Tschechien: Urteil nach Holocaustleugnung
April 25th, 2022 | Published in Geschichte & Gedenken, Politik, Recht & Gericht
„Nicht existierendes Pseudo-Konzentrationslager“: Bewährungsstrafe für tschechischen Ex-Abgeordneten wegen Leugnung des Roma-Holocaust
Radio Praha: Weil er den Völkermord an den Roma leugnete, ist ein ehemaliger tschechischer Abgeordneter zu einem halben Jahr Gefängnis auf Bewährung verurteilt worden. Miloslav Rozner von der Rechtsaußenpartei „Freiheit und direkte Demokratie“ (Svoboda a přímá demokracie, SPD) hatte 2017 das Roma-Konzentrationslager in Lety als „nicht existierendes Pseudo-Konzentrationslager“ bezeichnet (wir berichteten). Ein Amtgericht in Prag bewertete dies als Leugnung des Völkermordes an den Sinti und Roma. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig.
Der ehemalige Parlamentarier lehnte bei der Gerichtsverhandlung die Anklage ab. Seinen Aussagen nach wollte er mit seinen Worten nur eine Entscheidung der damaligen Regierung zum früheren KZ Lety kritisieren. Dieses entschied damals, die Schweinemast an dem Gedenkort mit staatlichen Geldern aufzukaufen.
Das sogenannte „Zigeunerlager“ im südböhmischen Lety bestand von 1940 bis 1943. Unmittelbar dort starben fast 330 tschechische Roma, über 500 weitere wurden nach Auschwitz verschleppt.
[Anm. d. dROMa-Red.: Die Partei wurde 2015 von Tomio Okamura als Abspaltung der Partei Úsvit přímé demokracie (Úsvit, deutsch: Morgendämmerung der direkten Demokratie) gegründet. Bei den Parlamentswahlen 2017 erzielte sie 22 bzw. 2019 20 Mandate (10,64, bzw. 9,56 % der Stimmen). SPD ist somit die viertgrößte Partei des Landes. Im EU-Parlament ist sie innerhalb der Fraktion Identität und Demokratie, als Schwesternpartei u.a. der FPÖ, mit zwei Abgeordneten vertreten. Bereits 2019 war der ehmalige SPD-Generalsekretär Jaroslav Staník wegen Volksverhetzung, u.a. gegen die Volksgruppe der Roma, zu einer einjährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden.]
(Text: Radio Praha)