Niederösterreich führt „Bettlerdatei“ ein
Oktober 6th, 2016 | Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Still und heimlich: Niederösterreich führt gesetzliche Basis für sektorale Bettelverbote und eine „Bettlerdatei“ ein. „Aufsichtsorgane“ sollen Einhaltung überwachen.
Armutskonferenz, 3.10.2016: Schon bislang war es in Niederösterreich verboten, aufdringlich, aggressiv, gewerbsmäßig, organisiert oder mit Kindern zu betteln. Zusätzlich können niederösterreichische Städte und Gemeinden nun durch eine Ende September im Landtag beschlossene Änderung des niederösterreichischen Sicherheitspolizeigesetzes auch sektorale Bettelverbote erlassen. Damit wird es Städten und Gemeinden ermöglicht, in bestimmten Zonen bzw. zu bestimmten Zeiten (z.B. an Markttagen) auch das stille Betteln zu verbieten. Überwacht werden soll die Einhaltung des sektoralen Bettelverbots nicht durch die Polizei, sondern durch „Aufsichtsorgane“ der jeweiligen Stadt bzw. der Gemeinde, die mit umfangreichen Kompetenzen ausgestattet wervden – bis hin zur Festnahme, dem Erheben von Geldstrafen und dem Beschlagnahmen von Gegenständen. Assoziationen an die „Asozialen“- und „Vagabunden“-Erfassung autoritärer Regime in Vergangenheit und Gegenwart weckt ein nach oberösterreichischem Vorbild konzipiertes „Informationsverbundsystem“, im dem künftig u.a. Identitäts-, Adress- und Kontaktdaten sowie Fotos bettelnder Personen erfasst werden sollen.