Archive for Oktober, 2016

Frankreichs Mitschuld an Roma-Verfolgung

Oktober 31st, 2016  |  Published in Geschichte & Gedenken

Lagerstraße in Montreuil-Bellay, Frankreich 1944Hollande übernimmt Verantwor­tung für Roma-Ver­fol­gung 1940–1946 (sic!)

Anlässlich einer Gedenkfeier im ehemali­gen „Zi­geu­ner“-In­­ter­­nie­­rungs­­la­ger in Montreuil-Bellay in der Nähe von Saumur (Maine-et-Loire, West­frank­reich) hat Staats­prä­si­dent François Hollande erst­mals die Mit­schuld Frank­reichs an der Ver­fol­gung Tau­sen­der Roma und Sinti wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs an­er­kannt. Die fran­zö­si­sche Re­pub­lik erin­nere sich eines Dramas, das all­zu lange ver­drängt und ver­ges­sen wor­den sei, sag­te Hol­lande in sei­ner An­spra­che. Tau­sen­de von Män­nern, Frau­en und Kindern sei­en ver­haf­tet und in La­gern in­ter­niert wor­den, nur weil sie dem „fah­ren­den Volk“ an­ge­hör­ten, er­klärte Hol­lande. Der Fest­akt fand im Ge­den­ken an die Befrei­ung der letz­ten „Zigeu­ner“-Häft­linge vor 70 Jah­ren statt. Die Deutsche Welle über die histo­ri­schen Hin­ter­gründe:

In Montreuil-Bellay (…) befand sich das landes­weit größ­te Inter­nie­rungs­lager. Ins­ge­samt wur­den in Frank­reich 31 Lager für Roma ein­ge­rich­tet, in de­nen von 1940 bis 1946 zwi­schen 6.000 und 6.500 Men­schen un­ter­gebracht wa­ren. Schon 1912 war die neue Be­völ­ke­rungs­kate­go­rie „Nomaden“ ein­ge­führt wor­den, die sich aus­schließ­lich auf „Tsiganes“, also so­ge­nann­te „Zigeu­ner“, be­zog. Die In­ter­nie­run­gen ab 1940 fan­den so­wohl in der von Deutschen be­setz­ten Zone als auch in der unbesetz­ten Zone statt. Viele Roma muss­ten Zwangs­arbeit leis­ten. In den Lagern lit­ten viele In­sas­sen un­ter Hunger und Krank­heiten. Die letz­ten von ihnen wur­den im Jahr 1946 befreit, knapp zwei Jahre nach Ende der deut­schen Be­satzung.

(dROMa)

Facts & Figures (145)

Oktober 29th, 2016  |  Published in Facts & Figures

In Ungarn er­schei­nen elf sub­ven­tio­nier­te Wo­chen­zei­tun­gen in Min­der­hei­ten­spra­chen; fünf da­von sind Ro­ma-Me­di­en.

(Quelle)

Gedenktafel für die Holzschläger Roma

Oktober 26th, 2016  |  Published in Geschichte & Gedenken, Veranstaltungen & Ausstellungen

Polizeifotos verschleppter und später ermordeter Holzschläger Roma; v. l. n. r.: Rupert Papai (geb. 1905), Gisella Papai (geb. 1906), Ludwig Papai (geb. 1907) (Foto: Mri historija)Enthüllung der Gedenktafel in Erin­ne­rung an die er­mor­de­ten Holz­schlä­ger Roma

Fr., 28.10.2016, 18:00 Uhr: Evang. Kirche / Fried­hof, Un­ter­kohl­stät­ten, Holz­schlag

Andacht mit Pfarrer Dr. Gerhard Harkam und Pfar­rer Se­bas­ti­an Edakarottu in der evan­ge­li­schen Kir­che Holz­schlag

1937 hatte Holzschlag (Bezirk Oberwart, Burgenland) mit 661 Personen die höchste Ein­woh­ner­zahl, 310 Per­sonen wa­ren da­von als Roma re­gistriert. Nach dem Zwei­ten Welt­krieg war die Zahl der Be­völ­ke­rung durch die De­por­ta­tion der Ro­ma auf 341 ge­sun­ken. Nur 28 von den 310 zu­vor in Holz­schlag le­ben­den Ro­ma kehr­ten ins Dorf zu­rück. Die De­por­ta­tion der Holz­schlä­ger Ro­ma, die alle re­gistriert wa­ren, er­folg­te in zu­min­dest drei Pha­sen. Zuerst wur­den 1939 arbeits­fähige Män­ner ab­ge­holt. In der Nacht zum 31. Ok­to­ber 1941 kam die SS/SA ein zwei­tes Mal und hol­te alle Ro­ma aus ih­ren Häu­sern. Im April 1943 wur­den dann die letz­ten ver­blie­be­nen Roma de­por­tiert.

(Text: VHS Roma)

Einer der wenigen Roma, die die NS-Verfolgung über­lebten und nach der Be­frei­ung nach Holz­schlag zurück­kehr­ten, war Anton Papai. Roma-Service hat ihn für die Zeit­zeu­gen­edition Mri historija in­ter­viewt: „Draußen im Dorf …“ (Mri his­to­ri­ja, Son­der­rei­he dROMa, 5/15)

Weyer: Gedenksteine für ermordete Kinder

Oktober 25th, 2016  |  Published in Geschichte & Gedenken

Stolpersteine in Weyr (Foto: OÖN)Fünf Jahre nach der Verle­gung von acht Stolpersteinen mit­ten auf einer Stra­ßen­kreu­zung in Weyer (Ober­öster­reich) ist es ge­lun­gen, diesen kleinen Gedenk­ort der Erinnerungs­stätte Lager Weyer wür­di­ger zu platzie­ren. Die Sanie­rung der Straße gab Gelegen­heit, die sym­bo­li­schen Gedenk­steine auf einem neu ge­stal­te­ten Strei­fen zwi­schen der Straße und dem ehe­ma­li­gen Ter­ror­ge­län­de des „Zi­geu­ner­­an­hal­te­­la­gers St. Pan­ta­leon-Weyer“ zu si­tuie­ren.

Die in den Boden eingelassenen Steine erin­nern an die Kin­der, die im La­ger den Tod fan­den, sowie an die Säug­linge, die im Lager ge­boren und nach der Depor­ta­tion im be­setz­ten Polen er­mor­det wurden. Die Gedenk­steine „sind aus­schließ­lich Klein­kindern ge­wid­met, die im NS-Lager für Roma und Sinti in Weyer ge­boren wur­den. Sie starben dort oder nach der Auf­lö­sung des Lagers in Polen“, sagte der Autor Ludwig Laher, Ob­mann des Vereins Er­in­ne­rungs­stätte Lager Weyer im Innviertel, in seiner An­spra­che bei der Gedenk­feier am 15. Ok­to­ber. Der Jour­na­list Martin Kranzl-Greinecker erin­nerte an­schlie­ßend an die weit­gehend ver­ges­sene Opfer­grup­pe der Kinder von Zwangs­arbei­terin­nen. Etwa 200.000 Kinder wurden von Zwangs­arbei­terin­nen ge­boren. Sie wurden ihren Müt­tern weg­ge­nom­men und in spe­ziel­le Heime ge­steckt; an die 300 solcher An­stal­ten gab es im Deut­schen Reich. Viele der Kinder kamen in den Hei­men ums Leben.

In dem nationalsozialistischen „Zigeuneranhaltelager St. Pantaleon-Weyer“ wa­ren von Jänner bis No­vem­ber 1941 meh­rere Hun­dert Sinti und Roma inter­niert. Nach der Auf­lö­sung des Lagers wurden die rund 300 über­leben­den Häft­linge über Lackenbach nach Łódź (Ghetto Litzmannstadt) de­por­tiert. Sie alle wurden er­mordet.

(dROMa)

Anti-Roma-Proteste in Polen

Oktober 24th, 2016  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte

Kundgebung polnischer Nationalisten (Foto: news.pn)Rassistische Proteste gegen Roma in der polnischen Provinz


Gemeinden in der Woiwodschaft Kleinpolen ver­su­chen Roma um­zu­sie­deln oder wol­len deren Zu­zug ver­hin­dern. Bür­ger­meis­ter se­hen in Ro­ma eine Ge­fahr für die öf­fent­li­che Ord­nung. Ein­woh­ner/in­nen pro­tes­tie­ren und sam­meln Un­ter­schrif­ten ge­gen Ro­ma. Der der­zeit all­ge­mein stark an­wach­sen­de Ras­sis­mus in Polen trifft auch ge­ra­de die dort le­ben­de Ro­ma-Min­der­heit.

EcoleUsti: Schon seit längerem sind Roma in Limanowa, einer pol­ni­schen Klein­stadt nahe der slo­wa­ki­schen Grenze, An­fein­dun­gen und Be­dro­hun­gen aus­ge­setzt. Ende ver­gan­ge­nen Jahres fan­den sich ras­sis­ti­sche Schmiere­reien an den Wän­den von Häusern, die von Roma be­wohnt werden. Darun­ter die For­mu­lie­run­gen: „Macht euch für die Ver­nich­tung bereit“, „Raus aus Polen, ihr Lumpen“, „Polen den Polen“, „Tod den Feinden des Vater­lan­des“ sowie wei­tere sehr expli­zite Vulgaris­men. Scheiben und Schein­werfer von Autos, die Roma ge­hören, wur­den ein­geschla­gen. Auch ein Wahl­plakat der rechts­extre­men Korwin-Partei mit der Parole „Nein zu einem islami­schen Viertel in unse­rer Stadt“ fand sich wohl nicht zu­fällig in dem von Roma be­wohn­ten Areal. Der ohne­hin gras­sie­rende Hass auf Flüchtlinge und Muslim/innen scheint di­rekt auf die Roma über­tra­gen zu wer­den.

Die Roma in Limanowa leben teilweise in miserab­len Ver­hält­nis­sen, auf engstem Raum ohne Heizung in durch­feuch­te­ten, teils abriss­wür­di­gen Häusern. Stadt und Ge­meinde dienen diese Zustände nun als Anlass, um die Roma aus­zu­siedeln. Seit bald einem Jahr wird ver­sucht, mehrere Fami­lien in ande­ren Gemeinden unter­zu­bringen, da dort angeb­lich güns­ti­gere und ge­eigne­tere Im­mobi­lien vor­zu­finden seien. Lima­no­wa nutzt dafür Gelder aus einem Regie­rungs­programm zur In­tegra­tion von Roma.

Die Roma selbst wollen den Ort eigentlich nicht ver­lassen. Trotz der proble­ma­ti­schen Wohn­situa­tion, den Feind­selig­keiten und Angrif­fen fühlen sie sich in Limavnowa zu­hause, ha­ben hier ihr bekann­tes Umfeld. Außer­dem wissen sie, dass sie in ande­ren Gemein­den eben­falls un­erwünscht sind. Mit­glieder der Roma-Com­mu­nity be­haup­ten nun, dass sie von den städtischen Behörden unter Druck ge­setzt wur­den, einem Aus­zug zu­zu­stim­men. Man drohe mit Abriss. Strom und Wasser wer­den bereits ab­gedreht. Der Bür­ger­meis­ter ver­weigert den Roma das Recht auf kom­mu­nale Dienst­leistun­gen wie den Ab­transport von Müll, was zu einer An­samm­lung von Abfall­bergen vor deren Wohn­haus führt.

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Ischkolakero sikadipe pedar i Romengeri kultura

Oktober 23rd, 2016  |  Published in Jugend & Bildung

castillaCastilla-León ojs erschti espanitiki regijona i kul­tura taj his­to­rija le espa­ni­tike Ro­men­dar (Gitanos) ando sika­dipes­kero plan ande lela. Imar jeke tscha­tschi­pes­kere ardi­peha ande oja regi­jona ando feberi jek butja­keri grupn le arbu­tscha­li­ni­peha sika­di­pes­kere mate­ri­ja­len­dar ar kerdo ulo. Use hi – pasche o 14 sika­di­pes­kere eksper­tscha – te schov Gitano-or­ga­ni­sa­ci­jon­tscha. „Sar odoj schaj ol, hot o tscha­ve i histo­rija la Espa­ni­jatar sik­lon, kaj oni i flogos­keri grupn le Gita­nosen­dar jefkar ang­le perel? Pal 500 berscha le khetan dschi­vi­pes­tar meg mindig lenca oda kerdo ol, hot on sar avre themes­kere te ov­nahi“, phe­nel o Fernando Rey, sche­ro le isch­kola­kere birov­tscha­gos­tar andar Castilla taj León taj agu­no angle ter­tschardo dsche­no andar Fundación Secretariado Gitano (FSG). „Dschi­a­kan meg nisch­ta ando sika­di­pes­kero plan ter­dschol“, phe­nel o Diego Fernández, di­rek­teri andar o Instituto de Cultura Gitana la El Paísa­ke: Akan imar cajt hi, kaj i his­to­rija taj kultura le Gita­no­sen­dar „ando isch­koli te dikel taj te schu­nel hi, kaj o tscha­ve o es­be­lipe te usch­tiden, hot len­geri kultura ando isch­koli jek than hi, taj o avre isch­ko­lasch­tscha len fe­der te hajon“.

(dROMa)

E-Theses: Gegenöffentlichkeit der Roma (2015)

Oktober 21st, 2016  |  Published in Hochschulschriften, Literatur & Bücher, Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft, dROMa (Magazin)

Universität Wien Raffaela Gmeiner (2015): Essentialistische Gegen­öf­fent­lich­keit der Roma in Österreich. Min­der­heiten­medien als Stra­te­gie zur Aus­balan­cie­rung anti­ziga­nis­ti­scher Medien­bericht­er­stat­tun­gen sei­tens bür­ger­li­cher Medien

Magisterarbeit, Universität Wien (Fakultät für Sozial­wis­sen­schaf­ten), 144 S.

→Download der UB Wien (pdf)

Abstract: (…) Vor allem Volks­grup­pen­an­ge­hö­rige der Roma werden von der „bür­ger­lichen“ Öffent­lich­keit oft aus­ge­schlos­sen und von den Massen­medien meist stereo­typi­siert re­prä­sen­tiert. Um dem anti­ziga­nis­ti­schen Diskurs in den Medien ent­gegen­zu­wirken, muss es zur Etab­lie­rung einer Gegen­öffent­lich­keit der Roma kom­men: Minder­heiten­medien und Gegen­bericht­erstat­tun­gen in Mainstreammedien können zur medialen Aus­balan­cie­rung bei­tra­gen. Die vor­lie­gen­de Arbeit ver­knüpft ak­tuel­le Öffent­lich­keits­theo­rien mit dem Problem des medial ver­brei­te­ten Anti­ziganis­mus und fo­kus­siert auf das Poten­tial alter­na­tiver Medien. (…) Aus kom­muni­ka­tions­wissen­schaft­li­cher Perspek­tive haben Medien wich­ti­ge soziale Funk­tio­nen und sollen zur inter­kultu­rellen me­dia­len Integra­tion bei­tra­gen. Im Falle der Roma wirken Medien jedoch eher des­integra­tiv, es kommt zur Kon­struk­tion proble­ma­ti­scher Fremd­bilder, die aus medien­ethischer Per­spek­tive höchst diskus­sions­bedürf­tig er­schei­nen. Die Arbeit geht der Frage nach, wie anti­ziganis­ti­sche Medien­bericht­er­stat­tung aus­balan­ciert werden kann und welche gegen­öffent­li­chen Strate­gien dabei An­wen­dung fin­den. Dabei wird das Ver­hält­nis zwi­schen Min­der­heiten- und Massen­medien unter­sucht. Die em­piri­sche Studie geht in­duktiv vor und erforscht idio­graphisch am „Fall Maria“, wie Mehr­heits- und Minder­heiten­medien das Er­eig­nis dar­stell­ten. Mittels quali­ta­tiver Inhalts­analy­se wur­den Zeitungs­berichte in einem Zeit­raum von drei Monaten unter­sucht. Im Fall Maria kam es zur Ver­öffent­li­chung fal­scher Informa­tio­nen und zur Konstruk­tion pre­kärer Diskurs­frag­mente. (…) Die große An­zahl nega­tiver Zeitungs­berichte konn­te von den Roma­maga­zi­nen nicht aus­balan­ciert werden. Je­doch kam es in­ner­halb der Main­stream­medien zu gegen­öffent­li­chen Mei­nungs­äuße­run­gen: V.a. nicht­redak­tio­nel­le Bei­träge, wie etwa Kom­men­ta­re, Kolumnen und ein Leserbrief kriti­sier­ten die anti­ziganis­ti­schen Dar­stel­lungs­weisen. (…) Die Stärkung einer es­sentia­lis­ti­schen Gegen­öffent­lich­keit der Roma in Österreich erweist sich in Anbetracht der Studie als dringlich.

Die Berichterstattungen der Mainstreamzeitungen zum Fall Maria waren von stereo­typen Bildern und anti­ziga­nis­ti­schen Mut­maßun­gen ge­prägt. Der mediale Diskurs über den Fall Maria setz­te sich aus meh­re­ren proble­ma­ti­schen Diskurs­frag­men­ten zu­sam­men: Genetik, Rassi­fi­zie­rung, Kindes­ent­füh­rung, Kinder­han­del, Sozial­betrug, Klein­krimi­na­li­tät, Betteln, Armut, aber auch Selbst­re­fle­xion der Me­dien. Es kam zur Ver­brei­tung fal­scher und schlecht re­cher­chier­ter In­for­ma­tion sowie zu pre­kä­ren Dar­stel­lungs­weisen der Volks­grup­pen­an­ge­hö­ri­gen. Die weni­gen Roma­zeit­schrif­ten hat­ten auf­grund ihrer gerin­gen An­zahl und der lan­gen Publi­ka­tions­perio­den kaum eine Chance, dem mas­sen­medial ver­brei­te­ten Anti­ziganis­mus ent­gegen­zu­wir­ken. Nur zwei Roma­zeit­schriften (Romano Centro und dROMa) setz­ten sich mit dem Fall Maria auseinan­der, wo­hin­ge­gen die Mehr­heits­zei­tungen ins­ge­samt 67 Bericht­er­stat­tun­gen dazu ver­öf­fent­lich­ten. Read the rest of this entry »

Unterrichtsmaterialien: Romane Thana

Oktober 20th, 2016  |  Published in Geschichte & Gedenken, Internet & Blogothek, Jugend & Bildung

Romane Thana„Romane Thana“ gibt Ein­blicke in die Lebens­situa­tion von Roma und Sinti in Öster­reich und erzählt deren Ge­schich­te und Ge­schich­ten.

Auf Basis der erfolgreichen Ausstellung Romane Thana – Orte der Roma und Sinti (2015 im Wien Museum, der­zeit noch bis 13. No­vem­ber im Pro­jekt­raum der Landes­gale­rie Burgenland) wur­den Materialien für den Un­ter­richt er­stellt, um Schü­ler/in­nen ab der 5. Schul­stufe die Ge­schich­te und Lebens­wirk­lich­kei­ten von Roma/Rom­nija und Sinti/Sin­tize näher zu brin­gen. www.romane-thana.at unter­stützt Lehrer/in­nen da­bei, diese The­men im Unterricht zu be­han­deln. Die Seite bie­tet einen Über­blick über die Aus­stel­lung, Ver­mittlungs­texte, Er­klä­run­gen für Lehrende, Arbeits­blät­ter, Stun­den­bilder, einen Metho­den­katalog und ein aus­führ­li­ches Le­xi­kon. Das Unter­richts­mate­rial kann in vielen Va­rian­ten, ins­beson­dere in den Fächern Geschichte und Sozial­kunde/Po­li­ti­sche Bil­dung, Geografie und Wirt­schafts­kunde und Deutsch, bzw. auch fächer­über­grei­fend ver­wen­det werden.

Das Projekt wurde von Romano Centro in Kooperation mit der Initia­tive Min­der­hei­ten, dem Wien Museum, dem Landes­museum Burgenland und dem Kultur­ser­vice Bur­gen­land im Auftrag des Bun­des­ministe­riums für Bildung durch­ge­führt.

(Text: Romano Centro)

Wien bekommt Ilija-Jovanović-Park

Oktober 19th, 2016  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Einrichtungen, Literatur & Bücher, Veranstaltungen & Ausstellungen

Wien: Ilija-Jovanovic-Platz (Foto: wien.gv.at)

Wiener Park wird nach dem Lyriker Ilija Jovanović benannt – Feier zur Benennung am 22. Oktober 2016, 14 Uhr

Der Park am Wildgansplatz wird nach dem Lyriker Ilija Jovanović be­nannt. Ilija Jova­no­vić war einer der Grün­der des Vereins Romano Centro, der sei­nen Sitz direkt am Park hat und sich seit 25 Jah­ren für Roma ein­setzt. Ro­ma­no Centro hat die Be­nen­nung an­ge­regt, um seinen lang­jähri­gen Obmann zu ehren und um die Leis­tun­gen von Roma und Romnja in der Öf­fent­lich­keit sicht­bar zu ma­chen. Bezirk und Stadt haben die Be­nen­nung be­für­wor­tet und am Sams­tag, 22. Okto­ber 2016 ist es end­lich so­weit: Die Namens-Tafel wird feier­lich ent­hüllt.

Ilija Jovanović (1950-2010)

Ilija Jovanović, wurde 1950 in einer Romasiedlung in Rumska (Serbien) ge­bo­ren. Trotz der schwie­ri­gen Lebens­bedin­gun­gen ge­lang es dem Vater, Ilija schon früh für Literatur zu be­geis­tern. 1970 kam Ilija Jova­no­vić nach Österreich, er fass­te in Wien Fuß und be­gann neben seiner Arbeit im AKH zu schrei­ben, zu­nächst in Serbisch, spä­ter in Deutsch und in seiner Mutter­spra­che Romanes. Er en­ga­gier­te sich in meh­reren zivil­gesell­schaft­li­chen Or­gani­sa­tio­nen, vor allem im Romano Centro, das er 1991 ge­mein­sam mit ande­ren be­grün­dete und des­sen Obmann er viele Jahre war. Die Lern­hilfe für Roma, die der Verein seit über 20 Jahren durch­führt und die Hun­der­ten von Kindern zu schu­li­schem Erfolg ver­holfen hat, geht auf seine Ini­tia­tive zu­rück.

Ilija Jovanović hat seine Gedichte in drei eigenen Lyrik­bänden und zahl­rei­chen Antho­logien ver­öffent­licht. Er er­hielt meh­rere Aus­zeich­nun­gen, u.a. den Theodor-Körner-Preis 1999 und den Exil-Lyrik-Preis 2010. Im Jahr 2008 wurde ihm das Bundes-Ehren­zeichen für Ver­dienste um den inter­kultu­rel­len Dialog ver­liehen. Eine beson­dere Aus­zeich­nung für ihn war, dass die Litera­tur­nobel­preis­trä­gerin Elfriede Jelinek das Nach­wort zu sei­nem letz­ten Buch ver­fasst hat. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (144)

Oktober 18th, 2016  |  Published in Facts & Figures

Die Sowjetunion an­er­kann­te die Ro­ma 1925 als na­tio­na­le Min­der­heit mit dem Recht auf mut­ter­sprachl. Un­ter­richt in Ro­ma­nes.

(Quelle)

Servus Del tuha (oktoberi 2016)

Oktober 17th, 2016  |  Published in Radio, Podcast & TV

sszdORF 2 Burgenland: Servus Szia Zdravo Del tuha
9to oktoberi 2016
>>>TVthek

I nevi Roma online-platforma, o nascha­ji­pe la Wal­pur­ga Hor­vatha­tar, savi o loge­ri prik dschiv­dscha, O Romen­gero mu­latin­tscha­go „Opre Heroes“, o Theo­dor-Kra­mer-usch­ti­dipe le Ste­fan Hor­vathis­ke taj o ter­ne Rom­nija Ma­nue­la Hor­vath uso Ro­men­gero la­di­pe Cejis­te taj Chris­tina Hor­vath pre erschti artschi­ji­peha o tem­tscha ada­la ak­tu­jeli sen­dun­ga­tar hi.

Manuela Horvath in Mariazell (Foto: volksgruppen.orf.at)„Interkultureli posicijontscha andi kunst“ — but­schol o anav le art­schi­ji­pestar andi thanes­keri gale­ri­ja Burgenland, ka­tar i mo­de­ra­tor­kija Katha­ri­na Janoska le use di­kasch­kijen taj use dikasch­tschen schu­kar aka­rel. O artschi­ji­pes­kere verktscha donde pu­men be­scha­ren le „Avren­ca“, ham te le „Ajge­niha“, savo daru­tnon ulo. Te di­kel le dschi ando 18. de­cem­beri hi.

Nevi Roma online-platforma — Sajt 2011 butscha­linel i re­gi­rung i „Natcij­o­na­li stra­te­gija usi inklu­si­jona le Romen­dar dschi 2020“. Sridon kira­tiske ando bun­des­kanc­leris­kero birov­tschago usi „Epasch cajt“ jek masch­karut­ni bilanc cidim ulo taj i nevi Roma online-plat­forma ang­le tertschar­di uli.

Ande palgondolipe: Walpurga Horvath — Ando kes­dipe le sep­tem­be­ristar i lejcti burgen­lan­di­tiki cajta­keri ceugin le porajmo­sistar, i Wal­pur­ga Horvath, savi o loger­tscha prik dschiv­dscha ande Matters­burg uso grobo ledschim uli. I Wal­pur­ga Hor­vath 92 berscha phu­rani uli. Ojs terni tschaj oj le nacijen­dar an­dar Trausdorf khe­tan pra phen­jaha ando logeri ledschim uli. I dschi­vi­pes­keri historija la Wal­purga Horvathatar jek falato hi andar i cajt­ceugn doku­men­ta­cija „Mri Historija“ – ar­dim le farajn Roma-Ser­vicejistar. Read the rest of this entry »

Berlin: The Journey / Drom

Oktober 16th, 2016  |  Published in Film & Theater, Rassismus & Menschenrechte

Welturaufführung in Berlin: "The Journey-Drom" (Foto: The Journey)Premiere (in englischer Sprache):
Do., 27. Oktober 2016 | 20:00 Uhr,
ehem. Stummfilmkino Delphi

Weitere Vorstellungen:
Fr., 28.10. | 20:30 Uhr, Gorki Theater Studio Я
Sa., 29.10. | 20:00 Uhr, ehem. Stummfilmkino Delphi
Anschließend Gastspiele in Budapest und Novi Sad

THE JOURNEY / DROM ist ein kollaboratives The­a­ter­projekt von Roma- und Nicht-Roma-Künstlern und -Orga­ni­sa­tio­nen, wel­ches eine künstle­rische Platt­form bietet, um die Ge­schich­ten von Roma, wel­che aus dem Norden Serbiens über Ungarn nach Deutschland ge­kom­men sind, zu er­zäh­len. Vor wel­chen Um­ständen sind sie ge­flohen? Mit wel­chen Schwie­rig­keiten hat­ten sie auf ihrer Reise zu kämpfen? Was waren ihre Träume – und was ist daraus ge­wor­den? Für Roma aus dem Westbalkan ist die Strecke zwi­schen Novi Sad, Budapest und Berlin oft der ein­zige Weg, um nach Deutschland zu ge­langen und Asyl zu be­antra­gen. Hof­fend auf ein bes­seres Leben, neh­men viele die über 1.050 km in über­füll­ten und un­siche­ren Fahr­zeugen – oder sogar zu Fuß – auf sich, um einen Neu­an­fang im Un­be­kann­ten zu wagen, wäh­rend sie ihre Heimat und fa­miliä­ren Wur­zeln hin­ter sich lassen.

Der Prozess
Durch Aufenthalte der Künstler in den drei Städten werden wahre Ge­schich­ten von Roma ge­sam­melt, welche diese Reise unter­nom­men ha­ben. Sie dienen als Grund­lage für die Ent­wick­lung einer Bühnen­pro­duk­tion sowie der Publi­ka­tion einer Fotonovelle. Das multi­kul­tu­rel­le Ensemble von Künst­lern aus Deutsch­land, Serbien und Ungarn wid­met sich der Poetik und Politik des „Unter­wegs­seins“ („ando drom“). Es be­leuch­tet, was Roma-Identität und -Kultur heute aus­macht Read the rest of this entry »

„Eine wahnsinnig komplexe Angelegenheit“

Oktober 15th, 2016  |  Published in Film & Theater, Interview, Jugend & Bildung

Regisseur Stefan Ludwig (Foto: budapester.hu)Interview der Budapester Zeitung mit Stefan Ludwig, Regisseur des Dokumentarfilms „Der zornige Buddha“ (mehr hier und hier)

Herr Ludwig, wie kommt ein Dokumentarfilm­macher aus Deutsch­land, der in Öster­reich lebt, dazu, einen Film über eine buddhis­tische Schule für Roma in Ost­ungarn zu dre­hen? Wie sind Sie zu dem exo­ti­schen Thema ge­kommen?
St. L.: Ich finde es gar nicht exotisch. Ich denke, es ist ein uni­ver­sel­les Thema und die Situa­tion in Sajókaza steht bei­spiel­haft für jede Situa­tion, in der Men­schen von Bildung aus­ge­schlos­sen sind. Al­ler­dings hat­te ich mich zuvor nur wenig mit Ungarn be­schäf­tigt. 2011 wurde ich durch die Er­eig­nis­se in Gyöngyöspata auf die Si­tua­tion der un­ga­ri­schen Roma auf­merk­sam. Dort mar­schier­ten para­militä­rische Trup­pen in Roma­siedlun­gen auf und sorg­ten tage­lang für Angst. Ich habe mich damals ge­fragt: ‚Was ist da eigent­lich los?‘ und habe be­gon­nen, mich mit dem Thema aus­einan­der­zu­setzen. Ich bin dann auf einen Arti­kel von János Orsós ge­stoßen. Er be­schreibt darin, wie er als Rom seinen Weg zu Bildung ge­fun­den hat und dass er selbst nach dem Diplom noch das Gefühl hatte, sich be­wei­sen zu müs­sen. Er ist sein Leben lang auf der Suche und findet erst in Indien das Positiv­bei­spiel, das ihm die Hoff­nung gibt, dass auch seine eige­nen Leute ihre Lage ver­bes­sern können. Das fand ich eine große, span­nen­de Ge­schich­te. Ich habe mit ihm Kontakt auf­ge­nom­men und bin dann bald das erste Mal hin­ge­fah­ren, um zu re­cher­chieren.

Wie ging es dann weiter?
Ich durfte wochenlang bei ihnen Gast sein und hatte meine eige­ne Matratze im buddhisti­schen Gemeinde­zentrum, wo sie auch schla­fen. Man gab mir über­ra­schend viel Zu­gang zur Schule, ich konnte so­gar im Unterricht ein- und aus­gehen. Die Schüler sind nicht schüch­tern, wenn es darum geht, ins Gespräch zu kom­men – im Gegen­teil, sie fan­gen sogar schnell an, einen aufs Korn zu nehmen, sagen einem zum Bei­spiel un­anstän­dige Wörter und freuen sich, wenn man sie nach­spricht. Doch sie sind auch un­glaub­lich kamera­scheu und gerade, wenn es darum geht, ernst­haft zu werden und darüber zu reden, wer sie sind, was für Träu­me sie haben und was sie sich vom Leben er­war­ten, sind sie sehr zurück­hal­tend. Read the rest of this entry »

Servus Szia Zdravo Del tuha (Okt. 2016)

Oktober 14th, 2016  |  Published in Radio, Podcast & TV

sszdORF 2 Burgenland: Servus Szia Zdravo Del tuha
Sendung vom 9. Oktober 2016
>>>TVthek

Die neue Roma-Online-Plattform, der Ver­lust der KZ-Über­leben­den Wal­pur­ga Hor­vath, das Roma­fest „Opre Heroes“, der Theo­dor-Kra­mer-Preis­trä­ger Ste­fan Hor­vath und die jun­gen en­ga­gier­ten Rom­nija Ma­nue­la Hor­vath bei der Pilger­fahrt nach Maria­zell und Chris­tina Hor­vath mit ihrer ers­ten Aus­stel­lung sind die The­men der ak­tuel­len Sen­dung.

Roma-Plattform im Bundeskanzleramt (Foto: ORF.at)„Interkulturelle Positionen in der Kunst“ — lautet der Titel der Aus­stel­lung in der Landes­Galerie Bur­genland, von der die Mo­de­ra­to­rin Katha­rina Janoska die Zu­se­herin­nen und Zu­seher be­grüßt. Die aus­ge­stell­ten Werke be­fas­sen sich mit dem „An­de­ren“, aber auch mit dem „Eige­nen“, das fremd ge­wor­den ist. Zu sehen sind sie bis zum 18. Dezember.

Neue Roma Online-Plattform — Seit 2011 be­treibt die Regie­rung die „Natio­nale Stra­te­gie zur Inklu­sion der Roma bis 2020“. Mitt­woch­abend wurde im Bun­des­kanz­ler­amt zur „Halb­zeit“ Zwi­schen­bilanz ge­zogen und die neue Roma-On­line-Platt­form vor­ge­stellt.

In Erinnerung: Walpurga Horvath — Von der Öf­fent­lich­keit un­be­merkt wurde An­fang Sep­tem­ber die letzte bur­gen­län­di­sche Zeugin des Poraj­mos, die KZ-Über­leben­de Walpurga Horvath in Mat­ters­burg zu Grabe ge­tragen. Wal­purga Hor­vath wur­de 92 Jahre alt. Als jun­ges Mäd­chen wurde sie von den Scher­gen des Nazi-Regimes in ihrem Geburts­ort Trausdorf ver­schleppt und zu­sam­men mit ihrer Schwes­ter de­por­tiert. Die ganze Lebens­ge­schich­te von Walpurga Horvath ist Teil der Zeit­zeugen­dokumen­ta­tion „Mri Historija“ – heraus­ge­ge­ben vom Verein Roma-Service. Sie soll die Er­in­nerun­gen der KZ-Über­leben­den vor dem Ver­gessen be­wahren.

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20 Jahre Roma Rights Journal

Oktober 13th, 2016  |  Published in Einrichtungen, Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht, Wissenschaft

ERRC (Foto errc.org)Genau vor zwanzig Jahren veröffentlichte das European Roma Rights Centre (ERRC) die allererste Ausgabe seines „Roma Rights Journal“, eines Magazins, das sich – über lan­ge Zeit als eines von nur sehr we­ni­gen aka­demi­schen Pub­li­ka­tions­medien – mit der Min­der­heit der Roma be­fass­te. Im Rückblick auf die Anfän­ge ihres Mediums lässt die in Budapest an­säs­sige inter­natio­na­le Men­schen­rechts-NGO heute durchaus Opti­mis­mus er­ken­nen: „Es ist er­mu­ti­gend zu sehen, wie weit wir in den letz­ten zwan­zig Jahren ge­kom­men sind.“ So man­cher Miss­stand, der das Leben der Roma-Gemein­schaft vor zwanzig Jahren ge­prägt hat­te, hät­te heute, 54 Aus­ga­ben spä­ter (sie­ben davon waren Dop­pel­nummern), einiges an Bri­sanz ver­loren:

In 1996, the state of Roma rights in Europe was very dif­fe­rent to the situa­tion we see today. Looking back at the issues that are men­tioned in this first edition, it is encouraging to note that many of these atro­ci­ties are no lon­ger a constant pre­sence in the lives of Roma in Europe. No matter how dis­heartening the fight for Roma Rights can be, it is em­bol­dening to see how far we have come in the last twen­ty years. Read the rest of this entry »

Dauerhafter Erhalt der Grabstätten

Oktober 12th, 2016  |  Published in Dokumente & Berichte, Geschichte & Gedenken

Dauerhafter ErhaltDauerhafter Erhalt der Grabstätten NS-ver­folg­ter Sinti und Roma. Do­ku­men­ta­tion zur Vor­lage bei der Bun­des­regie­rung (= Schriften­reihe des Zentralrats Deut­scher Sinti und Roma, Band 10), Heidel­berg 2016.

>>PDF-Download der Broschüre

In Deutschland existieren schätzungs­weise 2.600 Grab­stät­ten von Über­lebenden des natio­nal­sozia­lis­ti­schen Völker­mords an den Sinti und Roma. Der Zentral­rat Deut­scher Sinti und Roma setzt sich da­für ein, dass diese Gräber dauer­haft als Fami­lien­gedächt­nis­stät­ten und als öf­fent­liche Lern­orte in staat­liche Obhut ge­nom­men wer­den. Die vor­lie­gen­de Doku­men­ta­tion er­läu­tert den Stand der Um­setzung in den ver­schie­de­nen Bundes­ländern, die unter­schied­li­chen der­zeit gege­be­nen Mög­lich­kei­ten für den Erhalt der Grab­stät­ten und gibt einen Über­blick über die seit 2004 an­dauern­den Ver­hand­lun­gen des Zentral­rats mit Bund, Ländern und Kom­munen in der Sache.

In vielen Fällen wurden betroffene Gräber von den Städten in­zwi­schen als Ehren- oder Dauer­gräber erhalten bzw. unter Denkmal­schutz ge­stellt. In an­de­ren Fällen wur­den Ge­bühren für Grab­ver­länge­run­gen aus­ge­setzt. Wir freuen uns sehr, dass die Bundes­regie­rung jetzt bei einem Tref­fen mit dem Zentral­rat zu­ge­sagt hat, dass es eine mit Bund und Ländern ab­gestimm­te Re­ge­lung zum Erhalt unse­rer Gräber ge­ben soll. Read the rest of this entry »

Deutsches Verdienstkreuz an Riccardo Sahiti

Oktober 11th, 2016  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Musik

Riccardo M. Sahiti (Foto: Slovo21, via Radio Prag)Dirigent Riccardo M. Sahiti mit dem Verdienst­orden der Bun­des­re­publik Deutsch­land aus­ge­zeichnet

Anlässlich des Tages der Deutschen Einheit er­hielt der Dirigent der „Roma und Sinti Phil­har­mo­niker“, Ric­cardo M. Sahiti, für sein künst­le­ri­sches Schaf­fen das Verdienstkreuz am Bande durch Bun­des­präsident Joachim Gauck. Der Vor­sitzende des Zentralrats Deut­scher Sinti und Roma, Romani Rose, nahm an der Ver­lei­hung teil und sagte über Sa­hi­tis künst­le­ri­sches Schaf­fen: „An­stelle einer in weiten Teilen der Gesell­schaft vor­herr­schen­den stig­ma­ti­sie­ren­den und zu­meist mit nega­tiven Vor­urteilen be­las­te­ten Sicht auf die Minder­heit lenken die Dar­stellung und Ver­mitt­lung des kul­tu­rellen Bei­trags von Sinti und Roma den Blick auf ihre Verdienste und ihre eige­nen An­stren­gun­gen als gleich­berech­tigte und aktive Bür­ger Deutsch­lands und Europas.“

Mit viel Idealismus hat der Dirigent Riccardo M. Sahiti im Jahr 2002 die „Roma und Sinti Philharmoniker“ ge­grün­det. Dem international einmaligen Orchester ge­hören über­wiegend Musi­kerin­nen und Musi­ker der Sinti- und Roma-Min­der­heit an. Sie kommen aus Symphonie­orchestern ganz Euro­pas zu­sam­men, um Werke auf­zu­führen, die in der Kultur der Roma und Sinti ver­wurzelt oder durch sie inspi­riert sind. Dazu ge­hören so­wohl das klas­si­sche Reper­toire von Brahms, Liszt oder Bizet als auch neue Kom­po­si­tio­nen von Roma und Sinti. Mit dem von dem Orchester ur­auf­ge­führ­ten „Requiem für Auschwitz“ des Sinto Roger Moreno Rathgeb hat Riccardo M. Sahiti auch dazu bei­getra­gen, die leid­volle Ge­schich­te der Sinti und Roma wach­zu­halten. Sein Wirken zeigt eindrucks­voll, wie be­deu­tend das künst­le­ri­sche Schaffen von Minder­heiten für die deutsche und eu­ro­päi­sche Kul­tur war und ist und be­wahrt deren kul­turel­les Erbe.

Zum Werdegang des Künstlers:

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Warum die Wunde offen bleibt

Oktober 10th, 2016  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Interview

Marika Schmiedt: Warum die Wunde offen bleibtDokumentarfilm von Marika Schmiedt, AT 2016, 80 min.

Premiere in Anwesenheit der Regisseurin
Sa., 22. Oktober 2016, 17.30 Uhr
Top Kino, Rahlgasse 1, 1060 Wien

Marika Schmiedt untersucht und benennt die Wunde, ver­sucht sie zu begrei­fen, greift hinein, zerrt und wei­tet sie. Das ist ein inten­si­ver und schmerz­haf­ter Pro­zess und der dabei ent­stan­dene Doku­men­tar­film ist kein ein­fach zu kon­sumie­ren­der. Im Film wird viel gespro­chen, nach 78 Minu­ten wird klar, dass auch über das „Un­aus­sprech­li­che“ gespro­chen werden kann und muss. Über Struk­tu­ren der Diskri­mi­nie­rung, der Gewalt und über Kon­ti­nui­tä­ten. Marika Schmiedt und ihr Film spre­chen sich al­ler­dings gegen eine ver­harm­lo­sen­de, ober­fläch­li­che Heilung aus, viel­mehr wer­den Wege der Ver­tie­fung und des Wider­stands ge­zeigt.

„Warum die Wunde offen bleibt“ beschäftigt sich mit der Auf­arbei­tung des Holocausts an Roma und Sinti durch die so­ge­nannte „2.“ und „3. Gene­ra­tion“. Die histo­ri­schen Ver­trei­bun­gen, Ver­fol­gun­gen und Mas­sen­morde werden the­ma­ti­siert, auch per­sön­lich durch das bio­gra­fi­sche Erzählen der Pro­ta­gonistin­nen. Dabei ver­deut­licht gerade die Rela­tion zu aktu­el­len Dis­kri­mi­nie­run­gen und Ver­bre­chen gegen Roma und Sinti die Not­wen­dig­keit um­fas­sen­der Aus­einan­der­setzun­gen: ge­schicht­licher, fa­miliä­rer, psycho­ana­ly­ti­scher und nicht zu­letzt die Dring­lich­keit der poli­tischen.

Im Mittelpunkt des Films stehen lange Interviews bzw. Gesprä­che mit drei be­ein­drucken­den Frauen: Read the rest of this entry »

„Mri Historija“ gelesen mit Axel Honneth (2012)

Oktober 9th, 2016  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Hochschulschriften, Interview, Literatur & Bücher, Wissenschaft, dROMa (Magazin)

Universität WienMartina Schedl (2012): „Mri Historija“ gelesen mit Axel Honneth. Über die Bedeutung von Anerkennung und Missachtung in 15 Le­bens­ge­schich­ten bur­gen­län­di­scher Roma

Diplomarbeit, Universität Wien (Fakultät für Phi­lo­sophie und Bil­dungs­wis­sen­schaft), 127 S.

>>>Download der UB Wien (pdf)

Abstract: Innerhalb der hier vorliegenden Arbeit wird die Zeitzeugen­dokumentation „Mri Historija (Meine Geschichte) – Lebensgeschichten burgenländischer Roma“, erstellt vom Verein Roma-Service, aus an­er­ken­nungs­theo­re­tisch fun­dier­ter Per­spek­tive be­trach­tet. Dabei bil­det das An­er­ken­nungs­mo­dell des deut­schen Sozial­philo­sophen Axel Hon­neth das theo­re­ti­sche Fun­da­ment der Un­ter­suchung. Honneth dif­fe­ren­ziert zwi­schen drei An­erken­nungs­mus­tern – Liebe, Recht und Solidarität –, denen er drei Miss­ach­tungs­for­men – Miss­handlung, Ent­rechtung, Ent­würdigung – ent­ge­gen­stellt. Diese Unter­schei­dung trifft er auf­grund ihrer je­wei­li­gen Be­deu­tung für For­men des Selbst­be­zugs – Selbst­vertrauen, Selbst­achtung und Selbst­schätzung. Mit Hilfe einer qua­li­ta­ti­ven Inhalts­analyse nach Mayring wurde „Mri Historija“ nach der Be­deu­tung von Anerkennungs- bzw. Miss­ach­tungs­­er­fah­­run­­gen für Handl­ungs­freiheit und Selbst­wert der 15 er­zäh­len­den Burgenland-Roma be­trach­tet.

„Mri Histo­rija“ ist nicht nur als Bei­trag zur öster­rei­chi­schen Erin­nerungs­kultur zu se­hen, son­dern gleich­zeitig als kri­tische Thema­ti­sie­rung von sozialen Aus­schließungs­pro­zes­sen, die eine selbst­bestimm­te Lebens­praxis be­hin­dern und sich nega­tiv auf den Selbst­wert der Indi­vi­duen aus­wirken kön­nen. In „Mri Historija“ wer­den je­doch Ent­wick­lun­gen sicht­bar, die auf ein wach­sen­des Selbst­be­wusst­sein der Burgenland-Roma ver­weisen. (M. Schedl, S. 120)

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Frankreich: Stadt verweigert Roma Schulbesuch

Oktober 8th, 2016  |  Published in Jugend & Bildung, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Radio DreyeckslandAbsolut illegal: Bürgermeister von Saint-Ouen verweigert fünf Roma-Kindern aus Ba­rackensiedlung die Einschulung

>>Anhören/Download (mp3), 11:25 min

In Frankreich verweigert der Bürgermeister (UDI) der Pariser Vor­stadt Saint-Ouen Roma-Kin­dern, die in einer in­for­mel­len Baracken­sied­lung im Ort woh­nen, die Einschulung, und das ob­wohl alle Kinder in Frank­reich zwi­schen 6 und 16 Jahren der Schulpflicht un­ter­liegen. Er möchte die Siedlung räu­men las­sen und die Kinder nicht in den Schu­len sehen. Radio Drey­eck­land sprach mit sei­nem Frank­reich­kor­res­pon­den­ten, dem freien Jour­na­lis­ten und Juris­ten Bernard Schmid.

(Text und Interview: www.rdl.de)

Anm. d. dROMa-Red.: Die Präfektur von Seine-Saint-Denis hat den Bürger­meis­ter von Saint-Ouen darauf­hin angewiesen, die Ein­schulung ord­nungs­gemäß durch­zu­führen. Im Sep­tem­ber bericht­eten franzö­si­sche Medien zudem von einem weite­ren, sehr ähn­li­chen Fall. In Maubeuge in Nord­frank­reich ließ der Bür­ger­meis­ter (eben­falls von der bür­ger­li­chen UDI) Roma­kinder unter dem Vor­wand, diese hätten keine kor­rek­ten dauer­haften Wohn­adres­sen vor­weisen gönn­en, nicht zum Schul­besuch zu.