Michael Teichmann über „KAMBUKE“ in Graz
August 22nd, 2021 | Published in Einrichtungen, Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Roma sam
Radio Burgenland: 16.8.2021 | (on demand)

In der Sendung ist der Ethnologe Michael Teichmann von der Caritas Graz zu Gast. Als Leiter des Projektes „KAMBUKE | kamaha buti te kerel“, zu Deutsch „Wir wollen arbeiten“, erzählt er über die verschiedenen Arbeitsbereiche für und mit Roma.
Projekt „ROMEXA“
Knapp 500 Roma aus Osteuropa, meist aus der Slowakei, Rumänien, Bulgarien oder Ungarn, werden derzeit von der Caritas Graz in mehreren Projekten betreut. Eines davon ist das Projekt „ROMEXA“, das hauptsächlich zur Basisversorgung von Roma und Romnja dient, die von prekären ökonomischen und sozialen Situationen aus ihren Heimatländern nach Österreich migrieren.
Projekt „Chavore“ | Kinder“
Die Kinder der migrierten Familien haben die Möglichkeit am Projekt „Chavore“, zu Deutsch „Kinder“, teilzunehmen und sich dadurch schneller einzuleben. Aktuell werden 40 Kinder in diesem Projekt in Graz betreut, Teichmann unterstreicht die Bedeutsamkeit dieser Maßnahme für die Inklusion der Familien.
Kindheit ohne „Stereotype“
Michael Teichmann, geboren 1973, wuchs in Oberdrauburg, einer kleinen Gemeinde in Oberkärnten, auf. Dort besuchte er die Pflichtschule und anschließend das Gymnasium Lienz. Der heutige Ethnologe erzählt, dass es in seinem Elternhaus keinerlei Stereotype oder typische Vorurteile gegenüber anderen Völkern gab. 1992 begann Michael Teichmann an der Uni Graz zu studieren. Dort lernte er den Sprachwissenschaftler Dieter Halwachs kennen, der für die Kodifizierung und Didaktisierung des Burgenland-Romani verantwortlich zeichnet.
Mitarbeit bei „Mri Historija“ & „Amari Historija“
Teichmann unterstützte von Anfang an die Romabewegung seit den 1990er Jahren und hat bis heute einen sehr guten Kontakt zu den Burgenland-Roma. Er war auch bei der Erstellung der Bücher „Mri Historija“ und „Amari Historija“ beteiligt.
Coronakrise verschärfe die Situation
Die Coronapandemie traf auch die Roma und Romnja in Graz sehr hart, viele verloren ihre Arbeit oder kamen in Kurzarbeit. Die Auswirkungen waren teilweise fatal, da sich die Volksgruppenangehörigen grundsätzlich schon in einer ökonomischen Notlage befinden. Die Coronakrise hat diese Situation nur noch verschärft.
Grundsätzlich sieht Teichmann die Entwicklung der Roma in Österreich positiv. Vor allem die Burgenland-Roma betrachtet er als Vorzeigebeispiel in der EU. Die gesamteuropäische Situation bewertet der Ethnologe eher kritisch, da sich die Roma-Strategien nicht mit der alltäglichen Politik gewisser Länder decken.
(volksgruppen.orf.at / Adolf Rudolf Gussak)