ten Sprachen, die exis­tie­ren. Das Romanes ent­hält Wörter aus so vielen euro­päi­schen Spra­chen von Istanbul bis Lissabon, dass man wohl sagen kann, es ist eine der euro­päischs­ten Sprachen, die es über­haupt gibt.

Auf Romanes gibt es zwei Sprichworte, die ich immer wie­der sehr gerne zitiere. Eines lau­tet, „Nashtig te zhas vorta, kana bango-j o drom“ – auf Deutsch heißt das so viel wie: „du kannst nicht gera­de aus gehen, wenn sich der Weg neigt“. Ich wider­spreche diesem Sprich­wort sehr gerne. Denn dort, wo sich der Weg nach rechts neigt, dort müs­sen wir alles dafür tun, den Weg wieder gera­de zu biegen, in Rich­tung Demo­kratie, Toleranz und einer gleich­berech­tig­ten Ge­sell­schaft.

Ein anderes altes Sprichwort der Roma und Romnja lautet: Begrabt mich im Stehen, denn ich knie schon mein gan­zes Leben. Dass es so alt ist, sieht man daran, dass Roma in Europa seit Jahr­hunder­ten Dis­kriminie­rung, Xenophobie und Rassismus aus­gesetzt waren und bis heute sind. Read the rest of this entry »

Die gefährlichste Frau der Welt

April 3rd, 2022  |  Published in Frauenrechte, Kunst & Fotografie

Selma Selman, Platinum, 2021. (Foto: Damir Šagolj/Kunstraum Innsbruck)Selma Selman: The Most Dangerous Woman in the World

Kunstraum Innsbruck, 11.3.2022 bis 21.5.2022. Kuratiert von Ivana Marjanović

→Zum Video der Performance

Kunstraum Innsbruck: In einem ihrer Selbst­porträts auf Alt­me­tall de­­fi­niert sich Selma Selman als „the most dangerous woman in the world“. Gefähr­lich für wen? Auf­gewachsen in einer Roma-Com­munity in Bosnien-Her­ze­go­wina, in ihren Lebens- und Arbeits­mög­lich­keiten extrem durch Rassismus ein­ge­schränkt (ihre Familie lebt vom Sammeln und Recyceln von Metall­abfall), zer­legt die Künstlerin heute nicht nur „Autos, Wasch­maschinen und das Patriarchat“*, son­dern sie greift vor allem die Grenzen des Klassen-Ras­sismus an. Ob in kraft­vollen Per­for­mances, in intimen und ex­pressiven Porträts und Selbst­porträts oder in der Malerei, die mit Ironie und Humor das Leben der Com­munity, Stereo­type und Eman­zipation kom­mentiert, immer ist Selmans Arbeit von enormer Handlungs­macht durch­drungen.

Ihr Statement „Meine Familie verwandelt Metallabfall in eine wert­volle Ressource des Über­lebens“ muss über per­sönli­che Erfah­rungen hinaus gelesen werden. Selma Selmans künst­leri­sches Medium, Malerei auf Altmetall, verweist auf die rassiali­sier­ten Lebens- und Arbeits­bedin­gungen der Roma, die sich im Zuge der kapitalis­tischen Transition der ver­armten Nach­kriegs­gesell­schaft ver­schlechterten. Wie viele Roma auf dem Balkan, hat Selma Selman von Kindheit an in der infor­mel­len Ökonomie des Recyclings ge­arbeitet: Sie unter­stützte ihre Familie beim Sammeln von Metall­abfall und beim Verkauf an Recycling­unter­neh­men. Nachdem sie diese total ent­wertete Arbeit hinter sich lassen konnte, ohne jedoch ihren Kontext zu ver­leugnen, hinter­fragt Selmans künst­lerische Praxis Prozesse der Wert­produk­tion in Bezug auf Arbeit und Arbeiter*innen durch weiße Privi­legien und Zugang zu Bildung. „Wir sind Intel­lek­tuelle“ malt sie auf ein Autodach. Diese Kritik an einer elitären Auf­fassung von Wissens­(re)pro­duktion ist auch ein affir­matives Statement im Kampf um ein wert- und würde­volles Leben.

Selma Selmans Familie, ihr Handwerk und ihre Fertigkeiten haben eine ent­scheidende Rolle in ihrer Arbeit als soziale und künst­le­rische Struktur, als Wissens­reservoir, aber auch als Ort von Liebe, Am­bi­valenz und Kompli­zen­schaft mit der patriarcha­len Matrix der Macht. Die Familien­mit­glieder und ihre Community werden oft por­trätiert und sind in ihre Projekte in­volviert. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (423)

April 2nd, 2022  |  Published in Facts & Figures

Im Europavergleich wer­den Ro­ma in den Lehr­plä­nen für Ge­schich­te/So­zi­al­kun­de/Geo­gra­fie am häu­figs­ten in Deutsch­land an­ge­führt, in Ös­ter­reich gar nicht.

(Quelle)