Archive for April, 2022

Vorwürfe gegen Polizei in Dresden

April 30th, 2022  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Hauptbahnhof Dresden (Foto: David McKelvey via Flickr, CC BY-NC-ND 2.0)RAN: Polizei lässt flüchten­de Ro­ma aus der Ukrai­ne in Dres­den nicht aus dem Zug

Am 8. April haben sich viele Roma-Selbst­organi­sa­tio­nen und Ini­tia­ti­ven in Hamburg ge­troffen, um am Welt-Ro­ma-Tag zu de­monstrie­ren. Als die Gruppe gegen Anti­romais­mus Dresden ge­rade nach Ham­burg fahren wollte, er­lebte sie auf dem heimat­lichen Bahnhof, wie eine Gruppe flüch­tende Romnja mit ihren Kindern von der Polizei nicht aus dem Zug ge­lassen wurde.

Die „Gruppe gegen Antiromaismus“ steht mit Ehrenamt­li­chen in Prag in Kontakt. Ak­tuell haben sie dort keine Mög­lich­keiten, Roma-Fa­milien unter­zu­bringen. Des­halb ver­suchen sie hände­ringend, die Fa­milien nach Deutschland wei­ter­zu­ver­mitteln in der Hoff­nung, dass die Situa­tion hier besser ist. Wenn sie nach Dresden wollen, holt die „Gruppe ge­gen Anti­romais­mus“ sie ab und be­gleitet sie für die weite­ren Schritte.

Am 8. April sollten nun vier Frauen und 13 Kinder in Dresden an­kommen. Mit einer Romni aus der Prager Gruppe haben die Dresd­ner:in­nen ab­ge­spro­chen, dass die flüchten­den Romnja mit dem EC aus Prag um 10.55 Uhr in Dresden Haupt­bahnhof an­kommen werden. Da die Dresd­ner:in­nen gerade auf einem anderen Bahnhof waren, um nach Ham­burg zu fahren, haben sie die Bahn­hofs­mission be­nach­richtigt und ge­beten, die Familie in Empfang zu nehmen.

Kurz nach 11 Uhr erfuhren sie von der Prager Unterstützerin, dass die Polizei die Frauen und die Kinder nicht habe aus dem Zug aus­steigen lassen. Die Be­amt:in­nen hätten den Frauen ge­sagt, sie soll­ten „nach Berlin fahren“. Das woll­ten die Frauen nicht. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (426)

April 30th, 2022  |  Published in Facts & Figures

1924 verfügte ein Runderlass des fa­schis­ti­schen Italien, dass für aus­län­di­sche „Zi­geu­ner“ keine Visa mehr aus­zu­stel­len seien.

(Quelle)

Die Roma-Band „Pretty Loud“

April 29th, 2022  |  Published in Frauenrechte, Musik, Radio & TV

[3SAT Kulturzeit, 8.4.2022: →Beitrag ab 26:37]

„Alles ist möglich, wenn man nur will“, sagt Zlata Ristić, eine der sechs Rap­perin­nen von „Pretty Loud“ aus dem Belgrader Vorort Zemun. Das Be­son­dere an ihrer Band: Alle jungen Künstlerin­nen zwi­schen 18 und 28 Jahren sind Roma und Roma-Frauen sind meis­tens alles andere als „pretty loud“. Im Gegen­teil: sie haben sich in den männer­domi­nier­ten „Mahale“ (Roma-Siedlungen) unterzuordnen. Dort herrschen tra­ditio­nelle Rollen­muster, Zwangs­heirat von Minder­jähri­gen ist keine Selten­heit. Die Rapperinnen von „Pretty Loud“ haben genug davon. Sie alle leben in den von Armut und Drogen ge­prägten Roma-Vie­rteln, aber sie wollen ihre Com­munity wach­rütteln. Dazu rappen sie auf Serbo-Kro­atisch, Romanes und auf Englisch. Erreichen wollen sie ihre eige­nen Leute, aber auch ein Zeichen weit über die Roma-Ge­mein­schaf­ten des Balkan hinaus senden, gegen Vor­urteile und Aus­gren­zung. Und das nicht nur pretty loud, sondern mittler­weile auch pretty success­ful. Read the rest of this entry »

Fact & Figures (425)

April 28th, 2022  |  Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken

2005 verabschiedete das ukrai­ni­sche Par­la­ment eine Re­so­lu­tion, die die ört­li­chen Be­hörden an­wies, Ro­ma-Mas­sen­gräber aus dem 2. Welt­krieg zu lo­ka­li­sie­ren.

(Quelle)

Tschechien: Urteil nach Holocaustleugnung

April 25th, 2022  |  Published in Geschichte & Gedenken, Politik, Recht & Gericht

Miloslav Rozner (Foto: Pirátská strana/Wikimedia CC)„Nicht exis­tie­rendes Pseu­do-Kon­zentrations­lager“: Be­wäh­rungs­strafe für tsche­chi­schen Ex-Ab­ge­ord­ne­ten we­gen Leugnung des Roma-Holocaust

Radio Praha: Weil er den Völkermord an den Roma leugnete, ist ein ehe­maliger tsche­chischer Ab­geordneter zu einem hal­ben Jahr Ge­fängnis auf Be­währung ver­urteilt worden. Miloslav Rozner von der Rechts­außen­partei „Freiheit und direkte Demo­kratie“ (Svoboda a přímá demo­kracie, SPD) hatte 2017 das Roma-Kon­zentrations­lager in Lety als „nicht exis­tie­rendes Pseu­do-Kon­zentrations­lager“ be­zeichnet (wir berichteten). Ein Amt­gericht in Prag be­wertete dies als Leugnung des Völker­mordes an den Sinti und Roma. Das Urteil ist aller­dings noch nicht rechtskräftig.

Der ehemalige Parlamentarier lehnte bei der Gerichts­ver­handlung die Anklage ab. Seinen Aus­sagen nach wollte er mit seinen Worten nur eine Ent­scheidung der dama­ligen Re­gierung zum frü­heren KZ Lety kriti­sieren. Dieses ent­schied damals, die Schweine­mast an dem Gedenk­ort mit staat­li­chen Geldern auf­zuk­aufen.

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NS-Gedenkstätte Langental: Ort der Begegnung

April 22nd, 2022  |  Published in Geschichte & Gedenken, Radijo/TV Erba

Radijo ErbaRadijo Erba & TV Erba

Tschibtscha | 20.4.2022 | 14:10 min

Sentilinipe le gondolipeskere thanestar uso pal­gon­do­lipe upro opfertscha le Romen­dar andar Langental: Than le tala­li­nipes­tar

Ande Langental Hetvinate jek gondolipeskero than le opferen­ge, save le nacijendar ando bersch 1938 dschi 1945 mur­darde ule, prado ulo. Pasche le schovar desch taj enja Romen­ge, save le naci­jendar mur­darde ule te le manu­schenge, save vasch o politi­schi vider­schtaund vaj nasvalip­tscha vaj teschtune aria­karde sina taj la NS-me­dicinake opfertscha ule, gon­dolim ol. Pal jek, jeke hangos­kere gemajn­dakere arke­ripe ando bersch duj eseri de­schuofto o ande Großwarersdorf dschiv­do kinstleri, Peter Kedl le keripeha le gondo­li­pes­kere thanestar upre dim ulo. O gendo eftarvar desch taj trin kasch­tengere seleti tschak ojs thanes­kere like­riptscha dininen. On duach srastu­nen­gere schtroafn andi glajchi dimen­si­jona arparude on. O gendo le deschuefta taj trin kasch­tungere seletendar upro doku­mentirti murdarde opfertscha ando min­den­felitike logertscha upre te sikal. O gondo­lipeskero than ande Langental i historija le Romendar te sikal taj te ma­ninel ham te andi cukunft upro latscho khetan dschivipe le min­den­felitike flo­goskere grupnen­dar upre te sikal.

Einweihung der Erinnerungsstätte für die Opfer des NS-Dik­ta­tur aus der Groß­ge­mein­de Großwarasdorf

In Erinnerung an die Frauen, Männer und Kinder aus der Gemeinde Groß­waras­dorf/Ve­liki Borištof, die von 1938 bis 1945 Opfer des National­sozialis­mus wurden, wurde am Oster­montag, dem 18. April 2022, um 15:00 Uhr die Ent­hüllung und Ein­weihung des Er­inne­rungs­denkmals und der Be­gegnungs­stätte in Langen­tal/Longitolj vor­genommen. Neben den 69 nament­lich an­geführ­ten Romnija und Roma, die wäh­rend der national­sozialis­tischen Gewalt­herr­schaft ermordet wurden, ge­denken wir auch jener vier Men­schen, die wegen ihres politi­schen Wider­standes er­mordet wurden oder denen auf Grund von Er­krankun­gen oder Be­hinderun­gen das Lebens­recht ab­gespro­chen wurde und die der NS-Medizin zum Opfer fielen. Von weite­ren hun­dert An­gehöri­gen der Langen­taler Roma-Fa­milien gibt es nach 1945 kein Lebens­zeichen mehr, ihr Schicksal ist un­bekannt. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (424)

April 18th, 2022  |  Published in Facts & Figures

Fast zwei Drittel (62% ) der Gi­ta­nos (Ro­ma) in Spanien wis­sen nicht, dass es Ge­set­ze ge­gen ras­sis­ti­sche Dis­kri­mi­nie­rung gibt.

(Quelle)

Tamás Jónás: Geröll

April 17th, 2022  |  Published in Literatur & Bücher

GeröllAusgewählte Gedichte (1994–2016)
Aus dem Ungarischen von Anne-Marie Kenessey, KLAK-Verlag: Berlin 2021

„Ich begann zu schreiben, weil ich nicht verstand, was ich tat.“

Wie niemandem im Ungarn seiner Genera­tion ge­lingt es Tamás Jónás, mit großer Tiefe und Liebe zur viel­fälti­gen Form, Licht auf soziale Ver­hält­nisse und das Schick­sal der Men­schen am Rande zu werfen. Seine Er­fahrun­gen haben sein Bewusst­sein geformt und ihn nie los­gelassen. Tamás Jónás steht unter den Ein­flüssen und in der Tradition der un­gari­schen und euro­päi­schen Literatur. Als Rom wegen seiner Herkunft als Min­der­heiten­schrift­steller ge­lesen zu werden, wird ihm nicht gerecht und lehnt er ab. Dieser Gedicht­band il­lustriert dies auf ein­drückliche Weise. Er vereint, aus­gewählt von Anne-Ma­rie Ke­nes­sey, erst­malig Gedichte aus allen acht bis­lang in Ungarn ver­öffent­lich­ten Bänden aus den Jahren 1994–2016.

Tamás Jónás ist voller Geschichten über die Armut, das Aus­ge­liefert­sein, über Schmerz, Liebe, über den Körper, über Reich­tum, Glück und da capo: über die Armut, er ist voller Ge­schich­ten und vol­ler Talent.
Péter Esterházy, ungarischer Schriftsteller und Essayist (1950–2016)

Tamás Jónás schont sich nicht, schont niemanden. Er schöpft aus dem nack­ten, pral­len, schmerz­vol­len Leben.
Anne-Marie Kenessey, Übersetzerin

Tamás Jónás, wurde 1973 im nordungarischen Ózd geboren und lebt heute in Szombathely. Er arbeitet als Pro­gram­mierer und Journalist. Bisher ver­öffent­lich­te er acht Gedicht­bände in ungari­scher Sprache. Read the rest of this entry »

Ein Roma-Mahnmal für Österreich

April 16th, 2022  |  Published in Geschichte & Gedenken

Hohes Haus: Übergabe des Positionspapiers der Roma-Volkssgruppenvertarer:innen an Nationalratspräsident Sobotka (re.),  in der Mitte der Vorsitzende des Roma-Volksgruppembeirats Emmerich Gärtner-Horvath vom Verein Roma-Service (Foto: Grüner Parlamentsclub)Genozid-Mahnmal für Roma und Sinti soll in Wien er­rich­tet wer­den: „Es gibt mitt­ler­weile bei allen po­liti­schen Par­tei­en ein Be­kennt­nis zum Mahnmal

DerStandard.at: Ein Mahnmal für den Porajmos, den Genozid an Roma und Sinti in der NS-Zeit, soll end­lich re­ali­siert wer­den. Roma- und Sin­ti-Ver­treter brach­ten am 7. April ihre For­de­rung ins Hohe Haus

[Tausende] Roma und Sinti wurden in Öster­reich während der NS-Dik­tatur er­mordet. Einen würdi­gen Ort des Gedenkens für sie gibt es aber 77 Jahre nach dem Ende des Nazi­terrors [in Wien, Anm. der Red.] immer noch nicht. Das soll sich nun end­lich ändern. Am Don­ners­tag, am Vor­abend des inter­natio­na­len Tages der Roma, wurde bei einer Feier im Par­lament ein in den letz­ten Mo­naten er­arbei­teter For­derungs­katalog ver­schiede­ner öster­reichi­scher Roma- und Sin­ti-Grup­pen über­geben.

In einem Jahr, am 8. April 2023, soll der Welt-Roma-Tag bereits bei einem be­stehen­den Mahnmal mitten in Wien statt­finden. Jeden­falls wenn es nach der Na­tional­rats­ab­geord­neten der Grünen und Gedenk­poli­tik-Spre­cherin Eva Blimlinger geht. „Es ist jetzt zu einer Eini­gung zwischen allen Grup­pen ge­kommen, was auch den Studieren­den, die das in die Hand ge­nommen haben, zu ver­danken ist“, sagt Blimlin­ger im Ge­spräch mit dem STANDARD. Konkret habe die Volks­hoch­schule Burgenland mit Gilda Horvath we­sentlich zum Gelingen bei­getragen, sagt Andreas Lehner, der die Forderun­gen für die Volks­gruppen über­geben hat, dem STANDARD. Auch die Hoch­schüler­schaft Öster­reichi­scher Roma und Romnja (HÖR) unter­stützt das Vorhaben. [Anm.: Dieses Positions­papier wurde schließ­lich im Parla­ment vom Vor­sitzen­den des Volks­gruppen­beirats Em­merich Gärt­ner-Horvath überreicht.]

Wichtig war allen Beteiligten, dass es ein zentraler Ort in der Bundes­haupt­stadt ist, im Gespräch waren etwa der Platz der Menschen­rechte oder der Ceija-Stoj­ka-Platz im sie­ben­ten, der Dr.-Karl-Lu­eger-Platz im ersten und das Alte AKH im neunten Bezirk. Read the rest of this entry »

„Hass im Netz“ / „Hosinipe ando nec“

April 13th, 2022  |  Published in Internet & Blogothek, Radijo/TV Erba, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

Radijo ErbaRadijo Erba & TV Erba

Tschibtscha | 11.4.2022 | 5:44 min

Tagung zum Internationalen Tag der Rom_nija 2022 / Talalinipe uso Inter­na­ci­jo­na­li Ro­men­ge­ro Di, Of­fen­es Haus Oberwart, 9.4.2022

Die Tagung zum Internationalen Romatag der Roma Volks­hoch­schule Burgenland, die im Rah­men des inter­natio­na­len Pro­jektes „DREAM ROAD“ statt­findet, be­fasste sich mit der För­derung der gesell­schaftlichen Teil­habe der Rom*nija und Sin­ti*zze. Dieses Mal unter dem Ge­sichts­punkt von „Hass im Netz“. Rom­nija und Roma sind häufig Ziel solcher Hass­botschaften. Durch die schein­bare Anonymität, die das Inter­net bietet, fühlen sich manche sicher ge­nug, um ihrem Hass und Rassismus freien Lauf zu las­sen. Die Zahl der Über­griffe im Netz, auf diversen Platt­formen, Internet­seiten und auch in Foren, nimmt dabei jährlich zu.

Das Kon­zert mit moderner Romamusik gab es im An­schluss mit der Leon Berger Band.

(Beitrag: Erba TV)