Wissenschaft

Wittgenstein-Preis für Ursula Hemetek

Juni 20th, 2018  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Musik, Wissenschaft

Ursula Hemetek (Foto: mdw/Doris Pitter)Roma-Service gratuliert der Wie­ner Ethno­mu­si­ko­lo­gin Ursula Hemetek zur Aus­zeich­nung mit dem Witt­gen­stein-Preis, dem wich­­tigs­­ten und höchst­do­tier­ten Wis­­sen­schafts­­preis in Ös­ter­reich.

mdw: Für ihre herausragenden Leistungen im Bereich Minderheiten­forschung in der Ethno­musi­ko­lo­gie erhält die Pro­fes­sorin und Instituts­lei­te­rin an der Uni­ver­sität für Musik und dar­stel­lende Kunst Wien (mdw) Ursula Hemetek die re­nom­mier­te wis­sen­schaft­li­che Aus­zeich­nung. Mit ihr erhält auch der Infor­ma­tiker und Mathe­ma­tiker Herbert Edelsbrunner (IST) den Wis­sen­schafts­preis.

Ursula Hemetek: „Ich finde es wunderbar, dass durch diesen Preis einer­seits das Fach Ethno­musiko­logie An­er­ken­nung fin­det, eben­so wie die For­schung zu Min­der­hei­ten in diesem Fach. Ich habe mich sehr früh in meiner Karriere dafür ent­schie­den, mich mit der Musik von mar­gina­li­sier­ten Gruppen zu be­schäf­ti­gen, und es wurde daraus ein Lebens­thema. Es ist ein gesell­schafts­poli­tisch re­le­van­tes Thema, denn es geht um Men­schen, die Dis­kriminie­rung er­fah­ren, und die Zusam­men­arbeit zwi­schen For­schen­den und Musi­zie­ren­den ist in der Ethno­musikologie durch die Metho­de der Feldforschung sehr eng. Die For­schung soll zur Schaf­fung einer ge­rech­te­ren Gesell­schaft mit den Mit­teln der Musik bei­tragen.“

Die Forschungsschwerpunkte von Ursula Hemetek sind Musik von Minderheiten in Österreich, ins­beson­dere Roma, bur­gen­ländi­sche KroatInnen, MigrantIn­nen und Flücht­linge. Applied ethno­musicology ist ein we­sent­li­cher metho­di­scher Ansatz.

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Experi­ment: Feindseligkeit ist ansteckend

Mai 22nd, 2018  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Max-Planck-GesellschaftFeindseligkeit gegenüber Minderheiten kann anstecken: Wenn im eigenen Umfeld andere ethnische Gruppen angefeindet werden, finden sich leicht Nachahmer

Max-Planck-Gesellschaft: Ethnische Konflikte eskalieren oft überras­chend schnell. Wel­chen Ein­fluss das Umfeld darauf hat, dass sich Men­schen plötz­lich feind­selig ver­halten, haben Forscher kürz­lich mit­hilfe von Experi­men­ten unter­sucht. Dabei stellten sie fest, dass An­feindun­gen ge­gen­über ande­ren ethni­schen Grup­pen deut­lich mehr Nach­ah­mer finden als Anfeindungen ge­gen Mit­glie­der der eige­nen sozia­len Gruppe.

Ob in Bosnien, Liberia oder Ruanda – immer wieder brechen plötz­lich gewalt­tätige Konflikte zwi­schen Volks­gruppen aus, die lange fried­lich zusam­men­gelebt ha­ben. Bisher gibt es keine be­friedi­gende wis­senschaft­li­che Erklärung, warum Aggres­sio­nen eine sol­che Dynamik ent­fal­ten kön­nen. Jana Cahlíková vom Max-Planck-Institut für Steuerrecht und Öffent­li­che Finan­zen hat nun gemein­sam mit Kol­le­gen aus Tschechien und der Slowakei ein neu­arti­ges Experi­ment ent­wickelt, um zu tes­ten, wie das sozia­le Umfeld feind­seli­ges Ver­halten ge­genü­ber einer ande­ren ethni­schen Grup­pe be­ein­flusst. Die Ergeb­nisse der Studie wur­den im April 2018 im Fach­jour­nal Procee­dings of the National Academy of Sciences (PNAS) pub­li­ziert.

Untersucht wurden Jugendliche aus Schulen in der östli­chen Slowakei und ihr Ver­halten gegen­über An­gehö­ri­gen der Roma – eine Minderheit, gegen die es latente Vorurteile gibt und in den letz­ten Jahren auch zu­neh­mend Aggres­sio­nen. Das Beson­dere an dem Test war, dass die Teil­neh­mer in­ner­halb ihres sozialen Um­felds agie­ren konnten.

Mitspieler dürfen Boshaftigkeit ausleben

Um diskriminierendes Verhalten zu untersuchen, lie­ßen die Forscher die Jugend­lichen ein so ge­nann­tes „Joy of Destruc­tion game“ spie­len: ein Spiel, in dem die Tei­lnehmer – wenn sie wollen – ihre Bos­haftig­keit aus­leben kön­nen. Zwei Spieler er­halten je­weils zwei Euro und sollen gleich­zeitig ent­schei­den, ob sie 20 Cent aus­geben, um den Betrag des je­weils ande­ren um einen Euro zu ver­rin­gern, oder das Geld ein­fach nur be­halten möch­ten. Die Spieler bleiben dabei anonym, und spie­len je­weils nur ein­mal gegen­einan­der.

Anhand einer Liste mit typi­schen Namen informier­ten die Forscher die Teil­nehmer darüber, ob das Gegen­über ein An­gehö­ri­ger der slowaki­schen Mehr­heits­bevöl­ke­rung oder der Roma-Min­der­heit war. Read the rest of this entry »

Roma-Holocaust in Ukraine und Moldau

Februar 12th, 2018  |  Published in Geschichte & Gedenken, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft

Vortrag und Ausstellung über den NS-Genozid an den Roma in der Ukraine und Moldau15. Februar 2018, Berlin:

Ausstellung und Vortrag: NS-Genozid an den Roma in der Ukraine und Moldau

Zu Gast beim Janusz-Korczak-Haus Berlin sind Iryna Radchenko and Maryna Strilchuk, zwei Wissen­schaft­lerin­nen aus dem Ukraini­schen Institut für Holo­caust-Stu­dien „Tkuma“ (Dnipro, Ukraine), die an die­sem Abend ihre Aus­stel­lung „Die Tragödie der Roma: Ver­gan­gen­heit und Gegen­wart“ prä­sen­tie­ren. Die Aus­stel­lung ist ein Er­geb­nis des wis­sen­schaft­li­chen Pro­jek­tes zur Er­for­schung des NS-Ge­no­zids an den Roma auf dem Ter­ri­to­rium der Ukraine und der Re­publik Moldau. Das Pro­jekt wurde von „Tkuma“ mit Un­ter­stüt­zung der „Inter­na­tio­nal Holo­caust Re­membrance Alliance“ durch­ge­führt.

Programm: Read the rest of this entry »

„Vergiss die Photos nicht, das ist sehr wichtig“

Februar 7th, 2018  |  Published in Geschichte & Gedenken, Kunst & Fotografie, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft

Unku (Erna Lauenburger) wurde in Auschwitz ermordet. Ein biografischer Kinderroman aus dem Jahr 1931, der in der DDR neu aufgelegt wurde, machte sie berühmt. Hanns Weltzel hat sie als Jugendliche porträtiert. (Bild: University of Liverpool Library)Bremen: Ausstellung über die Verfolgung von Sinti und Roma im Natio­nal­sozia­lis­mus am Bei­spiel foto­grafisch do­ku­men­tier­ter Fa­mi­lien­ge­schich­ten aus Mit­tel­deutschland

Zentralbibliothek Bremen, Wall-Saal
15.02.2018 – 14.03.2018 (Eintritt frei)

Im Archiv der Universität Liverpool fand die dort leh­ren­de His­to­ri­ke­rin Eve Rosenhaft ca. 200 Fotografien, die das Leben der Sinti und Roma in den 1930er Jah­ren in Dessau-Roßlau do­ku­men­tie­ren. Sie gehen auf den damals in Roßlau le­ben­den Foto­jour­nalis­ten Hanns Weltzel zu­rück. Weltzel hatte ab 1931 inten­sive Kon­takte zu den Fa­mi­lien, die auf ihren Handels­wegen nach Des­sau-Roß­lau ka­men. Die Fotos und er­hal­ten ge­blie­be­nen Briefe zeu­gen von einer freund­schaft­li­chen und von gegen­seiti­gem Ver­trauen und Respekt ge­präg­ten Atmos­phäre. Darin liegt die Be­sonder­heit dieses Foto­bestan­des, ins­beson­dere wenn man sie mit Pro­pa­ganda­fotos im National­sozialismus ver­gleicht.

Die Beschriftungen der Fotos geben nur bedingt Aus­künfte, um wen es sich auf den ein­zel­nen Fotos han­delt. Die nament­liche Iden­ti­fi­zie­rung ist je­doch die Grund­voraus­setzung, um die Ver­fol­gungs­wege der Men­schen und ihrer Fami­lien zu er­for­schen. Dieser Auf­gabe wid­met sich Profes­sor Eve Rosenhaft ge­mein­sam mit Jana Müller vom Alter­nativen Jugend­zentrum e.V. Dessau in en­ger Ko­opera­tion. Nach von­einander un­ab­hän­gi­gen Forschungen und Durch­führung von Jugend­pro­jekten führ­ten sie vor drei Jahren ihre Forschungs­ergeb­nisse zu­sam­men und be­gannen ziel­gerichtet für eine Aus­stel­lung zur Erin­ne­rung an die mittel­deutschen Sinti und Roma Fotografien in Au­gen­schein zu nehmen und in Archiven nach wei­ter­füh­ren­den Hin­weisen zu suchen. Read the rest of this entry »

»Mit einer Rückkehr ist nicht mehr zu rechnen …«

Januar 20th, 2018  |  Published in Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Wissenschaft

Historische Neuerscheinung: Die Verfolgung der Sinti und Roma in MannheimUdo Engbring-Romang:
»Mit einer Rückkehr ist nicht mehr zu rechnen …«
Die Verfolgung der Sinti und Roma in Mannheim

Quellen und Darstellungen zur Mannheimer Stadt­geschichte, Bd. 11
Jan Thorbecke Verlag: Ostfildern 2017
Hardcover, 160 S., ISBN: 978-3-7995-0960-2

Wie überall in Deutschland wurden im März 1943 Sinti und Roma aus Mannheim von den national­sozialis­ti­schen Macht­habern in das Ver­nich­tungs­lager Auschwitz de­portiert. Ziel war wie bei den Juden die Be­sei­ti­gung der als »außer­euro­päi­sche Fremd­rasse« be­zeich­ne­ten Men­schen. Die Dis­krimi­nie­rung und Verfolgung be­gann aber nicht erst in der Zeit des Nationalsozialismus; schon frü­her wur­den sie aus­gegrenzt und wa­ren bereits in der Weimarer Zeit staat­li­chen Repressionen aus­gesetzt. Read the rest of this entry »

„Antiziganismus und Film“

Januar 10th, 2018  |  Published in Film & Theater, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft

Die "Zigeunerhexe" Ganush, antiziganistischer Tiefpunkt im Kino der letzten Jahre: der US-Horrorfilm "Drag me to hell" von Sam Raimi (Filmstill, Ghost House Pictures/ Universal Pic.)Fachgespräch (21.2.) und Konferenz (22./23.2.) zu „Antiziganismus und Film“ in Berlin

Das Thema „Antiziganismus und Film“ ist hochaktuell und eine tiefer­ge­hen­de Aus­einan­der­setzung und Debatte dazu steht bis­lang aus. In den letz­ten Mona­ten gab es größere öffent­liche Auf­merk­sam­keit und kritische De­batten zu gleich drei aktuel­len Kino­pro­duk­tio­nen. Zum einen die inhalt­liche Aus­rich­tung des Kinder- und Jugend­films „Nellys Abenteuer“ (hier und hier) wie auch seine Pro­duk­tions­bedin­gun­gen, die auf Ein­ladung des Zentral­rats Deutscher Sinti und Roma bei einem Fach­gespräch in Berlin kontro­vers dis­ku­tiert wur­den. Zum an­de­ren der fran­zö­si­sche Film „À bras ouverts“ („Hereinspaziert“), der be­reits An­fang des Jahres in Frankreich eine De­batte über Rassismus im Kino aus­löste und nun auch in Deutschland und Österreich stark kri­ti­siert wird. Auch die Be­setzung einer männ­li­chen Haupt­rolle in der geplan­ten Ver­fil­mung von Mikey Walshs Me­moiren „Gypsy Boy“ mit Benedict Cumberbatch hat in Groß­britannien eine Dis­kus­sion über „White­washing“ im Kino an­ge­facht.

Bereits seit Jahren ist das Thema „Roma“ und damit in vielfältiger Weise auch das Thema „Antiziganismus“ in der Film­branche präsent. Filme wie „Epizoda u životu berača željeza“ („Aus dem Leben eines Schrott­sammlers“), „Csak a szél“ („Just the wind“) oder „Aferim!“ erlang­ten Preise auf den großen Film­fest­spie­len. Auf­wen­dige Kino­pro­duk­tio­nen wie „Sherlock Holmes: A Game of Shadows“ („Sher­lock Holmes: Spiel im Schatten“) oder „Chocolat“ („Chocolat – Ein kleiner Biss genügt“) be­mü­hen anti­ziganis­tische Stereo­type und ver­schie­denste Fernsehproduktionen der letzten Jahre und Jahrzehnte setzen sich gewollt oder ungewollt mit diesem Themenfeld auseinander. Erinnert sei nur an die kontro­versen Dis­kus­sio­nen zu den Tatort-Folgen „Armer Nanosh“ (1989) und „Brandmal“ (2008). Filme, die ex­pli­zit aus einer Roma­ni-Perspek­tive produziert und er­zählt werden, schaf­fen es hin­ge­gen selten über den Status des ‚Nischenfilms’ hinaus.

Vorläufiges Programm Read the rest of this entry »

Betteldebatte: Rassismus in Salzburger Medien­

November 27th, 2017  |  Published in Hochschulschriften, Literatur & Bücher, Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Danyal Maneka (2016): Die Anderen der Mozartstadt – Zur Rolle ras­sis­ti­scher Be­deu­tungs­kon­struk­tion im Salzburger Print­medien­diskurs vor dem Beschluss des sek­to­ra­len Bet­tel­ver­bots

Bachelorarbeit (Institut für Poli­tik­wis­sen­­schaft), Uni­ver­si­tät Wien, 44 S.

→Download (pdf)

[Die Berichterstattung] begann relativ abrupt Ende Februar 2015 und en­dete An­fang Juni 2015 eben­so plötz­lich wie­der, und zwar zeit­gleich mit dem Beschluss ei­nes sektoralen Bettelverbotes durch die Ge­mein­de. Die Inten­sität der Bericht­er­stat­tung (in drei Mo­na­ten ca. 180 Beiträge in den zwei größ­ten Zeitungen!), die Se­quenz von media­ler Auf­merk­sam­keit und Han­deln der Politik und der plötz­liche Abfall der Auf­merk­sam­keit nach dem Handeln lässt ver­mu­ten, dass es sich bei der Medien­kampagne um eine Offen­sive gegen Armuts­migran­tInnen aus Süd­ost­europa (…) han­delt.

(…) Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich nicht mit der Praxis der Migra­tion oder des Bettelns an sich (…). Thema ist aus­schließ­lich die print­mediale Reprä­sen­ta­tion tem­po­rärer Armuts­migra­tionen (von RomNija) im Vor­feld des Beschlus­ses des sekto­ralen Bettel­verbots. Ge­nauer gesagt soll der Frage nach­gegan­gen werden, ob Rassismus in der Salz­bur­ger Print­medien­debatte über das Betteln und seine Ak­teurIn­nen in den drei Mona­ten vor dem Beschluss eine Rolle spielt, um Auf­schluss darüber zu er­hal­ten, in­wie­weit Res­sen­ti­ments im kon­kreten Fall den repres­siven Um­gang mit Armuts­migran­tInnen legi­ti­mie­ren. Anders ge­sagt: Ent­hält die Art und Weise wie AutorInnen Armuts­mig­ran­tInnen dar­stel­len rassistische Ele­mente?

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Antiziganismus und Polizei

Oktober 24th, 2017  |  Published in Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Antiziganismus und PolizeiarbeitMarkus End: Antiziganistische Ermittlungsansätze in Polizei- und Sicher­heits­behörden

Kurzexpertise im Auftrag des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Hei­del­berg, Okto­ber 2017 (48 S.)

Download: “Antiziganismus und Polizei” (PDF, 725 KB)

Antiziganismus gehört zu den am weites­ten ver­brei­te­ten und gesell­schaft­lich am tiefsten ver­anker­ten For­men rassisti­scher Vorurteile in Deutschland. Sinti und Roma sind in be­son­de­rem Maße dem Risiko von Dis­kri­mi­nie­run­gen aus­ge­setzt. Be­son­dere Proble­me be­ste­hen im Be­reich der Polizei­ar­beit. „Racial Profiling“ durch Po­li­zei­beamte/in­nen ge­hört zu den am häu­figsten wie­der­keh­ren­den Dis­krimi­nie­rungs­er­fah­run­gen für An­ge­höri­ge der Minder­heit. Der Zentral­rat Deut­scher Sinti und Roma hat zu diesem Thema eine Studie mit dem Titel „Anti­ziganis­mus in der Polizei –Formen eth­ni­scher Kate­go­ri­sie­rung von Sinti und Roma durch Polizei und an­de­re Exe­kutiv­be­hör­den des Bun­des und der Länder“ in Auf­trag ge­ge­ben. Gemein­sam mit der Anti­diskri­mi­nie­rungs­stelle des Bundes hat der Zentral­rat am 17. Ok­to­ber 2017 in Berlin die Er­geb­nis­se der von Dr. Markus End er­stell­ten Expertise der Öf­fent­lich­keit vor­ge­stellt und über Lö­sungs­stra­te­gien dis­ku­tiert.

(Text: Zentralrat)

„Protestantismus und Antiziganismus“

September 27th, 2017  |  Published in Dokumente & Berichte, Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, Religion, Wissenschaft

Gutachten "Protestantismus und Antiziganismus" in Deutschland (2017)Verena Meier: Gutachten zum Forschungsstand zum Thema „Protes­tan­tis­mus und Anti­ziga­nis­mus“. Gutachten im Auf­trag des Zentral­rats Deutscher Sinti und Roma, Hei­del­berg 2017.

>>Download (pdf)

Die Rolle von Kirchen – insbesondere der evangelischen Kirchen und ihrer Ver­tre­ter und Ver­tre­terin­nen – stellt ein gro­ßes Desiderat in der Anti­ziganis­mus­forschung und den Romani Studies dar. Dies­es wis­sen­schaft­liche Gut­achten gibt einen Über­blick über be­reits vor­liegende Zu­gän­ge und Studien. Er­geb­nisse und weite­re Forschungs­lücken wer­den dabei in Be­zug auf „Protes­tan­tis­mus und Anti­ziganis­mus“ in Deutschland auf­ge­zeigt. Der Über­blick er­folgt in chrono­lo­gi­scher Abfolge, be­ginnend mit der Re­for­ma­tion bis hin zur Zeit nach dem Zwei­ten Weltkrieg und dem er­in­ne­rungs­kultu­rel­len Um­gang mit der Ver­gangen­heit. Der­zeit fehlt es an über­grei­fen­den und syste­ma­ti­schen Studien. Den­noch geben die bereits vor­lie­genden Unter­suchun­gen zu bestimm­ten geo­grafi­schen und zeit­lichen Kon­texten be­reits einen Ein­druck von den über­grei­fen­den Ver­flech­tun­gen zwi­schen Ver­tre­tern der evangeli­schen Kirche und anti­ziganis­ti­schen Ten­denzen.

Abstract: Research Report on the State of Research on the Topic of “Protestantism and Antigypsyism”

The role of churches – Protestant churches and their repre­sen­tati­ves in par­ticular – in antigypsyist ten­dencies is a major desidera­tum in research on anti­gypsyism and Romani studies. The fol­lowing re­search report gives an over­view of existing research approa­ches and studies. Their fin­dings and further research gaps are high­lighted in relation to “Protestan­tism and Antigypsyism” in Germany. Read the rest of this entry »

Spaniens erster Roma-Lehrstuhl

September 20th, 2017  |  Published in Einrichtungen, Wissenschaft

Bildung fördern: Benefizveranstaltung der Fundación Secretariado Gitano und der Universität Alicante, Jänner 2017 (Foto: VEU Revista cultural de la Universidad de Alicante)Spanien bekommt seinen ersten Lehrstuhl für Kultur der Gitanos (spani­sche Roma). Die neue Lehr- und For­schungs­stelle wird an der Uni­ver­si­tät Alicante ein­ge­rich­tet. Der Consell, die Regio­nal­regie­rung von Valencia, hat eine dies­be­züg­li­che Ko­ope­ra­tions­ver­ein­ba­rung zwi­schen der Gleich­be­hand­lungs­behörde und der Uni­ver­si­tät Alicante be­wil­ligt. Der neue Lehr­stuhl soll die aka­de­mi­sche Aus­bil­dung junger Roma för­dern und die Lebens­reali­tät der spa­ni­schen Roma-Po­pu­la­tion er­for­schen. Die Ein­rich­tung des Lehrstuhls soll noch 2017 er­fol­gen, die Sub­ven­tion durch die Regional­regierung be­läuft sich auf ma­xi­mal 30.000 Euro.

Insgesamt wird die Region Valencia 180.000 Euro für Pro­jek­te zur Inklus­ion der Gitanos in Va­len­cia bereit­stellen. Der Consell hat hier­für in seiner Sitzung am Frei­itag auch ein Über­ein­kommen mit der Fundación Secre­ta­riado Gitano zur so­zialen Integra­tion und zur Be­kämpfung von Armut und Dis­kri­mi­nie­rung be­schlos­sen. Ko­finan­ziert wird dieses Projekt vom Euro­päi­schen Sozial­fonds.

Der Wunsch des valencianischen Gitano-Verbands (FAGA Comunidad Valenciana), bei der Planung und Ein­richtung des Lehr­stuhls als Berater oder Ver­trags­partner mit­ein­bezo­gen zu wer­den, wur­de offen­bar nicht be­rück­sich­tigt.

(dROMa)

RomaRespekt #2: Antiromaismus

September 1st, 2017  |  Published in Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Radio RomarespektRadio RomaRespekt #2: Wissenschaft gegen Antiromaismus

Sendung vom 2.12.2015: Die Wissenschaftler Hristo Kyuchukov (Psycholinguist, be­son­ders für Ro­ma­nes, Er­zie­hungs­wis­sen­schaft­ler) und Jan Selling (His­to­ri­ker und Autor des For­schungs­netz­werks Antiziganism, Schweden) spre­chen über Anti­roma­is­mus und Selbst­er­mäch­ti­gung von Roma und Romnja in der Bildung.

(Sendung & Text: Weiterdenken: RadioRespekt, CC BY-NC-ND 3.0)

Lichtenhagen: Die Roma, ein blinder Fleck

August 27th, 2017  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Interview, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

"Lichtenhagen im Gedächtnis"Der Historiker Martin Arndt koordiniert beim Rostocker Verein Soziale Bildung e.V. das Projekt „Lichtenhagen im Gedächtnis“, ein von der Stadt Rostock finan­zier­tes Archiv- und Ver­mitt­lungs­projekt zu den ras­sis­ti­schen Aus­schrei­tun­gen vor dem „Sonnen­blumen­haus“ vor 25 Jahren (mehr hier). Velten Schäfer (Neu­es Deutschland) sprach mit ihm über die Schwie­rig­keiten, die Gewalt­aus­brüche des Som­mers 1992 zu re­konstru­ie­ren. Wir bringen im Fol­gen­den einen Aus­zug; das un­ge­kürzte Inter­view fin­den Sie hier.

„Den Ausgangspunkt bildeten kleine, private »Archive« von Bür­gerin­nen und Bürgern, die damals ge­sam­melt haben, was ihnen in die Hände kam – das sind natür­lich zu­nächst oft Medien­dokumente, schwer­punkt­mäßig aus den loka­len Zeitungen. Die Flugblätter, die da­mals von den Rechten in Um­lauf ge­bracht wur­den und die von der Gegen­seite. Wir haben alle Unter­lagen aus dem da­mali­gen Alter­na­ti­ven Jugend­zentrum über­nom­men, darun­ter ist eine zeit­ge­nös­si­sche Chrono­lo­gie der Er­eig­nisse. (…) Es gehört zu den Zielen unseres Projekts, die Perspektiven der Betrof­fe­nen re­konstru­ie­ren zu helfen. Dazu gibt es bereits An­sätze. Vor fünf Jahren hat etwa die Hein­rich-Böll-Stif­tung eine Reihe von Zeitzeugen­interviews auf­ge­zeich­net, mit da­mali­gen Bewohnern des Heims für viet­name­si­sche Vertrags­arbeiter (…) und mit Gegen­aktivisten. Wäh­rend viele viet­name­sische Zeit­zeugen noch in der Stadt sind und mit dem nach den Ereig­nissen ge­grün­deten Verein Diên Hông auch eine Adresse haben, ist es sehr schwie­rig, Stim­men der dama­ligen Roma-Flücht­linge zu fin­den, gegen die sich die rassis­tische Mobil­ma­chung zuerst ge­rich­tet hatte. Viele von diesen kamen aus Rumänien und wur­den nach dem ent­spre­chen­den Ab­kom­men vom Sep­tem­ber 1992 zurück­gebracht. Ihre indi­vi­duel­len Blick­winkel sind bisher tat­säch­lich ein blinder Fleck. Immer­hin spielen Roma als Gruppe inzwi­schen eine größere Rolle in der Erinnerung. Am Diens­tag­abend [nahm] mit Romani Rose vom Zentral­rat der Sinti und Roma erst­mals ein Ver­tre­ter der Roma an einer Gedenk­ver­ans­tal­tung [teil].

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„An den Grenzen der Hoffnung“ (2016)

August 18th, 2017  |  Published in Hochschulschriften, Literatur & Bücher, Wissenschaft

Karl-Franzens-Universität GrazJohanna Westermaier (2016): An den Grenzen der Hoffnung. Ethnographie eines Arbeits­markt­in­te­gra­­tions­pro­jek­tes für Roma/Romnija

Masterarbeit (MA), Karl-Franzens-Universität Graz (Institut für Volkskunde und Kultur­anthro­­pologie), 95 S.

→Download der UB Graz (pdf)

Einleitung (S. 1-3):

Die Masterarbeit beschäftigt sich mit einem Arbeits­markt­integra­tions­pro­jekt für Roma und Romnija in der Steiermark. Das Pro­jekt, das von einer NGO in Ko­ope­ra­tion mit an­de­ren NGOs und Roma-Selbst­vertreter­vereinen über einen Zeit­raum von drei Jahren durch­geführt wird, (…) baut auf drei zentra­len Säulen auf: Arbeits­markt­integra­tion, Empower­ment und Öf­fent­lich­keits- und Bildungs­arbeit. Ziel ist es, über Bera­tung und Betreu­ung, Deutsch- und Qua­li­fi­zie­rungs­kurse sowie durch Ver­mitt­lung, die Chancen der teil­neh­men­den Roma/Rom­nija auf dem ers­ten Arbeitsmarkt in Österreich deut­lich zu er­hö­hen. Mit­hilfe von Empower­ment-Work­shops und der Zusammen­arbeit mit bereits beste­hen­den Ro­ma-Selbst­ver­tre­ter­vereinen soll Dis­kri­mi­nie­rung ent­gegen­gewirkt wer­den. Über Öf­fent­lich­keits- und Netzwerk­arbeit sol­len einer­seits existie­rende Vor­urteile in der Mehr­heits­bevöl­kerung ab­ge­baut und andererseits ein Netz­werk an Unter­stützerIn­nen, auch in Form von po­ten­tiel­len Arbeit­gebern, auf­ge­baut werden.

Über einen Zeitraum von sechs Monaten begleitete ich das Pro­jekt in Form einer Feld­forschung. (…). Ziel war es, einen kultur­anthro­po­lo­gi­schen Blick auf die Rolle dieses Arbeits­markt­integra­tions­pro­jek­tes vor dem Hinter­grund kultu­rel­ler Trans­for­ma­tions­pro­zesse zu rich­ten, die Innen­sicht der ver­schie­de­nen AkteurIn­nen zu er­hal­ten und mit­hilfe ethno­graphi­scher Metho­den zu er­fas­sen und aus­zu­wer­ten. Dabei galt es, die insti­tu­tio­nel­len, staat­lichen, ideo­lo­gi­schen und kultu­rel­len Struk­turen, in welche das Projekt un­wei­gerlich ein­ge­bunden ist, im Hin­blick auf deren ein­schrän­kende und er­mög­li­chende Funk­tio­nen zu analy­sieren. Um diese Strukturen, die den Mög­lich­kei­ten des Pro­jektes Gren­zen setzen, er­sicht­lich zu ma­chen, stelle ich die Perspek­tive der Mit­arbei­terIn­nen der der Teil­neh­merIn­nen gegen­über. Read the rest of this entry »

Forschungsstelle Antiziganismus in Heidelberg

Juli 25th, 2017  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Universität HeidelbergForschungsstelle Antiziganismus an der Uni­ver­si­tät Hei­del­berg nimmt Ar­beit auf: Wis­sen­schaft­ler unter­suchen Aus­gren­zung von Sinti und Roma in Ge­schichte und Ge­gen­wart

Pressemitteilung, 24.7.2017: Eine Forschungsstelle, die sich dem Thema der Aus­gren­zung, Dis­kri­mi­nie­rung und Verfolgung von Sinti und Roma in historischer Per­spek­tive wid­men wird, hat an der Uni­ver­si­tät Heidel­berg ihre Arbeit auf­ge­nom­men. Die feier­liche Er­öff­nung fin­det am 28. Juli 2017 statt. Die Ein­rich­tung die­ser For­schungs­stelle Anti­ziganis­mus geht auf einen Staats­vertrag zurück, den der Landes­ver­band Baden-Württem­berg im Ver­band Deut­scher Sinti und Roma und das Land Ba­den-Württemberg im No­vem­ber 2013 ge­schlos­sen haben.

An der Eröffnungsveranstaltung, zu der der Rektor der Ruperto Carola, Prof. Dr. Bernhard Eitel, ein­ge­la­den hat, wer­den die ba­den-württem­ber­gi­sche Wis­sen­schafts­minis­te­rin Theresia Bauer, der Vor­sitzende des Landes­ver­bandes, Daniel Strauß, und der Vor­sitzende des Zentral­rats Deut­scher Sinti und Roma, Romani Rose, teil­nehmen.

„Mit der Förderung der Forschungsstelle Antiziganismus setzen wir ein Zei­chen – gegen das Schweigen, für die Auf­klärung. Damit wird das Land auch seiner histo­ri­schen Ver­pflich­tung den Sinti und Roma gegen­über ge­recht“, be­tont Minis­te­rin Bauer. Die neue Ein­rich­tung wird aus Mitteln des ba­den-württem­bergi­schen Wissen­schafts­minis­te­riums finan­ziert. Die For­schungs­stelle be­schäf­tigt sich mit grund­legen­den Fragen zu Ur­sa­chen, Formen und Folgen des Anti­ziganis­mus in den euro­päi­schen Gesell­schaf­ten vom Mittelalter bis in die Gegenwart.

„Ausgehend von der bis heute anhaltenden Stigmati­sie­rung von Sinti und Roma gilt es, Stereotype, Vor­urteile und die daraus resul­tie­ren­den Mecha­nis­men der Ausgrenzung his­to­risch fun­diert unter dem Dach der noch jungen Anti­zi­ga­nis­mus­forschung zu un­ter­suchen. Dies ist eine Auf­gabe von großer wissen­schaft­licher, gesell­schaft­li­cher und poli­ti­scher Dring­lich­keit“, betont der Heidel­berger Zeit­histo­ri­ker Prof. Dr. Edgar Wolfrum, der das Kon­zept für die For­schungs­stelle mit Mit­arbei­terin­nen des Arbeits­bereichs Min­der­heiten­ge­schich­te und Bürger­rechte in Europa er­ar­bei­tet hat. Read the rest of this entry »

Neu: Zeitschrift für Flüchtlingsforschung

Juni 2nd, 2017  |  Published in Medien & Presse, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht, Wissenschaft

Wie könnte ein solidarisches EU-Asylrecht aus­sehen? Vor wel­chen Heraus­for­de­run­gen steht die Forschung zum The­ma Erst­aufnahme­ein­rich­tun­gen von Flüchtlingen? In der ersten Ausgabe der „Zeit­schrift für Flücht­lings­for­schung“ stel­len Wis­sen­schaft­ler aktuel­le Er­kennt­nisse vor.

Z'fluchtZeitschrift für Flüchtlingsforschung
The German Journal for Refugee Studies

Die Zeitschrift für Flüchtlingsforschung (ZFlucht) ist ein neues peer-reviewed journal, das sich ex­pli­zit als trans- und inter­diszipli­nä­res Organ ver­steht und danach strebt, als „Infor­ma­tions­knoten“ der wissen­schaft­li­chen Com­mu­nity die in­ter­dis­zipli­näre Zu­sam­men­arbeit und Vernetzung in der Flüchtlings­forschung sicht­bar zu machen und diese lang­fristig voran­zu­treiben.

Die ZFlucht zielt darauf, herausragende wissenschaftliche Bei­träge zu den Themen Flucht, Vertreibung und anderen Formen der Gewalt­migration sowie zum Flüchtlings­schutz und zur (Re-)Integration von Flücht­lin­gen zu ver­öffent­li­chen. Inhalt­lich relevante Beiträge kön­nen sich auf globale, regionale, nationale und lokale Ent­wick­lun­gen sowie auf theoretische Aus­einan­der­setzun­gen be­zie­hen. Die Zeitschrift ist an der Schnittstelle zwi­schen Wissenschaft und Praxis an­ge­sie­delt. Sie rich­tet sich expli­zit an Sozial-, Kultur-, Rechts- und Geistes­wissen­schaft­lerIn­nen und zudem an Berufs­prak­ti­kerIn­nen und Ent­schei­dungs­trä­gerIn­nen in Politik, Verwaltung, Ver­bän­den und (inter­natio­nalen) Nicht­regierungs­orga­ni­sa­tio­nen sowie an Ehren­amtliche, Frei­wil­lige und Fach- und Füh­rungs­kräfte der Sozialen Arbeit.

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Studie: Hate Crimes in der Steiermark

April 10th, 2017  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Steiermark: 4 von 10 Befragten geben an, im letzten Jahr Opfer verbaler Angriffe gewesen zu sein (Verbale Hate Crimes laut ETC-Studie)Die von der Antidiskriminie­rungs­stel­le Steier­mark beim ETC Graz in Auf­trag ge­ge­be­ne Studie zeigt erst­mals das Aus­maß von Hate Crime in der Steier­mark: Eine Rei­he von Maß­nah­men soll die Men­schen nun wei­ter sen­si­bi­li­sie­ren.

Es sind die ersten offiziellen Zahlen, die rund um das The­ma Hate Crime in der Steiermark erhoben wur­den. Das ETC Graz (Euro­päi­sches Trai­nings- und Forschungs­zentrum für Men­schen­rechte und Demo­kratie) be­frag­te im Auf­trag der Anti­diskri­mi­nie­rungs­stelle Steiermark landes­weit 1.112 Men­schen mit Migrations­hinter­grund.

Die Ergebnisse: 431 Personen (39 Prozent) gaben an, in den ver­gan­ge­nen 12 Mo­na­ten zumin­dest ein­mal wegen ihrer Haut­farbe, Religion oder Herkunft be­schimpft, be­leidigt oder be­droht wor­den zu sein. Davon waren 188 Per­so­nen (17 Pro­zent) öfter als 3 Mal be­trof­fen. Opfer eines kör­per­li­chen Über­griffs auf­grund von Haut­farbe, Religion oder Her­kunft wur­den in den ver­gan­ge­nen 12 Mo­na­ten laut Befra­gung 98 Per­so­nen (9 Prozent). Davon 31 Per­so­nen (3 Prozent) öf­ter als 3 Mal.

Unter der Berücksichtigung von Mehrfachnennun­gen lässt sich fol­gen­de Hoch­rech­nung tref­fen: In der Steiermark er­eig­nen sich laut der Studie bis zu 4.100 Hate Crimes pro Jahr. Und zwar zwi­schen 2.500 und 3.500 verbale Attacken so­wie 400 bis 600 körperliche Übergriffe. Auf­fal­lend auch: Am häu­figsten pas­sier­ten diese Vor­fälle (verbal und kör­per­lich) auf der Straße, in Parks bzw. in öffent­li­chen Verkehrs­mitteln.

„Für uns bedeuten diese Zahlen, dass wir noch stärker das Be­wusst­sein für dieses Thema schär­fen müs­sen“, sagt Daniela Grabovac, Lei­te­rin der Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­stelle Steier­mark. So plant die Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­stelle ge­mein­sam mit dem ETC Tages­ver­an­stal­tun­gen u.a. in Zu­sam­men­arbeit mit dem Verein „Gemeinsam Sicher“, bei de­nen Po­li­zis­tin­nen und Polizisten mit Be­trof­fe­nen zu­sam­men­kom­men, um das gegen­seitige Ver­ständ­nis zu stär­ken. Auch das Per­sonal der Grazer Ord­nungs­wache soll dazu ein­ge­laden wer­den.

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Ungarn: CEU-Schließung träfe auch Roma

April 5th, 2017  |  Published in Einrichtungen, Jugend & Bildung, Politik, Wissenschaft

Roma Access Programs (Foto: CEU)Die „Central European University“ (CEU) in Budapest ist schwer unter Be­schuss. Viktor Orbáns rechts­kon­ser­va­ti­ve Re­gie­rung bringt nicht nur auf inter­na­tio­nale Un­terstützung angewiesene NGOs in Be­dräng­nis (da­runter Men­schen­rechts-Or­ga­ni­sa­tio­nen, die für die Rechte der Roma-Min­der­heit ein­tre­ten); das jüngste Manöver sei­ner „illibera­len De­mo­kratie“ wen­det sich nun auch ge­gen die re­nom­mier­te Buda­pester Privat­-Universität CEU. Eine – spe­ziell auf die CEU zu­geschnit­tene – Novelle des un­ga­ri­schen Hochschul­gesetzes sieht näm­lich vor, dass Hoch­schulen mit einem Träger außer­halb der EU eine Uni­ver­sität im Mut­ter­land be­trei­ben müs­sen, um in Ungarn tä­tig sein zu dür­fen. Dies ist bei der US-fi­nan­zier­ten CEU nicht der Fall. „Wer die Bedin­gun­gen dieser Gesetzes­mo­di­fi­zie­rung nicht er­füllt, darf ab 1. Jän­ner 2018 keine Studien­anfän­ger mehr auf­neh­men“, heißt es in der am Diens­tag ver­ab­schie­de­ten Novelle. Die 1991 von George Soros be­grün­dete CEU steht so­mit vor der Schlie­ßung.

Auch bei dem Vorgehen gegen die CEU geht es um eine – durch­aus auch anti­semi­tisch grun­dierte – Kam­pagne gegen den aus Bu­da­pest stam­men­den US-Milliar­där, des­sen „Open Society Foundations“ (ehe­mals OSI) zahl­reiche zivil­gesell­schaft­li­che Initia­tiven in den jun­gen Demo­kra­tien Ost- und Mittel­europas unter­stützt, ins­beson­dere auch Pro­jekte und Ein­rich­tun­gen für Roma.

Ganz in diesem Sinne betreibt auch die CEU seit 12 Jah­ren ein eigenes Förder­programm für Roma-Stu­dieren­de: Be­reits mehr als 250 Roma-Aka­demi­ker/-innen ver­danken ihre Aus­bildung den „Roma Access Programs“ (RAP) der CEU. Viele von ihnen neh­men heute – als aka­de­mi­sche Elite ihrer Volksgruppe – an Schlüssel­stellen der euro­päi­schen und natio­na­len Insti­tu­tio­nen Ein­fluss auf die Ge­stal­tung der Roma-Politik. Der­zeit ist die CEU dabei, die­ses Programm un­ter dem Dach der neuen „Roma in European Societies“-Ini­tia­tive weiter aus­zu­bauen. Diese wurde 2016 in Ko­ope­ra­tion mit der däni­schen Velux-Stif­tung, dem „Roma Initiatives Office“ der „Open So­cie­ty Foun­da­tions“ und dem „Roma Education Funds“ be­grün­det. Ihre Fi­nan­zie­rung be­trägt fünf Mil­lio­nen Euro. Ver­bunden mit der neuen Initia­tive ist an der CEU zu­dem gera­de erst ein eige­ner Lehrstuhl für „Roma Studies“ ein­gerich­tet wor­den; be­setzt wurde er mit den Roma-Wis­sen­schaft­lern Iulius Rostas und Angela Kocze.

All dies steht nun auf dem Spiel. Orbáns Angriff auf die CEU ist auch ein Schlag gegen die Eman­zi­pa­tion der Roma.

(Roman Urbaner/dROMa)

„Doppeltes Unrecht“

März 26th, 2017  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Recht & Gericht, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft

Der BGH stellt sich seiner Geschichte: Broschüre "Doppeltes Unrecht" „Doppeltes Unrecht – ein späte Entschuldigung“

Gemeinsame Publikation des deutschen Bundes­ge­richts­hofs und des Zentral­rats Deut­­scher Sin­ti und Roma

Am 17. Februar 2016 fand das gemeinsame Symposium des Bun­des­gerichts­hofs und des Zentral­rats Deut­scher Sinti und Roma zur Auf­arbei­tung der Ent­schä­di­gungs­recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs aus den 1950er Jah­ren be­tref­fend die na­tionalsozialistische Ver­fol­gung von Sinti und Roma statt. Die Er­geb­nis­se des Sym­po­si­ums wur­den nun in einer ge­mein­sa­men Publi­ka­tion des Bundesgerichtshof und des Zentral­rats ver­öf­fent­licht. Die Broschüre ent­hält al­le Beiträge der Ver­anstal­tung – ein­schließ­lich der bei­den Vor­träge von Herrn Prof. Dr. Dr. Ingo Müller und Herrn Richter am Bun­des­ge­richts­hof a. D. Dr. Detlev Fischer – so­wie die Urteile des Bundesgerichtshofs vom 7. Ja­nuar 1956, die den Ge­gen­stand des Sym­po­si­ums bil­de­ten.

Aus dem Vorwort:

„Eine späte Entschuldigung in symbo­li­scher Weise wie auch ganz expli­zit zum Aus­druck zu brin­gen, war der tra­gen­de Ge­dan­ke des Symposiums, das am 17. Februar 2016 in den Räu­men des Bundesgerichtshofs statt­ge­fun­den hat. Die Ent­schul­di­gung gilt den Sinti und Roma, de­nen durch die Ent­schä­di­gungs­recht­sprechung des Bun­des­ge­richts­hofs in den 50er Jahren wei­teres Unrecht wider­fah­ren war. Durch eine Rechtsprechung, die die ras­sis­ti­sche Moti­va­tion der Verfolgung der Sin­ti und Ro­ma durch die National­sozia­lis­ten ne­gier­te, die be­trof­fe­ne Be­völ­ke­rungs­gruppe er­neut pau­schal dis­kri­mi­nier­te und den recht­su­chen­den Opfern Entschädigung ver­sagte. Read the rest of this entry »

Vortrag: Antiziganismus & Arbeitsgesellschaft

Februar 28th, 2017  |  Published in Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Weiterdenken: Vortrag und Diskussion mit Roswitha Scholz

Neighbours in the Hood: Herbstschule Antiziganismus und Self-em­power­ment (Fest­spiel­haus Hel­lerau, Dresden), 26.9.2015

Die Diskriminierung von Roma und Romnja be­ruht nicht nur auf dem fal­schen Den­ken Ein­zel­ner, son­dern sie grün­det im Wesen der bürger­li­chen Gesell­schaft selbst. Kri­tik an Rassismus reicht hier nicht: Die im Ka­pi­ta­lis­mus spe­zi­fisch ge­hass­te ethni­sier­te „Asozialität“ wird im Vor­trag gesell­schafts­kri­tisch un­ter­sucht.

Intro (8.45 min) | Diskussion (24.40 min)

(Weiterdenken | Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen)

„… und gehört zur Volksgruppe der Roma“

Februar 12th, 2017  |  Published in Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht, Wissenschaft

Cover der Deutschen Richterzeitung (Foto: via Zentralrat)Prof. Dr. Andreas Mosbacher/Romani Rose:
„…und gehört zur Volksgruppe der Roma…“

Artikel in der Deutschen Richterzeitung
DRiZ, Heft 2/2017 (Inhaltsverzeichnis)

In der neuesten Auflage der Deutschen Richterzeitung (DRIZ 2/2017) wurde ein ge­mein­schaft­li­cher Ar­ti­kel von Richter am Bun­des­gerichts­hof Prof. Dr. Andre­as Mos­bacher und dem Vor­sitzen­den des Zentral­rats Ro­mani Rose ver­öf­fent­licht. Ob­wohl in den per­sön­li­chen Ver­hält­nis­sen im Ur­teil le­dig­lich Kri­te­rien wie, wann und wo der An­geklag­te ge­bo­ren, in wel­chen Ver­hält­nis­sen er auf­ge­wach­sen ist, seine schu­li­sche und beruf­li­che Bil­dung, sein Beruf und die fa­miliä­ren und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nisse zu nen­nen sind, ver­weisen eini­ge Ur­teile auf die Zu­ge­hö­rig­keit zu einer Volks­gruppe. Die Nen­nung der eth­ni­schen Zu­ge­hörig­keit ist, wie bes­timm­te an­dere In­for­ma­tio­nen über den An­geklag­ten, ein typi­sches Einfalls­tor für die Dis­kri­mi­nie­rung von Min­der­heiten und die Be­stäti­gung la­ten­ter Vor­urteile. Un­ter dem Titel „…und ge­hört zur Volks­gruppe der Roma“ wer­ben die Auto­ren für mehr Sen­si­bi­li­tät der Straf­justiz beim Um­gang mit Minder­heiten.

(Text: Zentralrat)