Anti-Roma-Proteste in Polen
Oktober 24th, 2016 | Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte
Rassistische Proteste gegen Roma in der polnischen Provinz
Gemeinden in der Woiwodschaft Kleinpolen versuchen Roma umzusiedeln oder wollen deren Zuzug verhindern. Bürgermeister sehen in Roma eine Gefahr für die öffentliche Ordnung. Einwohner/innen protestieren und sammeln Unterschriften gegen Roma. Der derzeit allgemein stark anwachsende Rassismus in Polen trifft auch gerade die dort lebende Roma-Minderheit.
EcoleUsti: Schon seit längerem sind Roma in Limanowa, einer polnischen Kleinstadt nahe der slowakischen Grenze, Anfeindungen und Bedrohungen ausgesetzt. Ende vergangenen Jahres fanden sich rassistische Schmierereien an den Wänden von Häusern, die von Roma bewohnt werden. Darunter die Formulierungen: „Macht euch für die Vernichtung bereit“, „Raus aus Polen, ihr Lumpen“, „Polen den Polen“, „Tod den Feinden des Vaterlandes“ sowie weitere sehr explizite Vulgarismen. Scheiben und Scheinwerfer von Autos, die Roma gehören, wurden eingeschlagen. Auch ein Wahlplakat der rechtsextremen Korwin-Partei mit der Parole „Nein zu einem islamischen Viertel in unserer Stadt“ fand sich wohl nicht zufällig in dem von Roma bewohnten Areal. Der ohnehin grassierende Hass auf Flüchtlinge und Muslim/innen scheint direkt auf die Roma übertragen zu werden.
Die Roma in Limanowa leben teilweise in miserablen Verhältnissen, auf engstem Raum ohne Heizung in durchfeuchteten, teils abrisswürdigen Häusern. Stadt und Gemeinde dienen diese Zustände nun als Anlass, um die Roma auszusiedeln. Seit bald einem Jahr wird versucht, mehrere Familien in anderen Gemeinden unterzubringen, da dort angeblich günstigere und geeignetere Immobilien vorzufinden seien. Limanowa nutzt dafür Gelder aus einem Regierungsprogramm zur Integration von Roma.
Die Roma selbst wollen den Ort eigentlich nicht verlassen. Trotz der problematischen Wohnsituation, den Feindseligkeiten und Angriffen fühlen sie sich in Limavnowa zuhause, haben hier ihr bekanntes Umfeld. Außerdem wissen sie, dass sie in anderen Gemeinden ebenfalls unerwünscht sind. Mitglieder der Roma-Community behaupten nun, dass sie von den städtischen Behörden unter Druck gesetzt wurden, einem Auszug zuzustimmen. Man drohe mit Abriss. Strom und Wasser werden bereits abgedreht. Der Bürgermeister verweigert den Roma das Recht auf kommunale Dienstleistungen wie den Abtransport von Müll, was zu einer Ansammlung von Abfallbergen vor deren Wohnhaus führt.