Facts & Figures (161)
April 13th, 2017 | Published in Einrichtungen, Facts & Figures, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
(Quelle)
April 13th, 2017 | Published in Einrichtungen, Facts & Figures, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
(Quelle)
April 10th, 2017 | Published in Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Die von der Antidiskriminierungsstelle Steiermark beim ETC Graz in Auftrag gegebene Studie zeigt erstmals das Ausmaß von Hate Crime in der Steiermark: Eine Reihe von Maßnahmen soll die Menschen nun weiter sensibilisieren.
Es sind die ersten offiziellen Zahlen, die rund um das Thema Hate Crime in der Steiermark erhoben wurden. Das ETC Graz (Europäisches Trainings- und Forschungszentrum für Menschenrechte und Demokratie) befragte im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle Steiermark landesweit 1.112 Menschen mit Migrationshintergrund.
Die Ergebnisse: 431 Personen (39 Prozent) gaben an, in den vergangenen 12 Monaten zumindest einmal wegen ihrer Hautfarbe, Religion oder Herkunft beschimpft, beleidigt oder bedroht worden zu sein. Davon waren 188 Personen (17 Prozent) öfter als 3 Mal betroffen. Opfer eines körperlichen Übergriffs aufgrund von Hautfarbe, Religion oder Herkunft wurden in den vergangenen 12 Monaten laut Befragung 98 Personen (9 Prozent). Davon 31 Personen (3 Prozent) öfter als 3 Mal.
Unter der Berücksichtigung von Mehrfachnennungen lässt sich folgende Hochrechnung treffen: In der Steiermark ereignen sich laut der Studie bis zu 4.100 Hate Crimes pro Jahr. Und zwar zwischen 2.500 und 3.500 verbale Attacken sowie 400 bis 600 körperliche Übergriffe. Auffallend auch: Am häufigsten passierten diese Vorfälle (verbal und körperlich) auf der Straße, in Parks bzw. in öffentlichen Verkehrsmitteln.
„Für uns bedeuten diese Zahlen, dass wir noch stärker das Bewusstsein für dieses Thema schärfen müssen“, sagt Daniela Grabovac, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle Steiermark. So plant die Antidiskriminierungsstelle gemeinsam mit dem ETC Tagesveranstaltungen u.a. in Zusammenarbeit mit dem Verein „Gemeinsam Sicher“, bei denen Polizistinnen und Polizisten mit Betroffenen zusammenkommen, um das gegenseitige Verständnis zu stärken. Auch das Personal der Grazer Ordnungswache soll dazu eingeladen werden.
April 8th, 2017 | Published in Interview, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen, dROMa TV
Das Erzählcafé des Roma-Projektes ZORROM im Grazer VinziNest gibt Einblicke in die Lebenswelten der Roma – Einblicke in einen Alltag abseits von Klischees.
Bettler, Musiker, „fahrendes Volk“: Die Vorurteile und Klischees über Angehörige aus der Volksgruppe der Roma halten sich hartnäckig. Doch wie lebt es sich hierzulande tatsächlich als Romni oder Rom? Im Rahmen des 2. Erzählcafés im Vorfeld des Internationalen Roma-Tages berichten Emmerich Gärtner-Horvath, ein Burgenland-Rom, Zsolt Berki, ein Rom aus der Slowakei, und Tina Friedreich, eine junge Romni aus Slowenien, aus ihrem Alltag und geben Einblicke in ein Roma-Sein abseits von Zuschreibungen und medialen Klischees.
O phukajipeskero kafe ando VinziNest and dikiptscha ando dschivipeskere thema le Romendar del – and dikiptscha ande jek sako diveseskero dschivipe pasche o klischeji.
Kuduschtscha, muschikaschtscha, „o flogo, savo ladel“: O tel dikipeskere koji taj klischeji pedar o dschene andar i flogoskero grupn le Romendar sorale likeren pumen. Ham sar dschin o Roma taj Romna tschatschikan adaj use amende? Read the rest of this entry »
März 29th, 2017 | Published in Ehrungen & Nachrufe, Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte
Ein Leben für die Menschenrechte von Minderheiten weltweit
Nach fast 50 Jahren beendet einer der profiliertesten Menschenrechtler Deutschlands, Tilman Zülch, seine Tätigkeit als Generalsekretär der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV). Künftig wird der 77 Jahre alte GfbV-Gründer die GfbV-Kampagnen beratend begleiten. Die politische Leitung der Menschenrechtsorganisation übernimmt der langjährige GfbV-Asien- und Afrika-Experte Ulrich Delius.
In einer Dokumentation zum 50-jährigen Bestehen der GfbV wird Tilman Zülch den konsequenten Kampf der GfbV gegen Völkermord und Massenvertreibung ethnischer sowie religiöser Minderheiten und indigener Gemeinschaften seit 1968 festhalten. Die GfbV ging aus der von den damaligen Hamburger Studenten Zülch und Klaus Guercke 1968 gegründeten „Aktion Biafra-Hilfe“ hervor. Mit Tilman Zülch an der Spitze ist die GfbV immer wieder gegen den Strom geschwommen und hat sich nicht zuletzt für Volksgruppen eingesetzt, „von denen keiner spricht“, so der Titel eines der von Zülch herausgegebenen Bücher.
1979 bis 1981 machte die GfbV den bis dahin tabuisierten Holocaust an Sinti und Roma bekannt. Der von Zülch 1979 herausgegebene Band „In Auschwitz vergast, bis heute verfolgt“ (mit einem Vorwort des Philosophen Ernst Tugendhat), ein gemeinsam mit dem Verband deutscher Sinti unter Romani Rose organisierter Trauermarsch zur KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen (1979) mit der damaligen Präsidentin des Europaparlaments Simone Veil und Heinz Galinski, damaliger Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, sowie schließlich der Internationale Roma-Kongress (1981) in Göttingen unter Schirmherrschaft von Simon Wiesenthal und Indira Ghandi mit 400 Roma-Delegierten aus 26 Staaten und fünf Kontinenten brachten den Durchbruch: Der Genozid wurde von der Bundesregierung anerkannt. Staatenlose Sinti erhielten ihre deutsche Staatsbürgerschaft zurück, die Bezeichnung Sinti/Roma anstelle von Zigeuner wurde durchgesetzt und die neu entstandenen Institutionen der Volksgruppe wurden nun staatlich gefördert.
März 23rd, 2017 | Published in Rassismus & Menschenrechte
Zara-Report, S. 40f.:
Beschimpfung als „Scheiß-Z*“
Im März wird Frau D. von einem Roma-Verein wegen eines rassistischen Vorfalls zur Beratung an ZARA verwiesen: Frau D., die Romni ist, lebt im Burgenland. Aufgrund einer Anzeige gegen ihren Lebensgefährten fahren mehrere Polizeiwagen vor dem Eingang des Geschäfts vor, in dem Frau D. und ihr Lebensgefährte gerade Einkäufe erledigt haben. Die Polizisten/.innen fordern den Lebensgefährten auf, sich neben seinen Wagen zu stellen, legen ihm Handschellen an und nehmen ihn fest. Frau D. ist Zeugin der Festnahme und sehr erschrocken über diese Polizeiaktion. Sie beteuert mehrmals, dass es keinen Grund gibt, ihren Lebensgefährten festzunehmen und versucht, mit den Beamten/-innen zu reden. Einer der Polizisten drängt Frau D. daraufhin zur Seite und beschimpft sie dabei mit „Scheiß-Z*! Halt die Goschn, was wüllst jetzt!“.
Frau D. ist zutiefst bestürzt, von einem Exekutivbeamten im Zuge einer Amtshandlung auf diese verletzende und rassistische Weise beschimpft zu werden. Mit Unterstützung von ZARA bringt Frau D. wegen der Beschimpfung eine Richtlinienbeschwerde bei der zuständigen Dienststelle ein. Weiters erstattet sie bei der Staatsanwaltschaft Anzeige wegen qualifizierter Beleidigung aufgrund der ethnischen Herkunft. Nach Prüfung der Beschwerde stellt die Polizeibehörde einen Verstoß gegen die Richtlinienverordnung fest und entschuldigt sich in ihrem Antwortschreiben bei Frau D. Im Herbst findet wegen der Beleidigung ein Strafverfahren gegen den Polizisten statt. Die Beleidigung wird von zwei weiteren Personen, darunter befindet sich einer der bei der Amtshandlung anwesenden Polizisten, bestätigt, das Urteil endet allerdings mit einem Freispruch. Frau D. erfährt, dass die zuständige Staatsanwaltschaft ein Rechtsmittel gegen das Urteil erhoben hat. Das Urteil ist zu Redaktionsschluss daher noch nicht rechtskräftig.
(Aus: Zara: Rassismus-Report 2016, S. 40f.)
März 22nd, 2017 | Published in Rassismus & Menschenrechte
Aus dem Bericht, S. 15:
Brandanschläge auf Roma-Zeltlager
Das Romano Centro informiert ZARA Anfang des Jahres über mehrere Brandanschläge auf Zeltlager von Roma-Familien in Linz. Der erste Anschlag (wir berichteten) wird im Februar auf Zelte von Roma/Romnija verübt, als diese auf ungenutztem Gelände im Linzer Industriegebiet campieren. Die Zelte und alle darin befindlichen Gegenstände werden durch das Feuer vernichtet. Nur wenige Tage später wird ein weiterer Brandanschlag auf ein sich in unmittelbarer Nähe befindliches Roma-Zeltlager verübt. Glücklicherweise halten sich die Bewohner/innen der Zelte zum Zeitpunkt der Brände nicht dort auf und es wird niemand verletzt. Die Polizei leitet gemeinsam mit dem Landesamt für Verfassungsschutz Ermittlungen ein. Auch auf politischer Ebene führen diese Anschläge zu großer Besorgnis und Betroffenheit und werden aufs Schärfste verurteilt. Nur wenige Wochen später wird in Linz erneut ein Brand in einem Roma-Zeltlager gelegt, von dem 15 Menschen, unter ihnen auch Kinder, betroffen sind (mehr hier). Die Zelte mitsamt ihrem Inhalt verbrennen fast vollständig. In der Folge werden die Betroffenen in einer Flüchtlingsunterkunft untergebracht. Auch in diesem Fall ermitteln Polizei und das Landesamt für Verfassungsschutz gemeinsam. Es wird bekanntgegeben, dass feststeht, dass es sich um Brandstiftung handelte, zu möglichen Täter/innen könne man aber nichts sagen. Ein Zusammenhang zu den ersten beiden Brandanschlägen wird vermutet.
März 21st, 2017 | Published in Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte
ZARA – Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit (Hg.): Rassismus-Report 2016. Einzelfall-Bericht über rassistische Übergriffe und Strukturen in Österreich, Wien 2017 (>>zum Download)
Die Zahl der von ZARA dokumentierten Online-Hass- und Hetzbotschaften hat 2016 einen neuen Spitzenwert erreicht: Mit einem weiteren Anstieg um mehr als ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr machen die Internet-Fälle 31% der insgesamt 1.107 rassistischen Vorfälle, die ZARA im Vorjahr verzeichnet hat, aus. Dabei wurden die meisten rassistischen Inhalte im Netz über Online-Communities und Internet-Portale verbreitet. Inhaltlich haben diese Hass- und Hetzbotschaften insbesondere zur weiteren Feindbildkonstruktion von Geflüchteten beigetragen, die sich – angefacht von gezielten Hetz- und Falschmeldungen – in allgemeines Misstrauen und Ablehnung verwandelt haben. (…)
(Text: ZARA, 21.3.2017)
März 19th, 2017 | Published in Facts & Figures, Rassismus & Menschenrechte
(Quelle)
(Hinweis via @OpferNaziGewalt)
März 5th, 2017 | Published in Rassismus & Menschenrechte
Pressemitteilung des Fördervereins Roma e.V.:
Räumung der Brache und menschenunwürdige Zustände (2.3.2017)
Die vor zehn Tagen geräumten Roma leben in menschenunwürdigen Verhältnissen. Ihre eigenen Versorgungsstrukturen wurden zerstört, die Lebensmittel weggenommen, das Wenige an Besitz eingelagert. In drei engen Zimmern eingepfercht, steht ihnen eine abgeschlossene Dusche zur Verfügung. Essen und Trinken, eine Privatsphäre gibt es nicht. Kochmöglichkeiten sind ebenfalls nicht vorhanden. Die Infrastruktur der Flüchtlingsunterkunft im gleichen Haus darf nicht genutzt werden. Nach massiven Protesten und nach Prüfung auf Leistungsansprüche am 2.3.2017 befinden sich immer noch ca. 20 Personen in der Behausung. Etliche hat die Mittellosigkeit gezwungen, zurück nach Rumänien zu fahren; eine Familie wurde in der Notunterkunft Ostpark untergebracht.
Die Menschen wissen nicht, wie sie ihr Hab und Gut zurückbekommen, sind schlichtweg während der Räumung enteignet worden. Der Generator, die Kochplatte, das Fahrrad, der Trödel, mit dem gehandelt wird, die Kleidung, die Heizung fehlen. Unterstützer/-innen haben keinen Zugang und werden – wie ein Mitglied der Linken – von der CDU bezichtigt, sie „hätten gerne gehabt, dass dort Menschen verbrennen“. Zynisch ist dies nicht mehr, sondern ebenso menschenverachtend wie die Räumung, mit der das Ordnungsamt angeblich die Betroffenen vor einem Brand schützen wollte.
Die Räumung hatte nicht alleine die Zielsetzung, die Roma von dem Platz zu entfernen, sondern vielmehr die Intention, sie durch Aushungern ins völlige Elend zu verbringen und so dafür zu sorgen, dass sie schnellstmöglich Frankfurt verlassen. Die aktuelle Rechtsprechung, welche alle EU-Migranten/-innen vorerst, jenseits erheblicher verfassungs- und menschenrechtlicher Brüche, ohne öffentliche Hilfe stellt, ermöglicht zudem im Rahmen der Überprüfung auf Leistungen den Entzug der Freizügigkeit und die Ausweisung der Antragsteller.
Vor Weihnachten flüchteten Roma, deren Schlafstätte unter der Rosa-Luxemburg-Straße angezündet wurde, auf die Brache. Sie waren dort sicher. Im Sommer letzten Jahres wurde ein Haus in Fechenheim, das von Roma bewohnt war, angezündet. Read the rest of this entry »
März 2nd, 2017 | Published in Rassismus & Menschenrechte
Vergangene Woche wurde die Barackensiedlung im Gutleutviertel in Frankfurt a. M. polizeilich geräumt. Jetzt regt sich Kritik.
Ein ehemaliges Industrieareal im Frankfurter Gutleutviertel wurde seit über drei Jahren von Obdachlosen als Notquartier genutzt. Schon 2014 waren die dort untergekommenen Personen gezwungen worden, das Gelände zu verlassen, das Camp entstand aber bald wieder neu. Letzten Sommer lebten in der Behelfssiedlung bis zu 70 Personen, vorwiegend Roma aus Rumänien. Vergangene Woche wurde das Elendsquartier nun geräumt. 45 Stadtpolizisten rückten frühmorgens mit schwerem Gerät an, um das Camp aufzulösen. Die Stadt begründete diese Maßnahme mit einem Brandvorfall, der sich nur einige Tage zuvor im Lager ereignet hatte. Die zusammengezimmerten Behausungen wurden abgerissen, den Bewohnern wurde ihr Besitz abgenommen. Jetzt wird aber Kritik am Vorgehen laut. Denn nach der Räumung sind in der provisorischen Ersatzunterkunft in einem Heim der Arbeiterwohlfahrt derzeit 39 Menschen in nur drei Zimmern untergebracht. Am Montag kritisierte der Landesverband der Deutschen Sinti und Roma die Zustände im Henriette-Fürth-Haus als „menschenunwürdig“. Nach einer neuen gesetzlichen Regelung ist die Stadt verpflichtet, den Geräumten bis zu vier Wochen lang Überbrückungshilfen zu leisten. „Die Leute sind völlig auf sich alleine gestellt“, berichtet hingegen Joachim Brenner, Geschäftsführer des Fördervereins Roma, „es gibt keinerlei Versorgung. Keine minimale existenzielle Unterstützung.“ Den Roma sei durch die Abnahme ihres Besitzes die Möglichkeit zur Selbstversorgung genommen worden. „Die meisten von ihnen hatten sich über Flaschensammeln sowie den Handel mit Altmetall und Flohmarktware finanziert. Neben ihren Lebensmittelvorräten sei aber auch diese Ware sichergestellt worden“, heißt es in der Frankfurter Rundschau.
(dROMa)
Stellungnahme des Fördervereins Roma e.V.:
Ordnungsamt räumt die Bewohner der Brache ins Elend
Februar 28th, 2017 | Published in Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Weiterdenken: Vortrag und Diskussion mit Roswitha Scholz
Neighbours in the Hood: Herbstschule Antiziganismus und Self-empowerment (Festspielhaus Hellerau, Dresden), 26.9.2015
Die Diskriminierung von Roma und Romnja beruht nicht nur auf dem falschen Denken Einzelner, sondern sie gründet im Wesen der bürgerlichen Gesellschaft selbst. Kritik an Rassismus reicht hier nicht: Die im Kapitalismus spezifisch gehasste ethnisierte „Asozialität“ wird im Vortrag gesellschaftskritisch untersucht.
Intro (8.45 min) | Diskussion (24.40 min)
Februar 21st, 2017 | Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte
Offener Brief: Die Bettellobby Tirol spricht sich für eine zukunftsorientierte, an den Grundrechten orientierte Praxis aus, welche sich gegen Verbote und soziale Ausgrenzung richtet.
In einem offenen Brief fordert die Bettellobby Tirol die Mitglieder des Landecker Gemeinderats auf, das geplante Bettelverbot, für das sich der Stadtrat mehrheitlich aussprach, zu überdenken und keine voreiligen kurzsichtigen Entscheidungen zu treffen. Die Bettellobby Tirol spricht diesbezüglich von einem unverhältnismäßigen Eingriff in die Menschenrechte. Sie warnt davor, einen Weg der Politik einzuschlagen, die auf dem Rücken von armutsbetroffenen Menschen ausgetragen wird: „Wir appellieren, sich von einer Politik zu distanzieren, die auf populistischen, kriminalisierenden und diffamierenden Zuschreibungen aufbaut und darauf abzielt, Menschen gegeneinander auszuspielen.“
In ihrer Arbeit ist die Bettellobby Tirol immer wieder auch mit Fragen verunsicherter BürgerInnen konfrontiert. Vielfach fehlt es den Menschen an Hintergrundinformationen zur Situation von bettelnden Menschen: „Unsere Erfahrungen zeigen, dass Gespräche, Austausch und Informationen Ängste abbauen, Unsicherheiten lindern und dadurch zu einem unaufgeregteren Umgang mit dem Thema in der Mehrheitsbevölkerung beitragen können.“
Die Bettellobby Tirol plädiert daher für bewusstseinsbildende Maßnahmen und Sensibilisierung statt Verbote. Denn Betteln ist für viele Menschen die einzige Möglichkeit zur Veränderung unzumutbarer Verhältnisse auf der oft vergeblichen Suche nach alternativen Verdienstmöglichkeiten. Zu betteln kostet den Menschen meist viel Überwindung. Read the rest of this entry »
Februar 12th, 2017 | Published in Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht, Wissenschaft
Prof. Dr. Andreas Mosbacher/Romani Rose:
„…und gehört zur Volksgruppe der Roma…“
Artikel in der Deutschen Richterzeitung
DRiZ, Heft 2/2017 (Inhaltsverzeichnis)
In der neuesten Auflage der Deutschen Richterzeitung (DRIZ 2/2017) wurde ein gemeinschaftlicher Artikel von Richter am Bundesgerichtshof Prof. Dr. Andreas Mosbacher und dem Vorsitzenden des Zentralrats Romani Rose veröffentlicht. Obwohl in den persönlichen Verhältnissen im Urteil lediglich Kriterien wie, wann und wo der Angeklagte geboren, in welchen Verhältnissen er aufgewachsen ist, seine schulische und berufliche Bildung, sein Beruf und die familiären und wirtschaftlichen Verhältnisse zu nennen sind, verweisen einige Urteile auf die Zugehörigkeit zu einer Volksgruppe. Die Nennung der ethnischen Zugehörigkeit ist, wie bestimmte andere Informationen über den Angeklagten, ein typisches Einfallstor für die Diskriminierung von Minderheiten und die Bestätigung latenter Vorurteile. Unter dem Titel „…und gehört zur Volksgruppe der Roma“ werben die Autoren für mehr Sensibilität der Strafjustiz beim Umgang mit Minderheiten.
(Text: Zentralrat)
Februar 8th, 2017 | Published in Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Radio Dreyeckland
Amnesty Aktuell, 6. Februar 2017
Sendung der Amnesty-Hochschulgruppe Freiburg
>>Zur Sendung (mp3) – nur noch 6 Tage abrufbar
In der Februar-Sendung von „Amnesty Aktuell“ möchten wir im Rahmen der aktuellen Amnesty-Kampagne #NoRacism Rassismus und seine menschenrechtsverletzenden Konsequenzen mit verschiedenen Länderschwerpunkten behandeln. Für diese Sendung wollen wir uns auf Ungarn, Polen und Deutschland konzentrieren. Der Beitrag zu Ungarn wird sich vor allem um die momentane politische Lage in dem Land und die damit verbundene rassistische Diskriminierung der ungarischen Roma-Bevölkerung drehen.
Interviewpartner: Für Informationen zum Land Polen haben wir Adam Bodnar gewinnen können. Er ist Verfassungsrechtler und Menschenrechtsaktivist, der seit September 2015 sein Amt als Beauftragter für Bürgerrechte ausübt. Außerdem wird es ein Telefoninterview mit einem Amnesty-internen Experten aus der Themenkoordinationsgruppe Polizei geben, bei dem es um Polizeigewalt in Deutschland gehen soll. Hier wird es auch Antworten zum Thema Rassismus innerhalb der Polizei, zur Ausländerkriminalität und zum Umgang der Polizei mit Situationen wie in der Kölner Silvesternacht der vergangenen zwei Jahre geben. Ansonsten erwarten Euch wie immer auch aktuelle Amnesty-Nachrichten aus aller Welt.
(Text: Programminfo Radio Dreyeckland)
Februar 4th, 2017 | Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Keine Abschiebung in vermeintlich „sicheren Herkunftsstaat“ Mazedonien. Bescheid des deutschen Bundesamts für Migration und Flüchtlinge: Roma werden in den Balkanstaaten diskriminiert und unmenschlich behandelt.
Flüchtlingsrat Niedersachsen, 3.2.2017: Das deutsche Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hat mit Bescheid vom 20.12.2016 – Az 6943812 – 144 einem im Jahr 2016 geborenen Roma-Mädchen Abschiebungsschutz nach §60 Abs. 5 AufenthG zugebilligt. Bemerkenswert ist an diesem Bescheid vor allem die verallgemeinernde Beschreibung der Diskriminierung und Ausgrenzung, der Roma nach Auffassung des BAMF in Mazedonien wie in den Balkanstaaten insgesamt unterliegen. Wörtlich heißt es in dem Bescheid:
Nach Informationen des Bundesamts ist die Volksgruppe der Roma, als ärmste ethnische Gruppe in der ohnehin ärmlichen Gesamtbevölkerung Mazedoniens in ihrem Alltag Vorurteilen bzw. Diskriminierungen ausgesetzt. Sie erfahren häufig Benachteiligungen im Bildungswesen, beim Zugang zu Sozialleistungen und bei Einstellungen öffentlicher und privater Arbeitgeber. Zudem kommt es vor, dass Angehörige von Minderheiten öfter als andere von schikanösem Verhalten von Polizisten und anderen Vertretern der Verwaltung betroffen sind.
Somit besteht eine beachtliche Gefahr für die Antragstellerin, dass sie aufgrund ihrer Volkszugehörigkeit zu den Roma erheblichen Diskriminierungen ausgesetzt sein könnte, wenn sie in ihr Heimatland zurückkehren würde, was wiederum einer unmenschlichen Behandlung gleich käme.
Durch die noch immer vorherrschende Diskriminierung von Roma in den Balkanstaaten und die damit einhergehende Ausgrenzung an den sozialen Errungenschaften des Landes wie Kindergarten, Schule, Beruf oder Studium ist bei einer Abschiebung der Antragstellerin mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass ihre Freiheit, mithin auch die Freiheit der Würde oder der freien Entfaltung der Persönlichkeit nicht gewährleistet werden kann.
Januar 30th, 2017 | Published in Facts & Figures, Rassismus & Menschenrechte
(Quelle)
Januar 19th, 2017 | Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Deutsches Bundesverfassungsgericht argumentiert inkonsequent. Ablehnung des NPD-Verbots ist Herausforderung für streitbare Demokratie.
Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma ist über die Ablehnung des NPD-Verbots durch das Bundesverfassungsgericht enttäuscht. Diese Entscheidung stellt eine vertane Chance zur Unterbindung rechtsextremen Propaganda und Hetze, zugleich aber eine Herausforderung der streitbaren Demokratie dar. Begrüßenswert ist jedoch die Bestätigung der Wesensverwandtschaft der NPD mit dem Nationalsozialismus sowie deren antisemitischen Grundhaltung durch das Gericht.
Zu der Entscheidung erklärte der Zentralratsvorsitzende Romani Rose:
„Die NPD hat bei Landtagswahlen und bei der letzten Bundestagswahl massiv gegen Sinti und Roma gehetzt. Das Bundesverfassungsgericht argumentiert inkonsequent, wenn einerseits die NPD als verfassungsfeindliche und rassistische Partei benannt wird, dann aber wegen zu geringer Wirksamkeit nicht verboten werden müsse. Sinti und Roma gehören zum Feindbild der NPD. Zur Stärkung unseres demokratischen Rechtsstaates wäre eine Absage an die rechtsextreme Blut- und Bodenideologie durch ein Verbot sehr wichtig gewesen.“
Auch wenn das Gericht bei der NPD keine Aussicht sehe, künftig wieder politisch erfolgreicher und schlagkräftiger zu werden, stelle sich angesichts der bevorstehenden Bundestagswahlen die Frage, inwieweit die menschenverachtende Propaganda der NPD weiter aus Steuermitteln finanziert werde.
Januar 13th, 2017 | Published in Einrichtungen, Interview, Jugend & Bildung, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
LORA München 92,4 | Auf Kante genäht
Gestaltung: mike_gh| 28.11.2016 | 58:25 min
>>Streaming | >>Download (mp3, 53 MB)
Aus Anlass der Ausstellung „Die Verfolgung der Sinti und Roma in München“ , noch zu sehen bis 29.1.2017 (mehr hier), gestaltete das freie Radio „LORA 92,4“ eine einstündige Sendung seiner Programmreihe „Auf Kante genäht“ über Sinti und Roma in München, Bayern und Europa. Die Themen der Sendung:
(Text: freie-radios.net)
Januar 9th, 2017 | Published in Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft
Freirad – Freies Radio Innsbruck https://cba.fro.at/330265 | Erstausstrahlung: 10.12.2016 (Download, 143,07 MB) | Aufnahme: Bendedikt Sauer | Gestaltung: Mira Kugler
Wissenschaftliche Erkentnisse und sozialpolitische Handlungsansätze zur Armutsmigration nach Tirol
Erstmals liegt in Tirol eine wissenschaftliche Studie (finanziert vom Tiroler Wissenschaftsfonds) vor, die Aufschlüsse über die gegenwärtige Armutsmigration nach Innsbruck gibt. Dabei wurde die Situation von Menschen aus postkommunistischen Ländern untersucht, die temporär nach Tirol kommen und informellen Tätigkeiten wie Betteln oder dem Verkauf von Straßenzeitungen nachgehen. Der Fokus liegt dabei auf sozioökonomischen Herausforderungen in den Herkunftsländern und Beweggründen zur Migration wie auch auf den Rahmenbedingungen für ihren Aufenthalt in Tirol.
Unter der Moderation von Benedikt Sauer fand am 16. November 2016 im Haus der Begegnung die Präsentation der wissenschaftlichen Studie statt. Barbara Tiefenbacher und Elisabeth Hussl stellten ihre Erkenntnisse erstmals vor. Im Anschluss gab es eine Podiumsdiskussion mit Fragen aus dem Publikum zum Thema: Erfahrungen zur sozialen Integration von bettelnden Menschen in den Bundesländern. Am Podium saßen Barbara Tiefenbacher (Slawistin), Elisabeth Hussl (Politikwissenschafterin), Ferdinand Koller (Romano Centro, Wien) und Alina Kugler (Verein Phurdo Salzburg). Veranstaltet wurde der Abend vom Institut für Zeitgeschichte der Universität Innsbruck, dem Forschungszentrum Migration und Globalisierung, dem Forschungsschwerpunkt Kulturelle Begegnungen – Kulturelle Konflikte, der Initiative Minderheiten Tirol und dem Haus der Begegnung. Die einleitenden Worte sind von Lisa Gensluckner.
(Text: Bettellobby | CBA)
Januar 4th, 2017 | Published in Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Ando: dROMa 35 (2012), rik 12
Te ando televisakere krimiskere kheliptscha iste o Roma taj o Sinti le „eksotischi“ koloritiske otscha likeren. „Armer Nanosh“ (1989, le Manfred Krugiha) taj „Brandmal“ (2008) butschon o duj nimtschke „Tatort“-filmtscha, save imar angle lengero erschti sikajipe but rasismusiskere angle tschidiptschenge sorginde. O erschti (khetan pisim le Asta Scheibiha) andar o piso le pisimaschistar Martin Walser hi. O centrali khetanipe le nimtschke Sintijendar taj Romendar gejng o but anticiganistischi koji angle gele, save akor sikade, hot odola nana tschatsche. Mint o murdaripe o tschau jeke phure nacijonalsocijalististar ojs kamipeskero keripe jeke Sintostar inscenirintscha, kaj o opfertscha le genocidistar uso murdaripeskere keraschta tel dschumim te on. Ande „Brandmal“ phendo ol, hot jek Romani tschaj andar jek asilhajm, jag tschitscha, kaj valako mulo. Adala negativi koji papal jek eklat putrinde. O centrali rot dikla, hot i flogoskeri grupn ande jek bibastalo koja ande cidim ol taj vaschoda o tel bescharipe mangla. O WDR ada „Tatort“ ham sikatscha taj adaj upro alava pe angle beschte le austritike flogoskere grupnakere bajrotistar Rudolf Sarközi pal astarde, saveske i Romengeri serija tecintscha; ojs beroterkija te i Sintijengeri fatreterkija Petra Rosenberg ande phandli sina.
(RU, dROMa 35/2012)