Rassismus & Menschenrechte
August 29th, 2021 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte
Zentralrat Deutscher Sinti und Roma: Unmenschlichkeit beenden – keine Abschiebung von geflüchteten Roma in ihre Herkunftsstaaten!
„Um Exempel zu statuieren, werden Menschenleben riskiert bzw. sogar der Verlust von Menschenleben in Kauf genommen.“
Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma forderte den Innenminister Niedersachsens, Boris Pistorius, in einem Brief dazu auf, ein in Celle geborenes, schwerbehindertes sechsjähriges Kind, das im Juli 2021 mit seiner alleinstehenden Mutter nach Serbien abgeschoben worden ist, nach Deutschland zurückzuholen. In Serbien wird das Kind kaum die benötigte Betreuung und Behandlung erhalten können. Generell fordert der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma einen Abschiebestopp für Roma aus den Westbalkanstaaten. Gleichzeitig muss es ein verstärktes Engagement Deutschlands bei der Bekämpfung des Antiziganismus in den Staaten des Westbalkans geben.
Das 2015 in Celle geborene Mädchen leidet unter einer schweren Hörminderung mit verbundener Spracherwerbsstörung, einer Mikrozephalie und einer Hüftdysplasie. Das Landessozialamt hatte deswegen bei ihm einen Grad der Behinderung von 90 Prozent festgestellt. Darüber hinaus war das Celler Jugendamt für das Mädchen seit mehreren Jahren zur Unterstützung der Mutter als Ergänzungspflegerin für den Bereich der Gesundheitsfürsorge eingesetzt. Die Mutter war in psychiatrischer Behandlung und ist Analphabetin und war daher auf Unterstützung angewiesen. Nach ihrer Abschiebung nach Serbien ist es mehr als unwahrscheinlich, dass das Kind in Serbien die benötigte Betreuung und Behandlung erhalten wird, die es in Deutschland bekommen hat.
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August 25th, 2021 |
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Facts & Figures, Frauenrechte, Rassismus & Menschenrechte
80% der Romnja in Moldova geben an, dass sie aus finanzieller Not keine Ärzte/Ärztinnen aufsuchen können.
(Quelle)
August 24th, 2021 |
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Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte
Immer wieder kommt es vor, dass Berichte über Roma antiziganistische Vorurteile bedienen. Wie lässt sich das vermeiden? Der Mediendienst Integration in Deutschland hat dazu Fachleute befragt.
Anfang des Jahres sorgte die WDR-Sendung „Die letzte Instanz“ für einen Aufschrei: Darin regten sich mehrere Prominente darüber auf, dass man das „Z-Wort“ nicht mehr sagen dürfe. Betroffene waren nicht eingeladen. Die Sendung ist nicht der einzige antiziganistische Vorfall in den Medien. Vor Kurzem stellte ein Bericht der Unabhängigen Kommission Antiziganismus (UKA) fest, dass Medien immer wieder uralte antiziganistische Stereotype reproduzieren. [Quelle]
Der MEDIENDIENST hat mit Fachleuten darüber gesprochen, worauf Journalist*innen achten können, wenn sie Antiziganismus vermeiden wollen.
1. Nennung der Gruppenzugehörigkeit hinterfragen
Andrea Wierich von der Rom*nja-Selbstorganisation Amaro Foro e.V. leitet ein Modellprojekt, das Medienschaffende zu Antiziganismus sensibilisieren will. Sie beobachtet, dass bei Berichten über Rom*nja die Gruppenzugehörigkeit oft genannt wird. In einem Artikel über den Görlitzer Park in Berlin hieß es beispielsweise, dort würden „Obdachlose und Rom*nja campieren“. Wierich sagt: „Diese Erwähnung macht nur vor dem Hintergrund des Klischees Sinn, dass Rom*nja ein Wandervolk seien. Die Idee ist weiterhin in den Köpfen vieler Menschen verankert. Dabei haben über 90 Prozent der Rom*nja in Europa einen festen Wohnsitz.“ Um das Klischee nicht weiter zu reproduzieren, rät Wierich dazu, sich zu fragen: Macht der Satz auch Sinn, wenn man das Wort „Rom*nja“ mit einer anderen Gruppe ersetzt, beispielsweise „Handwerker*innen“ oder „Engländer*innen“? Generell sollte man mit der Nennung der Gruppenzugehörigkeit zurückhaltender umgehen.
Hinzu kommt laut Wierich, dass „Rom*nja“ und „Sinti*zze“ Selbstbezeichnungen sind: „Eigentlich müssten Journalist*innen Betroffene fragen, ob sie sich überhaupt als Rom*nja identifizieren. Read the rest of this entry »
August 22nd, 2021 |
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Einrichtungen, Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Roma sam
Radio Burgenland: 16.8.2021 | (on demand)

In der Sendung ist der Ethnologe Michael Teichmann von der Caritas Graz zu Gast. Als Leiter des Projektes „KAMBUKE | kamaha buti te kerel“, zu Deutsch „Wir wollen arbeiten“, erzählt er über die verschiedenen Arbeitsbereiche für und mit Roma.
Projekt „ROMEXA“
Knapp 500 Roma aus Osteuropa, meist aus der Slowakei, Rumänien, Bulgarien oder Ungarn, werden derzeit von der Caritas Graz in mehreren Projekten betreut. Eines davon ist das Projekt „ROMEXA“, das hauptsächlich zur Basisversorgung von Roma und Romnja dient, die von prekären ökonomischen und sozialen Situationen aus ihren Heimatländern nach Österreich migrieren.
Projekt „Chavore“ | Kinder“
Die Kinder der migrierten Familien haben die Möglichkeit am Projekt „Chavore“, zu Deutsch „Kinder“, teilzunehmen und sich dadurch schneller einzuleben. Aktuell werden 40 Kinder in diesem Projekt in Graz betreut, Teichmann unterstreicht die Bedeutsamkeit dieser Maßnahme für die Inklusion der Familien.
Kindheit ohne „Stereotype“
Michael Teichmann, geboren 1973, wuchs in Oberdrauburg, einer kleinen Gemeinde in Oberkärnten, auf. Dort besuchte er die Pflichtschule und anschließend das Gymnasium Lienz. Der heutige Ethnologe erzählt, dass es in seinem Elternhaus keinerlei Stereotype oder typische Vorurteile gegenüber anderen Völkern gab. 1992 begann Michael Teichmann an der Uni Graz zu studieren. Dort lernte er den Sprachwissenschaftler Dieter Halwachs kennen, der für die Kodifizierung und Didaktisierung des Burgenland-Romani verantwortlich zeichnet. Read the rest of this entry »
August 21st, 2021 |
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Einrichtungen, Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Roma sam
Radijo Burgenland: 16.8.2021 | (on demand)
Andi adiveseskeri sendung o etnologo taj visenschoftleri upro than la flogoskera kundejatar Michael Teichmann la Caritasatar Gereci te schunel hi. Ojs schero le projektostar KAMBUKE | KAmaha BUti te KErel“ andi nimtschki tschib – „Wir wollen arbeiten“, phukal ov peder o mindenfelitike butjakere thana le Romenge taj le Romenca.
Projekto „ROMEXA“
Bojd 500 Roma andar i ostitiki Europa, butvar andar i Slovakija, i Rumenija, i Bulgarija vaj andar o Ungriko akan la Caritasatar Gereci ande buteder projekti vodim on. Jek le projektendar hi o projekto „ROMEXA“, savo le basisakere fasorginipeske le Romendar taj Romnijendar dijaninel, save le bibastale virtschoftlichi taj socijali situacijendar andar pumare hajmatakere vilagendar andi Austrija migririnen.
Projekto „Chavore | Kinder“
Le tschaven le migririme familijendar o schajipe hi uso projekto „Chavore“ andi nimtschki tschib „Kinder“ use te ol taj afka sikeder pe te integririnel. Ando momento 40 tschave ande ada projekto Gereciste vodim on, o Teichmann o barikanipe adale keripestar la integracijake le familijendar angle asdel.
Tschavengeri cajt oni sterejotiptscha
O Michael Teichmann ando bersch 1973 upro them alo. Upre bartschino ov ande Oberdrauburg, jek tikni gemajnde ande Oberkärnten. Odoj andi flogoskeri ischkola gelo taj paloda ando gimnasijum Lienz. Read the rest of this entry »
August 18th, 2021 |
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Facts & Figures, Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte
Britische Zeitungen (2014-2016) stellen Roma/Travellers mehr als 4-mal so häufig als Bedrohung dar als als Opfer von Rassismus.
(Quelle)
August 15th, 2021 |
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Medien & Presse, Politik, Rassismus & Menschenrechte
„Diskriminierendes Handeln der Verwaltung wird den Leidtragenden angelastet“
Am 4.8.2021 wurde in der RBB-Abendschau ein Beitrag ausgestrahlt, der die gesamte Bandbreite antiziganistischer Stereotype reproduziert und als gezielte Diffamierung schutzsuchender Menschen mit dem Ziel der Abschreckung zu werten ist.
Stellungnahme von Amaro Foro, Berlin:
Es geht in diesem Beitrag um Asylsuchende aus der Republik Moldau, die angeblich in großer Zahl nach Berlin einreisen, um hier jeweils Tausende von Euro zu bekommen; es wird deutlich suggeriert, dass dieses Geld dann für Drogen und Partys ausgegeben würde, die Menschen also nicht wirklich schutzbedürftig seien. Dahinter würden angeblich „kriminelle organisierte Schleuser“ stecken.
Dazu nehmen wir wie folgt Stellung:
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Juli 31st, 2021 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte, Religion
Slowakei: Roma-Siedlung „Luník IX“ soll für Papstbesuch im September verschönert werden
RTVS, 30.7.2021: Der angekündigte Papstbesuch vom 12. bis 15. September in der Slowakei sorgt derzeit für zahlreiche Meldungen in kirchlichen, privaten wie auch öffentlich-rechtlichen Medien. [...] Zu den aktuellen Vorbereitungen auf den Besuch von Papst Franziskus in der Slowakei gehören derzeit Maßnahmen für eine visuelle Verschönerung im Bereich der Wohnsiedlung „Luník IX“ in Košice, die vorrangig von Roma bewohnt wird und die der Papst Agenturmeldungen zufolge besuchen will. Hierfür sollen nunmehr an der geplanten protokollarischen Wegstrecke kurzfristig Grünanlagen bereinigt, Müllansammlungen beseitigt, Straßen erneuert und künstlerisch anmutende Wandbilder angebracht werden.
(Text: RTVS)
Juli 5th, 2021 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte
Diskriminierung von Wohnungssuchenden bei der städtischen Bremer Baugesellschaft Brebau: Stadt setzte Sonderermittler ein und Controlling-Ausschuss arbeitet die Vorwürfe auf
Heute legt der externe Ermittler seine Untersuchungsergebnisse dem Aufsichtsrat vor (mehr hier).
In einem Schreiben informierte der Finanzsenator der Freien Hansestadt Bremen und Aufsichtsratsvorsitzender der Wohnungsbaugesellschaft Brebau, Dietmar Strehl, den Zentralrat Deutscher Sinti und Roma darüber, dass der Brebau-Aufsichtsrat die auch gegen Sinti und Roma gerichteten rassistischen Praktiken bei der Bremer Wohnungsbaugesellschaft Brebau schnell und lückenlos aufklären will. Dafür wurde auf einer außerordentlichen Aufsichtsratssichtung am 21. Mai 2021 einen Sonderermittler eingesetzt. Auch der Controlling Ausschuss der Bremischen Bürgerschaft hat sich der Aufarbeitung der Vorwürfe angenommen. Die diskriminierende Kennzeichnung von Wohnungssuchenden sei sofort gestoppt worden und die beiden Geschäftsführer der Brebau wurden bis zum Abschluss der Untersuchungen von ihrer Tätigkeit freigestellt.
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Juli 3rd, 2021 |
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Rassismus & Menschenrechte
Zusammen mit 200 Organisationen fordert Roma-Service Gerechtigkeit für Stanislav Tomáš: Offener Brief (29.6.2021)
[Übersetzt aus dem Englischen von Amaro Foro]
President of the European Council,
Mr Charles Michel,
President Ursula von der Leyen,
President David Maria Sassoli
Ambassador Iztok Jarc,
Vice-President Věra Jourová,
Commissioner Didier Reynders,
Commissioner Helena Dalli,
President of the Committee on Civil Liberties,
Justiceand Home Affairs,
Juan Fernando Lopez Aguilar,
ARDI Co-Presidents and Vice-Presidents
Das European Roma Grassroots Organisations (ERGO) Network möchte gemeinsam mit anderen Roma- und Pro-Roma- und Antirassismus-Organisationen der Zivilgesellschaft und Einzelpersonen weltweit der Familie und den Angehörigen von Stanislav Tomáš unser aufrichtiges Beileid aussprechen und hofft, dass der Gerechtigkeit schnell Genüge getan wird.
Wir fordern daher eine unabhängige, gründliche und objektive Untersuchung des Todes von Stanislav Tomáš, einem Roma-Mann aus Teplice in der Tschechischen Republik, der kurz darauf starb, nachdem zwei Polizeibeamte sich auf ihn gekniet und exzessive und unnötige Gewalt angewendet hatten, um ihn auf dem heißen Pflaster zu fixieren, selbst nachdem er mit Handschellen gefesselt war (mehr hier und hier). Wir sind zutiefst beunruhigt über die Aufnahmen, die Stanislavs letzte Momente seines Lebens zeigen, als die Polizei versuchte, ihn mit übermäßiger Gewalt festzunehmen. Read the rest of this entry »
Juli 1st, 2021 |
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Rassismus & Menschenrechte
Von unserem Kollegen Kapturak, Osteuropa-Historiker und Rechtsextremismus-Experte, erreicht uns via Twitter die Meldung von Ausschreitungen gegen Roma in Polen:
Am Sonntag kam es im südpolnischen Mielec zu romafeindlichen Ausschreitungen. Ein mit Stöcken bewaffneter Mob begab sich zu einer von Rom*nja bewohnten Gegend und forderte die Herausgabe eines an einer früheren Auseinandersetzung beteiligten Teenagers. (Anm.: Medienberichten zufolge gab es über 100 Beteiligte)
Die Polizei konnte die Gruppen trennen. Die Aufrührerin, die den Mob anführte, wurde wegen Aufruf zum Hass aufgrund von Nationalität festgenommen. Hintergrund ist ein Streit zwischen Jugendlichen. In der Folge waren romafeindliche Parolen an Hauswänden in der Stadt aufgetaucht.
Bereits 2017 berichtete Kapturak als Gastautor in dROMa über rassistische Proteste gegen Roma in Polen (siehe hier).
Juni 30th, 2021 |
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Ehrungen & Nachrufe, Rassismus & Menschenrechte
Vor einigen Tagen wurden die Preise des 21. Grimme Online Award vergeben. Wir stellen Ihnen einige der Preisträger (siehe: hier und hier) vor. Heute: die Webdokumentation „Gegen uns.“, ausgezeichnet in der Kategorie „Information“.
„Gegen uns.“ ist ein Gemeinschaftsprojekt des Verbands der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt e. V. und der Opferberatung „Support“ der RAA Sachsen e. V. Redaktion, Texte und Recherche: Heike Kleffner, Robert Kusche, Julia Oelkers (Leitung und Konzept), Katharina Wüstefeld und Ceren Türkmen.
„Gegen uns.“ – Preis verliehen für Recherche und Redaktion. Begründung der Jury:
Die Webdokumentation „Gegen uns.“ holt auf eindrucksvolle Weise die Lebensgeschichten von Opfern von Rassismus und rechtsextremistischer Gewalt aus der statistischen Anonymität. Nicht nur um die Tat an sich geht es bei den tiefgehenden und deshalb herausragenden Recherchen; auch der gesellschaftliche Kontext und die Langzeitwirkungen für Betroffene und ihr Umfeld werden mit multimedialen Mitteln von allen Seiten beleuchtet. Archivfotos und Dokumente ergänzen die erschütternden Erzählungen von einem Leben in latenter Gefahr und Bedrohung, von Erniedrigungen, Angriffen, Misshandlungen und Mord. Read the rest of this entry »
Juni 29th, 2021 |
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Facts & Figures, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
87 % der Roma in Portugal wissen nicht, dass es Gesetze gegen Diskriminierung aufgrund der ethnischen Zugehörigkeit gibt.
(Quelle)
Juni 28th, 2021 |
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Ehrungen & Nachrufe, Internet & Blogothek, Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Vor einigen Tagen wurden die Preise des 21. Grimme Online Award vergeben. Wir stellen Ihnen einige der Preisträger (siehe hier und hier) vor. Heute: die Podcast-Reihe „190220 – ein Jahr nach Hanau“, ausgezeichnet in der Kategorie „Information“.

Der rechtsterroristische Anschlag in Hanau am 19. Februar 2020 forderte neun Todesopfer, drei der Opfer gehörten der Minderheit der Sinti und Roma an: Mercedes Kierpacz, Kaloyan Velkov und Vili-Viorel Păun, der sein Leben verlor, weil er versuchte, den Mörder zu stoppen. Die sechsteilige Podcast-Dokumentation „190220 – ein Jahr nach Hanau“ von Viola Funk, Alena Jabarine, Sham Jaff und Seyda Kurt wurde in der Kategorie „Information“ ausgezeichent.
„190220 – ein Jahr nach Hanau“ – Preis verliehen für Recherche und Redaktion. Begründung der Jury:
Am 19. Februar 2020 ereignete sich in Hanau eines der größten rechtsextremen Attentate der Nachkriegszeit. Neun Menschen wurden ermordet: Ferhat Unvar, Mercedes Kierpacz, Sedat Gürbüz, Gökhan Gültekin, Hamza Kurtovic, Kaloyan Velkov, Vili Viorel Păun, Said Nesar Hashemi und Fatih Saracoglu. Weil der Attentäter tot ist, wird es keinen strafrechtlichen Prozess geben – und so bleiben zentrale Fragen unbeantwortet. Eindringlich widmet sich der Podcast „190220 – Ein Jahr nach Hanau“ genau diesen Fragen und legt damit den Finger in eine klaffende Wunde dieser Gesellschaft: Wie konnte es überhaupt so weit kommen? Hätte die Tat verhindert werden können? Und: Welche Verantwortung tragen die Sicherheitsbehörden? Herausragend sind die berührenden Gespräche, die die Journalistin Alena Jabarine mit Angehörigen und Überlebenden vor Ort führt, ohne je voyeuristisch zu werden. Read the rest of this entry »
Juni 27th, 2021 |
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Ehrungen & Nachrufe, Internet & Blogothek, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Vor zehn Tagen wurden in Köln, via Streaming und Zoom, die Preise des 21. Grimme Online Award vergeben. Wir stellen Ihnen einige der Preisträger vor (siehe: hier und hier). Den Anfang macht die Talkrunde „Die beste Instanz“, ausgezeichnet in der Kategorie „Spezial“.
1.400 Vorschläge wurden in diesem Jahr eingereicht – im letzten Preisjahr waren es ca. 1.000 Einreichungen. Das zeigt: Qualitativ hochwertige Online-Angebote sind relevanter denn je, nicht nur im Bereich der Unterhaltung, sondern auch zur Wissensvermittlung. 28 Webangebote wurden schließlich von einer Fachjury für den Preis nominiert.
In der Kategorie „Spezial“ durfte sich als erste Preisträgerin Enissa Amani mit ihrer spontan aufgesetzten Talkrunde „Die beste Instanz“ freuen, die als direkte Reaktion auf die Ausstrahlung einer Sendung des WDR-Formats „Die letzte Instanz“ (wir berichteten hier, hier und hier) produziert worden war.
„Die beste Instanz“ – Preis verliehen für Idee, Konzept und Redaktion. Begründung der Jury:
Inmitten der kontroversen Diskussion um die umstrittene WDR-Sendung „Die letzte Instanz“, in der sich eine rein weiß besetzte Runde von prominenten Personen unkundig und unangebracht über Rassismus unterhielt, reagierte die Comedienne Enissa Amani mit einer überraschenden Intervention und demonstrierte, wie es anders – besser – gehen könnte: Eigenständig initiierte, moderierte und finanzierte sie die Internet-Sendung „Die beste Instanz“, in der fünf Expert*innen fundiert, sachlich und informiert über Antisemitismus und Rassismus im Allgemeinen und Diskriminierungen gegen Sinti*ze und Rom*nja im Speziellen diskutierten. So fand ein inhaltlich bereicherndes, besonnenes, dialogisches Gespräch statt, bei dem die Teilnehmenden aufeinander eingingen, einander ergänzten und voneinander lernten. Damit steht die Sendung nicht nur mit dem kompetenten Inhalt, sondern auch mit der Art des Gesprächs im Kontrast zu anderen prominenten Formaten, in denen über aktuelle politische Themen debattiert wird. Read the rest of this entry »
Juni 24th, 2021 |
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Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen
Mahnwache in Wien gedenkt Opfer von Polizeigewalt in Tschechien
Sonntag, 27.6.2021, 20:00 bis 22:00 Uhr
Platz der Menschenrechte, Mariahilfer Str. 1, 1060 Wien
Stanislav Tomáš starb am Samstag nach einem schockierenden Fall von Polizeigewalt in Teplice, Tschechien (wir berichteten): Ein Polizist hatte sechs Minuten lang mit dem Knie auf dessen Genick gedrückt. Ein breites Bündnis aus Organisationen und Aktivist*innen lädt nun zur Mahnwache gegen Polizeigewalt am kommenden Sonntag am Platz der Menschenrechte in Wien ein. In die Öffentlichkeit kam der Fall durch das Video einer Augenzeugin, das den Übergriff in voller Länge zeigt. Der Fall wird aufgrund eindeutiger Parallelen bereits mit jenem von George Floyd verglichen. Auch dieses mal ist ein Mensch aus einer marginalisierten Gruppe betroffen, denn Stanislav Tomáš war ein Rom.
Die folgenden Organisationen rufen gemeinsam zu dieser Mahnwache auf, bei der des Opfers von Polizeigewalt gedacht wird und ein Zeichen gegen Rassismus gesetzt werden soll: Black Voices Volksbegehren, Verein Zentrum Exil, Jüdische österreichische Hochschüler:innen, Grüne und Alternative Student_innen (GRAS), Verein Hango, Initiative Minderheiten, KSV-LiLi Kommunistischer Stu-dent_innenverband, Kulturverein Österreichischer Roma, KZ-Verband Wien, Lovara-Roma Österreich, Newo Ziro, ÖH Uni Wien, Romano Centro, Romano Svato, Roma-Service, Volkshilfe Österreich, Verband Sozialistischer Student*innen (VSStÖ), Voice of Diversity, Zentrum Exil … (es schließen sich laufend Organisationen an).
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Juni 23rd, 2021 |
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Rassismus & Menschenrechte
Roma Lives Matter: Im tschechischen Teplice starb ein Rom, nachdem mehrere Polizisten minutenlang auf seinem Hals und Nacken gekniet waren. Ein Video zeigt Szenen wie im Fall George Floyds in den USA.
Die Roma-Community ist schockiert. Menschenrechts-NGOs fordern lückenlose Aufklärung. Tschechiens stellvertretende Grundrechtsbeauftragte (Ombudsfrau) Šimůnková hat eine Untersuchung der Polizeigewalt angekündigt. Polizei und Regierung hingegen weisen alle Vorwürfe zurück, loben die Polizisten und zeichnen ein Negativbild des Opfers (vorbestraft, Drogen, herzkrank). Premierminister Babiš dankt den Beamten für den Einsatz; sie hätten es nicht leicht gehabt.
Stellungnahme des Zentralrats, 23.6.2020:
Als „menschenverachtendes Vorgehen, das in seiner Abscheulichkeit und Brutalität nicht zu fassen ist“, bezeichnet Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma, den Einsatz der tschechischen Polizei, der zum Tode eines jungen Rom führte. Und zieht Parallelen zum Tod des US-Amerikaners George Floyd. Rose fordert die lückenlose Aufklärung und harte Bestrafung der beteiligten Polizisten. Außerdem will er Gespräche mit dem tschechischen Botschafter in Berlin und dem deutschen Außenminister Heiko Maaß führen. Darüber hinaus wird der Zentralrat direkt beim tschechischen Innenminister Jan Hamáček intervenieren.
Laut Medienberichten soll es sich um eine Prügelei zwischen zwei Männern gehandelt haben, als die Polizei am Tatort antraf. Während der eine flüchtete, lag der andere verletzt auf der Straße, als er von den Polizisten angesprochen wurde. Laut Polizei habe er äußerst aggressiv reagiert.
Nur weil ein Zeugenvideo im Netz veröffentlicht wurde, kam der Vorfall in Teplice, einer Kleinstadt nahe der deutschen Grenze, an die Öffentlichkeit. Darauf ist zu sehen, ähnlich wie im Fall Floyd, dass zeitweise drei Polizisten auf dem jungen Mann knieten. Einer von ihnen insgesamt sechs Minuten auf dem Nacken und dem Hals des am Boden Liegenden. Auch als der Festgehaltene nach vier Minuten keinen Ton mehr von sich gibt, fährt der Polizist mit seiner „Intervention“ auf dem mittlerweile regungslosen Mann fort. Er verstarb laut Angaben der Polizei noch während des Rettungseinsatzes.
Innenminister Jan Hamáček stellte sich kurze Zeit später hinter die beteiligten Polizisten. Sie hätten seine „volle Unterstützung“, Read the rest of this entry »
Juni 10th, 2021 |
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Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Razzia in Siedlung in Ostslowakei 2013: Nach der Verurteilung der Slowakei durch den Europäischen Menschenrechtsgerichtshof wurden nun mehrere Roma in Košice freigesprochen
Das Kreisgericht Košice hat am Mittwoch (9.6.) drei weitere Roma freigesprochen, die wegen Falschaussage gegen Polizisten angeklagt waren. Das Urteil ist rechtskräftig. Zwei andere Roma wurden bereits im Mai freigesprochen. Angeklagt bleibt noch eine Person. Bei einer umstrittenen Aktion am 19. Juni 2013 in der ostslowakischen Stadt Moldava nad Bodvou waren mehr als 60 Polizisten im Einsatz. Die Roma sagten aus, sie seien ohne Grund und brutal geschlagen worden. Laut der Inspektion des Innenministeriums, die den Einsatz untersuchte, habe die Polizei in Übereinstimmung mit dem Gesetz gehandelt. Die Staatsanwaltschaft erhob daraufhin Anklage gegen die Roma. Nach einer Stellungnahme der Generalstaatsanwaltschaft und einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (siehe: Polizeigewalt gegen Roma: Slowakei verurteilt) ließ die Staatsanwaltschaft die Anklage von fünf Roma im März fallen.
(Text: RTVS, 10.6.2021)
Juni 3rd, 2021 |
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Dokumente & Berichte, Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft
Bericht der Unabhängigen Kommission Antiziganismus fordert grundlegenden Perspektivwechsel in der Gesellschaft, eine „Wahrheitskommission“ über das Unrecht der Vergangenheit und Antiziganismus-Beauftragte in den Ländern. Tagung am 4./5. Juni.
Antiziganismus stellt ein massives gesamtgesellschaftliches Problem in Deutschland dar. So lautet das Resümee des Berichts der Unabhängigen Kommission Antiziganismus, der vom Deutschen Bundestag in Auftrag gegeben wurde. Die zentralen Inhalte des Kommissionsberichts werden am 4. und 5. Juni 2021 bei einer Online-Veranstaltung präsentiert. Der Bericht stützt sich auf 15 aktuelle, von der Kommission initiierte Studien. Sie greifen besonders die Perspektiven der Betroffenen auf. Hierfür wurden breite empirische Erhebungen durchgeführt.
Antiziganistischer Rassismus ist eine „allumfassende Alltagserfahrung für Sinti_ze und Rom_nja“, so die Kommission. Der Bericht konstatiert ein „Versagen deutscher Politik, deutscher Gesetzgebungen und deren Rechtsanwendung“. Untersucht wurde Antiziganismus beispielsweise in kommunaler Verwaltung, Schulbüchern und Polizei. Mehrere empirische Studien weisen hier institutionellen Antiziganismus nach.
Die Kommission fordert eine umfassende Strategie gegen Antiziganismus. „Wir brauchen einen grundlegenden Perspektivwechsel in der deutschen Gesellschaft, der die strukturellen Ursachen des Problems in den Blick nimmt.“ Entscheidend sei in diesem Kontext auch eine „Politik der nachholenden Gerechtigkeit“, „die das seit 1945 begangene Unrecht gegenüber Überlebenden und deren Nachkommen ausgleicht“. Zudem fordert die Kommission, „effektive und nachhaltige Partizipationsstrukturen für die Communitys der Sinti_ze und Rom_nja auf allen Ebenen zu schaffen“. Diese müssten verbindlich und auf Dauer angelegt sein. Die Unabhängige Kommission Antiziganismus empfiehlt Bund und Ländern, Beauftragte gegen Antiziganismus zu berufen und eine ständige Bund-Länder-Kommission zu schaffen, um die Arbeit gegen Antiziganismus auf höchster Ebene politisch zu verankern.
Eine weitere Forderung der Kommission lautet: „Die zahlreichen Defizite bei der ‚Wiedergutmachung‘ des Unrechts gegenüber Sinti_ze und Rom_nja müssen umgehend kompensiert und den Überlebenden ein Leben in Würde ermöglicht werden.“ Darüber hinaus solle ein umfassender Prozess der Aufarbeitung der sogenannten Zweiten Verfolgung nach 1945 durch eine von Perspektiven von Sinti_ze und Rom_nja geprägte Wahrheitskommission eingeleitet werden. Read the rest of this entry »
Mai 26th, 2021 |
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Rassismus & Menschenrechte
Verdacht auf systematische Diskriminierung von Wohnungssuchenden (u. a. von Schwarzen oder Roma und Sinti) bei der städtischen Bremer Baugesellschaft Brebau. Zentralrat Deutscher Sinti und Roma fordert umfassende Aufklärung und Entschädigung der Betroffenen sowie eine Entschuldigung vom Bremer Bürgermeister Bovenschulte.
Mit Empörung hat der Zentralrat auf die massiven rassistischen Diskriminierungen auch von Sinti und Roma durch die Bremer Baugesellschaft Brebau reagiert: „Die von den Medien geschilderten Vorgänge bei der Bremer Wohnungsbaugesellschaft Brebau stellen eine massive Diskriminierung der betroffenen Menschen dar. Besonders schwer wiegt, dass es sich hier um eine städtische Einrichtung handelt und es sich offenkundig nicht um Einzelfälle, also das Fehlverhalten einzelner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter handelt, sondern dass dahinter eine Systematik steckt. Darauf weisen die internen Anweisungen der Brebau an ihre Mitarbeiter und die Tatsache, dass es eigens für diese unrechtmäßige Erfassung eine programmierte Datenmaske gibt hin“, so der Vorsitzende des Zentralrats, Romani Rose.
Laut Presseberichten diskriminiert die städtische Wohnungsbaugesellschaft Menschen offenbar systematisch bei der Wohnungssuche. Das geht aus internen schriftlichen Anweisungen hervor, die von einem Mitarbeitenden der Brebau der Presse zugespielt worden sind. Die Brebau lässt demnach von ihren Kundenberaterinnen und Kundenberatern Vermerke über Bewerber erstellen, mit denen die Hautfarbe, die sexuelle Orientierung, die Religionszugehörigkeit oder die vermeintliche Abstammung im Rahmen einer „Zielgruppendefinition“ durch eigens dafür entwickelte Kürzel erfasst und in einer elektronisch geführten Akte gespeichert werden. Hiervon sind auch Menschen betroffen, die von der Brebau den Sinti und Roma zugeordnet werden und für die die Brebau die Abkürzung „E40“ eingeführt hat. Read the rest of this entry »