Deutscher Antiziganismus-Beauftragter ernannt

März 11th, 2022  |  Published in Einrichtungen, Politik

Der neue Antiziganismus-Beauftragte Mehmet Daimagüler (Foto: Land NRW / M. Hermenau)Deutsche Bundesregierung beruft erst­mals Anti­ziga­nis­mus-Be­auf­trag­ten: Mehmet Daimagüler über­nimmt neues Amt im Bun­des­familien­mi­nis­te­rium

Der Rechtsanwalt Dr. Mehmet Daimagüler wird der erste Beauf­tragte der Bundes­regie­rung gegen Anti­ziganis­mus und für das Leben der Sinti und Sin­tizze sowie Roma und Romnja in Deutschland. Das hat das Bundes­kabinett in seiner Sitzung am 9. März be­schlos­sen. Der Be­auftragte ist im Bundes­ministe­rium für Familie, Senio­ren, Frauen und Jugend an­gesiedelt und wird die Maß­nahmen der Bundes­regie­rung gegen Antiziganismus ko­ordi­nieren.

Bundesfamilienministerin Anne Spiegel:
„Sinti*ze und Rom*nja kämpfen in Deutschland mit Jahrhunderte alten, tiefsitzenden Vorurteilen in weiten Teilen der Mehr­heits­gesell­schaft und zu­nehmen­der An­feindung und sehen sich einer wach­senden Radika­li­sierung in der rechts­extremen Szene aus­gesetzt. Mit der Berufung eines Anti­ziganis­mus-Be­auf­trag­ten setzt die Bundes­regierung heute ein klares Signal, dass wir der Dis­kriminie­rung, Aus­gren­zung und An­feindung von Sinti*ze und Rom*nja nicht taten­los zusehen. Für das Amt konnten wir mit Mehmet Daima­güler einen enga­gierten Anwalt für die Be­trof­fenen von Men­schen­feind­lich­keit, Hass und Gewalt ge­winnen. Er wird sich mit aller Kraft für die Belange der Sinti*ze und Rom*nja in unserem Land einsetzen und für die Rechte der Opfer von Ant­iziganis­mus ein­treten.“

Zu seiner Ernennung erklärt Mehmet Daimagüler:
„Die Bekämpfung des Antiziganismus muss ressortübergreifend und auf allen Ebenen an­gegan­gen werden, im Bund wie in den Ländern. Da viele Maß­nahmen in der Zu­ständig­keit der Länder liegen, werde ich mich für die Ein­richtung einer ständigen Bund-Länder-Kom­mission ein­setzen. Die Heraus­for­derun­gen sind nur gemein­sam mit den Commu­nities der Sinti und Roma zu bewäl­tigen. Den Bericht der Un­abhän­gigen Kommission Anti­ziganismus verstehe ich als eine wich­tige Ressource für meine Arbeit. Beson­ders am Herzen liegt mir die Ein­richtung einer Kommission zur Aufarbeitung des Unrechts nach 1945. Die Ermordung Hun­dert­tausender Sinti und Roma im National­sozialis­mus blieb weit­gehend un­gesühnt. Auch ihre Aus­grenzung und Dis­kriminie­rung endete nicht 1945, son­dern setzte sich im Nach­kriegs­deutschland fort und dauert bis heute an. Eine ehrliche Aus­einander­setzung mit diesem Teil unse­rer Ge­schichte und Ge­genwart ist überfällig.“

Der Antiziganismus-Beauftragte der Bundesregierung unterstützt als An­sprech­partner in der Bundes­regie­rung die Belange der Sinti und Sintiz­ze sowie Roma und Romnja in Deutschland. Er soll mit den be­teiligten Bundesministerien Maßnahmen gegen Anti­ziganismus koordi­nieren und die Nationale Strategie „Antiziganis­mus bekämpfen, Teilhabe sichern!“ weiter­entwickeln und um­setzen. Dazu gehören auch die Ein­richtung einer Natio­nalen Ko­ordinie­rungs­stelle zur Um­setzung der EU-Roma-Stra­tegie 2030 sowie der Aufbau einer zivilgesellschaftlichen Monitoring- und Infor­mations­stelle zur Erhebung anti­ziganisti­scher Übergriffe. Zudem fun­giert der Anti­ziganis­mus-Be­auf­tragte als zentraler Ansprech­partner der Bundes­regierung für die Com­mu­nities der Sinti und Sintizze sowie Roma und Romnja.

Mehmet Daimagüler, geboren 1968 in Siegen, ist Rechtsanwalt und Buchautor. Regel­mäßig steht er Opfern von politisch moti­vier­ten Hass­verbrechen vor Gericht zur Seite. Be­kannt wurde er vor allem als Vertreter der Neben­klage im Münchner NSU-Prozess. Er vertrat jüdische Über­lebende ebenso wie Über­lebende des Völkermords an den Sinti und Roma in Verfahren gegen ehe­malige An­gehörige der KZ-Wach­mann­schaften. Auch im Ulmer Prozess gegen fünf Rechts­extremisten, die 2019 einen Brandanschlag auf eine Roma-Fa­milie verübt hatten, war er Neben­klage­vertreter. Als Lehr­beauftragter der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin unter­richtete er Polizei­beamte und -be­amtinnen in Grund- und Menschen­rechten und sprach regel­mäßig an Polizei­hochschulen und auf Tagungen der Polizei über Themen wie Racial Profiling. In den ver­gange­nen Jahren hat er regel­mäßig an Infor­mations- und Auf­klärungs­ver­anstal­tungen zu Rassismus und Men­schenfeindlichkeit in ganz Deutschland teil­ge­nommen, wobei ihm der Austausch mit Schülerin­nen und Schülern ein be­sonderes Anliegen ist.

(Text: Pressemitteilung des BMFSFJ)

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