Rassismus & Menschenrechte
Mai 24th, 2021 |
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Internet & Blogothek, Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Podcast „heute wichtig“ #3: Radoslav Ganev kämpft gegen Sinti-und-Roma-Klischees
→Anhören (26:33 min)
Radoslav Ganev, selbst Rom, erzählt im neuen „Stern“-Podcast „heute wichtig“, wie er seit seiner Kindheit gegen Klischees ankämpfte. Der 34-jährige Politologe und Konfliktmanager hat in München die Initiative „RomAnity“ gegründet und setzt sich so für die Rechte der Sinti und Roma ein. Rom zu sein, „das bringt dir Probleme“, sagt Ganev im Podcast-Gespräch mit Moderator Michel Abdollahi. Seine Identität habe er deshalb sogar lange Zeit verheimlicht. Read the rest of this entry »
Mai 20th, 2021 |
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Dokumente & Berichte, Einrichtungen, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Die deutsche Bundesregierung hat gestern den von Bundesinnenminister Seehofer vorgelegten Bericht der Unabhängigen Kommission Antiziganismus zur Kenntnis genommen. Der Bericht wird nun dem Deutschen Bundestag und dem Bundesrat zur weiteren Behandlung und Beratung übermittelt.
Im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD für die aktuelle 19. Legislaturperiode wurde vereinbart, ein Expertengremium zum Thema „Antiziganismus“ einzusetzen. Die Bundesregierung hat in ihrer Kabinettssitzung am Mittwoch den von Bundesinnenminister Seehofer vorgelegten Bericht der Unabhängigen Kommission Antiziganismus im Kabinett zur Kenntnis genommen. Dieses Gremium, die Unabhängige Kommission Antiziganismus (mehr hier), hatte sich nach vorangegangenen fachlichen Konsultationen mit dem Zentralrat Deutscher Sinti und Roma am 27. März 2019 im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat zusammengeschlossen. Die Expertinnen und Experten haben nach zweijähriger Arbeit ihren Bericht mit zahlreichen Forderungen und Empfehlungen abgeschlossen. Dabei hat der Expertenkreis unabhängig und selbständig seine Arbeitsagenda festgelegt und abgearbeitet.
Grundlage für weitere gesellschaftspolitische Diskussionen
Der Bericht beinhaltet Ausführungen zu antiziganistischen Erscheinungsformen und qualitativen sowie quantitativen empirischen Gegebenheiten in Deutschland, auch und gerade aus Perspektive der Sinti und Roma. Read the rest of this entry »
Mai 11th, 2021 |
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Rassismus & Menschenrechte
Deutschland: Eine Roma-Familie aus Northeim in Südniedersachsen soll abgeschoben werden. Der erste Versuch durch die Polizei scheiterte, weil eine Flugzeugbesatzung sich quer stellte.
[Siehe auch: Deutschland: Asyl und Abschiebungen von Roma 2020]
Olaf Weiss/HNA.de: Familie Toska steht vor einer ungewissen Zukunft. Das Schicksal der Roma-Familie, die seit 20 Jahren in Northeim lebt, ist ein Beispiel dafür, wie wenig die generellen Regeln des Asylrechts Einzelfällen gerecht werden können.
Das eingeschlagene Fenster der Terrassentür und die kaputte Eingangstür sind noch Wochen später ein Zeichen dafür, mit welcher Konsequenz Mitte März die Behörden versucht haben, die Mutter Selma und ihre vier minderjährigen Kinder im Alter von 8 bis 17 Jahren in den Kosovo abzuschieben.
Gescheiterte Abschiebung: Polizei brachte Familie aus Northeim zum Flughafen – Flugbesatzung weigerte sich
Die Polizei hatte sich nachts gewaltsam Zutritt verschafft, die Mutter und ihre Kinder in einen Kleinbus verfrachtet und zum Flughafen Düsseldorf gebracht. Dort endete der Abschiebeversuch, weil die Besatzung des Flugzeugs, die die Familie in den Kosovo bringen sollte, sich angesichts des Zustands der Mutter weigerte, die Familie mitzunehmen. Sie befürchtete, so berichten deutsche Unterstützer der Familie, dass die psychisch vollkommen neben sich stehende Frau auf dem Flug einen Zusammenbruch erleiden könnte.
Also wurde Familie Toska unverrichteter Dinge wieder zurück nach Northeim gebracht. Wegen ihrer psychisch schlechten Verfassung musste die Mutter einige Tage zur Beobachtung in der Psychiatrie verbringen. Read the rest of this entry »
Mai 10th, 2021 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Die nackten Fakten: Asyl und Abschiebungen von Roma im Jahr 2020
Bei der Entscheidung [Deutschlands], die sechs Westbalkanstaaten in den Jahren 2014 und 2015 zu sicheren Herkunftsländern zu erklären, wurde die menschenrechtliche Situation der Roma dort ignoriert. War die Bleiberechtssituation von Roma aus diesen Ländern bereits zuvor nicht allzu gut, so bedeutet die Einstufung, dass ihre Asylanträge nun so gut wie immer abgelehnt werden. Zusätzlich führte sie zu einer weiteren Stigmatisierung von Roma als „Wirtschaftsflüchtlinge“.
Bei den so genannten Westbalkanstaaten handelt es sich um Albanien und die post-jugoslawischen Länder Serbien, Montenegro, Bosnien-Herzegowina und Nordmazedonien sowie Kosovo. 2020 lag die Gesamtschutzquote (Flüchtlingsschutz nach §3 I AsylG oder Abschiebungsverbot) bei 0,1% (Serbien, Nordmazedonien) und 2,1% (Kosovo). Für die drei weiteren Staaten liegen die Quoten zwischen diesen Zahlen.
Mehr als die Hälfte der Asylanträge, die von Menschen aus diesen Ländern 2020 gestellt wurden, waren Folgeanträge und stammen somit von Menschen, für die das nicht der erste Antrag war. Bei allen postjugoslawischen Staaten sowie beim Kosovo sind selbst nach offiziellen Zahlen die meisten Antragsteller/innen Roma. Die Dunkelziffer dürfte höher liegen, da viele Menschen aus Angst vor Diskriminierung nicht angeben, Roma zu sein. 2020 gab es beispielsweise 1.292 Asylanträge von Personen aus Serbien, davon gaben 1.036 an, Roma zu sein. Nur einer dieser 1.292 Anträge führte zu einem Schutzstatus nach §3 I Asylgesetz. Die anderen wurden entweder als unbegründet oder offensichtlich unbegründet abgelehnt oder anderweitig erledigt.
Die Fraktion Die Linke hat in einer Kleinen Anfrage den Bundestag gefragt, wie viele Abschiebungen es 2020 gab. Insgesamt waren es 10.800 Abschiebungen, darunter Menschen mit folgenden Staatsangehörigkeiten:
Albanien: 1.006 Personen (davon 234 Minderjährige)
Serbien: 754 Personen (davon 227 Minderjährige)
Nordmazedonien: 427 Personen (davon 149 Minderjährige)
Kosovo: 317 Personen (davon 62 Minderjährige)
Bosnien und Herzegowina: 173 Personen (davon 45 Minderjährige)
Montenegro: 110 Personen (davon 44 Minderjährige)
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April 28th, 2021 |
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Ehrungen & Nachrufe, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Diesjährige Preisträgerin des Europäischen Bürgerrechtspreis der Sinti und Roma in Erinnerung an Oskar und Vinzenz Rose ist Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel.
Die Preisverleihung wird am 28.4.2021 um 14:30 Uhr live auf www.buergerrechtspreis.de und mit englischer Simultanübersetzung auf www.civilrightsprize.com übertragen.
Sie wird ausgezeichnet, weil sie sich seit ihrem Amtsantritt im Jahr 2005 in besonderer Weise dafür eingesetzt hat, dass nach dem Zivilisationsbruch des Holocaust an den 500.000 Sinti und Roma im NS-besetzten Europa die Rechte der Minderheit und ihre über 600-jährige Geschichte in Deutschland und Europa bewusster wahrgenommen werden. Der Preis wird überreicht von seinem Stifter Dr. h.c. Manfred Lautenschläger und dem Vorsitzenden des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma Romani Rose. Die Laudatio auf die Bundeskanzlerin wird der Preisträger des Jahres 2019, der ehemalige Staatspräsident der Slowakischen Republik Andrej Kiska halten.
Wichtige Meilensteine der Bürgerrechtsarbeit des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma konnten unter der Kanzlerschaft und mit persönlicher Unterstützung von Angela Merkel realisiert werden. Die Übergabe des nationalen Denkmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma durch sie im Jahr 2012 in Berlin in unmittelbarer Nähe des Reichstagsgebäudes, war ein wichtiges politisches Zeichen auch in die Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Read the rest of this entry »
April 24th, 2021 |
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Frauenrechte, Rassismus & Menschenrechte, dROMa (Magazin)
Frühling | Terno linaj 2021
Themenheft Gesundheit | Temakeri heftlina Sastipe
→Download (PDF) | Inhalt
Vor einem Jahr haben wir in dROMa darüber berichtet, was die globale Gesundheitskrise für Roma bedeutet. Nun wenden wir uns dem Thema „Gesundheit“ abermals zu. Diesmal aber richten wir das Augenmerk auf einige Menschheitsverbrechen und ihre Folgen: Den Beginn macht ein Beitrag über Zwangssterilisierungen in der Tschechoslowakei, die auch nach dem Ende der Diktatur fortgeführt wurden. Wir haben darüberhinaus auch mit der Prager Aktivistin Gwendolyn Albert über ein neues Entschädigungsgesetz gesprochen, das in Tschechien schon bald in Kraft treten könnte. Roman Urbaner berichtet vom dreifachen Unrecht an den vertriebenen Roma von Mitrovica im Kosovo. Jahrelang ließ sie die UNO wissentlich in bleikontaminierten Flüchtlingslagern ausharren. Wiedergutmachung für die Gesundheitsschäden gibt es bis heute nicht. Und abschließend blickt Valentine Auer auf die psychischen Nachwirkungen von Gewalt: Sie hat sich mit Nestor Kapusta und Gerda Netopil vom Psychosozialen Zentrum ESRA über Traumata und die Arbeit mit Holocaust-Überlebenden unterhalten. Begleitet wird dieser Beitrag von Zitaten aus unseren Zeitzeugeneditionen Mri und Amari Historija.
O Angle jek bersch ande dROMa pedar phukatscham, so i globali sastipeskeri briga le Romenge hi. Akan papal i tema „sastipe“ upre lijam. Amen o dikipe upre poar manuschengere tschori-tschage taj lengere koji keras: O kesdipe kerel jek pisintschago pedar o na use phende schterilisacijontscha andi Tschechoslovakija, save te palo kisetinipe la diktaturatar meg bajder kerde ule. Amen la aktivistkijaha Gwendolyn Albert andar Prag pedar jek nevo pomoschagoskero lojengero tschatschipe vakertscham, savo andi Tschechija bojd prik beschardo schaj ovlahi. Read the rest of this entry »
April 20th, 2021 |
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Ehrungen & Nachrufe, Rassismus & Menschenrechte
Hessische Medaille für Zivilcourage posthum an Vili Viorel Păun
Vili Viorel Păun versuchte am 19. Februar 2020, den Attentäter von Hanau zu stoppen, und ließ dafür sein Leben. Er verfolgte den Täter nach den ersten Schüssen mit seinem Auto, während er erfolglos versuchte, die Polizei zu alarmieren. Vili Viorel Păun starb, von drei Kugeln getroffen, mit 22 Jahren. Er war eines von drei Roma-Opfern des Anschlags.
Hessische Staatskanzlei: „Vili Viorel Păun hat sich selbstlos, mutig und entschlossen für seine Mitmenschen eingesetzt. Dafür wird er nun posthum mit der Hessischen Medaille für Zivilcourage ausgezeichnet“, teilte der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier am Montag mit. „Diese Auszeichnung bringt den Eltern ihren Sohn nicht zurück, sie soll aber ein Zeichen des Trostes und der Anerkennung seiner Courage sein“, begründete der Ministerpräsident die Entscheidung. Statt zu- oder wegzuschauen habe Vili Viorel selbstlos, blitzschnell und mutig reagiert. Mit seinem entschlossenen Eintreten habe er versucht, Menschenleben zu retten. Damit hat er aktiv die Eckpfeiler des gesellschaftlichen Zusammenlebens wie Menschenwürde und Solidarität verteidigt.
„Wertschätzung für selbstloses und tapferes Einschreiten“
„Die Medaille für Zivilcourage kann nicht ungeschehen machen, was passiert ist“, betonte der Ministerpräsident. „Sie soll aber ein sichtbares Zeichen der Wertschätzung für selbstloses und tapferes Einschreiten zum Wohle aller sein. Ich möchte damit insbesondere die Botschaft aller Hessinnen und Hessen verknüpfen, dass die Namen der Opfer ebenso wie das Leid, das der Täter nicht nur ihnen, sondern auch den Angehörigen und Freunden zugefügt hat, nicht vergessen werden.“ Read the rest of this entry »
April 17th, 2021 |
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Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Deutschland: Zentralrat legt Beschwerde bei der Niedersächsischen Landesmedienanstalt (NLM) gegen „Spiegel TV“-Reportage ein
Wegen der erneuten massiven und pauschalen Kriminalisierung und Stigmatisierung von Sinti und Roma in der auf RTL im Rahmen der Drittsendezeit am 29. März 2021 ausgestrahlten „Spiegel TV“-Reportage „Perfide Abzocke mit Terrassenreinigung: Einmal saubermachen für 5.000 Euro“ legt der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma Beschwerde bei der Niedersächsischen Landesmedienanstalt (NLM) ein.
„Der Beitrag stärkt damit massive Vorurteile gegenüber der gesamten Minderheit, die – wie die Anschläge zuletzt in Hanau zeigten, bei denen auch Roma Opfer wurden – zu Gewalt und selbst zu Mordanschlägen führen. Sendungen wie diese schüren Hass gegen unsere Minderheit, die sich in unzähligen gewaltvollen dehumanisierenden Hasskommentaren im Internet entladen und zu Angriffen auf Sinti und Roma im realen Leben führen. Dies dokumentieren insbesondere die Kommentarspalten unter dem ,Spiegel TV’-Beitrag in den sozialen Medien“, kritisiert Romani Rose.
Die „Spiegel“-Reportage missachtet grob die journalistischen Grundsätze und insbesondere die Vorgaben des Niedersächsischen Mediengesetzes (NMedienG). Nach Auffassung des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma verstößt dieser Beitrag ebenso gegen die eindeutigen Vorgaben des Medienstaatsvertrages, vor allem §19 zur Sorgfaltspflicht journalistisch-redaktionell gestalteter Angebote und gegen die Programmgrundsätze in §51, nach denen Programme sowohl die Würde des Menschen zu achten haben als auch auf ein diskriminierungsfreies Miteinander hinwirken sollen, sowie gegen § 14 Abs. 1, 2 NMedienG und § 10 Abs. 1 RStV i.V.m.
Mit den verwendeten Begriffen wie „Roma-Clan“ wird gezielt der gesamten Minderheit Kriminalität allein aufgrund der Abstammung unterstellt. In der jetzt kritisierten Sendung zeigt „Spiegel TV“ Menschen mit wiederholter Namensnennung und missachtet damit die Grenzen einer sachorientierten Berichterstattung. Read the rest of this entry »
April 16th, 2021 |
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Internet & Blogothek, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft
Online-Vortrag und -Diskussion mit Prof. Veronika Lipphardt (Freiburg) und Dr. Mihai Surdu (Heidelberg): Genetische Studien an Romnja und Roma. Eine kritische Bestandsaufnahme zu ihrer Entstehung und Nutzung
16. April 2021, 18 bis 19.30 Uhr
Moderation: Anja Reuss (Zentralrat Deutscher Sinti und Roma)
→Live-Streaming
Genetische Untersuchungen an Roma haben eine über 100 Jahre alte Forschungsgeschichte. Anhand von ca. 440 Studien, d. h. populations-, medizin- und forensisch-genetischen Untersuchungen an Romnja und Roma, zeigen wir, dass viele dieser Publikationen sowohl methodische und konzeptionelle Maßstäbe der Repräsentativität als auch ethische Standards vernachlässigen. Dies gilt auch für DNA-Studien, die seit 1990 erschienen sind. Auf der epistemischen Ebene hinterfragen wir die Darstellung von Roma als „genetisches Isolat“ und die ihr zugrundeliegenden Konzepte, wobei wir insbesondere die Strategien der Datenerhebungen in den Blick nehmen. Auf der ethischen Ebene zeigen wir, dass vor allem forensische Studien und Datensätze selten ethische Anforderungen erfüllen. Außerdem verdeutlichen wir, dass das außergewöhnlich starke Interesse der forensischen Genetik an Roma dazu beiträgt, sie als „suspect population“ zu stigmatisieren. Wir stellen einen allgemeinen Mangel an Transparenz und ethischer Sensibilität für DNA-Daten von Roma in genetischen Studien und vor allem in forensisch-genetischen Forschungskontexten fest. Für mehrere Studien werden Ko-Autor/innen aufgeführt, die mit Ermittlungsbehörden oder dem Militär in Verbindung stehen. Für einige Daten wurde die Zustimmung der Proband/innen möglicherweise für andere als forensische Zwecke eingeholt. Auch medizin- und populationsgenetische Studien über Roma erfüllen nicht immer die ethischen Anforderungen. Read the rest of this entry »
April 13th, 2021 |
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Film & Theater, Interview, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte, dROMa (Magazin)
Die Filmemacherinnen Mona Nicoară und Miruna Coca-Cozma protokollierten in „Our School“ den Aufbruch einer rumänischen Gemeinde aus der Sackgasse der Segregation. Aus Anlass des Internationalen Roma-Tags haben sie das Video für einige Tage freigeschaltet. Empfehlung!
Kostenlos online zu sehen nur noch bis 14. April.
→zum Video-Stream
Etwa zur selben Zeit, als in Rumänien die ersten Dreharbeiten zu diesem Film anliefen, ging die Unicef 2007 mit alarmierenden Zahlen an die Öffentlichkeit: Nur zwei von drei Roma-Kindern in Rumänien werden überhaupt eingeschult; und von jenen, die eine Schule besuchen können, landet ein großer Teil in separaten Klassen oder eigenen Schulen. Vor fast fünfzehn Jahren erhielten deshalb dreißig rumänische Gemeinden EU-Mittel, um diesem Missstand zumindest lokal abzuhelfen. Die aus Rumänien stammende und in New York lebende Filmemacherin und Menschenrechtsaktivistin Mona Nicoară, die einige Jahre für das European Roma Rights Centre in Budapest gearbeitet hat, nahm den Start eines dieser Reformprojekte zum Anlass, sich dem Thema aus der Perspektive der betroffenen Kinder zu nähern: Für ihr Dokumentarfilmdebüt „Şcoala Noastră“/„Our School“ begleitete sie mit der Koregisseurin Miruna Coca-Cozma und dem Kameramann Ovidiu Marginean drei Roma-Schüler, Ali (8), Beni (12) und Dana (16), vier Jahre lang mit der Kamera und protokollierte den Prozess der „Desegration“ ihrer Schule in Târgu Lăpuş, einem kleinen siebenbürgischen Städtchen.
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April 9th, 2021 |
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Rassismus & Menschenrechte
In einer Pressemitteilung berichtet der Verband Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Baden-Württemberg von einem Vorfall am 19. März in der Nähe von Ulm. Mehrere Wohnwagen einer Zirkustruppe, die aufgrund der Pandemie in in Weidenstetten gestrandet war, brannten ab. Auch Personen waren in Gefahr, konnten sich aber ins Freie retten. Der Landesverband spricht von einem möglichen antiziganistischen Brandanschlag. Die Polizei ermittelt. Die Aussendung im Originalwortlaut:
Am Morgen des 19. März 2021 wurden in Weidenstetten im Alb-Donau-Kreis unweit von Ulm gegen 5:40 Uhr drei Wohnwagen einer Zirkustruppe, zu der auch Sinti gehören, durch einen Brand zerstört. Zwei junge Männer kamen bei dem Brand beinahe ums Leben. Sie konnten sich noch in letzter Sekunde aus den brennenden Wagen retten und verloren alles, was sie besitzen. Der Wohnwagen eines weiteren Mitglieds des Zirkus ist größtenteils abgebrannt. In der Nähe standen zwei Wohnwagen, die ebenfalls durch die Hitze beschädigt wurden.
Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen und einen Brandmittelspürhund eingesetzt. Ein antiziganistischer Brandanschlag mit dem Ziel der Vertreibung kann nicht ausgeschlossen werden. Betroffene berichteten auch, der Bürgermeister habe dem Zirkus angedroht, dass seine Wagen in Flammen aufgehen könnten, wenn er nicht weiterziehen würde. Der Zirkus musste sich vor 15 Monaten aufgrund der Corona-Pandemie, die Aufführungen unmöglich machte, am Ortsrand von Weidenstetten niederlassen. Zugleich kam es nach dem Brand zu einer Solidarisierung aus der lokalen Bevölkerung. Eine Spendensammlung fand statt, ein Ulmer Hotel stellte eine Übernachtungsmöglichkeit zur Verfügung, neue Wohnwagen wurden gespendet.
Der VDSR-BW steht in Kontakt mit den Betroffenen und hat ihnen bürgerrechtliche Beratung und Rechtsschutz angeboten. Daniel Strauß, Vorstandsvorsitzender des VDSR-BW:
Sollte sich der Verdacht eines antiziganistischen Brandanschlags erhärten, würden Erinnerungen an den Anschlag im Mai 2019 auf eine Roma-Familie in dieser Region geweckt. Die fünf Täter wurden vom Landgericht Ulm im September 2020 wegen Vertreibung bzw. gemeinschaftlicher Nötigung in 45 Fällen verurteilt. Read the rest of this entry »
April 8th, 2021 |
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Musik, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen
Der Internationale Tag der Roma wird jährlich am 8. April begangen – ein weltweiter Aktionstag, mit dem auf die Situation der Roma aufmerksam gemacht werden soll. Zum einen wird an diesem Tag die Diskriminierung der Volksgruppe in den Blickpunkt gerückt, zum anderen wird die Roma-Kultur gefeiert. Voice of Diversity organisiert bereits zum dritten Mal aus diesem Anlass eine international besetzte Podiumsdiskussion mit anschließendem Konzert im Porgy & Bess in Wien.
Podiumsdiskussion, 18.00–19.30 Uhr: →Livestream
2020 endete die EU-Roma-Strategie, die zum Ziel hatte, die Ungleichheit zwischen Roma und Nicht-Roma zu beenden. Das Versprechen wurde nicht eingelöst. Die COVID-19-Pandemie und Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie haben die bestehende Kluft zur Mehrheitsbevölkerung und die Diskriminierung von Roma noch weiter verschärft. Am 7. Oktober 2020 präsentierte die EU-Kommission einen reformierten strategischen Rahmen zur Gleichstellung, Inklusion und Teilhabe der Roma auf Ebene der Europäischen Union für den Zeitraum 2020–2030.
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April 8th, 2021 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte
Zeichen der Anerkennung zum Internationalen Tag der Roma. Österreichs Ministerrat nimmt IHRA-Arbeitsdefinition von Antiziganismus an.
Nationalfonds: Der 8. April ist der Internationale Tag der Roma – ein bedeutender Tag, wenn es um die Sensibilisierung für die Wahrnehmung von Menschen geht, für die der oft negativ konnotierte Begriff „Zigeuner“ in der Alltagssprache noch immer allzu geläufig ist. Vor 50 Jahren, am 8. April 1971, wurde in London der erste Welt-Roma-Kongress abgehalten, ein erster großer Schritt für die Rechte dieser Bevölkerungsgruppe.
Einen Tag vor dem internationalen Tag der Roma 2021 hat nun in Österreich der Ministerrat [Anm.: nach Deutschland] die Arbeitsdefinition von Antiziganismus der Internationalen Allianz für Holocaust-Gedenken (International Holocaust Remembrance Alliance – IHRA) angenommen und damit ein wichtiges Signal gesetzt.
Hannah Lessing, Generalsekretärin des Nationalfonds, dessen zentrale Aufgabe seit 1995 die Anerkennung aller Opfergruppen ist, betont: „Die Diskriminierung von Menschen und Bevölkerungsgruppen ist ein Warnsignal im Hinblick auf den Zustand einer Gesellschaft. Die möglichen Folgen wurden im Nationalsozialismus nur allzu deutlich sichtbar. Darum ist es so dringlich, nicht nur gegen Antisemitismus, sondern gegen Ausgrenzung jeder Art entschieden vorzugehen.“
Bis heute ist Antiziganismus ein zu wenig beachtetes Phänomen auch in Österreich. Die durch die IHRA unter maßgeblicher Mitwirkung Österreichs erarbeitete Arbeitsdefinition ist ein Mittel, ihn zu erkennen und zu benennen. Read the rest of this entry »
April 7th, 2021 |
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Internet & Blogothek, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen
Virtuelle Veranstaltung „50 Jahre Romapolitik – Romnja und Roma in der EU. Chancen und Herausforderungen“
Do., 8. April 2021, 10.00 Uhr in der Mediathek des Parlaments (Livestream)
Vor 50 Jahren, am 8. April 1971, fand in London der erste Welt-Roma-Kongress statt, um damit die Anfänge der Roma-Bürgerrechtsbewegung einzuläuten. Seit nunmehr dreißig Jahren werden zu diesem Datum weltweit Aktionstage abgehalten, um auf dieses bedeutsame Ereignis aufmerksam zu machen. Anlässlich des diesjährigen Welt-Roma-Tages lädt Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka Expertinnen und Experten ein, um die europäische Dimension der Situation dieser Volksgruppe im Jahr 2021 zu beleuchten.
Nach den Eröffnungsworten von Manuela Horvath (Leiterin der Romapastoral der Diözese Eisenstadt) hält Bundesministerin Susanne Raab die Keynote.
Am Podium diskutieren Sabine Schweitzer (Zeithistorikerin) [Anm. d. Red.: statt Gerhard Baumgartner], Emmerich Gärtner-Horvath (Vorsitzender des Volksgruppenbeirats der Roma und Chef des Vereins Roma-Service), Ursula Till-Tentschert (Stv. Abteilungsleiterin an der EU-Grundrechteagentur) und Usnija Buligovic (THARA Arbeitsmarktprojekt für Roma und Sinti, Volkshilfe).
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April 4th, 2021 |
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Ehrungen & Nachrufe, Rassismus & Menschenrechte
Zum Tod des Menschenrechtlers Paul Polansky (1942–2021)
Nach langer schwerer Krankheit ist der Historiker und Autor Paul Polansky am 26. März 2021 in Serbien gestorben. Er hat sich über 30 Jahre lang für die Rechte von Roma eingesetzt und gehört zu den wichtigsten Menschenrechtlern in diesem Bereich.
RAN: Paul Polansky wurde am 17. Februar 1942 als Kind tschechisch-deutscher Einwanderer in den USA geboren. In den 1990er Jahren hat er in Tschechien gelebt und die Geschichte des Konzentrationslagers für Roma im tschechischen Lety öffentlich gemacht, nachdem er umfangreiches Archivmaterial ausgegraben und Zeitzeugen befragt hatte. Die Geschichte des Lagers war seit dem Zweiten Weltkrieg weitgehend verloren gegangen, verschleiert oder verzerrt worden. Zu den Häftlingen des Lagers gehörten der berühmte Partisan Josef Serinek und seine Familie. Später wurde auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers eine Schweinefarm errichtet.
Polansky hat zahlreiche Bücher und u.a. den Dokumentarfilm „Gypsy Blood“ publiziert. 2004 erhielt er den Weimarer Menschenrechtspreis, da er sich unter Einsatz seines Lebens für die im Kosovo lebenden Roma einsetzte. Read the rest of this entry »
April 3rd, 2021 |
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Medien & Presse, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Antiziganismus in den Medien
Podcast Transfer Together, Folge 31 (31:29 min, 43 MB)
→Anhören/Download (mp3)
Die WDR-Talkshow „Die letzte Instanz“ vom 29. Januar 2021 hat für viel Aufregung gesorgt (wir berichteten hier und hier). In der Runde wurden rassistische Bilder von Sinti und Roma diskutiert, ohne Betroffene zu Wort kommen zu lassen. Das Beispiel zeigt, wie aktuell und wichtig es ist, über diese Stereotype aufzuklären und über die weit verbreitete Diskriminierung von Sinti und Roma zu sprechen. Nadine Küßner (Antiziganismusprävention, PH Heidelberg) hat für diese Podcast-Folge mit Angelina Kappler (Winzerin, dt. Weinkönigin), Anja Reuss (Zentralrat Deutscher Sinti und Roma) und Georgi Ivanov (Amaro Foro e.V.) über Antiziganismus in den Medien gesprochen und darüber, wie man ihm begegnen kann.
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April 1st, 2021 |
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Dokumente & Berichte, Politik, Rassismus & Menschenrechte
IHRA: Nicht rechtsverbindliche Arbeitsdefinition von Antiziganismus
8. Oktober 2020
Mit Sorge zur Kenntnis nehmend, dass die mangelnde Anerkennung des Völkermords an den Sinti und Roma zuden Vorurteilen und zur Diskriminierung beigetragen hat, die viele Gemeinschaften der Sinti und Roma* heute noch erfahren, sowie in der Wahrnehmung unserer Verantwortung, solchen Formen von Rassismus und Diskriminierung entgegenzutreten (Artikel 4 und 7 der IHRA-Ministererklärung von 2020 sowie Artikel 3 der Erklärung von Stockholm), verabschiedet die IHRA die folgende Arbeitsdefinition von Antiziganismus:
Antiziganismus manifestiert sich in individuellen Äußerungen und Handlungen sowie institutionellen Politiken und Praktiken der Marginalisierung, Ausgrenzung, physischen Gewalt, Herabwürdigung von Kulturen und Lebensweisen von Sinti und Roma sowie Hassreden, die gegen Sinti und Roma sowie andere Einzelpersonen oder Gruppen gerichtet sind, die zur Zeit des Nationalsozialismus und noch heute als „Zigeuner“ wahrgenommen, stigmatisiert oder verfolgt wurden bzw. werden. Dies führt dazu, dass Sinti und Roma als eine Gruppe vermeintlich Fremder behandelt werden, und ihnen eine Reihe negativer Stereotypen und verzerrter Darstellungen zugeordnet wird, die eine bestimmte Form des Rassismus darstellen.
Als Leitfaden für die Arbeit der IHRA wird Folgendes anerkannt:
Antiziganismus gibt es seit Jahrhunderten. Er war ein zentrales Element der gegen Sinti und Roma gerichteten Verfolgungs- und Vernichtungspolitik, wie sie vom nationalsozialistischen Deutschland sowie von denjenigen faschistischen und extrem nationalistischen Partnern und anderen Mittätern, die sich an diesen Verbrechen beteiligten, betrieben wurde.
Antiziganismus hat weder mit der NS Zeit begonnen noch danach aufgehört, sondern ist weiterhin ein zentrales Element von an Sinti und Roma begangenen Verbrechen. Read the rest of this entry »
März 31st, 2021 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte
Deutschland hat als erstes Land die Arbeitsdefinition von Antiziganismus der „Internationalen Allianz zum Holocaust-Gedenken“ (International Holocaust Remembrance Alliance, IHRA) angenommen. Antiziganismus bezeichnet den Rassismus gegenüber Sinti und Roma. Deutschland macht nun die Definition der IHRA zur Grundlage für politisches und Verwaltungshandeln. Außenminister Maas sagte in Berlin, der Völkermord an den Sinti und Roma während der NS-Zeit sei viel zu lange in Vergessenheit geraten. Die Diskriminierung von Sinti und Roma halte sich „hartnäckig in unseren Gesellschaften“. Nach der IHRA-Definition handelt es sich etwa um Antiziganismus, wenn Sinti und Roma verzerrt dargestellt oder ihre Verfolgung durch die Nationalsozialisten geleugnet werden. Der Begriff „Zigeuner“ wird als antiziganistisch bewertet, wenn er als Beleidigung verwendet wird.
→Working Definition of Antigypsyism/Anti-Roma Discrimination
(Text: www.deutschlandfunkkultur.de, 31.3.2021)
Siehe auch:
Foreign Minister Maas on the IHRA working definition of antigypsyism/anti‑Roma discrimination, 31.3.2021
Deutschland nimmt Definition für Antiziganismus an, 31.3.2021
März 28th, 2021 |
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Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Religion
Als der Grazer Vinzi-Pfarrer 1.000 Euro Prämie für den „Bettler-Mercedes“ auslobte: Armenpfarrer Wolfgang Pucher – ganz persönlich
Graz – Laut gedacht: In der neuen Folge der Podcast-Reihe spricht der Grazer Pfarrer mit „Kleine Zeitung“-Redakteur Bernd Hecke und räumt dabei einmal mehr mit dem Märchen von der Bettler-Mafia auf.
→Anhören (63 min.)
Kaum ein Obdachloser in Graz, den er nicht beim Namen kennt, um den er sich nicht schon persönlich gekümmert hat. Seit Jahrzehnten setzt sich Pfarrer Wolfgang Pucher für die Ärmsten ein. Kompromisslos, engagiert und wenn nötig – das haben auch schon zahlreiche Politiker zu spüren bekommen – mit einer gehörigen Portion Zorn. Seine streitbare Stimme hat den gesellschaftspolitischen Diskurs nicht nur in der Stadt, sondern in ganz Österreich mitgeprägt: Vom Umgang mit den Flüchtlingen des Jugoslawienkriegs Anfang der 1990er-Jahre, über die Diskussion um das Bettelverbot bis hin zu ganz aktuellen und brennenden Themen. Kurz vor seinem 82. Geburtstag lässt er sein Leben und sein Wirken als Geistlicher und als Mensch mit Schwächen und Fehlern in einem sehr persönlichen Gespräch mit Graz-Ressortchef Bernd Hecke Revue passieren. [...]
Der Gottesmann erzählt auch davon, wie er 1.000 Euro Prämie ausgelobt hat, für den, der ihm den Beweis für berüchtigten Bettler-Mercedes bringt, als in der politischen Debatte die Gerüchte von den Roma-Paten der Bettler-Mafia kursierten. Und Pucher weiß um große Roma-Familien, die sich das Erbettelte aufteilen, aber eine Mafia, einen der in Graz abends abkassiert, habe er nie beobachtet.
(Text: Podcast Graz Laut gedacht/Kl. Zeitung)
März 18th, 2021 |
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Facts & Figures, Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte
Ab 1912/13 mussten „Nomaden“ in Frankreich anthropometrische Ausweise mit Körper-/Gesichtsmaßen (auch Ohren- u. Fingerlängen) bei sich tragen.
(Quelle)