Mai 6th, 2020 |
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Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte
Gedenkstättenschändungen: Mauthausen-Komitee kritisiert Totschweigen. Mernyi fordert Transparenz und Aktionsplan
Gestern vor 75 Jahren wurde das KZ Mauthausen befreit. Für die Häftlinge war dieser Ort die Hölle. Noch immer kämpfen die Überlebenden für ein „Niemals wieder“. Umso schockierter ist das Mauthausen-Komitee Österreich (MKÖ) über die hohe Zahl an Schändungen von Gedenkstätten für NS-Opfer. Wie Nationalratsabgeordnete Sabine Schatz durch eine Parlamentarische Anfrage an das Innenministerium herausgefunden hat, sind 107 Fälle allein seit 2013 aktenkundig [Anm. d. dROMa-Red.: Stichtag 3. Februar 2020; spätere Vorfälle wie dieser sind nicht inkludiert]! 22 dieser Fälle waren Schändungen der KZ-Gedenkstätte Mauthausen. (→Anfragebeantwortung / PDF, 958 KB)
Die Öffentlichkeit hat nur von ganz wenigen dieser Straftaten erfahren, zuletzt im Jänner von der Beschmierung des niederländischen Denkmals in Mauthausen mit fünf Hakenkreuzen.
„Es ist völlig unverständlich, dass das Innenministerium, die Sicherheitsbehörden und die verantwortlichen Politiker die allermeisten Gedenkstättenschändungen bisher totgeschwiegen haben“, kritisiert MKÖ-Vorsitzender Willi Mernyi. „Wenn gerade an einem Ort, Read the rest of this entry »
Mai 4th, 2020 |
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Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Internet & Blogothek, Wissenschaft
26 Millionen Dokumente über NS-Verfolgte online
Ein weltweit einmaliges „Denkmal aus Papier“ ist nun im Internet verfügbar: Die historischen Bestände der Arolsen Archives stehen fast vollständig online. Nun können Interessierte auf der ganzen Welt über das Online-Archiv auf 26 Millionen Dokumente mit Informationen zu 21 Millionen Namen* von NS-Verfolgten zugreifen. Die Arolsen Archives haben ihre Sammlung im Internet zuletzt mit Dokumenten über Zwangsarbeiter und über Deportationen in die Konzentrationslager erweitert. Mit diesem Schritt ist nun ein Großteil der Dokumente aus dem weltweit umfassendsten Archiv über NS-Verfolgung online veröffentlicht.
Innerhalb von weniger als einem Jahr haben die Arolsen Archives mit ihrem Partner, der Internationalen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, Israel, eine der größten Sammlungen über die Opfer der Nationalsozialisten fast vollständig online gestellt. Im Mai 2019 war das neue Online-Archiv mit 13 Millionen Dokumenten an den Start gegangen. Yad Vashem stellte dafür seine hochmoderne Technologie zum schnellen Datenabruf mit erweiterter Ort- und Namensuche bereit, damit die Holocaust-Dokumentation leichter zugänglich ist. Nun ist ein Meilenstein erreicht: Die zum UNESCO-Weltdokumentenerbe zählende Sammlung zu den verschiedenen Opfergruppen des NS-Regimes, zur Zwangsarbeit sowie zur Migration nach 1945 ist öffentlich. Zuletzt gingen zwei riesige Bestände online. Sie dokumentieren die Verbrechen der Nazis mit einzigartigen Beweisstücken und sind von unschätzbarem Wert für die Angehörigen der Verfolgten: Read the rest of this entry »
April 10th, 2020 |
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Geschichte & Gedenken, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Am Karfreitag 1980, dem 4. April, traten zwölf Sinti, unter ihnen die Überlebenden des Holocaust Jakob Bamberger, Hans Braun, Ranco Brandtner und Franz Wirbel, in der Evangelischen Versöhnungskirche auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau in den Hungerstreik. Zentrale Forderungen waren die Anerkennung des NS-Völkermords an den Sinti und Roma durch die Bundesregierung, die sofortige Beendigung der polizeilichen Sondererfassung von Sinti und Roma sowie die Herausgabe der NS-Akten aus dem ehemaligen Reichssicherheitshauptamt, die im Bayerischen Landeskriminalamt weiterhin verwendet worden waren. Der Protest löste eine breite internationale Solidaritätswelle aus und markierte einen Wendepunkt in der öffentlichen Wahrnehmung der Minderheit.
„Die Anerkennung des Völkermords an den Sinti und Roma am 17. März 1982 durch Bundeskanzler Helmut Schmidt stellte die Erfüllung einer zentralen Forderung des Hungerstreiks dar. Diese völkerrechtliche Anerkennung bedeutete einen Neubeginn im Verhältnis der Bundesregierung zu den deutschen Sinti und Roma“, erklärt Romani Rose.
Die polizeiliche Sondererfassung in der Bundesrepublik erfolgte durch bayerische Kriminalpolizisten in der „Landfahrerzentrale“, die bis in die 1970er Jahre Namen, Fingerabdrücke und persönliche Daten von Sinti und Roma aus dem gesamten Bundesgebiet in Akten erfasste. Diese Erfassung setzte direkt die NS-Erfassung fort, und zwar auf der Grundlage der NS-Akten und mit dem Personal aus dem ehemaligen RSHA, die im Bayerischen LKA wieder verbeamtet worden waren – und die regelmäßig in Entschädigungsanträgen von Sinti und Roma als Gutachter fungierten. Read the rest of this entry »
April 5th, 2020 |
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Facts & Figures, Geschichte & Gedenken
Im Mai 2009 wurde beim ehem. NS-Durchgangslager in Bozen eine Gedenktafel für die deport. Sinti enthüllt; schon im Okt. wurde sie geschändet.
(Quelle)
→Gedenktafel (Foto: Gedenkorte Europa)
April 1st, 2020 |
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Facts & Figures, Geschichte & Gedenken
Unter den ca. 4.000 republikan. Spaniern, die im KZ Gusen (Mauthausen) ermordet wurden, befanden sich auch mehrere Gitanos (Roma).
(Quelle)
März 7th, 2020 |
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Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte
Na prindscharde tetertscha ando ar le kurkestar o tikno gondolipeskero than „Niemals Vergessen“ ande Leopoldskron-Moos (Salzburg) phare pujste tschite. Ada palgondolinel upro ande tschapime dschene le „Zigeuner-“ vaj. „Anhaltelager“istar le nacijonalsocijalistendar ando pasche paschlo Maxglan. O Sinti taj Roma dschi 1945 ando logeri murdarde ule.
O gondolipeskero than la Salzburger Radiofabrikatar 2010 ando keripe jek EU-akere projektistar usi dokumentacija la logeriskera historijatar ando foro Salzburg kerdo ulo. Jeke dschenesko suboton upre pelo o pujsto tschijipe le gondolipeskere thanestar. Palalal dikipe dschenendar i bavlal artschapim ol, hot o pujsto tschipe odotar al. I skulptura andar srasta igen pharo hi. O kascht pasche sasto. O pujsto tschijipe le gondolipekere thanestar uso harengere aunsesim ulo. Odola gejng na prindscharde tetertscha ermitlinen. Te politischi aunastaripe sina, ada dschijakan na prindschardo hi.
Hitleriskeri reschiserkija Riefenstahl
O aguno logeri le nacijonalsocijalistendar ande Maxglan te la Hitler reschiserkijatar Leni Riefenstahl te kerel hi. Oj ando haburi barikani filmiskeri keraschkija andi Germanija sina. Lakere filmiske „Tiefland“, savi oj ando 1940 dschi 1942 dranintscha taj erscht 1954 telal demokratischi situacija andi bundakeri republika kisetintscha, lija oj ando „Dritten Reich“ schtatisktscha andar i flogoskeri grupn le Romendar taj Sintijendar. Odola ale te andar o logeri Maxglan andar Salzburg. Read the rest of this entry »
März 3rd, 2020 |
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Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte
In Salzburg-Leopoldskron wurde ein Holocaust-Mahnmal schwer beschädigt. Die Metallskulptur erinnert seit zehn Jahren an die im NS-Lager Maxglan internierten und von dort deportierten Sinti und Roma.
Bislang unbekannte Täter haben das Salzburger Mahnmal geschändet, das unter dem Titel „Niemals vergessen“ im Stadtteil Leopoldskron-Moos an die während der NS-Herrschaft zwangsinternierten Roma und Sinti erinnert. Den Salzburger Nachrichten zufolge hatte eine Anrainerin bereits am 29. Februar gemeldet, dass die Skulptur am Schwarzgrabenweg (Kreuzung Kräutlerweg) gewaltsam und unter großer Kraftaufwendung vom Steinsockel gestoßen worden war. Am Montag wurde auf einer Polizeiinspektion in der Stadt Salzburg auch eine formelle Anzeige eingebracht. Laut Aussendung der Landespolizeidirektion fällt die Tat in die „Zeit zwischen 22. und 29. Februar 2020“. Die Schadenshöhe sei derzeit nicht bekannt. Der heftige Sturm, der letzte Woche in Salzburg für Sachschäden sorgte, kann jedenfalls nach einer Begehung als Ursache ausgeschlossen werden. Das Mahnmal wiegt mehrere Hundert Kilogramm, auch der sich daneben befindliche Baum ist intakt.
Das Denkmal wurde von der „Radiofabrik – das Freie Radio in Salzburg“ vor zehn Jahren im Rahmen eines EU-Projekts zur Aufarbeitung des NS-Anhaltelagers für Roma und Sinti auf einem Grundstück der Stadt Salzburg in der Nähe der Kendlersiedlung in Leopoldskron-Moos errichtet, um an die Internierten des „Anhalte“- bzw. „Zigeunerlagers“ Maxglan zu erinnern. Das Mahnmal wurde als „Hörmahnmal“ konzipiert, die Skulptur wurde vom Salzburger Künstler Zoltan Pap gestaltet. In Kooperation mit erinnern.at haben auch mehrere Schulen und der Verein Ketani an der Erinnerungsarbeit mitgewirkt.
Das „Zigeunerlager“ Maxglan
Das irreführenderweise nach dem unmittelbar angrenzenden Salzburger Stadtteil Maxglan benannte Zwangslager diente den Nationalsozialisten später als Ausgangspunkt für die Deportationen. Die meisten Lagerinsassen wurden in der Folge in Auschwitz-Birkenau ermordet. Read the rest of this entry »
Februar 27th, 2020 |
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Geschichte & Gedenken, Medien & Presse
25 Jahre Romaattentat
75 Jahre Befreiung KZ Auschwitz
Gedenkorte für Roma unter den Opfern des NS-Regimes in Oberpullendorf und Kemeten
→Download der Ausgabe 1/2002 (pdf)
Editorial:
Diese Ausgabe der RomaCajtung befasst sich mit einer Reihe von Gedenkveranstaltungen und der Gedenkarbeit, die die Roma Volkshochschule Burgenland in Kooperation mit anderen Romavereinen und Gemeinden durchführt. Auf der Tagung zum Internationalen Romatag am 4.4.2020 berichten ExpertInnen über das europäische Phänomen der Gewalt gegen Roma und wie unsere Gesellschaft dagegen vorgehen kann.
Ein weiterer Schwerpunkt unseres Frühjahrsprogrammes widmet sich Roman, der Sprache der Roma. Die Roma VHS erprobt einerseits ein neues Format unter dem Titel „Kurz & Kompakt“. In eintägigen Schnupperkursen in Oberwart und Eisenstadt erhalten die TeilnehmerInnen einen ersten, kompakten Einblick in diese immer seltener verwendete Sprache. In Kooperation mit dem Verein Roma-Service wird aber auch ein intensiver Sprachkurs an 10 Abenden angeboten.
Präsentationen neuer Publikationen von Katharina Janoska „KriegsROMAn. Die Geschichte einer Familie“ sowie von Mag. Dr. Gerhard Baumgartner und Mag. Dr. Herbert Brettl „Einfach weg! Verschwundene Romasiedlungen im Burgenland“ werden sowohl im Frühjahrsprogramm als auch im Herbstprogramm in Kooperation mit den AutorInnen durchgeführt. Read the rest of this entry »
Februar 12th, 2020 |
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Geschichte & Gedenken
Die von Gerhard Baumgartner, dem Wissenschaftlichen Leiter des DÖW, im Rahmen der Gedenkfeier für die Opfer des Bombenattentats von Oberwart gehaltene Rede zum Nachlesen, veröffentlicht auf der Website des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstands.
Ansprache im Rahmen der Gedenkfeier für die Opfer des Bombenattentats von Oberwart vor 25 Jahren, Oberwart, 4. Februar 2020
Das Bombenattentat von Oberwart war der erste [Anm.: innen-]politische Mord der Nachkriegszeit: ein Österreicher tötete vier seiner Landsleute aus politischen Motiven. Das Attentat markiert das Ende von fünf Jahrzehnten friedfertiger und konsensualer Politik in Österreich und ein Wiedererwachen eines mörderischen, rassistischen Rechtsextremismus. Erwin Horvath, Karl Horvath, Peter Sarközi und Josef Simon wurden Opfer einer rechtsextremen Ideologie, die sich gegen Minderheiten im eigenen Land und gegen Zuwanderer und Zuwanderinnen richtete und richtet.
Die Bombe von Oberwart war eine direkte Reaktion auf die Anerkennung der Roma als österreichische Volksgruppe. Mit einstimmigem Beschluss des Nationalrates vom 16. Dezember 1993 wurden die österreichischen Roma- und Sintigruppen unter der Bezeichnung „Volksgruppe der Roma“ als sechste österreichische Volksgruppe anerkannt. Dem war ein langes und zähes Ringen vorausgegangen. Schon seit den 1970er-Jahren hatten Vertreter der österreichischen Volksgruppen und internationale Roma-Aktivisten immer wieder eine Anerkennung im Sinne des Volksgruppengesetzes 1976 gefordert. Am 15. Juli 1989 wurde hier in Oberwart der erste Vertretungsverein der Volksgruppe etabliert. Die Bemühungen des Vereins unter der Leitung des ersten Präsidenten Ludwig Papai führten schon vier Jahre später zur offiziellen Anerkennung.
Mit dieser Anerkennung gelang es den österreichischen Roma und Sinti – wie es der erste Vorsitzende des Volksgruppenbeirates Prof. Rudolf Sarközi formulierte –, einen Schritt vom Rand der österreichischen Gesellschaft in deren Mitte zu machen. Die Anerkennung markierte tatsächlich das Ende einer jahrhundertelangen institutionalisierten Verfolgungsgeschichte – auch durch die Republik Österreich.
In der Zwischenkriegszeit lebten rund 12.000 österreichische Roma und Sinti auf dem Gebiet des heutigen Österreich, die Mehrzahl davon, rund 9.000, im Burgenland. Dem Rassenwahn und der Verfolgungspolitik der Nationalsozialisten fielen 90 Prozent der österreichischen Romabevölkerung zum Opfer. Read the rest of this entry »
Februar 10th, 2020 |
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Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV, Veranstaltungen & Ausstellungen
Roma sam
Radijo Burgenland: 3.2.2020 | (on demand)
Le gondolipeske le atentatistar Erbate, upral i rat le 4. upro 5. feberistar 1995, mulatintscha i Roma VHS andi koperacija la „AK-Bücherei“iha jek podijumakeri diskusijona.
Angle 25 berscha ando 4to feberi 1995 o Erwin Horvath, o Karl Horvath, o Peter Sarközi taj o Josef Simon use jek politischi taj rasistischi motivirimo bombakero aunastaripe, kada on jek tablina le pisinipeha „Roma pal andi Indija“ tel te lel kamnahi, murdarde ule. Oda atentato bar duk la flogoskera grupnake le Romendar pal mukla. Medijakere fatretertscha, save ojs erschti odoj sina, taj pedar oda keripe schaj phukade, sina o agune ORF-iskere journalistscha Walter Reiss taj Erich Schneller, sar o Peter Sitar, Erbakero redakteur uso papruschengeri nevipe „Kurier“. On pal gondolinde khetan le Ludwig Horvathiha, savo andi Roma sidlung dschil, usi podijumakeri diskusijona, upro di le terorjistar, savo andi historija ande gelo.
Ando kesdipe o mediji jeka „Fehde“jatar phukavnahi taj na jeke rasistischi motivirti aunastaripestar upro Roma. Aja informacija upro arpheniptscha le harendar anglo than odotar ar gelo. Nisaj rodipe ko taj sar oda schaj sina imar informacija ari dim uli, savo o rasismus upri flogoskeri grupn le Romendar papal sikatscha. Paloda ertschi o tschapinipe le nevipendar ari dim ulo taj jek di paloda phendo ulo, hot jek atentato sina, taj upri flogoskeri grupn le Romendar gelo.
O Walter Reiss andar o ORF Burgenland ande oja cajt phukavlaihi taj palgondolinel upro erschti ori la bibastatar. Erich Schneller, mitglid la Flogoskera Utscha Ischkolatar taj vodaschi le Romengere micinipestar, o erschti vakeriptscha le reste dscheneca la flogoskera grupnaha kertscha. But lendar traumatisirim sina. O trauma, so o bibastalipe andi NS-akeri cajt terdschivdo ulo, igen hor beschto sina, taj i dar savi imar jefkar terdschivde papal dschivdo ulo. Read the rest of this entry »
Februar 7th, 2020 |
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Geschichte & Gedenken, Medien & Presse, Veranstaltungen & Ausstellungen
Roma sam
Radio Burgenland: 3.2.2020 | (on demand)
Anlässlich des Gedenkens an das Attentat in Oberwart, in der Nacht vom 4. auf den 5. Februar 1995, veranstaltete die Roma-VHS in Kooperation mit der AK-Bücherei eine Podiumsdiskussion in Oberwart.
Vor 25 Jahren tötete eine Rohrbombe vier Roma: Josef Simon, Erwin Horvath, Karl Horvath und Peter Sarközi. Das rassistisch motivierte Attentat hinterließ tiefe Wunden bei den Volksgruppenangehörigen und rückte diese zugleich in den Fokus der Öffentlichkeit. Medienvertreter, die damals zu den Ersten gehörten, die über die Geschehnisse in Oberwart berichteten, waren die ehemaligen ORF-Journalisten Walter Reiss und Erich Schneller sowie Peter Sitar, selbst Oberwarter und damals Redakteur beim Kurier. Sie erinnerten sich bei der Podiumsdiskussion gemeinsam mit Ludwig Horvath, der in der Roma-Siedlung lebt, an jenen Tag, der als Tag des Terrors in die Geschichte eingegangen ist.
Noch bevor man von einem rassistisch motivierten Akt ausging, berichteten einige Medien von einer Fehde zwischen den Einwohnern der Romasiedlung. Diese Information ging auf Aussagen von Ermittlungsbeamten vor Ort zurück. Noch bevor man Klarheit hatte, verbreitete sich diese Information, die den Rassismus gegen Roma, drei Jahre nachdem diese als Volksgruppe anerkannt worden waren, deutlich werden ließ. Erst dann folgte eine Nachrichtensperre, bis schließlich klargestellt wurde: Es war ein Attentat, abgezielt auf die Volksgruppe der Roma.
Walter Reiss berichtete damals für den ORF und erinnert sich an diese ersten Stunden nach dem Grauen. Die Distanz als Journalist zu wahren, war für ihn damals die größte Herausforderung. Erich Schneller, Vorstandsmitglied der Roma-Volkshochschule und jahrelanger Wegbegleiter der Romabewegung, führte die ersten Interviews mit Betroffenen aus der Volksgruppe. Viele befanden sich in einer Art Schockzustand. Read the rest of this entry »
Februar 4th, 2020 |
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Dokumente & Berichte, Geschichte & Gedenken
Nach der Explosion der tödlichen Rohrbombe in der Romasiedlung Oberwart vor 25 Jahren ist erst eineinhalb Tage später in Richtung Terroranschlag ermittelt worden. Bis dahin wurden auch eine Fehde unter Roma, ein misslungener Sprengversuch und eben ein Anschlag als Möglichkeiten in Betracht gezogen.
Dem ORF Burgenland liegt exklusiv das Protokoll jenes Beamten vor, der den Einsatz in Oberwart im Februar 1995 zu Beginn geleitet hatte. Zunächst wurde gegen die vier toten Männer ermittelt. So wurde zum Beispiel auch vermutet, dass sie die Tafel mit der Aufschrift „Roma zurück nach Indien“ – als das die Rohrbombe getarnt war – selbst sprengen hatten wollen. Es gab Hausdurchsuchungen in der Roma-Siedlung. Erst eineinhalb Tage später wurde eine SOKO-Oberwart der Einsatzgruppe zur Bekämpfung des Terrorismus eingesetzt. Das brachte den Behörden viel Kritik ein: Die Opfer seien zu Tätern gemacht worden, lautete der Vorwurf.
Lesen Sie bitte den vollständigen Artikel mit den Auszügen aus dem Polizeiprotokoll auf burgenland.orf.at.
Februar 4th, 2020 |
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Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte
Der Oberwarter Bombenanschlag jährt sich heuer zum 25. Mal. Die Volksgruppe hat sich seit damals verändert, vieles ist besser geworden.
Roland Pittner, Kurier: „Wenn ich heute dort bei der Romasiedlung runter schaue, sehe ich noch den Gatsch, das Blut und die Hautfetzen“, sagt Tina Nardai. Sie war elf Jahre alt, als eine Rohrbombe vier Oberwarter Roma in der Nacht auf 5. Februar 1995 in den Tod riss. Josef Simon (40), Peter Sarközi (27), Karl Horvath (22) und Erwin Horvath (18) wurden tödlich verletzt. Die Bilder haben sich in Nardais Kopf gebrannt.
Und dieser Tag im Februar war ein Tag, der die Volksgruppe verändert hat. „Wir waren Kinder, es hat niemand mit uns darüber geredet. Es gab kein Kriseninterventionsteam, wir haben damit leben müssen und mit der Angst nach dem Anschlag“, sagt Nardai. Ihre Tochter Alysea ist heute so alt wie sie damals beim Attentat. Sie und ihre Schulkollegen bereiten gemeinsam mit Manuela Horvath vom Romapastoral der Diözese Eisenstadt die Gedenkfeier vor. „Es war totales Chaos in der Siedlung“, schildert Horvath. Sie war zehn Jahre alt, als ihr Onkel am 5. Februar 1995 in der Früh am Rande der Siedlung die vier Leichen entdeckte.
Angst
An die Angst können sich noch alle erinnern, keiner wusste damals, wer für die Bombe verantwortlich war und ob es weitere Anschläge geben würde. „Beim Begräbnis waren vermummte Polizisten mit Gewehren am Dach der katholischen Kirche. In der Zeit danach durften wir nicht mehr ohne Erwachsene draußen spielen“, erinnert sich Horvath. Das Geschehene ganz zu verarbeiten, sei unmöglich. „Es gehört zur jüngsten Zeitgeschichte, diese rassistischen Anschläge kann man nicht einfach streichen. Es war nicht nur die Rohrbombe in Oberwart“, sagt Horvath. Gemeinsam mit den Schülern hat sie die Biografien der Opfer erforscht. Mit einem Film haben die Jugendlichen das Geschehene aufgearbeitet. „Wir haben bei der Gedenkstätte gefilmt und Interviews mit Zeitzeugen des Attentats geführt. Der ehemalige Bischof Paul Iby schilderte uns, wie er diesen Tag erlebt hat“, sagt Alysea Nardai. Die Mädchen machen bei der Volksgruppenarbeit gerne mit.
Veränderung
Dass sie Roma sind, ist für die Jugendlichen ganz normal. „Ich stehe dazu“, sagt Alysea. Read the rest of this entry »
Januar 31st, 2020 |
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Ehrungen & Nachrufe, Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV
Roma sam
Radijo Burgenland: 20.1.2020 | (on demand)
O internacijonali di le gondolipestar upro opfertscha le holocaustistar | International Holocaust Remembrance Day, ando 27to jeneri ando bersch 2005 le khetane nacijonendar uso gondolipe upro holocaust taj uso berscheskero di le putrinipestar le logeristar Auschwitz-Birkenaus, kerdo ulo.
Ada bersch imar 75 berscha hi, kada o logeri Auschwitz putrim ulo. Jek prindschardi and tschapimi ando logeri Auschwitz sina i pisimaschkija taj kinstlerkija Ceija Stojka, savi angle 7 berscha ando 28to jeneri muli. Oj ando bersch 1943 pra dajaha taj pra phenjaha ando logeri Auschwitz-Birkenau ledschim uli. I Ceija use jek betschitiki Lovara familija kerinlahi taj oj andi sendung pre terdschijiptscha uso aunajipe ando logeri Auschwitz phukal. But, save Auschwitz ledschim ule oni upre pisinipe mindschart ando gas bitschade ule. Ando erschti deschberschengero pal o haburiskero kisetinipe, falati le and tschapime dschenendar bejg sina, vaschoda tschak scheciniptscha ar dim ule. Read the rest of this entry »
Januar 31st, 2020 |
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Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV
Roma sam
Radio Burgenland: 20.1.2020 | (on demand)
Der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust (International Holocaust Remembrance Day) am 27. Januar wurde im Jahr 2005 von den Vereinten Nationen zum Gedenken an den Holocaust und den Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau eingeführt.
Heuer jährte sich, am Montag, die Befreiung des KZ Auschwitz zum 75. Mal. Eine der bekanntesten Inhaftierten im Lager Auschwitz war die österreichische Schriftstellerin und Künstlerin Ceija Stojka, die vor sieben Jahren schicksalhaft am 28. Jänner verstarb. Sie wurde 1943 mit ihrer Mutter und Schwester in das KZ Auschwitz-Birkenau deportiert. Ceija gehörte zu einer Wiener Lovara-Familie und erzählt in der Sendung ihre Eindrücke bei der Ankunft im Lager Auschwitz. Die meisten nach Auschwitz Deportierten wurden ohne Registrierung unmittelbar von der Rampe ins Gas geschickt. In den ersten Jahrzehnten nach Kriegsende waren Teile der Häftlingsunterlagen verschollen, es konnten daher vielfach nur Schätzungen publiziert werden. Read the rest of this entry »
Januar 30th, 2020 |
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Facts & Figures, Geschichte & Gedenken, Jugend & Bildung
1930 bis 1938 bestand im südburgenländischen Stegersbach eine einklassige Apartheidsschule nur für Romakinder („Zigeunerschule“).
(Quelle)
Januar 29th, 2020 |
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Geschichte & Gedenken, Musik, Veranstaltungen & Ausstellungen
Requiem für Auschwitz – Konzert zum Gedenken an die Opfer des NS-Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung
Am Vorabend des Internationalen Holocaust-Gedenktages führten die Roma-und-Sinti-Philharmoniker gemeinsam mit dem Synagogal Ensemble Berlin am 26. Januar 2020 das „Requiem für Auschwitz“ von Roger Moreno-Rathgeb im Berliner Dom auf. Zum ersten Mal traten dabei die Philharmoniker mit dem Berliner Ensemble auf. Gemeinsam musizieren sie zur Würdigung der Opfer und Überlebenden sowie zum Gedenken an den 75. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau.
In seiner Rede betonte Romani Rose die Bedeutung eines lebendigen Gedenkens und rief auf zu einem gemeinsamen Kampf für unsere demokratische Wertegemeinschaft: „Der Name ‚Auschwitz‘ steht als Symbol für den Holocaust an den Sinti und Roma, in dem 500.000 Menschen den Tod fanden, für 6 Millionen ermordete Juden und für alle anderen Menschen, die unter dem nationalsozialistischen Terror gelitten haben oder durch ihn umkamen. Erinnern an die Opfer der nationalsozialistischen Menschheitsverbrechen bedeutet immer auch gelebte Verantwortung für die Gegenwart und für unser Gemeinwesen. Dabei darf Erinnern nicht zu einem leeren Ritual erstarren. Es muss ein lebendiges Gedenken sein – so wie diese Aufführung, bei der die Musikerinnen und Musiker der Roma-und-Sinti-Philharmoniker und des Synagogal Ensembles Berlin gemeinsam aller Opfer des Holocaust gedenken. […] Wir haben allen Grund stolz zu sein auf die Errungenschaften unserer Demokratie, die unsere Freiheit, und unseren Wohlstand garantiert, die aber nur bestehen kann, wenn die Verantwortung für das Gemeinwesen nicht durch egoistische Einzelinteressen ausgehöhlt wird. Der Kampf gegen Antiziganismus, Antisemitismus und jede Form von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit ist eine gesamtgesellschaftliche Verpflichtung. Read the rest of this entry »
Januar 28th, 2020 |
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Geschichte & Gedenken, Veranstaltungen & Ausstellungen
Palal phutschlo: La historija but perspektivtscha hi
25 berscha pal o Erbakero atentato: O Emmerich Gärtner-Horvath, anglebeschaschi le flogoskere grupnakere bajrotistar le Romendar taj schero le farajnistar Roma-Service, duach o artschijipe ando Kher la historijatar Austrija vodinel.
Keden, 28to jeneri 2020, 16.30 orenge
Kher la historijatar Austrija
Neue Burg, Heldenplatz, 1010 Betschi
Kada ando 4to feberi 1995 ando burgenlanditiko foro Erba schtar Roma murdarde ule, i republika telal bari dar terdscholahi: O dschi adi lek bareder politischi atentato sajt 1945 le austritike Romen taj Romnijen ando pradipe antscha – taj o murdaripeskero keripe le rasismusistar gejng o Romnija taj Roma upre sikatscha. O Emmerich Gärtner-Horvath phukal, sar le o bibastalo terdschijipe le berschestar 1995 pregintscha – ov ande oja cajt andi Erba o schero le erschti Romengere-farajnistar sina. Read the rest of this entry »
Januar 27th, 2020 |
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Geschichte & Gedenken, Veranstaltungen & Ausstellungen
Nachgefragt – Geschichte hat viele Perspektiven
25 Jahre nach dem Attentat von Oberwart: Emmerich Gärtner-Horvath, Vorsitzender des Volksgruppenbeirats der Roma und Obmann des Vereins Roma-Service, führt durch die Ausstellung im Haus der Geschichte Österreich.
Dienstag, 28. Jänner 2020, 16.30 Uhr
Haus der Geschichte Österreich
Neue Burg, Heldenplatz, Wien
Als am 4. Februar 1995 im burgenländischen Oberwart vier Roma getötet wurden, stand die Republik unter Schock: Das bis heute größte politische Attentat seit 1945 brachte die österreichischen Roma und Romnija in die Schlagzeilen – und machte auf das mörderische Ausmaß von Rassismus gegen Romnija und Roma aufmerksam. Emmerich Gärtner-Horvath erzählt, wie sehr ihn der gewaltsame Einschnitt des Jahres 1995 geprägt hat – er war zu dieser Zeit in Oberwart Obmann des ersten Roma-Vereins. 25 Jahre nach dem Attentat blickt er aber auch zurück, wie sich das gewachsene politische Bewusstsein ausgewirkt hat, und berichtet über erfolgreiche Projekte von Arbeitsmarktmaßnahmen bis hin zum Einsatz für den Erhalt der Sprache Burgenland-Roman.
In der Reihe „Nachgefragt“ führen spannende Persönlichkeiten durch die Ausstellung – und bringen so ihren Blickwinkel auf die letzten 100 Jahre österreichischer Geschichte ein.
→Haus der Geschichte Österreich
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Januar 26th, 2020 |
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Facts & Figures, Geschichte & Gedenken
Im Zweiten Weltkrieg bildete sich Mitte 1942 in Kroatien bei Daruvar eine erste Roma-Partisaneneinheit.
(Quelle/PDF)