Rassismus & Menschenrechte

„Ich habe meine Herkunft verschwiegen“

Mai 24th, 2021  |  Published in Internet & Blogothek, Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Radoslav GanevPodcast „heute wichtig“ #3: Radoslav Ganev kämpft gegen Sin­ti-und-Ro­ma-Kli­schees

→Anhören (26:33 min)

Radoslav Ganev, selbst Rom, erzählt im neuen „Stern“-Podcast „heute wichtig“, wie er seit seiner Kind­heit ge­gen Kli­schees an­kämpfte. Der 34-jäh­rige Polito­loge und Konflikt­ma­na­ger hat in München die Initia­tive „RomAnity“ ge­gründet und setzt sich so für die Rechte der Sinti und Roma ein. Rom zu sein, „das bringt dir Proble­me“, sagt Ganev im Pod­cast-Ge­spräch mit Mo­de­rator Michel Abdollahi. Seine Iden­tität habe er des­halb sogar lan­ge Zeit ver­heim­licht. Read the rest of this entry »

Deutscher Antiziganismusbericht vorgelegt

Mai 20th, 2021  |  Published in Dokumente & Berichte, Einrichtungen, Politik, Rassismus & Menschenrechte

Konstituierung der Expertenkommission Antiziganismus, Berlin  27.3.2019 (Foto:© BMI/Bero via Zentralrat)Die deutsche Bundesregierung hat ges­tern den von Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Seehofer vor­ge­leg­ten Bericht der Un­ab­hän­gi­gen Kom­mis­sion Anti­zi­ga­nis­mus zur Kennt­nis ge­nom­men. Der Be­richt wird nun dem Deut­schen Bundes­tag und dem Bun­des­rat zur weite­ren Be­hand­lung und Be­ra­tung über­mittelt.

Im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD für die aktu­elle 19. Legis­latur­periode wurde ver­einbart, ein Exper­ten­gremium zum Thema „Anti­ziganis­mus“ ein­zu­setzen. Die Bundes­regie­rung hat in ihrer Kabinetts­sitzung am Mitt­woch den von Bundesinnenminister Seehofer vorgelegten Bericht der Un­abhän­gigen Kom­mission Anti­ziganis­mus im Kabinett zur Kenntnis ge­nommen. Dieses Gremium, die Un­abhän­gige Kom­mission Anti­ziganis­mus (mehr hier), hatte sich nach voran­gegan­genen fach­lichen Konsul­ta­tio­nen mit dem Zentralrat Deut­scher Sinti und Roma am 27. März 2019 im Bundes­ministe­rium des Innern, für Bau und Heimat zu­sam­men­geschlos­sen. Die Exper­tinnen und Experten haben nach zwei­jähriger Arbeit ihren Bericht mit zahl­reichen Forderungen und Empfeh­lungen ab­geschlos­sen. Dabei hat der Experten­kreis un­abhängig und selbstän­dig seine Arbeits­agenda fest­gelegt und ab­gearbeitet.

Grundlage für weitere gesellschaftspolitische Diskus­sio­nen

Der Bericht beinhaltet Ausführungen zu antiziganistischen Erschei­nungs­formen und qua­lita­tiven sowie quan­tita­tiven empiri­schen Ge­geben­heiten in Deutschland, auch und gerade aus Perspektive der Sinti und Roma. Read the rest of this entry »

Flugzeugcrew verweigert Abschiebung

Mai 11th, 2021  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Deutschland: Abschiebeversuch scheiterte an Flugzeugcrew (Foto: Hans Braxmeier auf Pixabay)Deutschland: Eine Roma-Familie aus Nort­heim in Süd­nieder­sach­sen soll ab­ge­scho­ben wer­den. Der ers­­te Ver­such durch die Po­li­zei schei­ter­te, weil eine Flug­zeug­be­sat­zung sich quer stellte.

[Siehe auch: Deutschland: Asyl und Abschiebungen von Roma 2020]

Olaf Weiss/HNA.de: Familie Toska steht vor einer ungewis­sen Zukunft. Das Schick­sal der Roma-Fa­milie, die seit 20 Jahren in Northeim lebt, ist ein Bei­spiel dafür, wie wenig die ge­nerel­len Regeln des Asyl­rechts Einzel­fällen ge­recht wer­den können.

Das eingeschlagene Fenster der Terrassentür und die kaputte Ein­gangs­tür sind noch Wochen später ein Zeichen dafür, mit welcher Kon­se­quenz Mitte März die Behörden ver­sucht haben, die Mutter Selma und ihre vier minder­jähri­gen Kinder im Alter von 8 bis 17 Jahren in den Kosovo ab­zu­schieben.

Gescheiterte Abschiebung: Polizei brachte Familie aus Northeim zum Flug­ha­fen – Flug­be­sat­zung wei­gerte sich

Die Polizei hatte sich nachts gewaltsam Zutritt verschafft, die Mutter und ihre Kinder in einen Kleinbus ver­frachtet und zum Flug­hafen Düsseldorf ge­bracht. Dort endete der Ab­schiebe­versuch, weil die Be­satzung des Flug­zeugs, die die Familie in den Kosovo brin­gen sollte, sich an­gesichts des Zu­stands der Mutter wei­gerte, die Familie mit­zu­nehmen. Sie be­fürchtete, so berichten deutsche Unter­stützer der Familie, dass die psychisch voll­kom­men neben sich ste­hende Frau auf dem Flug einen Zu­sam­men­bruch er­leiden könnte.

Also wurde Familie Toska unverrichteter Dinge wieder zurück nach Northeim ge­bracht. Wegen ihrer psy­chisch schlech­ten Ver­fassung musste die Mutter einige Tage zur Be­obach­tung in der Psychiatrie ver­bringen. Read the rest of this entry »

Deutschland: Asyl und Abschiebungen von Roma

Mai 10th, 2021  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Deutschland: Sichere Herkunftsstaaten, Asyl und Abschiebungen (Foto: MiG)Die nackten Fakten: Asyl und Abschiebungen von Roma im Jahr 2020

Bei der Entscheidung [Deutschlands], die sechs Westbalkan­staaten in den Jah­ren 2014 und 2015 zu siche­ren Her­kunfts­ländern zu er­klären, wurde die men­schen­rechtli­che Situa­tion der Roma dort ignoriert. War die Bleiberechts­situa­tion von Roma aus diesen Län­dern bereits zuvor nicht allzu gut, so be­deutet die Ein­stufung, dass ihre Asyl­anträge nun so gut wie immer ab­gelehnt werden. Zu­sätzlich führte sie zu einer weite­ren Stigmati­sie­rung von Roma als „Wirt­schafts­flüchtlinge“.

Bei den so genannten Westbalkanstaaten handelt es sich um Albanien und die post-ju­go­slawi­schen Länder Serbien, Montenegro, Bosnien-Her­ze­gowina und Nord­mazedonien so­wie Ko­sovo. 2020 lag die Gesamt­schutz­quote (Flücht­lings­schutz nach §3 I AsylG oder Ab­schie­bungs­verbot) bei 0,1% (Serbien, Nord­maze­donien) und 2,1% (Kosovo). Für die drei wei­teren Staaten liegen die Quoten zwi­schen diesen Zahlen.

Mehr als die Hälfte der Asylanträge, die von Menschen aus diesen Län­dern 2020 ge­stellt wurden, waren Folge­anträge und stam­men somit von Men­schen, für die das nicht der erste Antrag war. Bei allen postjugoslawischen Staaten sowie beim Kosovo sind selbst nach offiziel­len Zahlen die meis­ten Antrag­steller/in­nen Roma. Die Dunkel­ziffer dürf­te höher liegen, da viele Menschen aus Angst vor Dis­kriminie­rung nicht an­geben, Roma zu sein. 2020 gab es bei­spiels­weise 1.292 Asyl­anträge von Per­sonen aus Serbien, davon gaben 1.036 an, Roma zu sein. Nur einer dieser 1.292 Anträge führte zu einem Schutz­status nach §3 I Asylgesetz. Die an­deren wurden ent­weder als un­begründet oder offen­sicht­lich un­begrün­det abgelehnt oder ander­weitig erledigt.

Die Fraktion Die Linke hat in einer Kleinen Anfrage den Bundestag gefragt, wie viele Ab­schiebun­gen es 2020 gab. Ins­ge­samt waren es 10.800 Ab­schie­bun­gen, darun­ter Men­schen mit fol­gen­den Staats­an­ge­hö­rig­keiten:

Albanien: 1.006 Personen (davon 234 Minder­jährige)
Serbien: 754 Personen (davon 227 Minder­jährige)
Nordmazedonien: 427 Personen (davon 149 Min­der­jäh­rige)
Kosovo: 317 Personen (davon 62 Minderjährige)
Bosnien und Herzegowina: 173 Personen (davon 45 Min­der­jährige)
Montenegro: 110 Personen (davon 44 Minderjährige)

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Bürgerrechtspreis für Angela Merkel

April 28th, 2021  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Politik, Rassismus & Menschenrechte

Deutschland: Merkel erhält den Eruopäischen Bürgerrechtspreis der Sinti und Roma (Foto: Zentralrat Deutscher Sinti und Roma)Diesjährige Preisträgerin des Europäischen Bürgerrechtspreis der Sinti und Roma in Er­in­ne­rung an Oskar und Vinzenz Rose ist Bun­des­kanz­le­rin Dr. Angela Merkel.

Die Preisverleihung wird am 28.4.2021 um 14:30 Uhr live auf www.buergerrechtspreis.de und mit eng­li­scher Si­mul­tan­über­set­zung auf www.civilrightsprize.com über­tra­gen.

Sie wird ausgezeichnet, weil sie sich seit ihrem Amts­antritt im Jahr 2005 in beson­derer Weise dafür ein­ge­setzt hat, dass nach dem Zivili­sa­tions­bruch des Holocaust an den 500.000 Sinti und Roma im NS-be­setzten Europa die Rechte der Minder­heit und ihre über 600-jäh­rige Geschichte in Deutschland und Europa be­wusster wahr­ge­nom­men werden. Der Preis wird über­reicht von seinem Stifter Dr. h.c. Manfred Lautenschläger und dem Vor­sit­zen­den des Zentral­rats Deut­scher Sinti und Roma Romani Rose. Die Laudatio auf die Bun­des­kanz­lerin wird der Preis­träger des Jahres 2019, der ehe­malige Staats­prä­si­dent der Slowaki­schen Republik Andrej Kiska halten.

Wichtige Meilensteine der Bürgerrechtsarbeit des Zentral­rats Deutscher Sinti und Roma konn­ten unter der Kanzler­schaft und mit persönli­cher Unter­stützung von Angela Merkel reali­siert werden. Die Über­gabe des nationa­len Denkmals für die im National­sozialis­mus er­mordeten Sinti und Roma durch sie im Jahr 2012 in Berlin in un­mittel­barer Nähe des Reichs­tags­gebäudes, war ein wichtiges politi­sches Zeichen auch in die Mitglied­staaten der Euro­päi­schen Union. Read the rest of this entry »

dROMa 61: „Gesundheit | Sastipe“

April 24th, 2021  |  Published in Frauenrechte, Rassismus & Menschenrechte, dROMa (Magazin)

droma_61Frühling | Terno linaj 2021
Themenheft Gesundheit | Temakeri heftlina Sastipe

Download (PDF) | Inhalt

Vor einem Jahr haben wir in dROMa darüber berichtet, was die globale Ge­sundheits­krise für Roma be­deutet. Nun wenden wir uns dem Thema „Gesund­heit“ aber­mals zu. Dies­mal aber richten wir das Augen­merk auf einige Mensch­heits­ver­bre­chen und ihre Folgen: Den Be­ginn macht ein Beitrag über Zwangs­steri­li­sie­run­gen in der Tschecho­slowakei, die auch nach dem Ende der Dik­tatur fort­geführt wurden. Wir haben darüber­hinaus auch mit der Prager Ak­ti­vis­tin Gwendolyn Albert über ein neues Ent­schä­di­gungs­gesetz ge­spro­chen, das in Tschechien schon bald in Kraft tre­ten könnte. Roman Urbaner be­richtet vom drei­fachen Unrecht an den ver­trie­be­nen Roma von Mitrovica im Kosovo. Jahrelang ließ sie die UNO wis­sent­lich in blei­kon­ta­mi­nier­ten Flücht­lings­lagern aus­harren. Wieder­gut­machung für die Ge­sund­heits­schäden gibt es bis heute nicht. Und ab­schlie­ßend blickt Valentine Auer auf die psychi­schen Nach­wirkungen von Gewalt: Sie hat sich mit Nestor Kapusta und Gerda Netopil vom Psy­cho­so­zia­len Zentrum ESRA über Traumata und die Arbeit mit Holo­caust-Über­le­ben­den unter­hal­ten. Be­glei­tet wird dieser Beitrag von Zitaten aus un­seren Zeit­zeugen­editio­nen Mri und Ama­ri His­torija.

O Angle jek bersch ande dROMa pedar phu­ka­tscham, so i globali sasti­pes­keri briga le Romen­ge hi. Akan papal i tema „sastipe“ upre lijam. Amen o dikipe upre poar manu­schen­gere tscho­ri-tscha­ge taj len­gere koji keras: O kesdipe kerel jek pi­sintscha­go pedar o na use phende schte­ri­li­saci­jontscha andi Tsche­cho­slo­vakija, save te palo kise­tinipe la diktaturatar meg bajder kerde ule. Amen la akti­vist­ki­jaha Gwendolyn Albert andar Prag pe­dar jek nevo pomo­scha­goskero lojen­gero tscha­tschi­pe vakertscham, savo andi Tschechija bojd prik be­schardo schaj ovlahi. Read the rest of this entry »

Posthume Ehrung für Vili Viorel Păun

April 20th, 2021  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Rassismus & Menschenrechte

Hanau (Foto: Ausländerbeirat der Stadt Hanau, 2020)Hessische Medaille für Zivilcourage posthum an Vili Viorel Păun


Vili Viorel Păun versuch­te am 19. Febru­ar 2020, den Attentä­ter von Hanau zu stop­pen, und ließ dafür sein Leben. Er verfolgte den Täter nach den ers­ten Schüssen mit seinem Auto, wäh­rend er erfolg­los ver­suchte, die Polizei zu alar­mie­ren. Vili Viorel Păun starb, von drei Ku­geln ge­trof­fen, mit 22 Jahren. Er war eines von drei Ro­ma-Opfern des An­schlags.

Hessische Staatskanzlei: „Vili Viorel Păun hat sich selbst­los, mutig und ent­schlossen für seine Mit­menschen ein­gesetzt. Dafür wird er nun posthum mit der Hes­sischen Me­daille für Zivil­courage aus­ge­zeich­net“, teilte der Hessi­sche Minis­ter­präsident Volker Bouffier am Montag mit. „Diese Aus­zeich­nung bringt den Eltern ihren Sohn nicht zu­rück, sie soll aber ein Zeichen des Trostes und der An­erken­nung seiner Courage sein“, be­grün­dete der Minis­ter­prä­sident die Ent­schei­dung. Statt zu- oder weg­zu­schauen habe Vili Viorel selbst­los, blitz­schnell und mutig re­agiert. Mit seinem ent­schlos­senen Ein­treten habe er versucht, Men­schen­leben zu retten. Damit hat er aktiv die Eck­pfeiler des gesell­schaft­li­chen Zu­sam­men­lebens wie Menschen­würde und Solida­rität ver­tei­digt.

„Wertschätzung für selbstloses und tapferes Ein­schrei­ten“

„Die Medaille für Zivilcourage kann nicht ungeschehen machen, was pas­siert ist“, betonte der Minister­prä­sident. „Sie soll aber ein sicht­bares Zeichen der Wert­schätzung für selbst­loses und tapferes Ein­schreiten zum Wohle aller sein. Ich möchte damit ins­beson­dere die Bot­schaft aller Hes­sinnen und Hessen ver­knüpfen, dass die Namen der Opfer eben­so wie das Leid, das der Täter nicht nur ihnen, son­dern auch den An­ge­höri­gen und Freunden zu­gefügt hat, nicht ver­gessen werden.“ Read the rest of this entry »

Rassismus-Beschwerde gegen „Spiegel TV“

April 17th, 2021  |  Published in Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Rassismusvorwürfe gegen Spiegel TV in Deutschland (Foto: Pixabay)Deutschland: Zentralrat legt Be­schwer­de bei der Nie­der­säch­si­schen Lan­des­me­di­en­an­stalt (NLM) ge­gen „Spiegel TV“-Re­por­tage ein

Wegen der erneuten massiven und pauschalen Kri­mi­na­li­sie­rung und Stigmatisierung von Sinti und Roma in der auf RTL im Rahmen der Dritt­sende­zeit am 29. März 2021 aus­ge­strahl­ten „Spiegel TV“-Re­por­tage „Per­fide Abzocke mit Terrassen­reini­gung: Ein­mal sauber­machen für 5.000 Euro“ legt der Zentral­rat Deut­scher Sinti und Roma Beschwerde bei der Nie­der­säch­si­schen Landes­medien­anstalt (NLM) ein.

„Der Beitrag stärkt damit massive Vorurteile gege­nüber der ge­sam­ten Minder­heit, die – wie die Anschläge zuletzt in Hanau zeigten, bei denen auch Roma Opfer wurden – zu Gewalt und selbst zu Mord­anschlägen führen. Sen­dungen wie diese schüren Hass gegen unsere Minder­heit, die sich in un­zähligen gewalt­vollen de­humani­sie­renden Hass­kom­men­taren im Internet ent­laden und zu Angriffen auf Sinti und Roma im rea­len Leben führen. Dies doku­men­tieren ins­beson­dere die Kom­mentar­spalten unter dem ,Spie­gel TV’-Bei­trag in den sozialen Medien“, kri­ti­siert Romani Rose.

Die „Spiegel“-Reportage missachtet grob die journalistischen Grund­sätze und ins­beson­dere die Vor­gaben des Nieder­sächsi­schen Medien­gesetzes (NMedienG). Nach Auf­fassung des Zentral­rats Deutscher Sinti und Roma ver­stößt dieser Beitrag eben­so gegen die ein­deu­ti­gen Vor­gaben des Medien­staats­vertrages, vor al­lem §19 zur Sorgfalts­pflicht jour­nalis­tisch-re­dak­tio­nell ge­stalteter An­gebote und gegen die Programm­grund­sätze in §51, nach denen Programme so­wohl die Würde des Menschen zu achten haben als auch auf ein dis­kriminie­rungs­freies Mit­einander hin­wirken sollen, sowie gegen § 14 Abs. 1, 2 NMedienG und § 10 Abs. 1 RStV i.V.m.

Mit den verwendeten Begriffen wie „Roma-Clan“ wird gezielt der gesam­ten Minder­heit Kriminalität al­lein auf­grund der Ab­stammung unter­stellt. In der jetzt kritisier­ten Sendung zeigt „Spie­gel TV“ Men­schen mit wieder­hol­ter Namensnennung und miss­achtet damit die Grenzen einer sach­orientier­ten Bericht­erstat­tung. Read the rest of this entry »

Genetische Studien an Romnja und Roma

April 16th, 2021  |  Published in Internet & Blogothek, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft

Vortrag und Diskussion: Genetische Studien an Rom­nja und Roma (Bild: Pixabay)Online-Vortrag und -Diskussion mit Prof. Veronika Lipphardt (Frei­burg) und Dr. Mihai Surdu (Hei­del­berg): Ge­ne­ti­sche Stu­di­en an Romnja und Roma. Eine kri­ti­sche Be­stands­auf­nahme zu ihrer Ent­ste­hung und Nut­zung

16. April 2021, 18 bis 19.30 Uhr
Moderation: Anja Reuss (Zentralrat Deutscher Sinti und Roma)
→Live-Streaming

Genetische Untersuchungen an Roma haben eine über 100 Jahre alte For­schungs­ge­schichte. An­hand von ca. 440 Studien, d. h. popu­la­tions-, me­dizin- und foren­sisch-ge­ne­tischen Unter­suchun­gen an Romnja und Roma, zei­gen wir, dass viele dieser Publika­tio­nen so­wohl metho­dische und kon­zeptio­nelle Maß­stäbe der Re­präsen­tati­vität als auch ethische Standards ver­nach­läs­sigen. Dies gilt auch für DNA-Studien, die seit 1990 er­schie­nen sind. Auf der epistemi­schen Ebene hinter­fragen wir die Dar­stellung von Roma als „genetisches Isolat“ und die ihr zu­grunde­liegen­den Kon­zepte, wobei wir ins­besondere die Strate­gien der Daten­erhebungen in den Blick neh­men. Auf der ethischen Ebene zeigen wir, dass vor allem foren­sische Studien und Datensätze selten ethische An­for­derun­gen er­füllen. Außer­dem verdeutlichen wir, dass das außer­gewöhnlich starke Interes­se der foren­si­schen Genetik an Roma dazu bei­trägt, sie als „suspect population“ zu stig­mati­sieren. Wir stellen einen all­gemeinen Mangel an Trans­parenz und ethischer Sen­sibilität für DNA-Daten von Roma in geneti­schen Studien und vor allem in foren­sisch-ge­neti­schen Fors­chungs­kon­texten fest. Für mehrere Studien werden Ko-Autor/in­nen auf­geführt, die mit Er­mittlungs­behörden oder dem Militär in Ver­bindung stehen. Für einige Daten wurde die Zu­stimmung der Pro­band/in­nen möglicher­weise für ande­re als forensi­sche Zwecke ein­geholt. Auch medizin- und popu­lations­geneti­sche Stu­dien über Roma er­füllen nicht immer die ethischen An­forderun­gen. Read the rest of this entry »

Filmtipp: „Our School“ (2011) online

April 13th, 2021  |  Published in Film & Theater, Interview, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte, dROMa (Magazin)

Our School (DVD front cover)Die Filmemacherinnen Mona Nicoară und Miruna Coca-Cozma pro­to­kol­lier­ten in „Our School“ den Auf­bruch einer ru­mä­ni­schen Ge­mein­de aus der Sack­gasse der Segre­ga­tion. Aus An­lass des In­ter­na­tio­na­len Roma-Tags ha­ben sie das Video für ei­nige Tage frei­ge­schal­tet. Empfehlung!

Kostenlos online zu sehen nur noch bis 14. April.

→zum Video-Stream

Etwa zur selben Zeit, als in Rumänien die ersten Dreharbeiten zu diesem Film anliefen, ging die Unicef 2007 mit alarmierenden Zahlen an die Öffentlichkeit: Nur zwei von drei Roma-Kindern in Rumänien werden überhaupt eingeschult; und von jenen, die eine Schule besuchen können, landet ein großer Teil in separaten Klassen oder eigenen Schulen. Vor fast fünfzehn Jahren erhielten deshalb dreißig rumänische Gemeinden EU-Mittel, um diesem Missstand zumindest lokal abzuhelfen. Die aus Rumänien stammende und in New York lebende Filmemacherin und Menschenrechtsaktivistin Mona Nicoară, die einige Jahre für das European Roma Rights Centre in Budapest gearbeitet hat, nahm den Start eines dieser Reformprojekte zum Anlass, sich dem Thema aus der Perspektive der betroffenen Kinder zu nähern: Für ihr Dokumentarfilmdebüt „Şcoala Noastră“/„Our School“ begleitete sie mit der Koregisseurin Miruna Coca-Cozma und dem Kameramann Ovidiu Marginean drei Roma-Schüler, Ali (8), Beni (12) und Dana (16), vier Jahre lang mit der Kamera und protokollierte den Prozess der „Desegration“ ihrer Schule in Târgu Lăpuş, einem kleinen siebenbürgischen Städtchen.

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Mutmaßlicher Brandanschlag bei Ulm

April 9th, 2021  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Deutschland: Mehrere Wohnwagen der Zirkusfamilie Brumbach standen in Weidenstetten in Flammen. (Foto: Fam. Brumbach, via. Augsburger Allgemeine)In einer Pressemitteilung berichtet der Verband Deutscher Sinti und Roma, Landes­verband Ba­den-Württem­berg von einem Vor­fall am 19. März in der Nähe von Ulm. Meh­re­re Wohn­wagen einer Zirkus­trup­pe, die auf­grund der Pan­de­mie in in Wei­den­stet­ten ge­stran­det war, brann­ten ab. Auch Per­so­nen waren in Gefahr, konn­ten sich aber ins Freie retten. Der Lan­des­ver­band spricht von einem mög­li­chen anti­ziganis­ti­schen Brand­an­schlag. Die Po­li­zei er­mit­telt. Die Aus­sen­dung im Ori­gi­nal­wort­laut:

Am Morgen des 19. März 2021 wurden in Weidenstetten im Alb-Donau-Kreis unweit von Ulm gegen 5:40 Uhr drei Wohnwagen einer Zirkus­truppe, zu der auch Sinti ge­hören, durch einen Brand zer­stört. Zwei junge Männer kamen bei dem Brand bei­nahe ums Leben. Sie konn­ten sich noch in letz­ter Se­kunde aus den bren­nenden Wagen retten und ver­loren alles, was sie be­sitzen. Der Wohn­wagen eines weite­ren Mit­glieds des Zirkus ist größ­ten­teils ab­gebrannt. In der Nähe stan­den zwei Wohn­wagen, die eben­falls durch die Hitze be­schädigt wurden.

Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen und einen Brand­mittel­spür­hund ein­ge­setzt. Ein anti­ziganisti­scher Brandanschlag mit dem Ziel der Vertreibung kann nicht aus­geschlossen werden. Be­troffene be­richteten auch, der Bürger­meister habe dem Zirkus an­gedroht, dass seine Wagen in Flammen auf­gehen könn­ten, wenn er nicht weiter­ziehen würde. Der Zirkus muss­te sich vor 15 Mo­na­ten auf­grund der Coro­na-Pan­demie, die Auf­führun­gen un­mög­lich machte, am Orts­rand von Weiden­stetten nieder­lassen. Zu­gleich kam es nach dem Brand zu einer Solidari­sierung aus der lokalen Be­völke­rung. Eine Spenden­samm­lung fand statt, ein Ulmer Hotel stell­te eine Über­nachtungs­mög­lich­keit zur Ver­fügung, neue Wohn­wagen wur­den ge­spendet.

Der VDSR-BW steht in Kontakt mit den Betroffenen und hat ihnen bürger­recht­liche Beratung und Rechts­schutz an­ge­boten. Daniel Strauß, Vor­stands­vor­sitzen­der des VDSR-BW:

Sollte sich der Verdacht eines anti­ziganisti­schen Brand­anschlags er­härten, würden Erinnerun­gen an den Anschlag im Mai 2019 auf eine Roma-Fa­mi­lie in dieser Region ge­weckt. Die fünf Täter wurden vom Land­gericht Ulm im Sep­tem­ber 2020 wegen Ver­treibung bzw. ge­mein­schaft­li­cher Nötigung in 45 Fällen ver­urteilt. Read the rest of this entry »

Vision und Mission: Roma 2030

April 8th, 2021  |  Published in Musik, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

Tag der Roma 2021 (Voice of Diversity)Der Internationale Tag der Roma wird jährlich am 8. April begangen – ein weltweiter Aktionstag, mit dem auf die Situation der Roma aufmerksam gemacht werden soll. Zum einen wird an diesem Tag die Diskriminierung der Volksgruppe in den Blickpunkt gerückt, zum anderen wird die Roma-Kultur gefeiert. Voice of Diversity organisiert bereits zum dritten Mal aus diesem Anlass eine international besetzte Podiumsdiskussion mit anschließendem Konzert im Porgy & Bess in Wien.

Podiumsdiskussion, 18.00–19.30 Uhr: →Livestream

2020 endete die EU-Roma-Strategie, die zum Ziel hatte, die Ungleichheit zwischen Roma und Nicht-Roma zu beenden. Das Versprechen wurde nicht eingelöst. Die COVID-19-Pandemie und Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie haben die bestehende Kluft zur Mehrheitsbevölkerung und die Diskriminierung von Roma noch weiter verschärft. Am 7. Oktober 2020 präsentierte die EU-Kommission einen reformierten strategischen Rahmen zur Gleichstellung, Inklusion und Teilhabe der Roma auf Ebene der Europäischen Union für den Zeitraum 2020–2030.

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IHRA-Antiziganismusdefinition für Österreich

April 8th, 2021  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte

IHRA LogoZeichen der Anerkennung zum Internationa­len Tag der Roma. Ös­ter­reichs Mi­nis­ter­rat nimmt IHRA-Ar­beits­defi­ni­ti­on von An­ti­zi­ga­nis­mus an.

Nationalfonds: Der 8. April ist der Internationale Tag der Ro­ma – ein bedeu­ten­der Tag, wenn es um die Sen­si­bili­sie­rung für die Wahr­neh­mung von Men­schen geht, für die der oft negativ kon­no­tierte Be­griff „Zigeuner“ in der All­tags­sprache noch immer allzu ge­läufig ist. Vor 50 Jahren, am 8. April 1971, wurde in London der erste Welt-Ro­ma-Kon­gress ab­gehal­ten, ein erster großer Schritt für die Rechte dieser Be­völke­rungs­gruppe.

Einen Tag vor dem internationalen Tag der Roma 2021 hat nun in Österreich der Mi­nis­terrat [Anm.: nach Deutschland] die Arbeits­defini­tion von Anti­ziganis­mus der Inter­nationa­len Al­lianz für Ho­lo­caust-Ge­denken (Inter­national Holo­caust Remembrance Al­liance – IHRA) an­ge­nom­men und damit ein wich­tiges Signal ge­setzt.

Hannah Lessing, Generalsekretärin des Nationalfonds, dessen zentrale Auf­gabe seit 1995 die An­erken­nung aller Opfer­gruppen ist, betont: „Die Dis­kriminie­rung von Men­schen und Bevölkerungs­gruppen ist ein Warnsignal im Hin­blick auf den Zustand einer Gesell­schaft. Die mög­lichen Folgen wurden im National­sozialis­mus nur allzu deut­lich sichtbar. Darum ist es so dring­lich, nicht nur ge­gen Anti­semitismus, sondern gegen Aus­gren­zung jeder Art ent­schieden vor­zu­gehen.“

Bis heute ist Antiziganismus ein zu wenig beachte­tes Phänomen auch in Öster­reich. Die durch die IHRA unter maß­geb­licher Mit­wirkung Öster­reichs er­arbei­tete Arbeits­definition ist ein Mittel, ihn zu er­kennen und zu benennen. Read the rest of this entry »

Podiumsdiskussion „50 Jahre Romapolitik“

April 7th, 2021  |  Published in Internet & Blogothek, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

Parlament Wien (Foto: Manfred Werner/WikiCommons)Virtuelle Veranstaltung „50 Jahre Roma­poli­tik – Romnja und Roma in der EU. Chan­cen und Heraus­for­de­run­gen“

Do., 8. April 2021, 10.00 Uhr in der Mediathek des Par­la­ments (Live­stream)

Vor 50 Jahren, am 8. April 1971, fand in London der ers­te Welt-Ro­ma-Kongress statt, um da­mit die An­fän­ge der Ro­ma-Bürger­rechts­bewe­gung ein­zu­läuten. Seit nun­mehr drei­ßig Jahren wer­den zu diesem Datum welt­weit Aktions­tage ab­ge­halten, um auf dieses be­deut­same Ereig­nis auf­merk­sam zu ma­chen. Anlässlich des dies­jähri­gen Welt-Ro­ma-Ta­ges lädt Natio­nal­rats­prä­si­dent Wolfgang Sobotka Expertinnen und Ex­perten ein, um die euro­päische Dimen­sion der Situa­tion die­ser Volks­grup­pe im Jahr 2021 zu be­leuch­ten.

Nach den Eröffnungsworten von Manuela Horvath (Leiterin der Roma­pasto­ral der Diöze­se Eisenstadt) hält Bundes­minis­terin Susanne Raab die Keynote.

Am Podium diskutieren Sabine Schweitzer (Zeit­histori­kerin) [Anm. d. Red.: statt Gerhard Baumgartner], Emmerich Gärtner-Horvath (Vor­sitzender des Volks­gruppen­beirats der Roma und Chef des Vereins Roma-Service), Ursula Till-Tentschert (Stv. Ab­tei­lungs­leiterin an der EU-Grund­rechte­agen­tur) und Usnija Buligovic (THARA Arbeits­markt­pro­jekt für Roma und Sinti, Volkshilfe).

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Paul Polansky (1942–2021)

April 4th, 2021  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Rassismus & Menschenrechte

Zum Tod des Menschenrechtlers Paul Polansky (1942–2021)


Paul Polansky (Foto: František Bikár, Romea.cz) Nach langer schwerer Krankheit ist der Historiker und Autor Paul Polansky am 26. März 2021 in Serbien ge­stor­ben. Er hat sich über 30 Jah­re lang für die Rechte von Roma ein­gesetzt und ge­hört zu den wich­tigs­ten Men­schen­recht­lern in diesem Bereich.

RAN: Paul Polansky wurde am 17. Februar 1942 als Kind tschechisch-deut­scher Ein­wanderer in den USA ge­boren. In den 1990er Jahren hat er in Tschechien gelebt und die Ge­schichte des Kon­zentra­tions­lagers für Roma im tschechischen Lety öffent­lich ge­macht, nach­dem er umfang­reiches Archiv­material aus­ge­graben und Zeit­zeugen be­fragt hatte. Die Geschichte des Lagers war seit dem Zwei­ten Weltkrieg weit­gehend ver­loren ge­gangen, ver­schleiert oder verzerrt wor­den. Zu den Häftlingen des Lagers ge­hörten der be­rühmte Partisan Josef Serinek und seine Familie. Später wurde auf dem Gelände des ehe­ma­ligen Kon­zentra­tions­lagers eine Schweinefarm errichtet.

Polansky hat zahlreiche Bücher und u.a. den Dokumentar­film „Gypsy Blood“ publi­ziert. 2004 erhielt er den Weimarer Menschenrechtspreis, da er sich unter Einsatz seines Lebens für die im Kosovo lebenden Roma einsetzte. Read the rest of this entry »

Podcast: „Das hat mich wütend gemacht!“

April 3rd, 2021  |  Published in Medien & Presse, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Transfer TogetherAntiziganismus in den Medien

Podcast Transfer Together, Folge 31 (31:29 min, 43 MB)

→Anhören/Download (mp3)

Die WDR-Talkshow „Die letzte Instanz“ vom 29. Januar 2021 hat für viel Aufregung ge­sorgt (wir be­rich­te­ten hier und hier). In der Runde wur­den rassis­tische Bilder von Sinti und Roma dis­ku­tiert, ohne Betrof­fene zu Wort kom­men zu lassen. Das Bei­spiel zeigt, wie aktuell und wich­tig es ist, über diese Stereotype auf­zu­klären und über die weit ver­brei­tete Dis­krimi­nie­rung von Sinti und Roma zu spre­chen. Nadine Küßner (Anti­ziga­nismus­prä­vention, PH Heidelberg) hat für diese Pod­cast-Fol­ge mit Angelina Kappler (Winzerin, dt. Wein­königin), Anja Reuss (Zentral­rat Deut­scher Sinti und Roma) und Georgi Ivanov (Amaro Foro e.V.) über Anti­ziganis­mus in den Medien ge­spro­chen und darüber, wie man ihm be­geg­nen kann.

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Arbeitsdefinition Antiziganismus (2020)

April 1st, 2021  |  Published in Dokumente & Berichte, Politik, Rassismus & Menschenrechte

IHRA LogoIHRA: Nicht rechtsverbindliche Arbeits­de­fi­ni­ti­on von Anti­zi­ga­nis­mus

8. Oktober 2020

Mit Sorge zur Kenntnis nehmend, dass die man­gelnde An­erken­nung des Völker­mords an den Sinti und Roma zuden Vor­urteilen und zur Diskrimi­nierung bei­getragen hat, die viele Gemein­schaften der Sinti und Roma* heute noch erfahren, sowie in der Wahr­nehmung unserer Ver­antwortung, sol­chen Formen von Rassismus und Dis­kriminie­rung ent­gegen­zu­treten (Arti­kel 4 und 7 der IHRA-Minister­erklä­rung von 2020 sowie Arti­kel 3 der Erklärung von Stockholm), ver­abschiedet die IHRA die folgende Arbeits­defini­tion von Anti­ziga­nismus:

Antiziganismus manifestiert sich in individuellen Äußerun­gen und Hand­lungen sowie institu­tio­nellen Politi­ken und Praktiken der Mar­ginali­sie­rung, Aus­grenzung, physi­schen Gewalt, Herab­würdi­gung von Kulturen und Lebensweisen von Sinti und Roma sowie Hass­reden, die gegen Sinti und Roma sowie andere Einzel­personen oder Gruppen ge­richtet sind, die zur Zeit des National­sozialis­mus und noch heute als „Zigeuner“ wahr­ge­nommen, stig­mati­siert oder verfolgt wurden bzw. werden. Dies führt dazu, dass Sinti und Roma als eine Gruppe vermeint­lich Fremder be­handelt werden, und ihnen eine Reihe negativer Stereo­typen und ver­zerrter Darstel­lungen zu­geordnet wird, die eine be­stimm­te Form des Rassismus dar­stellen.

Als Leitfaden für die Arbeit der IHRA wird Folgendes anerkannt:

Antiziganismus gibt es seit Jahrhunderten. Er war ein zentrales Element der gegen Sinti und Roma ge­rich­teten Ver­folgungs- und Ver­nich­tungs­politik, wie sie vom national­sozialis­ti­schen Deutschland sowie von den­jenigen faschis­tischen und extrem natio­nalis­ti­schen Partnern und anderen Mit­tätern, die sich an diesen Verbrechen be­teiligten, be­trieben wurde.

Antiziganismus hat weder mit der NS Zeit begonnen noch danach auf­gehört, son­dern ist weiterhin ein zentra­les Element von an Sinti und Roma be­gange­nen Verbrechen. Read the rest of this entry »

Antiziganismus: IHRA-Definition für Deutschland

März 31st, 2021  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte

Deutschland nimmt Antiziganismus-Definition an (Foto: via IHRA)Deutschland hat als erstes Land die Arbeits­defi­ni­tion von Anti­ziganis­mus der „Inter­natio­nalen Allianz zum Holo­caust-Ge­denken“ (Inter­natio­nal Holocaust Re­membrance Alliance, IHRA) an­ge­nom­men. Anti­ziganis­mus be­zeich­net den Rassismus ge­gen­über Sinti und Roma. Deutsch­land macht nun die Defi­ni­tion der IHRA zur Grund­lage für politi­sches und Ver­waltungs­handeln. Außen­minister Maas sagte in Berlin, der Völker­mord an den Sinti und Roma während der NS-Zeit sei viel zu lange in Ver­gessen­heit ge­raten. Die Dis­kri­minie­rung von Sinti und Roma halte sich „hart­näckig in unseren Gesell­schaf­ten“. Nach der IHRA-De­fini­tion handelt es sich etwa um Anti­ziganismus, wenn Sinti und Roma ver­zerrt dar­gestellt oder ihre Verfolgung durch die National­sozialis­ten ge­leugnet werden. Der Begriff „Zigeuner“ wird als anti­ziganis­tisch be­wertet, wenn er als Beleidigung ver­wendet wird.

→Working Definition of Antigypsyism/Anti-Roma Discrimination

(Text: www.deutschlandfunkkultur.de, 31.3.2021)

Siehe auch:
Foreign Minister Maas on the IHRA working definition of anti­gyp­sy­ism/an­ti‑Roma discri­mi­nation
, 31.3.2021

Deutschland nimmt Definition für Antiziganismus an, 31.3.2021

„Meinen Zorn bereue ich nicht“

März 28th, 2021  |  Published in Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Religion

Pfarrer Wolfgang Pucher (Foto: VinziWerke)Als der Gra­zer Vinzi-Pfar­rer 1.000 Euro Prä­mie für den „Bett­ler-Mer­ce­des“ aus­lobte: Armen­pfarrer Wolfgang Pucher – ganz per­sönlich

Graz – Laut gedacht: In der neuen Folge der Pod­cast-Rei­he spricht der Grazer Pfarrer mit „Kleine Zei­tung“-Re­dak­teur Bernd He­cke und räumt dabei ein­mal mehr mit dem Mär­chen von der Bett­ler-Mafia auf.

→Anhören (63 min.)

Kaum ein Obdachloser in Graz, den er nicht beim Namen kennt, um den er sich nicht schon per­sönlich ge­küm­mert hat. Seit Jahr­zehn­ten setzt sich Pfarrer Wolfgang Pucher für die Ärms­ten ein. Kom­promiss­los, enga­giert und wenn nötig – das haben auch schon zahl­reiche Politiker zu spüren be­kommen – mit einer ge­hö­ri­gen Portion Zorn. Seine streit­bare Stimme hat den gesell­schafts­poli­ti­schen Diskurs nicht nur in der Stadt, sondern in ganz Österreich mit­ge­prägt: Vom Umgang mit den Flücht­lingen des Jugo­slawien­kriegs Anfang der 1990er-Jah­re, über die Dis­kus­sion um das Bettelverbot bis hin zu ganz ak­tuellen und bren­nenden Themen. Kurz vor seinem 82. Geburts­tag lässt er sein Leben und sein Wirken als Geistlicher und als Mensch mit Schwä­chen und Fehlern in einem sehr per­sönli­chen Ge­spräch mit Graz-Res­sort­chef Bernd Hecke Revue pas­sieren. [...]

Der Gottesmann erzählt auch davon, wie er 1.000 Euro Prämie aus­gelobt hat, für den, der ihm den Beweis für berüch­tigten Bett­ler-Mercedes bringt, als in der poli­tischen De­batte die Gerüchte von den Roma-Pa­ten der Bettler-Mafia kur­sier­ten. Und Pucher weiß um große Roma-Fa­milien, die sich das Erbettelte auf­teilen, aber eine Mafia, einen der in Graz abends ab­kassiert, habe er nie be­obachtet.

(Text: Podcast Graz Laut gedacht/Kl. Zeitung)

Facts & Figures (355)

März 18th, 2021  |  Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte

Ab 1912/13 mussten „No­ma­den“ in Frank­reich an­thro­po­met­ri­sche Aus­wei­se mit Kör­per-/Ge­sichts­ma­ßen (auch Oh­ren- u. Fin­ger­län­gen) bei sich tra­gen.

(Quelle)